Gespräche über alte Spiele
Henner: Hallo liebe Hörerinnen und Hörer und moin Christian.
Chris: Moin Henna.
Henner: Christian, wann hattest du denn dein erstes CD-Laufwerk im PC?
Chris: Ah, 94 schätze ich müsste das gewesen sein. 93 oder 94.
Henner: Also auch wie alle anderen nach Rebel Assault oder Seventh Guest.
Chris: Ja, Rebel Assault war die Killer-App. Ein Freund aus der Schule und ich haben
Chris: überlegt, ob wir uns gemeinsam ein Single-Speed-Laufwerk anschaffen sollen,
Chris: den Preis teilen und sind dann irgendwie nicht übereingekommen,
Chris: wie die Logistik von dem Ganzen aussehen soll, weil das hätte ja hin und her
Chris: wechseln müssen zwischen unseren jeweiligen Rechnern.
Chris: Und haben diesen Plan dann wieder ad acta gelegt. Aber das war spezifisch wegen
Chris: und für Repel Assault geplant, diese Anschaffung.
Chris: Und dann hat es doch noch ein bisschen gedauert, bis dann ein Double-Speed-Laufwerk
Chris: in meinen PC und nur in meinen PC einen Zug gefunden hat. Und mein Freund hat
Chris: sich ja auch einzubekommen.
Henner: Ja, das war eine gute Entscheidung. Aber mit 93, 94 warst du ja relativ spät dran.
Henner: Da kamen dir Commodore ein paar Jahre zuvor. Die hatten nämlich schon 1991 einen
Henner: Amiga im Angebot mit CD-Laufwerk und das ist ja auch auf dem Papier zumindest die perfekte Synergie.
Henner: Der Amiga, wie wir ihn ja gerade in einer Folge ausführlich vorgestellt haben,
Henner: ist ja eine Multimedia-Maschine und die CD-ROM ist das Multimedia-Medium.
Henner: Das eignet sich für Musik, für Videos und für komplexe Software,
Henner: auch für Spiele. Und diese Symbiose, die könnte dem Amiga nun den Weg in die Zukunft ebnen.
Henner: Stattdessen hat aber diese Zusammenführung von der Amiga-Technik und der CD-ROM-Technik
Henner: das Ende des Amigas eingeläutet, mit gleich zwei aufeinanderfolgenden Flops, dem CDTV und dem CD32.
Henner: Und über die wollen wir heute mal sprechen.
Chris: Genau, das sind unsere beiden Themen. Das werden wir auch auf zwei Folgen aufteilen
Chris: in dieser Mini-Staffel.
Chris: Und das knüpft thematisch natürlich an an unsere Staffel zum Amiga.
Chris: Keine Sorge, diese Staffel hier zu CDTV und CD32 kann man problemlos für sich hören.
Chris: Das setzt kein Vorwissen voraus. Wir werden aber jetzt in die Vorgeschichte
Chris: des Amigas nur ganz grob eingehen und verweisen an dieser Stelle auf die Staffel
Chris: für den Amiga, wenn man sich dafür interessiert.
Chris: Heute geht es gekapselt um diese beiden Geräte, um das CDTV und das CD32.
Henner: Ganz genau. Und da können wir auch anfangen, denke ich, bei einem kurzen Rückblick
Henner: auf die Entstehungsgeschichte des Amigas und wirklich ganz kurz,
Henner: denn alles andere habt ihr ja schon in der Haupt-Amiga-Folge gehört.
Henner: Amiga beginnt erstmal nicht als Commodore-Produkt, sondern Amiga ist zunächst
Henner: mal ein Start-up, ein eigenes Unternehmen und das wird zu Beginn der 80er Jahre
Henner: gegründet von ehemaligen Atari-Ingenieuren.
Henner: Die wollen zunächst eine fortschrittliche Konsole bauen, die sich eventuell
Henner: auch zum Heimcomputer aufrüsten lässt.
Henner: Dann kollabiert der US-Konsolenmarkt 1983 und diese Start-up schwenkt um auf
Henner: die Entwicklung eines reinen Computers, der technisch anknüpft an den Atari 400 und 800.
Henner: 1984 dann wird diese junge Firma übernommen von einem etablierten Computerhersteller,
Henner: der gerade selbst nach einem neuen System sucht, nämlich Commodore.
Henner: Die sind ja erfolgreich mit dem C64 vor allem und die suchen etwas,
Henner: ein Gerät der nächsten Generation, etwas was sie in die 16-Bit-Ära hineinträgt.
Henner: Das haben sie im Amiga gefunden und bringen 1985 den Amiga 1000,
Henner: also als Commodore-Produkt raus, als professionelles Arbeitsgerät.
Henner: Da drin stecken eine 16-Bit-CPU, das ist der Motorola 68000 und ein selbstentwickelter
Henner: Chipsatz, das ist das Herz des Amigas eigentlich bis zum Schluss.
Henner: Dieser Chipsatz, der erlaubt vor allem eine sehr flexible, sehr farbreiche 2D-Grafik
Henner: und digitalisierte Klangwiedergabe.
Henner: Der erste Amiga ist trotz dieser Fähigkeiten nur mäßig erfolgreich,
Henner: bis Commodore 1987 einen Nachfolger bringt, sogar zwei Nachfolger für den Amiga
Henner: 1000, die jeweils eine andere Zielgruppe adressieren.
Henner: Der größere von den beiden ist der Amiga 2000. Das ist ein erweiterbarer Arbeitsrechner,
Henner: eine Multimedia Workstation.
Henner: Wird dann auch vor allem eingesetzt für Bildverarbeitung und für Videoproduktion.
Henner: Und darunter angesiedelt ist der Amiga 500. Das ist das Einstiegsgerät und der
Henner: ist primär ein Gegner für den Atari ST, ein Heimcomputer.
Henner: Der wird sehr erfolgreich, vor allem in Europa und dort auch zur sehr beliebten
Henner: Spieleplattform, durchaus eine Konkurrenz zu den Konsolen.
Henner: Und auf diese Weise wird er jetzt zu einem inoffiziellen Nachfolger des C64
Henner: und löst, glaube ich, in vielen Haushalten auch andere 8-Bit-Heimrechner ab,
Henner: wie die alten Atari-Rechner oder ZX Spectrum und andere Systeme.
Chris: Aber dass das eine Weile dauert, bis der Amiga Erfolg im Markt findet,
Chris: das hat natürlich auch seinen Preis. Denn zu diesem Zeitpunkt,
Chris: also wir sind jetzt hier Ende der 80er, Anfang der 90er, da beginnt die Plattform zu veralten.
Chris: Der Chipset wird kaum weiterentwickelt, auch der Prozessor verharrt auf dem
Chris: Stand von 1985 und parallel geht ja die Entwicklung von den Konkurrenzsystemen,
Chris: insbesondere den IBM-kompatiblen PCs weiter.
Chris: Die werden immer schneller, die werden spieletauglicher, die werden auch günstiger.
Chris: Die kommen aus den Büros raus und in die Haushalte.
Chris: Und wir haben um die Jahrzehntwende dann, um 1990, haben wir dann in den vielen
Chris: von diesen IBM-PCs schon 386er drinstecken.
Chris: Der Intel 386 ist ja auch im Jahr 1985 in den Markt eingeführt worden.
Chris: Das dauert dann immer eine Weile, bis sich sowas in der Masse verbreitet.
Chris: Aber das ist dann Ende der 80er, Anfang der 90er der Fall.
Chris: Und der ist wesentlich leistungsstärker als der 68.000er. Es gibt ja das Originspiel
Chris: Wing Commander als so eine Art Wasserscheide.
Chris: Das läuft zwar nominell noch auf einem 286er, aber empfohlen wird für das Spiel auf dem PC ein 386er.
Chris: Und es gibt auch eine Amiga-Version davon, die ist auf einem Amiga 500 durchaus spielbar.
Chris: Aber man merkt halt, wie dieses System an seine Grenzen kommt,
Chris: Und wie der 68.000er da arbeiten muss, um einen Wing Commander darstellen zu
Chris: können, während ein 386er das spielend hinkriegt.
Chris: Und parallel dazu haben wir natürlich auch Konkurrenz aus dem Konsolen-Segment.
Chris: Die Konsolen kommen auch aus der 8-Bit-Ära und jetzt kommen die 16-Bit-Geräte.
Chris: Also die PC Engine 1987 ist das erste von diesen Geräten, aber relevant im Westen
Chris: vor allen Dingen das Mega Drive und das Super NES. Und angesichts dieser Marktsituation
Chris: muss Commodore jetzt handeln.
Henner: Ja und eine Möglichkeit wäre ja, eine eigene Konsole zu entwickeln,
Henner: um diesen 16-Bit-Geräten was entgegensetzen zu können, was auch auf dem US-Markt
Henner: vielleicht bessere Chancen hat, denn dort ist der Amiga traditionell nicht so
Henner: stark wie in Europa. Dort herrschen die Konsolen vor.
Henner: Und Commodore hat durchaus, das wissen wahrscheinlich nicht alle,
Henner: zu dieser Zeit schon Erfahrung auf dem Konsolenmarkt.
Henner: Schon seit den 70ern sogar. Denn in den späten 70er Jahren hat Commodore,
Henner: wie so viele andere auch, zwei Pong-Klon-Konsolen auf den Markt gebracht.
Henner: Die hießen Commodore TV Game 2000K und 3000K.
Henner: Und ja, wie bei all diesen Geräten sind da ein paar Spiele fest integriert.
Henner: Also die haben keine wechselbaren Module oder sowas. Und all diese Spiele sind Varianten von Pong.
Henner: Aber dabei ist es auch nicht geblieben, denn es kam später noch eine Commodore-Konsole auf den Markt.
Henner: 1988 war es, da hat Commodores langjähriger Vorstandsvorsitzender Irving Gold
Henner: in der Entwicklungsabteilung von Commodore ein neues Gerät in Auftrag gegeben
Henner: und zwar einen funktionsreduzierten Amiga 500, ein kleineres,
Henner: technisch vereinfachtes Gerät.
Henner: Das nur den halben Arbeitsspeicher bekommen soll, 256 Kilobyte statt 512,
Henner: soll einen Modulschacht bekommen, wie bei Konsolen üblich ist,
Henner: anstelle des Diskettenlaufwerks und zwei Joystick-Anschlüsse.
Henner: Also alles, was eine Konsole braucht.
Henner: Maus, Tastatur, Diskettenlaufwerk, das kann man alles weglassen.
Henner: Die sollen sich anschließen lassen, aber die sind nicht fest integriert oder beigelegt.
Henner: Und so soll eine Konsole entstehen, die sich aufrüsten lässt zum vollwertigen
Henner: Computer, wenn man das möchte. Das ist ja ein Konzept, das ursprünglich schon
Henner: mal geplant war für den Amiga und jetzt wird diese Idee wiederbelebt, Ende der 80er Jahre.
Henner: Und aus diesem Projekt entsteht auch ein Prototyp, der heißt intern Amiga 250.
Henner: Und der wird im Januar 89 ausgewählten Besuchern auf der CES,
Henner: auf der großen Elektronikmesse vorgestellt, also nicht dem breiten Publikum,
Henner: sondern nur einigen ausgewählten Fachbesuchern. Und die Reaktionen sind wohl so verhalten positiv.
Henner: Commodore hält erstmal an den Plänen auch fest, aber nicht lange,
Henner: denn als Gold irgendwann mal spitz kriegt, wie viel das eigentlich kosten würde,
Henner: dieses Gerät zur Marktreife weiterzuentwickeln.
Henner: Also die Hardware zu finalisieren, die Serienfertigung zu starten und die entsprechenden
Henner: Module herzustellen, die das ja braucht, stellte das Projekt auch schon wieder ein.
Henner: Ende Januar 89 ist es schon wieder am Ende.
Henner: Das Problem sind vor allem die Module, die sehr teuer in der Fertigung sind.
Henner: Da sind ja Speicherchips drin, die sind in der Fertigung viel teurer als Disketten.
Henner: Und das sind ja in vielen Fällen schon Spiele, die sich verteilen auf mehrere
Henner: Disketten und das bedeutet 1,5 bis noch mehr Megabyte, die dieses Modul fassen
Henner: müsste und das erhöht die Produktionskosten gewaltig.
Chris: Nur um das kurz in Relation zu stellen, wir sind ja hier noch in der Ära,
Chris: wo das NES von Nintendo die populärste Heimkonsole ist und da fasst so ein Modul 1 bis 3 Megabit,
Chris: das sind also 375 Kilobyte und eine Amiga-Diskette fast 880 Kilobyte.
Chris: Also so ein typisches NES-Modul hat nicht mal die Hälfte des Speicherplatzes
Chris: wie eine einzelne Amiga-Diskette.
Chris: Und auch das Mega Drive, das ist ja in Japan schon draußen zu dieser Zeit im
Chris: Jahr 89, da ist die Standardgröße der Module 4 Megabit, also ein halbes Megabyte.
Chris: Auch nicht ausreichend, um überhaupt eine einzige Amiga-Diskette abbilden zu können.
Chris: Also man merkt, was für ein Platzbedarf auf diesen Modulen drauf wäre.
Chris: Und das ist, wie du schon sagtest, teuer.
Chris: Wegen den Speicherchips. Man bräuchte ein Medium, auf das mehr draufpasst,
Chris: deutlich mehr und das nicht so viel kostet wie Module.
Chris: Das wäre nicht schlecht, aber da sind wir noch nicht.
Henner: Das sind wir doch nicht, genau. Denn dieses Projekt wird erstmal beerdigt wieder,
Henner: aber ich habe es ja gerade eigentlich versprochen, dass Commodore nochmal den
Henner: Konsolenmarkt betreten würde und das passiert jetzt auch,
Henner: wenn auch nicht mit einem abgespeckten Amiga, wie ursprünglich vorgesehen,
Henner: sondern mit einem abgespeckten C64.
Henner: Der kommt ja jetzt langsam arg in die Jahre.
Henner: Das ist ja immer noch ein altes 8-Bit-System.
Henner: Und trotzdem muss diese Plattform jetzt nochmal herhalten für ein neues Gerät.
Henner: Und ein Ingenieursteam fängt im Jahr 1990 nun an, den alten C64 auf ein,
Henner: genau wie beim Amiga 250, ein kompaktes,
Henner: tastaturloses und modulbasiertes Spielegerät runterzuschrumpfen.
Henner: Und das Ergebnis ist das C64 Games System.
Henner: Und das sieht also aus wie ein C64, dem man die Tastatur geklaut hat.
Henner: Das Gerät leidet leider unter mehreren
Henner: Problemen. Man kann keine Laufwerke anschließen, anders als beim C64.
Henner: Das heißt, die ganzen klassischen C64 Spiele, von denen jeder Haushalt mehrere
Henner: Diskettenboxen voll hat, die lassen sich damit nicht laden.
Henner: Man ist angewiesen auf die Module. Und wir haben ja gerade gehört, wie teuer Module sind.
Henner: Und ohne die Tastatur sind auch viele davon gar nicht zu steuern.
Henner: Die sind ja oft auf die Tastatur angewiesen.
Henner: Nun liegt dem C64 Games System ein Joystick bei, aber der ist grauenvoll,
Henner: der ist legendär schlecht.
Henner: Damit kann man die Spiele also auch nicht vernünftig steuern.
Henner: Und ja, die wenigen Spiele, die dafür rauskommen, sind leider in den allermeisten
Henner: Fällen einfach Umsetzungen, also Neuauflagen von bekannten C64-Titeln.
Henner: Da ist also keine Killer-App dabei, nichts, wofür es sich lohnen würde,
Henner: dieses C64-Games-System zu kaufen.
Henner: Und noch dazu ist dieses Games-System kaum billiger als ein richtiger C64.
Henner: Und teurer als ein NES und auf dem kann man Mario 3 spielen.
Henner: Also wer braucht da noch dieses Games-System?
Henner: Das Ganze ist also ein vorhersehbarer Fehlschlag.
Henner: Das erkennt auch die Presse. Die 64er, dieses C64-Magazin, nennt das System
Henner: im Januar 92 ein fehlgeschlagenes Experiment.
Henner: Und die Kritik ist, das sei halt einerseits nicht als Computer nutzbar,
Henner: anders als der reguläre C64.
Henner: Und andererseits könnte das mit modernen Videospielkonsolen nicht mithalten.
Henner: Und du hast es ja schon beschrieben, seit 88 ist das Mega Drive da.
Henner: Also der Konsolenmarkt ist eigentlich schon in der 16-Bit-Ära angekommen.
Henner: Also das hilft alles nichts. Man hätte schon diesen Amiga 250 gebraucht,
Henner: aber mit diesem C64GS hat man nichts in der Hand gegen die aufkommenden Konsolen.
Henner: Das Problem ist also weiterhin dasselbe.
Henner: Die Amiga-Plattform wird mehr und mehr bedrängt von den günstigen und leistungsfähigen
Henner: Konsolen. Ja und jetzt kommt eine mögliche Rettung.
Henner: Du hast ja gerade schon gesagt, man bräuchte ein günstiges neues Speichermedium
Henner: mit viel Speicherkapazität und das gibt es ja schon längst, nämlich die CD-ROM.
Chris: Ja, das gibt es schon eine ganze Weile zu diesem Zeitpunkt. Das basiert natürlich
Chris: auf der Compact-Disc, auf der CD, die entwickelt wurde von einem Konsortium,
Chris: einer Kollaboration zwischen den Firmen Philips und Sony.
Chris: 1982 ist die Audio-CD auf den Markt gekommen, aber schon im Jahr darauf,
Chris: 1983, wird eine Spezifikation erstellt für eine CD als Datenträger,
Chris: um Computerdaten speichern zu können, also die CD-ROM.
Chris: Als vorläufiger Standard, wie gesagt 1983, es dauert dann bis 86,
Chris: bis die ersten Laufwerke auf den Markt kommen, die tatsächlich solche CD-ROMs lesen können.
Chris: Und die Apple-Geräte, also der Macintosh, die kriegen zwei Jahre später,
Chris: 1988, dann auch solche Laufwerke.
Chris: Ab diesem Moment kann man theoretisch in seinem PC oder Mac bereits CD-ROMs
Chris: nutzen und entsprechende Laufwerke drin haben. Der erste Computer der Welt,
Chris: der standardgemäß mit einem CD-ROM-Laufwerk ausgeliefert wird,
Chris: kommt in Japan auf den Markt im Jahr 1989.
Chris: Das ist der FM Towns von Fujitsu.
Chris: Ja und so eine CD-ROM, da passt ziemlich viel rauf.
Chris: Viel mehr als auf so ein Spielmodul, nämlich mindestens 550 Megabyte.
Chris: Das ist aus der Perspektive des Modul- und Diskettenzeitalters unglaublich viel.
Chris: Stand man davor und dachte, wie kann man jemals so viel Platz füllen?
Chris: Zum Vergleich, eine typische Festplatte dieser Ära hat 10 oder 20 Megabyte und die CD-ROM 550.
Chris: Also die Dimension ist gewaltig. Und noch dazu ist so eine CD-ROM wahnsinnig günstig herzustellen.
Chris: Insbesondere natürlich im Vergleich zu den alternativen Datenträgern,
Chris: also Modulen oder Festplatten, die auch in der Lage wären, theoretisch größere
Chris: Mengen an Daten aufzunehmen als so eine Diskette.
Chris: Nun, diese ersten CD-ROMs werden nicht für Spiele benutzt, sondern in erster
Chris: Linie sind das Nachschlagewerke, Datenbanken, die darauf ausgeliefert werden,
Chris: also seriöse Programme.
Chris: Aber schon Ende 1988 bringt in Japan NEC ein CD-ROM-Laufwerk für die japanische
Chris: Konsole PC Engine auf den Markt und damit dann auch die ersten CD-ROM-basierten Spiele,
Chris: nämlich Monster Lair und Fighting Street.
Chris: Und auf der CES, also der Computermesse in den USA im Januar 1989,
Chris: das ist die gleiche Messe, wo Commodore den Amiga 250 vorgestellt hat,
Chris: der dann nie auf den Markt kam,
Chris: da ist der Trend zur CD als Datenträger schon nicht mehr zu übersehen.
Chris: Dort präsentiert also NESI die US-Version dieses CD-Laufwerks für die PC Engine,
Chris: das heißt in den Staaten Turbo Graphics CD.
Chris: Und CinemaWare, die Spielefirma, zeigt eine CD-Version von Defender of the Crown.
Chris: Die erscheint zwar nie, diese Version des Spiels, aber dafür gibt es andere
Chris: CD-Spiele, die da jetzt in dieser Zeit dann auf den Markt kommen.
Chris: Das erste Spiel, das auf dem PC als CD auf den Markt kommt, ist The Manhole.
Chris: Das kommt 1989 raus. Im Vorjahr, 1988, ist das als Deskettenversion erschienen.
Chris: Und jetzt kommt es also nochmal raus als CD-Version. Und damit werden die Türen
Chris: aufgestoßen für CD-Spiele.
Henner: Jetzt stellt sich für die Spielehersteller allerdings die Frage,
Henner: was machen wir denn mit so viel Platz?
Henner: Und die meisten frühen CD-Spiele, die finden darauf vor allem eine Antwort,
Henner: sie packen digitale Musik drauf, also nach dem Audio-CD-Standard als musikalische
Henner: Untermalung des Spielgeschehens und später packen sie dann auch komplexere Grafiken da drauf,
Henner: Sprachausgabe für Adventures, Videosequenzen manchmal.
Henner: Und damit läutet die CD-ROM dieses große Multimedia-Zeitalter in der Computerbranche ein.
Henner: Das ist ja ein großes Schlagwort Anfang der 1990er. Da gibt es keinen PC,
Henner: der ohne das Schlagwort Multimedia beworben würde.
Henner: Und 1990 entwickelt dann auch ein Firmenkonsortium, angeführt von Microsoft,
Henner: eine Systemspezifikation für Multimedia-fähige PCs.
Henner: Dieser Standard nennt sich MPC und bekommt auch ein eigenes,
Henner: ziemlich hässliches Logo.
Henner: Ist also vor allem ein Marketinginstrument, das helfen soll,
Henner: die Multimedia-Tauglichkeit von Windows-Rechnern zu fördern und zu verändern.
Henner: Zu bewerben. Der Standard setzt sich in dieser Form zwar nicht durch,
Henner: aber multimedia-tauglich werden die PCs dann trotzdem.
Henner: Das liegt allerdings vor allem an den Killer-Applikationen, die dann 1993 auf
Henner: den Markt kommen und die haben wir zum Teil gerade schon genannt.
Henner: Das sind vor allem die Spiele Rebel Assault, Seventh Guest und auch Myst.
Henner: Die verleiten viele dazu, sich jetzt endlich für ihren PC auch mal ein CD-Laufwerk zu kaufen.
Henner: Jetzt ist also die CD-ROM im Massenmarkt angekommen. Das hätte allerdings schon
Henner: viel früher stattfinden sollen,
Henner: zumindest wenn es nach Philips und Sony gegangen wäre, die ja schon wie du es
Henner: erzählt hast, in den frühen 80ern eigentlich die CD-ROM als solche entwickelt
Henner: und als Datenträger vorgesehen haben.
Henner: Das hat also noch eine ganze Weile gedauert. Philips hat das noch auf anderem Wege versucht.
Henner: Die hatten gar nicht vor, die CD-ROM als PC-Medium in den Markt zu bringen und durchzusetzen.
Henner: Die hatten ihr eigenes Format auf CD-Basis entwickelt und 1986 angekündigt,
Henner: nämlich CD-i, also eine Plattform für interaktive CD-basierte Multimedia-Player.
Henner: Die ersten CD-i-Geräte, die sollen schon 1987 eigentlich rauskommen.
Henner: Daraus wurde nichts, warum nicht, das könnt ihr euch gerne nochmal anhören in unserer CD-i-Folge.
Henner: Die Idee dahinter ist aber eigentlich gar nicht so schlecht.
Henner: Also sie versuchen hier ein Gerät in den Markt zu bringen, das technisch angelehnt
Henner: ist an einen Computer, aber viel leichter zu bedienen.
Henner: Ohne eine Tastatur, stattdessen komplett zu steuern mit einer Fernbedienung,
Henner: wie man sie aus dem Wohnzimmerkontext schon kennt.
Henner: Angeschlossen an einen Fernseher, nicht an einen Monitor.
Henner: Und das ist so ein Gegenentwurf zu den PCs und den Heimcomputern dieser Zeit,
Henner: aber eben auch Multimedia-tauglich. Diese Geräte brauchen allerdings in der
Henner: Entwicklung dann noch etwas länger als von Philips vorhergesehen.
Henner: Die allerersten Modelle kommen erst 1990 auf den Markt von Sony,
Henner: das sind rein japanische Handheld-Modelle und die eigentlich von Philips geplanten
Henner: wohnzimmertauglichen Standalone-Geräte, die kommen erst 1991.
Henner: Also Philips versucht hier eine eigene CD-basierte Multimedia-Plattform mit
Henner: Computertechnik auf den Markt zu bringen und Philips ist damit nicht alleine,
Henner: denn Commodore versucht jetzt genau das gleiche, denn auch bei Commodore hat
Henner: man natürlich längst erkannt, welches Potenzial in der CD-ROM steckt.
Chris: Ja, das ist ja auch kein Wunder, weil der Amiga ist ja von Anfang an eine Multimedia-Plattform.
Chris: Der kann mit digitalisierten Fotos umgehen, der kann mit digitalisierten Klängen umgehen.
Chris: Gleich mehrere Amiga-Anwendungen etablieren sich in dem Bereich als Branchenstandard.
Chris: Das Zeichenprogramm Deluxe Paint zum Beispiel oder die Videolösung Videotoaster
Chris: oder das Multimedia-Authoring-System Scala.
Chris: Aber ein CD-Laufwerk gibt es für den Amiga zunächst nicht.
Chris: Wo wir ja vorhin schon erwähnt haben, dass ab der zweiten Hälfte der 80er die
Chris: PCs und die Macs damit ausgestattet werden können, bringt Commodore sowas für
Chris: den Amiga nicht auf den Markt.
Chris: Aber hinter den Kulissen bei Commodore
Chris: wird mit optischen Laufwerken schon experimentiert zu dieser Zeit.
Chris: Und zwar geht das schon 1987 mit ersten Experimenten los,
Chris: aber der wesentliche Meilenstein passiert im Jahr 1989,
Chris: als nämlich Commodore's leitender Produktentwickler Don Gilbreth ein CD-Laufwerk
Chris: mit einem Amiga 500 verbindet und damit dann über ein von ihm selbst entwickeltes
Chris: Interface Musik-CDs wiedergeben kann,
Chris: die Wiedergabe mit dem Amiga steuert.
Chris: Und auf Basis von dieser Erfahrung arbeitet er dann zusammen mit einem Kollegen
Chris: ein Konzept aus, das den Amiga und die neue CD-Technik vereint.
Chris: Aber dieses Konzept sieht nicht etwa vor, dass jetzt ein handelsüblicher Amiga
Chris: ein CD-Laufwerk bekommen würde.
Chris: Sondern der Gedanke, die Idee hinter diesem Konzept von Gilbreth ist eigentlich
Chris: genau die gleiche wie bei dem CD-Eye, das ja schon vor einer Weile von Philips
Chris: angekündigt war, aber auf sich warten lässt.
Chris: Also der Gedanke ist hier, auch einen wohnzimmertauglichen Player zu machen,
Chris: auf Basis eines Amigas und natürlich eines CD-ROM-Players, aber nicht als Computer.
Chris: Sondern als Gerät für den Fernseher im Wohnzimmer. Da
Chris: gibt es ein Strategie-Meeting bei Commodore in der Mitte des Jahres 1989 und
Chris: dort präsentieren Gilbreth und sein Kollege dieses Konzept und sie erhalten
Chris: dann vom Vorstandsvorsitzenden Irving
Chris: Gold und von Commodore's damaligen Präsidenten Medi Ali die Freigabe,
Chris: dieses Konzept zu einem Produkt weiterzuentwickeln. Weil das scheint ja auch
Chris: perfekt zum Amiga zu passen.
Chris: Der Amiga ist mit seinem Multimedia-Chipset bestens geeignet,
Chris: um das Potenzial von der CD-ROM-Technologie auszuschöpfen.
Chris: Und auf dem Heimanwendermarkt fühlt sich Commodore ohnehin wohler als auf dem
Chris: ziemlich hart umkämpften Büromarkt.
Chris: Und Irvingold hofft mit einer Verlagerung vom Büro ins Wohnzimmer der wachsenden
Chris: Konkurrenz durch die IBM-kompatiblen PCs zu entgehen. Weil die PCs wuchern überall
Chris: rein in die Büros, aber nicht ins Wohnzimmer. Da haben sie noch nichts zu suchen.
Chris: Und dieses Konzept, das ist jetzt der Startschuss für die Entwicklung des CDTV.
Henner: Commodore ist ja weltweit aufgestellt. Die haben überall Abteilungen und überall
Henner: auch Entwicklungsabteilungen, nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland
Henner: zum Beispiel oder in Japan.
Henner: Und dieses CDTV, das entsteht jetzt in Commodore's Abteilung für spezielle Projekte.
Henner: Das ist eine Abteilung, die eigentlich einmalige Entwicklungen ersinnt,
Henner: eigentlich eher Dinge oder Projekte, Gerätschaften, die nicht für die Massenfertigung gedacht sind.
Henner: Trotzdem kümmern die sich jetzt darum, dieses Amiga-basierte CD-Gerät zu entwickeln,
Henner: das ja durchaus ein Massenprodukt werden soll. Diese Abteilung ist sehr weit
Henner: unabhängig vom restlichen Unternehmen, sowohl organisatorisch als auch finanziell und auch räumlich.
Henner: Die sitzen da also in ihrem eigenen Gebäude und werkeln dann an ihrem CDTV-System herum.
Henner: Dafür stellt Gilbreth sein eigenes CDTV-Team zusammen und dieses Team verwendet
Henner: für das Projekt bald einen internen Codenamen. Das ist BABY.
Chris: Super.
Henner: So entsteht also auf der Basis des Amiga 500 ein Prototyp, der im November 1989 erstmals läuft.
Henner: Und ein weiterentwickelter Prototyp
Henner: wird dann im Frühjahr 1990 auch der Unternehmensführung präsentiert.
Henner: Und die gibt grünes Licht, das Ganze weiterzuentwickeln zu einem Massenprodukt
Henner: und das Ganze auf den Markt zu bringen fürs Weihnachtsgeschäft 1990.
Henner: Das ist sehr ambitioniert, denn wir haben jetzt gerade mal einen lauffähigen
Henner: Prototyp. Aber für die Serienfertigung ist schon noch ein bisschen mehr zu tun
Henner: und Software braucht so ein Gerät ja auch noch.
Henner: All das ist eigentlich gar nicht zu schaffen bis Ende 1990 oder im Idealfall,
Henner: um das Weihnachtsgeschäft komplett mitzunehmen, ja bis Sommer 1990.
Henner: Das wissen auch einige von den erfahreneren Amiga-Ingenieuren,
Henner: Jeff Porter zum Beispiel, der tut das damals als viel zu ambitioniert ab.
Henner: Aber Gilbreth verspricht das zu schaffen und tut dann auch sein Bestes,
Henner: das wirklich zu erreichen.
Henner: Mithilfe von verschiedenen Zulieferfirmen, also nicht alles alleine,
Henner: will er das Gerät bis zum Jahresende fertigstellen.
Henner: Da gibt es allerdings noch eine größere Hürde und das ist gerade das zentrale
Henner: Element neben der Amiga-Platine, das CD-ROM-Laufwerk.
Henner: Das ist vor allem ein großer Kostenfaktor.
Chris: Schon wieder. Wie bei den Modulen vorhin. Das gibt es doch gar nicht.
Henner: Ja, die CDs sind billig, aber das Laufwerk dazu ist teuer. Du hast dir mit einem
Henner: Freund zusammen die Kosten aufteilen wollen für ein Laufwerk und das war 1993.
Henner: Und hier sind wir 1990, da sind die Dinger noch viel teurer.
Chris: Das ist Hightech. Genau.
Henner: Porter hat später auch mal in dem Interview das so gesagt, was das CDTV wirklich,
Henner: wirklich, wirklich teuer gemacht hat, war das CD-Laufwerk.
Henner: Und das stimmt auch, Ende 1990 kosten solche Geräte im Laden 700 bis 1000 US-Dollar.
Henner: Die US-Zeitschrift Compute hat damals geschrieben, dass die in den meisten Geschäften
Henner: überhaupt gar nicht erst zu bekommen seien.
Henner: Also das ist zu der Zeit noch sehr exotische Technik.
Henner: Ja, und das bleibt auch bis zum Schluss ein ungelöstes Problem.
Henner: Dieses Laufwerk bleibt einfach ein wesentlicher Kostenfaktor,
Henner: auch wenn Commodore hier und da es schafft, die Kosten ein bisschen zu senken.
Henner: Zumindest die Schnittstelle, die wird günstiger. Auf dem PC herrscht zu dieser
Henner: Zeit noch SCSI vor oder auch SCSI, wenn man diese Aussprache bevorzugt.
Henner: Das ist eine Profischnittstelle, die sehr, sehr teuer ist und Commodore entwickelt
Henner: lieber was Eigenes. Dieser günstigere PATA oder IDE-Standard,
Henner: der sich später im PC-Sektor durchsetzt, den gibt es zu der Zeit noch gar nicht.
Henner: Zumindest nicht für optische Laufwerke, nur für Festplatten.
Henner: Auf den können sie also nicht zugreifen, deswegen entwickeln sie ein eigenes System.
Henner: Das ist proprietär, das kostet natürlich wieder Zeit und bindet Entwicklungsressourcen,
Henner: aber es spart auch eine Menge Geld.
Henner: Trotzdem, wie gesagt, das Ergebnis
Henner: bleibt zu teuer und das bleibt auch ein Problem für diese Plattform.
Henner: Aber dazu kommen wir noch. Was macht man denn damit? Das ist die entscheidende Frage erstmal.
Chris: Ja genau, so ein Ding braucht ja auch Software und das innerhalb von weniger
Chris: als einem Jahr zur Marktreife zu prügeln, das ist natürlich auch unter diesem
Chris: Gesichtspunkt sportlich, denn man möchte ja auch Launchtitel haben zu der Markteinführung
Chris: und die müssen ja auch irgendwo herkommen.
Chris: Nun hat Commodore aber in diesem Fall die Strategie schon deutlich festgelegt,
Chris: nämlich sie selber machen nichts.
Chris: Es gibt in-house keine Softwareentwicklung fürs CDTV, sondern der Gedanke ist,
Chris: dass das extern entwickelte Sachen sein sollen.
Chris: Und es ist auch klar, dass CDTV logischerweise ein sehr teures Gerät werden wird.
Chris: Wir haben gerade gehört, das CD-ROM-Laufwerk kostet einfach viel,
Chris: selbst wenn man das hochrechnet auf eine Massenproduktion.
Chris: Also es zeichnet sich für Commodore schon ab, an dem Gerät selbst werden sie nichts verdienen.
Chris: Das ist so ein klassisches Lockvogel-Angebot. Kaufe das Gerät für,
Chris: naja, wir werden ja später noch sehen, was es kostet, aber kaufe dann noch Software
Chris: dazu und über die Lizenzgebühren dann für diese Software möchte Commodore das Geld verdienen.
Chris: Damit externe Entwickler anfangen, für diese neue Plattform zu entwickeln,
Chris: müssen sie natürlich dafür erstmal rekrutiert werden.
Chris: Und im Frühjahr 1990, wo dieser Entwicklungsauftrag rausgeht an die Abteilung
Chris: von Gold Breath, da machen sich dann auch Leute bei Commodore auf die Suche
Chris: nach externen Entwicklern, klappern dort die ganzen großen Hersteller ab.
Chris: Natürlich insbesondere die, die schon auf der CD-ROM unterwegs sind,
Chris: also Verlage, Hersteller von Nachschlagewerken und von ernsten Anwendungen.
Chris: Da gibt es zum Beispiel einen Enzyklopädie-Verlag namens Growlier,
Chris: die sind da schon relativ gut dabei.
Chris: Aber auch Spielehersteller werden von Commodore angeworben und kommen auch an
Chris: Bord, um für das CDTV zu entwickeln oder sagen wir eher erstmal zu portieren.
Chris: Und darunter sind auch große Namen, Electronic Arts zum Beispiel, Interplay, Accolade.
Chris: Du hattest vorhin gesagt, Commodore hat ja Zweigstellen überall auf der Welt, auch in England.
Chris: Und Commodore UK knüpft dann auch Kontakte zu britischen Entwicklern oder Publishern,
Chris: Ocean zum Beispiel, Mirosoft, Psygnosis.
Chris: Der Entwicklungsleiter Gilbreth sagte später, dass die Entwickler ziemlich leicht
Chris: zu überzeugen waren, vor allen Dingen, weil die CD-ROM natürlich ein riesiges Platzangebot hat.
Chris: Aber die CD hat zu dieser Zeit ja noch einen ganz anderen wesentlichen Vorteil.
Chris: Die ist in sich selbst der perfekte Kopierschutz, denn wir sind noch weit vor
Chris: den CD-R's, also vor den kopierbaren CD-ROMs.
Chris: So eine CD, insbesondere wenn sie gut gefüllt ist, ist einfach nicht zu kopieren in dieser Zeit.
Chris: Und das ist natürlich etwas, was Spielehersteller toll finden.
Chris: Andererseits gibt es auch Einschränkungen, denn für die Spieleentwickler,
Chris: die jetzt das CDTV umsetzen wollen, sind einige Regeln zu beachten,
Chris: die für die Amiga-Software, mit der sie ja schon vertraut sind, nicht gelten.
Chris: Zum Beispiel darf es keine Dropdown-Menüs geben für eine Maus und auch keine
Chris: Tastatureingaben, denn das CDTV wird standardgemäß nicht mit Maus und Tastatur
Chris: ausgeliefert werden, soll ja im Wohnzimmer stehen wie eine Konsole.
Chris: Aber dass so viele von den größeren Spielefirmen da an Bord sind und sagen,
Chris: ja, wir unterstützen dieses Gerät, das hat auch noch einen zweiten Grund, denn es gibt jemanden,
Chris: der bei Commodore hilft, diese Softwarepartner zu rekrutieren.
Henner: Ja, ein großer Name kommt ins Spiel. Wir haben ja schon beschrieben,
Henner: dass Amiga ursprünglich mal von ehemaligen Atari-Leuten gegründet wurde und
Henner: der Amiga-Chipsatz von einem Atari-Ingenieur entwickelt wurde.
Henner: Und jetzt kommt ein weiteres Atari-Urgestein ins Boot, nämlich Nolan Bushnell,
Henner: der Atari-Gründer oder vielmehr Atari-Modell.
Henner: Wir wollen Ted Depp nicht immer unterschlagen. Und Nolan Buschnell wird jetzt
Henner: also dazu geholt, der fängt im Mai 1990 an bei Commodore zu arbeiten und dieses
Henner: CDTV-Projekt zu pushen, vor allem im Marketing.
Henner: Der hat später in einem Interview mal gesagt, er hätte die Entwicklung des CDTV geleitet.
Henner: Buschnell ist ein großer Geschichtenerzähler, hier hat er auch ein bisschen
Henner: übertrieben, das ist wohl nicht so.
Henner: Der hilft ein bisschen aus mit eigenen Ideen und mit Marketing- und Vertriebsideen,
Henner: aber er ist nicht der Leiter der Entwicklung.
Henner: Trotzdem, das hilft natürlich so einen großen Namen an Bord zu haben.
Henner: Das hilft bei der Anwerbung von Softwarepartnern.
Henner: Offiziell trägt er den Titel des General Manager für interaktive Consumer-Produkte.
Henner: Aber es gibt einige Commodore-Programmierer, die später gesagt haben,
Henner: naja, also eigentlich hat er ab und zu mal eine Präsentation gehalten oder war auf Messen zugegen.
Henner: Aber General Manager ist vielleicht ein bisschen hoch.
Henner: Der war ab und zu mal da, tauchte auf, sagt dieser Mitarbeiter,
Henner: führte uns zum Essen aus und dann verschwand er wieder und wir sahen ihn für fünf Wochen nicht.
Henner: Naja, wird auch nicht geschadet haben.
Henner: Nun braucht das ganze System aber noch einen Namen und auch dabei ist Bushnell hilfreich.
Henner: Der beauftragt nämlich ein externes Unternehmen mit der Namenssuche,
Henner: denn das Ding soll ja nicht weiterhin Baby heißen, das ist ja nur ein interner
Henner: Codename. Das Entwicklerteam spricht intern auch von CDA1, Compact Disc Appliance 1.
Henner: Das ist auch nicht so marktauglich. Und dieses externe von Bushnell beauftragte
Henner: Unternehmen liefert den finalen Namen und das wird CDTV.
Henner: Das ist ein Akronym, das nach Commodore-Lesart offiziell nicht etwa für Compact
Henner: Disc Television steht, wie man es erwarten würde,
Henner: sondern eigentlich für Commodore Dynamic Total Vision, was arg gekünstelt ist.
Henner: Ich bin mir nicht so ganz einig mit mir selbst, ob ich diesen Namen total bescheuert oder clever finde.
Henner: Clever, weil er ja eigentlich zwei Bedeutungen in sich vereint.
Henner: Es gibt die offensichtliche Bedeutung, irgendwas mit CDs und Fernsehen und diese
Henner: interne Bedeutung, irgendwas mit dynamischer Vision.
Henner: Also irgendwie ist es clever, aber andererseits auch doof. Vor allem,
Henner: wenn das Gerät ja Commodore CDTV heißt und dann heißt das ja ausgeschrieben
Henner: Commodore, Commodore Dynamic Total Vision.
Chris: Ich frage mich gerade, ist das jemals ausgeschrieben worden eigentlich?
Chris: Ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich den Namen jemals irgendwo in seiner
Chris: ausgeschriebenen Form gesehen oder gehört hätte, sondern immer nur in der abgekürzten Form.
Henner: Das stimmt.
Chris: Also ich glaube, niemand außerhalb von Commodore weiß überhaupt, was das bedeutet.
Henner: Ja, da hast du wohl recht.
Chris: Naja, aber damit die Welt weiß, dass dieses neue Gerät jetzt in den Startlöchern
Chris: steht und ja nach den Plänen Ende 1990 auf den Markt kommen soll,
Chris: muss auch schon die Werbetrommel gerührt werden und das macht Commodore auch parallel.
Chris: Also es geht auch schon los im Januar 1990, kurz nachdem der Entwicklungsauftrag ergangen ist.
Chris: Da findet ja mal wieder eine CES statt, also diese große Computermesse in den USA.
Chris: Und da wird der zu dem Zeitpunkt natürlich noch namenlose interaktive Grafikplayer
Chris: vorgestellt. So nennt Commodore das damals.
Chris: Das ist technisch gesehen einfach ein Amiga 500 ohne Tastatur und dafür mit
Chris: einem Megabyte RAM und eben diesem CD-ROM-Laufwerk. Aber genau genommen ist
Chris: das schon eine neue Gerätegattung.
Chris: Die Zeitschrift Compute Amiga Resource, die berichtet im Juni 1990,
Chris: Zitat, die lange vermutete 200 Dollar Amiga-Spielemaschine würde sich bestens
Chris: verkaufen, aber warten Sie lieber nicht darauf.
Chris: Statt auf den Einstiegsmarkt zu zielen, versucht sich Commodore daran,
Chris: eine neue Marktnische zu öffnen.
Chris: Zitat Ende. Und Computer Amiga Resource schreibt dann auch noch,
Chris: das Gerät sei die Antwort auf die Computerphobie.
Chris: Eigentlich ist das etwas, was Commodore schon mal geschafft hat,
Chris: weil wir erinnern uns, ein Jahrzehnt vorher haben sie ja den VC20 auf den Markt
Chris: gebracht als betont nutzerfreundlichen Computer.
Chris: Da sind wir ja noch in der Anfangszeit das 8-Bit Computing und da gab es in
Chris: der allgemeinen Gesellschaft noch große Vorbehalte gegenüber diesem neuen Gerät,
Chris: das ja auch ziemlich kompliziert war, wenn wir ehrlich sind.
Chris: Und jetzt ist das eigentlich nochmal der gleiche Gedanke.
Chris: Wir machen wieder ein Gerät, das viel vertrauter und viel zugänglicher ist,
Chris: das so ähnlich aussehen und funktionieren soll wie die Dinge,
Chris: die man vielleicht zu Hause schon unter dem Fernseher stehen hat,
Chris: ein Videorekader möglicherweise oder im Hi-Fi-Tower.
Chris: Ein Redakteur von der Compute Amiga Resource berichtet auch noch von einer kabellosen
Chris: Maustastaturkombination und von einer Modem-Erweiterung und sogar von einem
Chris: Home-Security-Paket mit drahtlosen Einbruchsensoren.
Chris: Also das sind natürlich alles Sachen, die Commodore da in den Raum stellt,
Chris: aber da bekommt man schon den Eindruck, dass vielleicht Commodore zu dem Zeitpunkt
Chris: selber noch nicht ganz genau weiß, wofür das Gerät eigentlich genutzt werden soll.
Chris: Aber das ist ja Anfang 1990, wie gesagt, auch noch ein bisschen früh.
Chris: Im Sommer 1990, im Juni, da findet die Sommer-CES statt.
Chris: Da wird das Gerät dann offiziell vorgestellt, jetzt auch mit dem Namen CDTV.
Chris: Da wird der Prototyp von Nolan Barschnell präsentiert. Irving Gold,
Chris: der Vorstandsvorsitzende von Commodore,
Chris: der adressiert persönlich die Gäste und sagt, es sei stets sein Ziel gewesen,
Chris: ein Gerät für jene zu entwickeln, denen Computer zu kompliziert sind, so wie ihn selbst.
Chris: Das CDTV, das sei die Antwort darauf. Und bei diesen ganzen Dingen,
Chris: die ich gerade erzählt habe, bei diesen Ankündigungen, fällt ein Wort nicht,
Chris: nämlich das Wort Spiele.
Chris: Zum Jahresende 1990 soll das CDTV dann ja fertig sein.
Chris: Damit wäre Commodore auch sehr früh dran, denn in den USA gibt es zu dem Zeitpunkt
Chris: nur das TurboGrafx-CD von NEC als CD-passierte Konsole.
Chris: Es gibt natürlich die CD-ROM-Laufwerke schon auf PC und auf dem Mac,
Chris: wie wir das beschrieben haben.
Chris: Aber das sind ja alles Dinge, die nicht auf das gleiche Marktsegment zielen,
Chris: wie Commodore das vorhat.
Chris: Also insbesondere das TurboGrafx-CD ist ja eine reine Spielekonsole und kann
Chris: keine Multimedia-Anwendungen.
Chris: Und das CD-i, das dieses ganze Multimedia können soll, das kommt in den Versionen
Chris: von Philips erst ab Ende 91 auf den Markt.
Chris: Das ist also aus dieser Perspektive noch ein Jahr entfernt.
Chris: Insofern wäre Ende 1990 echt ein guter Termin, aber der klappt nicht.
Henner: Nee, und woran liegt es, wie so oft, am Feature-Creep? Da wird viel zu viel
Henner: reingesteckt, das Gerät bekommt immer mehr Funktionen.
Henner: Und zwar um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen, denn es kommt vielleicht
Henner: schon so langsam raus, Commodore weiß selbst gar nicht so genau,
Henner: wen sie damit überhaupt ansprechen wollen.
Henner: Offensichtlich keine klassischen Computernutzer und auch keine Spieler,
Henner: aber wen denn dann? Und um möglichst viele Leute mitzunehmen,
Henner: packen sie einfach alle erdenklichen Technologien rein, die es auf dem Markt gibt.
Henner: Also CD-ROM-Standard natürlich für digitale Datenträger, aber auch Audio-CDs
Henner: soll das Gerät abspielen können.
Henner: Ein neues Format namens CD Plus G, das sind Audio-CDs mit integrierten Standbildern.
Henner: Setzt sich nicht durch, aber ist damals gerade neu und ganz vielversprechend.
Henner: Und außerdem ist geplant, einen neuen VCD, also Video-CD, Video-Standard für
Henner: Kinofilme auf CD zu unterstützen.
Henner: Der ist noch gar nicht definiert, das passiert noch parallel.
Henner: Aber man plant schon mal dafür, später eine passende Erweiterung nachzuliefern,
Henner: mit der dieser Standard auch unterstützt werden soll.
Henner: Und Gilbreth, der arbeitet zusätzlich noch an einem eigenen Videoformat,
Henner: CDXL, das auch ohne diese Zusatzhardware und ohne diesen offiziellen Video-CD-Standard
Henner: kurze Videoclips abspielbar macht.
Henner: Das ist schon eine ganze Menge, aber es kommt noch viel mehr rein in dieses Gerät.
Henner: Sie überlegen einen PC-Card-Leser einzubauen, kommt dann allerdings nicht,
Henner: aber Sie denken darüber nach. Ein Gen-Log-Adapter, das ist etwas,
Henner: was man für externe Videoquellen braucht, was im Amiga wichtig ist für die Videobearbeitung.
Henner: Ein MIDI-Port, den hat der klassische Amiga nicht, aber der Atari ST hat den
Henner: für die Ansteuerung von Musikinstrumenten.
Henner: Und was der ST hat, das soll das CDTV bitteschön auch bekommen.
Henner: Ja und all diese Dinge und wir hören nachher noch, was da noch alles drin steckt,
Henner: aber all das treibt natürlich die Produktionskosten in die Höhe und es kostet auch Zeit.
Henner: Somit schaffen sie es einfach nicht, wie ursprünglich mal geplant,
Henner: das Gerät im November 90 auf den Markt zu bringen.
Henner: Das Weihnachtsgeschäft wird also verpasst und schon machen sich in der Presse
Henner: Gerüchte breit, das Ganze könnte Vaporware sein, also tatsächlich niemals rauskommen.
Henner: Die Compute schreibt sowas im Januar 91, da sagen sie, das Projekt sei hoffnungslos
Henner: hinter dem Zeitplan und einige Mitarbeiter von Commodore in den USA würden sich
Henner: schon davon distanzieren und gar nicht mehr vom CDTV sprechen.
Henner: Also das sieht nicht gut aus, aber trotzdem, sie schaffen es und im Frühjahr
Henner: 91 beginnt dann endlich die Massenproduktion und im April geht das Gerät in den Verkauf.
Henner: Und was soll es denn jetzt kosten, dieses Wundergerät?
Chris: Ein halbes Jahr Verspätung, das ist jetzt nicht so dramatisch, würde ich sagen.
Chris: Aber es kommt dann auf den Markt und es kostet mehr als geplant.
Chris: Das ist ja jetzt nicht so überraschend bei diesen ganzen Sachen,
Chris: die du gerade aufgezählt hast, die da noch mit drin stecken.
Chris: Angekündigt war das zu einem Preis von 600 bis 800 Dollar. Das ist schon noch
Chris: eine ordentliche Hausnummer für die Zeit.
Chris: Tatsächlich auf den Markt kommt es dann in den USA für 1000 Dollar.
Chris: Das sind heute umgerechnet etwa 2050 Euro.
Chris: Damit ist es deutlich teurer als die CDI-Geräte von Philips,
Chris: die aber erst ein halbes Jahr später starten.
Chris: Es kommt im Spätsommer 1990 auch nach Deutschland. Und dort kostet es dann anfangs 1600 Mark.
Chris: Zum Vergleich, einen Amiga 500 gibt es zu dem Zeitpunkt schon für 700 Mark.
Chris: Der volle Name des Geräts lautet CDTV Interactive Multimedia.
Chris: Es gibt auch eine Modellnummer, die lautet CD1000.
Chris: Ein Hinweis darauf, dass da ja die technische Basis des Amiga drinsteckt,
Chris: findet sich im Namen nicht. Zumindest noch nicht.
Chris: Und was ist dabei? Nun im Basispaket, da liegt logischerweise auch eine CD-ROM
Chris: mit dabei, damit man das Gerät gleich mal ausprobieren kann.
Chris: Die heißt Welcome Disc und ist eine Art multimediale Anleitung.
Chris: Und die spielt eine schöne Melodie, während sie lädt. Die können wir uns mal kurz anhören.
Henner: Die ist toll. Ich las unter einem YouTube-Video, in dem diese Musik auch wiedergegeben
Henner: wird, den Kommentar, diese Musik sei das Beste am ganzen Gerät.
Henner: Das ist vielleicht ein bisschen harsch, aber sie ist wirklich toll.
Chris: Diese CD-ROM, diese Welcome-Disk ist eine von nur zwei Sachen,
Chris: die da beiliegen, dem Basisgerät.
Chris: Das andere ist das Gamepad, also in dem Fall eine Fernbedienung.
Chris: Aber wie eine normale Fernsehfernbedienung ist das natürlich auch kabellos,
Chris: also infrarotbasiert. und dementsprechend könnte man sagen, dass CD-TV ist die
Chris: erste Konsole, der einem kabelloser Controller beiliegt.
Chris: Weil so ist es de facto. Die wird kabellos gesteuert.
Chris: Es gibt auch eine alternative Ausstattungsvariante, das nennt sich Professional Pack.
Chris: Das ist dann das CD-TV-P oder auch CD-1500.
Chris: Da ist dann zusätzlich noch eine Maus dabei, auch kabellos, Infrarotmaus.
Chris: Es gibt eine kabelgebundene Tastatur, ein Diskettenlaufwerk und noch eine zweite
Chris: CD-ROM. Da ist dann Software drauf.
Chris: Allerdings keine beeindruckende oder irgendwie neue, keine Killer-App,
Chris: sondern das ist eine Sammlung von ein paar gemeinfreien Programmen,
Chris: Bildern, Mod-Musikdateien.
Chris: Alles andere, also zum Beispiel diese Multimedia-Enzyklopädie von Grolya,
Chris: die muss man separat kaufen.
Chris: Aber Henna, wie sieht denn das Gerät an sich jetzt eigentlich aus, das CDTV?
Henner: Hübsch sieht's aus.
Chris: Ja, finde ich auch. Das ist schick.
Henner: Also verglichen mit den meisten Konsolen dieser Zeit, es ist ja keine reine Konsole.
Henner: Es ist ja was Eigenes, aber es sieht eher aus wie ein CD-Player.
Henner: Und ich glaube, das ist auch das Ziel gewesen, sehr deutlich.
Henner: Ja, das hat nämlich das klassische Maß eines CD-Players oder eine Hi-Fi-Komponente.
Henner: 43 Zentimeter breit, fast 10 Zentimeter hoch.
Henner: Das ist dieses Hi-Fi-Maß, also das passt wunderbar in den Hi-Fi-Turm zwischen
Henner: CD-Player und Verstärker.
Henner: Und an der Front ist dann auch, wie man es von diesen Geräten kennt,
Henner: ein kleines Display, so ein Vakuum-Fluoreszenz-Display mit so einer hellblauen 7-Segment-Anzeige.
Henner: Das ist vor allem sinnvoll für die CD-Wiedergabe, damit man sieht,
Henner: welcher Track gerade läuft.
Henner: Und dann gibt es da auch die typischen Bedienelemente, die man von einem CD-Player erwartet.
Henner: Ein Ausschalter natürlich, Tasten für Start und Stopp und Pause, Vor und Zurück.
Henner: Und es gibt einen Kopfhöreranschluss mit eigenen Lautstärkereglern.
Henner: Aber es gibt eines, was darauf schließen lässt, dass hier mehr drin ist als
Henner: ein CD-Player, dass hier ein Computer drin steckt, nämlich ein kleiner Reset-Knopf.
Henner: Den hatte mein CD-Player damals nicht.
Chris: Brauchte er auch nicht.
Henner: Nein, stimmt. Und es steht natürlich auch Commodore drauf.
Henner: Und was steckt drin? Ein CD-ROM-Laufwerk natürlich.
Henner: Das ist ein Single-Speed-Modell, wie das, was du dir damals fast gekauft hättest.
Henner: Denn Double-Speed-Laufwerke gibt es zu dieser Zeit noch gar nicht.
Henner: Die kommen erst 1992 auf den Markt.
Henner: Und diese Single-Speed-Laufwerke, die sind also genauso schnell wie die Laufwerke
Henner: in einem CD-Player und die schaffen im Datenmodus nur ungefähr 150 Kilobyte
Henner: pro Sekunde. Das ist nun wirklich sehr lahm.
Henner: Also eine Datasette auf dem C64 ist natürlich noch langsamer,
Henner: aber wenn es darum geht hier hunderte von Megabyte zu laden,
Henner: dann dauert das natürlich ewig.
Henner: Es hat aber keine Schublade, dieses Laufwerk, wie man das von einem CD-Player
Henner: erwarten würde. Und es nimmt auch die CDs, die Scheiben nicht direkt an.
Henner: Stattdessen muss man die in Caddies stecken, also in quadratische Kunststoffträger.
Henner: Und dann erst kann man sie in das Gerät stecken. Das ist also ein zusätzlicher
Henner: Arbeitsschritt, der soll die Scheiben ein bisschen schonen.
Henner: Aber das ist wirklich sehr umständlich. Was passiert, wenn man eine CD einlegt?
Henner: Nun, wenn man eine Audio-CD einlegt, dann wird automatisch das Interface für
Henner: die Musiksteuerung geladen, für die Titelauswahl und so, für Play und Pause.
Henner: Dann kann man das Gerät also wirklich als CD-Player benutzen.
Henner: Wenn man eine CDTV-CD einlegt, also
Henner: eine Multimedia-CD, dann startet das entsprechende Programm automatisch.
Henner: Das ist also durchaus nutzerfreundlich.
Chris: Eine Sache, die in CDTV nicht drinsteckt, ist ein beschreibbarer Datenspeicher.
Chris: Also das kommt ja weder mit dem Diskettenlaufwerk, wo man auch was drauf speichern
Chris: könnte, noch mit einer Festplatte.
Chris: Und deswegen gibt es an der Front vorne, also versteckt unter einer Klappe,
Chris: einen Steckplatz für eine Speichererweiterung.
Chris: Das ist dann entweder zusätzlicher Arbeitsspeicher oder das kann sich auch als
Chris: Spielstandspeicher nutzen lassen.
Chris: Das ist dann batteriegestützt und gleicht so also aus, dass da ansonsten nichts
Chris: Beschreibbares in diesem Gerät drin ist. Denn es soll ja auch möglich sein,
Chris: insbesondere natürlich bei
Chris: Spielen dann, dass man dort einen Spielstand anlegen und bewahren kann.
Chris: Wenn wir das CDTV herumdrehen und die Rückseite angucken, dann findet sich dort
Chris: ein Wust an Anschlüssen.
Chris: Also das ist schon beeindruckend, was da alles hinten dran ist.
Chris: Man kann da natürlich eine Tastatur und eine Maus anstecken,
Chris: beziehungsweise statt Maus auch einen Joystick.
Chris: Seriellen und parallelen Port gibt es. Es gibt einen Anschluss für ein Diskettenlaufwerk.
Chris: Das wäre natürlich auch noch eine Option, Sachen abzuspeichern.
Chris: Es gibt jeweils zwei Audio- und die schon erwähnten MIDI-Anschlüsse für das Bild.
Chris: Gibt es einen RGB-Ausgang sowie, je nach Markt, auf dem das rausgekommen ist,
Chris: weitere Wege der Bildausgabe.
Chris: In den USA zum Beispiel sitzen hier zwei Antennenanschlüsse und ein Composite-Ausgang.
Chris: In Europa sind es entweder Composite-Plus-S-Video oder ein SCART-Ausgang.
Chris: Und daneben ist dann auch noch Platz für eine zusätzliche Erweiterung,
Chris: zum Beispiel für einen SCSI-Controller. Das Einzige, was man hier nicht findet,
Chris: sind die gewohnten 9-Pin-Joystick-Anschlüsse des Amigas.
Chris: Also wer jetzt mit seinem Amiga-Joystick in der Hand da sitzt vor dem CD-TV,
Chris: dem frischgekauften, der wird ein trauriges Gesicht machen, weil den kriegt
Chris: man da leider nicht angestopft.
Henner: Ja, also abgesehen von den fehlenden Joystick-Ports. Denkst du,
Henner: das ist genug, die Anschlussvielfalt?
Chris: Nein. Also da haben wir auf halbem Wege aufgehört.
Chris: Also ich finde das schon einigermaßen beeindruckend. Mir ist das genug.
Chris: Oder fehlt dir etwas, Herr Na?
Henner: Nee, ich wollte in die andere Richtung. Das ist doch überkomplex.
Henner: Da steckt viel zu viel drin.
Henner: Ganz offensichtlich dachten die Entwickler, das reicht nicht,
Henner: wenn wir eine ganz neue Gerätekategorie begründen, diesen Multimedia-Player,
Henner: sondern wir müssen damit auch noch zwei bestehende Kategorien ersetzen,
Henner: nämlich den CD-Player und den Heimcomputer.
Henner: Denn nur vor diesem Hintergrund ergibt das Sinn, so viele Anschlüsse und Funktionen da reinzustecken.
Henner: Und ich glaube, damit haben sie sich aber verzettelt.
Henner: Also betrachten wir mal den Computeraspekt.
Henner: Selbst wenn da gelegentlich mal jemand ein klassisches Amiga 500 Spiel mitspielen
Henner: will, also ein floppy Laufwerk anschließen und ein Amiga Programm starten,
Henner: ja dann reicht doch der Anschluss fürs Laufwerk und für Tastatur und Maus.
Henner: Da brauchst du doch nicht auch noch serielle Schnittstelle, parallele Schnittstelle,
Henner: MIDI und Monitorausgang. Das ist doch viel zu viel.
Henner: Da wird doch niemand jemals eine richtige Workstation draus machen.
Henner: Und das gleiche gilt ja auch für den CD-Spieler-Aspekt. Das Ganze hat ja,
Henner: wie beschrieben, diese HiFi-Komponentengröße und Anmutung in diesem schwarzen Gehäuse.
Henner: Das will also platziert werden im HiFi-Turm zwischen dem Kassettendeck und dem
Henner: Verstärker. Und auch nur dort ergibt ja dieses Display Sinn.
Henner: Denn dieses Display, das brauchst du ja nur für die CD-Steuerung,
Henner: wenn der Fernseher nicht läuft.
Henner: Also wenn du das Gerät ohne Fernseher im Hi-Fi-Turm am Verstärker benutzt.
Chris: Das ist aber gar keine gute Idee, das Gerät in den Hi-Fi-Turm zu stellen.
Chris: Warum? Dazu kommen wir gleich noch.
Henner: Ja, genau. Aber ich meine, wer aus der Zielgruppe hat denn 1991 noch keinen CD-Player?
Henner: Und wenn man schon einen hat, warum sollte man den dann ersetzen durch einen,
Henner: bei dem man die CDs immer erst in so einen Plastik-Caddy reinstecken muss?
Henner: Also das ist doch von vorne bis hinten nicht durchdacht. Tut mir leid,
Henner: Commodore, aber das ist einfach zu viel.
Chris: Naja, aber es ist ja nun auch im Kern ein Computer.
Chris: Das, was in diesem Gehäuse, das wie ein CD-Player aussieht, steckt,
Chris: ist ja de facto ein Amiga 500.
Chris: Was ist denn da drin? Wie sieht die Technik aus, Henna?
Henner: Ja, es ist die Hauptplatine aus dem Amiga 500, weitgehend die CPU ist auch dieselbe,
Henner: also unverändert die 68.000er CPU, die schon 1985 im allerersten Amiga steckte und auch im Atari ST.
Henner: Die läuft hier mit rund 7 Megahertz nach wie vor und auch das Amiga OS Betriebssystem,
Henner: auch wenn man davon nicht viel sieht, ist dasselbe wie im Amiga 500.
Henner: Das ist Version 1.3, obwohl es schon längst neuere Versionen gäbe.
Henner: Und auch der Chipsatz, das ist ja wie gesagt das Herz des Amigas,
Henner: das ist noch dasselbe wie im Amiga 500.
Henner: Das ist der OCS, der Original Chipsatz und nicht etwa der etwas neuere ECS Chipsatz aus dem Amiga 3000.
Henner: Der besteht wie gehabt aus den drei Spezialchips Agnus, Denise und Paula.
Henner: Die haben wir in der Amiga-Folge sehr ausführlich beschrieben,
Henner: deswegen jetzt nur in aller Kürze.
Henner: Agnus, das ist der Chip, der sich um die Speicherzugriffe kümmert,
Henner: um die Prozessorunabhängigen, also die DMA-Speicherzugriffe.
Henner: Das heißt, der Chipsatz, etwa der Grafikchip, wenn der irgendwas im Speicher
Henner: ablegen will, dann muss er dafür nicht über den Prozessor gehen,
Henner: sondern kann direkt auf den Speicher zugreifen.
Henner: Das macht dieses System so effizient. Der Amiga ist eine DMA-Maschine.
Henner: Das ist ein ganz wesentliches Funktionsprinzip im Amiga. Und das steuert eben Agnus.
Henner: Der macht aber noch mehr, dieser Baustein, der enthält noch Funktionseinheiten
Henner: für vor allem die Grafikberechnung Blitter und Copper.
Henner: Die können bestimmte Grafikberechnungen beschleunigen. Blitter kann Bitmap-Formen,
Henner: also 2D-Bilder direkt im Speicher, verschieben und manipulieren.
Henner: Also so etwas wie Sprites zum Beispiel, Bildelemente verschieben.
Henner: Und Copper, das ist ein Co-Prozessor, der sich programmieren lässt und der kann
Henner: während des Bildaufbaus dynamisch noch Parameter ändern, wie Auflösung und Farbpalette.
Henner: Das Spiel kann also während ein Bild auf dem Bildschirm gezeichnet wird,
Henner: noch diese Parameter dynamisch ändern.
Henner: Das geht zurück auf das Atari VCS, da ging das in Grenzen auch schon und hier
Henner: wird das perfektioniert.
Henner: Und diese beiden Dinge, der Blitter und der Copper vor allem,
Henner: die machen aus dem Amiga eine so sehr leistungsfähige Grafikmaschine,
Henner: zumindest wenn es um 2D-Grafik geht.
Henner: 3D ist hier noch kein Thema. Die eigentliche Bildausgabe, also die Erstellung
Henner: eines Bildes für den Fernseher, die übernimmt dann allerdings Denise,
Henner: der zweite Chip und der dritte Paula,
Henner: ist für die Klangverarbeitung zuständig unter anderem und bietet wie gehabt
Henner: vier Kanäle, vier PCM-Soundkanäle für digitalisierte Samples.
Henner: Das heißt, hier werden keine Klänge erzeugt, das ist kein Soundgenerator wie
Henner: der SID-Chip im C64, sondern hier werden Samples wiedergegeben,
Henner: die also vorher aufgenommen und digitalisiert wurden.
Henner: Die können auch vermischt und verzerrt und miteinander verrechnet werden,
Henner: um neue Effekte zu erzielen, aber trotzdem das Ganze basiert auf digitalisierten,
Henner: fertigen Samples und daran ändert sich nichts hier im CDTV.
Henner: Was sich allerdings ändert, es kommt eine Funktion hinzu, natürlich die Unterstützung für Audio-CDs.
Henner: Also man kann damit auch ganz normale Musik-CDs abspielen in den 90ern, also vor allem Techno.
Henner: Es gibt noch zwei kleine Erweiterungen auf der Platine, zwei kleine Controller-Chips, die nötig werden.
Henner: Das ist einmal Grace, also man bleibt hier bei den Frauennamen für die Chips.
Henner: Grace kümmert sich um die CD-ROM-Adressierung und Beauty kümmert sich um die
Henner: Ansteuerung von den Fronttasten und von dem kleinen Display und von dem Infrarot-Empfänger.
Henner: Das sind nötige Ergänzungen, die waren ja im Amiga 500 nicht nötig.
Henner: Ja, und was ändert sich noch im Inneren? Du hast es schon erwähnt,
Henner: der Arbeitsspeicher wächst gegenüber dem Amiga 500 auf 1 Megabyte.
Henner: So, und wie steuere ich das Ganze jetzt, wenn ich anders als beim Amiga keine
Henner: Maus und keine Tastatur habe?
Chris: Ja, genau, weil der Amiga kommt ja ab Werk mit einer Maus. Und das ist hier
Chris: beim CDTV nicht der Fall.
Chris: Stattdessen die schon erwähnte Fernbedienung. Und das hat auch den Formfaktor einer Fernbedienung.
Chris: Das ist ein langer, rechteckiger Kasten, schwarz selbstverständlich,
Chris: und funktioniert auf der gleichen technischen Basis wie eine Fernbedienung für
Chris: den Fernseher, nämlich drahtlos per Infrarot.
Chris: Aber diese Fernbedienung für das CD-TV wird quer gehalten, wie ein Gamepad.
Chris: Auf der linken Seite ist ein Steuerkreuz drauf, auf der rechten Seite sind schwarze Knöpfe A und B.
Chris: Also das sieht auch tatsächlich aus wie bei einem Gamepad, bis auf den mittleren
Chris: Teil, denn da sind ganz viele kleine Tasten drauf wie bei einer Fernbedienung.
Chris: Also die Zifferntasten von 0 bis 9 und Tasten zur Steuerung von Audio-CDs,
Chris: also Play und Stop und so weiter, ein Lautstärkeregler.
Chris: Wobei, lustigerweise mit diesem Lautstärkeregler steuert man nicht etwa die
Chris: Lautstärke des Fernsehers, wie auch, das ist ja nicht mit dem Fernseher verbunden,
Chris: diese Fernbedienung, sondern mit dem CD-TV, aber man steuert auch nicht die
Chris: Tonausgabe an den Fernseher, deren Lautstärke,
Chris: sondern nur die des Kopfhörerausgangs, der vorne dran ist und sonst nichts.
Chris: Und es gibt auch noch einen anderen besonderen Knopf, nämlich einen Button namens Mouse Joy.
Chris: Und der ist dafür da, umzuschalten zwischen Joystick und Maus-Modus.
Chris: Wofür braucht man das überhaupt? Nun, auf dem CDTV soll ja.
Chris: Klassische Amiga-Software laufen. Also Dinge, die schon auf dem Amiga rausgekommen sind.
Chris: Und diesen jeweiligen Spielen kann das CDTV melden, was für ein Steuergerät angeschlossen ist.
Chris: Also diese Fernbedienung kann diesen Spielen vorgaukeln, dass sie ein Joystick
Chris: ist oder dass sie eine Maus ist.
Chris: In dem Maus-Modus sind die A- und B-Tasten dann die beiden Maustasten links und rechts.
Chris: Wenn man auf den Joystick-Modus schaltet, dann funktioniert nur die Taste A,
Chris: weil der Amiga-Joystick hat ja nur einen Button.
Chris: Und woher weiß man, welcher Modus aktiviert ist, wenn da ein Knopf drauf ist,
Chris: auf dem nur Joystick-Maus ist?
Chris: Naja, das ist tatsächlich ein Problem und deshalb gibt es dann auch eine Revision
Chris: dieser Fernbedienung später.
Chris: Da wird das durch einen Schieberegler ersetzt, wo man also links und rechts
Chris: hin und her schieben kann zwischen Maus- und Joystick-Modus.
Chris: Maus-Modus ist aber auch ein bisschen irreführend, weil man steuert den Cursor
Chris: auf dem Bildschirm ja trotzdem mit dem Steuerkreuz.
Chris: Und das ist natürlich nicht ideal, zumal viele Amiga-Software ja auf eine Maussteuerung
Chris: ausgelegt ist. Nun kann man natürlich einfach eine Maus anschließen.
Chris: Wir haben ja gesagt, hinten dran ist ein Anschluss für eine Maus.
Chris: Aber Commodore bietet alternativ auch noch einen Profi-Controller an. Der nennt sich CD1200.
Chris: Und der sieht jetzt gar nicht mehr aus wie eine Fernbedienung.
Chris: Das ist ein viel größerer Klotz.
Chris: Und der hat auch kein Steuerkreuz mehr, sondern stattdessen einen Trackball in der Mitte.
Chris: Und auch keine AB-Buttons mehr, sondern zwei richtige Maustasten.
Chris: Denn das ist der Controller, der dann wirklich als Mausersatz gedacht ist,
Chris: nur eben mit einem Trackball.
Chris: Aber was wird aus dem Joystick-Modus mit diesem Profi-Controller,
Chris: wenn jetzt hier kein Steuerkreuz und keine AB-Tasten mehr drauf sind?
Chris: Naja, da gibt es eine pragmatische Lösung.
Chris: Die neuen Pin-Stecker sind zurück in dieser Fernbedienung integriert.
Chris: Das heißt, du kannst an die Fernbedienung deine Amiga-Joysticks wieder anschließen.
Chris: Sogar zwei Stück, weil zwei Ports drin sind und deren Signal wird dann per Infrarot
Chris: über die Fernbedienung an das CDTV übertragen.
Chris: Das ist schon fast Star Trek Science Fiction Niveau, was hier passiert.
Chris: Und es ist dann auch übrigens der einzige Weg, um auf dem CDTV zu zweit spielen
Chris: zu können mit zwei Joysticks.
Henner: Ja, du sagst ja immer Fernbedienung zu diesem Profi-Controller,
Henner: aber das ist ja eigentlich ein Tischgerät, das liegt auf dem Tisch.
Chris: Ja, okay.
Henner: Das hält man nicht in der Hand. Das wäre ein bisschen zu unhandlich.
Chris: Was ich mich gefragt habe, Henna, vielleicht kannst du das beurteilen,
Chris: ist, wie gut funktioniert denn das eigentlich mit dieser Infrarot-Steuerung?
Chris: Weil in meiner Vorstellung ist Infrarot eine Technologie, die ein bisschen störungsanfällig ist.
Henner: Ja, das Problem ist ja, dass Infrarot nun mal eine Sichtverbindung braucht.
Henner: Die Signale müssen auf direktem Wege beim Empfänger ankommen.
Henner: Das funktioniert also nicht, wenn man diese Fernbedienung in eine andere Richtung
Henner: hält oder unter dem Sofatisch.
Chris: Oder wild herumwedelt oder so.
Henner: Ja, genau. Oder wenn im schlimmsten Fall, wie wir es ja schon skizziert haben,
Henner: dieses CDTV im HiFi-Turm steht und der HiFi-Turm aber hinter mir im Wohnzimmer
Henner: angeordnet ist und der Fernseher vor mir.
Henner: Dann muss ich immer nach hinten ziehen, um dieses Gerät bedienen zu können.
Henner: Also das ist nicht so ganz durchdacht.
Chris: Aber selbst wenn er seitlich steht, du musst ja mit deinem Controller,
Chris: mit dieser Fernbedienung de facto auf das Gerät zielen und nicht auf den Fernseher.
Henner: Genau. Und das ist ein wesentliches Problem. Auch diese Tasten sind nicht sonderlich präzise.
Henner: Das ist also nicht das Qualitätsniveau, was man von einem NES-Controller etwa kennt.
Henner: Das Steuerkreuz ist auch viel schwammiger.
Henner: Also das ist insgesamt nicht ganz so gelungen.
Henner: Aber andererseits ist es viel besser gelungen als das, was Philips macht beim CDI.
Henner: Denn auch die stehen ja vor der Frage, legen wir jetzt eine Fernbedienung bei
Henner: oder einen Game-Controller?
Henner: Wir packen beides in eines. Das machen die also auch. Aber Philips nähert sich
Henner: dem von der anderen Richtung.
Henner: Die nehmen eine klassische, also eine quasi vertikal einhändig gehaltene Fernbedienung
Henner: und packen da noch so einen Mini-Stick für den Daumen drauf,
Henner: mit dem man dann die Spiele steuern soll.
Henner: Also auf dem Philips CD-i steuert man Spiele einhändig und das funktioniert
Henner: nur wirklich gar nicht. Commodore hat hier den richtigen Gedanken gehabt.
Henner: Wir übernehmen den Formfaktor des NES-Controllers, also horizontal gehalten.
Henner: Rechts zwei Tasten, links das D-Pad und alles andere in die Mitte.
Henner: Das ist also schon vom Gedanken her richtig, auch wenn die Umsetzung nicht perfekt ist.
Chris: Es gibt, um das noch zu vervollständigen, noch eine Reihe von weiteren offiziellen
Chris: Peripheriegeräten für das CDTV, nämlich eine Kabeltastatur, die man anstecken kann.
Chris: Es gibt zwei Mausvarianten, eine kabelgebundene und eine drahtlose.
Chris: Ist alles in schwarz gehalten, damit es zum Design des Gerätes passt.
Chris: Und es lassen sich neben den Speicherkarten auch externe Laufwerke anschließen.
Chris: Also auf diese Weise kann man von einer ganz normalen Amiga-Diskette auch zum
Chris: Beispiel die Workbench, also die Amiga-Oberfläche, laden und dann darüber auch
Chris: andere Amiga-Programme ausführen, weil die technische Basis ist ja nun mal ein Amiga 500.
Chris: Ach ja, und einen eigenen Monitor bietet Commodore auch noch an für das CDTV,
Chris: natürlich auch in schwarz.
Chris: Aber wir lassen jetzt die ganze Peripherie mal beiseite und sagen,
Chris: wir haben uns einen fabrikneuen CDTV-Player gekauft mit der dazugehörigen Fernbedienung
Chris: und den haben wir jetzt aufgestellt bei uns zu Hause und an den Fernseher im
Chris: Wohnzimmer angeschlossen.
Chris: Und was machen wir jetzt damit, Henner?
Henner: Ja, jetzt kommen wir zum Software-Angebot und das ist ein ziemlich trauriges
Henner: Kapitel. Commodore selbst bietet da ja nichts.
Henner: Keine First-Party-Titel, die verlassen sich voll und ganz, wie auch bei ihren
Henner: Computern, auf externe Zulieferer. Das hat ja beim Amiga gut funktioniert,
Henner: aber beim CDTV klappt das nicht ganz so gut, denn das Angebot ist recht überschaubar.
Henner: Was soll man denn damit nun eigentlich machen? Primär ja nicht spielen, aber was denn dann?
Henner: Die Presse fragt sich das auch und die deutsche ASM, die stellt sich das folgendermaßen
Henner: vor. Ich zitiere mal, die Mutti kann Kochrezepte abfragen.
Henner: Nicht sehr progressiv, aber es war eine andere Zeit.
Henner: Opa zieht sich die Gärtnerdisk rein. Fatih schlägt nach im elektronischen Guinness-Buch,
Henner: während Sven und Sascha Sportspiele betreiben oder Adventure-Rätsel lösen. Zitat Ende.
Chris: Hervorragend, ich habe die Szene vor Augen.
Henner: Also es geht hier nicht nur um Spiele, sondern auch um allerlei Nachschlagewerke.
Henner: Bildungssoftware. Und das sind dann auch Schwerpunkte aus Sicht von Commodore zumindest.
Henner: Bouchnell sagt das damals selber so, wir können Bildung unterhaltsam machen
Henner: und Unterhaltung lehrreich, sagt er.
Henner: Und Gold, also der Commodore-Chef, der sagt über das CDTV sogar,
Henner: das sei das großartigste Bildungswerkzeug, das je erfunden wurde.
Henner: Sprich, sie wollen offensichtlich auf den Bildungsmarkt. Das ist ja auch etwas,
Henner: was Philips ebenfalls versucht.
Henner: Und was auch auf dem PC eine Zeit lang versucht wird. Also So multimediale Nachschlagewerke
Henner: und Lernspiele und sowas auf CD-ROM zu bringen.
Henner: Aber da braucht man schon ein sehr großes Sortiment, damit das funktioniert
Henner: für alle erdenklichen Themen und das auch in allen möglichen Sprachen.
Henner: Und ganz so viel, die gibt es dann leider nicht.
Henner: Zum Start gibt es ungefähr 30 von diesen Multimedia-Titeln zum Lernen und zum Nachschlagen.
Henner: Es gibt ein Atlas, eine Enzyklopädie, es gibt ein Kochbuch, Garten- und Hauspflanzenratgeber.
Henner: Shakespeare's gesammelte Werke und ein paar animierte Märchenbücher
Henner: Und einige davon sind auch wirklich halbherzig umgesetzt. Das schreibt damals auch die ASM.
Henner: Zitat, leider ist die Mehrzahl der Programme recht lieblos zusammengeschustert worden.
Henner: Zitat Ende. Das sind also billig zusammengeworfene Texte, die ein bisschen ergänzt
Henner: wurden um Bilder oder hier und da mal ein Klangbeispiel oder sogar ein kurzes
Henner: Video. Dass ein wirklich überzeugender Multimedia-Disc dabei ist, ist die Ausnahme.
Henner: Es gibt eine CD von der NASA mit sehr vielen Fotos und Videos,
Henner: die sehr gut sein sollen.
Henner: Ich habe sie mir nicht selbst angesehen, aber die allermeisten sind sehr schwach.
Henner: Ach, das allein ist also noch nicht unbedingt ein Grund, sich ein so teures Gerät zu kaufen.
Henner: Und die CDGs, die wir erwähnt haben, also die um Bilder angereicherten Audio-CDs,
Henner: die setzen sich auch nicht durch.
Henner: Also auch das ist kein Grund, sich jetzt ein CDTV zu kaufen.
Henner: Ja, und dann bleiben noch die Spiele. Der Amiga ist ja traditionell eine wichtige Spieleplattform.
Henner: Und wir erinnern uns, darum ging es ja eigentlich ursprünglich mal,
Henner: den Konsolen etwas entgegenzusetzen. Was gibt es denn da an der Spielefront?
Chris: Naja, es gibt Spiele zum Start. Das ist ja auch nicht verwunderlich,
Chris: denn Commodore ist ausgezogen und hat ja nun einen Hersteller rekrutiert für die Plattform.
Chris: Deswegen sind ungefähr 15 Spiele tatsächlich zum Launch verfügbar.
Chris: Das sind aber im allerüberwiegenden Maße Spiele, die schon auf dem Amiga erschienen
Chris: sind und jetzt für das CDTV portiert worden.
Chris: Also sowas wie Space Quest 3 zum Beispiel oder Xenon 2.
Chris: Die kommen im Jahr 1991 für das CDTV raus und sind da schon zwei Jahre alt.
Chris: Battle Chess kommt raus, das ist da schon drei Jahre alt Falken,
Chris: der Flugsimulator kommt raus der ist da schon vier Jahre alt
Chris: Defender of the Crown kommt auch fürs CDTV. Das ist doch schon fünf Jahre alt.
Chris: Also wir sehen das Muster.
Chris: Das kann ich den Publishern auch gar nicht unbedingt verdenken,
Chris: weil wir erinnern uns, Commodore möchte ja über die Software Geld verdienen durch Lizenzgebühren.
Chris: Das heißt, Publisher, die ihre Titel auf dem CDTV veröffentlichen,
Chris: müssen eine Lizenzgebühr an den Plattforminhaber abdrücken, genauso wie das
Chris: bei den Spielkonsolen auch der Fall ist.
Chris: Und damit sich das rentiert, müssen dann natürlich entsprechend die Verkaufszahlen
Chris: auf dieser Plattform hoch genug sein.
Chris: Das kann man am Anfang bei einer Marktneuentführung aber schwer einschätzen.
Chris: Deswegen ist man da natürlich vorsichtig. Da rentiert sich dann eine reine Neuentwicklung
Chris: für diese Plattform eher nicht.
Chris: Vorher ist erstmal der Plattformbetreiber, also in diesem Fall Commodore,
Chris: in der Pflicht dafür zu sorgen, dass das auch ordentlich Marktanteil erobert.
Chris: Dass der genügend Stückzahl installierte Basis, sagt man, im Markt ist.
Chris: Und dann wird das Ganze attraktiv für die Hersteller. Also testen die das Wasser
Chris: erst mal mit den etablierten Titeln, die da portiert werden.
Chris: Und von den ganz wenigen Titeln, die auch wirklich neu auf dem CDTV erscheinen,
Chris: sind das Sachen, die dann nicht CDTV-exklusiv bleiben.
Chris: Also sowas wie Sherlock Holmes Consulting Detective zum Beispiel.
Chris: Das ist ein Detektivspiel auf Basis von der Pen & Paper Vorlage.
Chris: Das findet man dann auch auf dem PC später.
Chris: Und beliebte Spiele auf dem CDTV, vor allen Dingen SimCity oder Lemmings,
Chris: kennt man natürlich auch schon vom Amiga.
Chris: Und naja, das sind auch beide Spiele, die sind mit einer Mouse natürlich schon
Chris: bequemer zu steuern als mit dieser Fernbedienung.
Henner: Ja, aber warum sollte ich jetzt eine CD-Version von SimCity kaufen,
Henner: wenn ich schon die Diskette habe und die war aus irgendwelchen Gründen umsonst?
Henner: Also die Änderungen gegenüber den älteren Amiga-Spielen, die beschränken sich
Henner: in sehr vielen Fällen auf zusätzliche Musik, wenn überhaupt.
Henner: Das merkt natürlich auch die Presse irgendwann. Zum Beispiel hat die britische
Henner: Amiga-Format Xenon 2 auf dem CDTV, also einen der Starttitel, getestet.
Henner: Und die empfehlen da, man möge dieses angestaubte Ballerspiel doch bitte ignorieren
Henner: und die CD stattdessen in einen normalen CD-Spieler einlegen.
Henner: Denn dann könne man sich den exzellenten Soundtrack anhören und das Spiel ignorieren.
Chris: Die Bitmap Brothers, die haben ja damals echte Songs gesampelt für ihre Spiele.
Chris: Also bei Xenon 2 ist der Titelsong eine Variante von Mega Blast,
Chris: von Bomb the Bass. Aber die sind als Mod-Stücke umgesetzt und sind sehr cool,
Chris: aber sie sind deswegen halt natürlich nur, sagen wir mal, ein Fragment des Originaltitels.
Chris: Und jetzt mit der CD-Audio-Technologie ist das wieder herstellbar,
Chris: indem da einfach der Originalsong draufliegt und abgespielt wird,
Chris: sogar in mehreren Varianten.
Chris: 1991 ist Magic Pockets rausgekommen von den Bitmap Brothers.
Chris: Das hat als Titelsong Doing the Do von Betty Boo auch wieder in so einem Modfragment.
Chris: Und auch das findet man hier auf der CD-ROM von Xenon 2 fürs CD-TV als vollständigen Titel drauf.
Chris: Also ja, als Audio-CD ist das tatsächlich ganz cool und auch einigermaßen zeitgemäß.
Henner: Aber die beste Musik, Christian, die gibt es bei SimCity in der CD-Version. Die ist toll.
Henner: Also SimCity ist weitgehend das gleiche Spiel wie das, was man schon vom Amiga kennt.
Henner: Aber es gibt jetzt eben CD-Musik passend zu neuen Szenarien,
Henner: denn auch die sind eine Ergänzung der CDTV-Version.
Henner: Es gibt ein Western-Szenario, ein Mittelalter-Szenario und ein Zukunftsszenario.
Henner: Und das wusste ich bislang nicht. Ich dachte, ich kenne SimCity,
Henner: aber diese Version kannte ich nicht.
Henner: Und wie toll ist denn bitte dieses Western-Szenario? Das können wir uns mal
Henner: anhören, wie die passende Musik klingt.
Henner: Ist das nicht prächtig, Christian? Da kriegt man doch sofort Lust,
Henner: SimCity zu spielen im Western-Szenario und eine Goldmine zu bauen und eine Rodeo-Arena.
Henner: Das sind nämlich zwei der Spezialbauten, die man hier im Western-Szenario bauen kann.
Chris: Kannst du auf dem Amiga aber auch.
Henner: Was?
Chris: Ja, da musstest du diese Add-ons halt nur separat nachkaufen.
Chris: Da gab es zwei Grafikerweiterungen für das ganz normale, stinknormale SimCity auf PC auf Amiga.
Chris: Und da war dann auch ein Western, ein mittelaltes Szenario und sogar noch mehr
Chris: dabei. Also ich glaube, jeder von diesen Erweiterungen hatte drei oder vier Szenarien.
Henner: Also die einzigen Vorteile, die man hat, wenn man diese Spiele auf CDTV spielt,
Henner: gegenüber PC oder dem regulären Amiga, sind in der Regel diese Soundtracks.
Henner: Exklusivtitel hingegen, die man sonst nirgendwo spielen kann,
Henner: die gibt es fast gar nicht.
Henner: Die einzigen Exklusivspiele, die ich finden konnte, waren ein paar Lernspiele,
Henner: also Lernprogramme mit Gamification-Elementen, wenn man die denn als Spiele bezeichnen will.
Henner: Und eine Casino-Spiele-Sammlung und es gibt noch ein Western-Adventure, Town with No Name.
Henner: Das kam in der Presse jetzt nicht besonders gut an.
Henner: Tja, und das war's. Es gibt noch hier und da mal ein zeitexklusives Spiel,
Henner: das etwas später erst für DOS oder andere Plattformen erscheint.
Henner: Aber richtige Killer-Applikationen, etwas wirklich Exklusives,
Henner: wie man das auf einem Mega Drive bekommt oder auf einem Super Nintendo,
Henner: das gibt es einfach nicht.
Henner: Und auch insgesamt ist das Angebot sehr dürftig. Es erscheinen über die gesamte
Henner: Lebenszeit des CDTV nur ungefähr 50 Spiele.
Henner: Es gibt auch Quellen, die deutlich größere Zahlen nennen, aber da werden dann
Henner: meistens eben Lernspiele mitgezählt oder spielerische Anwendungen,
Henner: sowas wie MyPaint oder die animierten Märchenbücher, aber die kann man eigentlich
Henner: kaum als richtige Spiele bezeichnen.
Henner: Und von diesen 50 richtigen Spielen, also die es auf dem CDTV gibt, allein anzunehmen,
Henner: Ein Zehntel davon. Fünf Titel gehören einer Kartenspiel-Serie an namens Will Bridge.
Henner: Also wenn man gerne Bridge spielt, dann ist CDTV wahrscheinlich genau das Richtige,
Henner: aber für alle anderen eher nicht.
Henner: Die allermeisten von diesen 50 Spielen, ungefähr 30, die erscheinen noch im
Henner: ersten Jahr, 91 und dann wird es sehr schnell weniger.
Henner: 92 erscheinen dann schon deutlich weniger und 1993 kommen nur noch zwei Spiele raus und das war's.
Henner: Wir reden ja später noch über Erfolg und Misserfolg, aber es ist daran schon
Henner: erkennbar, die Plattform hat nicht so lange.
Chris: Ja, woran lag es? Nun an der Berichterstattung der Presse eher nicht.
Chris: Die ist nämlich durchaus wohlwollend. Zur Jahresmitte 91 erscheinen dann die
Chris: ersten Testberichte in der Fachpresse und da wird das Gerät gelobt.
Chris: Wenn es da überhaupt gravierende Kritikpunkte gibt, dann ist es eher von Anfang
Chris: an eine Skepsis über das Softwareangebot.
Chris: Das ist damals also schon absehbar, dass das eher mickrig ist.
Chris: Auch hier in Deutschland testet zum Beispiel die EASM das CDTV und fühlt sich
Chris: da erinnert an den Amiga 1000 von 1985.
Chris: Zitat, eine fantastische Maschine, nur keine Software vorhanden. Zitat Ende.
Chris: Aber das hindert die Redaktion nicht daran, das Gerät an sich trotzdem toll zu finden.
Chris: Spricht von einer ausgereiften Hardware, klar ist ja der Amiga 500,
Chris: und von der großen Zahl an Schnittstellen, ja, wie erwähnt, sehr beeindruckend.
Henner: Kein Widerspruch.
Chris: Das sei ein gutes Gespann für die Zukunft. Die Amiga-DOS, die schwärmt im Juli
Chris: 1991 vom Überfluss an Grafik und Sound,
Chris: den die CD-ROM bietet und preist die Bedienung per Fernsteuerung,
Chris: weil das sei für jeden Menschen verständlich. Guter Punkt.
Chris: Es gibt eine australische Zeitschrift, Commodore and Amiga Review heißt die
Chris: und in der Juni-Ausgabe 91 sehen die das CDTV sogar als einen Anwärter auf das
Chris: Consumer-Elektronik-Produkt des Jahrzehnts.
Chris: Das ist schon mal eine Aussage, denn laut Ihnen habe das weit mehr Potenzial
Chris: für Unterhaltung und Bildung als reine Videogeräte und sei gleichzeitig einfacher
Chris: und günstiger als komplexe Computersysteme.
Chris: Das Einzige, was Sie stört, ist der Joystick-Anschluss. Die hätten gerne die
Chris: neuen Pinnstecker gehabt und beim Navigieren durch die Programme aus dem Sessel
Chris: sagen Sie, wünsche man sich bald die gute alte Maus zurück.
Henner: Ja, ja, das kann ich verstehen.
Chris: Ja, kann ich auch verstehen. Aber wie gesagt, also unterm Strich,
Chris: die Presse ist durchaus angetan vom CDTV.
Chris: Wo es nicht reüssieren kann, ist im Markt.
Henner: Die ganz große Frage ist ja nach wie vor, wer soll das Ganze überhaupt kaufen?
Henner: Wer ist eigentlich die Zielgruppe? Und das scheint ja Commodore selbst nicht so genau zu wissen.
Henner: Wollen sie jetzt Spielerinnen und Spieler damit ansprechen, wie die klassische
Henner: Amiga-Zielgruppe oder Heimcomputernutzer oder Workstation-User oder CD-Freunde oder, naja,
Henner: eine ganz neue Zielgruppe, die erst noch entstehen muss und diese Multimedia-CDs kaufen soll?
Henner: Oder wollen sie auf den Bildungsmarkt? Es ist nicht so ganz klar.
Henner: Und interessanterweise hat die Amiga Computing, also dieses britische Magazin im Juni 91,
Henner: auch Gold, also den Vorstandsvorsitzenden von Commodore, der ein großer Unterstützer
Henner: dieses CDTV-Projekts war, befragt, wer denn das CDTV eigentlich kaufen solle.
Henner: Und seine Antwort ist ganz fantastisch.
Henner: Er sagt, der Kunde.
Chris: Ach, warum bin ich da nicht draufgekommen?
Henner: Ja, und Buschnell ist ähnlich vage. Der sagt beim Launch, dies ist eine neue
Henner: Produktkategorie und es ist uns egal, wer es kauft.
Henner: Damit meint er natürlich, Hauptsache es kauft irgendjemand.
Chris: Ja.
Henner: Man muss so ein neues Gerät den Menschen auch erstmal nahe bringen und erklären
Henner: und dafür ist natürlich die Werbung da.
Henner: Commodore startet dann auch eine Werbekampagne natürlich, um dieses neuartige
Henner: Gerät zu erklären. Und auch um das Phänomen Multimedia erstmal überhaupt zu erklären.
Henner: Was ist das überhaupt? Das wird ja erst langsam zum Trend.
Henner: Das ist also noch nicht jedem ein Begriff.
Henner: Und man sieht dann auch einige Printanzeigen, die sie schalten in der Presse.
Henner: Und da sind Gemälde zu sehen, da fliegen Musiknoten durchs Bild oder berühmte
Henner: Bauwerke und Persönlichkeiten.
Henner: Die Botschaft soll also hier sein, es gibt alle Arten von Medien,
Henner: von Kunst und man kann irgendwas damit machen.
Henner: Aber es wirkt eher so, als würden sie hier für ein Museum werben oder für ein
Henner: Nachschlagewerk und nicht für ein Elektronikgerät. Das kommt dabei überhaupt nicht rum.
Henner: Und dann muss man ja noch erklären, dass dieses CDTV nicht nur ein Bildschirm,
Henner: Player ist. Nicht nur etwas für die passive Wiedergabe, also wie ein CD-Player
Henner: oder ein Videorekorder, sondern dass es ein interaktives System ist.
Henner: Also gewisserweise auch wie eine Konsole oder ein Computer.
Henner: Und das gelingt den Anzeigen jetzt nicht so gut.
Henner: Ich fand eine deutsche Anzeige, in der die Interaktivität folgendermaßen erklärt wird.
Henner: Der Aufbau ermöglicht den Eingriff in den Programmablauf.
Henner: Das heißt, man kann bei den CDs zwischen einzelnen Programmteilen hin- und herspringen.
Henner: Zugleich kann man bei bestimmten Programmen in unterschiedlich tiefe Informationsebenen gehen.
Henner: Zitat Ende. Das klingt so, als hätte das ein Ingenieur dem Marketingmenschen erklärt am Telefon.
Henner: Der hätte das alles mitgeschrieben und genauso wörtlich in die Anzeige gedruckt.
Henner: Aber das ist weder ansprechend noch irgendwie verständlich. Damit wirbt man doch nicht.
Chris: Ja, und ähnliche Probleme mit der Positionierung. Im wörtlichen Sinne hat auch
Chris: der Vertrieb bei Commodore, also die Leute, die entscheiden,
Chris: in welchen Läden, in welchen Kategorien das CDTV eigentlich angeboten werden soll.
Chris: Oder andersrum gesagt, wo muss man denn als Kunde hingehen, wenn man ein CDTV kaufen will?
Chris: Naja, nicht dorthin, wo man ein Amiga kaufen würde, weil das Konzept von Nolan
Chris: Bushnell sieht vor, dass das CDTV eben nicht über die angestammten Computervertriebskanäle
Chris: von Commodore angeboten werden soll, sondern über große Kaufhäuser.
Chris: Und das ergibt ja auch durchaus Sinn, weil das soll ja gar kein Computer sein.
Chris: Das soll ja nicht neben Amigas und PC stehen, sondern das soll im Bereich der
Chris: Wohnzimmerelektronik, also vielleicht bei Videorekordern oder Fernsehern stehen.
Chris: Aber das klappt nicht so recht. Ein Commodore-Mitarbeiter hat später berichtet,
Chris: dass die Kaufhäuser das Gerät in verschiedensten Abteilungen untergebracht hätten.
Chris: Mal stand es neben den CD-Spielern, mal stand es neben den Konsolen und nirgendwo passt es so richtig hin.
Chris: Also auch dort weiß niemand so recht, welches Gerät da eigentlich verkauft werden
Chris: soll und vor allem an wen das verkauft werden soll,
Chris: weil in so einem Computerladen, da geht ja in der Regel ein gut informierter
Chris: Computer-Nerd rein oder halt zumindest jemand,
Chris: der weiß, was er will und der angepeilte Gelegenheitsnutzer den Commodore da
Chris: irgendwie vage rumwabern hat als den Kunden.
Chris: Das sind ja nicht Leute, die so ein neues Gerät einfach so kaufen,
Chris: aus schierer Technikbegeisterung und schon gar nicht für 1000 Dollar.
Chris: Die brauchen schon einen klaren Grund, warum sie das kaufen.
Chris: Also die brauchen eine Killer-Application.
Chris: Da reichen nicht irgendwie ein paar Nachschlagewerke, die auch Musik abspielen können.
Chris: Wer kauft denn Kochbücher oder Gartenratgeber oder Reiseführer,
Chris: wenn man die nur im heimischen Wohnzimmer benutzen kann und erstmal eine halbe
Chris: Minute warten muss, bis die überhaupt geladen sind von der CD?
Henner: Ja, ich bin Nerd, ja. Ich mag Technik, aber selbst ich würde mir,
Henner: glaube ich, kein Kochbuch für den Fernseher kaufen, sondern ich würde dann doch
Henner: vielleicht was auf Papier nehmen.
Chris: Er musste immer hin und her rennen zwischen einem Fernseher und der Küche,
Chris: während da die Suppe brodelt.
Henner: Ja, während da Sascha gerade seine Sportspiele spielt.
Chris: Betreibt, er betreibt sie bitte, er spielt sie nicht.
Henner: Ach so, ja, Entschuldigung. Ja, also die Positionierung ist schwierig.
Henner: Commodore ist mit diesem Problem natürlich nicht allein, sondern Philips hat
Henner: mit dem CDI genau dasselbe Problem und es gibt noch weitere,
Henner: zum Beispiel Tandy, dieser US-Hersteller, die versuchen mit dem Tandy Video
Henner: Information System was ganz ähnliches.
Henner: Die sind beide etwas günstiger als das CDTV, aber auch sie finden keine Zielgruppe,
Henner: denn auch denen fehlt so eine richtig klare Anwendung, es fehlt eine Killer-Applikation.
Chris: Diese ganze Systemkategorie, das ist der klassische Fall von einer Lösung, der das Problem fehlt.
Henner: Ja, ganz genau. Und da hat es die Konkurrenz leichter, denn die löst ein bestehendes Problem.
Henner: Die hat einen klaren, deutlich definierten Zweck.
Henner: Also ein Megadrive zum Beispiel mag man nicht unbedingt wahrnehmen als direkten
Henner: Konkurrenten, aber letztlich ist es ja doch ein Konkurrent. Weil man ja nun
Henner: mal vor der Wahl steht, welches Gerät kaufe ich mir denn und was schließe ich an meinen Fernseher an.
Henner: Und so ein Megadrive, ja da weiß man, was man damit machen kann.
Henner: Kann ich nämlich Sonic spielen oder ein CD-Player, ja kann ich Eurodance hören, wunderbar.
Henner: Da weiß ich, was Sache ist, wofür ich das einsetzen kann und das kostet auch
Henner: beides nur zu dieser Zeit 300 Mark und das CD-TV, wie wir es gehört haben, 1600 Mark.
Henner: Ein Amiga 500 ist auch viel billiger. Und dann sind da ja noch die PCs,
Henner: also die IBM-Kompatiblen.
Henner: Die sind noch teurer als das CDTV.
Henner: Ich habe mal in damaligen Katalogen nachgesehen, was so ein Einsteiger-PC kostet
Henner: mit 2,86er Prozessor, also wirklich nicht mehr State-of-the-Art.
Henner: Der kostet 91 in Deutschland schon noch mindestens 2000 Mark.
Henner: Aber einen PC braucht man ja nun mal. Du brauchst irgendwas,
Henner: um Briefe zu schreiben, um deine Finanzen zu verwalten oder halt um Wing Commander zu spielen.
Henner: Und wenn du sowas dann sowieso hast, ja dann ist es viel günstiger,
Henner: dafür noch ein CD-Laufwerk zu kaufen und nachzurüsten für ungefähr 600 Mark,
Henner: als sich ein CD-TV für 1600 Mark zu kaufen.
Henner: Jetzt stellen wir uns mal vor, es ist Ende 91, wir sind die technischen Nerds,
Henner: die wir sind und wir haben aus irgendeinem Grunde zu viel Geld.
Henner: Oder du hast mit deinem Freund halt zusammengelegt, um dir was Neues zu kaufen.
Henner: Und jetzt stehst du vor der Wahl. Kauft ihr euch Option A ein CD-TV für 1600
Henner: Mark ohne Software, mit dem du eigentlich noch gar nichts machen kannst.
Henner: Oder Option B für genau dasselbe Geld. Ein Megadrive, ein CD-Player,
Henner: ein Videorekorder, weil warum nicht?
Henner: Und obendrauf noch ein CD-Laufwerk für deinen PC. Oder alternativ ein Amiga
Henner: 500 anstelle des CD-Laufwerks.
Henner: Also ich glaube, da ist es ziemlich leicht. Da nimmt man doch Option B und kriegt
Henner: diesen Riesenhaufen an Gerätschaften, mit denen man genau weiß, was man damit tun kann.
Henner: Und nicht dieses unausgegorene Gerät, das irgendwie alles kann, aber nichts richtig.
Chris: Ja, das verheißt ja nun alles nichts Gutes für das CDTV.
Chris: Nun gibt es unterschiedliche Aussagen darüber, je nach Quelle,
Chris: was Commodore denn denkt, was sie verkaufen für den CDTV, was ihre Pläne so
Chris: sind. Da gibt es einige Quellen, die sprechen von 20.000 Einheiten pro Monat.
Chris: Andere sagen, sie wollten eine Million im ersten Jahr verkaufen.
Chris: Aber es ist im Endeffekt auch irrelevant, wie die Planung aussieht,
Chris: weil der tatsächliche Erfolg im Markt liegt weit unter den Erwartungen.
Chris: In jedem Fall. Das CDTV floppt. Das kann man nicht anders sagen.
Chris: Und zwar selbst auf den Märkten hier in Europa wie Deutschland oder Großbritannien,
Chris: die eigentlich sehr Commodore-affin sind, wo Commodore eine große Fanbasis hat,
Chris: Und selbst dort will niemand das teure Gerät haben.
Chris: Es gibt jetzt keine konkreten Verkaufszahlen für die ersten Monate,
Chris: aber über die gesamte Lebenszeit der Plattform werden in Deutschland ungefähr
Chris: 25.000 CDTVs verkauft, in England ungefähr 30.000 Stück.
Chris: Und insgesamt sind es wohl weniger als 80.000 Exemplare, die Commodore produziert.
Chris: Das ergibt eine Seriennummernauswertung der Seite CDTVLand.
Chris: Und produziert heißt ja noch nicht zwangsläufig auch verkauft.
Chris: Aber selbst diese 80.000, das ist nur ein Fünftel der Stückzahl,
Chris: die von einem Commodore Plus 4 hergestellt wurden und schon der galt als ziemlich
Chris: katastrophaler Fehlschlag.
Chris: Naja, was macht man in so einem Fall als Firma?
Chris: Man senkt erstmal den Preis. Das macht Commodore auch Ende 1991 das erste Mal, 1992 dann nochmal.
Chris: Und dann gibt es auch noch Aktionen wie, wer einen Amiga 500 in Zahlung gibt,
Chris: der kriegt nochmal Rebatt auf das CDTV. Da muss ich schon lachen, wenn ich das sage.
Chris: Das ist ja der schlechteste Deal aller Zeiten. Und das ist auch nicht die einzige Maßnahme.
Chris: Es gibt dann tatsächlich eine Neupositionierung des Gerätes 1992.
Chris: Aus diesem sehr computerfernen Multimedia-Wundergerät wird jetzt doch noch ein Amiga-Computer.
Chris: Zumindest dem Namen nach, denn fortan heißt das System Amiga CD-TV und das wird
Chris: jetzt auch in einem neuen Bundle verkauft, wo eine Tastatur,
Chris: eine Maus und ein Diskettenlaufwerk gleich mit dabei ist.
Chris: Es gibt da Werbeanzeigen, da erinnert das dann jetzt mehr an einen schwarzen
Chris: Amiga 2000 als an einen CD-Player.
Chris: Und weil ja jetzt ein Diskettenlaufwerk in diesem Bundle dabei ist,
Chris: wirbt Commodore dann auch mit 3000 Amiga-Titeln, weil man natürlich über dieses
Chris: Laufwerk auf dem Gerät auch ganz normale Amiga-Software ausführen kann.
Chris: Aber das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass die Zahl der exklusiven
Chris: Titel, die auch wirklich Nutzen aus dem CD-ROM-Laufwerk und aus den Multimedia-Fähigkeiten
Chris: des CD-TV-Ziehens, verschwindend gering ist. Ja, und das Ganze hilft auch nichts.
Chris: Die Produktion der Platinen für das CDTV wird bereits im September 1991 eingestellt.
Chris: Das ist etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Produktionsbeginn.
Chris: Und das, was dann also 1991, 1992 noch verkauft wird, das sind im Endeffekt Pressbestände.
Chris: Dann gibt es ja nochmal einen neuen Namen und das Ganze geht bis 1993.
Chris: Dann gab es nochmal eine Preissenkung.
Chris: Da wird das im Endeffekt dann halt noch abverkauft. Aber das war's dann schon.
Chris: Dann ist das CDTV Geschichte und der Konkurrent, das CDI von Philips,
Chris: das du schon erwähnt hast, das hält immerhin fünf Jahre länger durch,
Chris: auch wenn das natürlich auch kein wirklicher Hit im Markt ist.
Chris: Aber die Geschichte von Commodore und der CD-ROM ist damit natürlich nicht vorbei.
Chris: Kann auch gar nicht vorbei sein, weil auch Commodore weiß, dass die CD-ROM der
Chris: Datenträger der Zukunft sein wird und 91, 92 ist das völlig klar.
Chris: Da führt kein Weg mehr drum herum.
Chris: Das heißt, Commodore muss sich jetzt überlegen, was machen wir denn dann,
Chris: wenn es das CDTV nicht ist?
Henner: Erstmal planen sie Nachfolger. Nämlich einen kostenreduzierten,
Henner: ein günstigeres CDTV-Modell.
Henner: Im April 91 schon.
Henner: Da kommt das Original-CDTV gerade erst auf den Markt.
Henner: Da treffen sich einige Ingenieure mit dem Management und entscheiden,
Henner: okay, das Ding ist zu teuer, wir müssen eine kostenreduzierte Version davon produzieren.
Henner: Codename CDTVCR für Cost Reduced oder interne Modellnummer auch CD500.
Henner: Und das entsteht dann auch auf der Basis des Amiga 600, der ja ein bisschen günstiger ist.
Henner: Allerdings, sie stopfen noch mehr Funktionen rein, was ein bisschen überraschend
Henner: ist, denn eigentlich geht es hier um eine Kostenreduzierung.
Henner: Aber da kommt der aktualisierte Chipsatz rein, der ECS aus dem Amiga 600, neues Betriebssystem.
Henner: Das Mainboard wird ein bisschen kleiner, dafür ist jetzt aber auch Platz genug
Henner: im Gehäuse, um ein Diskettenlaufwerk einbauen zu können, zumindest optional.
Henner: Eine Festplatte soll man einbauen können und das Display wird auch noch ein
Henner: bisschen größer. Das CD-Laufwerk wird doppelt so schnell, das ist jetzt dann
Henner: doch ein Dual-Speed-Laufwerk, das verringert die Ladezeiten,
Henner: die oft kritisiert wurden.
Henner: Trotz dieser Verbesserung schafft es das Team die Baukosten um ungefähr ein
Henner: Drittel gegenüber dem Original zu reduzieren. Es wird parallel auch noch darüber
Henner: nachgedacht, ein weiteres Modell rauszubringen, das intern CDTV2 genannt wird.
Henner: Das soll jetzt den ganz neuen AGA-Chipsatz aus dem Amiga 1200 bekommen und auch
Henner: von Anfang an ohne zusätzliche Hardware diese neuen MPEG-Video-CDs unterstützen.
Henner: Das heißt, Commodore hat schon noch einiges vor für diese Plattform,
Henner: aber das Ganze wird dann doch wieder eingestellt, denn als die Ingenieure im
Henner: August 92 ihre Ergebnisse präsentieren,
Henner: da ist der Commodore-Präsident Ali nicht überzeugt.
Henner: Und all das, was Sie da vorstellen, ist immer noch viel zu teuer.
Henner: Das grundlegende Problem des CDTVs, die hohen Produktionskosten, ist damit nicht gelöst.
Henner: Und außerdem sind die Lager noch voll mit dem Originalmodell.
Henner: Und das soll bitte schön erstmal abverkauft werden, bevor irgendwas Neues eingeführt wird.
Henner: Und so wird dieses ganze Projekt CDTVCR genau wie das CDTV2 schon wieder eingestellt,
Henner: obwohl von dem CR-Modell eine Vorserienproduktion schon gelaufen ist.
Henner: 64 Vorserienexemplare sind schon fertig.
Henner: Es ist also alles bereit für die Serienproduktion, aber das Projekt wird eben
Henner: kurz vorher eingestellt.
Chris: Ja, aber es gibt ja auch noch eine andere Möglichkeit, den Amiga ins CD-Zeitalter
Chris: zu bringen, nämlich indem man an die installierte Basis von Amigas einfach ein
Chris: CD-Laufwerk anschließt.
Chris: Ja, das wäre ja eigentlich der naheliegende Weg, die es halt beim PC und bei
Chris: Macintosh schon möglich ist.
Chris: Und das passiert aber lange nicht. Erst im Herbst 1992 ist es soweit,
Chris: dass Commodore das erste offizielle CD-Laufwerk für den Amiga rausbringt.
Chris: Das trägt die Seriennummer A570 und ist für den Amiga 500 gedacht.
Chris: Der A500 hat ja einen zeitlichen Erweiterungsport und da kann man das dann anschließen.
Chris: Und eine der Besonderheiten von diesem A570 ist, dass es den Standard Amiga
Chris: 500 damit vollständig CD-TV-kompatibel macht. Es gibt vorher schon CD-Laufwerke
Chris: für den Amiga von Drittanbietern, nicht von Commodore selbst.
Chris: Die sind nicht CD-TV-kompatibel. Mit dem A570 ist es dann der Fall.
Chris: Und das klingt ja eigentlich nach einer guten Lösung.
Chris: Also die Multimedia-Fähigkeiten, das CD-TV über das CD-ROM-Laufwerk an einem
Chris: normalen A500 mit Monitor und Maus und Tastatur und so weiter.
Chris: Das könnte es doch jetzt sein.
Chris: Aber das A570 hat einen gravierenden Makel. Das funktioniert nur mit dem Amiga 500.
Chris: Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Produktion des Amiga 500 schon längst eingestellt ist.
Chris: Als das Laufwerk rauskommt, ist bereits der Nachfolger Amiga 600 im Markt.
Chris: Und der wiederum funktioniert nicht mit dem CD-Laufwerk. Der Amiga 1200 auch nicht.
Chris: CDTV ist auch abgeschrieben als Plattform zu diesem Zeitpunkt.
Chris: Also da kommt eine tote Erweiterung für einen toten Computer.
Chris: Also so ist es unterm Strich wenig überraschend, dass sich von diesem A570-Laufwerk
Chris: nur ungefähr 20.000 Stück verkaufen.
Chris: Aber was ich mich frage, Henner, ist, ich weiß nicht, ob du da eine Ansicht
Chris: oder eine Theorie dazu hast, ist die Tatsache, dass Commodore erst so spät ein
Chris: Laufwerk für den Amiga rausbringt, ist das CDTV daran schuld?
Chris: Wollten die ihr CDTV nicht kannibalisieren, indem sie dem Amiga ein CD-Laufwerk spendieren?
Henner: Das kann schon sein. Ich glaube, Commodore hatte einfach keinen festen Plan.
Henner: Die wussten selbst nicht so genau, wo sie hinwollen mit dieser Plattform.
Henner: Da steckt glaube ich keine Strategie dahinter, die erkennbar wäre.
Henner: Das ganze Konzept scheint zum Scheitern verurteilt zu sein, denn der Konkurrenz
Henner: von Philips geht es ja mit dem gleichen Konzept nicht viel besser.
Henner: Aber woran genau liegt das denn nun? Woran scheitert das CDTV?
Henner: Commodore hat ja eigentlich vieles richtig gemacht.
Henner: Das darf man dabei nicht vergessen. Sie haben sehr früh erkannt,
Henner: dass der CD-ROM die Zukunft gehört und dass die CD-ROM eine wunderbare Ergänzung
Henner: ist für den Multimedia-tauglichen Amiga und dass man mit dieser Kombination
Henner: vielleicht auch mehr Menschen begeistern kann als mit dem klassischen Amiga-Computer.
Henner: Also nicht nur die Nerds, sondern eine breitere Zielgruppe.
Henner: Das sind eigentlich alles ganz richtige Gedanken.
Henner: Aber sie schaffen es trotzdem nicht, diese Zielgruppe anzusprechen und das Ganze zum Erfolg zu führen.
Henner: Also woran liegt's? Ich glaube nicht, dass das A570-Laufwerk als interne Konkurrenz
Henner: dabei eine Rolle spielt.
Henner: Und ich glaube auch nicht, dass die technische Umsetzung schuld ist,
Henner: also Hardware-Probleme am Gerät. Es gibt hier und da Schwächen wie diesen Controller,
Henner: der nicht perfekt ist oder das Fehlen der Joystick-Ports.
Henner: Das hat sicherlich geschadet, aber das war nicht der Grund dafür,
Henner: dass das CD-TV untergegangen ist.
Henner: Auch andere Mängel, die wir noch nicht genannt haben, zum Beispiel,
Henner: dass das Gerät einen sehr lauten internen Lüfter hatte oder dass die Ladezeiten
Henner: von der CD oft sehr, sehr lang waren.
Henner: Auch das kann man kritisieren, aber ich glaube, das war nicht ausschlaggebend.
Henner: Und viel schwerer wog, denke ich, dass, wie wir es beschrieben haben,
Henner: die Positionierung so unklar war.
Henner: Niemand wusste genau, was mit diesem Gerät anzufangen ist. Der Hersteller wusste
Henner: es nicht, der Handel wusste nicht, wo er es hinstellen soll.
Henner: Der Kunde wusste es am Ende natürlich auch nicht.
Henner: Was mache ich damit? Es fehlte ein klarer Zweck. Es fehlte eine Vision dahinter,
Henner: obwohl sie im Namen steckt.
Henner: Und es fehlte eine Killer-Applikation. Es fehlten Inhalte, klare,
Henner: gute Inhalte in überzeugender Qualität, die man sonst nirgendwo bekommt.
Henner: Und ohne diese Inhalte fehlte jeder Grund 1600 Mark für so ein Gerät zu bezahlen
Henner: und deswegen hat es auch keiner gemacht.
Chris: Ja, also was bleibt vom CDTV? Wenn wir es mal wohlwollend betrachten,
Chris: dann kann man sagen, einige Trends, die im CDTV schon drin waren,
Chris: setzen sich bis heute fort.
Chris: Also optische Datenträger waren ja dann ein ganz wichtiges Format auf dem Markt,
Chris: sind auch heute noch in der Benutzung zum Beispiel auf dem Konsolenmarkt.
Chris: Kabelloser Controller ist auch etwas, was heutzutage Gang und Gäbe ist.
Chris: Und die Idee, so eine multimediale Universalmaschine zu machen,
Chris: das lebt ja fort im PC und dann im Smartphone.
Chris: Also man könnte, wenn man wollte, dem CDTV zugutehalten, dass es seiner Zeit voraus war.
Chris: Das ist aber wie gesagt schon mit viel Wohlwollen formuliert.
Chris: Es gibt noch eine hübsche Fußnote der Geschichte,
Chris: nämlich, dass es nochmal eine Firma probiert hat mit so einer Hi-Fi-Komponente
Chris: im Multimedia-Anstrich mit CD-Laufwerk, in der dann Computertechnik drinsteckt.
Chris: Denn im Jahr 1997 veröffentlicht die chinesische Firma Lotus Pacific zwei Geräte,
Chris: die dem CDTV sehr ähnlich sind, die Modelle Wanda TV A6000 und A6060.
Chris: Und die dienen als CD-Player, als MPEG-Video-Player und als Karaoke-Maschine
Chris: und man kann sie sogar mit dem Internet verbinden.
Chris: Und in deren Inneren steckt Amiga-Hardware, denn Lotus Pacific hat über Umwege
Chris: die entsprechenden Lizenzen erworben, die gehörten zu dem Zeitpunkt dem damaligen
Chris: Commodore-eigner S-Com aus Deutschland.
Chris: Nun, Commodore selbst aber wagt sich in den letzten Jahren seines Bestehens
Chris: nicht mehr an diese eigenwillige Gerätekategorie, also an die Multimedia-Box fürs Wohnzimmer.
Chris: Aber die Idee einer Fusion von Amiga und CD-ROM kann die Firma nicht aufgeben,
Chris: wenn sie nicht völlig gegen die PCs verlieren will.
Chris: Und so nimmt sich Commodore das Thema nochmal vor, nimmt nochmal Anlauf.
Chris: Und davon erzählen wir in der nächsten Folge.
Henner: Ganz genau. Davon im zweiten Teil. Vielen Dank für das Gespräch,
Henner: Christian, euch fürs Zuhören und ich freue mich auf Teil 2 und das CD32.
Chris: Ich ebenfalls. Bis dahin.