Gespräche über alte Spiele
Henner: Hallo liebe Hörerinnen und Hörer und moin Christian.
Chris: Moin Henna.
Henner: Christian, wir können die allerwichtigste Frage, die sich uns in ganz vielen
Henner: Technikfolgen stellt, gleich zu Beginn beantworten, finde ich.
Henner: Dann haben wir das hinter uns.
Henner: Welches ist das beste Spiel für
Henner: Windows 95 und wann kriegt Minesweeper die verdiente Stay Forever Folge?
Chris: Moment mal, Minesweeper gab es doch vorher schon in den anderen Windows-Versionen.
Chris: Da brauchen wir doch 95 nicht. Oder täusche ich mich?
Henner: Ja, das stimmt, aber trotzdem ist es das beste Spiel, das man unter Windows 95 spielen kann.
Chris: Das ist eine sehr steile These, da bin ich schon gespannt auf die Widerrede bei uns im Forum.
Chris: Aber tatsächlich ist es ein ausgezeichnetes Spiel, da will ich dir gar nicht
Chris: widersprechen. Und ja, meins wie bei Folge wann, schauen wir mal,
Chris: könnte auf jeden Fall kommen.
Henner: Ja, ich denke, damit ist das geklärt, die Folge kommt und das beste Spiel haben
Henner: wir gekürt. Jetzt können wir über die technischen Dinge sprechen und über die
Henner: wirtschaftlichen und alles andere, was weniger mit Spielen zu tun hat.
Henner: Naja, vielleicht kommen wir nochmal auf die Spiele zurück.
Henner: Aber jetzt muss erst mal Windows 95 auf den Markt, Christian,
Henner: oder? Denn da haben wir letztes Mal aufgehört.
Chris: Genau, da haben wir letztes Mal aufgehört. Wir sind also im Juli 1995,
Chris: da wird die Goldmaster-CD ins Presswerk geschickt.
Chris: Und bei Microsoft in Redmond bricht der Jubel aus. Da fließt Champagner,
Chris: da springen die Entwickler in die Brunnen des Unternehmensgeländes.
Chris: Die liefern sich da Wasserschlachten.
Chris: Als ich das gelesen habe, dachte ich mir, warte mal, so etwas Ähnliches habe
Chris: ich doch schon mal gehört. und habe mich erinnert, dass Günder und ich ja mal
Chris: eine Folge über Age of Empires aufgenommen haben.
Chris: Ein Spiel, das dann ein paar Jahre später rauskam und von Microsoft gepublished wurde.
Chris: Und da haben wir in einer Wusstet ihr eigentlich Folge dazu eine Anekdote erzählt
Chris: aus dem Jahr 1996, also ein Jahr nach dem Windows 95 Launch.
Chris: Da hatte Microsoft damals schon seine Games Group und deren Chef ist damals Stuart Mulder gewesen.
Chris: Und zum Release eines Spiels namens Hellbender hat eben jener Stuart Mulder
Chris: eine große Launchparty in Redmond im Hauptvertier geschmissen und im Zuge dieser
Chris: Party den Age of Empires Producer Tim Snamenacek,
Chris: in den Brunnen auf dem Firmengelände geschmissen.
Chris: Und der hat sich dabei das Bein gebrochen und musste zwei Monate den Gips tragen.
Chris: Da scheinen mir also, dass Schabernack mit dem Brunnen oder den Brunnen auf
Chris: dem Firmengelände zu treiben, nicht so ungewöhnlich war in der Ära bei Microsoft.
Chris: Keine Ahnung, wie das heutzutage ist.
Henner: Ja, offenbar. Ausgerechnet für Hellbänder sich einen Arm brechen.
Henner: Ich glaube, das lohnt sich nicht.
Chris: Ein Bein war es, aber ich glaube, das ist egal. Da hat ihm beides nicht gefallen.
Henner: Nee. Das war der Juli. Da war die Goldmeister-CD fertig, muss ins Presswerk
Henner: und dann wird natürlich die Packung produziert
Henner: und die CD gepresst für den Endkundenverkauf und der beginnt am 24.
Henner: August 1995. Da beginnt also der Verkauf von Windows 95 in den USA.
Henner: Deutschland kommt etwas später dran, Anfang September.
Henner: Aber der Launch, der beginnt nicht zur üblichen Geschäftsöffnungszeit,
Henner: sondern schon um Mitternacht.
Henner: Ganz viele Geschäfte, zumindest in Seattle, also da, wo Microsoft beheimatet
Henner: ist und in umliegenden Gemeinden, da öffnen einige Händler ihre Pforten schon
Henner: nachts so früh wie möglich, weil da Windows-Fans anstehen,
Henner: die es nicht erwarten können, Windows 95 in Händen zu halten und zu installieren.
Henner: Die haben halt noch keine Ahnung, wie oft sie dieses System in den nächsten
Henner: Jahren noch installieren werden.
Henner: Kurios aus heutiger Sicht wie auch aus damaliger, aber ein Beleg dafür,
Henner: wie erfolgreich Microsoft den Hype geschürt hat.
Henner: Denn Ladencamper für ein Betriebssystem, das ist doch ein eher unbekanntes Phänomen.
Henner: Das gab es für DOS wohl eher selten.
Chris: Microsoft scheut da keine Kosten und Mühen in diesem Zusammenhang.
Chris: Auch diese Launch ist begleitet von großen Feierlichkeiten.
Chris: Zum Beispiel auf dem Campus in Redmond, da gibt es auch ein Sportfeld.
Chris: Das wird zu dieser Gelegenheit in einen kleinen Freizeitpark umgebaut mit Zelten
Chris: und Spielständen und sogar einem Riesenrad.
Chris: Und Microsoft Card, zumindest schätzt das die Los Angeles Times,
Chris: damals rund 5000 Menschen aus der Branche, aus der Presse mit Bussen dorthin.
Chris: Und dann gibt es noch ein Hauptevent auf einer Bühne im Microsoft Campus.
Chris: Da passen in die Halle ungefähr 2000 Leute, die da vor Ort zusehen.
Chris: Das wird moderiert von Microsofts Geschäftsführer Bill Gates.
Chris: Und der hat sich dazu eingeladen den damals immens populären talkmaster jay
Chris: leno der ja auch comedian ist und der also da auf der bühne vor allen dingen
Chris: für die witze zuständig ist mäßige witze zum beispiel so einer hier.
Einspieler: Ich denke ich habe ein gutes beispiel ich habe ein paar jungen ideen hier diese
Einspieler: jungen die du hast du? absolut fantastisch,
Einspieler: It's right here on the desktop. If I do this right click, I can say send and
Einspieler: I can put it on a floppy disk that you can take back and use in your show.
Einspieler: That would be, you know that.
Einspieler: If you don't want them, all I have to do is use this undo and it'll delete them
Einspieler: off of that floppy disk. Maybe that would be best.
Henner: Ja, für jene, die das nicht verstanden haben, hier ging es um die Funktion Send
Henner: to Floppy, also eine Datei direkt per Rechtsklick per Kontextmenü auf die Diskette
Henner: schicken und das anschließend wieder rückgängig machen, weil die Datei doch nicht so toll ist.
Henner: Ja, ist mäßig lustig.
Chris: Ja, aber auf jeden Fall ist es ein großes Spektakel. Diese Show wird auch live
Chris: übertragen zu 40 weltweiten Launchpartys. Zehntausende Leute verfolgen das da
Chris: per Satellitenübertragung.
Chris: Diese Partys anderswo auf der Welt, die haben auch so Eventcharakter.
Chris: Da gibt es spektakuläre Presseaktionen, Lasershows zum Beispiel oder eine U-Boot-Fahrt
Chris: in der Ostsee. Also wie gesagt, Microsoft lässt sich nicht lumpen.
Chris: Und auf der Bühne da in Redmond in Seattle, da demonstrieren Jay Leno und Bill
Chris: Gates anderthalb Stunden lang die Vorzüge dieses neuen Betriebssystems.
Chris: Die begleiten zum Beispiel ein Live-Upgrade von Windows 3.1 auf Windows 95.
Chris: Sie führen auch das neue Office 95 vor. Sie zeigen die Erweiterung Microsoft
Chris: Plus, auf die wir gleich noch kommen werden.
Chris: Und sogar ein paar Spiele werden dort angespielt und auch das Microsoft Network.
Chris: Auch der Projektleiter, Brad Silverberg, hat einen Auftritt und der dankt dann
Chris: den Entwicklern und den Testern und das ist wie gesagt der Startpunkt,
Chris: das Launch Event und danach folgt eine, ja man kann es eigentlich nicht anders
Chris: sagen, eine gewaltige Marketingkampagne.
Henner: Ja solch eine Dimension zumindest kannten wir von Microsoft bislang nicht.
Henner: Ich war, glaube ich, vor ein paar Jahren mal auf dem Launch-Event in Deutschland für Windows 7.
Henner: Das fand ich ganz so aufregend. Da gab es kein Riesenrad und Jay Leno war auch
Henner: nicht da. Da gab es ein paar Häppchen.
Henner: Naja, am Launch-Tag schreibt die Washington Post damals über den Hype,
Henner: man könne sich, Zitat, unter einer Brücke verstecken oder mit einem Ruderboot
Henner: in die Mitte des Ozeans fahren, aber Microsofts Kampagne könne man trotzdem nicht entkommen.
Henner: So groß ist diese Kampagne, so umfassend. Natürlich schalten sie Werbung,
Henner: Printanzeigen, TV-Spots und so weiter.
Henner: Aber darüber hinaus leisten sie sich auch ein paar teure Marketing-Stunts.
Henner: Also nicht nur diese teuren Aktionen wie die U-Boot-Fahrt für die Pressevertreter,
Henner: sondern auch für die Allgemeinheit.
Henner: Zum Beispiel das Empire State Building in New York. Da wird die Spitze in den
Henner: Farben des Windows-Logos beleuchtet.
Henner: In London kauft Microsoft einfach mal eine komplette Druckauflage der Times
Henner: und erhöht die dabei noch ein bisschen auf 1,5 Millionen Stück und verteilt
Henner: diese Zeitung dann kostenlos, natürlich mit einem 24-seitigen Werbebeileger.
Henner: Aber noch teurer als dieser Coup ist der Soundtrack dazu, der auch in den meisten
Henner: Werbespots zu hören ist.
Henner: Das ist nämlich kein neu komponiertes Stück, sondern ein Klassiker von den Rolling
Henner: Stones, Start Me Up von einem 1981er Album.
Henner: Das gilt immerhin als eins der populärsten Lieder der Rolling Stones und hat
Henner: Microsoft damals drei Millionen Dollar gekostet. Wir hören mal kurz rein.
Henner: Ja, ich bin kein großer Fan von dem Song, aber zumindest passt der Refrain und
Henner: ich nehme an, dass Microsoft den Song auch wirklich nur wegen des Refrains ausgesucht hat.
Henner: Start me up, das spielt natürlich an auf den Startbutton, der ja so ein wesentliches
Henner: charakteristisches Merkmal ist von Windows 95.
Henner: Aber wenn man genauer hinhört, Christian, und sich den restlichen Text in den
Henner: Strophen auch mal anhört, dann erkennt man, dass es hier nicht um Betriebssysteme
Henner: geht, sondern es geht hier um Metaphern für sexuelle Erregung oder sogar Akte.
Henner: Die vorletzte Zeile im Song ist, you make a dead man come.
Henner: Ich glaube, das hat sich bei Microsoft keiner angehört, bevor sie die drei Millionen
Henner: Dollar ausgegeben haben.
Chris: Also in den Werbespots habe ich das nie gehört, diese Zeit.
Chris: Da wurde wohlweislich immer vorher abgeblendet. Nee, du hast schon recht,
Chris: es ging ausschließlich um den Refrain.
Henner: Aber diese Kampagne auf allen Medien, die damals modern sind, die ist sehr effektiv.
Henner: Es gibt eine Umfrage aus dem Juli 1995, das ist ja noch vor dem Launch und schon
Henner: da wissen, also nach dieser Umfrage, mehr als 50 Prozent der Befragten,
Henner: das sind US-Haushalte mit PCs,
Henner: Bescheid darüber, dass bald Windows 95 eingeführt wird.
Henner: Und das will was heißen. Mehr als 50 Prozent wissen Bescheid über sowas Trockenes
Henner: wie ein neues Betriebssystem.
Henner: Ich glaube, das schafft man heute nicht mehr mit einer neuen Android-Version oder so.
Chris: Nee, vermutlich nicht. Diese Kampagne trifft auf offene Ohren,
Chris: nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern genauso gespannt sind auch die Fachredaktionen,
Chris: die sich Windows 95 natürlich vorknöpfen wollen.
Chris: Und das Echo dort ist überwiegend positiv. Das PC Magazine in den USA,
Chris: das misst zum Beispiel in seiner Ausgabe 9.95 Windows 95 an den geschürten Erwartungen
Chris: und befindet, es sei zwar nicht
Chris: alles, was wir uns gewünscht hätten,
Chris: aber immer noch ein großer Schritt nach vorn.
Chris: Das PC-Magazin findet vor allem die neue Oberfläche sehr gut.
Chris: Es sei, Zitat, ein großartiges neues Interface, Zitat Ende, mit verbesserter
Chris: Benutzerfreundlichkeit und verglichen mit Windows 3.11 laufe es außerdem stabiler.
Chris: Mac-User zieht in der Ausgabe 12.95 auch den Vergleich mit dem Vorgänger,
Chris: Zitat, Windows 3.1 und Windows 3.11 stinken.
Chris: Sie sind schwer zu installieren, sie sind schwer zu bedienen, sie stürzen oft ab.
Chris: Windows 95 ist trotz seiner Schwächen ein Segen für Winterleute, Zitat Ende.
Chris: Und wow, dieses Wort Winter, Henner, das habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr gehört.
Henner: Ich auch nicht.
Chris: Das ist so ein Portmonteau damals für Windows und Intel.
Chris: Also es steht quasi synonym für IBM-PCs.
Henner: Ja, mit einer negativen Konnotation, wenn der Mac-User das schreibt jedenfalls.
Henner: Also das ist der Pöbel für den Mac-User.
Henner: Ja, da gibt es weitere Testberichte natürlich. Natürlich, es ist ein riesen Event, auch
Henner: normale Presse, fachfremde Presse schreibt darüber, aber natürlich vor allem
Henner: die Computermagazine, zum Beispiel die PC Computing in Ausgabe 895,
Henner: die vergleicht jetzt Windows 95 nicht nur mit den eigenen Vorgängern,
Henner: sondern auch mit den Konkurrenten, da gibt es ja noch welche,
Henner: von IBM, OS2 Warp 3.
Henner: Und demnach ist Windows 95 diesem Konkurrenten in den meisten Kategorien überlegen,
Henner: vor allem bei sowas wie Netzwerkfunktionen und der Hardwareverwaltung mit Plug & Play und Co.
Henner: Aber es gibt ja noch einen Konkurrenten, einen Inhouse-Konkurrenten,
Henner: nämlich Windows NT, das stabilere Windows.
Henner: Die Computer World vergleicht Windows 95 im März 96 mit Windows NT und das schneidet
Henner: wiederum in fast allen Bereichen besser ab als Windows 95.
Henner: Multitasking, Performance, Stabilität. Das wundert mich nicht,
Henner: aber es gibt eine Ausnahme bei der Kompatibilität.
Henner: Da ist Windows 95 überlegen und auch das ist wenig verwunderlich,
Henner: denn Windows 95 ist stark darauf zugeschnitten, mit alter Hardware und Software zu harmonieren.
Henner: NT nicht so sehr, das richtet sich aber auch an einen ganz anderen Markt, an einen Profimarkt.
Chris: Ja, das sieht man auch im Performance-Test, den Computer World damals auch durchführt.
Chris: Mit bestehender Anwendungssoftware sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen
Chris: Windows-Varianten wechselhaft. Aufschlussreicher ist ein Vergleich in der Disziplin
Chris: Doom 2, in dem sich Windows 95 rein im DOS stellen muss.
Chris: Bei den Ladezeiten gibt es große Unterschiede zwischen Windows im GUI und im
Chris: DOS-Modus. Wenn man Doom 2 vom Desktop aus startet, dann braucht es dreimal
Chris: so lange zum Starten wie das alte DOS.
Chris: Im reinen DOS-Modus ist Windows 95 dagegen gleich auf, was die Ladezeit angeht.
Chris: Die Framerate im eigentlichen Spiel ist wiederum in allen drei Szenarien ähnlich,
Chris: aber hier fällt Windows NT ab, auf dem Doom 2 auch zum Laufen gebracht wurde.
Chris: Laut Redaktion fällt es da sogar auf den niedrigsten Wert, den die Doom Engine
Chris: überhaupt anzeigen kann.
Chris: Und sie folgen dann, Zitat, die Architektur von Windows NT ist schlecht angepasst
Chris: an solche Spiele. Zitat Ende.
Chris: Ja, das stimmt wohl, dafür ist es ja auch nicht gedacht.
Chris: Aber letztlich entscheidend ist, welches System den Wettbewerb auf dem Markt für sich entscheidet.
Chris: PC Computing hat dazu zum Launch von Windows 95 schon eine Meinung,
Chris: nämlich folgende, Windows 95 mit großem Vorsprung wird das für sich gewinnen.
Henner: Ich glaube, ich stimme denen zu, ihre Prognose.
Henner: Ja, ich finde diesen Vergleich mit NT in Doom 2 sehr interessant,
Henner: weil er zeigt, dass Microsoft hier vielleicht doch noch auf das richtige Pferd
Henner: gesetzt hat mit diesem alten DOS, das ja nach wie vor die Basis bildet für Windows 95.
Henner: Sie sind ja nicht umgestiegen auf den viel moderneren NT-Körnel,
Henner: was viele kritisieren, aber ja, wenn man an Spieler denkt, dann ist das wahrscheinlich
Henner: doch die richtige Entscheidung gewesen. NT ist einfach noch kein Spielebetriebssystem.
Henner: Ja, von den Spielen zu einer Spielerei, denn parallel zum Betriebssystem bringt
Henner: Microsoft am gleichen Tag, am 24.
Henner: August, auch noch eine Erweiterung auf den Markt. Die kennt man ja von Spielen,
Henner: ein Add-on quasi, eine kostenpflichtige Erweiterung, noch nicht zum Runterladen,
Henner: sondern auf einer separaten CD.
Henner: Und dieses Paket heißt mit vollem Namen Microsoft Plus Companion for Windows
Henner: 95, sehr handlicher Name, und kostet in den USA 50 Dollar. Das ist etwa ein
Henner: Viertel dessen, was das Betriebssystem selbst kostet.
Henner: Aber das hat etwas höhere Systemanforderungen. Das braucht nämlich mindestens
Henner: 8 MB RAM. Das Betriebssystem soll ja mit 4 auskommen.
Henner: Das ist einfach eine Erweiterung mit zusätzlichen Programmen und Verschönerungen
Henner: für das Betriebssystem.
Henner: Darunter sind einige recht nützliche Werkzeuge, zum Beispiel der System Agent,
Henner: das ist ein Taskplaner fürs automatische Ausführen von Programmen oder Drive
Henner: Space für die Festplattenkomprimierung.
Henner: Aber interessanter sind natürlich die multimedialen Spielereien,
Henner: die da drin stecken. Das ist das Multimedia-Zeitalter, sowas muss sein.
Henner: Und da gibt es kleinere visuelle Updates, zum Beispiel, dass man beim Verschieben
Henner: von Fenstern deren Inhalt sehen kann. Das ist beim regulären Windows 95 noch
Henner: nicht so, da siehst du nur den Rahmen.
Henner: Aber vor allem bringt dieses Plus-Paket jetzt die Möglichkeit mit,
Henner: die Oberfläche, den Desktop zu verschönern und zu personalisieren mit sogenannten Themes, Themen.
Henner: Das sind so zusammengefasste Sammlungen von allerlei Zierrad,
Henner: da ist ein Hintergrund mit drin, spezielle Mauszeiger,
Henner: verschiedene Schriften, manche schöner, manche weniger, bestimmte Farben sind
Henner: dann voreingestellt, Klänge, Bildschirmschoner und zwölf von diesen Paketen sind enthalten.
Henner: Nun mal ein Beispiel, eins davon heißt Dangerous Creatures, also gefährliche
Henner: Tiere und wenn man das aktiviert, dann sitzt auf dem Desktop im Hintergrund,
Henner: eine Raubkatze und der Bildschirmschoner, der lässt dann so rochen und Haie
Henner: durchs Bild schwimmen und beim Starten und Runterfahren gibt es neue Sounds, können wir mal hören.
Henner: Da heult ein Wolf. Sehr verspielt das Ganze, aber sehr schick.
Henner: Ich mochte ja dieses Spukhaus-Theme. Welches hattest du denn?
Chris: Ich habe die ganze Zeit, während du gesprochen hast, darüber nachgedacht.
Chris: Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß, dass ich das Plus-Paket hatte.
Chris: Ich habe das sicher nicht in der Box gekauft. Das wird bei einer OEM-Version mit dabei gewesen sein.
Chris: Also ich kann mich nicht erinnern, dass ich unter Windows 3 viel mit dem System
Chris: selbst herumgespielt hätte, also mit der Gestaltung von Windows,
Chris: aber mit Windows 95 sehr viel.
Chris: Gerade wegen diesen Theme-Optionen. Und das zieht sich bis in die Gegenwart.
Chris: Bei jedem neuen Windows ist das Erste, was ich mache, erstmal meinen Desktop-Hintergrund anpassen.
Henner: Natürlich.
Chris: Dass das alles wieder so aussieht, wie ich das haben möchte.
Chris: Und ich glaube, das geht zurück auf dieses Microsoft Plus damals.
Henner: Aber es sind nicht nur Spielereien dabei, sondern auch ein Spiel.
Henner: Nämlich 3D-Pinball Space Cadet. Das ist so ein kleiner Flipper,
Henner: ein einzelner Tisch nur mit einer Weltraumthematik.
Henner: Der stammt aus einer Vollversion, aus einem separat von Maxis vertriebenen Spiel,
Henner: also kein Microsoft-Eigengewächs. Das heißt Full Tilt Pinball und ich habe das
Henner: sehr gerne gespielt, auch zu XP-Zeiten noch. Hat wahrscheinlich jeder, oder?
Chris: Ich mochte das nie, weil mir das...
Henner: Was?
Chris: Ja, also ich habe es natürlich auch gespielt, aber mir war das immer zu träge,
Chris: zu ruckelig, zu ungenau.
Chris: Ich hatte nicht das Gefühl, dass das ein präzises Flipperspiel ist.
Chris: Vielleicht tue ich dem Unrecht und das lag an meiner Hardware.
Henner: Okay, also keine Stay Forever Folge zu Space Cadet. Schade.
Chris: Nee, vielleicht wenn so zu Full Tilt Pinball. Überhaupt, wir müssten auch mal
Chris: eine Folge zu Flipperspielen machen.
Chris: Was wir alles machen müssen, hier füllt sich die Liste, kommt direkt nach der Minesweeper Folge.
Henner: Ob es an dem Spiel liegt oder an den Themes oder an der Software,
Henner: die noch beiliegt, die Zeitschrift PC Computing, die hat später dieses Plus-Paket
Henner: als unverzichtbares Add-on bezeichnet.
Henner: Das ist ein großes Wort für diese Spielerei, aber das liegt vielleicht auch
Henner: eher an einer weiteren Dreingabe, die da enthalten ist, die wir noch gar nicht
Henner: erwähnt haben, denn da ist ja noch ein Programm bei. Welches ist denn das?
Chris: Ja, da ist noch das Internet Jumpstart Kit dabei und das enthält einen Mail-Client
Chris: für E-Mails, aber vor allen Dingen eines der wichtigsten Programme des Jahrzehnts.
Chris: Ich glaube, das kann man ohne Übertreibung sagen, auch wenn sich vielleicht
Chris: dem einen oder anderen hier die Augenbrauen zusammenziehen, wenn ich den Namen
Chris: nenne. Es ist nämlich der Internet Explorer, also der Browser von Microsoft,
Chris: mit dem man ins Internet kommt.
Chris: Dieser Browser geht zurück auf das Jahr 1994.
Chris: Damals hat Microsoft nämlich eine Lizenz erworben für Mosaic,
Chris: für den ersten Webbrowser der Firma Spyglass, auf dem auch der konkurrierende
Chris: Netscape Navigator basiert.
Chris: Und der Internet Explorer, das ist erst ein kleines Projekt innerhalb des Konzerns,
Chris: an dem zunächst nur eine Handvoll Entwickler arbeiten, aber das bekommt bald
Chris: deutlich größere Bedeutung innerhalb von Microsoft,
Chris: denn da gibt es ein recht berühmtes internes Memo von Bill Gates, dem Microsoft-Chef,
Chris: vom 26.
Chris: Mai 1995 an seine Führungsebene mit dem Titel The Internet Tidal Wave,
Chris: also die Internetflutwelle.
Chris: Und darin schreibt er, dass das Internet die Regeln ändern werde,
Chris: dass das eine unglaubliche Gelegenheit und gleichzeitig auch eine unglaubliche
Chris: Herausforderung sei. Und diese Herausforderung dürfe Microsoft nicht ignorieren.
Chris: Gates weist mit diesem Memo dem Internet die höchste Bedeutung zu.
Chris: So steht das in diesem Text. Das sei für jeden Teil unseres Geschäfts entscheidend. Zitat Ende.
Chris: Er hält das sogar für die wichtigste Entwicklung seit der Einführung des IBM-PC
Chris: im Jahr 1981 und für noch wichtiger als die Einführung der grafischen Benutzeroberfläche.
Chris: Das sind mal markige Worte.
Chris: Und Gates sieht in diesem Memo auch noch eine Gefahr für Microsofts Geschäftsmodell durch eine,
Chris: mögliche, also zu dem Zeitpunkt noch hypothetische Klasse von technisch viel
Chris: einfacheren PCs, die sich voll auf webbasierte Dienste konzentrieren und klassische
Chris: Software obsolet machen.
Chris: Das schreibt er hier im Jahr 1995, das ist einigermaßen visionär,
Chris: das wird ja dann mit sowas wie Netbooks und vielleicht sogar auch im weiteren
Chris: Sinne mit Smartphones auch tatsächlich dann so eintreten.
Chris: Nun, auf jeden Fall bedeutet das also, dass sich die Aufmerksamkeit von Microsoft
Chris: jetzt in viel stärkerem Maße als vorher auf das Internet richtet.
Henner: Ja, aber das kommt ziemlich spät. Also ich kann mir vorstellen,
Henner: dass man nicht glücklich war, bei Microsoft in der Führungsebene sowas im Mai
Henner: 95 zu lesen, denn da ist Windows 95 schon längst fertig.
Henner: Das wird nur noch getestet und verfeinert, ein paar Bugs gefixt,
Henner: aber man kann das jetzt nicht komplett umstricken und aufs Web ausrichten.
Henner: Dafür ist es viel zu spät.
Henner: Und Microsoft ist auch insgesamt einfach spät dran mit dieser Erkenntnis.
Henner: Es gibt ja schon Browser, wie du gesagt hast, vor dem Internet Explorer und
Henner: das Web etabliert sich hier schon gerade als Massenmedium.
Henner: Das geht so 1994 richtig los und es gibt eine Umfrage aus dem Jahr 1995,
Henner: der zufolge schon 53 Prozent aller PC-Nutzer in den USA ein Modem benutzen.
Henner: Das fand ich auch überraschend. Ich hatte 1995 auch schon ein Modem,
Henner: aber ich bin ja auch ein Nerd.
Henner: Und so viele? Erstaunlich. Hattest du auch schon 1995 ein eigenes Modem?
Henner: Warst du schon im Internet?
Chris: Ich hatte 1995 noch kein Modem. Da war ich noch in der Schule.
Chris: Mit dem Einschreiben in die Uni habe ich meinen ersten Internetzugang bekommen.
Chris: Das war, glaube ich, 1997.
Chris: Und dann habe ich auch selbstverständlich den Netscape Navigator benutzt.
Chris: Nicht den Internet Explorer. Es war aber gar kein Geschmacksurteil damals.
Chris: Ich weiß auch nicht. Ich hatte damals das Gefühl, dass der Netzgebung Navigator
Chris: einfach State of the Art ist, dass man den benutzen muss.
Henner: Ja, so war das auch anfangs. Nun, der Internet Explorer als großer Konkurrent
Henner: für den Navigator, der ist ja schon fertig eigentlich, schon mehrere Monate
Henner: vor dem Launch von Windows.
Henner: Aber wie gesagt, es ist zu spät, um den jetzt noch mit zu integrieren in Windows,
Henner: mit auf die CD zu pressen.
Henner: Das geht nicht mehr. Ich hatte ja die Gelegenheit, mit John Ludwig zu sprechen,
Henner: der einst als Vizepräsident bei Microsoft mitverantwortlich war für verschiedene
Henner: Betriebssystemprojekte und auch für das Internet Explorer Projekt für einige Versionen.
Henner: Und er sagte mir, Zitat, wir hätten gar nicht all die begleitenden Maßnahmen
Henner: koordinieren können, wie Lokalisierung, die Erstellung der Benutzerhandbücher,
Henner: Produktion, Tests durch OEM-Hersteller und so weiter.
Henner: Zitat Ende. Das war also nicht mehr möglich, all das durchzuführen für den Internet
Henner: Explorer zu diesem Zeitpunkt und so reicht es eben nur für die Plus-CD.
Henner: Die wird zwar gleichzeitig fertig, aber die hat nicht den gleichen Produktionsaufwand.
Henner: Da kann man also auch nochmal größere Änderungen vornehmen kurz vor Schluss,
Henner: dann fliegt halt eins von diesen komischen Themes raus.
Henner: Und dann geht es aber Schlag auf Schlag. Also diese Internet Tidal Wave Anweisung
Henner: von ganz oben, die wird ernst genommen und das Internet Explorer Team wird kräftig aufgestockt.
Henner: Schon im November 95 ist dann der zweite Internet Explorer fertig,
Henner: also nur wenige Monate später.
Henner: Der ist auch erstmal nur als Teil des Plus-Pakets zu haben in der aktualisierten Version.
Henner: Aber dann Anfang 96, da wird er auch Teil des ersten Service-Packs,
Henner: über das sprechen wir später noch, für Windows 95.
Henner: Und damit ist er jetzt kostenlos, wird also ohne Aufpreis, ohne dass man so
Henner: ein Plus-Paket separat kaufen muss, verteilt.
Henner: Und das ist neu, denn bis dahin sind Browser zumindest für Unternehmenskunden
Henner: noch kostenpflichtig. Auch der Netscape Navigator.
Henner: Ich glaube für uns Privatkunden nicht, aber für Unternehmen war der kostenpflichtig
Henner: und das ändert sich jetzt.
Henner: Diese Hürde fällt, der Microsoft Internet Explorer ist umsonst und das ist nicht
Henner: nur ein Schuss gegen Netscape, sondern auch gegen IBM.
Henner: Da muss man immer wieder dran denken, die gibt es ja damals auch noch mit ihrem
Henner: OS2 und da ist schon seit Ende 94 ein Browser drin, von dem ich noch nie gehört
Henner: habe, von dem Web Explorer.
Henner: Die sind also schon deutlich früher dran und geben sie aber schon bald wieder
Henner: auf im Jahr 96, verlässt IBM den Browsermarkt schon wieder.
Henner: Also ganz offensichtlich verkennen sowohl Netscape als auch IBM die Bedeutung
Henner: eines eigenen kostenlosen Browsers und Bill Gates erkennt diese Bedeutung.
Henner: Ja und so schafft es Microsoft mit seiner Marktmacht und der großen Verbreitung
Henner: von Windows 95, zu der wir gleich ja noch kommen, den Internet Explorer zu etablieren,
Henner: und zum größten Fenster ins Web zu machen, zum quasi Standard.
Henner: Und nicht nur das, der Internet Explorer erleichtert ja die Nutzung des Internets,
Henner: ist also eine sehr niedrige Einstiegshürde.
Henner: Brad Silverberg, der Chef der Betriebssystem-Sparte damals bei Microsoft,
Henner: der hat das später so ausgedrückt und Ludwig hat mir im Interview das auch so
Henner: bestätigt, Zitat, in vielerlei Hinsicht war das Internet die Killer-App für Windows.
Henner: Das finde ich ist ein sehr interessanter Blick.
Chris: Ja, finde ich auch. Aber die Bedeutung dieser Integration des Internet-Explorers in
Chris: Windows für die gesamte Branche, für den Markt, zeigt sich auch daran, finde ich,
Chris: dass es ein paar Jahre danach dann schon ein Anti-Kartell-Verfahren in den USA
Chris: gibt, das mit dem Urteil im Jahr 2000 dann Microsoft auch zwingt,
Chris: den Internet-Explorer als Standard wieder aus Windows rauszulösen.
Chris: Und in dem Zug übrigens auch andere Geschäftspraktiken aufzugeben zum Beispiel,
Chris: hat Microsoft auch deswegen für die große Verbreitung des Internet-Explorers
Chris: gesorgt, weil sie die OEM-Partner, also die Hardware-Hersteller,
Chris: denen Windows beiligen soll,
Chris: gezwungen haben vertraglich, dass dieses Windows mit dem Internet-Explorer ausgeliefert
Chris: werden muss und mit keinem anderen Browser.
Chris: Diese ganzen Sachen sind also kartellrechtlich sehr bedenklich und Microsoft
Chris: muss sie dann ja eben auch aufgeben.
Henner: Also Microsoft nutzt hier Windows 95 als Hebel, um in den Internetmarkt oder
Henner: den Browsermarkt vorzudringen.
Henner: Aber das klappt natürlich nur, weil Windows 95 so verbreitet ist und so populär
Henner: und kein PC-Hersteller darauf verzichten kann.
Henner: Und damit kommen wir zum Erfolg. Den haben wir ja schon angedeutet.
Henner: Der ist kolossal, kann man nicht anders sagen.
Henner: Aber die Voraussetzungen sind ja auch perfekt, oder? Für Windows 95.
Chris: Ja, die sind perfekt in Windows 95. Baut ja natürlich auf den Vorgängern auf,
Chris: die mögen veraltet sein, aber Windows 3.1 und 3.11 sind ja schon verbreitete Betriebssysteme.
Chris: Es gibt zusätzlich viel Aufmerksamkeit für Windows 95. Es gibt gute Presse,
Chris: es gibt diese große Marketingkampagne.
Chris: Da kann ja kaum was schief gehen, zumal es auch noch wenig direkte Konkurrenz gibt.
Chris: Wir haben natürlich Apple mit den Macintosh und seinem zugehörigen Betriebssystem,
Chris: aber die sind zu dem Zeitpunkt bei einem einstelligen Marktanteil,
Chris: dementsprechend also kaum relevant.
Chris: Linux noch viel weniger, spielt damals noch keine Rolle. Der Hauptwettbewerber
Chris: ist tatsächlich OS2 Warp von IBM.
Chris: Das gibt es seit 1994 in der Version 3 und das ist ebenfalls auf Privatkunden ausgerichtet.
Chris: Natürlich gibt sich IBM angesichts der neuen Bedrohung gelassen.
Chris: Am Launchtag von Windows 95 sagt zum Beispiel ein IBM-Sprecher der Washington
Chris: Post, Zitat, Microsoft liefert dieselben Features, die wir schon vor sieben Jahren hatten.
Chris: Wir machen hier Business as usual, Zitat Ende.
Chris: Aber IBM ist ja auch ein PC-Hersteller, hat die Aptiva-Reihe und die kriegt
Chris: man auf Wunsch auch mit Windows 95.
Chris: Also angesichts des Hypes und dieser medienübergreifenden Aufmerksamkeit kann
Chris: sich kein PC-Hersteller leisten, auf Windows 95 zu verzichten, auch IBM nicht.
Henner: Ja, die allermeisten Windows 95-Kopien werden über neue PCs verkauft und beiliegend
Henner: und vorinstalliert auf neuen PCs.
Henner: Aber das ist natürlich nur ein Teil des Geschäfts. Es gibt auch einen großen Retail-Markt.
Henner: Die ganzen Leute, die vor den Geschäften gecampt haben, die haben sich ja Retail-Boxen
Henner: gekauft oder Upgrade-Versionen für ihr bestehendes Windows 3 gekauft.
Henner: Und was kostet das eigentlich? Nun diese Upgrades, die kosten damals 110 Dollar,
Henner: das entspricht heute inflationsbereinigt ungefähr 200 Euro,
Henner: und die Vollversion, die eigenständige, die ja nur auf Diskette zu haben ist,
Henner: die kostet 210 Dollar, das entspricht also ungefähr 400 Euro.
Henner: Viel Geld für ein bloßes Betriebssystem, mit dem alleine man ja recht wenig
Henner: anfangen kann, außer Mindsweeper zu spielen.
Henner: Und Microsoft beschreitet hier auch ganz neue Vertriebswege.
Henner: Ich fand das interessant, dass ein Marketingmanager namens David Cole später
Henner: mal in einem Interview erzählt hat, er sei persönlich am Tag der Veröffentlichung,
Henner: also damals im August 95,
Henner: im Shoppingkanal QVC aufgetreten, falls den noch jemand kennt.
Henner: Und hat dort den Menschen, die dort zusahen, 20.000 Exemplare von Windows 95
Henner: verkauft. Das ist, glaube ich, kein typisches Produkt für so einen Shopping-Kanal,
Henner: wo sonst eher Schmuck und allerlei Quatsch verkauft werden.
Henner: Ja, das hat also eine enorme Breitenwirkung, wie man es von einem Betriebssystem
Henner: bislang gar nicht kannte.
Henner: Ja, und diese 20.000 Exemplare sind natürlich nur ein kleiner Anfang,
Henner: denn ja, Microsoft hat hier einen riesen Hit am Start.
Henner: Schon nach vier Tagen vermeldet Microsoft, dass sie eine Million Exemplare verkauft haben.
Henner: Für diesen Meilenstein hat Windows 3, der Vorgänger, also 3.0,
Henner: noch vier Monate gebraucht.
Henner: Und jetzt nach fünf Wochen, nachdem Windows 95 eingeführt wurde,
Henner: sind es schon sieben Millionen Exemplare. Und nach einem Jahr im August 96 sind
Henner: 40 Millionen Lizenzen ausgeliefert.
Henner: Wahrscheinlich nur ein kleiner Teil davon bei QVC, aber das ist ein Riesenerfolg.
Chris: Unterschätzt das nicht.
Henner: Nee, okay, hast du recht.
Henner: Für die Gesamtmenge über die gesamte Lebensdauer von Windows 95,
Henner: das bleibt ja noch ein paar Jahre erhältlich,
Henner: gibt es keine offiziellen Zahlen, aber man kann das grob abschätzen anhand der
Henner: Zahlen und Schätzungen von Marktforschern
Henner: und demnach müssen so im Laufe der Jahre insgesamt 180 bis 200 Millionen Exemplare verkauft worden sein.
Henner: Und davon allein 50 Millionen jeweils in den Jahren 97 und 98,
Henner: obwohl es 98 ja schon den Nachfolger gibt. Also das ist immens.
Henner: Ich weiß nicht, ob bei Stay Forever jemals über ein erfolgreicheres Produkt gesprochen wurde.
Chris: Vermutlich nicht, weil über die Playstation haben wir noch nicht gesprochen.
Henner: Ja, aber selbst die erreicht keine 200 Millionen Exemplare.
Chris: Nee, das stimmt. Haben wir überhaupt eine Konsole, die 200 verkauft hat?
Henner: Nee.
Chris: Okay.
Chris: Ja, aber dass das so hervorragend funktioniert, dass das so gut läuft, dass
Chris: Windows 95 hat natürlich in erster Linie einen Grund, wie wir beide wissen und
Chris: ihr alle, die uns zuhört, denn Windows 95 ist auch eine sehr gute Spieleplattform
Chris: und damit kommen wir zu unserem Stay Forever eigenen Terrain.
Henner: Minesweeper.
Chris: Ja, genau. Die Killer-App für Windows 95, schon klar.
Chris: Nun haben wir ja schon beschrieben, dass Windows 95 ein hybrides Betriebssystem
Chris: ist. Das ersetzt also nicht nur die vorherigen Windows-Versionen,
Chris: sondern es ersetzt auch DOS.
Chris: Und DOS ist zu diesem Zeitpunkt, wo Windows 95 rauskommt, das einzig relevante
Chris: PC-Betriebssystem für Spiele.
Chris: Die vorherigen Windows-Versionen, obwohl es da einige Bestrebungen von Microsoft
Chris: gab, die besser für Spiele tauglich zu machen, haben nicht die gleiche Bedeutung
Chris: erreicht, nicht mehr ansatzweise, wie DOS.
Chris: Microsoft scheint sich dieser Verantwortung bewusst zu sein,
Chris: dass also jetzt, wenn DOS ersetzt wird durch Windows 95, dass natürlich dann
Chris: auch ein Spiele-Ökosystem geschaffen werden muss.
Chris: Und die Spiele spielen ja auch bei dem vorher erwähnten Launch-Event eine Rolle.
Chris: Da wird ihnen wortwörtlich eine Bühne geboten. Jay Leno spielt live bei diesem
Chris: Launch-Event gleich zwei verschiedene Spiele, nämlich einmal Hover und Fury Cubed.
Chris: Beide dieser Spiele müssen einem nicht unbedingt was sagen. Die werden von Microsoft
Chris: vertrieben und die sind auch extra dafür erstellt, um zu zeigen,
Chris: dass auch 3D-Anwendungen in Windows 95 funktionieren.
Chris: Bill Gates spielt bei diesem Launch Event auch ein Spiel, nämlich das vorhin
Chris: erwähnte Space Cadet, also diesen Flipper.
Chris: Man könnte also da durchaus denken, dass Microsoft den Spielen ordentlich Raum
Chris: einräumt in seinem Betriebssystem, also dass von Anfang an klar ist,
Chris: hier Spiele sind eine wichtige Sache für uns, aber dieser Eindruck würde täuschen,
Chris: denn das ist ein relativ neuer Trend.
Chris: Ursprünglich hatte das Microsoft-Management wenig Interesse am Spielemarkt,
Chris: obwohl dem Betriebssystem natürlich die obligatorischen Minispiele wieder beiliegen,
Chris: wie zum Beispiel das Mindsweeper, das du schon so nachdrücklich erwähnt hast.
Henner: Ja klar, kommen wir mal kurz zu den beiliegenden Spielen.
Henner: Bei Microsoft hat es Tradition, den Betriebssystemen auch immer kleine Spiele
Henner: mitzugeben, die man zumindest optional vom Installationsdatenträger aufspielen kann.
Henner: Und Windows 3 hat ja zum Beispiel schon das Kartenspiel Solitaire mitgebracht
Henner: und das Brettspiel Reversi oder Othello nennt man es ja auch.
Henner: Und dieses Reversi wird ab Version 3.1 ersetzt durch das berühmte Minesweeper,
Henner: dieses Logik-Puzzle mit den Minen, das so großartig ist.
Henner: Das hat sich zuvor schon im Microsoft Entertainment Pack bewährt.
Henner: Was ist das denn jetzt schon wieder, Christian? Und hast du das in deiner Sammlung?
Chris: Ja, natürlich habe ich das in meiner Sammlung. Da gibt es sogar mehrere davon.
Chris: Zwischen 1990 und 92 hat Microsoft da vier Stück veröffentlicht.
Chris: Dazu dann auch noch extra eine Sammlung mit Arcade-Spielen.
Chris: Und dafür zuständig war im Konzern ein winziges Team. Das nannte sich Entry-Business.
Chris: Dessen Aufgabe war es, mit relativ
Chris: geringem Budget Windows 3 auch für Heimanwender attraktiv zu machen.
Chris: Eine richtige Spieleabteilung gibt es zu dem Zeitpunkt noch nicht bei Microsoft.
Chris: Es gibt zwar den Microsoft Flight Simulator, der entsteht aber gar nicht bei
Chris: Microsoft selbst, sondern bei einem externen Entwickler, bei BAO,
Chris: der Bruce-Artrick-Organisation.
Chris: Microsoft ist da nur in Anführungszeichen der Publisher.
Chris: Es gibt auch schon ein Golfspiel, Microsoft Golf. Das ist ein Ableger von Links,
Chris: von Access-Software und entsteht auch dort. Also das ist alles eher Beifang.
Chris: Spiele sind im Konzern Anfang der 90er ein absolutes Nischenthema.
Henner: Zurück zu den Minispielen, die beiliegen. Windows 3 11 hat ein weiteres hinzugefügt.
Henner: Hearts, ein weiteres Kartenspiel mit einem LAN-Modus.
Henner: Ganz erstaunlich, in den frühen 90ern denkt man hier schon an LAN-Partys.
Henner: Das habe ich auch immer sehr gerne gespielt, durchaus auch im LAN.
Henner: Und warum haben wir die jetzt genannt? Solitär, Mindscreeper und Hearts.
Henner: Nun, weil alle drei von Windows 95 übernommen werden. Also die sind auch weiterhin enthalten.
Henner: Aber dabei bleibt es nicht. Es kommt ein weiteres hinzu. Noch eine Solitär-Variante namens FreeCell.
Henner: Die war auch früher schon mal in einem Entertainment-Pack zu finden.
Henner: Ja und dann gibt es die CD-Versionen von Windows 95, die enthalten einen Unterordner,
Henner: wenn man da ein bisschen rumstöbert, der heißt Fun Stuff und da liegen ein paar Videos drin,
Henner: und auch ein Spiel, nämlich eben das besagte Hover, ein schon auf der Bühne
Henner: ja präsentiertes 3D-Spiel.
Henner: Da schwebt man mit so Schwebefahrzeugen durch 3D-Labyrinthe und sammelt Fähnchen
Henner: ein, ist allerdings kein Capture the Flag, also das ist ein reines Singleplayer-Spiel
Henner: und nicht besonders aufregend.
Henner: Ja, das war es auch schon. Also ein paar altbekannte Spiele,
Henner: die man schon aus den Vorgängern kennt und Hover, naja, das sind jetzt alles
Henner: keine Killer-Applikationen, auch wenn Minecraft immer noch so großartig sein mag.
Henner: Also damit wird Windows 95 jetzt sicherlich keine ernstzunehmende Spieleplattform.
Henner: Wie soll das jetzt also funktionieren? Wie soll Windows 95 das große Erbe von
Henner: DOS als primäre PC-Spieleplattform antreten?
Chris: Ja, das ist eine gute Frage, denn wie gesagt, die Vorgänger-Windows-Systeme
Chris: haben dieses Erbe ja nicht angetreten. Windows 3 war keine bedeutende Gaming-Plattform.
Chris: Die bekannte Spiele-Datenbank MobiGames, die führt mehr als 1600 Titel auf,
Chris: die mit Windows 3X kompatibel sind, aber in den meisten Fällen handelt es sich
Chris: da dann doch um DOS-Spiele, die sich halt von Windows aus starten lassen.
Chris: Es gibt auch einige DOS-Spiele, die mit leichten Anpassungen und dann gerne
Chris: auch noch auf CD-ROM in dieser Zeit für Windows 3 neu veröffentlicht werden.
Chris: Civilization for Windows zum Beispiel oder Pirates Gold.
Chris: Aber das ändert nichts daran, dass es im Kern DOS-Spiele bleiben.
Chris: Ich habe auch mal in meine eigene Sammlung geguckt. Ich sammle ja die Spiele
Chris: aus dieser Ära, wenn sie für den PC erschienen sind, unabhängig von dem Betriebssystem.
Chris: Und ich habe ungefähr 6.500 Spiele, die für DOS erschienen sind.
Chris: Und im Vergleich dazu ungefähr 500 Spiele, die für Windows 3.1 oder 3.0 erschienen sind.
Chris: Also DOS mag zwar veraltet sein, aber es ist bei den Spielenden und den Spieleherstellern
Chris: beliebt. DOS erlaubt direkten Zugriff auf die Grafikkarte, auf die Soundkarte, auf andere Hardware.
Chris: Spieleentwickler machen deshalb gerne Gebrauch davon.
Chris: Die Windows-Oberfläche mit der Hardware-Abstraktion ist für moderne 3D-Spiele viel zu langsam.
Chris: Selbst der von dir erwähnte Betriebssystem-Chef Silverberg hat später zugegeben,
Chris: dass Spieler Windows hassten zu dieser Zeit. Also er spricht von den Dreier-Windows.
Chris: Und während Windows 95 entwickelt wird, sieht es lange so aus,
Chris: als ob es dabei auch bleiben würde.
Henner: Genau, denn das Microsoft Management, das kennt sich gut aus mit Bürosoftware
Henner: und mit Betriebssystemen und mit ethisch und kartellrechtlich bedenklichem Geschäftsgebaren.
Henner: Aber die verstehen nicht allzu viel vom Spielemarkt. Natürlich ist aber auch
Henner: der Führungsebene rund um Bill Gates klar, ja Windows 95 muss auch mit DOS-Spielen umgehen können.
Henner: So viel verstehen sie dann doch, dass sie das nicht aufgeben dürfen,
Henner: denn es gibt ja auch, immerhin, du hast es ja schon erwähnt mit Microsoft Home,
Henner: ein eigenes Label innerhalb des Konzerns, das Spiele vertreibt.
Henner: Da erscheinen auch ein paar Multimedia-Programme, Weinführer und Encarta und
Henner: sowas, aber eben auch Spiele.
Henner: Nur diese Spiele, die laufen weiterhin unter DOS.
Henner: Also du hast ja den Flight Simulator erwähnt, der läuft noch bis 96 unter DOS
Henner: und die Golfreihe Links LS, die steigt erst 1997 auf Windows um.
Henner: Also die Microsoft eigenen Spiele bis auf die kleinen Spiele-Dreingaben sind
Henner: weitgehend DOS-Spiele. Und deswegen versteht auch die Führungsebene ja die DOS-Kompatibilität,
Henner: die können wir nicht aufgeben.
Henner: Und da kommt Windows 95 wieder seine hybride Architektur zugute,
Henner: denn fast alle PC-Spiele, die so im letzten Jahrzehnt erschienen sind,
Henner: die können sich darauf verlassen auf Windows 95, dass sie weiterhin funktionieren,
Henner: denn DOS ist ja nach wie vor enthalten, das ist ja der Unterbau für Windows 95.
Henner: Und so liegt auch zu Beginn der Entwicklung oder während der Entwicklung von
Henner: Windows 95, was Spiele angeht, der Fokus voll und ganz auf DOS Gaming.
Henner: Das hat auch John Ludwig mir bestätigt. Zitat, als das Projekt begann,
Henner: lag der Fokus auf DOS Gaming.
Henner: Wir mussten kompatibel sein mit allen MS-DOS-Spielen. Es geht also nicht so
Henner: sehr um Windows 95 Spiele, sondern um DOS-Spiele, die irgendwie auch laufen müssen.
Henner: Wenn irgendwas nicht läuft, wenn man also auf das Icon doppelklickt für ein
Henner: DOS-Spiel und das startet nicht richtig oder braucht sehr lange,
Henner: wie halt Doom 2, das hast du ja vorhin berichtet,
Henner: dann kann man ja immer noch in den MS-DOS-Modus wechseln, also das Betriebssystem
Henner: neu starten in den MS-DOS-Modus
Henner: und dann landet man ja wieder auf der guten alten DOS-Kommandozeile und kann
Henner: da spielen, wie man es gewohnt ist vom alten DOS-System.
Henner: Und das ist bei einigen Spielen auch notwendig. Es gibt so gängige Schätzungen,
Henner: die sagen, ja, für fünf bis zehn Prozent aller DOS-Spiele muss man das so machen.
Henner: Die laufen nicht so gut, wenn man sie direkt von Windows aus startet,
Henner: aber die meisten anderen schon.
Henner: Auch wenn man da eher im Vollbildmodus spielen sollte, der Fenstermodus ist
Henner: dann doch etwas zu langsam.
Henner: Aber wie erreicht Microsoft das überhaupt, dass fast alle Spiele,
Henner: die bislang unter DOS erschienen sind, die eigenen wie auch die von Drittherstellern
Henner: weitgehend problemlos laufen unter Windows 95?
Henner: Das ist doch ein riesiger Testaufwand, die alle auszuprobieren, oder?
Chris: Ja, aber genau das passiert tatsächlich Microsoft intern.
Chris: Da gibt es einen Programmierer namens Raymond Chen, der primär die Aufgabe hat,
Chris: die Kompatibilität herzustellen in diesen virtuellen DOS-Maschinen zu den existierenden
Chris: DOS-Programmen und DOS-Spielen.
Chris: Also im Zweifels auch diese virtuellen Maschinen anzupassen, sodass das läuft.
Chris: Und der hat einen Kompagnon, der jetzt in der weiteren Erzählung noch sehr wichtig
Chris: werden wird, nämlich Alexan John.
Chris: Der ist bis Mitte 94 eigentlich noch beschäftigt mit dem Drucksystem von Windows 95,
Chris: aber der wechselt dann so langsam in eine Rolle als Evangelist,
Chris: also jemanden, der sowohl nach innen, aber primär auch nach außen dafür zuständig ist, Partner,
Chris: also insbesondere Industriepartner, davon zu überzeugen, dass sie sich schon
Chris: mal vorbereiten sollen auf dieses neue Betriebssystem und idealerweise dafür
Chris: dann entwickeln sollen.
Chris: Und das hat von Anfang an auch einen starken Fokus auf Multimedia- und Spielethemen.
Chris: Und Alex St. John ist zum Beispiel jemand, der dem Raymond Chen massenhaft Spiele
Chris: anliefert, der eben seiner eigenen Aussage nach Tausende von Spielen in sein
Chris: Büro gebracht hat, es regelrecht befüllt damit hat.
Chris: Um dem Raymond Chen zu erlauben, die auf die Kompatibilität abzuklopfen.
Chris: Dieses Zitat mit den tausenden von Spielen, das stammt aus einem Gespräch mit
Chris: dir, Hanna, denn du hattest die Gelegenheit, mit Alexane John zu sprechen.
Chris: Und bei der Gelegenheit hat er dir zum Beispiel auch erzählt,
Chris: wie er da bei seinen Kontakten in der Spieleindustrie anfangs aufgetreten ist.
Chris: Nämlich erstmal nicht unter guten Vorzeichen. Er bringt diesen Studios nämlich
Chris: keine frohe Botschaft, was das anstehende Windows 95 angeht.
Chris: Und das können wir Ihnen mal kurz selbst erzählen lassen.
Einspieler: Und das war wirklich die starte von DirectX, das erste, das erste,
Einspieler: die Game Developers mit dem, ich bin sorry, Sie sind alle aus der Bühne,
Einspieler: wenn wir das Ding verkaufen sind, wir werden die ganze Unternehmen,
Einspieler: und alle deine Gäste sind, und ihr habt mich zu versuchen, das war mein Geist zu machen.
Einspieler: Und so, das war meine introduction zu den Game Industry, die Herald of Death von Microsoft.
Chris: Also er sagt, wenn wir Windows 95 veröffentlichen, dann sind alle eure Spiele
Chris: tot, die funktionieren da nicht mehr drauf und dann geht ihr pleite.
Chris: Es sei denn, ihr lasst uns versuchen, ihr lasst mich versuchen, sie zu reparieren.
Chris: Und so sei er dann in der Spieleindustrie eingeführt worden als der Todesbote
Chris: von Microsoft, der aber natürlich eigentlich die Botschaft bringt.
Chris: Pass auf, wir wollen auch sicherstellen, dass eure Spiele noch unter Windows 95 laufen.
Chris: Lasst uns hier mal die Kompatibilität sicherstellen.
Chris: Aber warum eigentlich dieser Fokus auf die Kompatibilität für DOS?
Chris: Warum versucht St. John stattdessen nicht einfach die Entwickler davon zu überzeugen,
Chris: das Win32-Subsystem von Windows 95 zu nutzen, also die moderne Version des Betriebssystems?
Chris: Denn die bietet ja schließlich viele Vorteile.
Henner: Ja, und das ist eine interessante Frage. Wir haben ja im ersten Teil dieser
Henner: Folge schon ausführlich darüber gesprochen, wie viel besser es ist,
Henner: 32-Bit-Software zu nutzen, welche Vorteile das hat.
Henner: Und das gilt ja auch für Spiele. Die können nämlich, wenn es richtige 32-Bit-Windows-Programme
Henner: sind und keine alten DOS-Programme mehr, zum Beispiel auf den vollständigen
Henner: 32-Bit-Adressraum zugreifen, ohne DOS-Extender und sonstige Krücken
Henner: und ohne diese alten Limits von 640 Kilobyte konventionellem Speicher und ähnlichem.
Henner: Dann können Sie auf den vollen Arbeitsspeicher zugreifen. Das ist doch viel
Henner: besser. Und darüber lassen sich dann auch größere Auflösungen erreichen.
Henner: Unter DOS ist man oft auf Standard-VGA wie 320x200 Pixel beschränkt.
Henner: Unter Windows ginge viel mehr. Dann gibt es ja auch noch weitere neue Technologien,
Henner: die man nutzen kann, die 32-Bit-APIs, also die Programmierschnittstellen für
Henner: Audio-Wiedergabe, für Video-Wiedergabe, der Zugriff aufs CD-Laufwerk, auf die Netzwerke.
Henner: Das ist ja alles drin und vereinheitlicht in Windows 95.
Henner: Und davon können die Spiele eigentlich stark profitieren, wenn sie nur angepasst
Henner: sind an dieses Betriebssystem.
Henner: Und sie sind natürlich auch benutzerfreundlicher.
Henner: Kann man einfach mit der Maus installieren oder die Installation läuft sogar
Henner: automatisch, wenn man die CD einlegt.
Henner: Da beginnt das Setup praktisch selbstständig mit der Arbeit.
Henner: Man muss nur hier und da mal klicken und schon ist es auf der Festplatte das
Henner: Spiel und kann man währenddessen Minesweeper spielen.
Chris: Ist Minesweeper jetzt das neue Donkey Bus eigentlich? Genau, frage ich mich.
Henner: Ich werde das jetzt auch in jeder Folge erwähnen.
Henner: Es liegt daran, dass ich hier immer Mindsweeper spiele, während du redest.
Chris: Verständlich.
Henner: Ja, das war bei DOS alles nicht so einfach. Aber es gibt auch einen Nachteil.
Henner: Es gibt sogar mehrere Nachteile, die Windows 95 mitbringt. Und die erklären,
Henner: weshalb jetzt nicht alle Spieleentwickler freudig auf Windows 95 umsteigen. Welche sind denn das?
Chris: Vor allen Dingen sind es die viel höheren Hardware-Anforderungen.
Chris: Also wenn wir mal Command & Conquer Alarmstufe Rot als Beispiel nehmen.
Chris: Das erscheint nämlich in einer DOS- und einer Windows-Version.
Chris: Und die DOS-Version hat einen 486 mit 66 MHz als Mindestvoraussetzung.
Chris: In der Windows-Variante braucht es zwingend einen Pentium.
Chris: Oder Master of Orion 2, auch ein Spiel aus dieser Ära.
Chris: Für Windows braucht das zwingend 16 MB Hauptspeicher, in DOS 8 MB.
Chris: Also die Anforderung an den Arbeitsspeicher ist doppelt so hoch unter Windows.
Chris: Und die Grafikdarstellung in Windows, und das ist, glaube ich,
Chris: der eigentliche Killer für eine große Zahl von Spielen, die jetzt in dieser Ära entstehen.
Chris: Diese Grafikdarstellung läuft über das ziemlich lahme Graphics Device Interface, also GDI.
Chris: Das ist gedacht für zweidimensionale Fenster. Aber wir kommen ja hier in die
Chris: Ära der 3D-Grafik. Wir sind ja hier schon nach Doom.
Chris: Und dafür ist das GDI absolut ungeeignet.
Chris: Selbst das Flight Simulator Team, du hattest das vorher schon erwähnt,
Chris: das ja eigentlich zu Microsoft gehört, schwört deswegen weiterhin auf DOS,
Chris: denn der Flight Simulator ist ein 3D-Spiel, weigert sich, das Spiel an Windows anzupassen.
Chris: Dafür wäre unter Windows ein direkter Zugriff auf die Grafik-Hardware nötig,
Chris: wie es unter DOS eben möglich ist.
Chris: Und deswegen haben die Entwickler erst mal wenig Interesse an Windows.
Chris: Das Betriebssystem steht ihnen im Weg und Windows 95 ändert daran nichts.
Chris: Microsoft muss dieses Problem also lösen. Und das wäre dann auch schon der zweite
Chris: Anlauf, denn da gab es schon mal einen Versuch, das zu lösen.
Henner: Den einigen bei Microsoft ist das klar. Die sind ja nicht doof.
Henner: Die wissen schon, dass Windows keine geeignete Spieleplattform ist.
Henner: Das wird ihnen wahrscheinlich auch ständig von den Spieleentwicklern genauso gesagt.
Henner: St. John erzählt das so, dass er bei den Spieleentwicklern ständig vorbeischaut
Henner: und eben für Windows wirbt und die hätten ihn aber alle immer ausgelacht und
Henner: gesagt, nee, Windows ist fett und ist uns nur im Weg, wir bleiben bei DOS.
Henner: Also das ist kein Geheimnis, dass Windows ungünstig ist als Plattform für technisch
Henner: anspruchsvolle Spiele.
Henner: Und das erkennt man schon früh im Jahr 1994. Da gibt es in einer kleinen Microsoft-Abteilung
Henner: ein Projekt, bei dem eine Software-Schnittstelle, also solch eine API entwickelt
Henner: wird, die heißt WinG, geschrieben Win mit einem großen G.
Henner: Und das G, man weiß nicht so genau, wofür das steht. Vielleicht für Games,
Henner: aber wahrscheinlich steht es eigentlich für Graphics.
Henner: Denn darum geht es hier.
Henner: Also WinG, das ist eine Schnittstelle, die es den Spieleentwicklern erleichtern
Henner: soll, ihre Spiele von DOS auf Windows zu portieren.
Henner: Eigentlich geht es zurück auf eine Entwicklung für Windows 95.
Henner: Die wird ja rückportiert auf Windows 3. Bisschen verworren, diese Geschichte.
Henner: Aber was macht WinG jetzt?
Henner: Nun, das löst ein kleines architektonisches Problem, denn Windows 3 kann,
Henner: ganz vereinfacht dargestellt, Bilder nur auf echten physischen Ausgabegeräten
Henner: zeichnen, wie auf dem Monitor.
Henner: Die werden da gemalt und dann wieder vergessen.
Henner: Aber sie können nicht später wieder ausgelesen und manipuliert werden.
Henner: Es gibt keinen Zugriff auf einen schnellen Bildpuffer, in dem man arbeiten könnte,
Henner: sondern die Bilder kommen direkt auf den Monitor und dann sind sie weg.
Henner: Und das ist für Spiele ungünstig. WinG behebt das, denn WinG stellt jetzt einen
Henner: schnellen Speicherbereich für Grafiken bereit, auf den die Programme zugreifen
Henner: können und in dem sie die Daten auch später nochmal manipulieren können.
Henner: Und dazu gibt es noch einen standardisierten, einen optimierten Weg zum Zeichnen von Bildern.
Henner: Das heißt, die Spiele sind jetzt
Henner: weniger davon abhängig, dass sie die Hardware-Treiber korrekt ansprechen.
Henner: Das ist ja unter DOS noch ein Problem.
Henner: Da müssen die Entwickler praktisch jeden einzelnen Grafiktreiber beachten und
Henner: für jeden einzelnen Treiber und jede Grafik-Hardware separat optimieren.
Henner: Das entfällt hier. Also WinG ist schon ein Fortschritt, zumindest für Windows
Henner: 3.1 und so wird das dann auch im April 1994 eingeführt.
Henner: Auf der GDC, dieser Entwicklermesse, präsentiert Microsoft, also WinG,
Henner: der Entwicklergemeinde und präsentiert die Leistungsfähigkeit mit einem Spiel,
Henner: mit einem Vorzeigespiel, dem guten alten Doom.
Henner: Doom ist ja ein DOS-Spiel, aber hier wird eine Windows-Version von Doom präsentiert,
Henner: die unter Windows 3 läuft, mit dem inoffiziellen Namen Windoom.
Henner: Das ist auch keine Entwicklung von id Software, sondern von Microsoft selbst.
Henner: Die hat also ein Team bei Microsoft entwickelt und federführend war ein Herr namens Gabe Newell.
Henner: Woher kennen wir den denn, Christian? Haben wir das schon mal gehört, oder?
Chris: Ja, das ist natürlich der spätere Gründer von Valve und Mitschöpfer von Half-Life.
Chris: Ja, dieses WinG schafft höhere Frameraten, aber dadurch schafft Microsoft ja
Chris: keinen Vorteil für Windows, sondern es schmälert eigentlich nur den inhärenten Nachteil.
Chris: Und es ist trotzdem ein Notbehelf, denn WinG beschränkt sich auf zweidimensionale
Chris: Bitmap-Grafiken und Videos, aber es hilft gar nicht beim Rendern von polygonalen
Chris: 3D-Welten, die ja jetzt wie gesagt im Kommen sind.
Chris: Und selbst bei den 2D-Bildern gibt es einen Nachteil, denn was Vinci fehlt,
Chris: ist die Synchronisation zwischen der Grafikkarte und dem Monitor und das erzeugt
Chris: beim Rendern von 2D-Bildern Tearing-Effekte, also das Bild
Chris: zerreißt, horizontale Linien trennen das Bild in den oberen und unteren Bereich,
Chris: die leicht gegeneinander verschoben sind.
Chris: Da Alexane John für die Unterstützung und die Überzeugung von den externen Spieleentwicklern
Chris: zuständig ist, preist er dort natürlich auch Vinci an, aber stößt er auf wenig Gegenliebe.
Chris: Er hat dir auch erzählt, dass sich alle trotzdem darüber beklagt hätten und
Chris: ihm gesagt hätten, Zitat, gute Arbeit mit den hohen Frameraten,
Chris: aber zu dumm, dass alles scheiße aussieht.
Chris: Er schafft es trotzdem, ein paar Studios zu überzeugen, auf Vinci umzusatteln.
Chris: Die Release-Version kommt im September 1994 raus und kommt dann auch in einigen Spielen zum Einsatz.
Chris: Zum Beispiel in Civilization 2, einem meiner Allzeit-Lieblingsspiele,
Chris: oder auch in der Windows-Version von SimCity 2000 und in dem Microsoft-eigenen
Chris: Titel Fury Cubed, den wir vorher schon mal erwähnt haben.
Chris: Aber seinen prominentesten und folgenreichsten Einsatz hat Vinci nicht in einem
Chris: Core-Gamer-Titel, sondern in einem wahrscheinlich den meisten von euch unbekannten
Chris: Multimedia-Programm für Kinder.
Henner: Ja, jetzt kommt eine wilde Geschichte, Christian. Es wird ein bisschen kompliziert, aber bleibt dran.
Henner: Es lohnt sich, denn am Ende steht die Entwicklung von DirectX.
Henner: Was das ist und warum das so wichtig ist, dazu kommen wir noch.
Henner: Aber erst mal zur Genese. Also, es geht um den König der Löwen.
Henner: Das ist ein Zeichentrickfilm von Disney und das ist im Jahr 1994,
Henner: in dem wir hier sind, der mit großem Abstand erfolgreichste Kinofilm.
Henner: Ich glaube, Forrest Gump ist da auf zwei, aber weit abgeschlagen.
Henner: Und natürlich kommen dazu auch ein paar Spiele raus, man kennt dieses berüchtigte
Henner: Westwood-Spiel, das so wahnsinnig schwer ist, aber nicht nur das,
Henner: im November 1994 veröffentlicht dann Disney auch auf Basis dieses Films,
Henner: eine interaktive CD-ROM für Windows 3.1 und die heißt Disney's Animated Storybook
Henner: The Lion King, also König der Löwen.
Henner: Das ist ein Bilderbuch, ein animiertes Bilderbuch, kein richtiges Spiel eigentlich.
Henner: Und dieses Bilderbuch, das basiert auf WinG.
Henner: Also Alex St. John hat es geschafft, Disney anzuwerben und davon zu überzeugen,
Henner: dieses Werk mit WinG auf Windows 3.1 umzusetzen.
Henner: Und dieser große Erfolg, dass man jetzt also diesen Riesenkonzern Disney gewonnen
Henner: hat für Windows als Spieleplattform, das ist ganz ungewöhnlich und das weckt
Henner: das Interesse der Unternehmensführung.
Henner: Die wird jetzt hellhörig und die beauftragt St. John nun, eine Roadmap zu schreiben,
Henner: einen Plan, wie man diesen Erfolg wiederholen könne.
Henner: Wir finden es toll, dass ein Riesenkonzern wie Disney Spiele im weitesten Sinne
Henner: für unser Windows anbieten will.
Henner: Wie bringen wir alle anderen dazu, das auch zu tun? Wie machen wir Windows und
Henner: das künftige Windows 95 vor allem natürlich zur ultimativen Multimedia-Plattform?
Chris: Und das Stichwort ist ja Multimedia. Wir sind ja in dieser 94er,
Chris: in dem CD-ROM-Boom-Ära und alles muss auf einmal Video haben und auf CD-ROM kommen.
Chris: Du hattest vorher schon kurz die Microsoft-Home-Linie erwähnt.
Chris: Das ist ja eine reine Multimedia-Linie. Das sind ja alles videobasierte Lexika
Chris: und lauter solches Zeug.
Chris: Und Alex St. John hat eine ganz eigene Vorstellung davon, was Multimedia unter Windows bedeuten soll.
Chris: Zitat von ihm, Microsoft dachte, Videos abzuspielen wäre das Aufregendste,
Chris: was man mit Windows anstellen kann.
Chris: Ich sagte ihnen, ihr spinnt, das ist das Dümmste, was ich je gehört habe und
Chris: Apple wird euch in den Hintern treten.
Chris: Gaming ist das, wofür Leute PCs nutzen wollen. Zitat Ende.
Chris: Aber wir hatten es ja schon gesagt, Windows 95 zollt dem nicht Rechnung.
Chris: Windows 95 ist auf Multimedia ausgerichtet, durchaus, aber nicht auf Games.
Chris: Und Saint-Jean plant, das zu ändern. Gemeinsam mit zwei Microsoft-Mitstreitern,
Chris: mit dem WinG-Entwickler Craig Eisler
Chris: und etwas später dazu gestoßener Eric Engstrom, führte unter seinen Kontakten
Chris: in der Spielebranche im Sommer 1994 eine Umfrage durch.
Chris: Was müsste Microsoft tun, um Windows zu einer Spieleplattform zu machen?
Chris: Da kriegt er viel Feedback und auf Basis von diesen Ergebnissen verfassen die
Chris: drei dann im Oktober 1994 das Strategiepapier, nachdem die Unternehmungsführung ja verlangt hat.
Chris: Das ist ein Memo unter dem Titel Taking Fun Seriously und dieses Dokument propagiert
Chris: ein spielerfreundliches Windows und zeigt eine Strategie auf, um den PC zum.
Chris: Zitat, ultimativen Konsumenten-Unterhaltungsgerät zu machen und Online-Multiplayer-Erlebnisse
Chris: zu schaffen, die mit allem außer Sex konkurrieren, Zitatende.
Chris: Ja, das ist ein interessanter Zungenschlag, den die drei da hatten.
Chris: Aber dieses Dokument ist durchaus denkwürdig, ob seiner Offenheit und auch seiner Weitsicht.
Henner: Das ist ein tolles Dokument. Das ist auch überliefert, dank St.
Henner: John, der hat das veröffentlicht.
Henner: Ich habe das alles gelesen und darin stellen die Autoren erstmal zu Beginn fest,
Henner: wie riesig dieser Spielemarkt sei.
Henner: Man darf nicht vergessen, an wen sich dieses Dokument richtet,
Henner: an die Führungsebene von Microsoft, primär an Bill Gates, auch wenn das so da nicht drin steht.
Henner: Das richtet sich nicht an normale Leserinnen und Leser, an Spieler da draußen,
Henner: sondern das ist ein internes Dokument. Und da muss erstmal aufgeklärt werden,
Henner: diese Leute, die sich nur mit Büros, Software und Betriebssystemen auskennen,
Henner: die müssen begreifen, wie wichtig dieser Spielemarkt ist.
Henner: So konstatieren sie gleich in den ersten Absätzen, Spiele seien auf dem PC die
Henner: größte Softwarekategorie und der eigentliche Grund, weshalb Windows sich eigentlich
Henner: gegen Apple durchgesetzt habe.
Henner: Mit anderen Worten, Apple ist in vielen Bereichen, was das klassische Multimedia-Geschäft
Henner: angeht, mit Quicktime und Co. eigentlich überlegen.
Henner: Aber wegen der Spiele sind wir überhaupt noch relevant.
Henner: Dann kommt noch der Konsolenmarkt hinzu, der wird auch noch erwähnt,
Henner: den gibt es ja auch noch und der befindet sich, schreiben sie gerade,
Henner: im Umbruch, das stimmt, das Dokument entsteht ja im Oktober 1994 und kurze Zeit
Henner: später erscheint in Japan die Playstation,
Henner: und sie drohen nun also,
Henner: diese Konsolen, die jetzt gerade erneuert werden, die in eine neue Generation
Henner: eintreten, die drohen uns zu enteilen.
Henner: Zitat 1995 könnte das erste Jahr sein, in dem die Konsolen den PC weit hinter
Henner: sich lassen und das obwohl der PC doch so technisch leistungsfähig ist.
Henner: Also Microsoft verkennt hier die Chancen im Spielemarkt, schreiben sie,
Henner: und versäume es, die vielen Schwächen der Plattform zu beheben,
Henner: denn die Plattform hat viele Schwächen.
Henner: DOS ist zwar eine große Spieleplattform, aber es ist eigentlich keine besonders
Henner: gut geeignete Spieleplattform, denn DOS-Spiele, schreiben sie,
Henner: sind schwierig zu installieren und zu konfigurieren, das stimmt alles.
Henner: Und wegen DOS seien die Entwickler auch stets auf den kleinsten gemeinsamen
Henner: Hardware-Nenner ausgerichtet.
Henner: Also es gibt eine große technische Vielfalt, viele verschiedene Grafikchips
Henner: und Soundchips und so weiter, aber die Entwickler würden sich immer nur auf
Henner: einen kleinen gemeinsamen Nenner
Henner: einigen, also das Minimum nur nutzen, weil es zu aufwendig ist für jeden einzelnen
Henner: Grafikchip und für jede neue Soundblaster-Generation,
Henner: eigene Treiber oder eigene Software zu schreiben.
Henner: Und das hält den PC als Plattform natürlich stark zurück, vor allem gegenüber
Henner: den Konsolen, die diesen Nachteil nicht haben.
Henner: Und neue Technologien, wie sie gerade aufkommen, hohe SVGA-Auflösungen zum Beispiel,
Henner: die würden deswegen kaum angenommen.
Henner: Ja und was ist jetzt mit Windows spielen? DOS-Spiele, haben sie gerade etabliert,
Henner: sind also problematisch, halten die Plattform zurück. Und was ist jetzt mit Windows spielen?
Henner: Für die hat Microsoft ja auch eine Vision.
Henner: Also es ist ja Bill Gates und Co. durchaus klar, dass es eine Zukunft gibt für
Henner: Spiele unter Windows 95.
Henner: Aber sie haben eben die falsche Vision. Das meinen zumindest die drei Autoren.
Henner: St. John sagt mir dazu, Zitat, das Unternehmen setzte damals stark auf Bill
Henner: Gates' Vision von Multimedia, also auf Bilderbücher wie Lion King,
Henner: interaktive Enzyklopädien oder auch interaktive Filme wie das Adventure Seventh Guest.
Henner: Die Idee war, also die Vorstellung von Bill Gates und Co. von einem modernen
Henner: Spiel unter Windows 95, das ist eine CD-ROM mit ein bisschen Video und da kann man draufklicken.
Henner: Darauf lag der Fokus. Und St. John sagt mir dazu, Zitat, das war eine ziemlich
Henner: dumme Vision und das habe ich Bill auch ständig gesagt.
Henner: Also die halten dich hinterm Berg mit ihrer Meinung. Ja und das findet sich
Henner: auch in diesem Dokument Taking Fun Seriously, da stehen sehr deutliche Worte an die Führungsebene.
Henner: Da schreiben sie Zitat, solche Programme, also solche Multimedia-Spiele in Anführungszeichen,
Henner: das seien pseudo-interaktive, schlechte Spieletechnologie, weniger grafisch,
Henner: weniger interaktiv als richtige Spiele
Henner: und mit wenigen Ausnahmen wie Seventh Guest von 93 auf dem Markt auch chancenlos.
Henner: Zitat, unsere Ressourcen werden investiert in eine spezifische Art der Interaktivität,
Henner: die in Großbuchstaben niemand kauft.
Henner: Also wir sind hier auf dem Holzweg, sagen sie sehr, sehr deutlich.
Henner: Wir brauchen richtige Spiele unter Windows 95.
Henner: Ja, und da haben sie auch gleich eine Lösung in petto.
Chris: Genau, denn die drei Autoren dieses Papiers schlagen jetzt eine Reihe von neuen
Chris: APIs vor, also Programmierschnittstellen, mit denen Spieleentwickler einen einheitlichen
Chris: und zugleich auch direkten Zugriff auf die PC-Hardware erhalten.
Chris: Denn damit würde man dann die Spieleentwickler von den Schwierigkeiten befreien,
Chris: die bislang den Zugriff auf grundlegende Grafikfunktionen beeinträchtigen,
Chris: so steht das in dem Dokument.
Chris: Also im Endeffekt ein besseres WinG, aber es geht nicht nur um die Grafik,
Chris: auch ein neues Soundsystem
Chris: wird angepeilt, das die Probleme des bisherigen Soundtreiber-Modells beheben
Chris: solle, darunter zum Beispiel die Latenz oder Ressourcenkonflikte und Schwierigkeiten
Chris: bei der Audiosynchronisation.
Chris: Dann ist angedacht eine Eingabe-API für die Joystick- und die Gamepad-Steuerung,
Chris: die dadurch vereinheitlicht werden soll.
Chris: Das wiederum würde den Weg freimachen für neue, moderne Joysticks und andere
Chris: Eingabetechnologien, Headtracker zum Beispiel oder Datenhandschuhe.
Chris: Ja, das war vielleicht der Teil der Vision, der sie bisher noch nicht so materialisiert hat.
Chris: Außerdem steht in dem Papier eine Multimedia-API, die die Entwicklung von LAN-
Chris: und Internet-basierten Spielen erleichtern soll.
Chris: Und diese API-Sammlung hat da auch einen Namen, nämlich das Manhattan Game SDK und,
Chris: Was ist das jetzt? Ein Game-SDK ist logisch, das ist ein Software-Entwicklungspaket,
Chris: also Software-Development-Kit für Computerspiele. Aber warum heißt das Manhattan?
Chris: Naja, die Wortherkunft ist recht geschmacklos, denn es gibt ja das militärische
Chris: Manhattan Project, das damals von den USA aus der Taufe gehoben wurde,
Chris: um einer japanischen Bedrohung entgegenzutreten.
Chris: Und das ist auch hier die Bedeutung. Die angenommene Bedrohung kommt in diesem
Chris: Fall durch die neuen Konsolen von Sony, Sega und Nintendo, also von japanischen Firmen.
Chris: Und deswegen heißt der Projektname hier in diesem Papier Manhattan Project.
Chris: Übrigens auch nur hier, das wird dann später nicht übernommen.
Chris: Es bleibt nicht bei diesem Namen.
Henner: Ja, dieser Name Manhattan ist nur ein interner Name und auch bei dem Namen Game
Henner: SDK bleibt es langfristig nicht. Am Ende heißt diese API-Sammlung DirectX.
Henner: DirectX, der Name ist keine Erfindung des Teams selbst, sondern die wird einem
Henner: Journalisten zugeschrieben. So ganz genau weiß das niemand mehr.
Henner: DirectX, ja das X ist einfach nur ein Platzhalter. Denn alle APIs,
Henner: die in dieser Sammlung enthalten sind, die heißen Direct irgendwas.
Henner: Da sind vier enthalten in der ersten Version. DirectDraw ist der Win-G-Nachfolger,
Henner: der ist zuständig für schnelle 2D-Grafik.
Henner: Direct Sound natürlich für den Klang, Direct Input für die Eingabe und Direct
Henner: Play für Multiplayer-Technik. Ja, und gemeinsam sind sie eben Direct X-Technik.
Henner: Es gibt aber diesen Namen zu Beginn noch nicht, also im Herbst 1994,
Henner: da heißt das Ganze noch Manhattan Game SDK, aber es braucht doch noch keinen
Henner: richtigen Namen, denn es gibt ja noch überhaupt keinen Code.
Henner: Diese APIs sind ja nur Vorschläge.
Henner: Das ist also der Wunsch dieses Teams, so etwas entwickeln zu dürfen,
Henner: aber damit haben sie noch gar nicht angefangen. Es gibt noch keinen Code, es gibt nur den Plan.
Henner: Der Plan lautet, so steht es in dem Dokument, mit diesem Game SDK,
Henner: alias DirectX und in Zusammenarbeit mit den Hardware-Herstellern und natürlich
Henner: mit den Spieleentwicklungsstudios soll DOS innerhalb von zwei Jahren als Spieleplattform abgelöst werden.
Henner: Sie schreiben Zitat getötet werden, typisch für die Jungs, sie sind immer sehr
Henner: drastisch in ihrer Wortwahl und Windows 95 soll als Nachfolger aufgebaut werden.
Henner: Das ist ein ziemlich stimmiger Plan, das ist ein guter Plan,
Henner: muss man sagen und der ist so zu lesen in dem erwählten Dokument in Taking Fun
Henner: Seriously, das im November 1994 fertiggestellt wird.
Henner: Ja, nur leider, dieser Plan interessiert niemanden.
Chris: Es ist gar nicht genau überliefert, wer dieses Strategiepapier intern überhaupt
Chris: zu lesen bekommt, ob das jemals zu Bill Gates vordringt.
Chris: Es bekommt aber auf jeden Fall kaum Resonanz und ist jetzt nicht so,
Chris: als würde das Management dann bei den drei anklopfen und sagen,
Chris: ja, setz das bitte in die Tat um.
Chris: Deswegen beschließen sie trotzdem schon mal mit der Arbeit zu beginnen.
Chris: Alex St. John lädt prominente Spielerentwickler wie zum Beispiel Seamus Blackley
Chris: von Looking Glass ein, um Feedback von ihm einzuholen.
Chris: Blackley wird übrigens später dann bei Microsoft verantwortlich sein für die Xbox.
Chris: Und Eisler beginnt in seinem Weihnachtsurlaub schon mal den ersten Code zu schreiben.
Chris: Und nach Weihnachten geraten die Dinge dann richtig ins Rollen.
Chris: Und zwar nochmal wegen Lion King, wegen dem König der Löwen.
Chris: Und zwar dieses Multimedia-Buch auf CD, das du da vorhin beschrieben hast,
Chris: auf Vingee-Basis, das ist nämlich ein großer Erfolg. Das haben viele amerikanische
Chris: Kinder unter dem Weihnachtsbaum liegen.
Chris: Und das kommt auch als vorinstallierte Software auf angeblich eine Million Compact-PCs,
Chris: die auch wiederum zu Weihnachten natürlich dann gut verkauft werden.
Chris: Diese Freude unterm Weihnachtsbaum wehrt aber zumindest bei den Compact-PCs
Chris: nur kurz, nämlich nur bis zum Blue Screen.
Chris: Dieses Bilderbuch stürzt darauf einfach ab. Schuld daran sind fehlerhafte Grafiktreiber,
Chris: die wurden zu eilig ausgeliefert und nicht auf Winji-Kompatibilität getestet.
Chris: Das ist nicht unbedingt Microsofts Schuld, aber Disney wird über die Weihnachtstage
Chris: mit zahllosen Supportanrufen überschwemmt und kriegt anschließend auch noch
Chris: vernichtende Kritik aus der Presse, weil dieses populäre Spiel nicht funktioniert.
Henner: Ja, Disney ruiniert Weihnachten, war da zu lesen teilweise.
Chris: Das ist ja schon drastisch. Wie gesagt, Microsoft kann da nichts dafür, aber Alex St.
Chris: John, der diesen Deal ja eingefädelt hat, der Disney ja zu Vinci gebracht hat,
Chris: der rechnet angesichts dieser katastrophalen Resonanz aus der Öffentlichkeit
Chris: jetzt schon damit, dass er rausgeschmissen wird.
Chris: Es kommt aber anders, wie er dir berichtet hat, der sagte dir,
Chris: Bill Gates war begeistert.
Chris: Klar, diese Disney-Geschichte war bitter, aber diesen Grad an Aufmerksamkeit
Chris: hat nie zuvor irgendeine Microsoft-Aktion in der Öffentlichkeit bekommen im
Chris: Zusammenhang mit Spielen und ihrem Betriebssystem.
Chris: Und deswegen wird das Management und insbesondere Bill Gates jetzt also doch
Chris: wieder aufmerksam auf das ganze Gaming-Thema und fordert von Alex St.
Chris: John und seinen Mitstreitern nochmal einen Plan an, wie man solche Debakel wie
Chris: mit Minji dann in Zukunft vermeiden könnte und Disney wieder glücklich machen könnte.
Chris: Und dieser Plan ist jetzt eine erweiterte Fassung von Taking Fun Seriously,
Chris: von diesem ersten Papier, das heißt Taking Fun Seriously 2.
Chris: Da reichen also St. John und seine Kollegen dieses Strategiepapier erneut ein,
Chris: diesmal ergänzt um Maßnahmen, wie eben so ein Debakel wie um Lion King zukünftig
Chris: verhindern werden könnte.
Chris: Und dann hören sie da schon wieder nichts davon. Da wiederholt sich diese Geschichte.
Chris: St. John hat dir gesagt, Zitat, wir haben den Plan eingereicht,
Chris: dann wanderte er die Hierarchie hinauf und es blieb still. Zitat Ende.
Chris: Das ist vielleicht auch nicht so verwunderlich, weil für die Microsoft-Führungsebene
Chris: zählt hier im Frühjahr 1995, wo wir jetzt sind, nur noch die Fertigstellung
Chris: von Windows 95, das ja schon ewig verspätet ist. Das Ding muss endlich mal rauskommen.
Chris: Für tiefgreifende Veränderungen wie jetzt neue APIs ist auch überhaupt keine
Chris: Zeit mehr. Also das hat einfach null Priorität, dieses Ding.
Chris: Und St. John geht also dann schon davon aus, dass sein Projekt gestorben ist.
Chris: Aber dann kommt der Gedanke, vielleicht müsst ihr die Dinge nur selbst in die
Chris: Hand nehmen. Er hat natürlich auch einen vorgesetzten, Rick Siegel, und der warnt ihn.
Chris: Also wenn du jetzt selber losläufst mit diesem Schnittstellenpaket und das geht
Chris: schief, dann kostet dich das deinen Job.
Chris: Und Alex St. John versteht diese Warnung als Aufforderung.
Einspieler: Aber er sagt, sind Sie bereit zu sein, dass ich mich für ihn verabschiedet habe?
Einspieler: Und ich denke, er sagt, ich bin, was er für ihn? Was sind Sie für mich für eine Möglichkeit?
Einspieler: Ich bin, wenn du es, wenn du es. Wenn du es, wenn du es, wenn du es,
Einspieler: wenn du es, wenn du es, wenn du es, wenn du es, wenn du es. Und ich war,
Einspieler: okay. Und ich habe gesagt, Eric und Craig, und wir alle zusammengekommen und
Einspieler: gesagt, ja, wir sind für das. Wir machen es. Wir machen es.
Chris: Also er sagt hier, warum fragst du um Erlaubnis? Mach es doch einfach. Und das tut er dann auch.
Chris: Und so wird diese Spiele-Schnittstellen-Sammlung jetzt Microsoft intern eine Art Geheimprojekt.
Henner: Ja, die Entwicklungsarbeit daran läuft ja eigentlich schon. Sie haben ja schon,
Henner: Feedback eingeholt in der Spielebranche, das ist St.
Henner: Johns Aufgabe vor allem und Eisler hat schon programmiert, aber so nebenbei
Henner: und jetzt gehen sie in die Vollen, jetzt konzentrieren sie sich voll und ganz
Henner: darauf und wollen um jeden Preis ihr Projekt durchprügeln, dieses Game SDK
Henner: zu verwirklichen und irgendwie Windows 95 zur Spieleplattform zu machen.
Henner: Ja und das tun sie, also Eisler, der arbeitet weiter im Verborgenen quasi geheim
Henner: an dieser API-Sammlung,
Henner: aber er programmiert nicht alleine, das schafft er gar nicht,
Henner: der wird unterstützt, denn das Team holt sich Unterstützung,
Henner: die kriegt sie aber nicht im Unternehmen, denn sie arbeiten ja ohne Auftrag von ganz oben.
Henner: Aber sie holen sich die Unterstützung daher von außen, zum Beispiel bei den
Henner: Hardware-Herstellern. ATI, der Grafikchip-Hersteller, ist hier ein wichtiger
Henner: Partner, gehört heute zu AMD.
Henner: Und sie beschäftigen auch externe Programmierer. Und die bezahlen sie einfach
Henner: mit ihrer Firmenkreditkarte.
Henner: St. John beschreibt das so, dass er als Evangelist in seiner Aufgabe wohl sehr
Henner: große Spielräume hatte. Der kann quasi auf eigene Faust durch die Welt reisen
Henner: und Geld ausgeben, um nur irgendwie Unternehmenspartner zu gewinnen.
Henner: Und das macht er auch. Er hat an mehreren Stellen behauptet,
Henner: er hätte seine Firmenkreditkarte um eine Million Dollar überzogen.
Henner: Er neigt ein bisschen zur Übertreibung, der gute Mann, aber es kann schon stimmen
Henner: und er sichert sich dabei auch die Unterstützung von sehr prominenten Spieleentwicklern.
Henner: Er hat ja diese Kontakte in die Spielebranche in seiner Aufgabe.
Henner: Und so heißt es zum Beispiel, dass Origin Systems, das kommt etwas später,
Henner: jetzt nicht im Frühjahr 95, aber etwas später zwei Programmierer sogar entsendet,
Henner: die dann bei Microsoft einen Monat lang bei der Entwicklung helfen.
Henner: Und id Software, die helfen auch, denn die händigen Microsoft den heiligen Quellcode für Doom aus.
Henner: Also sie helfen nicht direkt, aber sie überlassen Microsoft immerhin den Code
Henner: für ihr wichtigstes Spiel.
Henner: Doom spielt jetzt schon wieder nämlich eine wichtige Rolle.
Henner: Wir haben ja schon beschrieben, welche Rolle Doom für Win-G gespielt hat.
Henner: Da hatten sie ja dieses Win-Doom entwickelt, das Win-G nutzt und unter Windows läuft.
Henner: Und jetzt entsteht hier eine neue Windows-Doom-Version namens Doom 95.
Henner: Die hat mit WinDoom nicht mehr viel zu tun. Es ist eine neue Portierung,
Henner: die aber erneut bei Microsoft entsteht, also ohne aktive Hilfe von id Software.
Henner: Aber immerhin mit späterem Segen von id, denn Doom 95 wird noch kommerzialisiert.
Henner: Ja und Doom ist so wichtig, dass es sogar die Leitlinien definiert für die Entwicklung von DirectX.
Henner: Aber das kann St. John nochmal selbst erzählen.
Einspieler: The definition of DirectX 1 is whatever runs Doom on Windows better than it runs on DOS.
Einspieler: That was the spec for DirectX 1.0.
Henner: Er sagt, die Definition von DirectX 1, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt ja noch
Henner: nicht so heißt, ist, was immer Doom unter Windows besser laufen lässt als unter DOS.
Henner: Auf dieser Basis und nach dieser
Henner: Maßgabe wird DirectX 1, also diese Schnittstellensammlung, entwickelt.
Chris: Ja, das ist wenigstens eine griffige Vision, die sie da als Leitbild haben.
Chris: Im Frühjahr 1995 lässt Alex St. John dann die Spielepresse schon mal wissen,
Chris: dass Windows 95 eine großartige Spieleplattform sein werde. Naja gut,
Chris: das ist auch seine Aufgabe als Evangelist.
Chris: Und er sticht bei der Gelegenheit aber auch schon heimlich Informationen zu
Chris: diesem geplanten Game SDK an
Chris: die Redaktionen durch, obwohl es ja gar nicht den offiziellen Segen hat.
Chris: Gewinnt damit in der Branche aber zusätzlichen Rückhalt und nach eigener Auskunft
Chris: schürt er damit dann am Ende so viel Hype, dass Microsoft sein Projekt gar nicht mehr ignorieren kann.
Einspieler: Das war's für heute.
Chris: Nach und nach gewinnt er damit die Unterstützung der Führungsebene,
Chris: etwa von Bill Gates und Brad Silverberg.
Chris: Und im April 1995 ist dann die erste noch sehr rohe Beta von dieser Game SDK
Chris: bereit für die Game Developers Conference. Heißt da immer noch nicht DirectX,
Chris: sondern heißt da eben noch Game SDK.
Chris: Die ist nur kompatibel mit einer einzigen Grafikkarte von ATI.
Chris: Und vor Ort halten St. John und Kollegen einen kleinen Vortrag.
Chris: Aber ATI rührt schon mal ordentlich die Werbetrommel für dieses Game SDK,
Chris: die haben gleich mehrere Vorträge dazu.
Chris: Und gegenüber vom Konferenzgelände veranstaltet das Team um Alex St.
Chris: John ein eigenes Event mit angeblich mehr als 1000 Gästen.
Chris: Spätestens jetzt ist auch die Spielebranche mit an Bord, wie das Magazin Game
Chris: Developer im Juni 1995 schreibt.
Chris: Microsoft sei in der Branche zwar äußerst unbeliebt, aber, Zitat,
Chris: wen auch immer ich über Microsofts Game SDK befragte, es war eine Liebesgeschichte.
Henner: Zitat Ende.
Chris: Und die Zeitschrift PC Week behauptet, Zitat, Millionen von Haushalten,
Chris: die früher Spielkonsolen gekauft haben, werden stattdessen Windows 95 PCs kaufen.
Henner: Ja, spätestens jetzt kann die Unternehmensführung das nicht mehr ignorieren,
Henner: dieses Projekt, was da gerade entsteht. Das ist jetzt natürlich auch längst
Henner: kein Geheimprojekt mehr.
Henner: Es wird immer größer, die Öffentlichkeit wird aufmerksam.
Henner: Ja, aber wie soll das überhaupt funktionieren? Das haben wir noch gar nicht
Henner: beschrieben. Wir haben beschrieben, wie WinG so ungefähr funktioniert,
Henner: aber das hat ja auch nicht besonders gut funktioniert. Was will DirectX,
Henner: wenn es eines Tages so heißt, eigentlich besser machen?
Henner: Das ist natürlich nicht so ganz einfach, aber wir versuchen das mal in einem
Henner: Absatz so runterzubrechen, was DirectX überhaupt macht.
Henner: In den Worten von St. John, Zitat, wenn man DirectX-Treiber installiert,
Henner: dann geben sie sich als gültige Windows-Treiber aus.
Henner: Sie belügen das Betriebssystem und legen Windows praktisch still.
Henner: Also Windows weiß überhaupt nicht, was dort passiert. Das Windows-Grafiksystem,
Henner: dieses lahme GDI, das weiß also nicht, was da eigentlich passiert.
Henner: Das zeichnet weiterhin seine Pixel, aber die kommen nie bei der Grafikkarte an.
Henner: Die Grafik-Hardware wird vollständig kontrolliert von DirectX und Windows ist einfach raus.
Henner: Denn, Zitat von St. John, dann läuft stattdessen das DirectX-Betriebssystem für Doom.
Henner: Naja, hier geht es primär um
Henner: Doom, das war ja der erste Maßstab oder das Ziel, Doom laufen zu lassen.
Henner: Später gilt dasselbe natürlich auch für viele andere Spiele.
Henner: Also Eingaben, Game Controller, Netzwerkfunktion, Soundgrafik,
Henner: das alles übernimmt DirectX.
Henner: St. John bezeichnet DirectX daher auch als Sidecar-Betriebssystem.
Henner: Also als ein angedocktes, aber eigenständig laufendes Betriebssystem innerhalb des Betriebssystems.
Henner: Und wenn das Spiel dann beendet wird, dann endet auch DirectX und gibt die Kontrolle
Henner: wieder ab an Windows und das weiß überhaupt nicht, was da gerade eigentlich
Henner: passiert ist, dass es also,
Henner: ausgeschlossen wurde und dass das, was Windows da gezeichnet hat,
Henner: nie auf dem Monitor zu sehen war.
Henner: Also das ist wirklich ein tiefer Eingriff ins Betriebssystem.
Henner: Das Betriebssystem oder zumindest seine Oberfläche wird komplett rausgeworfen,
Henner: während das Spiel läuft.
Henner: Aber genau das ist ja auch das Ziel. Das Betriebssystem und seine Oberfläche
Henner: waren den Entwicklern und waren den Spielen im Weg und deswegen wird es einfach abgeschaltet.
Henner: Das funktioniert auch schon einigermaßen bei dieser Präsentation auf der GDC
Henner: oder neben der GDC und kommt gut voran, vor allem weil Eisler 100 Stunden pro Woche arbeitet.
Henner: Aber auch wenn sie gut vorankommen, für eine Integration in Windows 95 ist es natürlich viel zu spät.
Henner: Das haben wir ja schon beim Internet Explorer gehört.
Henner: Der war ja auch Monate vor dem Launch von Windows 95 fertig,
Henner: aber der konnte auch nicht mehr ins Betriebssystem integriert werden.
Henner: Also wie soll DirectX, wenn es dann irgendwann mal wirklich fertig ist,
Henner: überhaupt verbreitet werden?
Henner: Nur die Idee ist, dass Microsoft das gar nicht selbst macht.
Henner: Natürlich, sie brennen das auf eine CD und geben das den Spieleentwicklern,
Henner: damit die auf dieser Basis ihre Spiele schreiben können. Es ist ja ein SDK,
Henner: ein Software Development Kit, also Software für die Entwicklung von Spielen.
Henner: Aber auch die Spielerinnen und Spieler müssen selbst DirectX installieren.
Henner: Das kennt man ja bis heute, das ist ja nach wie vor nötig unter Windows,
Henner: DirectX zu installieren.
Henner: Und wie soll das passieren, woher kriegen die das?
Henner: Nun, das sollen die Spieleentwickler selbst auf ihre Spiele-CDs packen.
Henner: Also es ist nicht auf der Windows-CD, aber es steckt auf den Spiele-CDs.
Henner: Und wenn man das Spiel installiert, dann wird erstmal DirectX installiert.
Henner: Das ist also der geplante Vertriebsweg für diese Software.
Henner: Und ja, dann ist auch die finale Version bald fertig.
Henner: Windows 95 kommt ja im August und im September, einen Monat später,
Henner: ist also dieses Game SDK,
Henner: der Name Manhattan Project war nur intern, der ist entfallen,
Henner: Game SDK Featuring DirectX, besser bekannt als DirectX 1.0,
Henner: Bereit für die Auslieferung an die Spieleentwickler.
Chris: Ja, und weil Windows 95 ja so eine opulente Launchparty bekam,
Chris: bekommt das jetzt DirectX auch.
Chris: Das wird organisiert unter St. John's Federführung bei Microsoft.
Chris: Und am 30. Oktober 1995 steigt dann eine große, wilde Party.
Chris: Die hat wieder so einen markigen Titel.
Chris: Judgment Day heißt die, Tag der Abrechnung.
Chris: Findet auch wieder auf dem Microsoft Campus statt. Bestimmt wird auch wieder
Chris: irgendjemand in den Brunnen geworfen. oder schmeißt sich das selber rein.
Chris: Es gibt auf jeden Fall Live-Musik, das Riesenrad ist wieder da,
Chris: es gibt ein Halloween-Spukhaus und es sind 35 Entwicklerstudios vor Ort,
Chris: die zeigen insgesamt schon 75 Spiele.
Chris: Einige Studios gestalten sogar eigene Areale, Activision zum Beispiel ist ja
Chris: einer der Entwickler, die ein ganz, ganz frühes Windows 95 Spiel am Start haben,
Chris: nämlich Pitfall, The Mayan Adventure und die
Chris: gestalten da so eine eigene Dschungel-Landschaft zu dieser Gelegenheit.
Chris: It Software ist natürlich auch zugegen, die veröffentlichen zudem Anlass auch
Chris: gleich ein neues Spiel, nämlich Hexen, den Shooter, der bei Raven Software entwickelt
Chris: wurde. Das ist allerdings noch ein reines DOS-Spiel, das hat mit Windows gar nichts zu tun.
Chris: Aber trotzdem ist id Software das Highlight auf dieser Game SDK CD zu verdanken,
Chris: nämlich eine frühe Fassung dieser Windows 95 Version von Doom, Doom 95.
Chris: Und anders als das WinGee-basierte WinDoom ist Doom 95 jetzt also offiziell
Chris: von id Software abgesegnet.
Chris: Und das läuft nicht nur auf Wunsch im Windows-Fenster, sondern bringt auch einen
Chris: Launcher mit für eine bequeme Konfiguration. Das hat höhere Auflösungen im Gepäck,
Chris: es unterstützt mehr Soundkanäle. Das ist also eine technisch erweiterte Fassung von Doom.
Chris: Und laut einigen Quellen ist es unter Windows 95 tatsächlich auch schneller
Chris: als unter DOS. Das war ja das erklärte Ziel von DirectX.
Chris: Wie wichtig dieser Doom-Port für das Windows-95-Ökosystem ist,
Chris: das verdeutlicht beim Judgment Day neben einem großen Doom-Turnier, das dort gespielt wird,
Chris: auch eine Videobotschaft von Bill Gates, die zu dem Anlass abgespielt wird.
Chris: Und das ist entstanden nach einem Skript und unter der Regie von Alex St.
Chris: John und wohl unter dem Protest der PR-Abteilung.
Chris: In diesem Video, in dieser Botschaft, tritt Bill Gates mit einer Shotgun in
Chris: einer Doom-Spiel-Szene auf
Chris: und preist Windows 95 als die Spiele-Plattform. Hören wir mal kurz rein.
Einspieler: Windows 95 ist die Game-Plattform.
Einspieler: Whether it's the best performance, the best setup, the best integration. Yeah, yeah, yeah.
Einspieler: Don't interrupt me.
Chris: Nun ja, also das muss eine wilde Sause gewesen sein.
Chris: Auf jeden Fall im Januar 1996 veröffentlicht Microsoft dann eine Sampler-CD
Chris: namens Games for Windows 95.
Chris: Und die enthält mehr als ein Dutzend Demos von Spielen, die für Windows 95 angepasst
Chris: wurden. Darunter Fury Cube, diesen eigenen Titel von Microsoft.
Chris: Von Activision ist Mac Warrior 2 dabei und natürlich auch die finale Version von Doom 95.
Chris: Also Microsoft nimmt den Spaß endlich ernst, aber dabei fehlt DirectX eigentlich
Chris: noch seine wichtigste Komponente.
Henner: Ja, denn wir haben die einzelnen APIs ja aufgezählt, da ging es um 2D-Grafik
Henner: und um Sound und solche Dinge, aber was fehlt?
Henner: 3D-Grafik, das ist ja eigentlich gerade die große Revolution.
Henner: Nicht irgendein Multimedia-Quatsch mit Videos, nein, 3D-Grafik mit Polygonen,
Henner: wie es die Playstation vormacht.
Henner: Und gerade dafür ist DirectX noch überhaupt nicht vorbereitet.
Henner: Wir sind ja hier noch im Prä-Voodoo-Zeitalter, also die berühmten Voodoo-Grafik-Karten,
Henner: die kommen erst 96 und so ist der PC,
Henner: was 3D-Grafik angeht, weit hinterher hinter der Playstation und das muss sich
Henner: ändern, wenn Windows 95 wirklich die beste Spieleplattform der Welt sein soll
Henner: und das ist ja das erklärte Ziel.
Henner: Das heißt, DirectX braucht eine weitere Schnittstelle für die Berechnung von 3D-Grafik.
Henner: Es gibt so eine 3D-Grafik-Schnittstelle schon, die heißt OpenGL,
Henner: aber OpenGL ist eigentlich nicht für Spiele geeignet, auch wenn id Software
Henner: in Person von John Carmack ja später darauf schwört, aber eigentlich ist das
Henner: überdimensioniert, das ist für den professionellen Einsatz gedacht und nicht so sehr für Spiele.
Henner: Und deswegen, das steht auch im Taking Fun Seriously Dokument so,
Henner: sei das eine ziemlich unpopuläre API für 3D-Spiele. Und das heißt,
Henner: auch ein Zitat, wir haben in diesem Jahr keine API, die uns mit den neuen Konsolen mithalten lässt.
Henner: Aber, das schreiben sie auch gleich in ihrem 94er Dokument schon,
Henner: die nötige Technologie existiert schon.
Henner: Nur nicht bei Microsoft selbst, aber anderswo.
Henner: Und da nennt das Dokument drei Unternehmen, die da gerade führend sind auf dem
Henner: Gebiet der 3D-Grafik-APIs. Das sind Criterion, Argonaut und Randomorphics.
Henner: Die haben alle drei eigene 3D-Engines und 3D-APIs. Argonaut kennt ihr vielleicht,
Henner: die sind ja vor allem bekannt für das SNES-Spiel Starfox mit diesem SuperFX-Grafik-Chip,
Henner: der im Modul mit drin steckt.
Henner: Aber der entscheidende von den dreien ist Render Morphix. Die haben eine eigene
Henner: 3D-API namens Reality Lab.
Henner: Und genau diese Firma Render Morphix wird nun von Microsoft gekauft.
Henner: Das Dokument stellt die drei noch vor und empfiehlt nur, man sollte doch den
Henner: meist respektierten von diesen drei Anbietern einfach kaufen.
Henner: Das ist ja eine bewährte Taktik von Microsoft. Wenn man jemanden nicht schlagen
Henner: kann, dann übernimmt man ihn einfach.
Henner: Und genau das wird hier auch vorgeschlagen. Und wie gesagt, das macht Microsoft dann auch.
Henner: Diese Übernahme von Randomorphics, die geschieht schon im Februar 1995.
Henner: Da ist dieses Game-SDK-Projekt eigentlich noch das Geheimprojekt.
Henner: Das ist noch nicht so sehr an die Öffentlichkeit gedrungen.
Henner: Wie schaffen sie es also, die Microsoft-Führungsebene davon zu überzeugen,
Henner: einfach mal eine Firma zu kaufen für das, was später Direct3D wird?
Henner: Das ist eine sehr komplizierte Geschichte und sie hat sehr viel mit Intrigen zu tun.
Henner: Sie schaffen das nämlich, ohne jetzt auf die Details einzugehen,
Henner: eine andere Abteilung, die Multimedia-Abteilung dazu zu bringen,
Henner: dass sie Randomorphics übernimmt, ohne zu wissen, dass das eigentlich etwas
Henner: für das Direct-Lix-Team ist.
Henner: Zitat von St. John zu diesem Vorgang. Ich zögere zu erzählen,
Henner: wie wir Microsoft dazu gebracht haben, sie zu kaufen, denn wir waren dabei sehr berechnend und böse.
Henner: Also, wie gesagt, wir gehen nicht näher auf diese Geschichte ein.
Henner: Sie schaffen es, sie bringen Microsoft dazu, Randomorphics zu übernehmen und
Henner: auf der Basis der Randomorphics-Technik
Henner: namens Reality Lab entsteht nun also bei Microsoft Direct 3D,
Henner: die neue 3D-fokussierte Schnittstelle als Teil von DirectX.
Henner: Und die erste Version von diesem Direct 3D, die erscheint im Juni 1996,
Henner: also einige Monate nach dem ersten DirectX, als ein Teil der zweiten Generation von DirectX 2.0.
Henner: Das heißt jetzt nicht mehr Manhattan Project, sondern das entsteht unter dem
Henner: Namen Orion Project. Das ist so ein NASA-Projekt aus den 50er Jahren,
Henner: da sollten nukleare Raketenantriebe entwickelt werden. Immerhin keine Bomben mehr.
Henner: Erste Spiele, die dieses Direct 3D nutzen, die erscheinen dann auch schon im Herbst 96.
Henner: Die nutzen allerdings gleich die erweiterte Version aus DirectX 3.0.
Henner: Wir sehen schon, wie beim Internet Explorer geht es hier Schlag auf Schlag.
Henner: Es kommen in sehr schneller Folge neue Versionen raus.
Henner: Und zu den frühesten Titeln, die dieses Direct 3D nutzen, gehören im September
Henner: 96 wiederum einige von Microsoft selbst publizierte Spiele.
Henner: Monster Truck Madness, das habe ich auch gerne gespielt.
Henner: Hellbender und ein Basketballspiel namens NBA Full Court Press.
Henner: Im Oktober zieht dann auch endlich die Flight Simulator Reihe um von DOS auf Direct 3D.
Henner: Jetzt ist also endlich der PC dort, wo er längst hätte sein sollen,
Henner: ist eine echte 3D-Spielemacht geworden. Dank DirectX und vor allem dank Direct 3D.
Chris: Das stimmt natürlich. Allerdings sind die unabhängigen Entwicklerstudios da
Chris: draußen, die jetzt nicht bei Microsoft-Selbstspiele entwickeln,
Chris: nicht ganz so schnell überzeugt.
Chris: Die ersten Direct-3D-Versionen sind noch relativ eingeschränkt und erschweren
Chris: die Programmierung. John Carmack z.B.
Chris: Schreibt 1997, it just sucked.
Chris: Also es war scheiße. Und zugleich gibt es auch einen Konkurrenten,
Chris: eine alternative Schnittstelle namens Glide.
Chris: Die kommt vom Entwickler der Voodoo-Karten von 3DFX. Dazu gibt es auch schon
Chris: eine eigene Stay Forever-Technik-Folge, auf die wir an dieser Stelle gerne verweisen.
Chris: Und Glide ist wiederum eine Abwandlung von OpenGL, reduziert auf Spielebefehle
Chris: und wird für eine Zeit lang so eine Art quasi Standard.
Chris: Aber Microsoft gibt nicht auf und entwickelt Direct3D rasant weiter.
Chris: Du hast schon von diesen häufigen Versionen gesprochen.
Chris: Und ab der Version 5 von 1997 wird DAIC 3D dann auch endlich in der Spielebranche ernst genommen.
Chris: Version 6 von 1998 ist laut den Entwicklern, die damals auf der GDC sich dazu
Chris: äußern, dann auch schnell genug, um Glide und andere proprietäre APIs zu ersetzen.
Chris: Version 7 kommt 1999, die zieht in der Funktionsvielfalt sogar vorbei an OpenGL,
Chris: und parallel dazu verläuft ja der Siegeszug von NVIDIA, deren 3D-Chips fast
Chris: von Anfang an voll auf Direct3D setzen und die Voodoo-Chips dann nach und nach aus dem Markt drängen.
Chris: 2011 findet dann selbst John Carmack lobende Worte für Microsofts 3D-API.
Chris: Jetzt haben sie es wirklich geschafft. Und so geschieht das,
Chris: was St. John prognostiziert hat. DOS stirbt.
Chris: Die Zahl der jährlichen neuen DOS-Spiele beginnt schon 1995 zu sinken.
Chris: 1997 sind es nur noch etwa halb so viele wie auf dem Höhepunkt 93-94.
Chris: Und Ende der 90er Jahre spielt DOS dann gar keine Rolle mehr.
Chris: DirectX wird derweil sogar zum Antrieb einer Konsole, die Xbox von 2001 basiert,
Chris: im Kern auf der DirectX Version 8.
Chris: Ja, und natürlich erben auch spätere Windows-Generationen diese API-Sammlung
Chris: DirectX, denn nach Windows 95 muss es jetzt rasch weitergehen.
Chris: Warum muss es so rasch weitergehen, Herr?
Henner: Ja, weil der Name genau das nahe liegt.
Chris: Richtig.
Henner: Auf Windows 95 muss logisch 96 folgen.
Henner: Das vermuten damals auch viele in der Presse. Und auch Microsoft selbst oder
Henner: zumindest ein Mitarbeiter hat das mal bei einer Entwicklungskonferenz damals
Henner: so behauptet. Ja, dass wohl ein Windows 96 folgen werde, das natürlich alles besser macht.
Henner: Ja, das kommt aber nicht. Aber die Entwicklung geht weiter. Windows 95 entstand
Henner: ja unter dem Codenamen Chicago und auf Chicago folgt jetzt ein neues Projekt namens Nashville.
Henner: Nashville ist erneut der Name einer US-Stadt und nun auch der geplanten nächsten
Henner: Windows-Generation, die auf Windows 95 aufbaut und
Henner: dem Gates-Dekret folgend den Internet Explorer im System verankern,
Henner: also voll aufs Web ausgerichtet sein soll.
Henner: Aber das Nashville-Projekt wird schon im Januar 96 wieder aufgegeben und die
Henner: dafür eigentlich geplanten Inhalte werden dann aufgeteilt auf zwei neue Projekte,
Henner: ein kurzfristiges und ein längerfristiges.
Henner: Das erste dieser beiden ist ein Update-Paket für Windows 95,
Henner: was wir heute Service Pack nennen würden, damals aber noch nicht so heißt, sondern OSR2.
Henner: Das steht für OEM Service Release 2, richtet sich primär an PC-Hersteller,
Henner: nicht so sehr an Endkunden, die das aber trotzdem gern annehmen und das System
Henner: damit upgraden zu Windows 95B.
Henner: Und da sind verschiedene Updates drin, ein paar neue Treiber,
Henner: das Dateisystem FAT32 für größere Partitionen mit mehr als zwei Gigabyte.
Henner: Und der Browser ist auch enthalten, aber er ist noch nicht so stark ins Betriebssystem integriert.
Henner: Browser und Dateimanager sind nicht miteinander verschmolzen,
Henner: wie das ursprünglich mal für Nashville geplant war.
Henner: Es folgen dann noch OSR 2.1 und 2.5 mit weiteren Updates,
Henner: aber diesen kühnen Plan der Verschmelzung von Betriebssystemen und Browser,
Henner: den verschiebt Microsoft in das zweite Projekt, das größere mit Codenamen,
Henner: ja das ist wieder eine Stadt, Memphis.
Chris: Über das Jahr 1997 verteilt erscheinen dann Testversionen dieses neuen Memphis-Systems.
Chris: Das wird jetzt folgerichtig als Windows 97 bezeichnet.
Chris: Aber auch das verzögert sich wieder. Ja, das hat ja inzwischen auch schon Tradition.
Chris: Es gibt auf der Messe Comdex im April 1998 eine öffentliche Aufführung und die
Chris: zeigt auch, warum sich das verzögert.
Chris: Da sollen eigentlich die Vorzüge der verbesserten USB-Unterstützung demonstriert werden.
Chris: Aber dann wird da ein USB-Scanner angesteckt und erzeugt einen Blue Screen.
Chris: Bill Gates kommentiert das dann mit den Worten, das ist wohl der Grund,
Chris: warum wir Windows 98 noch nicht ausliefern.
Chris: Bei diesem Namen, also Windows 98, bleibt es dann aber. Im Juni 1998 kommt dieses System auf den Markt.
Chris: Die deutlich bessere, jetzt auch halbwegs brauchbare USB-Unterstützung ist eine der Neuerungen.
Chris: Der Internet Explorer ist jetzt stärker integriert. Der hat inzwischen die Version 4 erreicht.
Chris: Active Desktop ist eine weitere Neuerung. Windows 98 setzt ganz unübersehbar auf das Web.
Chris: Das liefert neben dem Browser auch noch Outlook Express als Mail-Client mit,
Chris: Frontpage Express als Tool für die Erstellung von HTML-Seiten,
Chris: NetMeeting für Online-Konferenzen und auch noch weitere Tools,
Chris: die alle mit dem Internet zu tun haben oder mit der Vernetzung.
Chris: Der Windows Explorer, der enthält jetzt Navigationsbuttons, also wie ein Browser
Chris: und auf dem Desktop prominent platziert sind Active Channels.
Chris: Das sind also abonnierbare Webseitenkanäle, die ihre Inhalte dann automatisch
Chris: für die spätere Offline-Nutzung oder die Anzeige auf dem Active Desktop runterladen.
Henner: Habe ich nie benutzt.
Chris: Nee, ich auch nicht. Also von diesem super starken Internetfokus ist auch nicht jeder begeistert.
Chris: Du hattest ja, wie gesagt, mit dem Microsoft-Manager John Ludwig gesprochen
Chris: und der hat hier im Dialog gesagt, Zitat, ich gebe zu, dass wir alle ein wenig
Chris: zu begeistert davon waren, Internetfunktionen hinzuzufügen.
Chris: Und ich war sicherlich mit Schuld, es zu weit getrieben zu haben.
Chris: Active Desktop war einfach nicht ausgereift genug, nicht schnell genug.
Chris: Es war letztendlich das Guten zu viel. Zitat Ende.
Henner: Ja, das stimme ich ihm zu. Ist aber ein Muster, das sich bei Microsoft wiederholt.
Henner: Wir leben gerade im Jahr 2026 und erleben, wie Microsoft seine Betriebssysteme
Henner: mit KI-Funktionen vollstopft.
Henner: Und genauso war das damals mit den Internetfunktionen.
Henner: Hat keiner danach gefragt, aber das musste dann sein.
Henner: Aber es wäre auch nicht fair, Windows 98 auf diese ungeliebten Web-Funktionen
Henner: zu reduzieren, denn es gibt darüber hinaus durchaus sinnvolle Neuerungen.
Henner: Es gibt ein neues Treibermodell, WDM, das vereinheitlicht jetzt die Treiberbasis
Henner: für Windows 98 und NT und für nachfolgende Generationen. Das ist sehr willkommen.
Henner: Also eine USB-Unterstützung, haben wir schon erwähnt, funktioniert einigermaßen.
Henner: Naja, zumindest für Mäuse und Tastaturen reicht es, Massenspeicher laufen noch nicht.
Henner: Dann werden andere neue Technologien unterstützt, wie der neue Grafikkartensteckplatz
Henner: AGP oder die Energieverwaltung per ACPI.
Henner: Da kann sich der PC, das ist ganz toll, jetzt in einen Energiesparmodus versetzen, sehr zeitgemäß.
Henner: Umweltschutz und so und er kann auch sich selber abschalten.
Henner: Also beim Runterfahren wird jetzt nicht mehr wie früher immer angezeigt,
Henner: sie können den Computer jetzt ausschalten. Nee, das macht der Rechner einfach
Henner: selbst, wenn denn die Hardware bereit ist dafür.
Henner: Muss schon etwas neueres Netzteil sein und ein passendes Mainboard, dann geht das.
Henner: Man kann mehrere Monitore parallel anschließen. Es ist erstaunlich,
Henner: was vorher alles nicht ging aus heutiger Sicht.
Chris: Ja, nicht wahr.
Henner: Aber wer hatte auch Platz für mehrere Röhrenmonitore auf dem Tisch?
Henner: Das war eher die Ausnahme.
Henner: Man kann sich Video-DVDs ansehen, wenn man eine passende Decoder-Karte im Gerät hat.
Henner: Und eine wichtige Neuerung, es gibt Windows Update. Auch das gab es vorher nicht.
Henner: Natürlich gab es Updates für Windows, aber die musste man separat runterladen
Henner: oder auf einer CD beziehen.
Henner: Jetzt gibt es eine integrierte Funktion namens eben Windows Update und die kann
Henner: direkt aus dem Netz Updates runterladen und installieren und dann im schlechtesten
Henner: Moment den Rechner neu starten.
Chris: Für all das ist allerdings ein schnellerer Rechner nötig als vorher.
Chris: Jetzt muss es mindestens ein 486 DX2 mit 66 MHz und 16 MB RAM sein.
Chris: Das ist immerhin die vierfache Menge von dem, was offiziell für Windows 95 noch gereicht hat.
Chris: Ein CD-Laufwerk ist immer noch nicht zwingend notwendig für die Installation,
Chris: denn Windows 98 ist die letzte Windows-Version, die auch auf Disketten zu beziehen
Chris: ist. Da bekommt man dann 39 Stück. Das ist ein großer Spaß, von denen Windows 98 zu installieren.
Henner: Ja, und die 38. ist kaputt. Ja, genau.
Chris: Die Presse jedenfalls ist wieder angetan. Die Zeitschrift Smart Computing nennt
Chris: die Neuerungen exzellent.
Chris: PC Computing schreibt von einem willkommenen Upgrade für Windows 95 und einem
Chris: absoluten Must-Have für neue Systeme, zählt aber auch Nachteile auf,
Chris: und dazu gehören die hohen Systemanforderungen und die, Zitat,
Chris: nur minimal geringere Crashfreude, Zitat Ende.
Chris: Das ist auch kein Wunder, weil am technischen Unterbau hat sich bei Windows
Chris: 98 nichts geändert, also diese Dreiteilung aus DOS, 16-Bit Windows und 32-Bit
Chris: Windows ist da schon immer noch drin.
Henner: Die Presse ist also weitgehend begeistert. Ich glaube, das galt auch für uns.
Henner: Ich bin auch sehr schnell damals umgestiegen von 95 auf 98. Du auch?
Chris: Ja.
Henner: Weniger begeistert war die Presse vom Plus-Paket. Das gab es auch wieder,
Henner: dieses kostenpflichtige Add-on.
Henner: Da ist aber diesmal ziemlich viel Quatsch dabei. Das einzig Sinnvolle ist so
Henner: eine Zip-Unterstützung, also die integrierte Unterstützung für Zip-komprimierte Archive.
Henner: Schon nett, aber sehr beschränkt und eigentlich brauchte das keiner.
Henner: Es hatte doch jeder Winra installiert.
Henner: Und es gibt natürlich wieder Desktop-Themes und ein paar Spiele,
Henner: aber das ist nicht mehr so sinnvoll und wichtig wie das erste Plus-Paket.
Henner: Den Internet Explorer bekommt man ja jetzt auch schon von Haus aus.
Henner: Die PC-Computing schreibt deswegen auch das ganze Paket seit Zitat Hochglanz-Ramschware
Henner: und eines der miesesten Software-Angebote, die uns je untergekommen sind.
Chris: Harte Worte.
Henner: Wow. Nun, die Geschichte von Windows 98 ist damit noch nicht beendet.
Henner: Es gibt dann noch Windows 98 Second Edition SE, also ein größeres Upgrade im Jahr darauf, also 1999.
Henner: Da wird die USB-Unterstützung noch ein bisschen verbessert.
Henner: So richtig gut ist sie da immer noch nicht. Aber immerhin, es gibt die Möglichkeit,
Henner: Internetzugänge im LAN zu teilen, sehr zeitgemäß.
Henner: Und natürlich werden wieder ein paar Tools aktualisiert. Aber der RAM-Bedarf,
Henner: der wächst weiter auf mittlerweile 24 MB, schon 20 mehr als die Urversion.
Henner: Ja, und das eigentliche Problem von Windows 98 SE ist aber, du hast es gerade
Henner: gesagt, der Unterbau, das immer noch das alte 16-Bit DOS.
Henner: Und wir nähern uns hier dem Ende des Jahrtausends. Jetzt wird es doch langsam
Henner: mal wirklich Zeit für den Umstieg auf NT, oder?
Chris: Ja und für den Abschied von DOS Windows 98, so hatte Bill Gates persönlich im
Chris: Frühjahr 98 auf der Microsoft Hausmesse verkündet, soll das letzte DOS-basierte
Chris: Betriebssystem von Microsoft sein.
Chris: Für die privaten Nutzer soll jetzt auch ein System auf Basis von Windows NT,
Chris: folgen. Das hat auch einen Codename, nämlich Neptune.
Chris: Diese NT-Reihe, die sich ja an professionelle Anwender und Büros und sowas richtet,
Chris: wird auch parallel weiterentwickelt bei Microsoft.
Chris: Das Neptune-Projekt, das also wie gesagt das Heimanwender-NT sozusagen werden
Chris: soll, verzögert sich aber.
Chris: Und dann kommt Microsoft in eine Situation, wie zumindest einige Quellen behaupten,
Chris: wo sie nicht länger warten können
Chris: auf dieses Neptune-Projekt, also auf den NT-basierten Windows-Nachfolger,
Chris: weil die PC-Hersteller da draußen nach einem Update verlangen,
Chris: nach einer neuen Windows-Version.
Chris: Und daher beginnen dann schon Ende 1998 doch Diskussionen intern,
Chris: ob man nicht nochmal eine Neuauflage, das nun ja doch schon alternden Windows
Chris: 9X, also 95, 98 machen soll, auf DOS-Basis,
Chris: wiederum stark auf Multimedia-Inhalte ausgerichtet und mit dem Interface von
Chris: dem NT-Nachfolger von Windows 2000 ausgestattet.
Chris: Und dieses System wird intern Win2KC genannt, also Windows 2000 Consumer.
Chris: Das wird auch 1999 angekündigt und
Chris: soll wie Windows 2000 auch im Jahr 2000 erscheinen. Und das gelingt sogar.
Chris: Und das trägt dann den Namen Windows Millennium Edition, kurz Windows ME und
Chris: erscheint im September 2000.
Henner: Interessant, dass du ME sagst. Niemand sagt, glaube ich, Mi,
Henner: obwohl es mit einem großen M und einem kleinen E geschrieben wird.
Chris: Ach, soll das so ausgesprochen werden? Das höre ich jetzt zum ersten Mal.
Henner: Ich weiß nicht. Ich habe mich das immer gefragt. Im Zweifel sagt man Millennium Edition.
Chris: Das wiederum habe ich auch noch nie gehört, dass das jemand so sagt.
Chris: Okay, ich glaube, wir bleiben bei ME.
Henner: Es spielt aber auch keine Rolle, denn dieses ME ist ein wirklich kurzes Kapitel.
Henner: Das ist also, wie gesagt, immer
Henner: noch DOS-basiert, aber es versteckt dieses DOS-Fundament etwas verschämt.
Henner: Denn den reinen DOS-Modus, in dem man ja bislang immer noch wechseln konnte
Henner: per Neustart, den gibt es jetzt einfach nicht mehr.
Henner: Zumindest nicht mehr offensichtlich, man kommt über Umwege doch noch ran.
Henner: Aber es gibt auch ein paar durchaus wichtige, schöne Neuerungen.
Henner: Ich finde, Windows ME ist durchaus besser als sein Ruf. Das wird immer verschrien
Henner: und verhasst im Rückblick, aber es hat einige sinnvolle Neuerungen mitgebracht.
Henner: Die Systemdateiüberprüfung zum Beispiel, die also verhindert,
Henner: dass man willkürlich irgendwelche Systemdateien löscht.
Henner: Da gibt es eine Wiederherstellungsfunktion, mit der man zu früheren Systemzuständen
Henner: zurückkehren kann, wenn etwas schief gelaufen ist.
Henner: Und die Oberfläche ist natürlich wieder ein bisschen modernisiert und noch ein
Henner: bisschen stärker auf Multimedia getrimmt. Es gibt den Movie Maker als Videoschnittprogramm
Henner: und einige andere Dinge.
Henner: Aber insgesamt ist das kein ganz großer Wurf. Es gibt auch wieder ein paar neue Spiele.
Henner: Es gibt jetzt nämlich Internet-Varianten von den bekannten Spielen wie Hearts
Henner: und Backgammon und Reverse. Da gibt es Internet Hearts, Internet Backgammon
Henner: und so weiter. Aber kein Internet-Mindsweeper.
Henner: Und damit hat das Betriebssystem bei mir natürlich keine Chance gehabt.
Henner: Also ich habe ME nie selbst benutzt, damals zumindest nicht.
Chris: Ich schon.
Henner: Hast du das damals installiert?
Chris: Ja, ich habe jede Windows-Mission mitgenommen.
Henner: Oh, okay.
Chris: Ich hatte das. Ich habe jetzt auch keine besonders ausgeprägten Erinnerungen an ME.
Chris: Es kam ja langsamer und aufgebläht hervor als Windows 98, aber das mag ich vielleicht
Chris: auch einfach falsch hören.
Henner: Ich habe hier für eine Technik-Bits-Folge neulich versucht, eine USB-Maus unter
Henner: Windows 98 zum Laufen zu bringen, für die es nur 98 Treiber gab.
Henner: Und das funktionierte nicht, der Rechner ist immer wieder abgestürzt.
Henner: Ich habe alles versucht.
Henner: Es brachte nichts. Windows 98 und USB, die vertragen sich einfach nicht.
Henner: Und die Lösung war am Ende Windows ME. Das hat mich gerettet.
Henner: Denn das kann alles, was Windows 98 auch kann.
Henner: Naja, es hat den DOS Real Mode nicht mehr, aber es bringt eben diese USB Unterstützung
Henner: mit. Die ist jetzt wirklich zum ersten Mal richtig brauchbar.
Henner: Also ich finde Windows ME ist dann doch etwas besser als sein Ruf.
Chris: Also das reicht für Verhaltenslob in der Presse. PC World schreibt zum Beispiel
Chris: im Juli 2000, diese PC Health Funktionen seien der beste Grund für das Update auf Windows ME.
Chris: Aber davon abgesehen, Zitat, brauchen sie ME eigentlich nicht.
Chris: Stattdessen sollten sie warten, bis Microsoft Fehler und Inkompatibilitäten
Chris: behoben hat oder auf die nächste Windows Version warten. Zitat Ende.
Chris: Denn das ist so der Pferdefuß von Windows ME nach wie vor. Es hat Kompatibilitätsprobleme,
Chris: vor allem bei alter DOS-Software.
Chris: Aber es hat auch noch Systemstabilitätsprobleme, die ja die Vorgänger auch schon
Chris: geplagt haben. Und die, glaube ich, auch für den zweifelhaften Ruf von Windows
Chris: ME heutzutage hauptsächlich zuständig sind.
Chris: Das liegt vor allem an den Schwächen der alten 16-Bit-Basis.
Chris: Das tritt nun einfach sehr deutlich zu Tage.
Chris: Die PCs sind moderner geworden. Es gibt mit Windows 2000 parallel ein sehr viel
Chris: ausgereifteres Windows, nach wie vor für den professionellen Einsatz gedacht,
Chris: aber das ist halt in der Welt und dagegen sieht ME doch schon deutlich alt aus.
Chris: Nun und die Konsequenz intern bei Microsoft ist dann auch, dass diese beiden
Chris: bisher getrennten Projekte, also das professionelle Windows,
Chris: das MT und das Heimatanvendor Windows zusammengelegt werden,
Chris: verschmelzen zu einem Projekt, das hat erst den Codenamen Whistler und wird
Chris: dann im Jahr 2001 als Windows XP erscheinen, aber das
Chris: ist eine andere Geschichte für eine andere Stay Forever Technikfolge.
Henner: Oh ja, genau. Und weil XP so kurz nach ME erscheint, nur ein Jahr später,
Henner: spricht also sehr bald schon niemand mehr von Windows ME und fast alle,
Henner: die ich kenne, sind auch sehr schnell auf XP umgestiegen.
Henner: Ja, das ist also ein etwas unrühmliches Ende, dieses Windows ME für,
Henner: eine große Betriebssystemfamilie, die aber einiges vollbracht hat,
Henner: die den Markt und den Computer als Medium und als Massenprodukt doch sehr weit
Henner: vorangebracht hat. Und damit sind wir schon bei der Schlussbetrachtung.
Henner: Was hat uns Windows 95-98 und in Klammern vielleicht auch ein bisschen Windows
Henner: ME gebracht? Was ist davon heute noch übrig?
Chris: Nun, da ist natürlich vor allen Dingen die Nutzerfreundlichkeit.
Chris: Das war ja das erklärte Ziel dieses Projekts, dass auch Einsteigern durch Windows
Chris: 95 das Arbeiten mit dem PC nähergebracht wird, dass die Oberfläche zugänglicher und freundlicher ist.
Chris: Und dazu gehören aber auch unterstützende Technologien wie Plug & Play zum Beispiel.
Chris: Für John Ludwig war das in eurem Gespräch übrigens das wichtigste Vermächtnis sogar von Windows 95,
Chris: weil das alles zusammen hat geholfen, den PC von einem technischen Werkzeug
Chris: für wenige Experten in ein alltägliches Konsumgut für Millionen von Menschen zu verwandeln.
Chris: Menschen, die vor dem Hype um die Markteinführung teils gar nicht wussten,
Chris: was ein Betriebssystem überhaupt ist.
Chris: Und erst mit Windows 95 erfüllt der PC wirklich das Versprechen,
Chris: dass seine Gerätegattung ja von Anfang an gegeben hat, nämlich ein Computer für jedermann zu sein.
Henner: Genau, das ist ja der Traum von Anfang an gewesen, seit diese Gerätegattung in den 70ern aufkam.
Henner: Der wird jetzt erst, 20 Jahre später geht er in Erfüllung, dank Windows 95.
Henner: Ich glaube, das kann man so sagen, ja.
Henner: Gucken wir ins Detail, dann gibt es auch einiges, was bis heute überlebt hat.
Henner: So einige Konventionen bei der Computerbedienung, Bedienelemente wie den Desktop
Henner: als Arbeitsfläche, die man vollmüllen kann mit eigenen Dateien,
Henner: wie einige das tun, einige undisziplinierte Menschen.
Henner: Oder das Startmenü in der Ecke als Ankerpunkt.
Henner: Das sieht man ja nicht nur bis heute bei Windows, sondern das sieht man ja auch
Henner: bei anderen Betriebssystemen in ähnlicher Form. Viele Linux-Oberflächen haben
Henner: auch etwas Startmenü-Ähnliches irgendwo in der Ecke stehen. Also das hat sich
Henner: durchaus durchgesetzt.
Henner: Und natürlich auf technischer Ebene dieses prozessorientierte Arbeiten,
Henner: das Multitasking, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, ein Spiel installieren
Henner: und ein anderes dabei spielen, das ist natürlich das Wichtigste.
Henner: Und das hat die Produktivität doch deutlich erhöht.
Henner: Und ja, uns ist allen klar, also bevor ihr böse Kommentare schreibt,
Henner: Multitasking ist keine Erfindung von Microsoft und wurde nicht erst mit Windows
Henner: 95 eingeführt. Das konnte der Amiga schon viel früher.
Henner: Aber hier hat es sich auf breiter Basis erst durchgesetzt. Hier wurde dem Durchschnittsnutzer,
Henner: der vorher Windows 3 und DOS benutzt hat, gezeigt, was ein PC alles leisten kann.
Henner: Auch während wir etwas leisten. Drucken, während wir schreiben.
Chris: Ja, und Microsoft hat natürlich auch das Internet nicht erfunden und auch keine
Chris: wesentlichen Internet-Technologien wie den Browser oder die E-Mail oder sowas.
Chris: Aber Windows 95 war trotzdem für viele Menschen der Einstiegspunkt ins Internet.
Chris: Und das nicht zuletzt durch die konsequente Integration von Web-Technologien
Chris: in das Betriebssystem, wie den Browser, wie das E-Mail-Programm.
Chris: Und das hat diesen ganzen Zugang erleichtert.
Henner: Aber Christian, das Allerwichtigste ist natürlich das Thema Gaming.
Henner: Das Allerwichtigste ist, dass Windows 95 auch mithilfe von DirectX und mit dem
Henner: vereinheitlichten Treibermodell den PC zur besten Spieleplattform der Welt gemacht hat.
Henner: Es ist gut, dass Fabian nicht hier ist, der würde uns wahrscheinlich widersprechen,
Henner: aber ich denke, so ist es.
Henner: Und genauso habe ich es auch Alex St. John in unserem Gespräch gesagt.
Henner: Ich habe ihm persönlich dafür gedankt, dass er den PC gerettet und zur besten
Henner: Spieleplattform der Welt gemacht hat.
Henner: Ich glaube, sein Ego hatte dieses Lob nicht nötig. Das ist auch so groß genug.
Henner: Aber ich glaube, es ist nicht ganz übertrieben.
Chris: Wer weiß, wie oft er das schon gehört hat. Da hat er sich bestimmt gebauchpinselnd gefühlt.
Henner: Ja, klar.
Chris: Aber ja, ja, klar. Windows 95 ist das Windows, das DOS abgelöst hat.
Chris: Das trotz diverser Versuche vorher. Wir hatten es ja beschrieben.
Chris: Und da ist es dann endlich gelungen.
Chris: Ja, und vielleicht auch nicht zuletzt. Windows 95 hat uns dabei geholfen,
Chris: die Stabilität des späteren Windows XP umso mehr zu schätzen.
Henner: Ja, und du hast es ja schon angeteasert. Das ist ein Thema für die nächste Stay
Henner: Forever Technik Windows-Folge, die irgendwann mal erscheint und da behandeln
Henner: wir dann 2000 und XP und den ganzen NT-Strangen.
Henner: Und Minesweeper können wir dabei auch noch mal erwähnen, denn das war, glaube ich, auch dabei.
Chris: Ja, wie gesagt, das muss jetzt ja, das ist das neue Windows-Maskottchen. Minesweeper.
Henner: Ja, genau.
Chris: Sehr schön. Henna, ja, dann herzlichen Dank für diese Reise durch Windows 95,
Chris: 98 und ME. Vielen Dank für die Recherche und euch da draußen.
Chris: Ganz herzlichen Dank fürs Zuhören.
Henner: Ich danke auch dir natürlich und auch meinen Gesprächspartnern.
Henner: Und bis zum nächsten Mal.
Chris: Tschüss.