Gespräche über alte Spiele
Henner: Hallo liebe Hörerinnen und Hörer und moin Christian.
Chris: Moin Henna, hallo zusammen.
Henner: Christian, wir sprechen jetzt schon so lange über alte Technik,
Henner: aber wir haben noch nie die wichtigste Frage erörtert, nämlich,
Henner: welcher ist eigentlich der schönste klassische Computer?
Henner: Hast du eine Meinung dazu?
Chris: Oh, das ist schon wieder eine sehr schwierige Frage, aber wenn ich jetzt spontan
Chris: die in meinem Kopf durchgehe, dann würde ich fast sagen, der Amiga.
Henner: Wirklich?
Chris: Ja.
Henner: Oh, okay. Ich meine jetzt auch nicht die Grafik, die er darstellen kann, sondern das Gehäuse.
Chris: Nee, nee, schon klar. Du meinst das Gerät.
Henner: Ja, ja.
Chris: Ja, doch. Ich finde den Amiga in seiner Schnittigkeit und seiner Farbe,
Chris: finde ich eigentlich ein ganz hübsches Gerät. Ich spreche ja in völliger Unkenntnis.
Chris: Man weiß ja, dass ich jetzt nie an einem Amiga gesessen bin damals, aber...
Chris: Gerade vielleicht deswegen himmle ich seine Schönheit, seine entrückte Schönheit von Ferne an.
Henner: Okay, etwas überraschend.
Chris: Also, das klingt jetzt aber schon ein bisschen judgy.
Henner: Ja, also der hat so eine seltsame Keilform. Ich war nie ein großer Fan seines
Henner: Designs, muss ich sagen. Aber ich bin natürlich auch ein bisschen Atari geprägt.
Henner: Ich mag den ST ästhetisch etwas lieber. Vor allem den alten,
Henner: den 520er. Der hat ein sehr schmales Design. Das gefällt mir gut, sehr schlank.
Henner: Ich liebe das Design des Philips VG8010. 8010, das ist so ein MSX-Computer.
Chris: Das hat jetzt überhaupt niemand ein Bild vom Kopf. Das ist jetzt einfach irgendein
Chris: Exoten so aus dem Beutel gezogen. Sehr gut.
Henner: Könnt ihr euch ja angucken in den Kapitelbildern. Da gibt es ein schönes Bild
Henner: von dem. Könnt ihr lange bewundern. Das ist wirklich schön.
Henner: Aber es gibt noch einen weiteren Anwärter auf den Titel des schönsten Computers,
Henner: der besonders hervorsticht unter den ganzen beigefarbenen 8-Bit-Kisten aus den 80ern,
Henner: weil er nämlich nicht beigefarben ist, sondern schwarz-silbern und weil es kein
Henner: 8-Bit-Computer ist, sondern ein 16-Bitter und weil er schon in den 70ern rauskam.
Henner: Und wie wir gerade gehört haben, kann er auch noch sprechen.
Henner: Und über dieses sagenhafte Gerät sprechen wir heute. Das ist der Texas Instruments
Henner: Home Computer, der TI 99-4.
Chris: Sehr gut, da hast du ihn schon gut angepriesen. Da wäre Texas Instruments stolz auf dich.
Chris: Wir werden im Laufe der Geschichte feststellen, dass es darüber hinaus gar nicht
Chris: so viele Sachen gibt, die für dieses Gerät sprechen.
Chris: Das ist auch einer dieser Computer, mit mit denen vermutlich viele Leute,
Chris: die uns hier zuhören, gar keine persönliche Berührung hatten.
Chris: Nicht unbedingt, weil er nicht erfolgreich gewesen wäre, das war er durchaus,
Chris: auch das werden wir erzählen, sondern weil er, glaube ich, hier in Deutschland eher ein Exot war.
Henner: Ja, das stimmt. Mein Exemplar stammt auch aus Frankreich. Da schien er etwas
Henner: populärer gewesen zu sein.
Henner: Ja, aber dann erzählen wir doch mal, wie es dazu kam, dass Texas Instruments
Henner: überhaupt einen Computer gebaut hat und warum sie das heute nicht mehr tun.
Henner: Zumindest keine Heimcomputer.
Henner: Und dafür müssen wir mal zu den Wurzeln dieses Unternehmens zurück.
Henner: Wir gehen ja immer bei den Technikfolgen ganz zurück in den Anfang und diesmal liegt er im Jahr 1930.
Henner: Da gab es Texas Instruments noch gar nicht, da wurde aber der Vorgänger dieses
Henner: Unternehmens gegründet.
Henner: Da haben zwei ehemalige Mitarbeiter eines Ölkonzerns in Texas,
Henner: natürlich, da ist alles voller Öl und Ölkonzerne, zwei ehemalige Mitarbeiter
Henner: eines Ölkonzerns haben dort eine Firma gegründet, die Firma Geophysical Service Incorporated, GSI.
Henner: Die haben natürlich noch keine Computer verkauft, sondern, wie man das so macht,
Henner: in Texas ein Verfahren zur Erkundung von Erdöl und Gasvorkommen.
Henner: Das haben sie entwickelt.
Henner: Das funktionierte mit seismischen Wellen. Da wird also quasi ein kräftiger Schlag
Henner: auf den Boden erzeugt, zum Beispiel durch eine Explosion.
Henner: Und die Reflexion, die Wellen, die dadurch entstehen, die werden gemessen.
Henner: Und so erkennt man dann, was da unter der Erde sich wohl für Schätze verbergen.
Henner: Das ist eine damals sehr revolutionäre, eine sehr erfolgreiche Technik und die
Henner: bewährt sich später auch noch im Zweiten Weltkrieg bei einem ganz anderen Einsatzzweck,
Henner: bei der Ortung von feindlichen U-Booten.
Henner: Und diese Firma GSI, die entwickelt sich natürlich immer weiter und gründet
Henner: 1946 eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung für elektronische Komponenten.
Henner: Und die wiederum wird ausgegründet, also zu einem separaten eigenständigen Unternehmen im Jahr 1951.
Henner: Und das ist die Geburtsstunde von Texas Instruments, kurz TI oder TI,
Henner: wie auch immer man möchte.
Henner: Und die heißt natürlich so, weil sie in Texas beheimatet ist, in Dallas.
Henner: Und in den folgenden Jahren entwickelt sich TI dann etwas weg vom Mutterkonzern
Henner: und hin zum weltweit führenden Hersteller von Halbleitern. Wie kam das denn dazu?
Chris: Ja, vor allen Dingen wegen zweier Durchbrüche. Der erste passiert nicht bei
Chris: Texas Instruments, sondern in den Bell Labs in den USA im Jahr 1947.
Chris: Dort nämlich entsteht der erste Transistor, der erste lauffähige Transistor
Chris: auf Basis von Germanium.
Chris: Und 1954 folgt am gleichen Ort, also bei den Bell Labs, dann auch die Weiterentwicklung
Chris: dieses Transistors zu der Form, die wir dann heute kennen, nämlich der viel
Chris: flexibler einsetzbare und effizientere Silizium-basierte Transistor.
Chris: Und Physiker, die dort bei Bell arbeiten, werden dann abgeworben von Texas Instruments.
Chris: Und ein paar Monate später entsteht dann bei Texas Instruments auch so ein Bauteil.
Chris: Also die beginnen auch mit diesen Transistoren.
Chris: 1958 kommt dann der zweite Durchbruch und der ist jetzt tatsächlich bei Texas Instruments.
Chris: Ein Ingenieur namens Jack Kilby, der entwickelt dort nämlich den integrierten
Chris: Schaltkreis, der alle Schaltkreiskomponenten auf einem einzigen Stück Halbleitermaterial unterbringt.
Chris: Und das ist die Schlüsseltechnologie der modernen Mikroelektronik.
Chris: Das sind, wenn ihr euch ein altes Mainboard vorstellt, da sind ja jede Menge
Chris: so schwarze Riegel drauf, so Plastikriegel mit Metallbeinchen.
Chris: Und das sind integrierte Schaltkreise. Und die stammen eben von Texas Instruments.
Chris: Und dank diesen integrierten Schaltkreisen wird jetzt auch der moderne Computer
Chris: möglich. Das ist vorher eher ein experimentelles Ding.
Chris: Und jetzt wird es zum marktwähigen Produkt.
Chris: Und das eben auf Basis von Technologie von Texas Instruments.
Henner: Ja, was jetzt ansteht, ist natürlich die Computerrevolution.
Henner: Erst in den Unternehmen und den Forschungseinrichtungen und dann nach und nach,
Henner: so ab den 70er Jahren, auch in kleineren Büros.
Henner: Und zu Hause die Heimcomputerrevolution oder die PC-Revolution steht an.
Henner: Und da wird Texas Instruments ein Teil davon.
Henner: Die werden davon profitieren. Aber selbst wenn sie nie eigene Computer entwickelt
Henner: hätten, dann hätten sie von dieser Revolution profitiert, weil sehr viele Computerhersteller
Henner: ihre elektronischen Bauteile von Texas Instruments beziehen.
Henner: Das heißt, wenn man Ende der 70er, Anfang der 80er einen beliebigen Rechner
Henner: aufgemacht hat, dann sah man auf den Platinen viele von diesen kleinen schwarzen
Henner: Riegeln und Bauteilen, die du beschrieben hast.
Henner: Die haben in der Regel ja Modellnummern aufgedruckt und die beginnen damals
Henner: sehr oft mit dem Buchstabenkürzel SN.
Henner: Und das ist ein Kürzel, das typisch ist für Texas Instruments.
Henner: Das heißt, daran erkennt man in der Regel einen Chip, der von TI stammt.
Henner: Also egal, ob man in einen Apple II reingeguckt hat oder in einen TRS-80 von
Henner: Tandy oder einen Commodore VC20 etwas später, dann waren auf dem Mainboard so
Henner: gut wie immer einige von diesen SN-Chips aus dem Hause Texas Instruments.
Henner: Aber das reicht denen nicht. Die wollen nicht nur Zulieferer sein,
Henner: sondern sie steigen dann auch selbst in die Entwicklung von Computern ein.
Henner: Das beginnt in den 50er Jahren schon bei der Mutterfirma bei GSI.
Chris: Die entwickeln nämlich bereits hochspezialisierte Rechner für ihre eigenen Einsatzzwecke,
Chris: nämlich für die Verarbeitung von seismischen Daten, aber auch tatsächlich nur
Chris: für den Inhouse-Gebrauch bei GSI. Das ist also jetzt nichts,
Chris: was kommerziell vermarktet würde.
Chris: Das ändert sich dann 1970 bei eben der ausgekoppelten Tochterfirma bei Texas
Chris: Instruments, denn die stellen jetzt ihren ersten eigenen Minicomputer vor.
Chris: Der hat die Modellnummer TI 960.
Chris: Wir sind da ja in der Ära der Großrechner, der Mainframes. Das sind diese raumfüllenden
Chris: Computer und ein Minicomputer ist davon schon abgegrenzt ein Computer,
Chris: der jetzt nicht mehr den ganzen Raum füllt, sondern nur noch so groß ist wie ein Schrank.
Chris: Ja, das geht damals schon als Mini durch.
Chris: Und dieser TI 960, der ist auch speziell entwickelt und gedacht für die Erfassung
Chris: von Messwerten und die Steuerung von zum Beispiel Industrieanlagen.
Chris: Also der kann nicht beliebige Daten verarbeiten, der basiert auch noch nicht
Chris: auf einem Mikroprozessor, das ist zu der Zeit noch gar nicht erfunden,
Chris: aber dennoch, es ist ein Computer.
Chris: Warum geht TI überhaupt jetzt Anfang der 70er in diesen Bereich rein?
Chris: Naja, Computer sind da jetzt schon ein etablierter Markt.
Chris: Diese von mir gerade schon erwähnten Großcomputer, die für den Einsatz in Firmen
Chris: oder Organisationen oder in Universitäten gedacht sind, die sind da schon ein
Chris: Massenprodukt. Das erfolgreichste Modell damals ist IBMs System 360.
Chris: Das hat zu dem Zeitpunkt schon 30.000 Stück verkauft.
Chris: Und einer der bekannten Konkurrenten von IBM ist ja die Firma DEC damals,
Chris: die mit den PDP-Rechnern, deren Topmodell zu dem Zeitpunkt ist der PDP 10,
Chris: der hat auch schon mehr als 1000 Stück verkauft.
Chris: Das ist also kein Nischenmarkt mehr, in den Texas Instruments da den C reinsteckt,
Chris: sondern das ist schon Big Business, natürlich noch nicht für Heimanwender,
Chris: sondern eben für Firmen und Organisationen.
Chris: Auch dieser TI 960, den sie da auf den Markt bringen, der kostet bei seiner
Chris: Markteinführung 14.500 Dollar.
Chris: Heute inflationsbereinigt wären das ungefähr 125.000 Dollar.
Chris: Also das ist nichts, was du dir zu Hause in den Keller stellst.
Chris: Aber es ist der erste Schritt auf diesen 960. Folgen dann in den frühen 70er
Chris: Jahren auch weitere Modelle 980, 990. Da geht dann einfach die Nummerierung so weiter.
Chris: Aber das ist jetzt noch kein Angriff auf die Großen da im Markt.
Chris: Also auf solche Firmen wie DEC oder HP oder Data General. Und.
Chris: Texas Instruments bleibt da ein Nischenanbieter, spezialisiert eben auf diese
Chris: industriellen und wissenschaftlichen Anwendungen, jetzt nicht auf den breiten
Chris: Einsatz, weil das Hauptgeschäft ist ohnehin nicht der Endkundenmarkt.
Chris: Die Firma ist nach wie vor primär ein Lieferant von Bauteilen und Komponenten
Chris: für andere Firmen, also Speicherchips, Transistoren, Logikbausteine.
Chris: Aber das wird nicht mehr lang dauern, bis Texas Instruments dann tatsächlich
Chris: auch in Richtung des Endkundenmarkts sich bewegt.
Henner: Das passiert zu Beginn der 70er Jahre. Du hast ja gerade den 990 genannt,
Henner: den Texas Instruments Minicomputer TI 990. Der wird noch wichtig.
Henner: Wir sprechen ja eigentlich nicht über Minicomputer heute, aber auf dieses Modell
Henner: 990 kommen wir nochmal zurück.
Henner: Aber diese integrierten Schaltkreise, die sind ja nicht nur für solche Minicomputer
Henner: oder Großrechner zu gebrauchen, sondern auch
Henner: durch ihre Kompaktheit und dadurch, dass man sie sehr günstig herstellen kann,
Henner: auch für wesentlich kleinere Produkte und damit auch, wie du es schon gesagt
Henner: hast, vielleicht sogar für Endanwenderprodukte.
Henner: Und so etwas entsteht jetzt auch bei Texas Instruments, nämlich der Miterfinder
Henner: der integrierten Schaltkreise, Jack Kilby,
Henner: der entwickelt 1967 im Labor bei Texas Instruments den Prototyp eines Produkts,
Henner: das darauf basiert, eine kleine Rechenmaschine.
Henner: Eine sehr kompakte Rechenmaschine namens Caltech. Und das ist nicht weniger
Henner: als der erste Taschenrechner.
Henner: Sieht auch ein bisschen anders aus als heutige Taschenrechner.
Henner: Hat nämlich kein LC-Display, nicht mal ein LED-Display. Der hat überhaupt kein
Henner: Display, der hat keine Anzeige.
Chris: Braucht man doch nicht.
Henner: Nö, braucht der tatsächlich nicht, denn der ergibt seine Ergebnisse einfach
Henner: über einen kleinen integrierten Drucker aus.
Chris: Schön, wie so eine Kasse, eine Registrierkasse.
Henner: Ja, genau, so stelle ich mir das vor. Habe ich leider nicht in meiner Sammlung,
Henner: aber ein hübsches kleines Gerät und das wird aber gar nicht vermarktet.
Henner: Also das ist noch nicht der Einstieg in den Massenmarkt, den wir angekündigt
Henner: haben, denn nach wie vor traut sich Texas Instruments da nicht so richtig rein,
Henner: hier auch Endkunden anzusprechen.
Henner: Das verlangt ja auch nach einem anderen Vertriebsnetz, nach Marketing und so weiter.
Henner: Aber andere Hersteller erkennen das Potenzial, das in dieser Technik steckt,
Henner: in diesem Caltech-Prototyp.
Henner: Und andere Hersteller wie Canon zum Beispiel entwickeln jetzt auf der Basis
Henner: von Texas Instruments auf dieser Erfindung des Taschenrechners eigene Geräte,
Henner: die sie auf den Markt bringen.
Henner: Und das erste Modell, das auf den Endkundenmarkt kommt mit Technik von TI,
Henner: ist der Canon Pocketronic von 1970.
Henner: Der ist ein großer Erfolg. Da drängen natürlich viele andere Hersteller auch
Henner: auf diesen Markt der Taschenrechner.
Henner: Und 1972 will TI sich dieses Geschäft nicht mehr entgehen lassen und bringt
Henner: dann auch ein eigenes Modell auf den Markt. Also will nicht nur Bauteillieferant
Henner: sein, nicht mehr weiter.
Henner: Und dieses erste eigene Texas Instruments Taschenrechner Modell ist der TI 2500 Data Math.
Henner: Der kommt zwar ein bisschen später als die Konkurrenz, aber seine Bedeutung
Henner: ist kaum zu überschätzen, denn das ist jetzt endlich der Einstieg von TI in
Henner: den Endkunden-Massenmarkt.
Henner: Und es ist auch ein großer Kassenschlager, ein großer Erfolg für das Unternehmen.
Henner: Innerhalb des ersten Jahres verkaufen die schon ungefähr drei Millionen Stück,
Henner: und im Jahr darauf werden es mitsamt der diversen Nachfolgemodelle,
Henner: die dann in schneller Folge auf den Markt kommen, schon mehr als zehn Millionen Stück sein.
Henner: Wie machen sie das jetzt? Die
Henner: haben einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, denn Canon und Co.
Henner: Müssen ja ihre Bauteile bei TI einkaufen oder auch bald bei anderen Herstellern
Henner: von diesen Elektronik-Komponenten.
Henner: Texas Instruments muss das nicht. Die haben ja schließlich ihre Fertigung und
Henner: ihre Entwicklung im Haus. Die sind also, so sagt man, vertikal integriert.
Henner: Von ganz unten bis ganz oben liefern sie alle Teile selbst, die sie brauchen,
Henner: um einen Taschenrechner auf den Markt zu bringen.
Henner: Und damit sind sie unschlagbar günstig. Das heißt, die können einfach die Preise
Henner: der anderen unterbieten.
Henner: Und so werden nach und nach verschiedene Mitbewerber aus dem Markt gedrängt.
Henner: Zum Beispiel ein Name, den wir schon mal gehört haben hier, das eine oder andere Markt, Commodore.
Henner: Die sind ja auch damals recht groß im Taschenrechnergeschäft.
Henner: Die werden aber aus eben diesem Markt rausgedrängt von Texas Instruments.
Henner: Das werden die übrigens nicht vergessen. Darauf kommen wir nochmal zu sprechen.
Henner: Und andere wie ein Taschenrechner-Pionier namens BOMAR Industries,
Henner: die kennt man heute gar nicht mehr, die werden sogar komplett durch dieses Geschäftsgebaren
Henner: von TI in den Bankrott getrieben.
Henner: TI hingegen profitiert stark von diesem Taschenrechner-Boom und im Jahr 72 überschreiten
Henner: sie erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Dollar.
Henner: Aber noch viel wichtiger als der Data Math selber ist das, was da drin steckt
Henner: in diesem Gerät. Was ist denn da drin?
Chris: Ja, da ist ein Mikrochip drin. Tatsächlich auch nur dieser eine,
Chris: der hat die Bezeichnung TMS0100.
Chris: Und der enthält nicht nur den 4-Bit-Rechenkern, sondern da sind auch alle anderen
Chris: Bestandteile integriert. ROM, RAM, Eingabe-Ausgabe-Funktion.
Chris: Das ist ein kompletter Taschenrechner in einem einzigen Chip.
Chris: Man könnte jetzt sagen, ist das nicht schon ein Mikroprozessor?
Chris: Aber nee, das ist das noch nicht, sondern das ist ein sogenannter Mikrocontroller.
Chris: Der Unterschied ist, ein Mikroprozessor muss wirklich frei programmierbar sein,
Chris: also unabhängig von dem, was die Entwickler des Chips vorgesehen haben.
Chris: Und bei einem Microcontroller ist die Aufgabe festgelegt. In diesem Fall kann
Chris: dieser TMS 0100 halt einfach nur die Funktionen dieses Taschenrechners.
Chris: Der erste Mikroprozessor, der diesen Namen verdient, ist der Intel 4004 von
Chris: 1971, der ebenfalls noch ein 4-Bit-Rechner ist.
Henner: Zumindest ist das der erste, der frei erhältlich ist auf dem Markt.
Henner: Wer nun wirklich den ersten Mikroprozessor erfunden hat, das ist so ein bisschen
Henner: umstritten. Seit einigen Jahrzehnten streiten da die Historiker,
Henner: da gibt es verschiedene Ansichten.
Henner: Aber dieses Intel-Modell 4004, das ist das Erste, das frei separat erhältlich war.
Chris: Also der TMS 0100 ist es noch nicht, auf jeden Fall, da können wir gar nicht
Chris: sicher sein, aber auch die nachfolgenden Modelle sind es noch nicht.
Chris: 1974 kommt dann der TMS 1000, das ist auch immer noch ein Mikrocontroller,
Chris: der ist schon deutlich flexibler, aber eben noch nicht flexibel genug,
Chris: um als Prozessor durchzugehen und vor allen Dingen wird der
Chris: überwiegend erneut in Taschenrechnern eingesetzt, zum Beispiel auch in dem Modell
Chris: SR10, das ist der weltweit erste wissenschaftliche Taschenrechner.
Chris: Der ist aber auch für andere Geräte geeignet und andere Hersteller bringen den
Chris: durchaus auch in Anwendungsfälle.
Chris: Parker zum Beispiel, dieser Spielzeughersteller, der amerikanische,
Chris: der bringt 1978 einen Spielehandheld namens Merlin auf den Markt.
Chris: Das basiert auf LED-Lampen und da ist eben dieser TMS 1000 von TI drin als Rechenkern.
Chris: Damit lässt sich sowas wie Tic-Tac-Toe spielen zum Beispiel. Und MB,
Chris: natürlich auch ein bekannter Spielzeughersteller, die haben im gleichen Jahr
Chris: einen riesigen Hit mit dem Gedächtnisspiel Simon, das kennt man hierzulande
Chris: als Senso und auch da drin steckt dieser Chip von Texas Instruments oder Coleco,
Chris: noch so ein Spielzeughersteller,
Chris: die haben eine Reihe namens Quizwiz
Chris: und da steckt er drin auch in Kassensystemen, in Mikrowellen,
Chris: in Waschmaschinen, also in allen möglichen Dingen.
Chris: Denn für Texas Instruments ist das dementsprechend wieder ein Verkaufsschlager,
Chris: dieser Chip. Und das ist natürlich eigentlich die ideale Konstellation.
Chris: Das ist ein Chip, den sie in großer Menge herstellen. Damit natürlich mit den
Chris: entsprechenden Skaleneffekten, die du hast bei so einer Massenherstellung.
Chris: Und du verwendest ihn sowohl in deinen eigenen Produkten als auch da draußen im freien Markt.
Henner: Ja, und jetzt setzen sie ihn auch ein in einem eigenen Produkt,
Henner: das große Wellen schlägt.
Henner: 1978, da bringen sie nämlich ein Spielzeug auf den Markt.
Henner: Ein elektronisches Lernspielzeug namens Speak & Spell.
Henner: Und das nutzt eine revolutionäre Methode der Sprachsynthese.
Henner: Das heißt, das kann beliebige Buchstaben und sogar ganze Wörter ausgeben, die man eintippt.
Henner: Und das ist ein sehr großer Erfolg. Dieses Speak & Spell, das gibt es in zahllosen
Henner: Varianten viele, viele Jahre lang bis ins Jahr 1992.
Henner: Wurde vor kurzem übrigens, also im Jahr 2019, nochmal wiederbelebt.
Henner: Gibt es also heute wieder.
Henner: Und ja, das ist, wie gesagt, ein großer Erfolg, insbesondere auf dem US-amerikanischen Markt.
Henner: So groß, dass ein US-Magazin damals namens On Computing dieses Spielzeug im
Henner: Dezember 79 bezeichnet hat als eines der besten Beispiele dafür,
Henner: was die Mikrocomputerindustrie zu leisten vermag.
Chris: Starke Worte.
Henner: Ja, in der Tat. Nun, also TI hat mit seinen Mikrocontrollern und den Produkten,
Henner: die darauf basieren, großen Erfolg.
Henner: Aber das sind ja, wie wir es beschrieben haben, nach wie vor Mikrocontroller.
Henner: Es sind keine komplett frei programmierbaren, beliebig einsetzbaren Mikroprozessoren
Henner: und bei denen drohen jetzt andere Hersteller zu enteilen.
Henner: Das ist natürlich Intel, die haben ja 1971 den 4004 rausgebracht,
Henner: aber dabei bleibt es nicht.
Henner: 1972 kommt bei Intel schon der 8008, das ist wenig überraschend ein 8-Bit-Prozessor.
Henner: Dann kommt der 8080, dann der 8085 und später kommt dann der 8086,
Henner: von dem habt ihr vielleicht schon mal gehört, denn dessen Derivate stecken ja dann in den IBM-PCs.
Henner: Aber so weit sind wir noch nicht. Erstmal sind wir hier noch in der 8-Bit-Ära
Henner: und da kommen noch diverse Nachahmer auf den Markt.
Henner: 1975 kommt der MOS Technology 6502, der steckt unter anderem später im C64.
Henner: 1976 der C-Log Z80, beide extrem erfolgreich und die stecken in jedem zweiten
Henner: Gerät der frühen 80er Jahre.
Henner: Also die Konkurrenz droht hier wirklich Texas Instruments zu enteilen mit ihren
Henner: richtigen 8-Bit-Mikroprozessoren und TI muss langsam mal handeln. Was tun sie jetzt?
Chris: Die machen jetzt was wirklich Überraschendes aus meiner Perspektive.
Chris: Die sagen sich jetzt nämlich hier in diesem Jahr 1976, wisst ihr was,
Chris: diese ganzen 8-Bit-CPUs, da steigen wir gar nicht erst ein in diesen Markt.
Chris: Wir überspringen den einfach. Wir sind gleich Next-Gen.
Chris: Wenn wir einen Mikroprozessor bauen, dann wird es direkt ein 16-Bit-Chip.
Chris: Und das ist einigermaßen erstaunlich, denn zu dem Zeitpunkt,
Chris: 76, da hat die Ära der 8-Bit-Heimcomputer ja noch nicht mal begonnen.
Chris: Also diese ganzen frühen Erfolgsmodelle, die diesen Markt überhaupt erst aufschließen,
Chris: der Apple II, der TRS-80, der Commodore PET, die kommen ja erst 1977 auf den Markt.
Chris: Und ganz zu schweigen von den Atari-8-Bit-Computern oder vom C64,
Chris: das sind dann ja die Boom-Heimcomputer der 80er, alles 8-Bit-Computer.
Chris: Und jetzt ist das 1976 vielleicht noch gar nicht abzusehen, welche Größe und
Chris: Entwicklung der Heimcomputermarkt da nimmt.
Chris: Und vor allen Dingen kommt diese Idee, gleich auf 16-Bit zu gehen,
Chris: jetzt auch nicht von ungefähr, das ist jetzt nicht vom Himmel gefallen oder
Chris: das ist nicht Hybris von Texas Instruments, sondern das ist einigermaßen pragmatisch.
Chris: Das kommt sozusagen aus dem Bestand, weil wir erinnern uns, Texas Instruments
Chris: fertigt ja nun seit einigen Jahren auch Minicomputer.
Chris: Und das aktuellste Modell von Texas Instruments zu der Zeit ist der schon erwähnte
Chris: TI 990. Und das ist ein 16-Bit-Computer.
Chris: Der ist jetzt inzwischen nicht mehr so groß wie ein Schrank,
Chris: sondern nur noch so groß wie eine Kommode oder so ein größerer Nachttisch.
Chris: Und in dem steckt auch noch kein Mikroprozessor, sondern dessen Rechenkern ist
Chris: aus integrierten Schaltkreisen aufgebaut, die auf zwei Platinen verteilt sind,
Chris: also quasi zwei große Mainboards.
Chris: Und was die TI-Ingenieure jetzt machen, ist, die nehmen die Architektur dieses
Chris: Minicomputers, dieses TI-990 und integrieren die auf einen einzigen Chip.
Chris: Der nennt sich TMS-9900.
Chris: Und dass da alles, was vorher auf diesen zwei Platinen war, als einzelne Bauteile,
Chris: jetzt in einem einzelnen Chip steckt, das ist für das Jahr 1976 eine bemerkenswerte
Chris: architektonische Leistung.
Chris: Ist nicht ganz die erste ihrer Art, aber trotzdem ein ganz bedeutsamer Schritt.
Chris: Und ja, weil der TI 990 ein 16-Bit-Rechner ist, ist natürlich auch dieser Mikroprozessor,
Chris: der TMS 9900, ein 16-Bit-Mikroprozessor.
Henner: Nicht unbedingt einer, der für Heimcomputer gedacht wäre.
Henner: Ob er trotzdem vielleicht in einem Heimcomputer landen wird,
Henner: das erfahren wir noch im Laufe dieser Geschichte.
Henner: Der Vollständigkeit halber sei aber nochmal gesagt, dass TI diese 8-Bit-Generation
Henner: nicht vollständig auslässt.
Henner: Sie bauen durchaus auch einige 8-Bit-Prozessoren.
Henner: Die allermeisten davon sind aber etwas spezialisiertere Modelle.
Henner: Das sind OEM-Produkte für bestimmte andere Hersteller und keine Chips für den freien Markt.
Henner: Und sie bauen auch einen Klon des Intel 8080, aber der ist eben auch keine Eigenentwicklung.
Henner: Also einen richtigen, eigenentwickelten, vollwertigen Gegner für so einen Prozessor
Henner: wie den Z80 haben sie nicht im Sortiment.
Henner: Aber sie haben jetzt ihren 16-Bit-Prozessor, den 9900er und mit dem planen sie Großes.
Henner: Das Ziel ist eine gemeinsame Hardwarebasis innerhalb des gesamten Produktportfolios bei TI zu schaffen.
Henner: Sie wollen überall die Software oder zumindest mit leichten Anpassungen die
Henner: Software, die Betriebssysteme der großen TI 990 Minicomputer nutzen können.
Henner: Egal, ob das ein kleines Heimelektronikgerät ist oder ein Minicomputer oder
Henner: was Großes, eine militärische Verteidigungsanlage.
Henner: Alle sollen in großen Teilen zumindest die gleiche Software nutzen können.
Henner: Und das funktioniert natürlich nur, wenn sie alle auch die gleiche Architektur
Henner: verwenden, den gleichen Befehlssatz, den gleichen Prozessor.
Henner: Und das ist das große Ziel dieses 9900ers, diese große Vereinheitlichung.
Henner: Aber daraus wird nicht so richtig was. Das ist kein großer Wurf, dieser Prozessor.
Henner: Einige entscheidende Hardware-Elemente des Minicomputers, des TI 990,
Henner: werden nicht implementiert, werden nicht in dem Prozessor übernommen und es
Henner: fehlen ihm auch einige Instruktionen.
Henner: Das heißt, der kann gar nicht eins zu eins dieselbe Software nutzen wie das große Vorbild.
Henner: Aber er hat noch einige weitere Probleme leider. Sein Design,
Henner: seine Chip-Architektur hat ein paar Schwächen.
Henner: Und jetzt, Christian, jetzt müssen wir mal ein bisschen ins Detail gehen,
Henner: denn diese Schwächen, die begleiten uns noch für den Rest dieser ganzen Geschichte.
Henner: Die prägen vielleicht sogar den Computer, über den wir sprechen wollen.
Henner: Fangen wir an beim Adressraum. Es ist eine 16-Bit-CPU. Das ist beeindruckend
Henner: für die Ära, in der er entsteht.
Henner: Aber leider ist auch sein Adressbus für Speicherzugriffe nur 16-Bit breit.
Henner: Und damit kann er maximal 2 hoch 16 Bytes, sprich 64 Kilobyte Speicher adressieren.
Henner: Also mit maximal 64 Kilobyte Speicher umgehen, egal ob das Arbeitsspeicher ist oder ROM-Chips.
Henner: Mehr Speicheradressen hat er einfach nicht. Das ist nicht zukunftssicher.
Henner: Eine Intel 8088, der hat einen 20-Bit-Adressbus. Das reicht für ein Megabyte.
Henner: Damit kommt man gut durch die 80er Jahre.
Henner: Mit einem 9900er nicht.
Henner: Und das ist nicht das einzige Problem, denn seine ganze interne Speicherarchitektur
Henner: ist sehr, sehr eigenwillig, denn im Gegensatz zu seinen Konkurrenten damals,
Henner: egal ob die von Intel stammen oder von MOS Technology oder von Psylocke,
Henner: hat der einen großen Nachteil dieser 9.900, er hat keine internen Hardware-Register.
Henner: Und das müssen wir jetzt einmal erklären. Was ist das überhaupt?
Henner: Was bedeutet das, wenn man keine Register hat?
Chris: Das ist im Endeffekt das Kurzzeitgedächtnis des Prozessors.
Chris: So ein Prozessor arbeitet ja zumindest zu dieser Zeit einfach noch linear die
Chris: Dinge ab, die in ihn reingeschoben werden.
Chris: Und die Arbeitsschritte sind teilweise in mehrere Teilschritte unterteilt.
Chris: Da fallen Zwischenergebnisse an. Da muss sich so ein Prozessor Operanten,
Chris: Adressen merken. Das heißt, der braucht eine Art integrierten Zwischensprecher,
Chris: wo man mal kurz was ablegen kann, was dann in einem der nächsten Taktzyklen
Chris: wieder gebraucht wird, um da direkt weiterzuarbeiten.
Chris: Und weil das so wichtig ist, ist das auch in anderen CPUs dieser Zeit fest drin.
Chris: Also in dem MOS Technologies 6502, der im C64 steigt, oder im 8088 im IBM PC,
Chris: da sind diese Hardware-Register auf dem Chip im Silizium implementiert.
Chris: Der 8088 zum Beispiel hat acht frei nutzbare 16-Bit-Register und dazu noch ein
Chris: paar Spezialregister für eben diese ganzen Zwischenablagen.
Chris: Und das heißt, der Prozessor kann innerhalb von wenigen Taktzieklen da immer
Chris: zugreifen auf das, was in den Registern liegt, das da reinschreiben,
Chris: rauslesen und das beschleunigt die Operationen enorm. Denn die Alternative wäre,
Chris: und das sehen wir jetzt eben beim TMS 9900.
Chris: Der muss auch irgendwo zwischenspeichern, diese Sachen. Das geht bei dem auch nicht ohne.
Chris: Aber die einzige Möglichkeit, die er hat, ist dann halt den Hauptspeicher des
Chris: Rechners zu benutzen, also das RAM.
Chris: Und das ist im Vergleich dazu lahm. Das ins RAM auszulagern,
Chris: dort dann wieder abzufragen, das dauert einfach viel länger für die CPU.
Chris: Dieses Prinzip dieses integrierten Speichers, das hat schon auch einen Nachteil,
Chris: der zeigt sich vor allem dann, wenn ein sogenannter Kontextwechsel stattfindet, also wenn die CPU,
Chris: von einem Ausführungszustand auf einen anderen umschalten muss.
Chris: Das kann zum Beispiel sein, dass zwischen Programmen gewechselt wird oder dass
Chris: innerhalb des selben Programms zwischen zwei sehr verschiedenen Operationen gewechselt wird.
Chris: Wenn zum Beispiel eingehende Signale vom Controller kommen, sogenannte Interrupts.
Chris: Und Interrupts heißen ja auch so, weil sie das unterbrechen,
Chris: was die CPU eigentlich gerade tut und stattdessen etwas anderes von ihr anfordern.
Chris: Und solche Kontextwechsel sind relativ aufwendig. Die CPU muss dann die betroffenen
Chris: Registerinhalte erstmal im RAM sichern, muss neue Inhalte laden und dann die
Chris: vorherigen Registerinhalte wiederherstellen, wenn es an der Zeit ist,
Chris: an denen weiterzuarbeiten.
Chris: So ein Kontextwechsel kostet also Zeit.
Henner: So arbeitet also der Prozessor z.B. im C64 oder im IBM PC.
Henner: Der 9900, der geht jetzt einen anderen Weg. Der hat eben kaum interne Hardware-Register,
Henner: keine Arbeitsregister. Der hat auch welche, drei Hardware-Register,
Henner: aber nur für Spezialaufgaben, nicht für die Operatoren, nicht zum Arbeiten.
Henner: Und einer von diesen Hardware-Registern ist der sogenannte Workspace-Pointer. Der ist wichtig.
Henner: Für die Rechenarbeit, also für das, woran der Prozessor gerade arbeitet,
Henner: sind diese Register eben nicht gedacht.
Henner: Die eigentlichen 16 Arbeitsregister mit den Programmdaten, die sind ausgelagert
Henner: in den Arbeitsspeicher und die liegen in einem eigenen Block im Arbeitsspeicher,
Henner: dem sogenannten Workspace, also dem Arbeitsraum.
Henner: Und der Workspace-Pointer innerhalb der CPU, der verweist einfach nur auf diesen
Henner: Workspace im Arbeitsspeicher.
Henner: Und davon kann er gleich mehrere parallel verarbeiten. Das heißt,
Henner: der Vorteil ist, wenn jetzt so ein Kontextwechsel kommt, also plötzlich eine
Henner: neue Aufgabe für die CPU, dann muss dieser Workspace-Pointer nur auf einen anderen
Henner: Speicherbereich verweisen, also ein anderes Register-Set auswählen.
Henner: Je nachdem, was durch die Software gerade verlangt wird, kann er also ganz schnell
Henner: zwischen verschiedenen Aufgaben umschalten.
Henner: Und dieses zeitraubende Sichern der Registerinhalte und Wiederherstellen in
Henner: den Hardware-Registern, das entfällt hier.
Henner: Das erlaubt also sehr schnelle Kontextwechsel beim Umschalten zwischen einzelnen
Henner: Programmen oder Operationen.
Henner: Das ist eine Struktur, die kommt von seiner Herkunft. Die begründet sich darin,
Henner: dass dieser TMS 9900 ja vom TI 990 abstammt.
Henner: Und bei einem Minicomputer ist sowas von Vorteil, denn solche Minicomputer,
Henner: die arbeiten sehr oft parallel an vielen Tasks gleichzeitig.
Henner: Also zum Beispiel, wenn sie bei der Steuerung von Fabrikanlagen eingesetzt werden,
Henner: wenn da ganz viele verschiedene einzelne Terminals angeschlossen sind,
Henner: wenn da ganz viele Messgeräte, Industrieanlagen,
Henner: Controller angeschlossen sind, die alle gleichzeitig was vom Computer wollen,
Henner: die ständig Interrupt-Befehle senden
Henner: und die eigentliche Arbeit unterbrechen und erstmal ihre eigenen Signale loswerden wollen.
Henner: Also einen Kontextwechsel auslösen.
Henner: Dann ist es sehr hilfreich, wenn man sehr schnell umschalten kann zwischen diesen einzelnen Aufgaben.
Henner: Dafür ist der Minicomputer gebaut, darauf ist er optimiert und das erbt jetzt dieser 9900.
Henner: Nur so ein typischer PC oder Mikrocomputer, ein Heimcomputer.
Henner: Hat völlig andere Aufgaben. Da wird nämlich in der Regel nicht ständig zwischen
Henner: solchen Prozessen umgeschaltet, wie bei einem Minicomputer in der Fabrik,
Henner: sondern der arbeitet in der Regel an einem einzelnen Programm.
Henner: Zum Beispiel mit dem Basic-Editor oder in einem Spiel oder in der Textverarbeitung.
Henner: Der braucht keinen ständigen Kontextwechsel.
Henner: Das heißt, wenn man diesen 9900er jetzt in einem typischen PC oder einem Heimcomputer
Henner: einsetzen würde, und vielleicht tut das ja noch jemand,
Henner: dann wäre jede einzelne Arbeitsoperation, also die eigentliche Registeroperation,
Henner: so langsam wie ein RAM-Zugriff, weil er eben jedes Mal darauf auf den langsamen
Henner: Arbeitsspeicher zugreifen muss.
Henner: Und falls sich jemand fragt, ja gibt es da nicht noch diese schnellen Zwischenspeicher
Henner: auf der CPU, dieses Cache?
Henner: Ja, heute gibt es die, damals gab es die leider noch nicht. Da gab es da nur
Henner: die Unterscheidung zwischen den schnellen internen Registern und dem ziemlich
Henner: langsamen Arbeitsspeicher.
Henner: Ja und das ist ein Problem. Das hat mir auch jemand bestätigt,
Henner: der das wissen muss, nämlich jemand, der sehr viel an dem 9900ern programmiert hat.
Henner: Paul Urbanus, das ist ein Spieleentwickler, der für den TI-994 unter anderem
Henner: eines der besten Spiele überhaupt entwickelt hat, nämlich Parsec,
Henner: dazu kommen wir später noch.
Henner: Und der hat mir in einem Interview das bestätigt, dass das eine Plage war,
Henner: mit diesem Prozessor zu arbeiten.
Henner: Der sagte, Zitat, die Anzahl der Taktzyklen für einfache Operationen war exzessiv.
Henner: Also der war einfach extrem ineffizient, dieser Prozessor, bei den einfachsten
Henner: Aufgaben. Damit war er schon völlig überfordert.
Henner: Da hilft ihm also seine fortschrittliche 16-Bit-Architektur überhaupt nichts,
Henner: weil er dieses langsame Workspace-Pointer-System hat.
Henner: Und das kann noch jemand bestätigen, den ich auch interviewen konnte für diese Folge.
Henner: Karl Guterck, zu dem kommen wir später auch nochmal genauer.
Henner: Der hat damals bei TI an Prozessoren gearbeitet.
Henner: Seine genauere Rolle beleuchten wir nachher nochmal.
Henner: Und der hat über diese Workspace-Pointer Folgendes gesagt.
Karl Guttag: Much slower than everybody else for the same money. In some ways,
Karl Guttag: I think the Workspace Pointer was almost a ticking time bomb that was eventually
Karl Guttag: going to blow it up no matter what you did.
Henner: Ja, er nennt hier also diese Architektur, der ausgelagerten Register,
Henner: also dieses Workspace-Pointer-System, eine tickende Zeitbombe.
Henner: Also etwas, das anfangs wie eine gute Lösung erschien, als der Prozessor entwickelt
Henner: wurde, sich dann später aber als Pferdefuß rausgestellt hat.
Henner: Ja, das kann man sich gut vorstellen, dass das problematisch ist.
Henner: Das war alles sehr abstrakt, Christian, was wir erzählt haben.
Henner: Ich will das nochmal mit einem kleinen Gleichnis vielleicht etwas besser illustrieren.
Henner: Stell dir vor, du sollst Matheaufgaben berechnen.
Henner: Aber du hast kein Kurzzeitgedächtnis, wirklich überhaupt keins.
Henner: Wenn ich dir eine Aufgabe gebe wie 99 mal 4, dann kannst du dir nicht mal die
Henner: erste 9 merken oder die 4 gar nichts, du musst dir alles einzeln aufschreiben.
Henner: Und das kostet natürlich Zeit, vor allem wenn du sehr langsam schreibst, in schönen Schrift.
Henner: Und genauso arbeitet der TMS 9900 ohne Register.
Henner: Der kann nichts im Kopf rechnen, der muss alles aufschreiben und schriftlich
Henner: lösen und dann gibt er dir ein Ergebnis raus.
Chris: Ich fühle mich gerade sehr ertappt bei deinem Mathebeispiel.
Chris: Woher wusstest du, dass ich genauso rechne?
Chris: Bis auf die schönen Schrift, das stimmt nicht.
Henner: Du rechnest was schriftlich? Echt? Also ich hätte jetzt gedacht,
Henner: dass du einfach den Windows-Taschenrechner benutzt für sowas.
Chris: Ja, wenn ich nicht am Computer bin, dann muss ich ja irgendwie.
Chris: Kann ja nicht im Kopf rechnen, wie wir gerade festgestellt haben.
Henner: Ja, genau.
Henner: Wenn du zehn Aufgaben gleichzeitig lösen müsstest, nicht nur eine wie 99 mal
Henner: 4, sondern zehn solcher Aufgaben.
Chris: Dann würde ich mich auf den Boden legen und zu weinen anfangen,
Chris: Henner. Und so stelle ich mir vor, dass das der TMS 9900 auch macht.
Henner: Nee, muss er gerade nicht, denn der hat ja Zettel und Stift.
Henner: Und da ist es ein Vorteil. Also wenn er zehn Aufgaben gleichzeitig lösen muss,
Henner: dann ist es ein Riesenvorteil, dass er das alles aufschreiben kann.
Henner: Dann kann er das alles nacheinander sauber notieren und abarbeiten.
Henner: Da würde jetzt nämlich der C64 anfangen zu weinen. Der kann das nicht.
Henner: Der ist nur gut im Kopfrechnen einer einzelnen Aufgabe, denn der hat Register und der TMS 9900 nicht.
Chris: Also das klingt jetzt alles so, als sei das hier irgendwie ein großer Fauxpas
Chris: von den Entwicklern bei Texas Instruments gewesen.
Chris: Aber man muss da im Hinterkopf behalten, dass, wie du das vorhin schon gesagt hast, dieser TMS,
Chris: 9900 gar nicht für den Anwendungsfall Heimcomputer gedacht war,
Chris: sondern der kommt ja zum Beispiel auch intern bei Texas Instruments wieder in
Chris: Minicomputern zum Einsatz.
Chris: Und zwar auch wieder in anderen Modellvarianten, zum Beispiel von dem TI 990.
Chris: Dann gibt es dann also welche mit diesen Platinen und integrierten Schaltkreisen,
Chris: und es gibt welche mit diesem Mikroprozessor.
Chris: Nun hat aber Texas Instruments wie vorher auch schon bei seinen Chip-Entwicklungen
Chris: auch natürlich den Plan, okay, das bringen wir jetzt auf den freien Markt.
Chris: Also wir bieten diesen 16-Bit-Prozessor auch anderen Leuten an,
Chris: die damit vielleicht irgendwas machen wollen. Zum Beispiel IBM.
Chris: Die planen ja ihren Einstieg in den Heimcomputermarkt, den IBM-PC und überlegen
Chris: zu dem Zeitpunkt, was für ein Chip soll denn da rein.
Chris: Also ein bisschen später, aber die überlegen, welcher Chip soll denn da rein
Chris: und denen bietet Texas Instruments dann eben auch diesen TMS 9900 an.
Chris: Der setzt sich aber letztendlich nicht durch. Wir wissen ja alle,
Chris: da gewinnt dann Intels 8088, auch deswegen, weil er flexibler und vor allen
Chris: Dingen viel günstiger ist.
Chris: Nicht perfekt, aber eben billiger und vor allen Dingen kann ein ganzes Megabyte
Chris: Arbeitsspeicher adressieren, was eben der TMS 9900 nicht kann,
Chris: wie wir gerade schon gehört haben.
Chris: Und dementsprechend stellt sich jetzt für Texas Instruments raus.
Chris: Der hat gar nicht den großen Erfolg im Markt, den wir uns vielleicht versprochen
Chris: hatten. Niemand möchte den haben, diesen Chip.
Chris: Und ja, deswegen müssen Sie jetzt dann überlegen, was machen wir denn stattdessen damit.
Henner: Ja, nun kommen wir langsam mal zur Entwicklungsgeschichte des Computers,
Henner: über den wir ja eigentlich sprechen wollen. Wir reden ja in dieser Episode nicht
Henner: nur über den Prozessor, sondern eigentlich über den TI-994, also den Heimcomputer von Texas Instruments.
Henner: Und in der Retrospektive ist jetzt oft zu lesen, Texas Instruments habe diesen
Henner: Heimcomputer nur deshalb entwickelt, um irgendwo den 9900er Prozessor einsetzen zu können.
Henner: Damit er was zu tun hat, damit er nicht völlig sinnlos im Regal rumliegt.
Chris: Die hatten da vielleicht noch eine Million Stück in der Fabrik irgendwo in der
Chris: Ecke liegen, in so einem großen Haufen, stelle ich mir das vor.
Henner: Ja, so stelle ich mir das auch vor. So wird das gewesen sein.
Henner: Die müssen halt irgendwo hin, macht halt irgendwas damit.
Henner: So war das aber nicht. Also die Entstehungsgeschichte dieses Heimcomputers ist
Henner: viel verworrener und da werden vorher noch diverse andere Prozessoren erwogen,
Henner: bis dann schließlich der 9900er darin landet.
Henner: Beim Entwirren dieser Geschichte hilft uns, wie gesagt, der Gesprächspartner
Henner: Karl Gutterk, mit dem ich darüber lange sprechen konnte, der damals an mehreren
Henner: Mikrochips bei Texas Instruments gearbeitet hat.
Henner: Diese ganze Geschichte, die Entwicklung des Heimcomputers bei TI, die beginnt im Jahr 76.
Henner: Da kommt ja der Chip erstmal raus und gleichzeitig entsteht auch der Markt für Mikrocomputer.
Henner: Der Apple I kommt raus, das heißt so langsam setzt sich die Erkenntnis durch,
Henner: ja ganz kleine Computer noch kleiner als Minicomputer, die schrankgroß sind,
Henner: könnten vielleicht eine Zukunft haben.
Henner: Und so beginnen in diesem Jahr auch bei TI und bei vielen anderen Unternehmen
Henner: die Entwicklung oder die Überlegungen, ob man nicht vielleicht einen eigenen
Henner: Mikrocomputer auf den Markt bringen sollte.
Henner: Also woher dieser Gedanke kommt, welche Abteilung, welches Management-Mitglied
Henner: diesen Gedanken hatte, diese Entscheidung gefällt hat, in den Mikrocomputermarkt
Henner: zu gehen, das ist nicht mehr ganz zweifelsfrei festzustellen.
Henner: Karl Gutterck konnte mir das auch nicht beantworten.
Henner: Der kam etwas später erst zum Unternehmen und da lief das Projekt schon.
Henner: Aber wahrscheinlich liegt dieser Gedanke 76 wohl einfach in der Luft.
Henner: Und so beginnen damals innerhalb des Unternehmens mehrere Teams gleich,
Henner: unabhängig voneinander, mit der Entwicklung von solchen PCs.
Henner: Also persönlichen kleinen Computern.
Henner: Das ist nicht ungewöhnlich bei diesem Unternehmen, sondern es ist ganz typisch
Henner: damals für die Unternehmensstruktur. Die ist nämlich sehr divisional.
Henner: Also da gibt es sehr viele verschiedene Unternehmensabteilungen, die autark arbeiten.
Henner: Nicht unbedingt an einem Strang ziehen, sondern auch miteinander wetteifern.
Henner: Das ist ganz charakteristisch, das sagen alle Quellen, alle die damals dort
Henner: gearbeitet haben, bestätigen das. Das ist nicht immer zum Vorteil,
Henner: aber es hat natürlich auch Vorteile, wenn man innerhalb des Unternehmens ein
Henner: bisschen Wettbewerb schüren kann.
Henner: Dann setzt sich mit etwas Glück am Ende das beste Produkt, das beste Projekt durch.
Henner: Und so entstehen eben auch mehrere Computerprojekte gleichzeitig.
Henner: Es gibt etwas abweichende Aussagen darüber, welche Projekte das eigentlich sind
Henner: und wie viele, aber alle Quellen sind sich zumindest darüber einig,
Henner: dass da ein etwas teureres Gerät entsteht, ein hochpreisiger Profi-PC mit einer
Henner: Festplatte immerhin schon.
Henner: Der wird manchmal als TI-997 bezeichnet, hat aber auch andere Namen, die kursieren.
Henner: Aber unterhalb dieses Profi-PCs mit Festplatte, was da noch für Computerprojekte
Henner: entstehen bei TI, da gehen die Aussagen ein bisschen auseinander.
Henner: Ich fand einen Artikel von Walden Reins, der war damals Leiter der Abteilung für Heimelektronik.
Henner: Und der hat später zu Protokoll gegeben, dass damals eine Gruppe an einer Videospielekonsole
Henner: gearbeitet haben soll für den Preiseinstieg.
Henner: Also ein Konkurrenzsystem zu der Atari VCS oder 2600-Konsole,
Henner: die ja erst 1977 auf den Markt kommt.
Henner: Und eine zweite Gruppe hat damals ihm zufolge an einem Mittelklasse-Heimcomputer
Henner: gearbeitet, also einem Konkurrenten zum kommenden TRS-80 und Apple II.
Henner: Also ein Top-Produkt, ein Profi-PC, eine Videospielekonsole und ein Mittelklasse-Heimcomputer.
Henner: Aber es gibt andere Quellen, die dem widersprechen. Da gibt es einen Artikel
Henner: aus der Zeitschrift Texas Monthly von 1984 und die blicken zurück auf diese Anfangszeit.
Henner: Auf diese frühe Heimcomputer-Entwicklungsphase bei TI und die stellen das ein bisschen anders dar.
Henner: Die sprechen auch von diesem Profi-PC, aber die erwähnen keine Konsole,
Henner: sondern die erwähnen darunter einen Einsteiger-Heimcomputer,
Henner: der auch spieletauglich sein soll und einen mittelpreisigen Spezialrechner für
Henner: wissenschaftliche Zwecke.
Henner: Das ist alles ein bisschen verwirrend, zumal da noch ein weiteres Projekt hinzukommt.
Henner: Der Reins erzählt nämlich auch, dass in Europa bei Texas Instruments in der
Henner: europäischen Abteilung ein weiteres Computerprojekt in der Arbeit ist,
Henner: nämlich ein Gerät auf der Basis von dem Intel 8080 Klon,
Henner: ein Computer mit dem Codenamen Mojo.
Henner: Aber das könnt ihr alles wieder vergessen.
Henner: Denn am Ende überlebt nur eines von all diesen Projekten. Es kommt keine Konsole,
Henner: es kommt kein Profi-PC mit Festplatte, zumindest noch nicht.
Henner: Mojo wird es auch nicht. Es ist am Ende nur noch ein Heimcomputer-Projekt übrig.
Chris: Und der Rest wird abgesäbelt. Zum Beispiel dieser Profi-PC, von dem du gerade
Chris: gesprochen hast, dieses Team wird in die Minicomputer-Abteilung eingegliedert.
Chris: Und die sehen darin eine Bedrohung ihres Minicomputer-Kerlengeschäfts und stellen
Chris: das Projekt dann umgehend ein, sehr kurzsichtig.
Chris: Auch aus diesem europäischen Mojo wird nix und die verbleibenden zwei Arbeitsgruppen
Chris: für diese günstigeren Systeme, die arbeiten beide in der Heimelektronikabteilung,
Chris: das ist die, die für die Taschenrechner und Digitaluhren zuständig ist und sowas,
Chris: die haben also mit Computern keinerlei Erfahrung.
Chris: Und nun kommt es im Jahr 1977 dazu, dass diese Abteilung verlegt wird.
Chris: Die ist bisher in der Metropole Dallas in Texas und die wandert rüber in eine
Chris: texanische Kleinstadt namens Lubbock.
Chris: Das ist eher beschaulich dort und der einzige Grund, warum das umzieht,
Chris: ist, dass der Abteilungsleiter, ein Mann namens Fred Busey, dort lebt in der Nähe von Lubbock.
Chris: Muss seine ganze Abteilung da halt mit hinziehen. Das ist eine ausgesprochen
Chris: schlechte Entscheidung.
Chris: Also wir werden schon noch sehen, dass im Laufe dieser ganzen TI-994-Geschichte
Chris: einige schlechte Entscheidungen getroffen werden und das ist eine davon,
Chris: weil um so einen Computer, um solche fortschrittlichen Elektronikprojekte zu
Chris: entwickeln, brauchst du talentierte Ingenieure und die,
Chris: wachsen natürlich auch nicht auf den Bäumen, auch damals nicht.
Chris: Und Lubbock ist also laut Karl Götteck eine Stadt am Ende der Welt.
Chris: Qualifizierte Uni-Absolventen wollen da nicht hin, die wollen in Silicon Valley
Chris: oder von mir aus nach Dallas.
Chris: Aber von Dallas aus musst du stundenlang nach Labbock fahren.
Chris: Also auch pendeln ist da keine Option.
Chris: Und Guttag hat dir gegenüber einen damals kursierenden Scherz nacherzählt,
Chris: nämlich dass T.I.'s Heimcomputer von der Art Person entworfen worden sein,
Chris: die bereit ist, in Labbock zu leben.
Chris: Sagt nichts Gutes über die Leute in Labbock. Aber das ist dann letztendlich
Chris: der Ort, in dem die beiden verbleibenden Heimcomputer-Projekte schließlich zusammengeführt
Chris: werden zu einem einzigen Projekt.
Chris: Dimension 4 genannt und diese 4 findet sich dann auch wieder in dem Marktnamen,
Chris: unter dem das Projekt ja dann auf den Markt kommt, nämlich TI-99-4.
Chris: Wir sagen immer TI-99-4, ist auch einfacher zu sprechen, aber da ist ja offiziell
Chris: ein Schrägstrich noch drin.
Chris: TI sieht jetzt als Ziel für diese Entwicklung,
Chris: nicht den professionellen Einsatz im Büro vor, für das ja zum Beispiel der Apple II gedacht ist,
Chris: sondern möchte die Privathaushalte ansprechen und deswegen also ein kompaktes,
Chris: günstiges und leicht zu bedienendes Gerät machen.
Chris: Also ähnlich wie Ataris parallel entwickelte 8-Bit-Geräte, wird dann auch dieser
Chris: TI-99-4 eine Art Mischung aus Computer und Spielkonsole, hat also eine Tastatur
Chris: und hat Laufwerksanschlüsse, aber kommt auch mit einem,
Chris: Fernsehanschluss und mit Steckmodulen.
Chris: Aber auch wenn das jetzt alles schon klar ist, was so die Zielgruppe sein soll
Chris: und wie das Gerät aussehen soll, eine nicht ganz unwichtige Frage ist zu dem
Chris: Zeitpunkt immer noch offen, nämlich, was für ein Prozessor soll da rein?
Henner: Ja, also es gibt viele Parallelen zu den Atari-Heimcomputern,
Henner: die du gerade ja erwähnt hast.
Henner: Aber diese Frage nach der CPU, die wird völlig unterschiedlich beantwortet.
Henner: Bei Atari steht diese Entscheidung für den Prozessor, also den 6502, ganz am Anfang.
Henner: Der restliche Computer entsteht dann auf dieser Basis, rund um diesen Prozessor herum.
Henner: Und hier bei Texas Instruments ist das völlig anders, da ist das ganz offen
Henner: und es gibt ganz viele verschiedene Meinungen darüber, welcher Prozessor hier
Henner: zum Einsatz kommen sollte.
Henner: Und dazu hören wir nochmal Karl Gutterck selbst.
Karl Guttag: People think that from the get-go, the home computer was going to use the 900.
Karl Guttag: That's not true. Originally, they were going to get their own CPU,
Karl Guttag: they thought. The home computer group thought they'd get their own CPU.
Karl Guttag: But when that was quashed, they were forced to use what was going to be the 9985.
Karl Guttag: TI had worked on a chip called the 9940, and the 9940 was going to be a microcomputer.
Karl Guttag: But it was a disaster of a design. In my opinion, very poorly designed.
Karl Guttag: Es hatte eine 8-Bit-Bus, aber es war eine 16-Bit-Maschine, die nicht zu viel
Karl Guttag: zu sein war, aber es war nicht transistisch effizient, sondern die Performance. Es war schrecklich.
Henner: Ja, wie er es erwähnt hat, das Entwicklerteam von diesem Heimcomputer,
Henner: also das verbliebene Team, das wünscht sich eigentlich eine eigene CPU-Entwicklung.
Henner: Also die meinen, die CPU-Abteilung, wir haben doch hier eine CPU-Architektur-Abteilung
Henner: im Unternehmen, die sollen doch bitte schön einen eigenen Heimcomputer-Chip nur für sie entwickeln.
Henner: Der perfekt auf diesen Einsatzzweck abgestimmt ist.
Henner: Es gibt auch einige Stimmen, die sagen, sie sollten einfach den Ciloc Z80 einkaufen.
Henner: Aber das kommt gar nicht gut an beim Management, denn das ordnet 1977 angefälligst
Henner: etwas Eigenes zu verwenden.
Henner: Keinen fremd eingekauften Prozessor.
Henner: Interessanter Unterschied zu IBM. Die setzen ja in der Regel auch auf Eigenentwicklungen,
Henner: aber beim IBM PC entscheiden sie sich dann doch ganz untypisch für einen Intel
Henner: Prozessor, also ein eingekauftes Bauteil.
Henner: Und das ist ja dann ja auch die richtige Entscheidung. Aber bei TI ist man leider
Henner: nicht so offen und das Management ordnet also an, gefälligst,
Henner: also im Jahr 1977, als die Entwicklung des Heimcomputers gerade so,
Henner: richtig losgeht, ordnet sie an, einen eigenen Chip zu verwenden,
Henner: der gerade in Arbeit ist in einer anderen Abteilung.
Henner: Eine 16-Bit-CPU namens TMS9985.
Henner: Von dem haben wir jetzt noch nichts gehört, Christian, aber das ist kein ganz Unbekannter.
Henner: Dieser 9985, der basiert auf einem anderen, dem 9940 und der wiederum ist eine
Henner: Variante des 9900, also des 9900, den wir schon vorgestellt haben.
Henner: Das ist ja ganz im Sinne der TI-Strategie, die wir beschrieben haben,
Henner: nämlich eine Architektur für alle Geräte zu verwenden.
Henner: Und dieser 9985, der hier entsteht, der soll,
Henner: hochintegriert sein, also der enthält nicht nur die 16-Bit-Recheneinheit aus
Henner: dem 9900, sondern der enthält auch noch das RAM und ROM und Input-Output-Funktionen,
Henner: alles in einem Chip-Gehäuse.
Henner: Das hätte am Ende dann ein sehr kompaktes und sehr günstiges Gerät möglich gemacht,
Henner: wie man es ja auch braucht für einen Heimcomputer.
Henner: Aber dieser 9985, der hat so ein paar Probleme. Und das ist untertrieben.
Henner: Guttek hat immer wieder in unserem Gespräch erwähnt, wie grauenhaft und fehlgeleitet
Henner: und problematisch diese Chip-Architektur ist.
Henner: Götteck hat nämlich 1978, kurz nachdem er im Unternehmen angefangen hat,
Henner: gleich einen Auftrag erhalten.
Henner: Der sollte sich nämlich dieses Design einmal näher ansehen, dieses 9985.
Henner: Also der Prozessor, der wird und wird nicht fertig, der hat verschiedene Probleme
Henner: und er soll das retten. Er soll die Fehler beseitigen.
Henner: Aber er kommt zu dem Schluss, dass hier einfach nichts mehr zu retten ist.
Henner: Er meint schon das grundlegende Design, also dieses 9940er Design,
Henner: das ist völlig ineffizient, voller Hardware-Bugs.
Henner: Götzeck nennt es unter anderem schrecklich ein Desaster, hat er gesagt.
Chris: Brutter.
Henner: Also das ist ein hartes Urteil, aber so wird aus diesem Plan nichts.
Henner: Das ganze Projekt 9940 bzw.
Henner: 9985, also die Heimcomputer-Variante des 9900-Prozessors, wird eingestampft.
Henner: Das kommt niemals raus, es wird nicht fertig.
Henner: Ja, und jetzt brauchen sie eine Lösung. Das Heimcomputerprojekt soll ja vorangehen
Henner: und die Geschäftsführung entschließt sich jetzt, einen anderen Prozessor einzusetzen
Henner: im Frühjahr 79. Was nehmen sie jetzt also?
Chris: Ja, sie nehmen das, was da noch in der Ecke rumliegt auf diesem großen Haufen.
Chris: Sie nehmen den 9900er und entscheiden jetzt also vom Thron herab,
Chris: bitte baut diesen Chip in euren Heimcomputer ein.
Chris: Das ist, Henner, der nächste große Fehler. Das muss man leider so sagen.
Chris: Denn für einen Heimcomputer ist der Chip ja eigentlich gar nicht gedacht.
Chris: Das hatten wir vorher schon beschrieben.
Chris: Der ist eigentlich zu teuer. Wir sind in der 8-Bit-Ära. Du brauchst da nicht
Chris: unbedingt einen 16-Bit-Chip. Er ist auch zu groß.
Chris: Der geplante und dann nicht umgesetzte 9985, der hätte ein kompaktes 40-Pin-Design
Chris: verwendet. Also 40 von diesen Metallbeinchen, die da rauskommen.
Chris: Leitungen, die nach außen führen.
Chris: Genau wie auch der Z80, der 6502 und halt die ganzen anderen populären 8-Bit-Prozessoren.
Chris: Das erlaubt dann auch ein entsprechend einfaches und günstiges Mainboard-Design.
Chris: Der TMS 9900 dagegen ist ein Chip mit 64 Pins, mit 64 Beinchen.
Chris: Prozessoren sind ja damals noch meistens noch nicht quadratisch,
Chris: sondern sind diese länglichen Riegel.
Chris: Und ein Riegel mit 64 Pins ist logischerweise länger als einer mit 40.
Chris: Der TMS 9900 ist auch noch ein bisschen breiter. Der ist insgesamt ein ganz
Chris: ordentlicher Klopper im Vergleich zu seinen 8-Bit-Kollegen.
Chris: Der ist auch nicht schwarz, der kommt in einem weißen Keramikgehäuse.
Chris: Das sieht schon edel aus, aber das ist wie gesagt alles komplizierter und somit
Chris: auch teurer als bei der Konkurrenz. Und das ist nur das erste der Probleme.
Henner: Ja, das ist eines von vielen Problemen. Dieser 9900er, das ist ja diese futuristische 16-Bit-Maschine,
Henner: und als solche hat er auch einen 16-Bit-Bus, also die Datenleitung,
Henner: die Autobahn nach außen, über die die Daten vom Prozessor an andere Bauteile
Henner: des Rechners geschickt werden.
Henner: Zum Beispiel auch an den Hauptspeicher, also das RAM. Das Problem ist nur...
Henner: Der ganze Rest des Heimcomputers, also das TI-994, ist ausgelegt als 8-Bit-System,
Henner: um preisgünstig und konkurrenzfähig zu sein.
Henner: Und dieser eigentlich geplante 9985-Prozessor, der hätte intern auch mit 16-Bit
Henner: gerechnet, aber extern mit allen anderen Bauteilen kommuniziert über einen 8-Bit-Bus.
Henner: Das heißt, das Mainboard, die
Henner: ganze restliche Architektur, alles ist auf diesen 8-Bit-Bus abgestimmt.
Henner: Den hat der 9900er aber gar nicht.
Henner: Deshalb muss man jetzt ein zusätzliches Bauteil aufs Mainboard setzen,
Henner: einen Multiplexer-Chip,
Henner: der jetzt die breiten 16-Bit-Pakete des Prozessors in Häppchen aufteilt,
Henner: nämlich in jeweils zwei 8-Bit-Häppchen, damit die restliche Peripherie mit diesem
Henner: Prozessor überhaupt kommunizieren kann. Das klingt nicht sehr effizient.
Henner: Aber es kommen noch weitere Probleme hinzu. Der 9985, wie gesagt,
Henner: der gescheiterte, nie veröffentlichte Prozessor, der hätte eigentlich 256-Byte-Arbeitsspeicher
Henner: direkt ins Chip-Gehäuse integriert haben sollen.
Henner: Die hat der 9900 nicht. Das heißt, die muss man jetzt auch nochmal extra aufs
Henner: Mainboard setzen und extern anbinden.
Henner: Der 9900 ist also nicht nur zu groß, eigentlich und zu komplex für den Einsatz
Henner: in diesem Heimcomputer, er ist an einigen Stellen auch unvollständig.
Henner: Er verlangt zusätzliche Hilfsbausteine, die mit auf die Platine gequetscht werden müssen.
Henner: Irgendwo las sich die hübsche Formulierung, der Rechner wurde gefrankensteint.
Henner: Das Ergebnis ist ein völlig unausgewogenes und ineffizientes System und ein
Henner: viel zu teures noch dazu, denn dieser 9.900 und die zusätzliche Hardware,
Henner: die kosten natürlich auch noch viel Geld.
Henner: Und zu den hohen Kosten trägt noch ein weiteres Problem bei.
Henner: Denn die einzelnen Divisionen, wir haben es ja schon beschrieben,
Henner: innerhalb des Unternehmens, die arbeiten weitgehend autark.
Henner: Und jede von diesen Divisionen hat einen eigenen Chef und jeder von denen möchte
Henner: auch für seine Abteilung bitteschön eigene Gewinne erzielen,
Henner: möglichst mehr als die anderen. Das heißt, die konkurrieren alle miteinander.
Henner: Das Heimcomputer-Team muss deswegen jetzt auch die CPU in der konkurrierenden
Henner: Halbleitersparte kaufen. Die machen da keine Freundschaftspreise.
Henner: Die wollen Gewinn erzielen mit ihren Prozessoren.
Chris: Ich dachte, die kriegen das zum Herstellungspreis. Oder vielleicht sogar noch
Chris: ein bisschen Rabatt darüber geschoben. Nee, gar nicht.
Henner: Nee, die sind froh, dass sie einen sicheren Abnehmer haben für ihre Prozessoren,
Henner: die sonst keiner haben will. Und da nehmen sie aber auch ordentlich Geld dafür.
Henner: Es gibt einige Quellen, die behaupten, dass die Heimcomputersparte pro Prozessor
Henner: 20 Dollar abtreten müsse an die Halbleitersparte.
Henner: Und ein handelsüblicher 8-Bit-Prozessor auf dem freien Markt wie der Z80,
Henner: der hätte nur etwa die Hälfte gekostet. Andere Quellen sagen sogar nur 8 Dollar.
Henner: Also das wäre deutlich günstiger gewesen, aber jetzt sind sie eben darauf angewiesen,
Henner: diesen super teuren Prozessor intern zu kaufen.
Henner: Außerdem wurde der 9900er ja im freien Markt nicht angenommen, also
Henner: den kauft ja sonst kaum jemand, das heißt die Stückzahlen sind auch sehr gering,
Henner: das heißt TI hat wahrscheinlich auch keine Skaleneffekte in der Herstellung
Henner: und das dürfte sich zusätzlich negativ auf den Preis auswirken.
Henner: Aber dieser 9900er ist ja nicht der einzige Chip auf dem Board.
Henner: Ein Heimcomputer braucht ja noch ein bisschen mehr, zum Beispiel einen Videochip,
Henner: der dafür zuständig ist, Farbsignale an einen Fernseher auszugeben.
Henner: Und dieser Videochip, der ist zum Glück ein bisschen besser gelogen als der Prozessor.
Chris: Ja und damit sind wir wieder bei Karl Götteck, denn bevor der an diesem glücklosen
Chris: Prozessor 9985 arbeitet, hat er, als er wie gesagt gerade direkt von der Universität gekommen,
Chris: im Sommer 1977 erst mal eine andere Aufgabe bei Texas Instruments.
Chris: Der arbeitet da nämlich am TMS 9918. Und das war ein Videochip mit einem klaren Fokus.
Chris: Er hat dir erzählt, dieser Chip sollte sich ganz klar auf Videospiele fokussieren.
Chris: Das heißt, er beherrscht den Umgang mit schnell und unabhängig vom Prozessor
Chris: bewegten Bildobjekten.
Chris: Und für die gibt es damals noch gar keinen Namen. Deswegen prägt ein Kollege
Chris: von GUTTEC, nämlich David Ackley, einen Begriff für diese Art von Projekte, Sprites.
Henner: Ach, guck mal an.
Chris: Das geht also auf Texas Instruments zurück, dieser Begriff. Das Prinzip dieser
Chris: Objekte, das stammt vom Videochip des Atari VCS, das 2600.
Chris: Aber da heißen die ja noch anders. Da heißen die Ball und Player und Missile.
Chris: Da haben die eben noch die Begriffe, die aus Pong kommen.
Chris: Und hier kommt jetzt dieser generische Begriff der Sprites. Die Umsetzung dieser
Chris: Sprites ist im 9918, also in diesem Texas Instruments Chip, auch mächtiger und
Chris: flexibler als bei der Atari-Konkurrenz.
Chris: Überdies ist das auch der erste Videochip, der direkt auf einen DRAM-Interface zugreift.
Chris: Dass Texas Instruments auch an einem Heimcomputerprojekt arbeitet,
Chris: das weiß Karl Gattek noch gar nicht, als er an diesem Videochip arbeitet.
Chris: Der Gedanke ist da, dass dieser Chip eigentlich in Spielkonsolen zum Einsatz
Chris: kommen soll, und zwar nicht in eigenen, sondern mal wieder in denen von anderen Herstellern.
Chris: Das ist also ein OEM-Produkt.
Chris: Das kleine Team, zu dem auch der spätere Cyrix-Mitgründer Cherry Rogers gehört,
Chris: ist auch schon nach einem halben Jahr fertig und für ihr Werk gibt es auch direkt
Chris: den ersten Interessenten.
Henner: Ja, einer dieser Interessenten ist ein großer Name in der Branche,
Henner: denn Mattel, der große Spielzeughersteller, der arbeitet 78 gerade an seiner
Henner: eigenen Spielkonsole an der Intellivision, die ja das Atari VCS technisch ein
Henner: bisschen übertreffen wird.
Henner: Und die haben eigentlich schon einen Grafikchip im Auge, ein Modell von einer
Henner: anderen Firma namens General Instrument,
Henner: aber dieser Grafikchip, der verspätet sich und so überlegt Mattel kurzfristig
Henner: zumindest mal zu wechseln zu einem anderen Videochip, zu diesem 9918 von Texas Instruments.
Henner: Sie entscheiden sich dann am Ende dagegen und doch wieder für das ursprünglich
Henner: ausgewählte Modell, aber warum, da gibt es unterschiedliche Angaben.
Henner: Also es gibt einige Quellen, die sagen, Mattel habe sich aus technischen Gründen
Henner: schließlich doch dagegen entschieden, diesen TI-Chip zu verwenden.
Henner: Aber Karl Gutterck hat mir gesagt, dass das Geschäft stattdessen blockiert wurde
Henner: von der Unternehmensführung von TI.
Henner: Und das kann er gerade nochmal selber sagen.
Karl Guttag: Es war anti-Synergy. Aber basically, ich sagte, die wie es worked bei TI ist,
Karl Guttag: Sie hitten mich mit einem Baseball-Bat, dann habe ich Sie mit einem Baseball-Bat.
Karl Guttag: Und so, was passiert ist, die Home Computer Group ist für uns zu benutzen, die 9985.
Karl Guttag: 9985 ist ein Verzweck. Sie sind, switch to the 9900, then that causes the home
Karl Guttag: computer to be delayed because getting that all worked out and whatnot.
Karl Guttag: Because the home computer gets delayed, they tell us we're not allowed to sell
Karl Guttag: to the game companies because if we do that, then if there's allocation,
Karl Guttag: they won't get enough chips. So they forced us off the market.
Karl Guttag: It was a real bad problem of the way that things work.
Karl Guttag: Basically, all the groups ended up using whatever political pull they had within
Karl Guttag: the company to work against each other.
Karl Guttag: It's a real problem with a company trying to be end equipment and do components.
Karl Guttag: It's really hard to do both.
Henner: Also laut Karl Gutek ist es so, dass Mattel durchaus Interesse gehabt haben
Henner: soll, diesen Chip zu verwenden,
Henner: aber das Management von Texas Instruments hat da interveniert und gesagt,
Henner: nein, ihr dürft den Prozessor, diesen Grafikchip nicht an Mattel verkaufen,
Henner: weil wir die nämlich alle selbst brauchen.
Henner: Wir wollen die alle selbst einsetzen, alle, die wir produzieren können,
Henner: in einem ganz anderen Projekt, nicht in einer Konsole, sondern in einem Heimcomputer.
Henner: Und deshalb wird, so sagt Guterck mir das, dieser Mattel-Deal blockiert.
Henner: Der 9918 geht nicht in den Verkauf, obwohl er genau dafür ja eigentlich entwickelt wurde.
Henner: Und das, obwohl er längst fertig ist und bereit wäre für den Markt,
Henner: während der Heimcomputer, für den er nun reserviert wird, noch anderthalb Jahre braucht.
Henner: Die verschiedenen Abteilungen bei TI, die arbeiten also nicht symbiotisch zusammen,
Henner: sondern sie behindern sich gegenseitig, was Guterck als Antisynergie bezeichnet.
Chris: Also das klingt alles einigermaßen dysfunktional.
Henner: Ja.
Chris: Und wir haben ja hier schon die eine oder andere schlechte Entscheidung des
Chris: Managements mitbekommen.
Chris: Das setzt sich fort. Der Heimcomputer hier hat jetzt also seinen Prozessor gefunden,
Chris: der hat seinen Grafikchip gefunden.
Chris: Trotzdem kommt das Gerät nur schleppend voran. Eigentlich soll es im Jahr 1978
Chris: auf den Markt kommen, aber daraus wird nichts, auch wegen diesem problematischen CPU-Wechsel.
Chris: Aber das ist auch nicht das einzige Problem. Ein anderes ist eine US-Behörde, nämlich die FCC.
Chris: Das ist die Behörde, die für die Regulierung des Rundfunks zuständig ist und
Chris: auch die Einhaltung technischer Normen überwacht. Und diese Normen,
Chris: die die FCC da aufstellt, die sind zu streng für TIs neuen Heimcomputer.
Chris: Nicht nur für TI. Fernseher haben ja in den 70er Jahren in der Regel nur einen
Chris: einzigen Signaleingang, den Hochfrequenzanschluss für die Hausantenne, kurz HF.
Chris: Und die Konsolen und Computer dieser Ära, die wandeln dann ihr digitales Bild
Chris: und Tonsignal über einen HF-Modellator in ein Antennensignal um und damit kann
Chris: man dann einen Fernseher anschließen. Das ist eine ganz pragmatische Lösung.
Chris: Aber bei der Einführung der ersten Spielkonsolen in den 70ern,
Chris: da führt das zu Problemen, weil die Geräte strahlen so starke Signale ab,
Chris: dass das Interferenzen mit anderen Geräten erzeugt. Teilweise nicht mal nur
Chris: im eigenen Haus, sondern sogar in benachbarten Häusern. So stark ist diese Störquelle.
Chris: Und darauf reagiert eben diese Behörde, die FCC, im Jahr 1972 und stellt neue
Chris: Normen auf für Geräte mit TV-Anschluss. Und die sind außerordentlich streng.
Chris: Da gelten sehr niedrige Grenzwerte, die da einzuhalten sind.
Chris: Für die Computerhersteller ist das zu streng.
Chris: Wir haben ja schon beschrieben, im Jahr 1977 geht das los mit den Heimcomputern.
Chris: Viele davon werden noch an den Fernseher angeschlossen.
Chris: Und die strahlen noch stärker als Spielkonsolen oder Videorekorder.
Chris: Und dementsprechend müssen diese Computer noch besser abgeschirmt werden.
Chris: Das wiederum braucht Materialaufwand, das braucht Entwicklungsaufwand, das verursacht Kosten.
Chris: Und selbst dann ist nicht sicher, dass das überhaupt gelingt.
Chris: So streng sind diese Normen.
Chris: Und da geht jetzt jeder Hersteller auf eigene Weise um mit dem Problem.
Chris: Apple zum Beispiel macht das ganz clever, die lagern den TV-Modellator einfach
Chris: in ein separates Gerät aus und produzieren ihn gar nicht selbst,
Chris: sondern der kommt von einem Dritthersteller und damit hat sich Apple aus der
Chris: Verantwortung gezogen und muss sich auch um diese Norm nicht scheren.
Chris: Commodore dagegen, die lösen das beim PET so, dass sie einen eigenen Monitor
Chris: direkt ins Gehäuse einbauen und damit also gar keinen TV-Ausgang brauchen und
Chris: auf den auch verzichten.
Chris: Und wie macht das jetzt Texas Instruments? Na, die versuchen es mit Lobbyarbeit.
Chris: Die sind ja ein Koloss, die sind ja ein Milliardenunternehmen,
Chris: die können kaum gehen vor Kraft.
Chris: Und dann sind sie ja auch noch ein wichtiger Militärlieferant und genießen durchaus
Chris: Einfluss in Washington, haben also das Ohr von dem einen oder anderen Senator
Chris: und deswegen versuchen sie dann den US-Kongress dazu zu bringen,
Chris: dass er diese Normen abschwächt.
Chris: Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, das zu lösen.
Chris: Das ist natürlich jetzt nicht unbedingt die schnellste Möglichkeit.
Chris: Die Mühlen malen langsam in der Politik.
Chris: Und letztendlich ist das also auch über längere Zeit erfolglos.
Chris: Das erweist sich für TI als vergeudete Zeit. Und Mitte 79 geben sie es dann
Chris: schließlich auf und beschließen, ihren TI-994 mit einem 13-Zoll-Monitor auszuliefern.
Chris: Das ist ein modifizierter Fernseher der Marke Zenith.
Chris: Aber dadurch, dass sie das als Kombo verkaufen, brauchen sie also auch keinen
Chris: Antennenausgang und dementsprechend haben sie dann auch kein Problem mit dieser Norm.
Chris: Das ist übrigens bemerkenswertes historisches Pech in diesem Fall.
Chris: Die Fehlentscheidung war natürlich, auf Lobby Arbeit zu setzen und überhaupt
Chris: so viel Zeit zu verlieren.
Chris: Aber das Pech, das noch dazu kommt, ist, dass dann im September 1979 die FCC
Chris: tatsächlich neue Richtlinien aufstellt, speziell für Computer mit Fernsehanschluss.
Chris: Und da sind dann wieder deutlich höhere Strahlungswerte erlaubt.
Chris: Das ist eine Entscheidung, die in der Branche gefeiert wird,
Chris: also in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift Interface Age.
Chris: Da wird zum Beispiel geschrieben, das würde die ganze Branche fünf Jahre voranbringen,
Chris: diese einzelne Entscheidung.
Chris: Auch bei Texas Instruments gibt es dann lobende Worte zu dieser neuen Norm und
Chris: so, aber für ihren Heimcomputer TI-994 kommt es zu spät.
Chris: Der ist schon fertig. Die Entscheidung mit dem Monitor ist gefallen.
Chris: Und das hilft natürlich auch nicht, einen Monitor da mitzuliefern für den Preispunkt.
Chris: Dazu kommt dieser 16-Bit-Prozessor, der teure. Also unterm Strich,
Chris: dieses Gerät ist vor allen Dingen eins, es ist teuer.
Henner: Oh ja, ist es. Zunächst mal gibt es aber durchaus Vorschusslorbeeren in der
Henner: Presse. Die ist ganz angetan davon, dass jetzt Texas Instruments sich auch in
Henner: diesen Markt vorwagt, in den entstehenden Markt der Heimcomputer oder der PCs.
Henner: Und die trauen diesem Unternehmen auch einiges zu. Die kennen ja die Details
Henner: noch nicht, aber die meinen, ja, wenn eine Firma wie Texas Instruments in diesen
Henner: Markt reintritt, dann werden sie damit auch Erfolg haben.
Henner: Die haben ja auch durchaus Erfolg auf dem Massenmarkt mit solchen Geräten wie
Henner: Speak & Spell zum Beispiel.
Henner: Und so schreibt zum Beispiel die New York Times im Dezember 78,
Henner: also etwa ein Jahr vor dem eigentlichen Markteintritt, der ganze Markt wird
Henner: sich ändern und die glauben durchaus, dass TI diesen Markt in kürzester Zeit beherrschen würde.
Henner: Business Week zum Beispiel, eine andere Zeitschrift, die zitiert damals einen
Henner: Marktforscher mit der Prognose, TI werde innerhalb eines Jahres den ganzen Heimcomputermarkt dominieren.
Chris: Holla.
Henner: Ja, wir müssen uns daran erinnern, dass IBM auf diesem Markt noch nicht vertreten
Henner: ist. Die kommen ja erst 1981 dazu.
Henner: Dafür muss dieser Rechner aber erstmal fertig werden und der Öffentlichkeit
Henner: vorgestellt werden. Und das passiert im Juni 79 wie immer auf der CES in Chicago,
Henner: auf der Sommer-CES der großen Messe.
Henner: Und er hat dort große Aufmerksamkeit, nicht nur weil er von TI stammt,
Henner: sondern auch weil es der erste in Serie produzierte 16-Bit-PC ist.
Henner: Und damals verspricht man sich noch einiges davon.
Henner: Es ist nicht das einzige 16-Bit-Gerät für die Massen. Es gibt ja auch noch die
Henner: Intellivision-Konsole, die wir erwähnt haben von Mattel.
Henner: Die arbeitet auch mit einem 16-Bit-Prozessor, aber die kommt auch erst im Dezember,
Henner: ist also zu dieser Zeit noch nicht da.
Henner: Also angeblich, so erwartet man, hat TI hier einen großen Technologievorsprung
Henner: gegenüber allen anderen, die noch mit 8-Bit-Prozessoren arbeiten.
Henner: Apple oder Tandy oder Commodore.
Henner: Den brauchen sie aber auch, diesen Vorsprung, denn über den Preis alleine werden
Henner: sie sicherlich keinen Erfolg haben.
Henner: Du hast es ja schon angedeutet, der Rechner wird sehr teuer,
Henner: vor allem weil dieser Monitor beiliegt, zwangsläufig.
Henner: Und so kostet der Rechner, als er dann auf den Markt kommt, in den USA zunächst
Henner: zum Jahresende, 1.150 US-Dollar.
Henner: Und das entspricht inflationsbereinigt heute ungefähr 4.500 Euro.
Henner: Nicht für ein Profigerät wohlgemerkt, sondern für einen Heimcomputer.
Henner: In Deutschland kommt das Gerät 1980 raus.
Henner: Hier kostet er 2700 Mark.
Henner: Das entspricht immerhin noch 3900 Euro.
Henner: Und mal zum Vergleich, bei der Konkurrenz kriegt man Rechner mittlerweile etwas billiger.
Henner: Atari hat ja auch Ende 79 praktisch gleichzeitig auch eigene Heimcomputer veröffentlicht
Henner: und den kleineren von den beiden, den Atari 400, den gibt es ungefähr für die Hälfte.
Henner: Und selbst ein Atari 800, also das größere Modell, ist günstiger,
Henner: obwohl da noch ein Diskettenlaufwerk beiliegt.
Henner: Am anderen Ende des Preisspektrums, da gibt es noch den Apple II Plus.
Henner: Das ist ein Profigerät, der ist ähnlich teuer wie der TE99-4.
Henner: Und da liegt ja auch kein Monitor dabei, den muss man sich also extra dazukaufen
Henner: oder einen Fernseher eben anschließen.
Henner: Das heißt, es geht auch noch teurer, aber dieser Apple 2 Plus,
Henner: der richtet sich ja auch an einen ganz anderen Markt, an den Unternehmenseinsatz
Henner: oder an Schulen, an Universitäten, an einen Profimarkt.
Henner: Und da kann man auch ein bisschen mehr Geld verlangen, zumal es für den ja auch
Henner: ein riesiges Angebot an Zubehör und Software gibt.
Henner: Und das gibt es alles beim TI-Rechner noch nicht. Das muss erst noch entstehen.
Henner: Ja, aber jetzt wird es Zeit, dass wir diesen Rechner dieses sagenhafte 16-Bit-Gerät
Henner: mal im Detail vorstellen. Jetzt ist er also da, der TI-99-4.
Henner: Wie sieht er denn aus? Was macht ihn so schön und was macht ihn aus?
Chris: Ja, jetzt ziehen wir ihn mal aus seiner Packung und schauen ihn uns genauer an.
Chris: Hätten wir das übrigens damals machen wollen zur Markteinführung im Oktober
Chris: 79, hätte es sein können, dass wir da noch vor leeren Regalen stehen,
Chris: weil TI hatte damals Produktionsengpässe, da kamen nur vereinzelte Rechner tatsächlich in den Laden.
Chris: Hätte sein können, dass wir bis ins Frühjahr 1980 warten müssen,
Chris: um unseren TI dann endlich in den Händen zu halten und zu umarmen und uns an ihn zu schmiegen.
Chris: Aber dann hätten wir die Packung natürlich aufgerissen und ihn rausgezogen.
Chris: Ja, und dann sehen wir da vor uns einen Tastaturrechner, der ungefähr 38 Zentimeter
Chris: breit ist und 26 Zentimeter tief. Das ist also ein bisschen schmaler und ein
Chris: bisschen tiefer als der spätere C64.
Chris: Und das, was sofort ins Auge fällt und was dein Auge zum Leuchten bringt,
Chris: Henner, ist sein silbern-metallisches Gehäuse.
Chris: Der eigentliche Kern ist ein Plastikgehäuse, in dem der Rechner steckt,
Chris: aber das ist mit Aluminiumblechen beklebt und dadurch bekommt es eine durchaus hochwertige Anmutung.
Henner: Das ist eine sehr gute Entscheidung gewesen. Später hören wir noch,
Henner: dass sie davon wieder Abstand nehmen, um Geld zu sparen.
Henner: Aber das wertet den deutlich auf den Rechner. So hübsch.
Chris: Ist ja auch teuer genug. Da möchte man ja auch ein wertig aussehendes Produkt
Chris: vor sich auf dem Schreibtisch stehen.
Henner: Ja, na klar.
Chris: Was da nicht eingebaut ist in das Ding ist das Netzteil. Das ist separat.
Chris: Die Tastatur steckt fest drin im Gehäuse. Das ist ja auch nicht ungewöhnlich
Chris: für damalige Verhältnisse.
Chris: Und die ist vergleichsweise klein und besteht, Achtung, aus Chiclet-Tasten.
Chris: Und immer wenn dieser Begriff hier fällt in den Folgen von State-Fuver-Technik,
Chris: Das ist ja nicht das erste Mal. Dann läuft manchen Leuten ein Schauer über den
Chris: Rücken, uns beiden sicher auch.
Chris: Das sind diese Tastaturen, die man von Taschenrechnern kennt,
Chris: flach und plastikartig.
Chris: Und die sind relativ günstig. Es sind wohl nicht nur die Kostengründe,
Chris: warum Texas Instruments die hier verbaut.
Chris: Es gibt einige Quellen, die sagen, das Entwicklerteam ist die halt einfach gewohnt.
Chris: Das sind halt die Tasten, die man auch in Taschenrechnern verbaut.
Chris: Karl Gatteck, mit dem du gesprochen hast, der nennt einen anderen Grund,
Chris: warum die sich dafür entschieden hätten, nämlich, dass sich diese relativ flachen
Chris: Chiclet-Tasten ganz gut eignen, um da optionale Overlays drüber zu legen.
Chris: Das ist damals durchaus in Mode, das sind diese Kartonschablonen,
Chris: die man auf die Tastatur legt und die dann nochmal extra beschriftet sind und
Chris: die anzeigen, welche Funktionen welche Tasten haben.
Chris: Gerade für einen Computer, der sich ja auch an Einsteiger richten soll,
Chris: ist das gar nicht so eine unwichtige Sache, dass sowas potenziell möglich ist.
Chris: Aber auf jeden Fall, die Tastatur ist relativ kompakt. Die enthält nur,
Chris: muss man sagen, 41 Tasten.
Chris: Da sind natürlich die ganzen Buchstabentasten drauf. Das sind alles Großbuchstaben.
Chris: Es gibt zwar Shift-Tasten, aber der TE-994 kann gar keine kleinen Buchstaben.
Chris: Was es nicht gibt auf der Tastatur, weil es halt nur so wenige Tasten sind,
Chris: sind typische Sonder- und Funktionstasten. Also sowas wie Delete- oder Back-
Chris: oder Pfeiltasten, die gibt es nicht. Also zumindest nicht separat.
Chris: Die muss man dann über Shift aufrufen. Wenn man die Shift-Taste gedrückt hält,
Chris: dann ändern sich einige Funktionen von Tasten, z.B. in Pfeiltasten.
Chris: Das führt manchmal zu ungewollten Entscheidungen, weil wer eigentlich ein großes
Chris: Q schreiben möchte und also die Shift-Taste dafür drückt und dann Q,
Chris: der führt stattdessen einen Programmachbruch aus, weil dann wird die Taste zur Quit-Taste.
Chris: Wie gesagt, es gibt ja kein Shift für die Großschreibung.
Chris: Dafür gibt es kurioserweise nicht nur eine Leertaste, sondern gleich zwei,
Chris: natürlich die große unten, aber links an der Seite befindet sich nochmal eine
Chris: mit Space beschriftete Taste aus Gründen. Ich weiß es doch auch nicht.
Henner: Ich weiß auch nicht. Ja, es ist nicht die beste Tastatur, aber immerhin sie
Henner: ist besser als die Folientastatur des Atari 400.
Chris: Ja, das ist schon mal was.
Henner: Das hat er schon mal voraus.
Henner: Dann betrachten wir das Gerät mal weiter vorne rechts, also an der Stirnseite,
Henner: da ist ein kleiner Ein-Aus-Schalter und an der linken Seite ein Kopfhöreranschluss.
Henner: Das ist ungewöhnlich, das findet man damals nicht üblicherweise an solchen Geräten,
Henner: denn normalerweise geben solche Geräte ja ihren Ton, also egal ob es Computer
Henner: oder Konsolen sind, über den Fernseher oder über den Monitor aus.
Henner: Das tut der hier auch, aber er kann eben zusätzlich Ton über den Kopfhöreranschluss ausgeben.
Henner: Und später gibt es dann etwas überarbeitete Modelle.
Henner: Also später ausgelieferte Exemplare sind in der Hinsicht noch ein bisschen überarbeitet.
Henner: Die enthalten zudem einen Lautstärkeschieberegler und einen eingebauten Lautsprecher.
Henner: Das heißt, dann ist man gar nicht mehr auf den Ton aus dem Fernseher angewiesen.
Henner: An der Rückseite gibt es aber trotzdem natürlich noch den Anschluss für den
Henner: Monitor. Das ist ein DIN-Ausgang für Ton und Bild.
Henner: Der wird über ein Adapterkabel, über Composite-Video und Audio eben an den beiliegenden
Henner: Monitor angeschlossen.
Henner: Aber du hast ja schon erzählt, dass die FCC ihre Meinung geändert und neue Bestimmungen
Henner: erlassen hat mit gelockerten Grenzwerten.
Henner: Und so ändert TI im Frühjahr 1980 auch die Produktpolitik in dieser Hinsicht
Henner: und legt dann keinen Monitor mehr bei, sondern stattdessen einen externen HF-Modulator,
Henner: mit dem man dann auch einen Fernseher anschließen kann.
Henner: An der rechten Seite gibt es einen Spezialanschluss für Erweiterungen für Peripheriemodule.
Henner: Dazu kommen wir gleich noch, das ist ganz interessant.
Henner: Und gucken wir doch mal kurz auf die Rückseite. Dort gibt es dann noch einen
Henner: Anschluss für ein Kassettenlaufwerk, wie es damals üblich ist.
Henner: Das ist allerdings ein proprietärer Anschluss, also da kann man nicht die gleichen
Henner: Kassettenlaufwerke wie bei Commodore zum Beispiel verwenden.
Henner: Und an der linken Seite, da gibt es dann noch einen 9-Pin-Port für einen Joystick.
Henner: Über ein Y-Kabel kann man auch zwei gleichzeitig anschließen für zwei Spieler-Partien.
Henner: Und der sieht auf den ersten Blick genauso aus wie bei Atari und bei zahllosen
Henner: anderen Computern und Konsolen dieser Ära.
Henner: Der hat das gleiche Format, aber das ist nur mechanisch gleich.
Henner: Elektrisch ist das anders, ist also inkompatibel. Das heißt,
Henner: du kannst da einen gängigen Heimcomputer-Joystick wie später in Competition
Henner: Pro oder so nicht direkt dran benutzen. Dafür brauchst du einen Adapter.
Henner: Immerhin, es geht über Adapter und immerhin auch besser als die ursprüngliche
Henner: Planung, denn eigentlich wollten die kabellose Joysticks beilegen über Infrarot.
Henner: Wir wissen ja, wie gut das funktioniert hat, wenn es sowas mal gab,
Henner: nämlich gar nicht. Die waren aber deutlich ambitionierter, die ursprünglich
Henner: geplanten Joysticks. Die kann man auch in den Patentschriften noch sehen und
Henner: in einigen Prototyp-Zeichnungen.
Henner: Das sind nämlich Joysticks gewesen, die geplant waren mit 20 Tasten.
Henner: Und die sollten sich ebenfalls, so wie die Haupttastatur auf dem Gerät,
Henner: mit so Overlays, also mit Pappschablonen ausstatten lassen, auf denen man dann
Henner: die Bedeutung der einzelnen Tasten hätte ablesen können.
Henner: Für reichlich komplexere Spiele wahrscheinlich. Aber davon hat TEI wieder Abstand
Henner: genommen. Es blieb also bei ganz einfachen Joysticks mit nur einer Taste.
Henner: Ja, aber am wichtigsten ist die Erweiterungsmöglichkeit obendrauf auf dem Gehäuse,
Henner: rechts neben der Tastatur, denn da ist der Modulschacht.
Henner: Liegend, also die Spielmodule, die man da reinsteckt, die stehen nicht da drin, sondern sie liegen.
Henner: Man schiebt sie so wie bei einem Videorekorder vorn rein und da finden die Softwaremodule
Henner: Platz, also Spiele und Anwendungsprogramme, die sind beim TE994 nämlich die
Henner: bevorzugte Methode, den Rechner mit Programmen zu versorgen.
Henner: Also hier ist es eher unüblich, ein Kassettenlaufwerk anzuschließen und davon Programme zu laden.
Henner: Das macht man hier vorzugsweise über diese Module, genau wie bei einer Konsole.
Henner: Und damit hebt TI natürlich auch die Benutzerfreundlichkeit hervor,
Henner: denn das ist ja viel bequemer, als ein Loadbefehl eintippen zu müssen und dann
Henner: vier Minuten zu warten, bis ein Spiel von der Kassette geladen ist.
Chris: Okay, das war der Rechner von außen. Jetzt schauen wir mal kurz ins Innere.
Chris: Da ist natürlich der Prozessor, über den haben wir ja schon viel geredet.
Chris: Das Einzige, was wir noch nicht gesagt haben, ist, mit wie viel Megahertz der
Chris: eigentlich läuft. Es sind drei.
Chris: Den Rest hatten wir schon erzählt. 16 Bit Prozessor, 16 Bit Bus,
Chris: 64 Kilobyte Speicher, die der damit adressieren kann.
Chris: Wobei eine Sache, die jetzt doch noch sehr interessant und auch überraschend
Chris: komplex ist, die ist die Sache mit dem Speicher. Das müssen wir uns jetzt doch
Chris: nochmal genauer angucken.
Chris: Also der Prozessor greift über seinen Bus auf 256-Byte sogenannten SRAM-Speicher zu.
Chris: Der heißt hier Scratchpad RAM und das reicht aus, auch nur aus,
Chris: für diese ausgelagerten Workspace-Registersätze, die du vorhin beschrieben hast
Chris: und noch ein paar basale Parameter des Betriebssystems.
Chris: Der TE-994 hat eigentlich deutlich
Chris: mehr Arbeitsspeicher, aber das ist ein Arbeitsspeicher anderer Natur.
Chris: Mit 256-Byte RAM wäre ein Heimcomputer auch im Jahr 1979 überhaupt nicht konkurrenzfähig.
Chris: Das ist viel zu wenig. Ein Atari 400 hat 8 Kilobyte zum Beispiel,
Chris: das ist das 32-fache davon.
Chris: So enthält auch der TE-994 16 Kilobyte zusätzliches RAM zu dem Scratchpad.
Chris: Aber diese 16 Kilobyte, die stellen den Prozessor vor ein Problem,
Chris: weil direkt kann der nur SRAM ansprechen, also dieses Scratchpad RAM.
Chris: Das ist aber ziemlich teuer. Das SRAM steht für Static RAM und das heißt deswegen
Chris: so, weil das seinen Zustand statisch hält. Also solange Strom anliegt,
Chris: bleibt der Inhalt gleich und muss nicht permanent aufgefrischt werden.
Chris: Für die 16 KB Hauptspeicher, die dann noch weiter auf der Platine sind,
Chris: kommt aber günstigeres RAM zum Einsatz. Das DRAM, Dynamic RAM,
Chris: das verliert regelmäßig seine Ladung und muss deswegen immer wieder aufgefrischt werden.
Chris: Und sowas beherrscht der Prozessor gar nicht. Der kann mit DRAM überhaupt nicht
Chris: kommunizieren. Da braucht er also die Unterstützung eines separaten Speichercontrollers.
Chris: Und den gibt es auch. Das ist jetzt ausnahmsweise mal kein zusätzlicher Chip,
Chris: sondern der ist in einem anderen Bauteil verbaut, nämlich im Videochip.
Chris: Der kann ja, wir hatten es vorher kurz erwähnt, direkt mit DRAM umgehen und
Chris: deswegen wird er jetzt zweckentfremdet, neben seiner eigentlichen Arbeit als
Chris: Grafikchip, nämlich der ist auch gleichzeitig für die Verwaltung des Arbeitsspeichers zuständig.
Chris: Das heißt ja ganz recht, ein Basic-Programm zum Beispiel, wenn man das ausführt,
Chris: dann liegt es beim TI-994 im Grafikspeicher.
Chris: Der Videochip, der ist jetzt allerdings nur über einen 8-Bit-Bus mit dem DRAM
Chris: verbunden und nicht über einen 16-Bit-Breiten-Bus wie der Prozessor.
Chris: Und dementsprechend geht das natürlich alles langsamer und bremst die Speicherzugriffe stark aus.
Henner: Eine erstaunlich moderne Architektur. Wir nehmen dies ja auf im Jahr 2026 und
Henner: vor kurzem hat Nvidia eine neue PC-Plattform vorgestellt mit einheitlichem Arbeitsspeicher,
Henner: den sich CPU und Grafikchip teilen.
Henner: Apple macht auch sowas. Also das ist durchaus wegweisend. Aber beim TE994 ist
Henner: das natürlich eine Notlösung.
Henner: Nun hat so ein Computer nicht nur RAM, sondern auch ROM, also nicht beschreibbaren
Henner: Speicher mit dem Betriebssystem, also dem Bootloader und dem integrierten BASIC.
Henner: Das kennen wir ja vom C64. Für einfache BASIC-Programmierung muss man kein externes
Henner: Programm laden. Das ist Teil des Systems.
Henner: Und nicht nur das, es steckt im Raum auch noch ein weiteres Programm namens
Henner: Equation Calculator, also ein Rechnerprogramm zum Lösen von mathematischen Gleichungen,
Henner: sodass man mit dem TI auch arbeiten kann, ohne erstmal selbst was zu programmieren
Henner: oder ein Modul einzustecken.
Henner: Ursprünglich sollte sogar noch ein drittes Programm enthalten sein,
Henner: ein Lernspiel namens Number Magic.
Henner: Das wird aber wieder gestrichen und erscheint stattdessen als Modul.
Henner: Aber auch solche Module werden sehr bequem eingebunden ins Startmenü.
Henner: Nach dem Einschalten des Rechners kann man ganz bequem mit einem Tastendruck
Henner: wählen, ob man Basic haben möchte oder diesen Taschenrechner
Henner: oder eben ein eingestecktes Modul, ohne Load, 8,1 oder irgendeinen kryptischen
Henner: Firlefanz einzutippen. Das ist sehr schön gelöst.
Henner: Ja, wie viel ROM hat der Rechner denn nun, um diese Software unterzubringen?
Henner: Jetzt wird es wieder mal kompliziert, wie so oft beim TE99-4.
Henner: Und das liegt am Adressraum, wie beschrieben. Der ist ja mit 64 KB sehr knapp.
Henner: Denn in diese 64 KB muss ja alles reinpassen, egal ob RAM oder ROM.
Henner: Das passt aber nicht, denn rechnen wir mal nach.
Henner: Die 16 Kilobyte Arbeitsspeicher, die müssen nicht mit rein zum Glück.
Henner: Die können wir vergessen, um die kümmert sich der Grafikchip nicht die CPU.
Henner: Aber die 256 Byte Scratchpad, die muss die CPU adressieren und auch eine optionale
Henner: 32 Kilobyte Erweiterung.
Henner: Und Zusatzspeicher, der in manchen Modulen auch noch drin steckt.
Henner: Und damit bleiben von den 64 weniger als 32 Kilobyte übrig.
Henner: Ja und das ist ein Problem, denn die ganze interne Software,
Henner: also das Basic, der Calculator, der Bootloader, all das, was auf ROM-Chips normalerweise
Henner: vorliegt, belegt insgesamt 32 KB.
Henner: Wir haben aber keine 32 KB mehr, der Adressraum ist zu klein.
Henner: Was macht TI also? Nun, sie packen das Basic und den Calculator nicht auf ROM-Chips
Henner: mit einzelnen adressierbaren Bytes, sondern auf alternative Speicherchips.
Henner: Eine Eigenentwicklung namens GROM, also GROM.
Henner: Das steht offiziell für Graphics ROM, das hat aber mit Grafik eigentlich überhaupt
Henner: nichts zu tun. Ursprünglich hieß das mal Games ROM, denn das wurde für die Spielmodule entwickelt.
Henner: Aber das Management wollte mit Spielen dann doch lieber nicht so viel am Hut
Henner: haben und die G-ROM-Chips wurden umbenannt in was seriöser Klingendes.
Henner: G-ROM hat mehrere Vorteile. Das ist erstens viel billiger als echte ROM-Chips,
Henner: das kostet ungefähr ein Drittel.
Henner: Und es braucht nicht viele Adressen, denn hier kann man gar nicht jedes einzelne Byte adressieren.
Henner: Stattdessen sind die Inhalte hier seriell angeordnet, wie bei so einem Tonband.
Henner: Die CPU sagt dem Chip einmalig, an welcher Stelle er starten soll und liest
Henner: die Daten dann in einem konstanten Datenstrom aus.
Henner: Das spart Adressraum, die interne Software belegt also keine 32 KB im Adressraum,
Henner: und so löst das GROM das Problem des 64 KB Limits.
Henner: Aber es ist ein sehr fragmentiertes und sehr langsames Speichersystem und das
Henner: bremst diese vermeintlich so fortschrittliche 16-Bit-CPU doch erheblich aus.
Chris: Also um das noch ein bisschen greifbarer zu machen, vielleicht ein Beispiel
Chris: aus der Praxis des Jahres 1979, wenn wir jetzt auf dem TI-994 Basic öffnen und
Chris: da den Befehl Print Stay Forever eingeben, was passiert dann?
Chris: Dieser Befehl landet im Grafikspeicher, wie wir es gerade beschrieben haben.
Chris: Das ist ja das RAM, nicht in dem schnellen Scratchpad, wo nur die Registerinhalte
Chris: und die Speicheradressen liegen. Verarbeitet wird dieser Basic-Befehl im Grafikspeicher.
Chris: Wenn der Befehl dann ausgeführt wird, lädt das System die dafür nötige Basic-Routine
Chris: und die liegt im lahmen GROM.
Chris: Das heißt, hier wird das nächste Problem deutlich. der Basic-Code,
Chris: der liegt nicht direkt im schnellen Maschinencode vor, wie bei anderen Computern,
Chris: sondern in TIs eigener, besonders platzsparender Zwischensprache, GPL.
Chris: Du hast vorhin schon Paul Yubainus erwähnt, den Entwickler von dem Spiel Parsec,
Chris: und der hat dir gegenüber gesagt, GPL ist langsam.
Chris: Also dieser Basic-Code löst einen GPL-Befehl aus, der GPL-Interpreter,
Chris: der auch im ROM sitzt, übersetzt das dann während des laufenden Betriebs in Maschinencode.
Chris: Den wiederum führt die CPU aus, also der 9900.
Chris: Und ursprünglich, wir hatten es erwähnt, hatte dieses Heimcomputerteam ja mal
Chris: davon geträumt, eine eigene CPU zu entwickeln, eine ganz eigene,
Chris: nur für diesen Heimcomputer.
Chris: Und zu diesem Konzept gehörte auch dazu, dass diese CPU den GPL-Code nativ verstanden
Chris: und verarbeitet hätte, dass der direkt in die Maschinensprache geht.
Chris: Aber die gab es ja nie. Und der 9900, der kann natürlich mit GPL gar nichts anfangen.
Chris: Der braucht diesen Zwischenschritt der Übersetzung. Also so ein Basic-Code muss
Chris: quasi zweimal interpretiert werden. Erstmal von Basic in GPL und dann von GPL
Chris: in Maschinencode. Und das Ergebnis ist, viele Programme laufen auf dem TI-994 quälend langsam.
Chris: Als ob das nicht schon schlimm genug wäre mit dem langsamen Speicher.
Chris: Jetzt kommen auch noch ineffiziente Operationen bei der eigentlichen Ausführung
Chris: des Programmcodes dazu.
Chris: Also vergleichsweise auf einem C64 ist natürlich auch ein jüngerer Computer,
Chris: der kommt ja ein paar Jahre später, aber trotzdem zum Vergleich,
Chris: weil viele von uns den C64 halt kennen, da läuft der gleiche Prozess sehr viel schneller.
Chris: Der Basic-Buffet liegt direkt im schnellen Hauptspeicher und der Basic-Interpreter
Chris: im System-ROM greift dann darauf zu und führt sofort den passenden,
Chris: fest eingebauten Maschinencode aus.
Chris: Also keine Übersetzung, kein Umweg über diese Zwischensprache,
Chris: kein zweistufiges ROM, keine Auslagerung in den Videospiecher.
Chris: Deswegen ist eine Architektur wie beim C64 sehr viel effizienter.
Chris: Und beim TE-994 eben nicht. Aber wenigstens kann man sagen, der arme Video-Chip,
Chris: in dem ja ein Teil davon stattfindet, der kann nichts dafür.
Henner: Nee, wahrlich nicht. Und der ist ein etwas erfreulicheres Kapitel,
Henner: denn er ist gut gelungen.
Henner: Also dieser TMS-9918, der heißt offiziell jetzt Video-Display-Processor oder VDP.
Henner: Und der ist zuständig natürlich für die Bildberechnung und die Bildausgabe. Was kann der?
Henner: Der kann Auflösungen von 256 mal 192, wie das damals so üblich ist.
Henner: Und diese Auflösung lässt sich in drei verschiedenen Modi unterschiedlich nutzen.
Henner: Da gibt es wie immer verschiedene Darstellungsmodi, Textmodus und Grafikmodus.
Henner: Und der Textmodus, der kann, wie das bei Heimcomputern auch damals Stand der
Henner: Dinge ist, 40 Zeichen pro Zeile ausgeben. Der ABM-PC kommt dann später auf 80.
Henner: Das schafft er noch nicht.
Henner: Dieser Textmodus wird aber sehr selten nur eingesetzt. Selbst der integrierte
Henner: Basic-Interpreter nutzt diesen Textmodus nicht, obwohl man daran ja nichts weiter
Henner: tut, als Textbefehle und Daten einzugeben, aber das nutzt einen Grafikmodus.
Henner: Neben diesem Textmodus gibt es noch zwei verschiedene Grafikmodi,
Henner: die dann das Bild aus unterschiedlich großen Blöcken zusammensetzen.
Henner: Da gibt es zum einen den Multicolor-Modus.
Henner: Da besteht das ganze Bild dann aus Blöcken, die 4x4 Pixel groß sind.
Henner: Das bedeutet dann, dass die nominelle Auflösung nur noch 64x48 groß ist.
Henner: Das ist dann doch etwas wenig, weniger als ein Zehntel der Auflösung eines Atari 2600.
Henner: Damit kann man nicht allzu viel anfangen.
Henner: In dem Modus kann man zumindest die 16 Farben frei wählen, die der Computer
Henner: bietet, also die ganze Farbpalette. Deswegen heißt er auch Multicolor.
Henner: Aber weil diese effektive Auflösung so niedrig ist, kommt dieser Modus sehr selten zum Einsatz.
Henner: Als Spiele, und darum geht es uns ja, nutzen vor allem den zweiten Grafikmodus,
Henner: der heißt auch Graphics-Modus.
Henner: Und nicht nur Spiele, denn auch, wie gesagt, dieser Basic-Interpreter,
Henner: der benutzt ebenfalls diesen Graphics-Modus.
Henner: Und hier sind die Blöcke etwas flexibler, hier sind sie 8x8 Pixel groß,
Henner: aber sie sind nicht einfarbig, wie beim Multicolor-Modus jeweils,
Henner: sondern jeder von diesen 8x8 Pixelblöcken kann ein eigenes Muster enthalten,
Henner: also ein eigenes Pixelmuster darstellen.
Henner: 256 verschiedene Muster gibt es insgesamt auf dem Bildschirm und jeder von diesen
Henner: Blöcken ist beschränkt auf jeweils zwei Farben, eine Vordergrundfarbe und eine Hintergrundfarbe.
Henner: Da gibt es wieder weitere Einschränkungen, die können nicht ganz frei gewählt
Henner: werden, das ist ja immer so, aber das führt jetzt zu weit.
Henner: Auf jeden Fall ist dieser Modus der beste Kompromiss aus Auflösung und Farbvielfalt,
Henner: und der kann schöpfen aus, wie gesagt, 16 Farbwerten, davon ein Transparenzwert.
Henner: Das ist einigermaßen konkurrenzfähig damals. Der C64, der ja deutlich später
Henner: kommt, hat ja auch nur 16 Farben.
Henner: Und von denen sind auch drei Grautöne. Der TI hat nur einen Grauton und insgesamt,
Henner: wie ich finde, eine etwas ausgeglichenere, etwas hübschere Palette als der C64.
Henner: Aber ich weiß, damit mache ich mich unbeliebt.
Chris: Nee, ja. Ich dachte, das muss man gar nicht diskutieren, dass die C64-Farben
Chris: nicht die gelungenste Palette ist. Das ist wesentlich schöner beim 99.4.
Henner: Das gibt böse Kommentare, Christian, das sag ich dir jetzt schon.
Chris: Bring them on.
Henner: Aber es gibt ja nicht nur den C64, es gibt ja auch noch Atari und dort hat ein
Henner: Atari 400 128 Farben. Also da kann man noch aus dem Vollen schöpfen,
Henner: da reicht der TI-Rechner nicht ran, aber es ist trotzdem halbwegs konkurrenzfähig.
Henner: Aber das Herzstück dieses Chips ist seine Sprite-Engine.
Henner: Wir erinnern uns, entwickelt wurde er ja eigentlich für den Einsatz in Spielkonsolen
Henner: und das zeigt sich an den Sprites.
Henner: In den verschiedenen Grafikmodi sind insgesamt 32 Sprites darstellbar mit 8x8
Henner: oder 16x16 Pixeln jeweils.
Henner: Die kann man natürlich auch wie üblich zusammensetzen zu größeren beweglichen
Henner: Elementen, also mehrere Sprites, die dann gemeinsam eine Spielfigur bilden zum Beispiel.
Henner: Zum Vergleich der C64, der beherrscht nur acht Sprites.
Henner: Also hier kann der TI durchaus etwas mehr. Allerdings sind die Sprites jeweils
Henner: auf eine Farbe beschränkt und es gibt weitere Einschränkungen.
Henner: Zum Beispiel dürfen nur vier pro Bildzeile dargestellt werden gleichzeitig.
Henner: Wenn mehr als vier in einer Bildzeile auftauchen, dann müssen sie sich abwechseln.
Henner: Dann kommt es zu diesem Sprite-Flimmern, wie man es ja auch vom C64 kennt oder vom NES.
Henner: Was der Grafikchip leider nicht kann, das ist Hardware-Scrolling.
Henner: Also Hardware-gestütztes, schnelles, weiches Scrolling in alle Richtungen,
Henner: wie es bei Atari möglich ist.
Henner: Das fehlt dem Chip. Also jeder Scroll-Effekt muss in Software gelöst werden,
Henner: sehr aufwendig oder darüber, dass man Sprites zweckentfremdet.
Henner: Da gibt es ein paar Tricks, um trotzdem Scrolling zu ermöglichen.
Henner: Parsec ist da ein Vorzeigetitel, zu dem kommen wir ja noch.
Henner: Aber es ist in der Hardware nicht unterstützt und das ist eine deutliche Schwäche.
Henner: Insgesamt, wenn man sich die Spiele dieser Zeit auf dem T-994 mal anguckt,
Henner: dann ist das grafische Niveau schon deutlich über dem, was damals auf den Konsolen
Henner: geboten ist, also über einem Atari 2600, auch über dem, was eine Intellivision-Konsole zu bieten hat.
Henner: Aber es bleibt etwas unter dem Niveau eines Atari 400, 800 und auch etwas unter
Henner: einem späteren C64, würde ich sagen, wenn man mal von den Farben absieht,
Henner: die wirklich hier etwas schöner sind.
Chris: So, das war die Grafik. Was fehlt uns jetzt noch? Ach ja, der Sound fehlt uns natürlich noch.
Chris: Und da kommen wir jetzt zum nächsten und letzten Chip in unserer Aufzählung hier.
Chris: Wir hatten gerade den Grafikchip, den TMS 9918 und jetzt kommen wir zum TMS
Chris: 9919 und das ist der Soundchip.
Chris: Das ist auch der einzige Chip auf dieser Platine, den Texas Instruments tatsächlich
Chris: dediziert für diesen Heimcomputer entwickelt.
Chris: Das andere sind ja Zweckentfremdungen, die ursprünglich mal für was anderes
Chris: gedacht waren, aber dieser Soundchip tatsächlich wird spezifisch für den Computer entwickelt.
Chris: Der kann das, was Soundchips zu dieser Zeit halt üblicherweise so können,
Chris: Klänge auf vier Kanälen ausgeben. Der hat drei Tongeneratoren und einen Rauschgenerator.
Chris: Die Töne sind dabei einfache Rechteckwellen in verschiedenen Frequenzen und Lautstärken.
Chris: Das heißt, der TE-994 klingt so ähnlich wie der konkurrierende Atari 400 oder
Chris: 800, weil der kann genau das Gleiche, also vier Kanäle mit Rechteckwellen formen.
Chris: Wir denken bei 8-Bit-Musik ja in der Regel an den SID-Chip, das C64.
Chris: Der ist fortschrittlicher. Der
Chris: hat dann programmierbare Wellenformen und ausgefeiltere Filtermethoden.
Chris: Das gibt es hier noch nicht, aber der SIT-Chip ist ja auch ein paar Jahre später.
Chris: Und wie klingt das dann also auf dem TI-994? Da hören wir mal kurz in ein Beispiel rein.
Chris: Das war Mozarts türkischer Marsch, den wir hier gehört haben.
Chris: Das stammt aber tatsächlich aus einem Spiel des TI-994, nämlich aus dem Spiel
Chris: Mausk Attack. Da ist das die Titelmelodie.
Chris: Also ja, wir haben gehört, das ist jetzt nicht das Niveau des Sitchips,
Chris: aber das ist auch noch nicht unbedingt zu erwarten 1979.
Chris: Aber dafür kann der TI-994 was anderes.
Chris: Und jetzt kommen wir wieder zurück zum Anfang unserer Folge.
Henner: Ja, er kann sprechen, Christian. Ist das nicht fantastisch?
Chris: Ja. Wie macht er das, Henna? Wie kann dieser Computer sprechen?
Henner: Nicht von selbst, nicht ungefragt. Man muss schon noch was ergänzen,
Henner: damit er das überhaupt kann und ihm sagen, was er sagen soll.
Henner: Aber wie macht man das? Nun, der hat ja, wie ich es beschrieben habe,
Henner: einen Erweiterungsport am rechten Rand, wo man also externe Peripherie andocken kann.
Henner: Und dafür gibt es bei TI selbst auch spezielle Zubehörgeräte,
Henner: die Sidecars heißen die, die man rechts anstecken kann.
Henner: Und zwar kaskadiert, also in einer Kette von bis zu sechs Geräten.
Henner: Das sieht dann sehr eindrucksvoll aus. Das ist dann insgesamt fast ein Meterbreit,
Henner: die sich der Computer dann über den Schreibtisch ausbreitet.
Henner: Also man steckt da zuerst zum Beispiel die Speichererweiterung an und dann kommt
Henner: daneben ein Diskettencontroller und dann das Diskettenlaufwerk.
Henner: Dann kann man vielleicht noch einen seriellen Port ergänzen und wenn man möchte
Henner: auch noch ein Modem oder einen Akustikkoppler oder einen Drucker.
Henner: Das kann man also alles rechts anstecken und so eine riesige Kette an Peripherie erzeugen.
Henner: Es sieht wirklich cool aus, habe ich leider alles nicht, ich habe nur den Computer selbst.
Henner: Und was ich auch leider nicht habe, ist die spektakulärste und die wahrscheinlich
Henner: auch populärste Erweiterung, neben der Speichererweiterung, ein Sprachsynthesizer.
Henner: Für anfangs 150 US-Dollar, also durchaus günstig, verglichen mit dem Computer,
Henner: der ja kein Schnäppchen ist.
Henner: Und da steckt etwas drin, was wir heute schon mal gehört haben,
Henner: nämlich diese Sprachsynthese aus diesem Texas Instruments eigenen Spielzeug, aus dem Speak & Spell.
Henner: Ein bisschen weiterentwickelt, da hat sich ja einiges getan auf dem Gebiet der
Henner: Sprachsynthese, aber im Grunde ist das noch die gleiche Technik,
Henner: die in diesem Modul drin steckt.
Henner: Und wenn man das ansteckt an den Computer, dann kann man den Computer sprechen lassen.
Henner: Da sind einige hundert Wörter und Phrasen vorgegeben, die man einfach abrufen kann.
Henner: Da kann man eigene Texte eingeben und ihn eben so sprechen lassen.
Henner: Man kann aber auch über Basic-Befehle sich eigene beliebige Wörter ausgeben
Henner: lassen, die muss man dann zusammensetzen aus einzelnen Buchstaben.
Henner: Das ist natürlich eine hübsche Spielerei, die ich ja auch eingangs genutzt habe,
Henner: um einen Text aufsagen zu lassen.
Henner: Ich habe dabei allerdings ein bisschen geschummelt. Ich habe ihn ja sagen lassen, stay forever.
Henner: Aber im Vokabular dieses Rechners ist das Wort stay gar nicht drin.
Henner: Und forever leider auch nicht.
Chris: Wie kann denn das sein? Das sind ja durchaus relevante Wörter.
Henner: Finde ich auch. Aber was er sagen kann ist, say. Und ich habe einfach darauf
Henner: gebaut, dass niemand so genau hinhört. dass das T fehlt.
Henner: Er sagt also, say forever. Ihr könnt es euch ja nochmal anhören,
Henner: ganz zu Beginn dieser Episode.
Henner: Und auch das Wort forever ist eben nicht drin im Vokabular. Das musste ich also
Henner: zusammenbauen aus for, das ist immerhin drin.
Henner: Und dann habe ich das ever auch ein bisschen zurechtgeschummelt.
Henner: Also es ist nicht ganz perfekt getroffen, aber es ist trotzdem sehr eindrucksvoll,
Henner: dass der Computer überhaupt sprechen kann und dass das einigermaßen zu verstehen ist, was er sagt.
Henner: Den Computer auf die Weise ein paar Worte sprechen zu lassen,
Henner: ist natürlich nicht viel mehr als eine Spielerei, die nach kurzer Zeit langweilig
Henner: wird, wenn man merkt, dass er keine Schimpfworte beherrscht.
Henner: Aber das wird zum Killer-Feature, wenn es durch kommerzielle Software genutzt
Henner: wird, vor allem durch die Spiele.
Henner: Und erstaunlich viele Spiele, vor allem jene von TI selbst, machen davon Gebrauch.
Henner: Und das muss im Jahr 1980 eine Offenbarung gewesen sein, wenn ein Spiel nicht
Henner: nur ein bisschen piepst, sondern zu mir spricht.
Henner: Denn man muss ja bedenken, digitalisierte Samples, wie später auf dem Amiga,
Henner: die gibt es ja abseits der Spielhallen noch gar nicht zu hören.
Henner: Das ist also höchst eindrucksvoll und ein großer Gewinn für die Immersion und
Henner: es vermittelt in einigen Spielen auch hilfreiche Informationen.
Henner: Fantastisch. Das hätte ich damals voller Stolz all meinen Freunden vorgespielt.
Henner: Guck mal hier, mein Computer ist nicht nur wunderschön, der ist auch schlau, der kann sprechen.
Chris: Ja, das ist wirklich mega. Also jetzt hast du uns den Mund wässrig gemacht,
Chris: mehr zu erfahren über den TE99 als Spielemaschine. Wir haben ja jetzt beschrieben, was er kann.
Chris: Dann stellt sich die Frage, wie nutzt der Computer das für Spiele,
Chris: was für Spiele erscheinen darauf und natürlich auch, wie geht es ihm denn im Markt?
Chris: Und das alles, sowie auch die weiteren Abenteuer von Texas Instruments im Heimcomputermarkt,
Chris: das erzählen wir euch nächste Woche in Folge 2.
Henner: Ganz genau. Ich freue mich drauf.
Chris: Ich mich ebenfalls.
Henner: Bis dahin.
Chris: Bis dann.