Gespräche über alte Spiele
00:00:00: Hallo liebe Hörerinnen und Hörer und moin Gunnar.
00:00:02: Hallo Henner.
00:00:03: Gunnar, wenn du dich entscheiden müsstest für alle Zeit, Singleplayer oder Multiplayer?
00:00:08: Dann würde ich Singleplayer sagen, ich bin doch alt. Ich kann doch nicht mehr
00:00:12: Multiplayer spielen, das ist ja ganz schauderhaft, wie langsam ich geworden bin.
00:00:16: Also im kompetitiven Multiplayer bin ich halt immer letzter und im kooperativen
00:00:21: Multiplayer bin ich ein Hindernis.
00:00:24: Eine Last, ein Klotz am Bein, das geht so nicht. Nein, das geht so nicht.
00:00:29: Ich kann nur Solo dieser Tage. Früher hätte ich das mal anders beantwortet,
00:00:32: vor allen Dingen zu meiner großen Pro Evolution Soccer Zeit,
00:00:35: aber dieser Tage fürchte ich, bin ich eingeloggt auf den Singleplayer.
00:00:40: Dann habe ich wohl den falschen Gesprächspartner, denn heute geht es doch ums
00:00:44: gemeinsame Spielen übers Netzwerk auf der LAN-Party.
00:00:47: Aber ich bin froh, dass ich überhaupt einen Gesprächspartner habe und keinen
00:00:50: Monolog halten muss, denn Podcasts sind wie Spiele, also zumindest ich finde
00:00:55: das, zusammen macht das mehr Spaß.
00:00:58: Ich bin im Team Multiplayer, auch wenn ich Singleplayer natürlich auch sehr schätze.
00:01:02: Aber meine wöchentliche Online-Runde, Alarmstufe Rot 2 gegen Freunde und die
00:01:07: regelmäßige LAN-Party will ich nicht missen. Das ist einfach so gut.
00:01:11: Und das wollen wir heute feiern, das gemeinsame Spielen.
00:01:14: Ob du mitmachst oder nicht, dann mache ich es doch alleine. Ich feiere die LAN-Party.
00:01:18: Ich mache schon mit. Ich war ja auch mal jung, Henner. Ich war ja mal so jung
00:01:21: wie du. Da habe ich auch noch Multiplayer gespielt.
00:01:24: Na gut, dann schöpfen wir aus deinem Erfahrungsschatz.
00:01:30: Das gemeinsame Spielen, dieser menschliche Wettstreit oder auch das kooperative Spielen,
00:01:34: das ist ja ein wesentlicher Teil dieses Mediums, dieses Phänomens Computerspiel
00:01:39: oder Videospiel und das steckt auch von Anfang an in der DNA dieses Mediums.
00:01:45: Einige der allerfrühsten Spiele sind Multiplayer-Titel.
00:01:49: Das sind ja zum Teil noch experimentelle Spiele und keine kommerziellen Spiele,
00:01:53: sowas wie Tennis 4-2 von 1958,
00:01:56: was dringend man ist, der Forever-Folge braucht, oder Space War von 61 oder
00:02:01: auch Pong, das war ja der erste richtige kommerzielle Welthit der ganzen Branche.
00:02:05: Das sind alles Zweispieler-Titel. Und die allererste Konsole überhaupt,
00:02:09: die Magnavox Odyssey, die ist ja mit wenigen Ausnahmen auch eine Multiplayer-Konsole,
00:02:14: ausgelegt auf zwei oder mehr Spielende.
00:02:17: Aber das sind alles lokale Multiplayer-Erlebnisse. Die sind alle beschränkt
00:02:21: auf einen gemeinsamen geteilten Bildschirm.
00:02:24: Wir wollen ja heute über die LAN-Party sprechen, also darum,
00:02:27: dass jeder seinen eigenen Bildschirm hat.
00:02:29: Das dauert allerdings noch ein paar Jahre, bis das möglich wird.
00:02:33: Aber wir haben ja im ersten Teil genau beschrieben, wie es dazu kam,
00:02:36: dass Computer und PCs überhaupt miteinander vernetzt wurden,
00:02:40: insbesondere über Ethernet.
00:02:41: Wie sich dieser Standard weltweit ausbreitet und durchsetzt.
00:02:45: Es dauert nicht allzu lange, bis die Menschen auf die Idee kommen,
00:02:48: über diese Computernetzwerke auch zu spielen.
00:02:52: Und das passiert sogar schon vor Ethernet, diese Idee, dass man auch über miteinander
00:02:56: vernetzte Computer spielen könnte.
00:02:59: Und da kommt ein Name ins Spiel, mit dem wir den ersten Teil dieser Folge beschlossen haben.
00:03:04: John Kameny, dieser erwähnte Mathematiker und Philosoph mit dem sagenhaften
00:03:09: Lebenslauf, der ist jetzt erneut ein guter Stichwortgeber für den Anfang dieses Teils.
00:03:14: Der nämlich beschreibt 1972 in seinem Buch Man and the Computer,
00:03:19: was ein wunderbares Buch ist, das liegt mir auch vor, Eine kleine Revolution.
00:03:23: Er ist zu dieser Zeit damals Präsident einer Universität, des Dartmouth College.
00:03:28: Und an dieser Universität ist zu dieser Zeit ein Computerspiel populär im universitäts
00:03:34: eigenen Computernetz, das neuerdings mehrere gleichzeitige Spieler unterstützt.
00:03:39: Das ist so eine digitale Football-Umsetzung, die heißt auch ganz originell nur Football.
00:03:45: Und das war zunächst ein Einzelspielerspiel. Wer hat das geschrieben?
00:03:49: Kameny selbst natürlich, 1965, was er in diesem Buch nicht mal erwähnt.
00:03:53: Oh, er ist so schlau, er kann alles.
00:03:56: Oder er ist so bescheiden, weil er könnte das ja auch nochmal reinreiben.
00:03:59: Hier habe ich übrigens selbst geschrieben. Macht er aber nicht,
00:04:02: erwähnt er gar nicht, dass es von ihm stammt.
00:04:04: Und dieses Football-Spiel, das haben nach seiner Zeit als aktiver Programmierer
00:04:09: einige Studierende weiterentwickelt zu einer Version, die ab 1969 multiplayerfähig ist.
00:04:17: Seit 1969 können in einer neueren Fassung dieses Spiels an zwei Spielstationen
00:04:22: irgendwo auf dem Campus zwei Spielende gegeneinander antreten.
00:04:26: Kemeny hat damals in seinem Buch schon das Potenzial dieser Entwicklung erfasst
00:04:30: und er schreibt, bislang haben wir nur die vage Ahnung von der vollen Leistungsfähigkeit
00:04:35: eines Teams, das aus mehreren Menschen und einem Computer besteht.
00:04:38: Und er wagt auch einen Ausblick auf das Jahr 1990 und skizziert darin einen
00:04:43: typischen Haushalt dieses Jahres 1990, in dem der Computer den Schülern nach
00:04:48: den Hausaufgaben bei der Entspannung hilft,
00:04:50: wenn sie in verschiedensten Computerspielen gegen andere Kinder in aller Welt antreten.
00:04:54: Vielleicht sogar schreibt er mit fernsehgleicher grafischer Darstellung.
00:04:58: Oh, das ist genau so passiert.
00:05:00: Ja, so ist es, genau so. Visionär. Nun, die Spielausgabe seines Spiels,
00:05:07: dieses Football-Spiels, die erfolgt damals noch nicht auf dem Bildschirm,
00:05:10: sondern auf einem Teletype-Terminal.
00:05:12: Das ist ja eine elektrische Schreibmaschine mit integriertem Drucker.
00:05:16: Das heißt, da kriegt man die Züge des Gegenspielers auf Papier vor sich ausgedruckt.
00:05:21: Man kann hier also noch nicht von einem Videospiel sprechen,
00:05:24: weil es kein Videosignal gibt.
00:05:26: Und außerdem ist es hier nur ein einzelner Computer.
00:05:30: Auf denen die einzelnen Spielenden per Dartmouth-Timesharing-System über ihre Terminals zugreifen.
00:05:35: Die sind also alle mit ihren Terminals mit einem einzelnen Rechner verbunden
00:05:39: und die einzelnen Stationen haben keine eigene Rechenleistung.
00:05:42: Das ist also auch kein Computernetz im eigentlichen Sinne.
00:05:46: Die Erfindung der LAN-Party lässt also noch ein bisschen auf sich warten.
00:05:50: Trotzdem, Ende der 60er Jahre gibt es schon eine Ahnung davon,
00:05:55: wie die LAN-Party später mal aussehen könnte.
00:05:57: Wenn man die Frage nach den ersten Netzwerkspielen ein bisschen enger fasst,
00:06:03: dann landet man ziemlich schnell bei der nächsten großen Stufe,
00:06:06: nämlich PLATO an der Universität von Illinois.
00:06:10: Das ist ein universitäres Computernetz, das in den frühen 70er Jahren schon
00:06:15: erstaunlich weit ist und nicht nur technisch weit fortgeschritten,
00:06:19: sondern auch kulturell.
00:06:21: Da sitzen Menschen an Terminals, die nutzen ein gemeinsames System und irgendwann
00:06:25: kommt irgendjemand auf die Idee, lass uns doch da mitspielen.
00:06:29: Ab dem Frühjahr 1973 läuft da ein Star Trek-inspiriertes Strategiespiel namens Empire.
00:06:35: Bis zu acht Spieler können teilnehmen, das ist noch Runden basiert und die Darstellung
00:06:39: auf den Bildschirmen ist funktional.
00:06:42: Aber es passiert auf Bildschirmen, nicht nur als Ausdruck oder Textliste.
00:06:46: Und dann geht das alles ziemlich schnell voran.
00:06:48: Im Herbst kommt Empire 2 und das ist der Punkt, wo es jetzt richtig interessant
00:06:52: wird. Jetzt gibt es Echtzeitgefechte, es gibt Vektorgrafik und man kann es ziemlich
00:06:57: plausibel als das erste Multiplayer-Actionspiel bezeichnen.
00:07:01: Und noch spannender ist, was daraus entsteht, weil Empire 2 inspiriert dann
00:07:05: einen Studenten zu einem Spiel, das heute fast so wirkt, als hätte er damals
00:07:10: in die Zukunft blicken können, das heißt...
00:07:13: Basim, Spasim, kurz für Space Simulation, aus dem Frühjahr 1974.
00:07:19: Und das ist ein Weltraum-Shooter, bei dem sich bis zu 32 Leute in,
00:07:24: bei Star Trek angelehnten, Schiffen bekämpfen können.
00:07:27: Und zwar in 3D-Vektorgrafik. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.
00:07:31: Ein 3D-Multiplayer-Shooter in den frühen 70ern, der im Prinzip online gespielt wird.
00:07:38: In einer Zeit, in der die meisten Menschen noch nicht mal einen Taschenrechner besitzen.
00:07:41: Ja.
00:07:42: Das ist einigermaßen beeindruckend.
00:07:44: Allerdings.
00:07:45: Und, aber jetzt kommt die typische Fußnote, die bei solchen ersten Malen immer dazugehört.
00:07:51: Plato ist streng genommen kein Netz aus verteilten Computern,
00:07:54: so wie wir das später verstehen.
00:07:56: Die Programme laufen nicht auf einzelnen Rechnern, die miteinander sprechen,
00:08:00: sondern auf zentralen Mainframes und die Spieler hängen mit ihren Terminals dann da dran.
00:08:05: Also funktional fühlt sich das ganz klar wie ein Netzwerkspiel an,
00:08:09: aber technisch ist es eher ein Interterminal-Spiel auf einem zentralen System.
00:08:14: Und dabei sind wir wieder bei der Definitionsfrage. Wenn man Netzwerk jetzt
00:08:17: technisch meint und nicht funktional, also wirklich als Kommunikation zwischen
00:08:22: verteilten Computern, dann ist auch Empire nicht das erste Computernetzspiel.
00:08:27: Je nachdem, wie man diese Grenze zieht, verschiebt sich der Titel.
00:08:31: Ja, aber wir sind auf bestem Wege dahin. Und immerhin haben wir jetzt schon
00:08:34: mal Monitore und Grafik.
00:08:36: Das ist ja schon mal was. Ich glaube, die LAN-Party hätte sich nicht durchgesetzt,
00:08:39: diese Idee, wenn jeder vor seinem Drucker sitzen würde, anstelle eines Bildschirms.
00:08:44: Ich war völlig okay mit Textspielen. Ich weiß nicht, was die Leute immer haben.
00:08:48: Diese ganze Grafik hat zu nichts geführt.
00:08:49: Ja, Textausgabe auf dem Monitor, okay, darauf können wir uns einigen.
00:08:52: Aber Textausgabe auf einem Drucker?
00:08:54: Super. Ich habe so lange Postspiele gespielt. Das war toll.
00:08:57: Okay, na gut. Hätte mich jetzt nicht unbedingt überzeugt.
00:09:03: Außerdem, Drucker machen immer Probleme. Das wäre noch viel problematischer
00:09:07: gewesen als eine LAN-Party überhaupt
00:09:09: schon. Aber zu den ganzen technischen Problemen kommen wir erst noch.
00:09:12: Jetzt wollen wir uns erstmal dem ersten LAN-Party-Spiel überhaupt nähern,
00:09:15: dem ersten richtigen Computernetz-Spiel.
00:09:18: Und das kommt jetzt. Du hast gerade das Frühjahr 73 erwähnt,
00:09:21: in dem Empire fertiggestellt wurde.
00:09:23: Und im gleichen Jahr passiert nämlich noch was in einem NASA-Forschungszentrum.
00:09:29: Da sitzen ein paar Schüler zusammen, die dort im Sommer im Rahmen eines Schulprojekts
00:09:33: arbeiten und an Minicomputern arbeiten dürfen.
00:09:36: An Imlac PDS-1 heißen die. Und ihr Auftrag ist, nutzt diese Rechner für was
00:09:42: immer ihr wollt, bringt die mal in ihre Leistungsgrenze und das tun sie auch.
00:09:46: Die experimentieren daran und einem dieser Schüler gelingt es,
00:09:50: darauf dreidimensionale Grafik darzustellen.
00:09:52: Dreidimensionale Würfel, das ist jetzt keine allzu spektakuläre Grafik,
00:09:57: aber immerhin sie ist dreidimensional,
00:09:59: also sich bewegende, rotierende Würfel mit verdeckten Kanten und das entwickeln
00:10:07: sie dann weiter zu einem kompletten Spiel, denn sehr schnell kommt die Idee auf,
00:10:12: aus mehreren von diesen Würfeln könnte man doch auch ein Labyrinth bauen und
00:10:17: das tun sie auch und das Ergebnis ist ein Labyrinth-Spiel namens Maze,
00:10:21: also zu deutsch Labyrinth.
00:10:22: Und sehr schnell kommen sie dann auch auf die nächste Idee, den nächsten Evolutionsschritt,
00:10:27: zwei von diesen Minicomputern über ein serielles Kabel miteinander zu verbinden
00:10:31: und gemeinsam durch das Labyrinth zu laufen.
00:10:35: Sagenhaft, was diese Schüler da für Möglichkeiten hatten bei der NASA.
00:10:39: Offensichtlich unbeaufsichtigt. Und der nächste Schritt ist auch logisch.
00:10:44: Natürlich kommt bald die Idee auf, nur durchs Labyrinth zu laufen ist langweilig.
00:10:49: Wäre doch spannender, wenn wir aufeinander schießen könnten.
00:10:52: Damit wird aus Maze recht bald Maze War.
00:10:56: Wobei viele das Spiel auch weiterhin als Maze bezeichnen. Das ist nicht ganz
00:11:00: einheitlich. Außerdem wird es mal zusammengeschrieben, mal auseinander oder Maze Wars.
00:11:04: Ich bleib einfach mal bei Maze War. Noch ist das auf zwei Spielende beschränkt,
00:11:09: jeder an einem Minicomputer, aber das ändert sich.
00:11:12: Allerdings wann genau, ist nicht ganz klar dokumentiert. Wahrscheinlich im Frühjahr
00:11:15: 1974, da werden nämlich mehrere von diesen Imlek-Maschinen miteinander vernetzt.
00:11:21: Und darauf läuft dann eine richtige Netzwerkversion von Maze War.
00:11:25: Und das kann, auch wenn, wie gesagt, das nicht klar dokumentiert ist,
00:11:29: wahrscheinlich so als erstes richtiges LAN-Computerspiel gelten.
00:11:32: Das gleiche passiert aber auch noch anderswo, denn Maze War verbreitet sich,
00:11:36: wie das damals so üblich ist mit den frühen Computerspielen.
00:11:39: Parallel dazu beginnt einer dieser Schüler sein Studium im Frühjahr 1974 am
00:11:45: MIT und dort bringt er natürlich auch den Code von Maze mit,
00:11:48: wahrscheinlich ausgedruckt auf sehr dicken Papierstapeln.
00:11:52: Der bringt Maze auch auf den dortigen Minicomputern zum Laufen.
00:11:57: Und erweitert dann gemeinsam mit einigen Kommilitonen dieses Maze War um einen
00:12:03: Multiplayer-Modus für acht Mitspieler.
00:12:06: Einer dieser Kommilitonen, die ihm dabei helfen, Maze War zu erweitern,
00:12:09: um einen Multiplayer-Modus, ist eine prominente Figur namens Peter Lebling.
00:12:14: Und den kennst du ja wohl. Gunnar, was hat der gemacht später?
00:12:17: Der hat die Firma Infocom gegründet, um endlich mit der Grafik fertig zu werden
00:12:23: und wieder Textspieler einzuführen. In geheimer Mission unterwegs gewesen.
00:12:28: Genau, das ist der spätere Autor
00:12:30: von Zork, die zentrale Figur für die Text-Adventures Anfang der 80er.
00:12:35: Verstehe ich das richtig? Der hat hier also eines der ersten grafischen Multiplayer-Spiele
00:12:39: erschaffen und was macht er danach in seiner Karriere?
00:12:41: Er baut ein textbasiertes Singleplayer-Spiel.
00:12:44: Ja.
00:12:45: Ein riesiger doppelter Rückschritt.
00:12:47: Der gute Mann. Wie sich das gehört.
00:12:51: Nun, dieses Maze War vom MIT wird noch weiterentwickelt, das bekommt dann auch
00:12:55: eine Anbindung an einen Mainframe, an einen PDP-10,
00:12:58: das dann als Dedicated Server fungiert und das Spiel verwaltet,
00:13:03: das speichert Spielstände, das steuert dann auch Bots und vermittelt Chat-Nachrichten
00:13:08: unter den einzelnen Stationen.
00:13:09: Das ist mal fortschrittlich, muss ich sagen.
00:13:12: Und es ist ein riesiger Erfolg dort am MIT.
00:13:15: Lempling hat später gesagt, zu sagen, dass das Spiel sofort ein Hit war,
00:13:19: wäre noch untertrieben.
00:13:20: Wir hatten sechs oder acht Imlex und außerhalb der Arbeitszeiten lief darauf fast immer Maze.
00:13:26: Maze oder Maze War verbreitet sich weiter auf weitere Forschungseinrichtungen
00:13:30: und Universitäten und wird an vielen Orten bald zum Problem,
00:13:34: weil es die Computerressourcen bindet, die damals ja noch sehr teuer sind.
00:13:38: Aber Maze macht weiter Karriere und landet 1977 auch am Park,
00:13:43: also am legendären Forschungszentrum von Xerox, wo es natürlich auch auf den Alto portiert wird.
00:13:49: Und von nun an läuft Maze also auch dort über Ethernet.
00:13:53: Das ja noch nicht standardisiert und noch nicht veröffentlicht ist,
00:13:56: aber bei Xerox schon zum Einsatz kommt.
00:13:59: Und der Alto wird auch für weitere Netzspiele genutzt.
00:14:02: Zum Beispiel Alto Trek, also wieder mal ein Star Trek Spiel,
00:14:06: ein bestimmt total sauber lizenziertes Star Trek Spiel.
00:14:09: Das heißt, beim Xerox Park gibt es jetzt auch die ersten LAN-Partys.
00:14:14: Aber die richtige, die beste LAN-Party ist natürlich, wir wissen es,
00:14:18: die, die man zu Hause veranstaltet.
00:14:21: Ja, und dann machen wir jetzt mal den Schritt ins heimische Wohnzimmer.
00:14:24: Also Spiele fürs heimische Netzwerk, also Lahn am Küchentisch sozusagen,
00:14:28: das ist natürlich in den 70er Jahren noch nicht zu sehen am Horizont.
00:14:32: Nicht, weil da niemand Lust drauf hätte, sondern weil ja die Idee damals noch
00:14:37: quasi Science-Fiction ist.
00:14:39: Zwei Privatgeräte im Haushalt, die einfach über ein Kabel miteinander reden, ja klar.
00:14:44: Ja, aber mehr Spieler zu Hause gibt es halt natürlich trotzdem,
00:14:48: aber halt nicht über Netzwerkkabel, sondern über den Umweg, der dieser Zeit
00:14:52: angemessen ist, nämlich das Modem und damit die Telefonleitung.
00:14:56: Das ist dieses wunderschöne Prinzip, man ruft sich quasi gegenseitig an und
00:15:00: dann tröpfeln durch die sehr enge, dünne Leitung ein paar Bytes rüber und dann geht ein bisschen was.
00:15:05: Eins der frühesten Beispiele ist herrlich unspektakulär dabei,
00:15:09: nämlich eine NIM-Variante namens Interactive 23 Bytes für den TRS-80.
00:15:15: Das ist gar kein Produkt im klassischen Sinne, das ist ein Listing zum Abtippen,
00:15:19: abgedruckt im Magazin KiloBord Microcomputing vom November 1978.
00:15:24: Und zwar im Kontext einer Bauanleitung für ein simples Modem.
00:15:28: Also hier Karotte und Peitsche, erst baust du dir das Modem auf und dann darfst
00:15:33: du zur Belohnung NIM spielen.
00:15:35: Das ist ganz schön fair. Also NIM, das ist ein so rudimentäres Spiel,
00:15:40: dass es nicht mal festlegt, wer anfängt.
00:15:42: Kein Münzwurf, kein Player One, nichts.
00:15:44: Der Artikel sagt sinngemäß…
00:15:47: Müsst ihr halt anders klären.
00:15:49: Müsst ihr telefonieren.
00:15:50: Fühlt das auch gut, dass man da vorher vielleicht Schnickschnack-Schnuck spielt,
00:15:52: um rauszufinden, wer anfangen darf.
00:15:55: Dieses frühe Online-Multiplayer ist ja auch direkt gleich ein frühes Sozialexperiment.
00:16:00: Besser wird es am Ende. Da steht nämlich als Tipp, man könne das Programm heimlich
00:16:04: so verändern, dass der menschliche Gegner gar nicht gegen dich spielt,
00:16:07: sondern gegen den Computer. Und dann verliert er ja.
00:16:11: Das ist vermutlich der erste dokumentierte Online-Multiplayer-Cheat.
00:16:15: Na, hier wurde die Saat gelegt dafür.
00:16:18: Ja, toll.
00:16:19: Und im gleichen Jahr 1978 kommt dann schon die nächste Ausbaustufe,
00:16:22: eine Pong-Variante namens Telepong, für den Apple II, ebenfalls spielbar über das Modem.
00:16:28: Die liegt dann auf Kassette bei, als Beigabe zu einer Steckkarte,
00:16:32: die passenderweise Communications Interface Card heißt.
00:16:35: Und dadurch wird aus dem Bastelding hier so ein kleiner Markt.
00:16:40: Ab 1978 sind vernetzte Multiplayerspiele nicht mehr nur Nerd-Folklore, sondern...
00:16:48: Also mehrere wichtige Meilensteine halten wir kurz fest.
00:16:52: Das Multiplayer-Spielen auf mehreren miteinander vernetzten Computern existiert.
00:16:57: Es hat mittlerweile auch eine Bildausgabe und es findet zu Hause statt,
00:17:01: aber noch nicht in einem lokalen Netzwerk, sondern noch über die Telefonleitung.
00:17:06: Und ja, ein Geschäftsmodell ist auch schon draus geworden. Nun gibt es aber
00:17:09: eine einfache, naheliegende Lösung für dieses Problem, was, wenn man vielleicht
00:17:13: mehrere Geräte zu Hause hat, die man miteinander vernetzen will.
00:17:17: Dann braucht man gar nicht die Telefonleitung zu bemühen.
00:17:19: Man kann die auch miteinander direkt verknüpfen.
00:17:22: Und da kommt das Null-Modem-Kabel ins Spiel. Modems werden ja damals üblicherweise
00:17:28: an den seriellen Port angeschlossen.
00:17:29: Auf beiden Geräten, also auf beiden Seiten jeweils ein Modem und dazwischen
00:17:34: hängt die Telefonleitung.
00:17:35: Aber man kann diesen seriellen Port ja auch einfach direkt an den anderen Computer anschließen.
00:17:40: Ob die Daten, die dort angeliefert werden, wirklich von einem Modem über die
00:17:44: Telefonleitung kommen oder ob sie aus einer anderen Quelle stammen,
00:17:48: also von einem anderen Rechner, der direkt daneben steht, das ist dem Computer
00:17:51: in den allermeisten Fällen völlig egal.
00:17:53: Die Software erkennt es in vielen Fällen nicht einmal, woher diese Daten eigentlich stammen.
00:17:58: Und diese Tatsache macht sich das Null-Modem-Kabel zunutze.
00:18:02: Also ein Kabel, das zwei Computer über ihre seriellen Anschlüsse,
00:18:06: also üblicherweise den RS-232-Anschluss oder COM-Port miteinander verbindet.
00:18:10: Auch das Telepong auf dem Apple II, was du gerade erwähnt hast,
00:18:13: das lässt sich auf diese Weise über eine direkte Verbindung spielen,
00:18:17: ganz ohne Telefonleitung und auch ohne Modem mit einem Null-Modem-Kabel.
00:18:21: Und später wird dieser Null-Modem-Spielmodus auch ganz explizit unterstützt.
00:18:26: Ist also nicht ein Hack für Nerds, die zufällig mehrere Rechner in einem Raum
00:18:32: stehen haben. Wer hat das schon damals?
00:18:33: Nein, das wird auch bald ein explizit beworbenes Feature.
00:18:37: Und zu den ersten Spielen, die ich finden konnte mit dieser Unterstützung für
00:18:41: eine Null-Modem-Spielmodus,
00:18:42: Modus gehört wieder ein Apple-2-Spiele, Telechess von 1984,
00:18:48: gefolgt von Trek auf dem PC von 1985, Star Trek taucht einfach immer wieder
00:18:53: auf, und dem Flight Simulator 2 auf ST und Amiga im Jahr 86.
00:18:58: Es mag noch frühere Beispiele gegeben haben, aber in den 80ern kommt das so langsam auf.
00:19:03: Ganz besonders populär ist diese Verbindung über Null-Modem-Kabel bei Lotus
00:19:07: Turbo Challenge 2 von 1991.
00:19:10: Da kann man zwei Atari STs oder zwei Amigas miteinander verbinden und dann zu
00:19:15: viert spielen, weil auf jedem Rechner auch noch per Splitscreen zwei Leute mitspielen können.
00:19:20: Und ein Jahr zuvor noch, 1990, in Populous.
00:19:23: Das war mir nicht bewusst, dass das ein Trend gewesen wäre in Populous,
00:19:27: aber die PC Player 1093 hat das geschrieben.
00:19:30: Zitat, Zehntausende von Populous-Fans steppten ihre Computer zu Freunden,
00:19:34: um sich gegenseitig mit Naturkatastrophen einzudecken.
00:19:38: Ich weiß nicht, wie sie auf diese Zehntausenden kommen, ob das irgendwo belegt
00:19:42: ist oder eine Schätzung, aber es scheint ja populär gewesen zu sein.
00:19:45: Hast du das auch gemacht mit Populous?
00:19:47: Das glaube ich zufällig nicht, aber wir haben schon die Amigas verbunden.
00:19:50: Das weiß ich schon noch, dass ich meinen Amiga mal mitgenommen habe zu irgendjemandem
00:19:54: und dass wir da irgendwas gemacht haben.
00:19:55: Ob das Populous war, ich erinnere es nicht mehr, aber dieser Satz aus der PC
00:20:00: Player erscheint mir eine gezielte Übertreibung zu sein, um des schönen Satzbaus willen und so.
00:20:06: Ich glaube nicht, dass es zehntausende Populous-Fans in ganz Deutschland gab, ehrlich gesagt.
00:20:11: So groß ist das Land hier nicht und zumindest keine Leute, die legale Kopien davon hatten.
00:20:15: Naja, es kann ja auch weltweit gemeint sein.
00:20:18: Ach so.
00:20:19: Vielleicht stammt die Zahl auch von Peter Molyneux, keine Ahnung.
00:20:21: Dann ist sie natürlich um den Faktor 100 übertrieben. Das würde einiges erklären.
00:20:25: Ach genau, der Player hat eine weltweite Umfrage gemacht. Nein,
00:20:28: man weiß es nicht. Vielleicht ist das ja so und das war ein großes Ding.
00:20:31: Ich habe das nicht mitbekommen.
00:20:33: Ja, es ist also nicht belegt, welches das populärste Null-Modem-Spiel damals
00:20:38: war, aber es gab einige Titel, die immer wieder erwähnt werden und dazu gehören
00:20:43: eben Lotus und Populous.
00:20:45: Wenn man jetzt denkt, das Netzwerkding ist ja alles kompliziert und Modem und
00:20:49: dann muss man das auch noch über diesen Port anschließen.
00:20:53: Das ist gar nicht so. Man kann das sogar noch an einen anderen Port anschließen.
00:20:57: Rechner haben ja mehrere Schnittstellen.
00:20:59: Also sie haben ja nicht nur den seriellen Port, sondern man kann das auch über
00:21:02: den Parallelport machen.
00:21:03: Das ist die Schnittstelle, die eigentlich für Drucker reserviert ist.
00:21:07: Die Byte, die Zeitschrift, die schreibt das schon 1980 in einem Artikel über den Commodore-Pad.
00:21:13: Und weil bei denen das damals alles immer gleichzeitig Technikartikel und Bastelstunde
00:21:18: ist, gibt es auch gleich ein Listing
00:21:20: dazu, diesmal für ein Zwei-Spieler-Galgen-Männchen-Spiel, also Hangman.
00:21:24: Hangman als vernetzte Hochtechnologie. Der Artikel schließt mit einem Fazit,
00:21:29: das so klingt, als würde jemand gerade die Zukunft entdecken.
00:21:32: Die Möglichkeiten seien sicher,
00:21:34: aufregender und kreativer als Schiffe versenken mit Stift und Papier.
00:21:38: Das ist ja fair enough.
00:21:41: Sehr schön. Aber es ist auch ein bisschen so ein cooler Moment,
00:21:45: wo die seriöse Computerpresse sich hinstellt und sagt, stellt euch vor,
00:21:49: Papier, aber mit Kabel. Denkt mal drüber nach.
00:21:53: Könnte was werden, ja.
00:21:55: Sehr schön. Richtig lustig wird es ab 1987, weil da jemand auf eine Verbindungstechnik
00:22:00: kommt, die komplett zweckgefremdet ist und deswegen ja schon genial, nämlich MIDI.
00:22:05: Das ist die Schnittstelle, die dafür da ist, Synthesizer zu steuern und Drumcomputer und sowas.
00:22:10: Und auf dem Atari ST ist MIDI standardmäßig eingebaut, weil das Ding ist ja
00:22:14: eh so eine Musik-Workstation. Du hast ja auch mit dem Atari ST damals nichts
00:22:17: anderes gemacht, als damit Musik zu machen.
00:22:20: Nee, ich habe MIDI-Maze gespielt, aber erzähl erstmal, was das ist.
00:22:24: Und da kommt jetzt nämlich Midi Maze. Das ist ein Labyrinth-Deathmatch-Spiel,
00:22:29: ganz stark verwandt mit Maze War, nur eben mit bunten Polygon-Gesichtern,
00:22:34: die sich gegenseitig im Gang niederschießen.
00:22:36: Und das Spiel kann nicht nur zwei Rechner verbinden, sondern gleich bis zu 16
00:22:40: Atari STs in einer Kette.
00:22:42: 16. Wer hat denn 16 STs oder 15 Freunde? Ist ja bizarr.
00:22:46: Über eine Schnittstelle, in der man eigentlich Informationen bekommen soll,
00:22:51: wie Note C dauert 200 Millisekunden.
00:22:54: Stattdessen Spieler 12 hat gerade Spieler 7 in der Sackgasse erwischt.
00:22:59: Im April 1987 schreibt dann das Michigan Atari Magazine über die ersten Midi-Mace-Turniere.
00:23:06: Das kann man eigentlich jetzt schon wieder als Proto-Land-Partys bezeichnen. Da ist der Kern schon da.
00:23:11: Mehrere Maschinen, ein Raum, kompetitives Schießen und irgendwer hat bestimmt
00:23:15: auch zu viel Cola getrunken.
00:23:16: In der Happy Computer 12 1987 ist es auch sehr klar benannt,
00:23:21: dieses Spiel sei allein eher langweilig, aber mit mehr als zwei Spielern sei
00:23:26: es, Zitat, irrer Ballerspaß. Genau das, was später das ganze LAN-Party-Phänomen definiert.
00:23:32: Da hat man Spiele, die sind solo ganz cool, aber im Netzwerk werden sie zu einer Art sozialer Droge.
00:23:38: Und während auf dem Atari ST die Leute sich über das MIDI-Interface vernetzen,
00:23:43: gibt es zu der Zeit aber auch das, was man schon ein wirklich kommerzielles
00:23:46: LAN-Party-Spiel nennen kann.
00:23:48: Eins, das explizit fürs Netzwerk gedacht ist. Und für die Plattform,
00:23:52: die später die LAN-Partys prägt wie keine andere, den PC.
00:23:57: Mhm. Machen wir wieder einen Schritt zurück um fünf Jahre. Da kommt nämlich
00:24:01: das erste PC-LAN-Party-Spiel raus.
00:24:05: Aber ich muss nochmal kurz MIDI-Maze würdigen.
00:24:08: Das war nämlich auch meine erste LAN-artige Erfahrung mit drei Atari ST gegeneinander
00:24:13: MIDI-Maze auf selbstgebauten Karten.
00:24:15: Die konnte man ja in einem Texteditor einfach selber erstellen.
00:24:17: Ganz fantastisch. Und ich bin nicht der Einzige. Ich habe ja auch Boris Schneider-Jone
00:24:21: im ersten Teil unseres Gespräches schon geoutet, als jemanden,
00:24:25: der nie eine LAN-Party besucht hat.
00:24:27: Der erzählte mir, er habe aber dafür mal fünf Atari ST zusammengebracht für
00:24:31: eine MIDI-Maze-Session.
00:24:34: Immerhin.
00:24:35: Und war das dann nicht eine LAN-Party?
00:24:36: Ja, man kann darüber streiten. Es ist ja technisch gesehen kein LAN.
00:24:39: Ach so, ah, ja.
00:24:40: Aber das Erlebnis ist schon dasselbe. Aber jetzt kommen wir zum richtigen LAN,
00:24:45: zum lokalen Netzwerk, nicht irgendeine Verkettung von MIDI-Geräten.
00:24:51: 1982 kommt ein Jahr nach dem IBM PC selbst ein Spiel raus, das heißt Snipes.
00:24:56: Das ist wieder so ein Labyrinth-Ding, also man läuft durch Labyrinthe,
00:24:59: allerdings diesmal in einer Top-Down-Darstellung mit einer Zeichensatz-Grafik,
00:25:03: also technisch wieder einen Schritt zurück.
00:25:05: Und Snipes wird entwickelt bei einer Firma namens Superset Software.
00:25:09: Dessen Mitgründer, der heißt Drew Major, der hat die Entstehung von Snipes später
00:25:13: so erklärt, Zitat, als wir bei Superset im Februar 82 unseren ersten IBM-PC
00:25:18: kauften, gab es keine guten Spiele dafür.
00:25:21: Die einzigen Spiele waren ein paar lahme Basic-Spiele wie Donkey von Bill Gates.
00:25:27: Vielleicht hat der ein oder andere davon schon mal gehört, von Donkey Buzz.
00:25:30: Wir schrieben Snipes, um ein echtes Nicht-Basic-Spiel auf dem PC zu spielen.
00:25:36: Und Snipes, wir können uns mal kurz anhören, klingt so.
00:25:48: Ja, das klingt nicht nach einem mitreißend immersiven Erlebnis,
00:25:53: wird jetzt aber dazu durch eine neue Funktion, ein neues Feature,
00:25:57: einen Multiplayer-Modus.
00:26:00: Eigentlich entwickelt Superset damals eine Netzwerksoftware.
00:26:03: Das ist eigentlich kein Spieleentwickler.
00:26:05: Das ist eine Netzwerksoftware für einen Dateiserver. Und um auf einer Messe
00:26:09: die Fähigkeiten dieser Netzwerklösung zu demonstrieren, verpassen sie ihrem
00:26:13: Spiel Snipes einen LAN-Modus. Und das wird ein riesiger Erfolg.
00:26:18: Major hat mal später erzählt, Verkaufsdemonstrationen endeten üblicherweise mit Snipes.
00:26:24: Das heißt, erst wird über das Geschäft geredet und dann wird geballert.
00:26:27: Und bald wird Snipes dann auch separat kommerziell verkauft.
00:26:31: Aber Superset hat eigentlich kein großes Interesse am Spielemarkt,
00:26:34: denn aus dieser Firma wird 1983 Novell und aus der Dateiserverlösung wird Netware,
00:26:41: über das wir auch schon gesprochen haben.
00:26:42: Es gibt trotzdem Presseberichte über dieses Multiplayer Snipes.
00:26:47: Das PC-Magazin im Dezember 83 schreibt was darüber und es ganz erschüttert von
00:26:51: diesem futuristisch intensiven Erlebnis ihrer ersten Snipes-Partie über ein
00:26:56: Netzwerk und sie schreiben, beam me up Scotty, jetzt wird es gruselig.
00:27:03: Ja, da spricht die Demut vor dieser transzendenten Erfahrung der ersten LAN-Partie.
00:27:08: So muss es sich angefühlt haben, zum ersten Mal von einem Camper weggesniper zu werden.
00:27:13: Snipes bleibt trotzdem für erstaunlich lange Zeit das einzige LAN-Spiel für den PC.
00:27:18: Erst 1991 finden sich weitere Beispiele für solche Spiele. Wenn ihr was Früheres
00:27:24: findet, lasst mich das gerne wissen.
00:27:26: Das erste, was ich finden konnte, war eben 1991 ein Zweispieler-Puzzlespiel
00:27:30: namens Seven Colors, im gleichen Jahr das Rundenstrategiespiel RoboSport von
00:27:35: Maxis für vier Spieler und die Flugsimulation Falcon 3.0.
00:27:40: Das unterstützt via Netware sogar sechs Mitspieler. 1992 kommen dann noch ein
00:27:45: paar LAN-Spiele für den PC raus.
00:27:47: Space World Ho, Car & Driver, Bridgemaster.
00:27:50: Aber es bleibt eine Randerscheinung. Also es dauert noch ein weiteres Jahr,
00:27:55: bis das LAN-Gaming zum Massenphänomen wird.
00:27:58: Und welches Spiel ist da wohl der Auslöser?
00:28:01: Man kann es ja schon fast ahnen. Aber die Technik ist bereit,
00:28:04: das Netz ist aufgespannt, die Kabel liegen, die Karten stecken.
00:28:08: Was jetzt noch fehlt, ist der eigentliche Magnet.
00:28:11: Ein Spiel, das die Leute vernetzt unbedingt spielen wollen.
00:28:15: Und da springen wir in den Januar 1993.
00:28:19: Da gibt es eine kleine Firma namens id Software, die verschickt eine Pressemitteilung
00:28:24: zu ihrem nächsten Projekt zu Doom.
00:28:32: Und diese Pressemitteilung liest sich wie eine kleine Machtdemonstration in
00:28:36: alle Richtungen auf dem Markt.
00:28:38: Technisch will man gleich mehrere Next Level Versprechen abräumen.
00:28:42: Volltexturierte Umgebungen, variable Höhenstufen, Level, die sich nicht mehr
00:28:46: wie flache Pappkulissen anfühlen, sondern wie echte Räume.
00:28:49: Und dann steht da fast nebenbei der Satz, der uns allen so viel Zeit gekostet hat.
00:28:56: Bis zu vier Spiele können über ein lokales Netzwerk spielen.
00:29:01: Ah, Bäm.
00:29:02: Und das Spannende, laut dem Buch Masters of Doom ist diese Multiplayer-Ansage wohl ziemlich spontan.
00:29:08: Doom hat zu dem Zeitpunkt angeblich noch nicht mal Netzwerkkode.
00:29:11: Der soll erst kurz vor der Veröffentlichung Ende 1993 reinkommen.
00:29:17: Also sinngemäß haben sie da gesagt, ja, ja, Multiplayer machen wir schon. Kriegen wir hin.
00:29:21: Ja, John Carmack programmiert sowas nebenbei, beim Frühstück oder unter der Dusche.
00:29:25: Ja, so sind die halt. Und dann kriegen sie es ja auch hin. Und wie sie es dann
00:29:29: hinkriegen. Als dieser LAN-Modus dann wirklich da ist, da schlägt er auch ein.
00:29:33: Harte Belege für frühe klassische LAN-Partys rund um Doom sind nicht so leicht zu finden.
00:29:38: Das war ja noch nicht die Zeit, als jeder Abend mit 200 Fotos dokumentiert wurde.
00:29:42: Aber es gibt schon jede Menge Berichte über exzessive Doom-Runden auf genau
00:29:46: den Netzwerken, die schon existiert haben. In Firmen und an Universitäten.
00:29:50: Doom wird nicht nur gespielt, Doom wird vor allen Dingen auch aus dem Netz heraus gespielt.
00:29:55: Bei Microsoft und bei Intel, da sollte der LAN-Modus immens populär gewesen sein.
00:29:59: Bei Lotus Software hat man abends offenbar Doom-Turniere veröffentlicht,
00:30:04: also nach Feierabend natürlich.
00:30:06: Klar.
00:30:06: Und an der Carnegie Mellon University sah man sich sogar zu einer Ansage genötigt,
00:30:12: die sehr nach verzweifeltem Admin klingt.
00:30:14: Doom, bitte nicht mehr im Netz spielen, das bringt unser Campus-Netz zum Erliegen sinngemäß.
00:30:20: Also da steht nicht, es lenkt ab und da steht auch nicht, es ist unproduktiv,
00:30:24: sondern da steht, es ist zu viel, es macht das Netz kaputt, geht weg.
00:30:27: Das ist quasi ein Ritterschlag.
00:30:29: Also Doom löst einen Multiplayer-Boom aus. Aber,
00:30:32: Und das ist wichtig, der Boom kommt nicht aus dem Nichts, der liegt in der Luft.
00:30:36: Boom ist nur der Funke, der auf einen Raum voller Benzindämpfe trifft.
00:30:40: Sehr schön. Ja, die explosive Stimmung, da ist sie. Aber ja,
00:30:44: du hast es schon gesagt, das liegt schon in der Luft.
00:30:46: Das dokumentiert zumindest die PC Player wieder, die in Ausgabe 1093 geschrieben
00:30:51: hat, also zwei Monate vor der Veröffentlichung von Doom. Das kam ja erst im Dezember.
00:30:56: Zitat, wer einmal in den Bereich der Multiplayer-Spiele, übrigens in Anführungszeichen
00:31:00: gesetzt, geschnuppert hat, ist so schnell nicht wieder an ein normales Computerprogramm zu bekommen.
00:31:06: Am meisten Spaß machen Multiplayer-Spiele, wenn jeder seinen eigenen PC hat.
00:31:10: Stellen Sie mehrere Rechner in einer Wohnung auf, verlegen Sie ein paar Kabel
00:31:14: und spielen Sie los. Jawohl, wenn das mal so einfach wäre.
00:31:18: Aber das ist ganz interessant, dass die PC-Player das 1093 schon schreibt,
00:31:22: denn wie gesagt, das ist ja vor Doom und die Auswahl kompatibler PC-Spiele mit
00:31:26: einem richtigen LAN-Modus, die ist immer noch sehr gering vor Doom.
00:31:31: Dann gibt es Falcon, das haben wir ja schon erwähnt, oder Bridgemaster,
00:31:34: aber das wird kaum jemand dazu motiviert haben, eine LAN-Party zu organisieren.
00:31:38: Dann gibt es NetWars und Populous 2, aber es ist noch sehr überschaubar.
00:31:43: Aber so langsam kommt es jetzt ins Rollen, vor allem dank Doom.
00:31:48: Es bleibt die Frage, warum kommt diese Erkenntnis, dass LAN-Spiele Spaß machen können, so spät erst?
00:31:54: Das ist ja ein Jahrzehnt nach Snipes. Die Technik, das Ethernet war schon längst da, der PC ist da.
00:32:00: Die Technik wäre also bereit gewesen für die ersten LAN-Partys schon in den
00:32:04: 80ern, aber trotzdem beginnt das jetzt erst Mitte der 90er.
00:32:08: Wieso? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist da natürlich die Tatsache,
00:32:13: dass der Computermarkt sich konsolidiert und auf den IBM PC einschießt.
00:32:17: Also den IBM-kompatiblen Rechner mit DOS und Windows.
00:32:21: Die verdrängen nach und nach die ganzen Heimcomputersysteme,
00:32:24: die zueinander inkompatibel sind.
00:32:26: Die Atari STs und Amigas und wie sie alle heißen.
00:32:29: Das heißt, bald stehen überall in den Büros und in den Wohnzimmern und Arbeitszimmern
00:32:34: Computer, die alle miteinander kompatibel sind.
00:32:37: Die also sich anbieten, dass man sie miteinander vernetzt und darauf die gleiche Software spielt.
00:32:42: Dann kommt der zweite Faktor Ethernet. Ein einheitlicher Netzwerkstandard,
00:32:46: der sich immer mehr durchsetzt.
00:32:48: Es gibt ja zu der Zeit auch noch konkurrierende Technologien wie Token Ring von IBM.
00:32:52: Aber das wird zur Mitte der 90er langsam aufgegeben.
00:32:56: Ethernet setzt sich durch und das ist auch ein wichtiger Faktor.
00:32:59: Es gibt einen einheitlichen globalen Standard für die Vernetzung von PCs.
00:33:05: Dritter Faktor, PCs werden billiger. Klar, das haben wir alle in den frühen 90ern erlebt.
00:33:10: Einstiegsmodelle, die man so in gängigen Katalogen findet, Phobos,
00:33:14: wie sie alle heißen, die kosten 1995 nur noch etwa halb so viel wie 1990.
00:33:20: 90, während die Leistung natürlich erheblich größer geworden ist.
00:33:24: Und das führt auch dazu, dass der PC die Rolle als führende Plattform für Computerspiele
00:33:29: von den Heimcomputern übernimmt, also erbt vom Amiga.
00:33:33: In den 80er Jahren war der PC primär noch ein Arbeitsgerät, eine professionelle Maschine.
00:33:38: Jetzt in den 90ern wird der PC zu einer Spieleplattform, technisch und auch preislich.
00:33:44: Außerdem gibt es auf dem PC damals einige Genre-Trends, die diese Entwicklung
00:33:48: zur LAN-Party beschleunigen und ermöglichen.
00:33:51: In den 80ern ist der PC ja für viele vor allem eine Adventure-Maschine,
00:33:55: vor allem für dich ja eine Text-Adventure-Maschine.
00:33:58: Und es gibt natürlich auch komplexe Rollenspiele oder Rundenstrategie-Spiele.
00:34:03: Aber die sind alle sehr komplex, schwer zugänglich, sehr gemächlich und oft
00:34:08: auch narrativ. Zumindest die Adventures, die eignen sich also gar nicht so sehr
00:34:12: dafür, dass man jetzt gegeneinander antritt in einer Partie übers Lahn.
00:34:17: Das ändert sich aber nun in den frühen 90ern. Diese Genres, die bleiben natürlich
00:34:21: bestehen, aber sie werden doch in den Hintergrund gedrängt durch neue aufkommende
00:34:25: Genres auf dem PC, durch actionreiche Echtzeitspiele mit einer niedrigen Einstiegshürde.
00:34:30: Das sind also Shooter in erster Linie und Echtzeitstrategiespiele,
00:34:35: auch ein paar Rennspiele natürlich.
00:34:37: Und das zeigt sich dann auch in den Spielen, die zu dieser Zeit rauskommen.
00:34:41: Also Wolfenstein 3D, Dune 2, Need for Speed, das sind alles prägende Spiele
00:34:45: für den PC, die auch so die technische Vorherrschaft der Plattform demonstrieren.
00:34:50: Und die die klassischen PC-Genres in den Hintergrund drängen.
00:34:54: Die drei, die ich gerade genannt habe, haben noch keinen LAN-Modus, aber ihre Nachfolger.
00:34:58: Sprich, Doom hat einen LAN-Modus, Command & Conquer als Nachfolger von Dune
00:35:03: 2 hat einen LAN-Modus und Need for Speed 2 auf dem PC hat ebenfalls einen LAN-Modus.
00:35:10: Ja, jetzt kann es also richtig losgehen. Spätestens jetzt kann die LAN-Party beginnen.
00:35:14: Aber was ist überhaupt eine LAN-Party? Wir müssen den Begriff,
00:35:17: glaube ich, mal definieren.
00:35:19: Eine saubere Definition von LAN-Party ist gar nicht so leicht,
00:35:22: weil man sehr schnell merkt, man kann das alles eingrenzen, technisch zum Beispiel
00:35:27: eingrenzen, aber jede Grenze wirkt ein bisschen willkürlich.
00:35:30: Wenn man zum Beispiel sagt, reichen zwei Amigas mit Null-Modem-Kabel?
00:35:34: Zählt ein MIDI-Verbund aus Atari-SDs?
00:35:38: Müssen es mindestens drei IBM-kompatible PCs sein mit richtiger LAN-Technik,
00:35:44: also mit Netzwerkkarten, Kabel, vielleicht sogar ein Hub?
00:35:47: Ist es ohne ein Hub überhaupt eine LAN-Party?
00:35:49: Ja, klar.
00:35:51: Wie sieht es aus mit professionell organisierten E-Sports-Turnieren?
00:35:55: Sind das LAN-Partys oder ist das eine eigene Kategorie, die daneben steht?
00:35:59: Oder, ganz banal, die spontane Netzwerkpartie im Büro nach Feierabend auf dem
00:36:04: bestehenden Netzwerk, wo da jemand Doom auf allen Rechnern installiert hat und
00:36:08: alle nur mal kurz das ausprobieren.
00:36:10: Ist das eine LAN-Party? Gilt das? Man merkt, sobald man das strenge definieren
00:36:14: will, wird es entweder zu weit oder zu eng.
00:36:18: Wenn man aber von der populärsten Aussprägung spricht, also nicht der reinen
00:36:22: technischen Sicht auf die Sache, dann ist ziemlich klar, was die meisten Leute meinen.
00:36:26: Eine LAN-Party ist ein dafür extra organisierter Zusammenschluss mehrerer PCs.
00:36:32: Meistens IBM-kompatible Rechner, die an einen Ort getragen werden,
00:36:37: physisch in ein lokales Netzwerk gesteckt werden und dann spielt man über längere
00:36:42: Zeit miteinander und gegeneinander.
00:36:44: Nicht mal eine Stunde oder zwei, sondern eher viele Stunden,
00:36:49: ganze Wochenenden, Tage und Nächte.
00:36:51: Und dann ist es zwar eine Party, aber vielleicht keine Party im klassischen
00:36:54: Sinne. Musik und Tanz sind ja selten der zentrale Programmpunkt.
00:37:00: Ich weiß nicht, wie es bei dir war, aber bei uns spielte das keine Rolle.
00:37:03: Wir haben immer Tango getanzt auf den anderen Partys. Das Herzstück ist halt
00:37:06: das Spielen und damit, was dazu gehört, das gemeinsame Basteln,
00:37:10: das Fluchen, das Konfigurieren, das Patschen, das Pizzaessen,
00:37:13: das Koffein zu sich nehmen, das weitermachen.
00:37:16: Jetzt könnte man denken, ja gut, aber wissen wir eigentlich,
00:37:18: woher der Begriff kommt? Vielleicht kann man es daher ableiten.
00:37:21: Und tja, die Etymologie von LAN-Party ist erstaunlich schlecht erforscht.
00:37:27: Du hast dazu den Historiker David Betzing befragt, der sich mit Gaming-Subkulturen
00:37:31: in Deutschland beschäftigt.
00:37:32: Und der hat die LAN-Party-Szene als einen seiner Schwerpunkte.
00:37:36: Aber auch er konnte den Ursprung dieses Begriffs nicht sauber nachweisen.
00:37:41: Was man immerhin sagen kann, In den Archiven der Spielemagazine der Zeit taucht
00:37:46: das Wort LAN-Party als Begriff erst 1997 greifbar auf.
00:37:51: Im Usenet findet man ihn bereits im Herbst 1996 und zwar auf eine Ankündigung
00:37:56: für eine Quake-LAN-Party auf einer Militärbasis auf Hawaii.
00:38:01: Mitzubringen ist ein Pension-PC und gekühlte Getränke.
00:38:07: Alles wie heute. Und diese frühe Quake-Lahn, die zeigt nebenher noch was,
00:38:12: was für die Geschichte wichtig wird.
00:38:13: Sie legt ein Unterscheidungskriterium offen, an dem man ziemlich gut festmachen
00:38:18: kann, was eine LAN-Party im engeren Sinne ausmacht und was eine andere Art von
00:38:23: Netzwerkspielkultur ist.
00:38:25: Ja, LAN-Partys unterteilen sich grob in zwei Kategorien. Es gibt die privaten
00:38:29: und es gibt die öffentlichen.
00:38:30: Also jene, die in privaten Wohnräumen stattfinden, unter Freunden oder Bekannten
00:38:35: und jene an öffentlichen Orten.
00:38:37: Das können Vereinsheime sein oder Sporthallen, wo jeder teilnehmen kann,
00:38:42: wo das wesentlich offener ist und das Teilnehmerfeld entsprechend auch viel größer.
00:38:47: Es gibt natürlich auch Mischformen zwischen diesen beiden Kategorien.
00:38:51: Es gibt privat organisierte, aber öffentlich stattfindende LAN-Partys,
00:38:56: kommerzielle und nicht kommerzielle.
00:38:58: Also ganz klar eingrenzen kann man es nicht, aber es ist klar,
00:39:01: dass dies hier zwei verschiedene Themen sind, über die wir auch getrennt sprechen wollen.
00:39:06: Und wir fokussieren uns in unserem Gespräch heute mal auf die private LAN-Party.
00:39:12: Ja, denn der wahre Charakter so einer LAN-Party, der zeigt sich für viele,
00:39:15: mich eingeschlossen, nur im privaten Raum unter Freunden. Und das geht nicht nur mir so.
00:39:21: Die Computerbase, diese Website, hat Anfang 2026 eine Umfrage gemacht unter
00:39:27: früheren Teilnehmenden von LAN-Partys, also Menschen mit LAN-Party-Erfahrung.
00:39:31: Und die ergab, dass damals vorzugsweise im privaten Rahmen gespielt wurde,
00:39:36: nicht auf öffentlichen Veranstaltungen.
00:39:37: Also das war für die meisten die eigentliche, die wahre Lahnparty-Erfahrung.
00:39:43: Natürlich sind solche privaten Lahnpartys etwas schlechter dokumentiert,
00:39:47: das erschwert etwas die historische Forschung.
00:39:50: Aber ich habe einen Datensatz, auf den ich zurückgreifen kann,
00:39:54: denn ich selber persönlich, ich besuche und veranstalte ja seit 28 Jahren private
00:40:00: LAN-Partys mit Freunden und das kommt mir jetzt zugute,
00:40:02: denn unsere seit damals fest bestehende LAN-Party-Gruppe.
00:40:07: Die längst viel mehr ist als das, führt eine eigene Chronik.
00:40:11: Und daher kann ich jetzt unter Zuhilfenahme dieser Chronik genau feststellen,
00:40:15: wie lang unsere Partys damals waren, wie oft sie stattgefunden haben,
00:40:20: welche Technik wann eingeführt wurde und so weiter.
00:40:22: Und ich werde im Laufe unseres Gesprächs noch häufiger darauf Bezug nehmen,
00:40:25: nicht weil unsere private Historie besonders relevant wäre, sondern weil ich
00:40:29: denke, dass sie durchaus repräsentativ ist.
00:40:32: Steigen wir mal ein ins Thema Lahnparty. Wie sind solche Partys damals überhaupt entstanden?
00:40:39: Die Gründe dafür sind natürlich ganz vielfältig, so wie die persönlichen Biografien der Teilnehmer.
00:40:45: Aber in ganz vielen Fällen gehen die ersten LAN-Partys zurück auf frühere Erfahrungen
00:40:49: mit Null-Modem-Kabeln für Partien zu zweit, wie wir es beschrieben haben.
00:40:53: Ob das jetzt Populous war oder wie in meinem Fall Command & Conquer,
00:40:57: was wir auch über Null-Modem-Kabel gespielt haben.
00:40:59: Bei vielen war es Duke Nukem 3D. Das ist jedenfalls etwas, was man immer wieder hört.
00:41:05: Bevor die Leute auf LAN-Partys gegangen sind, haben sie schon mal ihre Fühler
00:41:08: ausgestreckt und erstmal vorsichtig nur zwei PCs aneinander gehängt über das
00:41:13: Null-Modem-Kabel. und dann Blut geleckt und wollten mehr.
00:41:19: So, nun sind die LAN-Partys also in der Welt. Aber wer nimmt daran teil?
00:41:23: Was hat David in seinen Interviews erfahren über den typischen LAN-Partygast
00:41:27: dieser goldenen Ära der späten 90er Jahre? Wie viele Leute sind das? Wie alt sind sie?
00:41:31: Wie lange spielen sie zusammen? Gunnar, skizzier mal.
00:41:34: Das Bild ist einigermaßen klar. Der typische LAN-Partygast, wer hätte es anders
00:41:38: gedacht, ist männlich zu über 90 Prozent und im Teenager- oder im jungen Erwachsenenalter.
00:41:44: Also genauso alt, wie wir damals waren.
00:41:46: Grundsätzlich ist die Szene offen und versteht sich als tolerant,
00:41:50: kommen Menschen aus sehr unterschiedlichen sozialen und ökonomischen Hintergründen
00:41:54: zusammen, müssen sich halt alle natürlich einen PC leisten können,
00:41:56: aber das ist schon die einzige große Schranke,
00:42:00: denn die PCs sind natürlich teuer und wer sich die Technik nicht leisten kann,
00:42:04: der ist halt automatisch draußen, ganz unabhängig davon, wie offen die Szene ist.
00:42:08: Was die Leute verbindet, ist vor allen Dingen das Interesse an den Computerspielen
00:42:11: natürlich, nicht so sehr der Wunsch nach einer Party im Sinne einer Zusammenkunft
00:42:16: und auch nicht primär der sportliche Wettbewerb.
00:42:19: Die Leute wollen gemeinsam spielen, gemeinsam basteln, gemeinsam über Technik
00:42:22: stolpern und das alles dann noch zum Laufen kriegen und dann eine gute Zeit haben.
00:42:27: Die Größe solcher privaten LAN-Partys ist in der Regel durch den Raum begrenzt.
00:42:30: In den meisten Wohnungen ist ja bei acht bis zehn Leuten Schluss, Partykeller und so.
00:42:35: Man muss ja nicht nur die Menschen unterbringen, sondern auch noch diese gigantischen
00:42:39: Röhrenmonitore. Die Rechner, die Tische, die Steckdosenleisten, die Kabel, all das.
00:42:44: Und viele Spiele unterstützen eh nicht mehr als acht Mitspieler.
00:42:47: Was die Zahl acht für eine
00:42:49: gute LAN-Party eigentlich einigermaßen praktisch macht. Und auch bei der Dauer
00:42:53: gibt es so etwas wie eine Standardform, nämlich das Wochenende von Freitagabend bis Sonntagmorgen.
00:42:59: So beschreibt es zum Beispiel der David Betzing.
00:43:03: Und auch in der Computerbase-Umfrage zeigt sich ein ähnliches Bild.
00:43:06: Für die meisten liegt die Maximaldauer bei zwei Tagen.
00:43:09: Und weil man für so eine LAN ja nicht eben nach Hause fährt oder im Hotel übernachtet,
00:43:14: wird meist beim Gastgeber übernachtet. Oft stilecht, im Schlafsack,
00:43:17: im Spielzimmer, zwischen den Rechnern, den Monitoren, in den Schlaf gewiegt
00:43:22: vom leisen Summen der Netzteile.
00:43:25: Ja, bei uns, ich habe ja wie gesagt meine Chronik und kann das genau ermitteln,
00:43:29: wie lang unsere Lahnpartys damals waren, in der Hochphase der Lahnpartys.
00:43:35: Bei uns waren die mehrfach bis zu zehn Tage lang, also zehn Tage und Nächte.
00:43:40: Wir haben uns nicht auf ein Wochenende beschränkt.
00:43:42: Was?
00:43:43: Ja.
00:43:44: Hat das nichts zu tun?
00:43:45: Naja, die meisten von uns waren Schüler, beim Zivildienst oder so und da hatten
00:43:49: wir Zeit und wenn man Ferien hat, die ja nun mal mehrere Wochen gehen können,
00:43:53: dann wenn wir einen Raum hatten, dann haben wir ihn auch genutzt.
00:43:56: Aber wir haben das ohne Übernachtung gemacht, in den allermeisten Fällen.
00:43:59: Das gab es auch, aber das war eher die Ausnahme. Aber im Gespräch mit David
00:44:03: habe ich festgestellt, dass das eher die Ausnahme ist.
00:44:06: Also in den meisten Fällen wurde dort vor Ort übernachtet.
00:44:09: Ich denke, das hängt sehr stark damit zusammen, wo man gelebt hat.
00:44:13: Also wir sind hier aufgewachsen im ländlichen Raum, da konnte man notfalls auch
00:44:17: nachts um vier mit dem Fahrrad nach Hause fahren.
00:44:20: Oder mit dem Auto. Aber wenn man jetzt in der Stadt lebt und auf öffentliche
00:44:23: Verkehrsmittel angewiesen ist, die morgens um vier vielleicht nicht mehr fahren,
00:44:26: dann ist das sicherlich schwieriger. Kann ich schon verstehen.
00:44:29: Aber für mich gehörte dieser Komfort, zu Hause schlafen zu können, immer dazu.
00:44:33: Wir sind einfach auch, wenn wir nach Hause laufen konnten, einfach immer da
00:44:36: geblieben, weil du halt auch nachts um vier nicht mehr zu Hause rein stolpern wolltest.
00:44:41: Und dann steht da der Vater in der Unterhose und sagt, jetzt kommst du nach Hause.
00:44:46: Deswegen hat man gleich gesagt, nee, nee, nee, wir bleiben heute bei Niklas.
00:44:49: Und dann hat Papa gesagt, ja, aber geht mal früh ins Bett.
00:44:53: Ja, ja, machen wir. Ja, klar.
00:44:55: So war das nämlich. Das war ein Problem, ja. Das leise Aufschließen der Haustür
00:45:00: nachts um drei. Ja, das kenne ich.
00:45:01: Wobei ich bin ja so alt, dass ich meinen ersten PC erst 1993 gekauft habe,
00:45:05: obwohl das eine gute Zeit war für den ersten PC und zu den Amiga und C64-Seiten
00:45:10: haben wir sowas eher nicht gemacht.
00:45:12: Daher war ich dann natürlich schon Student 1993 und da war das sehr easy mit dem Übernachten.
00:45:17: So, jetzt kommen wir zum Aufbau einer LAN-Party. Wie läuft das ab und welche
00:45:21: Probleme ergeben sich dabei?
00:45:23: Das können die Spätgeborenen gar nicht mehr verstehen vielleicht,
00:45:26: welche Fallstricke es damals gab. Und es beginnt ja dabei, dass man erstmal einen Raum finden muss.
00:45:31: Das ist gar nicht so leicht. Ich habe einen wunderbaren Fotoband gefunden namens
00:45:35: Lahnparty Inside the Multiplayer Revolution.
00:45:39: Wow.
00:45:39: Zunächst mal interessantes Sujet für einen Fotoband, denn Lahnparty-Fotos sind
00:45:43: ja selten ästhetisch ansprechend.
00:45:46: Man sieht da grundsätzlich gekrümmt sitzende, völlig fertige Menschen im Chaos,
00:45:50: in dunklen Räumen, die ganz schlecht vom Blitz ausgeleuchtet werden.
00:45:53: Aber was man in diesem Buch wunderbar sieht, wo diese Lahnpartys,
00:45:57: die privaten Lahnpartys stattgefunden haben.
00:45:59: Und das deckt sich mit meinen persönlichen Erfahrungen. Es gibt drei Raumkategorien,
00:46:04: das Jugendzimmer im Teenager-Stil mit Postern an den Wänden,
00:46:08: die kargen Kellerräume ohne Poster oder Garagen oder wunderbar schön plüschige
00:46:15: Boomer-Wohnzimmer mit so aufgestellten Tellern in Vitrinen.
00:46:18: Das ist so ein toller Kontrast zu den ganzen Computerbildschirmen.
00:46:22: Das sind die drei Kategorien, in denen man LAN-Partys veranstaltet hat,
00:46:26: private LAN-Partys wohlgemerkt.
00:46:29: Naja, aber jeder, den man fragt, der damals LAN-Partys organisiert hat,
00:46:33: hat eine eigene Anekdote beizusteuern, an welchem ungewöhnlichen Ort er auch
00:46:37: mal eine LAN-Party besucht hat.
00:46:38: In meinem Fall war das der Keller eines Seniorenwohnheims, in dem einer von
00:46:43: uns damals gerade Zivildienst geleistet hat.
00:46:45: Ich weiß nicht, wie wir auf die Idee kamen, aber Wohnraum, da stellte sich nicht
00:46:49: die Frage, da hat man dann sofort einfach Rechner hingestellt.
00:46:52: Wo war das bei dir? Hast du irgendeinen verrückteren Ort, an dem du eine LAN-Party
00:46:56: organisiert oder besucht hast?
00:46:58: Nee, bei uns waren es ja immer WGs. Und die WGs, die hatten ja entweder teilweise
00:47:05: schon vorinstallierte Netzwerke, wo du dann einfach dazugekommen bist.
00:47:08: Und generell haben wir WGs auch mehrere Räume, wo dann immer mal jemand gesagt
00:47:13: hat, so, ihr habt wieder Besuch, war es okay, ich übernachte heute bei meiner
00:47:17: Freundin, ihr könnt mein Zimmer haben. So war das nämlich damals.
00:47:21: Ach so, ja. Das ist aber nur das erste Problem. Wenn man das gelöst hat,
00:47:24: einen Raum gefunden hat und Leute, die darin leben, vertrieben hat,
00:47:28: dann kommt das nächste Problem, die Logistik, der Computertransport.
00:47:31: Du hast es ja gerade schon gesagt, die PCs waren damals groß, schwer und ausladend.
00:47:35: Diese riesigen Tower-Gehäuse waren das sehr oft und die sind für den Transport nun mal nicht gedacht.
00:47:41: Da rutscht gern mal beim Transport über hubbelige Straßen eine Steckkarte aus
00:47:46: dem Sockel oder ein RAM-Riegel und dann startet der Rechner erstmal nicht mehr,
00:47:49: nachdem er ihn wieder aufgebaut hat. Das ist sehr oft passiert.
00:47:52: Oder die Monitore, das waren ja damals noch Röhrenmonitore und diese Geräte
00:47:56: haben zuweil eine Tiefe von einem halben Meter.
00:47:59: Die schlanken LCD-Bildschirme, die kommen erst so ab 2003 auf in größeren Mengen.
00:48:04: Da werden sie langsam bezahlbar und auf dem Weltmarkt überholen sie die Röhren
00:48:08: erst 2004. Also wer in den 90ern Ladenpartys gemacht hat, der musste auch dieses
00:48:13: Problem lösen. Wie transportiere ich die Monitore?
00:48:15: Sechs Stück in einem Kleinwagen wird schon eng.
00:48:18: Und wie kriege ich die auf den Tischen unter? Denn auf den Tischen muss ja nicht
00:48:22: nur für den Monitor Platz sein, da muss ja auch noch irgendwie Maus und Tastatur drauf passen.
00:48:27: Und das war wirklich...
00:48:29: Ein ständiges Problem, so ein typisches Jugendzimmer hat auch gar nicht so viel
00:48:32: Tischfläche und so ein Tapeziertisch, den man mal eben schnell spontan aufbauen
00:48:36: kann, der trägt diese Monitore gar nicht, der bricht durch.
00:48:39: Wir haben mal auf einer LAN-Party einen provisorischen Tisch gebaut aus Bücherstapeln.
00:48:43: Solche Lösungen muss man da nutzen, um irgendwie acht Monitore unterbringen
00:48:48: zu können. Und dann kam ja noch etwas hinzu, was auf dem Tisch Platz finden
00:48:53: musste, neben diesen riesigen Monitoren, Maus und Tastaturen,
00:48:56: nämlich aktiv Lautsprecher.
00:48:57: Kaum vorstellbar, aber Kopfhörer und Headsets, die sind damals noch unüblich.
00:49:02: Wenn man in Elektronikkatalogen der späten 90er blättert, da finden sich keine
00:49:07: Gaming-Headsets wie heute.
00:49:08: Allenfalls Mono-Headsets fürs Sprachdiktat oder so.
00:49:11: Ja, also es gab natürlich Headsets fürs Schallplattenhören, die man irgendwo anschließen konnte.
00:49:15: Ja, Kopfhörer.
00:49:16: Ja genau, Kopfhörer, genau, Headsets, was rede ich. Aber Kopfhörer am PC,
00:49:21: das habe ich glaube ich das erste Mal gesehen, als ich schon bei GameStar war.
00:49:24: Ja, also bei uns war es auch üblich, das belegen Bilder von damals,
00:49:28: dass jeder da riesige, dicke Aktivlautsprecher auf den Tisch gestellt hat.
00:49:33: Es gab dann 1999 bei uns allerdings erstmals einen Lautsprecher-Bann.
00:49:36: Da mussten die Leute halt irgendwie sehen, wie sie Kopfhörer doch noch an ihren PC anschließen.
00:49:43: Ja und diese Lautsprecher sorgen noch für ein weiteres Problem.
00:49:46: Die belegen ja eine eigene Steckdose.
00:49:48: Das heißt, wenn acht Leute in einem Raum sitzen, dann brauchst du mindestens
00:49:51: schon mal 24 Steckdosen.
00:49:55: Und wenn so viele Geräte gleichzeitig eingeschaltet werden oder die Steckdosen
00:49:59: leisten, die ineinander kaskadiert sind, Gleichzeitig eingeschaltet werden,
00:50:04: ja dann ist auch gerne mal das Stromnetz im Haus überfordert und dann geht plötzlich
00:50:08: die Sicherung raus und so.
00:50:09: Das sind auch typische Probleme dieser Phase.
00:50:12: Und da hört es noch nicht auf mit den PC-Problemen. Gunnar, wir könnten die
00:50:15: ganze Folge lang nur über typische LAN-Party-Probleme sprechen.
00:50:18: Wir beschränken uns auf die wichtigsten.
00:50:20: Die Verkabelung, das war ja in den 90ern üblicherweise noch die BNC-Verkabelung mit Bustopologie.
00:50:26: Diese Twisted-Pair-tauglichen Ethernetkabel und zugehörigen Karten,
00:50:29: die gab es schon, aber die waren noch zu teuer.
00:50:32: Die Hubs vor allem und die Switches vor allem, die waren noch zu teuer und das
00:50:36: ist eine große Hürde damals.
00:50:39: Und diese Koaxialkabel, die üblich waren, die sind nicht so flexibel wie Twisted-Pair-Kabel.
00:50:44: Wenn die an der falschen Stelle geknickt werden, dann bricht der Innenleiter
00:50:48: und das Kabel ist hin. Oder auch diese T-Stücke.
00:50:51: Jede Netzwerkkarte ist mit einem eigenen T-förmigen Verbinder mit der Hauptleitung
00:50:58: verbunden. Also das nennt man einfach T-Stück, ein kleines Metall, T.
00:51:03: Und das ist zwar ein ziemlich äußerlich robust wirkendes Stück Metall,
00:51:07: aber das ist im Inneren erstaunlich empfindlich.
00:51:10: Ich erinnere mich an eine frühe LAN-Party, in der überhaupt nichts laufen wollte.
00:51:14: Die Verbindung ließ sich einfach nicht aufbauen, egal wie oft wir die Kabel
00:51:17: abgesteckt und die Stecker durchgepustet und wieder angesteckt haben.
00:51:21: Unzählige Malen, Netzwerkkartentreiber neu installiert, Windows neu aufgesetzt und so weiter.
00:51:26: Und am Ende dieser Nacht stellte sich heraus, mein T-Stück war schuld. Das war einfach kaputt.
00:51:31: Was man ihm natürlich nicht ansieht vom Außen. Es sieht ja unbeschädigt aus,
00:51:34: aber es funktioniert einfach nicht.
00:51:36: Ja, und dann wird halt der Rechner mit kaputtem T-Stück ausgeschlossen.
00:51:40: Und die anderen spielen dann halt C und C und ich sitze daneben. So war das.
00:51:44: Davon muss man immer mehrere dabei haben, das weißt du doch.
00:51:47: Das habe ich dann gelernt, genauso wie die Endstücke, die Terminatoren,
00:51:50: da braucht man immer ein paar in Reserve.
00:51:52: Die werden ja auch gern vergessen. Und diese Bus-Topologie, also das alles an
00:51:56: einem gemeinsamen Kabel hängt, in einer langen Reihe, macht das ganze Netzwerk
00:52:01: ja auch wahnsinnig unflexibel.
00:52:02: Also wenn einer zu spät kommt, die anderen spielen schon und einer will seinen
00:52:06: Rechner ins Netzwerk reinhängen und ich nehme mal kurz einen Terminator ab und
00:52:10: dann hänge ich meinen Rechner hinten ran. Ist doch kein Problem.
00:52:13: Ja, dann ist die Verbindung unterbrochen und was die anderen gerade gespielt
00:52:16: haben, das ist vorbei. Die dürfen dann von Warner anfangen.
00:52:20: Und erst mit Twisted Pair und dem Switch in der Mitte mit der Stern-Topologie
00:52:24: hat sich das deutlich vereinfacht.
00:52:27: Die tauchen so rund um die Jahrtausendwende auf. Die gibt es zwar schon länger,
00:52:31: aber bezahlbar werden sie erst um die Jahrtausendwende.
00:52:34: Bei uns war es Ende 1999, da haben wir den ersten Switch eingesetzt.
00:52:39: Das war aber auch eine große Investition. Und heute gibt es ja auch WLAN-Partys.
00:52:43: WLAN ist mittlerweile schnell genug und stabil genug, um auch Multiplayer-Partien
00:52:48: zu ermöglichen. Das war aber auch nicht immer so.
00:52:51: Also in den 90ern war das noch nicht denkbar und da hat ja auch kaum jemand
00:52:54: ein Laptop gehabt. Und ich habe so ein wunderbares Buch, Lernparty Hosting the
00:52:59: Ultimate Frag Fest von 2004.
00:53:02: Das ist eine 350 Seiten lange Lernparty Anleitung und da wird noch eine Warnung ausgesprochen.
00:53:07: Es gibt einige Laptops, bei denen ist der WLAN Adapter an der linken Seite untergebracht.
00:53:13: Aber da liegen ja die Finger drauf für WASD, für die Shooter-Steuerung.
00:53:19: Und die Finger verdecken das Funksignal.
00:53:21: Und dann, wenn man die Finger falsch hält, könne es sein, dass die Verbindung abbricht.
00:53:26: Nein.
00:53:26: Doch, das war offensichtlich ein reales Problem damals.
00:53:31: Wow. Ja, aber gut, da hat ja auch niemand mit einem Laptop gespielt zu der Zeit.
00:53:35: Nee, heute mache ich das, aber damals war das kaum vorstellbar.
00:53:38: Ja, und da hören die Probleme noch lange nicht auf, Gunnar. Also selbst wenn
00:53:41: die Hardware irgendwann mal steht, dann bleiben Netzwerkprobleme.
00:53:45: Diese Netzwerkkarten damals, die brauchen ja oft noch manuell zugewiesene Ressourcen,
00:53:50: IRQs und andere funktionierende Treiber brauchen sie mit den korrekten Einstellungen
00:53:55: und das ist alles nicht so einfach.
00:53:57: Die müssen ja meist noch von Diskette installiert werden.
00:54:00: Also bei uns bei den frühen LAN-Partys kursierten immer Disketten mit den aktuellen
00:54:04: Netzwerkkartentreibern, damit alle die gleiche Version haben.
00:54:08: Wir haben uns davon versprochen, dass das den Aufbau erleichtern würde.
00:54:12: Unter Windows 95 und 98 muss man auch die Protokolle noch nachinstallieren.
00:54:16: Sowas wie TCP-IP, die Dateifreigabe ist eine Komponente, die auch noch manuell
00:54:21: nachinstalliert werden muss.
00:54:22: Die ist nicht standardmäßig drin wie heute. Dafür brauchst du wiederum eine
00:54:25: Windows-CD, um das davon installieren zu können.
00:54:28: Danach musst du natürlich auch noch neu starten. Du musst der Windows-Arbeitsgruppe
00:54:33: einen einheitlichen Namen geben, aber die einzelnen Systeme brauchen unterschiedliche
00:54:36: Namen, sonst funktioniert das auch wieder nicht.
00:54:38: Und selbst wenn alle Probleme gelöst sind auf dem Papier, bleiben welche bestehen,
00:54:44: die Rechner sehen sich gegenseitig nicht in der Netzwerkumgebung.
00:54:49: Also du hast alles aufgebaut, du startest Windows, du öffnest die Windows-Netzwerkumgebung,
00:54:54: da müssten jetzt alle anderen Rechner in deinem Netzwerk auftauchen,
00:54:58: tun sie aber nicht, die Hälfte bleibt unsichtbar.
00:55:01: Aber man weiß es nicht, aber das passiert einfach immer wieder damals.
00:55:04: Und diese Computer-Base-Umfrage, die ich erwähnt habe, die fragt auch,
00:55:08: ja, was gehörte denn für dich zu einer klassischen LAN-Party dazu?
00:55:12: Und die höchste Zustimmungsrate unter den Dingen, die man auswählen konnte,
00:55:15: mit 80 Prozent hat die Frage, seht ihr meinen Rechner im Netzwerk?
00:55:22: Und ich habe lange versucht zu ergründen, wie es zu diesem Phänomen kam,
00:55:27: warum sich Rechner so oft nicht gegenseitig sehen konnten, in Anführungszeichen.
00:55:33: Ich habe sogar Barry Feigenbaum, den damaligen IBM-Ingenieur,
00:55:36: den ich ja ohnehin befragt habe, zu diesem Phänomen befragt.
00:55:39: Der muss es wissen, dachte ich, denn der hat NetBIOS erfunden, der Mann.
00:55:43: Der wusste es auch nicht. Also es bleibt ein Rätsel.
00:55:47: Und ich habe vor kurzem für ein Retro-Projekt auch wieder mehrere Windows-95-PCs miteinander vernetzt.
00:55:53: Das Problem trat wieder auf. Sie sahen sich einfach gegenseitig nicht.
00:55:58: Ja, das bessert sich dann so langsam ab Ende 2001 mit Windows XP,
00:56:03: aber es bleibt auch da noch oft ein Problem.
00:56:05: Ja, und das hört immer noch nicht auf mit dem Problem, Gunnar.
00:56:08: Die Spiele selbst, die müssen ja auch irgendwie laufen.
00:56:11: Und dafür brauchen sie aber einheitliche Versionen, weil es gibt ja noch keine
00:56:14: Launcher wie Steam, die dafür sorgen, dass auf jedem Rechner die gleiche aktuelle
00:56:18: Version läuft. Nein, das musst du manuell machen.
00:56:21: Wenn einer 1.04 hat und der andere hat aber 1.05, dann funktioniert das nicht.
00:56:26: Dann können die nicht miteinander spielen.
00:56:27: Und das bedeutet, du musst nicht nur die richtigen Patches installieren,
00:56:30: sondern, seien wir ehrlich, damals auch die richtigen Cracks für diese Patches,
00:56:35: um den Kopierschutz aufzuheben.
00:56:37: War natürlich nicht legal, aber viele haben es gemacht, wir natürlich nicht.
00:56:40: Und das bedeutet auch, du musst sie in der richtigen Reihenfolge installieren.
00:56:44: Was? Du hast erst den Crack installiert und dann den Patch? Nein,
00:56:47: mach nochmal rückgängig, alles von vorne.
00:56:49: Erst den Patch, dann den Crack. Sonst wird das nichts mit dem Deathmatch. Aber...
00:56:53: Wenn die Spiele endlich laufen und die Teilnehmer sich in der Multiplayer-Lobby
00:56:58: endlich gegenseitig sehen können, ja dann ist das aber ein magischer Moment, Gunnar.
00:57:03: Also wenn zum ersten Mal der Name deines Freundes in der Multiplayer-Lobby auftaucht
00:57:07: und du weißt, jetzt kann es gleich losgehen, das ist so schön.
00:57:10: Naja, aber selbst dann, wenn es also theoretisch läuft und das Spielen beginnen
00:57:14: kann, heißt das noch nicht, dass das Spielen auch wirklich reibungslos laufen würde.
00:57:18: Denn da gibt es Synchronisierungsprobleme zum Beispiel oder Verbindungsabbrüche.
00:57:22: Die sind damals in der IPX-Ära, bevor sich TCP-IP durchgesetzt hat, noch alltäglich.
00:57:28: Alarmstufe Rot haben wir damals sehr viel gespielt. Das war für uns überhaupt
00:57:31: der Grund, mit LAN-Partys anzufangen.
00:57:33: C&C, Alarmstufe Rot mit mehreren zu spielen, das ist ständig nach einer halben
00:57:38: Stunde abgebrochen. Dann gab es halt D-Sync und dann musste man von vorne anfangen. Oder GTA 1.
00:57:44: Das ist nicht abgebrochen, das lief einfach weiter, aber jeder hat einen anderen
00:57:48: Stand gehabt. Also sie liefen nicht mehr synchron.
00:57:50: Der eine hat gejubelt, weil er dachte, er hätte den anderen erschossen.
00:57:53: Der andere wusste aber gar nichts davon, denn in seiner Instanz des Spiels wurde er nicht erschossen.
00:57:58: Das ist nur lokal passiert. Also solche Probleme gab es immer wieder in verschiedenen Spielen.
00:58:04: Ich höre auch gleich auf mit den Problemen, aber dann kommen noch Performance-Probleme hinzu.
00:58:09: Die Rechner waren ja damals sehr unterschiedlich performant und das langsamste
00:58:13: System in einem Netz konnte die anderen ausbremsen.
00:58:16: Das Netzwerkspiel ruckelte und dann war schnell der Schuldige ausgemacht,
00:58:21: der mit dem langsamen 386er, der darf dann halt nicht mehr mitmachen.
00:58:25: Oder der Host, derjenige, der die Partie eröffnet hat, der hat natürlich eine
00:58:29: Doppelaufgabe, weil der Computer im Hintergrund auch noch das ganze Spiel steuert,
00:58:33: weil er also die Partie bereitstellt und zusätzlich die lokale Spiellogik stemmen muss.
00:58:38: Das heißt, er hat eine Doppelaufgabe, wenn es keinen Dedicated Server gibt und
00:58:42: dadurch wird der Host auch noch besonders ausgebremst.
00:58:45: Wenn also der Falsche das Spiel eröffnet hat, dann ist das ganze Spiel irgendwann
00:58:50: unerträglich langsam und dann muss man auch wieder von vorne anfangen und diesmal
00:58:53: macht bitte derjenige mit dem Pentium 2 die Partie auf.
00:58:57: Ja und das Ganze muss man irgendwie versuchen offline ohne Internethilfe zu
00:59:03: lösen, denn online zu gehen, um nach Lösungen zu suchen oder auch mal einen
00:59:07: Patch runterzuladen oder einen aktuellen Treiber, das ist gar nicht möglich,
00:59:11: denn in den 90ern sind LAN-Partys Offline-Veranstaltungen.
00:59:15: Ein gemeinsamer Internetzugang, das gibt es damals noch nicht oder ist wenig praktikabel.
00:59:19: Das ändert sich erst, als Flatrates aufkommt, als Breitband aufkommt über DSL so ab 2000 und 2001.
00:59:27: Wir waren das erste Mal Ende 98 online mit ISDN, aber das war die Ausnahme.
00:59:31: Ich glaube, die meisten haben sowas erst in den 2000ern erlebt.
00:59:34: Also vorher musste man sich entscheiden, will ich online sein oder will ich
00:59:37: auf die LAN-Party gehen.
00:59:38: Ich habe mich meistens für die LAN-Party entschieden. Denn das Ergebnis ist
00:59:42: diesen ganzen Aufwand wert, trotz der tausend Probleme und jetzt höre ich auch
00:59:46: auf von Problemen zu reden.
00:59:49: Wie bist du denn auf einer privaten LAN-Party online gegangen mit einem ISDN,
00:59:53: da brauchte doch jeder ein einzelnes Kabel ins Telefon?
00:59:55: Ne, einer war online und er hat dann mit so einer Net-Sharing-Software den Online-Zugang geteilt.
01:00:02: Das war noch nicht integriert in Windows, diese Funktion, oder sie war noch
01:00:05: sehr rudimentär, aber es gab da Zusatzsoftware, die man installieren konnte.
01:00:08: Guck, daran erinnere ich mich nicht. Das ist ja abgefahren. Das ist ja voll
01:00:11: futuristisch. Dann konnte ich einfach dir mein Internet abgeben.
01:00:14: Ja.
01:00:15: Das ist ja toll.
01:00:16: Derjenige, der irgendwelche Dateien über Tauschbörsen gezogen hat,
01:00:19: hat natürlich das für alle anderen vermiest.
01:00:22: Sehr schön. Wir kommen jetzt gleich noch zu den Spielen. Geduld, Geduld.
01:00:26: Aber wenn wir schon bei Daten sind, auf LAN-Partys wird ja nicht nur gespielt,
01:00:30: da wurde auch viel getauscht.
01:00:33: Vom Aufkommen der großen Online-Tauschbörsen, also Napster 1999 zum Beispiel,
01:00:39: da waren LAN-Partys für viele Leute eine der wenigen Gelegenheiten,
01:00:44: mal größere Datenmengen auszutauschen.
01:00:46: Private Fotos natürlich, Musik, Filme, natürlich Raubkopien auch,
01:00:51: aber viel auch einfach Demos, Patches, Mods, Treiber. alles das,
01:00:55: was man gerade braucht oder was man sich mal angucken muss.
01:00:57: Und weil so eine LAN-Party eben nicht zwei Stunden dauert, sondern in der Regel
01:01:02: ja ein ganzes Wochenende oder wie bei besonders ihren zehn Tage.
01:01:06: Ja, so gut.
01:01:07: Wahnsinn, ey, gehört auch essenfest dazu. Die gemeinsamen Mahlzeiten sind nicht
01:01:11: Nebensache, das ist ja dann eine organisatorische Notwendigkeit.
01:01:16: Und laut dieser Computerbase-Umfrage ist das Klischee ziemlich belastbar.
01:01:21: 72% der Leute sagen, na klar, Pizza. Ja, ist ja klar.
01:01:25: Was natürlich auch daran liegt, dass man Pizza sehr easy mit einer Hand essen
01:01:30: kann, im Sitzen und im Stehen.
01:01:32: Es ist keine komplizierte Nahrungsaufnahme.
01:01:34: Man kann doch wenigstens mal die Maus festhalten, vielleicht nicht mehr WASD,
01:01:39: aber wenigstens eine der beiden Hände noch zum Spielen nutzen,
01:01:42: während man mit der anderen Hand Pizza isst.
01:01:44: Und Snacks sind ja immer im Raum gekostet.
01:01:47: Softdrinks, Kaffee, irgendwas mit Koffein immer. Alkohol spielt dagegen,
01:01:51: anders als bei der typischen Party, laut dem Historiker, den du befragt hast,
01:01:56: meistens keine große Rolle.
01:01:58: Nicht, weil die LAN-Partys so puritanistisch sind oder moralisch hochstehend,
01:02:02: sondern weil Alkohol und gute Leistungen bei Counter-Strike vielleicht nicht
01:02:08: die besten Verbündeten sind.
01:02:10: Ja, bei uns hat das auch nie eine Rolle gespielt. Gut, bei mir ohnehin nicht.
01:02:14: Ich trinke sowieso nichts, aber bei uns gab es nie Alkohol auf irgendwelchen LAN-Partys.
01:02:18: Nur Cola und diverse andere verwandte Getränke.
01:02:21: Ja, Cola natürlich im großen Stil. Und spielt man denn jetzt auf einer LAN-Party
01:02:25: einfach schweigend vor sich hin?
01:02:27: Das haben wir ja schon mal gestreift bei den öffentlichen LAN-Partys,
01:02:30: die gar nicht so kommunikativ sind.
01:02:31: Eine Dame namens Judith Ackermann, Professorin für digitale Medien,
01:02:37: die forscht zu solchen Partys und solchen Phänomenen und die hat in ihrer Forschung
01:02:45: mehrere Lahnpartys aufgezeichnet und später nicht nur den Ablauf ausgewertet,
01:02:49: sondern auch die Kommunikation, die da stattgefunden hat.
01:02:52: Und ihr Ergebnis ist, nur ein Prozent der Zeit wurde geschwiegen. Ein Prozent!
01:02:57: Das ist praktisch nix. Und der Rest der Zeit wurde halt auch kommuniziert.
01:03:01: Thematisch gibt es dabei ein klares Muster. In der ersten Stunde dreht sich alles um Technik.
01:03:06: Ja, wer kommt ins Netz? Welchen Treiber? Warum sieht man den Server nicht?
01:03:10: Hat jemand den Switch gesehen? Und so.
01:03:12: Und ab der dritten Stunde kippt das dann und die Gespräche drehen sich dann
01:03:16: überwiegend um das, worum es eigentlich geht, nämlich die Spiele.
01:03:20: So wie wir jetzt, Hanna. Jetzt reden wir mal über Spiele.
01:03:22: Ja, endlich.
01:03:24: Darum geht es ja dabei. Es geht ja nicht nur ums Pizzaessen,
01:03:26: sondern auch ums Spielen.
01:03:28: Aber dafür muss man auch LAN-taugliche Spiele haben und das Angebot,
01:03:32: wir haben es ja schon beschrieben, war zu Beginn der 90er Jahre noch sehr dürftig,
01:03:35: aber das steigt dann. Also Doom setzt hier ganz klar einen Trend,
01:03:39: aber das passiert nicht sofort. Die Entwicklung ist dann doch etwas langsamer.
01:03:42: Mobi Games, diese große Online-Spiele-Datenbank, die nennt für das Jahr 1994
01:03:46: unter den in diesem Jahr erscheinenden DOS-Spielen nur drei Titel,
01:03:51: die einen LAN-Modus auf IPX-Basis unterstützen.
01:03:54: Und das sind Empire Deluxe, Doom 2 und Warcraft. Das sind gerade mal 0,4 Prozent
01:04:00: der Neuerscheinungen für den PC.
01:04:03: 1995 aber verzehnfacht sich dieser Anteil. Da sind es schon vier Prozent der
01:04:07: Neuerscheinungen, die einen IPX-Modus mitbringen.
01:04:10: Und bis 1998 steigt dann der Anteil der Neuerscheinungen mit LAN-Modus auf 19
01:04:15: Prozent und bleibt dann in den frühen 2000ern auch auf oder knapp unter diesem Niveau.
01:04:21: Das klingt jetzt ziemlich wenig. Also dass nur weniger als jedes fünfte neue
01:04:26: PC-Spiel einen LAN-Modus unterstützt, fand ich ein bisschen erstaunlich.
01:04:29: Man muss aber dazu sagen, dass diese Auswertung natürlich auch diese ganze große
01:04:33: Masse der Casual-Spiele umfasst.
01:04:35: Also sowas wie Deerhunter oder Moorhuhn und so weiter.
01:04:40: Die sind ja auch in dieser Datenbank erfasst und die haben natürlich keinen LAN-Modus.
01:04:44: Aber diese ganzen Core-Titel für ambitionierte Spieler wie uns,
01:04:48: die in der GameStar auch verhandelt werden, Bei denen liegt die LAN-Quote viel höher.
01:04:52: Ich habe mir einige GameStar-Ausgaben angesehen, so von Ende 2000 und in denen
01:04:58: haben mehr als 50% aller getesteten Spiele einen LAN-Modus.
01:05:03: Und das deckt sich schon eher mit meiner damaligen Erfahrung.
01:05:06: Ich war auch voll und ganz auf LAN gepolt. Ich habe meine Spieleauswahl voll
01:05:11: danach ausgerichtet, ob sie einen LAN-Modus mitbringen oder nicht.
01:05:15: Das ging so weit, dass ich anfangs sogar Deus Ex verschmäht habe.
01:05:18: Also ich war wie alle in der Vorberichterstattung, in der GameStar gehypt.
01:05:22: Ich wollte Deus Ex spielen, bis ich dann irgendwann in der GameStar las,
01:05:26: dass das gar keinen Multiplayer-Modus hat, dass das ein reines Singleplayer-Spiel
01:05:29: ist. Und dann war es für mich gestorben.
01:05:31: Und dann hat ja der Publisher doch noch angekündigt, es würde dann später nachgereicht
01:05:36: doch noch einen LAN-Modus per Patch geben.
01:05:39: Und dann habe ich dem Spiel zum Glück doch noch eine Chance gegeben.
01:05:42: Den Multiplayer-Modus habe ich nie gespielt, der war völlig sinnlos.
01:05:45: Aber man erkennt daran, es war vielleicht doch sinnvoll, ihn zu haben, wegen so Leuten wie mir.
01:05:49: Nun eignet sich ja nicht jedes Genre gleichermaßen für Multiplayer-Partien.
01:05:54: Deus Ex offensichtlich nicht. Und wir erwähnten es schon, Text-Adventures auch eher nicht.
01:05:59: Aber einige schon. Und das sind gerade die, die in den 90ern besonders populär
01:06:04: sind, Shooter- und Echtzeitstrategiespiele.
01:06:06: Das sind einfach die prägenden, populären PC-Genres in den 90er Jahren und die
01:06:11: sind wunderbar geeignet für LAN-basiertes Multiplayer.
01:06:15: Da ist also ein solcher Modus Pflicht. Was allerdings nicht Pflicht ist,
01:06:20: was anfangs noch selten ist, sind KI-gesteuerte Mitspieler. Das heißt,
01:06:24: wenn du damals Command & Conquer auf der LAN-Party gespielt hast,
01:06:27: dann musstest du gegeneinander spielen.
01:06:30: Du konntest alleine gegen die KI antreten, aber wenn du im LAN spielen wolltest,
01:06:34: dann musstest du gegen andere Menschen antreten.
01:06:36: Du konntest nicht KI-Spieler und menschliche Spieler mischen.
01:06:41: Das ging erst bei späteren Command & Conquer Serienteilen. Bei Counter-Strike
01:06:45: war es genauso. Da gab es keine Bots, zumindest nicht ohne Mods.
01:06:48: Bei Quake war es auch so. Konntest du nur gegen andere Menschen spielen.
01:06:52: Und das bedeutet, dass Multiplayer-Partien auf LAN-Partys damals in der Regel kompetitiv waren.
01:06:58: Und das hat mir auch David Betzing im Gespräch bestätigt, dass viele damals
01:07:03: LAN-Partys gespielt haben.
01:07:04: Als Turnier gesehen haben, als Wettkampfveranstaltung und nicht so sehr als
01:07:09: kooperatives Computerspielen. Das war die Ausnahme.
01:07:12: Fand ich ein bisschen erstaunlich, weil meine Erfahrung eine andere war.
01:07:15: Wir haben auch gegeneinander gespielt, weil es nicht anders ging,
01:07:19: weil die Spiele keine andere Möglichkeit hatten.
01:07:21: Aber sobald ein Spiel Bots mitgebracht hat, haben wir uns gegen das Spiel verbündet.
01:07:25: Und da haben wir gemeinsam kooperativ gegen den doofen Computer gespielt.
01:07:29: Und später wurde das dann zum Standard. In StarCraft, in Quake 3,
01:07:33: da sind KI-Gegner natürlich Standard.
01:07:36: Und schon kannst du im Team mit Menschen gegen die Maschinen spielen.
01:07:40: Und das war für mich auch immer der bevorzugte Modus bis heute.
01:07:44: Und manche Spieleentwickler sind der LAN-Szene sogar noch auf eine besondere
01:07:48: Weise entgegengekommen mit der gloriosen Spawn-Installation.
01:07:52: Weil nämlich normalerweise braucht ja im Multiplayer jeder angeschlossene PC
01:07:57: eine eigene CD mit einem eigenen Key.
01:08:00: Aber einige Spiele erlaubten Minimalinstallationen, die dann das Spielen ohne
01:08:06: Datenträger erlaubten.
01:08:07: Ausschließlich für die Gastteilnahme an LAN-Partien. Und populäre Beispiele
01:08:13: dafür sind Diablo und Warcraft 2 und Age of Empires.
01:08:17: Und einige Spiele, die mehrere Datenträger in der Packung hatten,
01:08:21: die hatten noch eine alternative Lösung.
01:08:23: Bei Command & Conquer Alarmstufe Rot, das du schon ein-, zweimal erwähnt hast,
01:08:28: können sich zwei Leute ein Exemplar des Spiels teilen, in dem jeder einfach
01:08:33: eine der beiden CDs bekommt.
01:08:35: Schöne Lösung. Sehr großzügig von den Publishern, finde ich.
01:08:40: Jetzt hast du C&C Alarmstufe Rot schon genannt und das bringt uns zum Thema
01:08:43: der besten LAN-Party-Spiele.
01:08:45: Die müssen wir natürlich heute noch küren. Die objektiv besten Spiele für LAN-Partys,
01:08:51: die aus der Zeit der Hochphase der LAN-Party stammen, also von 1990 bis 2010.
01:08:58: Nun könnte ich die auch einfach selber bestimmen. Ich weiß es ja,
01:09:01: welches die besten LAN-Party-Spiele sind, aber ich wollte das doch ein bisschen stärker untermauern.
01:09:06: Und so habe ich die persönlichen LAN-Party-Top 5 von insgesamt 32 Menschen zusammengesammelt.
01:09:14: Das sind befreundete Podcaster, Branchenveteranen und LAN-Party-erfahrene Freunde.
01:09:19: Also meine sieben LAN-Party-Freunde von damals und heute sind dabei.
01:09:22: Meine eigene Frau ist dabei.
01:09:24: Außerdem noch folgende Veteranen haben ihre persönlichen Top 5 genannt.
01:09:30: Patrick vom Retro-Kompott, Sebastian und Jochen Redinger von The Pod,
01:09:34: Paul von Game Not Over, Hardy und auch das gesamte Team von Down to the Detail,
01:09:39: Armin und das Team von den Spielearchäologen, Raphael, der heute noch bei der
01:09:44: PC Games Hardware ist und Daniel M., der damals bei der PC Games Hardware war,
01:09:49: Michael und Markus von GameStar, Petra Fröhlich von Gameswirtschaft,
01:09:53: die Veteranen Anatol Locker und Winnie Forster sowie natürlich vom Stay Forever
01:09:57: Team, Gunnar, beide Christians, Fabian, Rahel, Paul, Johannes,
01:10:02: Matthias und ich selbst.
01:10:04: Nun habe ich ja schon ausgeplaudert, dass Christian Schmidt und auch Heinrich
01:10:07: Lenhardt und Petra Fröhlich nie auf LAN-Partys waren.
01:10:10: Ich habe sie schon geoutet, aber sie haben damals im Redaktionsnetzwerk LAN-Spiele
01:10:15: gespielt und auf dieser Basis haben sie ihre persönlichen Ranglisten erstellt.
01:10:20: Insgesamt wurde von diesen 32 Menschen, bei denen ich mich hierbei nochmal herzlich
01:10:25: bedanken möchte, 55 verschiedene Spiele genannt. Eins davon ist auch richtig.
01:10:31: Und daraus habe ich eine Metalliste erstellt.
01:10:34: Wie üblich habe ich dafür ein Punktesystem verwendet. Für einen ersten Platz
01:10:38: bekommt ein Spiel fünf Punkte, für einen zweiten Platz vier Punkte und so weiter.
01:10:42: Und für die Meta-Liste habe ich außerdem Spiele-Serien zusammengefasst.
01:10:46: Also alle Serienteile werden durch den jeweils populärsten Teil repräsentiert.
01:10:51: Also egal, ob jemand C&C 1 oder 2 nennt, das wird zusammengefasst zur Serie
01:10:56: C&C, repräsentiert durch den populärsten Teil.
01:10:59: Was? Du hast C&C, Tiberium-Konflikt und Alarmstufe Rot zusammengefasst?
01:11:04: Ja, die ganzen Top 8, die wir gleich nennen, bestünden sonst nur aus C&C-Teilen
01:11:10: und das wäre ja langweilig, deswegen habe ich die zusammengefasst.
01:11:13: Aber einer davon ist der populärste C&C-Teil und welcher das ist,
01:11:16: das erfahren wir gleich.
01:11:18: Ja gut, dann gehen wir da mal durch. Wir beginnen unten sozusagen und den achten
01:11:25: Platz gibt es gar nicht, den teilen sich zwei Kandidaten und deswegen gibt es
01:11:29: den siebten Platz doppelt.
01:11:31: Und die nenne ich jetzt auch gleich beide, weil das ist ja einfach derselbe Platz.
01:11:35: Der wird einerseits eingenommen von meinem persönlichen Favoriten,
01:11:39: Duke Nukem 3D von 1996 mit 18 Punkten und parallel von so einem neumodischen
01:11:45: Spiel namens Half-Life, also Half-Life 1 von 1998, das auch 18 Punkte hat.
01:11:53: Ich begreife nicht, wie Duke Nukem nur auf Platz 8 kommen konnte.
01:11:57: Du hast offenkundig nur junge Leute befragt, die dann Spiele genommen haben,
01:12:02: die erst nach 2000 oder so entwickelt wurden. Das ist ja total grotesk.
01:12:07: Nein, das lag bestimmt an der Indizierung. Niemand hat indizierte Spiele gespielt.
01:12:11: Half-Life hast du gerade schon genannt. Wohlgemerkt nur Half-Life, ohne Mods.
01:12:16: Es gab da ja noch so eine recht populäre Half-Life-Mod, aber vielleicht wird die noch genannt.
01:12:20: Kommen wir mal zu den Plätzen 6 und 5. Die nenne ich auch gern beide.
01:12:24: Das sind auf Platz 6 Warcraft 3 von 2002, wohl auch wegen einer gewissen Mod
01:12:31: namens Defense of the Ancients.
01:12:33: Das ist ja die Mod, die das MOBA-Genre begründet hat.
01:12:37: Und auf Platz 5 verwandt damit StarCraft von 1998. 98.
01:12:42: Einer meiner Favoriten in dieser Liste, der gar nicht reingekommen ist, ist Warcraft 2.
01:12:47: Aber die jungen Leute haben natürlich dann das ältere Spiel rausgewotet, offenkundig hier.
01:12:53: Ach, ich bin nicht zufrieden mit deiner Art, hier diese Liste zu machen.
01:12:56: Tut mir leid.
01:12:57: Auf Platz 4 kommt Unreal Tournament 1999.
01:13:01: Das war ja die Arena-Shooter-Version von der Unreal-Serie.
01:13:06: Ganz cool. Und dann kommt endlich ein C&C-Ding auf Platz 3, wo C&C schon alle
01:13:12: Teile zusammenkratzen musste, offenkundig, um hier auf Platz 3 zu kommen.
01:13:16: Und hier steht Alarmstufe Rot 2 von 2000 mit 64 Punkten.
01:13:22: Oh, hello, Sir. Ah, there it is. Unit ready. Nuclear missile ready.
01:13:28: Select target. Warning. Nuclear missile ready.
01:13:38: Ja, das ist auch objektiv der beste Teil.
01:13:40: Aber warum wurde das häufiger genannt als das Vanilla-C&C? Ist das eine Funktion der Zeit?
01:13:47: Also, dass das eine das andere ersetzt hat? Wir haben viel mehr CNC gespielt als Alarmstufe Rot.
01:13:53: Also, wir haben mit Alarmstufe Rot erst so richtig angefangen,
01:13:56: Larnpartys zu organisieren.
01:13:58: Ah, ich verstehe.
01:14:00: Also, diese Liste ist vielleicht ein kleines bisschen dadurch beeinflusst,
01:14:02: dass ich halt meine persönlichen Freunde befragt habe. Und bei uns ist Alarmstufe
01:14:06: 2 das unangefochtene Topspiel in der LAN-Party. Aber es ist auch fantastisch.
01:14:12: Dazu mehr dann eines Tages in der längst überfälligen Folge.
01:14:16: Kommen wir zu Platz 2. Ihr könnt es vielleicht schon am Geräusch erkennen, was das ist.
01:14:25: FIRE IN THE HOLE,
01:14:33: Terrorists win,
01:14:37: Ja.
01:14:37: Das ist diese erwähnte Mod für Half-Life, aber die wurde ja dann noch zum eigenständigen
01:14:42: Spiel im Jahr 2000, nämlich Counter-Strike, der taktische Multiplayer-Shooter.
01:14:48: Auch ein reines Multiplayer-Vergnügen am Anfang, wie gesagt,
01:14:50: da gab es ja zunächst keine Bots.
01:14:53: Und auf Platz 1, unangefochten, mit einigem Abstand, 74 Punkte, ist dieser Titel hier.
01:15:16: Das ist natürlich Quake 3 Arena. Klassiker.
01:15:21: So gut.
01:15:21: Fantastisch. Habe ich noch lange gespielt, hinterher in der GameStar-Redaktion.
01:15:25: Nicht zu meiner LAN-Zeit. Logischerweise, weil es das Spiel da ja noch nicht gab.
01:15:30: Aber da haben wir halt Quake 1 und 2 gespielt. Aber dann bei der GameStar wurde
01:15:34: ziemlich viel Q3 Arena gespielt.
01:15:38: Das aber ist nicht mein Spiel, das konnte ich nicht so gut wie andere Spiele.
01:15:41: Da ist mir die Petra mit ihrer Railgun immer zuvor gekommen.
01:15:45: Ah, interessant.
01:15:46: Ja, ja, ja, das ist nicht mein Spiel gewesen.
01:15:49: Also wir spielen das immer noch bis heute auf unseren LAN-Partys.
01:15:53: Es ist immer ein guter Pausenfüller zwischen zwei C- und C-Partien.
01:15:57: Wir haben jetzt nur die Top 8 genannt von den 55 Spielen, aber betrachtet man
01:16:01: die gesamte Liste an genannten Spielen, dann fällt noch eines auf,
01:16:04: nämlich eine starke Genrepräferenz.
01:16:06: Wenn man sich die Genreverteilung ansieht, 42% aller Spiele sind Shooter und
01:16:13: 31% sind Echtzeitstrategiespiele.
01:16:16: Und diese beiden Genres belegen die ersten 16 Plätze der Gesamtauswertung.
01:16:21: Wahnsinn, also das ist die totale Dominanz zweier Genres.
01:16:25: Ich möchte bei dem Thema Spiele noch ein kleines Phänomen kurz ansprechen.
01:16:29: Und da frage ich mich, wie du dazu stehst, Gunnar. Singleplayer-Spiele auf der
01:16:33: LAN-Party. Erlaubt oder ist das ein No-Go?
01:16:36: Na, ist verboten.
01:16:37: Ist verboten? So weit würdest du gehen? Okay.
01:16:40: Ja, was soll denn das? Ist doch eine LAN-Party. Das ist doch nicht dafür da,
01:16:43: dass du dann alleine vor dich hinspielst. Kannst du gleich einen Film gucken.
01:16:45: Das gibt's auch.
01:16:47: Hä?
01:16:47: Ganz schön streng bei euch.
01:16:49: Das ist alles verboten, Henna. Alles verboten. naja, ich habe ja nicht dieses
01:16:54: große Freundesgruppending gemacht, was du gemacht hast.
01:16:57: Ich war entweder auf größeren LAN-Partys, auch mal 30, 40, 50 Leute in der Region
01:17:01: und so, und halt auf Netzwerk-Partys in WGs, die eh installiert waren.
01:17:07: Da ist man dafür hingegangen. Wir haben auch nicht viel getauscht oder so,
01:17:10: weil wir das nicht nötig hatten, weil wir hatten ja alle fette Netzwerke zu Hause.
01:17:13: Ja, du hast natürlich schon recht. Dafür geht man nicht auf die LAN-Party,
01:17:16: um alleine was zu spielen.
01:17:17: Aber für mich gehörte das immer so ein bisschen auch dazu. Das liegt auch daran,
01:17:21: dass unsere LAN-Partys so lang waren.
01:17:22: Da konnte man sich auch mal zwischendurch für einen Abend rausziehen und was alleine spielen.
01:17:27: Ja, konnte man auch mal zwei, drei Tage Krieg und Frieden lesen.
01:17:31: Richtig. Warum nicht? Für mich war die LAN-Party auch nicht primär ein Wettkampf,
01:17:37: nicht so ein Turnier, sondern eher ein Moment, um gemeinsam dieses wunderbare Medium zu zelebrieren.
01:17:42: Und das kann auch bedeuten, dass man mal nebeneinander Singleplayer-Spiele spielt
01:17:46: oder sich mit der Tüte Chips hinter jemanden setzt, der gerade alleine etwas
01:17:50: spielt und sich von dem ein bisschen was zeigen und erzählen lässt.
01:17:54: Und ganz selten in Fällen gab es ja diesen schönen Moment, in dem man jemanden
01:17:59: beobachtet hat, wie er alleine was gespielt hat und dann kam irgendwann die
01:18:01: Frage auf, Moment, hat das nicht vielleicht auch einen Mehrspieler-Modus?
01:18:05: Komm, wir spielen das zusammen.
01:18:07: Ist das nicht schön, auf diese Weise neue Spiele zu entdecken?
01:18:11: Ja, obwohl das so ein schönes Erlebnis war, aus vielerlei Gründen,
01:18:14: wegen Pizza und Singleplayer- und Multiplayer-Genüssen, ist ja der Stern der
01:18:18: LAN-Party irgendwann gesunken.
01:18:21: Nicht für mich, ich mache das ja immer noch, aber für die meisten.
01:18:24: Und wir müssen erörtern, wie das passiert ist.
01:18:27: In welchem Zeitraum verorten wir eigentlich die Glanzzeit der LAN-Party?
01:18:31: Wann endete sie und vor allem, Gunnar, warum?
01:18:34: Die PC-Player-Spezialausgabe 1.2000 hat berichtet,
01:18:40: dass Netzwerkpartys wie Pilze aus dem Boden schießen und dann gleichzeitig gesagt,
01:18:46: dass Solospiele jetzt out seien und dass die LAN-Party leben soll.
01:18:51: Und das ist das goldene Lahnzeitalter. Und wann genau beginnt es?
01:18:55: Und vor allen Dingen, wann endet es wieder?
01:18:57: Da kommt wieder der Historikernspiel, David Betzing.
01:19:01: Der verortet die große Zeit der Lahnparty in den Jahren zwischen 1998 und 2005.
01:19:06: Auf den Jahren liegt auch sein Forschungsschwerpunkt deswegen.
01:19:09: Und in den Jahren erscheinen auch die meisten Zeitpunkte.
01:19:12: Top-Acht-Spiele, die wir genannt haben. Aus seiner Sicht brauchten die LAN-Partys
01:19:16: für ihre große Phase eine kurze Episode zwischen einem technisch notwendigen Fortschritt.
01:19:23: Der eben gerade eingetreten ist, damit es überhaupt losgehen konnte,
01:19:26: und einem, der noch davor steht, der schon am Horizont dreute,
01:19:29: nämlich zwischen der Einführung erstmal auf der einen Seite leicht handhabbarer
01:19:35: und bezahlbarer Netzwerktechnik und auf der anderen Seite die Breitband-Internetzugänge mit Flatrate.
01:19:40: Präzise messbar ist das Interesse im Verlauf der Zeit nicht. Es gibt nur Indizien.
01:19:45: Man kann sich zum Beispiel angucken, die eingestellten Termine für öffentliche
01:19:49: LANs auf Portalen wie LANparty.de.
01:19:52: Da liegt der Höhepunkt für den deutschsprachigen Raum im Jahr 2001 und ab 2006
01:19:58: gibt es einen starken Rückgang. Ich habe es leider vergessen,
01:20:00: aber ich hätte es mal nachgucken sollen.
01:20:01: Wir hatten bei der GameStar ja auch immer eine LAN-Party-Rubrik,
01:20:04: wo es so einen Kasten gab mit lauter LAN-Partys und irgendeine arme Sau musste
01:20:08: die dann recherchieren.
01:20:09: Im Internet der frühen 2000er musste er die recherchieren.
01:20:13: Und ich weiß nicht mehr, wann wir die ausgeführt haben, aber das muss auf jeden
01:20:16: Fall auch 2005 oder so 2004 gewesen sein, wo das diese Rubrik nicht mehr gab.
01:20:22: In den online abrufbaren Pressearchiven beginnt die Hochphase mit besonders
01:20:27: vielen Erwähnungen des Begriffs LAN-Party, etwa im Jahr 2000 und endet halt 2007.
01:20:33: Ja, ich kann hierfür auch nochmal kurz auf meine eigene Historie zurückgreifen, auf unsere Chronik.
01:20:37: Ich habe das mal ausgewertet, in welchem Jahr waren wir am meisten auf LAN-Partys
01:20:41: und das war für uns das Jahr 2000. Also das war unser Höhepunkt.
01:20:45: Im Jahr 2000 haben wir 52 Tage insgesamt auf LAN-Partys verbracht.
01:20:48: What the fuck?
01:20:51: Das sind immer noch zu wenige Das sind ja noch über 300 vergeudet.
01:20:54: Ich kann es gar nicht fassen, das derailt mir jetzt diese ganze Folge,
01:20:57: ihr wart 52 Tage auf einer LAN-Party?
01:21:00: Ja nicht am Stück, sondern auf mehreren Jaja klar.
01:21:04: Aber ihr wart alle Schüler und das war jeder Ferientag quasi.
01:21:06: Ja ich war da schon kein Schüler mehr, aber als Zivildienstleistender hatte ich auch Zeit.
01:21:12: Das ist ja auch nicht so schlimm, ja, abgefahren. Und heute,
01:21:15: da sind Multiplayer-Spiele am PC so populär wie nie.
01:21:19: Zum Recherche-Zeitpunkt sind die zwölf meistgespielten Spiele auf Steam logischerweise
01:21:23: allesamt Multiplayer-Titel, angeführt von Counter-Strike 2, Dota und PUBG.
01:21:28: Gespielt werden sie aber gar nicht mehr in lokalen Netzwerken,
01:21:31: sondern das sind alles Internettitel.
01:21:33: Die Computerbase-Umfrage, die wir schon ein paar Mal zitiert haben,
01:21:36: die fragt auch, ob die LAN-Veteranen von damals heute noch Partys veranstalten
01:21:41: und da antwortet nur Henner mit ja, regelmäßig.
01:21:45: Nein, 5% antworten mit ja, regelmäßig, was ich für eine fast optimistische Schätzung halte.
01:21:51: Öffentliche LANs sind derweil richtig zur Ausnahme geworden,
01:21:54: fast alle regelmäßigen Veranstaltungen sind verschwunden oder sie haben sich
01:21:57: umgewandelt zu E-Sports-Turnieren und Streamer-Events.
01:22:02: Das ist so traurig, Gunnar. Das stimmt nicht mit der Menschheit.
01:22:06: Weiß auch nicht. Andere Leute scheinen anders zu sein als du.
01:22:10: Das ist eine Frechheit. Was fällt denen ein? Andere Leute mochte ich noch nie.
01:22:14: Nun kann man natürlich die LAN-Veteranen von damals einfach fragen.
01:22:18: Warum macht ihr keine LAN-Partys mehr? Und das hat diese Computer-Base-Umfrage ja auch getan.
01:22:23: Und ich habe es auch in meinem persönlichen Umfeld getan. Und,
01:22:28: Warum also gehen die Leute von damals, die damals LAN-Partys organisiert haben,
01:22:32: 50 Tage im Jahr, heute nur noch so selten auf solche Veranstaltungen oder gar nicht mehr?
01:22:37: Und die Gründe sind eigentlich immer dieselben, die man auch in den Foren immer
01:22:41: wieder aufgeführt liest.
01:22:43: Es fehlt den Leuten an Zeit, es fehlt ihnen an Kraft, sie haben keine interessierten
01:22:46: Freunde mehr in der Nähe oder gar kein Interesse mehr an Spielen und sie haben
01:22:50: auch keine Lust mehr auf diesen logistischen Aufwand.
01:22:53: Aber das, Gunnar, das sind ja alles keine Lanparty-spezifischen Phänomene,
01:22:58: sondern das sind einfach Begleiterscheinungen des Erwachsenwerdens und des Altwerdens.
01:23:02: Das trifft genauso auf viele andere Jugendhobbys zu.
01:23:06: Also in den Fußballvereinen oder in den Tennisclub geht man vielleicht als junger
01:23:12: Mensch häufiger als später als 50-Jähriger.
01:23:15: Aber das heißt ja nicht, dass Fußball ausstirbt, denn das kommt ja eine junge
01:23:19: Generation nach, die das auch für sich entdeckt. Und das scheint bei der LAN-Party auszubleiben.
01:23:25: Die entscheidende Frage lautet also nicht, warum spielen die alten Säcke heute
01:23:29: nicht mehr auf LAN-Partys, sondern warum wächst keine LAN-Party-Generation nach?
01:23:34: Warum verschmähen junge Leute diese allerbeste Weise, Computerspiele zu spielen?
01:23:40: Da gibt es viele Gründe, denke ich. Wenn man das ganz oberflächlich betrachtet,
01:23:44: das Phänomen, dann scheinen die Spiele selbst ein Grund zu sein,
01:23:47: weil ganz viele moderne Spiele überhaupt keine LAN-Unterstützung mehr anbieten.
01:23:51: Es gibt natürlich Multiplayer-Modi, aber die laufen alle über das Internet und
01:23:55: nicht über lokale Netzwerke.
01:23:57: Dann gibt es Matchmaking-Systeme, die erschweren das teilweise,
01:24:02: mit anderen Spielern zusammenzuspielen.
01:24:04: Ich bin schon das ein oder andere Mal daran gescheitert, mit Freunden gemeinsam
01:24:08: ein modernes Online-Multiplayerspiel zu spielen,
01:24:11: weil wir nicht in das gleiche Team gekommen sind, weil dieses blöde Matchmaking
01:24:15: uns anders verteilt hat und uns antreten ließ gegen irgendwelche anonymen Gegner aus dem Netz.
01:24:21: Oder es gibt die Account-Bindung.
01:24:24: Da kann man nicht mehr so einfach eine einzelne Lizenz teilen wie früher,
01:24:27: CDs verteilen, wie das früher möglich war.
01:24:29: Es gibt Progressionssysteme bei modernen Spielen, die verhindern,
01:24:34: dass man einfach spontan in ein Spiel einsteigt.
01:24:36: Ich wollte zum Beispiel mal auf einer LAN-Party mit einem Freund zusammen Far Cry 4 spielen.
01:24:40: Das hat einen wunderbaren Koop-Modus, der wird aber erst freigeschaltet,
01:24:44: wenn man den ersten Akt im Singleplayer-Modus gespielt hat.
01:24:47: Das kannst du nicht mal eben auf der LAN-Party machen. Ist ja Quatsch.
01:24:51: Das war früher halt anders.
01:24:53: Da hast du das Spiel installiert und hattest sofort Zugriff auf den vollständigen Multiplayer-Modus.
01:24:57: Alle Maps, alle Spielmodi, alle Charaktere, alle Waffen stehen sofort zur Verfügung.
01:25:01: Und das ist heute nicht mehr üblich. Da musst du das erstmal nach und nach freischalten.
01:25:05: Das kostet Arbeit, die du erstmal investieren musst.
01:25:09: Und du kannst also nicht mehr einfach spontan auf der LAN-Party ein Spiel dir
01:25:13: besorgen und einsteigen.
01:25:15: Und all diese Faktoren erschweren also die klassische LAN-Party.
01:25:19: Das sind aber, denke ich, alles nur Symptome. Ich glaube, die eigentliche Ursache
01:25:23: für das schleichende Ende der LAN-Party ist eine ganz andere.
01:25:26: Und das ist der große Elefant im Raum, wie man im Deutschen eigentlich nicht sagt.
01:25:30: Das ist natürlich der Trend zum Online-Gaming, der mit der Jahrtausendwende
01:25:35: ja so langsam Fahrt aufnimmt.
01:25:37: Ende 2000 kommen die Breitband-Flat-Rates. 2001 wird Teamspeak populär.
01:25:42: 2002 geht mit Xbox Live eine Konsole erstmals so richtig online.
01:25:47: 2003 startet Steam, 2004 holt World of Warcraft das MMO in den Massenmarkt.
01:25:55: Und parallel dazu werden die Internetzugänge schneller, die Bandbreiten steigen und der Ping sinkt.
01:26:01: Und wenn man im 21. Jahrhundert mit all dem aufwächst, dann hat man ja vielleicht
01:26:05: nicht mehr so die Notwendigkeit, einen PC ins Auto zu wuchten und quer durchs
01:26:10: Land zu fahren, nur um mit anderen zu spielen.
01:26:13: Wobei, ich möchte jetzt kurz eine persönliche Anekdote anbringen.
01:26:16: Ich habe nämlich doch eine ganze Reihe von LAN-Partys in den letzten Jahren gemacht.
01:26:21: Sie sind halt nur sehr klein, mit zwei Personen, mit meinem Nachbarn,
01:26:26: zu dem ich gegangen bin, mit meinem Laptop, um mit ihm gemeinsam Fortnite zu spielen.
01:26:33: Und zwar gemeinsam im Internet. Also wir haben uns dann immer einen Server gesucht,
01:26:36: wo wir wirklich beide dann drauf waren und sind halt gemeinsam über die Map
01:26:40: gelaufen und haben uns dann immer gesucht, wie zwei Verbündete.
01:26:43: Das haben wir eine ganze Zeit lang, jeden Tag gemacht, also über Wochen,
01:26:47: immer so von elf bis zwölf abends oder so. Und es gab schon auch Getränke und
01:26:52: Chips und so. Es war eine kleine Lahnparty.
01:26:55: Ja, das gilt.
01:26:56: Das passt in die Definition.
01:26:58: Ja, und das war halt eine voll nette Erfahrung, weil wir haben halt ein bisschen
01:27:00: gespielt und da stirbt man ja die ganze Zeit, ja, wegen der jungen Leute,
01:27:03: die da ernsthaft mit scharfen Waffen auf einen schießen.
01:27:06: Aber wir haben uns immer nett dabei unterhalten und uns ein bisschen ausgetauscht. Das war ganz cool.
01:27:10: Was daraus folgert grundsätzlich aus dem, was ich vorher gesagt habe vor der
01:27:13: Nachbars-Anekdote, ist, dass die LAN-Party ja am Ende doch nur eine Methode
01:27:17: des gemeinsamen Spielens war.
01:27:19: Das Spielen ist nicht ausgestorben, nur diese spezifische Art des Spielens.
01:27:23: Weil es eine technische Notwendigkeit gab, Die nur wenige Jahre bestanden hat,
01:27:27: dass das Netz halt nicht schnell genug war und dass man deswegen mit Gewalt
01:27:31: das Multiplayer-Ding herbeiführen musste, indem man irgendwo hingefahren ist
01:27:34: und seinen Rechner dahingestellt hat und das dann gemacht hat.
01:27:37: Und wenn das stimmt, dann ist die LAN-Party heute ja obsolet,
01:27:41: weil die technische Notwendigkeit weg ist. Ich meine, die Zeitung verschwindet
01:27:45: ja auch, ohne dass News verschwunden wären. Nur diese Darreichungsform ist langsam weg.
01:27:49: Aber vielleicht ist die Sichtweise auch zu kurz, denn mit dem Ende der Lahnparty
01:27:54: geht ja nicht nur diese Methode verloren, sondern auch ein sozialer Raum rund um das Spielen herum.
01:28:01: Den es mal gegeben hat und der heute ganz anders definiert ist durch Foren und
01:28:05: die ganz anders funktionieren und auch viel weniger direkten Kontakt ermöglichen.
01:28:09: Das war ein Ort, an dem Menschen zusammengekommen sind, auch dann,
01:28:12: wenn sie eben nicht gerade aktiv gespielt haben in der Sekunde.
01:28:15: Und die Professorin Judith Ackermann hat das sehr treffend formuliert.
01:28:19: Anders als in gemeinschaftlichen Onlinespielen ist die Interaktion auf der LAN-Party
01:28:23: ja sogar möglich, wenn man sich vom Computer wegdreht oder wenn der Computer ausfällt.
01:28:27: Und das betrifft einen Punkt, den viele Leute, die LAN-Partys erlebt haben, ja sofort verstehen.
01:28:33: Ja, David Betzing hat sich dazu auch geäußert. Er hat ja mit sehr vielen Lahn-Veteranen
01:28:38: gesprochen und seine Einschätzung hören wir hier.
01:28:41: Für viele Angehörige der Lahn-Szene ist rückblickend das Zusammenkommen,
01:28:45: das Treffen mit Freunden und Fremden, das gemeinsame Spielen,
01:28:48: das gemeinsame Zeitverbringen wichtiger als das Spielen selbst.
01:28:53: Ja und jetzt möchte ich noch jemanden zitieren. Ein Herr namens Henner Thomsen,
01:28:56: der hat mal in der GameStar in einem Gastartikel auch was geschrieben über die
01:29:00: Rolle der LAN-Party beim Knüpfen neuer Freundschaften.
01:29:03: Und zwar schrieb er damals, die LAN-Party hilft manch kontaktscheuer Natur aus der Einsamkeit.
01:29:09: Vielleicht ist sie gar eines der kommunikativsten Hobbys überhaupt.
01:29:13: Denn auf dem Fußballplatz, in der Chorprobe, im Kinosaal fällt der verbale Austausch
01:29:17: ungleich schwerer als hier. Und dazu stehe ich noch, das stimmt.
01:29:21: Also es gibt natürlich auch viele andere kommunikative Hobbys,
01:29:25: man kann sich auch gemeinsam zum Nähen treffen und dabei plaudern,
01:29:28: aber es gibt auch viele andere weniger kommunikative Hobbys.
01:29:31: Also die LAN-Party entspricht so überhaupt nicht dem alten Klischee des einsamen
01:29:35: Computerspielers, der schweigend vor dem Monitor sitzt.
01:29:38: Und die Forschung bestätigt das ja von Judith Ackermann, die ja auch gesagt
01:29:42: hat, auf einer LAN-Party wird nicht geschwiegen.
01:29:45: Da wird die ganze Zeit kommuniziert.
01:29:48: Und das in einer Weise, wie sie im Online-Gaming nicht in der gleichen Intensität möglich ist.
01:29:54: Und William Steinmetz, das war der Autor dieses Lahnparty-Buchs,
01:29:57: den du schon erwähnt hast, der bringt in seinen Interviews eine wiederkehrende
01:30:01: Botschaft, die dazu passt auf den Punkt.
01:30:03: Der sagt nämlich, sagt allen, wie wunderbar diese Zusammenkünfte sind,
01:30:07: sagt ihnen, wie Lahnpartys Menschen zusammenbringen, wie Freundschaften entstehen
01:30:11: und ganze Freundeskreise aufblühen lassen.
01:30:14: Und das ist doch ganz hübsch, dass er das geschrieben hat. Und damit sind wir
01:30:17: ja wieder bei der eigentlichen Tragik des Themas.
01:30:20: Online Gaming ersetzt vieles davon, aber eben nicht alles.
01:30:25: Also was bleibt uns von der LAN-Party? Also mir bleibt die LAN-Party.
01:30:30: Ich mache das ja immer noch, wenn auch etwas seltener, nicht mehr 52 Tage im Jahr.
01:30:35: Aber all den anderen, die damals auf LAN-Partys gegangen sind,
01:30:38: so wie du und das heute vielleicht nicht mehr machen, was bleibt denen?
01:30:43: Nun vielen, das hat auch David Betzing festgestellt in seinen vielen Gesprächen
01:30:47: mit den damaligen Lernparty-Gängern, vielen blieb von damals technisches Verständnis.
01:30:53: Man hat wahnsinnig viel gelernt auf einer Lernparty. Das war ja nun mal einfach
01:30:58: notwendig, um ein stabiles Computernetz aufzuziehen und manch eine Karriere
01:31:03: mag in dieser Zeit ihren Ursprung haben.
01:31:06: Also viele, die damals es geschafft haben, ein stabiles Quake-Netz aufzubauen,
01:31:09: haben vielleicht später in der IT gearbeitet und genau sowas im Büro gemacht.
01:31:14: Oder im Veranstaltungsmanagement, wenn man früher eine öffentliche LAN-Party
01:31:18: organisiert hat, dann hat man ganz offensichtlich einige Talente.
01:31:23: Denn neben den technischen Fertigkeiten
01:31:25: verlangen LAN-Partys den jungen Menschen ja auch Soft-Skills ab.
01:31:29: So nennt Judith Ackermann das und sie zählt auf, was man dafür alles braucht.
01:31:33: Zitat, Teamfähigkeit, Kooperation, Kommunikation, Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein,
01:31:39: Engagement, Hilfsbereitschaft sowie konzeptionelle planerische und organisatorische Fähigkeiten.
01:31:45: Gunnar, das haben wir alles gelernt damals, ganz nebenbei, bei so ein bisschen
01:31:49: Capture the Flag, ist das nicht toll?
01:31:52: Es war so nützlich.
01:31:53: Wie euch das vorbereitet hat, hinterher eine Wow-Gilde zu leiten. Hammer.
01:31:58: Ja, genau. Und mehr noch, also es war eine lehrreiche Zeit, ja,
01:32:05: aber die Lahnphase oder diese Hochphase der Lahnparty geht noch weit darüber hinaus.
01:32:11: Genau so sieht David Betzing, der Historiker, das.
01:32:13: Der sieht in der einstigen Lanparty-Szene eine eigene Jugendbewegung,
01:32:18: also einen Teil der Adoleszenz, die sich definiert durch die Abgrenzung der
01:32:22: Jugendlichen von der Erwachsenenwelt.
01:32:25: Er sagt, Zitat, die Lahnparty war eine Sphäre ohne elterlichen Einfluss und
01:32:29: Einblick von den Jugendlichen selbst organisiert und durchgeführt mit eigenen
01:32:33: Regeln und selbstständiger Problemlösung.
01:32:36: Das war einfach eine Sphäre, da hatten die Eltern überhaupt keine Möglichkeit
01:32:39: einzugreifen, weil die überhaupt nicht verstanden haben, was da passiert.
01:32:43: Das mussten die Jugendlichen alleine machen. Vielleicht wollten sie es auch
01:32:46: geheim halten, weil die Eltern nicht wissen sollten, was da alles gespielt wird
01:32:49: und wie lange die Leute wach sind und wovon sie sich ernähren.
01:32:53: Also das war ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens und der Abkapselung von den Eltern.
01:32:58: Und das ja nicht nur einen Abend lang, wie beim Disco-Besuch,
01:33:02: sondern über mehrere Tage mit entsprechend größerer Verantwortung,
01:33:05: sprich Selbstversorgung und das Aufstellen eigener Regeln des temporären Zusammenlebens.
01:33:10: Das half beim Heranwachsen.
01:33:12: Ja, und es bleiben natürlich schöne Erinnerungen. Und hier nochmal David Betzing.
01:33:17: Insgesamt erinnern sich alle Teilnehmenden von LAN-Partys, mit denen ich Interviews
01:33:22: geführt habe, positiv an die LAN-Szene zurück, dass sich auch neue Freundschaften gebildet haben,
01:33:28: dass man auch, wenn Freundschaften auseinandergegangen sind,
01:33:31: wenn man sich wieder trifft, dass es dann wie früher sei, weil die Szene eben
01:33:35: so im Umgang untereinander harmonisch gewesen sei,
01:33:39: weil man sich untereinander geholfen hat und weil man eben eine Gemeinschaft gebildet hat,
01:33:43: selbst wenn man im Spiel gegeneinander gespielt hat.
01:33:46: Ja, schöne Erinnerungen an, wie ich finde, die großartigste Weise Computerspiele
01:33:52: zu genießen, gemeinsam und nicht nur gemeinsam online, sondern nebeneinander vor Ort.
01:33:58: Ach Henner, das hast du schön gesagt. Dann sind wir damit am Ende.
01:34:03: Das war das Schlusswort dieser Folge.
01:34:07: Ich bedanke mich Henner bei dir für das Gespräch. Ich bedanke mich bei euch fürs
01:34:11: Zuhören und sage Tschüss bis zum nächsten Mal.
01:34:14: Ja und das nächste Mal, das dauert gar nicht mehr so lange, denn es gibt für
01:34:17: alle Unterstützerinnen und Unterstützer noch eine Bonus-Folge und da reden wir
01:34:21: noch mehr über LAN-Partys, Gunnar.
01:34:23: Vielleicht auch ein bisschen über Internet-Technik, aber wahrscheinlich mehr über LAN-Partys.
01:34:27: Weitere Spiele stellen wir vor von unserer besten Liste. Wir reden etwas ausführlicher
01:34:31: über öffentliche LANs, die sind hier ja ein bisschen zu kurz gekommen und ganz
01:34:36: kurioses Phänomen Konsolen-LAN-Partys.
01:34:39: Gab es sowas überhaupt und wenn ja, mit welchen Spielen?
01:34:43: All das in der Trivia-Folge. Bis dahin.
01:34:46: Ciao.