Stay Forever

Transkript

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Henner: Hallo liebe Hörerinnen und Hörer, das war, leicht zu erkennen,

Henner: die Stay Forever Intro-Musik, auch bekannt als Gianna Sisters Thema,

Henner: gespielt auf einem 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk.

Henner: Der Summfrequenz des Elektromotors nachzuurteilen, würde ich sagen, ein Modell von NEC.

Henner: Oder was meinst du, Christian?

Chris: Ah, da hast du mich jetzt auf den falschen Fuß erwischt. War es Samsung, war es NEC.

Chris: Ich weiß nur, wer an den Tasten saß, nämlich Henner Thomsen.

Chris: Und wer hat den Taktstock dazu geschwungen? Christian Schmidt.

Henner: Ganz genau. Und wir zwei, ja, wir sprechen heute über die Diskette und natürlich

Henner: das zugehörige Laufwerk.

Henner: Und was so trocken erscheint und banal, das ist doch ein, wie ich festgestellt

Henner: habe, ein erstaunlich nostalgisch-emotional aufgeladenes Thema.

Henner: Viel stärker als so ein simples Plastikscheibchen das erwarten ließe.

Henner: Die Diskette, die weckt Emotionen bei allen Menschen, die man darauf anspricht.

Henner: Und mit einigen Leuten habe ich zu diesem Thema gesprochen. Das hören wir heute noch.

Henner: Die Diskette ist so eine Art Projektionsfläche für unsere Erinnerungen an all

Henner: die Spiele, die wir damals gespielt haben in den 80ern und in den 90ern.

Henner: Zumindest wenn wir am Computer gespielt haben, ja nicht auf einer Konsole.

Henner: Egal, ob das jetzt ein C64 war, ein Atari ST oder ein PC oder ein Apple II.

Henner: Alle haben mit Disketten hantiert und davon Spiele geladen, darauf eigene Spielstände

Henner: abgespeichert oder eigene Texte und andere Werke darauf abgelegt.

Henner: Und das ist ein so nostalgisch verklärtes Thema, dass ich sogar,

Henner: Christian, zwei Bücher gefunden habe mit Diskettenlyrik.

Henner: Und daraus kann ich jetzt auch in ganz kurzen Vierzeiler vortragen.

Henner: Das ist ein Auszug aus einem Gedicht aus dem Buch Tribulations of a Floppy Disc. Und das geht so.

Henner: Naja, das ist jetzt nicht Shakespeare, aber dass es dieses Gedicht überhaupt

Henner: gibt, dass zu diesem Thema so liebevolle Gedichte verfasst werden,

Henner: das spricht doch für den soziokulturellen und persönlichen Stellenwert,

Henner: den die Diskette einnimmt.

Chris: Ich habe langsam das Gefühl, es gibt zu allem irgendein Gedicht.

Chris: Das würde mich auch nicht wundern, wenn es zum Küchenmixer ein Gedichteband gäbe zum Beispiel.

Chris: Aber du hast natürlich recht, die Diskette ist insbesondere für Menschen unserer

Chris: Generation etwas emotional aufgeladen und mit Erinnerung verbunden ist.

Chris: Und ich glaube, wie soll ich sagen, die Reise, die vor uns liegt bei dieser

Chris: Folge, ist sehr unterschiedlich emotional, je nachdem, ob man mit Disketten

Chris: aufgewachsen ist oder ohne.

Chris: Also wer ein jüngeres Baujahr ist, wird hier womöglich Einblicke bekommen in

Chris: eine Ära, die so nicht wiedergebracht werden kann.

Chris: Aber dafür machen wir ja auch diese Folgen. Und für mich, Henner,

Chris: hat die Beschäftigung mit dem Thema eine Frage beantwortet,

Chris: die fundamental ist und von der ich gar nicht wusste, dass ich sie überhaupt

Chris: mir jemals stellen würde, diese Frage, nämlich, was war eigentlich zuerst da,

Chris: die Diskette oder die Festplatte?

Chris: Und wenn ich dir diese Frage vor ein paar Wochen gestellt hätte,

Chris: hättest du sie richtig beantworten können, Henner?

Henner: Ich, ja, aber vielleicht bin ich da atypisch. Ich glaube, den meisten geht es da anders.

Chris: Natürlich.

Henner: Ich denke, die meisten würden vermuten, dass die Diskette vorher da war.

Chris: Ja, absolut. Aus der Perspektive des Laien, der ich in der Hinsicht bin,

Chris: ist natürlich die Diskette das primitivere Stück Technik im Vergleich zur Festplatte.

Chris: Jetzt mal ganz salopp gesprochen und ohne der Diskette zu nahe treten zu wollen.

Chris: Und daraus folgert logischerweise, das Primitive kommt ja immer vor dem Fortschrittlichen.

Chris: Aber nein, so war es nicht. Und das werden wir jetzt ergründen.

Henner: Ja, aber das ist interessant, dass du das ansprichst. Ich wollte das nämlich

Henner: im Laufe dieses Gesprächs auch noch erwähnen, dass das für viele sicherlich

Henner: überraschend ist, dass die Diskette tatsächlich 15 Jahre jünger ist als die Festplatte.

Henner: Und du bist nicht der Einzige, den das überrascht. Denn ich habe zufällig bei

Henner: der Recherche einen Artikel gefunden aus dem amerikanischen PC Magazine von 1984.

Henner: Und in diesem Artikel heißt es, ich zitiere, die Festplatte wurde ursprünglich

Henner: entwickelt, um die Beschränkungen der Diskette aufzuheben.

Henner: Nein, wurde sie nicht. Also dieser Autor war ebenso verwirrt wie du.

Chris: Aber das eröffnet die nächste interessante Frage. Und das kann auch ein kleiner

Chris: Cliffhanger jetzt für unsere Geschichte sein.

Chris: Denn wenn die Festplatte offensichtlich zuerst da war, warum wurde dann eigentlich

Chris: die Diskette noch entwickelt? Was war denn deren Daseinsberechtigung?

Chris: Und das ist doch eine ganz spannende Frage.

Henner: Ja, genau. Genau, es ging nicht ursprünglich darum, das Kopieren von Spielen

Henner: besonders einfach zu machen. Also so viel können wir schon verraten.

Chris: Na, sag bloß. Nein?

Henner: Nein, nein, nein.

Chris: Aber damit hat sie dann ihre Berufung gefunden, die Diskette.

Henner: Eindeutig, ja. Gut, aber dann steigen wir doch mal ein in die Hintergrundgeschichte.

Henner: Wie es überhaupt dazu kam, dass die Diskette...

Henner: In den 80er Jahren so viele von uns geprägt hat. Und das ist eine mehrere Jahrzehnte

Henner: überspannende Geschichte, die beginnt in den 1960er Jahren.

Henner: Aber bevor wir da sind, müssen wir noch einen Schritt weiter zurückgehen,

Henner: nämlich zur Gründung des Unternehmens, das die Diskette hervorgebracht hat. Und das ist IBM.

Chris: Mal wieder.

Henner: Mal wieder, ja. Wie so oft zur Geschichte IBMs haben wir schon ausführlich etwas

Henner: erzählt in unserer Episode zum IBM PC. Das war Stave Reaver Technik Folge 4,

Henner: wenn mich nicht alles täuscht.

Henner: Deswegen werden wir jetzt nicht nochmal im Detail diese ganze Geschichte durchgehen.

Henner: Nur die wichtigsten Eckdaten.

Henner: Die Firma geht zurück auf das Jahr 1924. Da hat zumindest diese Firma ihren

Henner: späteren und bis heute gültigen Namen erhalten.

Henner: International Business Machines IBM.

Henner: Vorher hieß diese Firma Computing Tabulating Recording Company,

Henner: was etwas weniger griffig ist.

Henner: Und das wiederum ist ein Zusammenschluss von verschiedenen US-amerikanischen

Henner: Herstellern von Büromaschinen.

Henner: Die haben damals natürlich noch keine Computer gebaut. Die haben angefangen

Henner: mit Tabelliermaschinen und mit Stechuhren und allerlei anderen Gerätschaften,

Henner: die man so im Büro braucht.

Henner: Später kamen dann ja auch noch Schreibmaschinen dazu. Und die haben in den 1940er

Henner: Jahren dann teilweise durch Aufträge von der US-Regierung einige der weltweit

Henner: ersten Computer gebaut.

Henner: Und 1953 sind sie dann auch in die Serienfertigung von solchen Mainframe-Computern eingestiegen.

Henner: Vorher waren das meistens Einzelanfertigungen für bestimmte Organisationen,

Henner: für Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Henner: Und ab den 50er Jahren konnte man also auch als normales Unternehmen so einen

Henner: Computer kaufen oder zumindest mieten.

Henner: Die Computer gehen hervor in gewisser Weise aus den Tabelliermaschinen.

Henner: Das sind mechanische oder elektromechanische Maschinen, die genau eine Aufgabe

Henner: haben, nämlich Lochkarten auszulesen und auszuwerten.

Henner: Und diese Lochkarten, das sind einfache Pappkarten, später sind das Plastikkarten,

Henner: aber früher waren die noch aus Pappe und darin sind mehrere Reihen Löcher gestanzt

Henner: und in der Anordnung dieser Löcher, in der Abfolge Loch, kein Loch und so weiter,

Henner: sind Zeichen kodiert, alphanumerische Zeichen, also Buchstaben oder Zahlen.

Henner: Und eine typische Lochkarte dieser Zeit, die fasst auf diese Weise den Code für 80 Zeichen.

Henner: Also wenn man so will, passen da 80 Byte drauf, auch wenn man das damals natürlich

Henner: noch nicht so bezeichnet hat.

Henner: IBM ist damals aufgestiegen zum weltgrößten Hersteller von solchen Karten.

Henner: Die haben in der Mitte der 50er Jahre ein Fünftel ihres Umsatzes nur mit solchen

Henner: Karten gemacht. Die haben auch ein Format für diese Karten standardisiert,

Henner: das auch andere Hersteller verwendet haben.

Henner: Das war natürlich ein sehr einträgliches Geschäft, aber IBM hat trotzdem allerhand

Henner: unternommen, um dieses eigene Geschäft zu torpedieren, unter anderem ja auch

Henner: durch die Diskette, zu der wir noch kommen.

Henner: Die ersten Computer haben dann erstmal diese bewährten Datenträger von ihren

Henner: Vorgängern übernommen, also von den Tabelliermaschinen und auch für die Ein-

Henner: und Ausgabe von Daten Lochkarten verwendet.

Henner: Da waren dann also Lochkartenlesegeräte angeschlossen und Lochkartendrucker,

Henner: damit die Computer ihre Ergebnisse auch auf Karten ausgeben konnten.

Henner: Aber dabei blieb es nicht.

Henner: Dann kam bald schon ein etwas fortschrittlicheres Laufwerk dazu.

Chris: Und das sind die ersten Magnetbandlaufwerke. Da sind wir jetzt im Jahr 1952

Chris: und da passen natürlich wesentlich größere Datenmengen drauf als auf so eine Lochkarte.

Chris: Ein einzelnes Band kann schon mehr als ein Megabyte speichern.

Chris: Für diese Zeit ist das eine enorme Datenmenge und vor allen Dingen natürlich

Chris: auch sehr viel schneller einlesen als bei diesen Lochkarten.

Chris: 7500 Byte pro Sekunde, um genau zu sein. Diese Magnetbänder,

Chris: die sind 1,2 Zentimeter breit, die sind auf große Rollen aufgewickelt,

Chris: die basieren auf etablierter Technik, nämlich Tonbandtechnik,

Chris: also sind beschichtet mit magnetisierbaren Metallpartikeln und je nach Ausrichtung

Chris: ihrer Magnetisierung enthalten die dann unterschiedliche Informationen.

Chris: Und so ein Magnetband hat natürlich große Vorteile gegenüber einem Stapel von

Chris: Lochkarten. Damit kommt diese elektronische Revolution erst so richtig in Gang.

Chris: Es hat aber auch seine Probleme. Die gewaltigen Datenmengen auf dem Band sind

Chris: schwer zugänglich, denn logischerweise kann man so ein Band nur von vorne bis

Chris: hinten auslesen, also sequenziell.

Chris: Nun gut, du kannst theoretisch auch vorspulen zu einem beliebigen Teil des Bandes,

Chris: aber wir wissen alle, das dauert eine ganze Weile und man muss den richtigen

Chris: Einstiegspunkt dann auch erstmal finden.

Chris: Also ein direkter, ein wahlfreier Zugriff auf so einen bestimmten Datenpunkt

Chris: ist sehr, sehr aufwendig.

Chris: Diese Bänder sind hunderte Meter lang. Finde da mal den richtigen Punkt.

Chris: Anders als die Lochkarten. Ich meine, die Lochkarten kannst du beliebiger aus

Chris: dem Stapel ziehen und reinstecken in die Maschine.

Chris: Ja, da ist der wahlfreie Zugriff sehr viel leichter als beim Tonband.

Chris: Man bräuchte also irgendeine Technologie, die das Beste aus beidem vereint.

Chris: Also die die Geschwindigkeit und die Datenmengen, die Speichermengen von einem

Chris: Magnetband hat, aber gleichzeitig bessere Möglichkeit auf einzelne Daten zuzugreifen.

Henner: Ja, denn das ist wirklich ein Problem, wenn der Datenpunkt, den man braucht,

Henner: jetzt gerade in der Mitte des Bandes ist, aber das Turmband oder dieses Magnetband

Henner: ist gerade komplett aufgerollt.

Henner: Da muss man es erstmal komplett abrollen, um an die Mitte zu kommen. Das ist das Problem.

Henner: Also es wäre jetzt eine Lösung zum Beispiel, das ganze 700 Meter lange Magnetband komplett auszurollen.

Henner: Da braucht man halt eine sehr lange Halle, in der man das machen kann.

Henner: Und dann kann man auf beliebige Datenpunkte zugreifen.

Chris: Ja, Opfer müssen gebracht werden bei der neuen Technologie. Dann braucht man halt große Hallen.

Henner: Ja, das wäre eine Lösung. Du bräuchtest halt einen Lesekopf,

Henner: der sich sehr schnell bewegt von einem Ende des Bandes zum anderen,

Henner: aber so hätte man zumindest den direkten, den wahlfreien Zugriff.

Henner: Aber das ist vielleicht nicht die optimale Lösung, also entwickelt IBM etwas

Henner: anderes, eine andere Anordnung dieser Magnetfläche.

Henner: Und 1952 schon stellt IBM eine Gruppe von Ingenieuren zusammen,

Henner: die ein neues Speichermedium entwickeln soll, das, wie du sagst,

Henner: die Vorteile verschiedener Medien kombiniert, also die große Kapazität und die

Henner: Datenübertragungsgeschwindigkeit des Magnetbandes mit dem wahlfreien,

Henner: mit dem direkten Zugriff.

Henner: Und diese Gruppe von Ingenieuren, die werden angesiedelt in einem neuen kalifornischen

Henner: IBM-Forschungszentrum, das dort seinen Sitz hat, wo heute das Silicon Valley ist.

Henner: Das hat man damals allerdings noch nicht so genannt, das entstand dann erst in den 60ern.

Henner: Und die sollten eine alternative Methode der digitalen Datenspeicherung entwickeln.

Henner: Die haben dann frei experimentiert und Verschiedenes probiert,

Henner: wahrscheinlich nicht die Variante mit dem ausgerollten Band in einer langen Halle vermutlich.

Henner: Aber etwas klügere Alternativen, die haben stabförmige Datenträger ausprobiert,

Henner: streifenförmige und auch plattenförmige.

Henner: Und das hat sich bewährt. Schließlich sind die Ingenieure dann bei solchen runden

Henner: Platten oder Scheiben gelandet.

Henner: Zunächst aus Aluminium, die beschichtet waren mit magnetisierbarem Eisenoxid.

Henner: Das ist die gleiche Technik wie beim Magnetband. Aber hier ist sie eben nicht

Henner: mehr bandförmig, nicht mehr ausgerollt, sondern auf einer Scheibe aufgebracht. Rund.

Henner: So eine Scheibe, die wird auch Platter genannt. Also nicht Platte, sondern Platter.

Henner: Später bei den Festplatten, denn genau das ist die Entwicklung,

Henner: auf die wir jetzt zulaufen. Solch eine Platterscheibe, die dreht sich wie eine

Henner: klassische Schallplatte auf einer Spindel.

Henner: Also in der Mitte ist ein Loch und in dieses Loch passt die Spindel,

Henner: die motorisiert angetrieben ist und sich sehr schnell dreht.

Henner: Und so dreht sich auch die ganze Scheibe im Laufwerk.

Henner: Und wie beim Plattenspieler wandert ein Lesekopf obendrauf an einem beweglichen

Henner: Arm vor und zurück und erreicht so theoretisch alle Positionen auf der Oberfläche.

Henner: Er muss nur halt warten, bis die richtige Position unter ihm vorbeisaust,

Henner: aber wenn sich diese Platte schnell genug dreht, dann dauert das nicht lang

Henner: und so hat man sehr, sehr kurze Zugriffszeiten.

Henner: Anders als beim Plattenspieler wird allerdings die Oberfläche hier vom Tonabnehmer

Henner: sozusagen niedergelassen.

Henner: Also der Lesekopf, der schwebt mit mikroskopisch kleinem Abstand über der Oberfläche

Henner: und zwar mithilfe einer kleinen Luftdruckdüse, die dafür sorgt,

Henner: dass der Lesekopf nicht direkt aufsetzt.

Henner: Denn das würde bei den hohen Drehgeschwindigkeiten, die hier erreicht werden,

Henner: die Oberfläche beschädigen.

Henner: Trotzdem ist diese Technik ziemlich schwer zu beherrschen. Auch die Idee mit

Henner: der Luftdruckdüse, die haben die Ingenieure nicht sofort.

Henner: Das ist das Ergebnis von langen Experimentierreihen, denn in den ersten Versuchen

Henner: verformen sich diese schnell rotierenden Magnetscheiben immer noch.

Henner: Vier Jahre lang dauert es, bis die Ingenieure dieses Problem gelöst haben und

Henner: das Ergebnis ist dann die erste Festplatte der Welt, die heißt einfach IBM 350.

Henner: IBM war immer schon sehr originell bei der Namensgebung von neuen Produkten.

Henner: Für so eine Revolution, etwas unterwältigender Name.

Henner: Und diese IBM 350 wird vorgestellt im September des Jahres 1956 als Bestandteil

Henner: eines größeren Computers, eines Mainframe-Rechners, der gleichzeitig vorgestellt wird.

Henner: Das ist der IBM 305, auch bekannt als RAMAC.

Henner: Das ist ein Akronym und das heißt Random Access Memory Accounting and Control.

Henner: Und der wesentliche Bestandteil ist hier Random Access, also wahlfreier direkter Datenzugriff.

Henner: Das wird bei diesem Computer erstmals möglich, denn der hat eine Festplatte.

Chris: Wie muss man sich das vorstellen, diesen Remag? Das ist ein Schrank,

Chris: groß wie ein Kleiderschrank, der ist tonnenschwer, also der ist fast zwei Meter

Chris: hoch, der ist eineinhalb Meter breit und der enthält nicht nur eine von diesen

Chris: neuartigen Aluminiumscheiben, sondern 50 Stück.

Chris: Jede davon hat einen Durchmesser von 61 Zentimetern.

Chris: Zum Vergleich, so eine typische LP, also eine Schallplatte, hat ungefähr 30

Chris: Zentimeter Durchmesser.

Chris: Das heißt, diese Festplattenscheiben sind ungefähr doppelt so groß,

Chris: jede einzelne, wie eine normale Schallplatte. Damit die da reinpassen,

Chris: sind die in großen Zylindern gestapelt.

Chris: Und jeder dieser Stapel hat zwei Lese-Schreibarme, die nicht nur auf einer einzelnen

Chris: Platte bewegt werden, sondern auch noch hoch und runter in diesen Plattenstapel.

Chris: Also das ist eine relativ komplexe Technologie. Aber dafür können hier auch

Chris: unfassbare Mengen von Daten draufliegen, insbesondere für die Zeit,

Chris: nämlich 3,75 Megabyte an digitalen Daten.

Chris: Das sind ungefähr 5 Millionen 6-Bit-Zeichen.

Chris: 6-Bit deswegen, weil wir hier noch in der Ära sind, wo die IBM-Rechner mit 6-Bit

Chris: rechnen und noch nicht mit 8.

Chris: Das sind, wenn man das umrechnen würde in Lochkarten, der Gegenwert von 64.000

Chris: Lochkarten. Ich weiß gar nicht, was mehr Platz einnimmt, wenn man 64.000 Lochkarten

Chris: stapelt oder sich so einen IBM 305 hinstellt. Vermutlich kommt es ungefähr aufs Gleiche raus.

Chris: Und du sagtest vorhin schon, diese Platten drehen sich sehr schnell,

Chris: nämlich mit 1200 Umdrehungen pro Minute.

Chris: Das ist auch deswegen notwendig, damit die Daten dort schnell gefunden werden

Chris: können. Also die Zugriffszeit hier ist im Schnitt 0,6 Sekunden,

Chris: um den richtigen Datenpunkt zu finden in so einem Plattenstapel. Das ist schon enorm.

Chris: Es ist für die Praxis quasi ein verzögerungsfreier Zugriff, ein Echtzeitzugriff

Chris: auf beliebige Datenpunkte und ermöglicht damit auch völlig neue Anwendungen,

Chris: also zum Beispiel elektronische Datenbanken.

Chris: Dank dieser Festplatte wandelt sich der Computer von der im Endeffekt reinen

Chris: Rechenmaschine, die er vorher war, jetzt zu einer Datenverarbeitungsmaschine.

Chris: Und das wie gesagt im Jahr 1956.

Chris: Das ist also 70 Jahre her.

Henner: Aber IBM ist damit noch nicht zufrieden. Die entwickeln die Festplatte immer weiter.

Henner: Es kommen neue Generationen raus, bald auch eine mit 10 Megabyte und sie wachsen immer weiter.

Henner: Und nicht nur das, 1958 geht IBM

Henner: den nächsten Schritt, dieses System weiterzuentwickeln und zu erweitern.

Henner: Das Projekt kriegt den Codenamen Low-Cost-File und aus dem geht 1962 ein neues

Henner: Festplattenlaufwerk hervor, ein Wechselfestplatten- oder Wechselmedien-System,

Henner: das IBM 1311 Disk Storage Drive.

Henner: Hier kann man also die einzelnen Scheiben, die Platter einer Festplatte wechseln.

Henner: Die Idee dahinter ist die, wenn jetzt die Kapazität so einer riesigen Festplatte

Henner: mal nicht ausreichen sollte, kaum vorstellbar, man dachten ja immer,

Henner: die wird nie voll, aber wenn das da doch mal passiert,

Henner: dann müssen die Unternehmen oder die staatlichen Institutionen oder Forschungseinrichtungen

Henner: nicht etwa noch eine weitere Festplatte dazu kaufen oder mieten,

Henner: wie das zu der Zeit üblich ist.

Henner: Die sind ja auch riesengroß, wie du es beschrieben hast.

Henner: Die haben enorme Ansprüche, was den Raumbedarf und die Raumkühlung und die Raumstabilität

Henner: auch angeht. Die wiegt ja nun mal eine Tonne.

Henner: Dann muss man also nicht eine weitere Festplatte dazu mieten,

Henner: sondern man kann einfach nur die Platter, also die Magnetscheiben rausnehmen

Henner: und weitere hineinsetzen. Stapelweise nicht einzeln und so die Kapazität erhöhen.

Henner: Die IBM-Anleitung behauptet praktisch unbegrenzt erhöhen.

Henner: Und das stimmt ja auch, wenn man denn unbegrenzten, gut gesicherten Stauraum

Henner: hat für diese klobigen Wechselmedien.

Chris: Also damit man sich das vorstellen kann, dieses Add-on, diese IBM 1311 ist selbst

Chris: eine Maschine von der Größe von einer Waschmaschine ungefähr.

Chris: Hier nochmal der Hinweis, unsere Folgen haben immer Kapitelbilder,

Chris: auch hier, wenn ihr sehen wollt, wie die Sachen aussehen, die wir beschreiben,

Chris: dann könnt ihr das in den Kapitelbildern angucken und für mich sieht das aus

Chris: wie ein Nachtspeicherofen. Auch so eine veraltete Technologie,

Chris: die man heute vielleicht nicht mehr kennt.

Chris: Da sind also diese Platter drin, wie du gerade schon gesagt hast.

Chris: Die bestehen in diesem Fall aus sechs von diesen Festplattenscheiben.

Chris: Und da ist oben ein Henkel dran, damit man die nämlich besser rausziehen kann.

Chris: Und das von dir gerade schon erwähnte Handbuch, das es dazu gibt,

Chris: sagt, die Plattenstapel, die gerade nicht in der Benutzung sind,

Chris: die könne man ja in seinem Safe oder in einer Tresorkammer lagern.

Chris: Und das zeigt schon den Anwendungsfall, für das das vorgesehen ist.

Chris: Da sind eher keine Spiele drauf auf diesen Dingern.

Henner: Nee, und es ist auch nicht gedacht für den einfachen Datentransport.

Chris: Es wiegt auch ordentlich was, dieses Ding.

Henner: Jaja, genau. Und es ist sehr empfindlich. Also es ist nicht so gedacht,

Henner: dass man die Daten einfach von einer Firmeneinrichtung quer durchs Land zur

Henner: nächsten transportieren kann.

Henner: Das haben sicherlich einige Unternehmen auch gemacht, aber das ist nicht der

Henner: primäre Einsatzzweck gewesen.

Henner: IBM hat für diesen Fall spezielle Transportbehälter verkauft oder vermietet, das weiß ich nicht.

Henner: Die fünf Zentimeter dicke Polsterung enthielten und denen auch eine eigene Anleitung

Henner: beilag, wie man damit umzugehen hat, wie man die vorsichtig transportieren muss.

Henner: Also das ist nicht sehr robust, diese Technik.

Henner: Also das ist wirklich nur dafür gedacht, dass man die Kapazität der Festplatte

Henner: erweitert und die Dinge eben direkt neben der Festplatte möglichst lagert in

Henner: einem Schrank oder in einem Tresor, aber nicht quer durch die Welt schickt.

Henner: Diese Diskpacks, wie IBM sie nennt,

Henner: die sind mit den sechs 14 Zoll Scheiben in ihrem Schutzbehälter aus Plastik

Henner: ungefähr 40 Zentimeter breit und 10 Zentimeter dick und wiegen 4,5 Kilogramm.

Henner: Der Aufbau und die Technik, die ähneln also schon entfernt der späteren Diskette,

Henner: aber es gibt dann doch noch einige Unterschiede in Bezug auf Handlichkeit und Portabilität.

Henner: Und es ist eben noch ein recht empfindliches System, weil diese Platter für

Henner: den Einsatz aus ihrer Plastikhülle rausgenommen werden müssen.

Henner: Die Diskette später, die bleibt ja immer in ihrem Plastikumschlag,

Henner: aber diese Diskpacks nicht.

Henner: Die werden immer rausgenommen, bevor sie dann eingesetzt werden können.

Henner: Und das ist natürlich sehr empfindlich. Bei diesem Einsatzprozess kann natürlich

Henner: auch ein bisschen Staub ins Gerät gelangen,

Henner: Davor warnt auch die Anleitung von IBM und sagt, man müsse im Maschinenraum

Henner: höchste Sauberkeit bewahren und auch, die geben auch praktische Tipps,

Henner: sehr nett, täglich mit Staubsauger oder Wischmob reinigen, dann kommt kein Staub ins Laufwerk.

Henner: Nun, das klingt alles etwas unpraktisch, aber trotzdem setzt sich dieses System

Henner: für eine ganze Weile durch, nicht nur bei IBM, andere Hersteller machen das nach.

Henner: Das kennen wir ja von IBM, dass die anderen Hersteller gern das kopieren,

Henner: was der große Marktführer vorgibt. Der setzt die Standards.

Henner: Und andere Hersteller wie DEC zum Beispiel, die etablieren ähnliche Wechselplattensysteme

Henner: oder wir sollten eher sagen Wechselplattersysteme, weil nicht die ganze Festplatte

Henner: gewechselt wird, sondern nur die einzelnen Scheiben für ihre eigenen Computer.

Henner: Für die Minicomputer wie den PDP8 zum Beispiel.

Henner: Das ist der erste in Massen gefertigte Mini-Rechner der Welt.

Henner: Dann kommt der nächste Evolutionssprung, wieder ausgehend von IBM.

Henner: 1964 werden diese Wechselmedien ein bisschen kleiner und ein bisschen handlicher.

Henner: Da kommt das IBM-Modell 2310 raus und dessen Wechselmedien, die enthalten jetzt

Henner: nicht mehr sechs von diesen Scheiben, sondern nur noch eine einzelne,

Henner: eine beidseitig beschriebene Scheibe,

Henner: die auch eine etwas höhere Datendichte hat als vorher.

Henner: Und somit passt da immerhin ein Megabyte drauf.

Henner: Das ist noch etwas näher dran an der Diskette. Und auch dieses System setzt sich schnell durch.

Henner: Auch hier werden diese Medien und die Laufwerke in ähnlicher Form von anderen

Henner: Herstellern nachgebaut.

Henner: Das ist das Schicksal jedes IT-Pioniers und von IBM ganz besonders.

Henner: Jetzt sind wir der Diskette bereits recht nah.

Henner: Diese IBM 2315er Wechselplatte, die sind ja schon deutlich kompakter als die

Henner: früheren mit ihren sechs Scheiben.

Henner: Die sind jetzt nur noch dreieinhalb statt zehn Zentimeter dick.

Henner: Jetzt scheint es doch eigentlich so, Christian, als würde diese Entwicklung immer so weitergehen.

Henner: Diese Medien werden immer ein bisschen kleiner, ein bisschen handlicher und

Henner: so landen wir dann eines Tages ganz logisch bei der Floppy, bei der Diskette. Aber so ist es nicht.

Henner: Es ist kein direkter Weg von diesen Wechselplattern hin zur Diskette.

Henner: Die hat einen ganz anderen Ursprung.

Chris: Genau, das ist teilweise eine Parallelentwicklung, aber wie wir ja schon festgestellt

Chris: haben, die Festplatte war vorher dran.

Chris: Also wo geht denn der Weg der Diskette dann los? Vielleicht stellen wir uns

Chris: mal die Frage, wer ist denn eigentlich Mutter oder Vater der Diskette?

Chris: Und eine oberflächliche Suche bringt dann vor allem einen Namen hervor,

Chris: nämlich einen Japaner namens Nakamatsu Yoshiro.

Chris: Das ist ein japanischer Erfinder, ein, ich sage mal vorsichtig,

Chris: eine schillernde Persönlichkeit, der behauptet, er habe bereits 1952 ein entsprechendes Patent eingereicht.

Chris: Und wie einiges, was der Herr Yoshiro im Laufe seines Lebens behauptet hat,

Chris: ist das nicht unbedingt die ganze Wahrheit.

Chris: Er hat sich da tatsächlich was patentieren lassen.

Chris: Das ist eine Art Tonträger aus Papier, der auch biegsam ist,

Chris: der auch flach ist, aber damit hören die Gemeinsamkeiten mit der Diskette schon wieder auf.

Chris: Der taucht ja eigentlich nur deswegen auf in der Geschichte,

Chris: weil IBM dann später in den 70er Jahren tatsächlich diese Patente oder Lizenzen

Chris: zu diesen Patenten von Nakamatsu Yoshiro gekauft hat.

Chris: Sie haben selber damals gesagt, das hätte gar nichts mit der Diskette zu tun.

Chris: Aber sicherheitshalber haben sie sie trotzdem mal lizenziert,

Chris: um keinen Ärger zu bekommen. Also an der Stelle verlässt dieser Japaner unsere

Chris: Geschichte auch wieder und wir stellen uns die Frage nochmal,

Chris: wer ist denn der wahre Erfinder?

Chris: Nun hast du vorhin ja schon in einem Nebensatz fallen lassen,

Chris: IBM sei der Ort, wo die Diskette erfunden wurde.

Chris: Also hier müssen wir suchen und da gibt es viele Quellen, die nennen den Namen

Chris: Alan Shugart oder auch kurz Al Shugart, so werden wir ihn im Weiteren auch nennen.

Chris: Und der hat später in einem Interview gesagt, es gäbe seiner Einschätzung nach

Chris: vielleicht ungefähr 17 Leute, die das für sich beanspruchen,

Chris: der Vater der Diskette zu sein. Er selbst hat dann drei Namen genannt.

Chris: Sich selbst hat er bescheiden ausgeklammert. Diese drei anderen Namen sind David

Chris: Noble, Herbert Thompson und Ralph Flores.

Chris: Und ja, alle diese vier Herren spielen tatsächlich eine wichtige Rolle in dieser Geschichte.

Chris: Aber jetzt müssen wir nochmal zu dieser Frage zurückkommen. Warum überhaupt

Chris: diese Neuentwicklung? Warum wird denn jetzt hier parallel zur Festplatte noch

Chris: eine andere Entwicklung angestoßen?

Chris: Und da geht es nicht unbedingt um große Datenmengen wie bei den Differenzieren.

Chris: Taskpacks bei den Festplatten von IBM. Da geht es nicht um schnelle Zugriffszeiten.

Chris: Das haben wir ja da alles schon. Es geht um was anderes.

Chris: Ein Anwendungsfall, der mit viel kleineren Datenmengen zu tun hat.

Henner: Ganz genau. Und jetzt müssen wir nochmal einen Schritt zurückgehen in die 50er Jahre.

Henner: Wir waren schon weiter, es tut mir leid, aber also die ersten Computer aus den

Henner: 1950er Jahren und natürlich erst recht die aus den 40ern sind noch fest verdrahtete Maschinen.

Henner: Man kann sie zwar programmieren, ihnen neue Befehle erteilen und sie mit neuen

Henner: Daten füttern, aber ihre grundlegende Arbeitsweise,

Henner: die Logik, mit der sie solche Eingaben und den Programmcode verarbeiten und

Henner: am Ende ihr Ergebnis ausgeben,

Henner: so eine Art basaler Maschinensprache, ein bisschen wie das spätere BIOS,

Henner: das ist festgeschrieben in der Hardware, wurde festgelegt bei der Fertigung

Henner: durch die Verdrahtung und in Form von Logik-Gattern, also elektronischen Schaltungen.

Henner: Damit sind diese Rechner aber sehr, sehr unflexibel. Wenn man etwas ändern will

Henner: an dieser Programmausführung, an dieser grundlegenden Logik,

Henner: etwa eines IBM 1401 aus dem Jahr 1959.

Henner: Ja, dann muss man die Maschine neu verdrahten.

Henner: Das kann auch der Kunde, also der Computerbetreiber, nicht selber machen.

Henner: Dafür muss ein Ingenieur von IBM angefordert werden, der dann im Computerraum

Henner: diese Neuverdrahtung vornimmt nach den Vorgaben des Kunden.

Henner: Ja, das ist sehr aufwendig und unflexibel. Es gibt dann recht bald,

Henner: zumindest theoretisch in der Praxis erst später, aber in den 50er Jahren schon

Henner: eine Erfindung, die dieses Problem löst.

Henner: Und das ist der sogenannte Micro-Code oder Mikro-Code.

Henner: Den gibt es auch heute noch in ähnlicher Form. Dieser Micro-Code,

Henner: das ist, wie der Name schon sagt, Programm-Code, das ist Software.

Henner: Und Micro-Code verlagert jetzt diese Prozessor-Logik, also die grundlegende

Henner: Steuer-Logik eines Computers, von den fixen Schaltkreisen, von den Drähten,

Henner: in winzige kleine Programm-Code-Routinen.

Henner: Dieser Programmcode, der muss natürlich irgendwo abgelegt sein in einem speziellen

Henner: Speicher und das ist noch nicht der Arbeitsspeicher etwa oder die Festplatte,

Henner: sondern der liegt damals in einem speziellen Speicher, dem sogenannten Control

Henner: Store, so nennt IBM den zumindest.

Henner: Weil es diesen Mikrocode gibt, braucht man keine größeren Hardware-Eingriffe

Henner: mehr, um etwas am Programmablauf zu ändern.

Henner: Es reicht dann fortan ein Software-Update.

Henner: Also wie gesagt, diese Erfindung des Mikrocodes oder Mikrocodes,

Henner: die gibt es schon in den 50ern, aber sie setzt sich erst in den 60er Jahren durch.

Henner: Gebrauch von dieser neuen Technik macht zum Beispiel IBMs ganz wesentliche Großrechnerserie

Henner: System 360, die 1964 eingeführt wird.

Henner: Das ist kein einzelner Computer, das ist eine große Familie von Computern,

Henner: die über viele Jahre erweitert wird.

Henner: Und kleine Änderungen an diesem Mikrocode erlauben das jetzt,

Henner: die verschiedenen IBM System 360 Modelle anzupassen an verschiedene Anforderungen,

Henner: auch wenn die architektonisch, wenn sie technisch von der Hardware her identisch sein mögen.

Henner: Je nachdem, was der Kunde verlangt, wofür er seinen Rechner einsetzen will,

Henner: kann man also diesen Mikrocode anpassen und den Computer auf diese Weise anders programmieren.

Henner: Oder auch Abwärtskompatibilität herstellen, zum Beispiel mit früheren Computern,

Henner: mit älteren IBM Mainframes.

Henner: Abwärtskompatibilität, das ist ja später das große Erfolgsgeheimnis von IBMs

Henner: PCs. Das spielt aber hier schon eine wesentliche Rolle.

Chris: Also dieses System 360 ist so eine

Chris: Revolution, das wäre fast eine eigene Technikfolge irgendwann mal wert.

Chris: Nun hast du ja gerade schon gesagt, dieser Micro-Code liegt im Control-Store.

Chris: Was ist es denn, wenn es noch keine Festplatte ist? Was für ein Speicher ist das?

Chris: Nun, das ist eine Lochkarte. Wir sind wieder bei Lochkarten.

Chris: Allerdings funktioniert die ein bisschen anders. Die ist aus Kunststoff und

Chris: da sind Drähte eingelassen und über diese Drähte kann ausgelesen werden,

Chris: ob die Löcher jeweils für eine 1 oder eine 0 stehen, also für die Bits.

Chris: Und das ist schon ein Vorteil gegenüber einer Neuverdrahtung von dem ganzen System.

Chris: Aber wenn man den Micro-Code ändern möchte, muss trotzdem ein IBM-Ingenieur

Chris: kommen und muss neue Lochkarten einsetzen in deinen Rechner.

Chris: Das geht natürlich einfacher und ist weniger kostenanfällig.

Chris: Aber das ist immer noch nicht die Flexibilität, die man sich eigentlich wünscht.

Chris: Aber immerhin, wenn man sich so ein Bild von diesen Kunststoffkarten anguckt.

Chris: Das ist hier schon ein Datenträger und der ist auch unbestreitbar schon floppy, wenn du mich fragst.

Chris: Der ist weich und wabbelig und man kann auf ihm sogar die Daten sehen,

Chris: was ja doch ein großer Vorteil ist, weil wie gesagt, diese Löcher sind da drin

Chris: und durch die Drahtspulen kann man sogar erkennen, welches Bit eine 1 und welches eine 0 ist.

Chris: Aber im Endeffekt noch eine Lochkarte. Man bräuchte jetzt also einen Control

Chris: Store, der wiederbeschreibbar ist.

Chris: Also das heißt, wo man einen neuen Micro-Code einfach softwareseitig reinschreiben

Chris: kann, anstatt die Karten auszutauschen.

Chris: Und ein solcher wiederbeschreibbarer Control Store kommt dann 1968 in einer

Chris: anderen Variante des System 360 im Modell 25.

Chris: Und dieses Modell enthält eine Festplatte, das enthält Arbeitsspeicher und das

Chris: enthält auch 16 KB wiederbeschreibbaren Microcode-Speicher.

Chris: Die Updates dafür, die werden in diesen Control Store eingespielt,

Chris: entweder über Lochkarten oder Magnetbänder oder über Wechselplatte.

Chris: Das ist da flexibel und die Kunden können das jetzt auch selbst durchführen,

Chris: ohne dass sie vorher bei IBM anrufen müssen.

Chris: Und das erlaubt jetzt tatsächlich schnelle Bugfixes oder auch neue Funktionen freizuschalten.

Chris: Rechengenauigkeit zum Beispiel, wenn der Kunde sie bestellt.

Chris: Also wenn man so möchte, ist das eine frühe Form des On-Disk-Rolls.

Chris: DLCs, die man da von IBM bekommen kann. Aber das ist natürlich auch nur ein Zwischenschritt.

Chris: Diese Entwicklung schreitet zu der Zeit rasant voran.

Henner: Genau, denn ebenfalls 1968, da kommt ja dieses System 360 Modell 25 auf den

Henner: Markt, aber da erscheint noch ein weiteres Modell, das etwas höherwertige, das teurere Modell 85.

Henner: Und das geht technisch noch einen Schritt weiter. Das hat auch so einen wiederbeschreibbaren

Henner: Control Store, Ist also state of the art für den Mikrocode.

Henner: Aber das setzt dafür eine andere Speichertechnik ein, nämlich SRAM,

Henner: Speicherzellen auf Halbleiterbasis.

Henner: Das ist damals der neueste Schrei und das ist ja bis heute aktuell.

Henner: SRAM ist ja eine frühe Vorform von DRAM, das wir heute noch in unseren Rechnen haben.

Henner: Und diese Speicherform, die ist viel schneller als die Speichertechnik,

Henner: die vorher vorherrschend war.

Henner: Das war magnetischer Kernspeicher. Da brauchen wir nicht näher darauf einzugehen,

Henner: denn der ist bald obsolet.

Henner: Und dieser neue SRAM-Speicher, der wird auch für andere Zwecke eingesetzt.

Henner: Der gleiche Rechner, dieses System 360 Modell 85, hat auch einen neuen Cache-Zwischenspeicher,

Henner: wie man ihn heute auch noch hat, in ähnlicher Form.

Henner: Und auch die ganz neue Mainframe-Familie System 370, die ab 1970 rauskommt,

Henner: die verwendet auch im großen Maße diese SRAM-Speicherzellen.

Henner: Das ist also hier der Mikrocode-Speicher, der ist sehr, sehr schnell,

Henner: aber hat auch einen großen Nachteil gegenüber dem alten Kernspeicher,

Henner: der vorher verwendet wurde.

Henner: Der ist nämlich volatil, ganz so wie Arbeitsspeicher es heute auch noch ist.

Henner: Das heißt, der behält die Daten nicht. Sobald der Strom weg ist,

Henner: wenn die Spannung weg ist, das System abgeschaltet wurde, verschwinden alle

Henner: Daten, die in diesem Chip abgespeichert waren.

Henner: Das war beim Kernspeicher nicht der Fall, das ist auch bei der Festplatte nicht

Henner: der Fall, aber bei diesem SRAM Chips ist das nun mal so.

Henner: Das heißt aber, wenn der Rechner gestartet wird, dann muss der Mikrocode erstmal

Henner: wieder aufs Neue in diese SRAM-Speicherchips reingeladen werden,

Henner: bei jedem einzelnen Systemstart.

Henner: Sonst ist er leer und dann kann der Rechner nicht arbeiten.

Henner: Jetzt brauchen wir also ein Medium, um den Micro-Code bei jedem einzelnen Systemstart

Henner: daraus zu lesen und in den SRAM-Speicher reinzuladen.

Henner: Übrigens ist das, was wir hier beschreiben, nicht etwa veraltet,

Henner: sondern im Grunde passiert das bei modernen x86-basierten PCs immer noch.

Henner: Deren Prozessoren, die haben natürlich auch eine Form von Micro-Code und der lässt sich auch ändern.

Henner: Da gibt es ab und zu mal Patches, wenn wieder neue Sicherheitslücken bekannt

Henner: werden bei Intel oder AMD,

Henner: dann stellt der Hersteller Patches bereit, also kleine Code-Updates für den

Henner: Mikrocode und die werden übers BIOS bei jedem einzelnen Rechnerstart frisch

Henner: in diesen Mikrocodespeicher in der CPU reingeladen.

Henner: Also ganz ähnlicher Vorgang wie damals.

Henner: Also woher soll der Mikrocode kommen, der beim Rechnerstart in den Control Store

Henner: geladen wird das könnte man jetzt wieder mit einer Lochkarte machen,

Henner: Aber die hat zu wenig Kapazität. Du hast es ja gerade beschrieben,

Henner: dieses System 360 Einstiegsmodell 25,

Henner: das hat 16 Kilobyte von diesem wiederbeschreibbaren Mikrocode-Speicher.

Henner: Und der wird ja in späteren Generationen immer größer.

Henner: Also mit einer Lochkarte, die 80 Byte speichert, kommt man da nicht weit.

Chris: Dauert eine Weile.

Henner: Richtig, dann muss man sehr viel hantieren mit sehr vielen Lochkarten,

Henner: so wie wir später mit Disketten hantiert haben, aber noch ein bisschen schlimmer.

Henner: Und klassische Magnetbänder könnte man nehmen grundsätzlich,

Henner: aber das ist IBM nicht flexibel genug.

Henner: Denn, das Problem haben wir ja auch schon beschrieben, das Magnetband erlaubt

Henner: keinen direkten Datenzugriff, keinen wahlfreien Zugriff.

Henner: Den will IBM aber haben, damit nicht immer dieselben Daten gelesen werden müssen,

Henner: damit man zum Beispiel bei Bedarf Diagnoseprogramme starten kann.

Henner: Wenn also der Rechner nicht in einen normalen Arbeitsmodus versetzt werden soll,

Henner: sondern in einen Diagnosemodus, dann muss er einen anderen Code laden und dafür

Henner: ist ein wahlfreier Zugriff auf dieses Speichermedium nötig.

Henner: Das heißt, dafür ist das Magnetband ungeeignet.

Henner: Außerdem ist das natürlich ziemlich langsam und es gibt Kabelsalat und naja,

Henner: all die üblichen Magnetbandprobleme bringt das mit sich. Also startet IBM wieder

Henner: einmal, die Geschichte wiederholt sich, ein neues Forschungsprojekt.

Henner: Diesmal lautet der Auftrag, Leute, entwickelt ein neues Speichermedium,

Henner: einen alternativen Datenträger, nur für diesen einen Zweck, für das initiale

Henner: Laden des Mikrocodes in den SRAM-Speicher eines Computers.

Chris: Und dieses Forschungsprojekt startet im Jahr 1967. Beauftragt damit wird der

Chris: Elektrotechnik-Ingenieur David Noble.

Chris: Damit haben wir jetzt den ersten der vier Namen, die wir vorhin schon gehört haben.

Chris: Noble hat zuvor bereits an den Festplatten von IBM mitgearbeitet.

Chris: Das ist also ein qualifizierter Mensch.

Chris: Und jetzt lautet sein Auftrag, diesen Datenträger für den ICPL-Prozess zu entwerfen.

Chris: Initial Control Program Load, so heißt das noch etwas sperrig.

Chris: Und Noble arbeitet in einer Abteilung, deren Abteilungsleiter wiederum Al Shugart

Chris: ist. Also der Mensch, den wir vorhin auch schon gehört haben.

Chris: Dieses Projekt, das da einen Datenträger für diesen Ladevorgang erfinden soll,

Chris: erhält einen Codenamen, Minnow.

Chris: Das ist das englische Wort für die Elritze, also eine kleine Fischart.

Chris: Und außerdem eine Anforderungsliste. Dieses neue Medium soll günstig sein.

Chris: Es soll leicht austauschbar sein. robust, sodass man es auch einfach transportieren kann.

Chris: Es soll 65 KB Speicher fassen und eine Übertragungsrate von 15 bis 30 KB pro Sekunde ist angepeilt.

Chris: Die Zugriffszeit, also einen beliebigen Datenpunkt auf diesen Datenträger zu

Chris: finden und auszulesen, soll maximal fünf Sekunden betragen.

Chris: Das sind die Vorgaben. Es gibt aber auch eine Vorgabe, die explizit nicht dabei ist.

Chris: Und Wiederbeschreibbarkeit ist hier kein Kriterium. Also es reicht völlig aus,

Chris: wenn ein Medium entsteht, das man nur auslesen kann.

Chris: Dann probiert Noble da für einige Monate dran rum, probiert wie bei den Festplatten

Chris: damals auch erstmal verschiedene Lösungen, also Varianten von Starrenplatten

Chris: und Tonbändern, Schallplatten, Kassetten natürlich.

Chris: Sogar IBMs Magna Belt wird in Erwägung gezogen.

Chris: Das ist eine Art Tonband, das in einer Gürtelschleife verbunden ist.

Chris: Und das kommt in Diktiergeräten zum Einsatz.

Chris: Aber schließlich landet auch er wieder bei der Scheibe, der magnetbeschichteten Scheibe.

Chris: Und das, was er da findet, ist die Diskette.

Chris: Das ist vergleichbar mit den Blättern in einer Festplatte Und wohl auch inspiriert

Chris: durch die Speichertechnik in einem anderen Diktiergerät, nicht von IBM,

Chris: sondern aus Deutschland, von der Firma Telefunken.

Chris: Da kam nämlich 1959 ein Modell auf den Markt, das auf kleinen Scheiben Ton gespeichert

Chris: hat, ungefähr zehn Minuten pro Scheibe.

Chris: Noble erhält dann 1968 grünes Licht, um diese Idee zu einem marktfähigen Produkt

Chris: zu entwickeln und bekommt dafür weitere Ingenieure zur Seite gestellt.

Henner: Ja, und was dabei am Ende herauskommt, ich glaube, wir können es schon spoilern,

Henner: das ist halt die Diskette.

Henner: Jetzt verstehen wir auch, warum die Diskette keine direkte Weiterentwicklung

Henner: dieser Wechselplatte ist, die wir vorhin beschrieben haben.

Henner: Denn der Noble, der hat ja praktisch wieder bei Null angefangen,

Henner: hat alles mögliche ausprobiert,

Henner: hatte nicht die Vorgabe, die Wechselplatte zu verkleinern oder robuster zu machen,

Henner: sondern der hat ergebnisoffen und technologieoffen experimentiert,

Henner: ist aber am Ende wieder bei der gleichen Lösung gelandet.

Henner: Der Erkenntnis, dass solche Magnetscheiben im weitesten Sinne vielleicht die beste Lösung sind.

Henner: Aber seine Diskette, seine Entwicklung ist natürlich technisch viel einfacher

Henner: und schlichter als die Festplatte,

Henner: vor allem wegen dieser Vorgaben, dass sie ja günstig sein muss und robust und

Henner: sie muss ja auch nicht ganz so viel Kapazität halten wie eine Festplatte.

Henner: Nun, das Ergebnis ist eine 20 cm durchmessende Scheibe, also 8 Zoll Und die

Henner: steckt am Anfang noch nicht wie die spätere Diskette in einem Plastikumschlag,

Henner: sondern die ist noch lose.

Henner: Das ist also nur diese kleine schallplattenartige Platte.

Henner: Und die wird lose auf eine plattenspielerartige Apparatur geklemmt,

Henner: auf eine Spindel, die sich dreht und dort von einem Lesekopf abgetastet.

Henner: Das ist noch kein Schreib- und Lesekopf wie bei der Festplatte,

Henner: sondern ein reiner Lesekopf.

Henner: Denn du hast es ja gerade gesagt, das ist ein reines Lesemedium.

Henner: Wieder Beschreibbarkeit ist nicht geplant.

Henner: Nun verglichen mit der Festplatte ist diese Technik hier aber viel primitiver.

Henner: Das ist logisch wegen der IBM-Kostenvorgaben. Die Scheibe dreht sich viel langsamer

Henner: als die Festplattenplatte.

Henner: Die schafft ja 1200 Umdrehungen pro Minute.

Henner: Die Diskette ist ein bisschen langsamer. Und der Lesekopf, der bei den ersten

Henner: Prototypen, die die Ingenieure bauen, noch aus einem Bandlaufwerk stammt,

Henner: der schwebt nicht luftdruckgefedert knapp über der Oberfläche wie bei der Festplatte,

Henner: sondern schleift direkt darauf.

Henner: Das reduziert natürlich die Lebensdauer, das macht die Oberfläche nicht ewig

Henner: mit, dass da so ein Lesekopf drauf rumschleift.

Henner: Aber für tausendfachen Gebrauch ist die Diskette ja sowieso nicht gedacht.

Henner: Die soll ja nur einmal beim Rechnerstart den Mikrocode laden und dann hat sie

Henner: nichts mehr zu tun, bis der Rechner das nächste Mal gestartet wird. Und dafür reicht es.

Henner: Trotzdem erkennt Noble gemeinsam mit seinem Team bald, dass auch dieses System

Henner: recht anfällig ist für Staubpartikel.

Henner: Das Problem hatten die Wechselplatter ja auch schon.

Henner: Jedes Mal, wenn man so ein Medium ins Laufwerk legt, dann können da Staubpartikel

Henner: eindringen und das setzt sich fest auf der Magnetoberfläche und das stört den Lesevorgang.

Henner: Und deswegen ersinnt das Team bald einen Plastikumschlag, einen festen,

Henner: nicht entfernbaren Plastikumschlag.

Henner: Anders als bei den Wechselplattern bleibt er immer dran. Damit die Scheibe trotzdem

Henner: rotieren kann, gibt es eine kleine runde Aussparung in der Mitte und darüber

Henner: kann die Spindel den Datenträger drehen.

Henner: Außerdem gibt es innen aufgebracht innerhalb dieses kleinen Plastikumschlags

Henner: ein Gewebe, eine Art Stoffgewebe.

Henner: Dadurch wird die Scheibe gereinigt,

Henner: wenn sie sich dreht und so von Staub befreit. Sehr cleveres System.

Henner: Vorher, als die Diskette noch nicht in diesen Plastikumschlag steckte,

Henner: sondern noch lose ins Laufwerk gesteckt wurde,

Henner: da gab es im Laufwerk zwei Schaumstoffpolster, eins oben, eins unten,

Henner: das die Scheibe so ein bisschen fixiert hat, damit sie sich beim Drehen nicht

Henner: zu sehr hoch und runter bewegt und dabei auch noch gereinigt wird.

Henner: Das entfällt damit. Diese Schaumstoffpolster können wieder weg.

Henner: Dadurch verliert die Diskette jetzt aber ein bisschen Stabilität.

Henner: Das ist das gleiche Problem wie bei der Festplattenentwicklung.

Henner: Sie rotiert zu viel, das beschädigt wiederum den Lesekopf und so weiter.

Henner: Und da versucht das Team einiges, um sie stabiler zu machen,

Henner: damit sie nicht mehr so viel rumwabbelt im Laufwerk. Das ist der Fachbegriff.

Henner: Und um diese Stabilität ein bisschen zu erhöhen, da ergreifen sie verschiedene Maßnahmen.

Henner: Und eine davon ist es, die Diskette beidseitig zu beschichten mit dieser Eisenoxidschicht.

Henner: Obwohl die Diskette eigentlich nur einseitig beschrieben und gelesen wird.

Henner: Auf der Unterseite dieser Scheibe findet sich trotzdem auch diese Magnetschicht,

Henner: weil das die Stabilität ein bisschen erhöht hat.

Henner: Die wird natürlich später auch noch wichtig, denn wie wir wissen,

Henner: wird die Diskette später tatsächlich zweiseitig benutzt. Aber so weit sind wir hier noch nicht.

Henner: Im Februar 1969 ist das Team so weit, dass der Prototyp erste Tests absolvieren kann.

Henner: Ist auch praktisch schon fertig. Es sind nur noch kleinere Feintuning-Arbeiten zu erledigen.

Henner: Ein Jahr nach dem eigentlichen Projektbeginn. Das ist für IBM-Verhältnisse erstaunlich schnell.

Henner: Das ist ja so ein Konzern, der dafür bekannt ist, dass er sehr langsam agiert

Henner: wegen sehr komplexer Hierarchien und weil alles von 15 Arbeitsgruppen und Gremien

Henner: abgesegnet werden muss.

Henner: Aber hier sind sie doch sehr agil und agieren sehr schnell.

Chris: Das ist aber auch nicht so verwunderlich, finde ich, Weil strukturell und im

Chris: Aufbau ist da nicht wahnsinnig viel Neues drin in dieser Diskette,

Chris: wenn man das vergleicht mit dem, was bei den Festplatten alles schon definiert wurde.

Chris: Wir kommen gleich noch dazu, wie so eine Diskette funktioniert,

Chris: aber können das schon mal im Hinterkopf behalten.

Chris: Das ist eigentlich von der Art und Weise, wie diese Scheibe aufgebaut ist,

Chris: wie sie gedreht wird, wie sie gelesen wird, ist da jetzt nichts bahnbrechend Neues mit dabei.

Henner: Das stimmt, ja. Die grundlegende Technik ist die gleiche wie bei der Festplatte,

Henner: auch wenn sie eben nicht direkt abgeleitet wurde von der Festplatte.

Henner: Also im Februar 1969 sind sie weitgehend fertig, dann gibt es nur noch kleinere

Henner: Arbeiten zu erledigen für die Serienfertigung.

Henner: Der Noble ist mittlerweile ja schon längst nicht mehr alleine,

Henner: der hat ja ein großes Team mittlerweile um sich gescharrt, ungefähr 20 Ingenieure

Henner: arbeiten am Minnow-Projekt.

Henner: Aber dieses Team schrumpft bald auch wieder, denn der Abteilungsleiter Al Shugart,

Henner: der wechselt zur Konkurrenz.

Henner: Der geht zum Datenträgerhersteller Memorex, der gleich noch eine wichtige Rolle spielen wird.

Henner: Memorex gibt es schon länger und seit 1966 stellt Memorex auch eigene IBM-kompatible Wechselplatte her.

Henner: Und die bauen also auf auf das, was IBM erfunden hat.

Henner: Und der Shugart nimmt dabei auch ein paar Ingenieure mit aus dem Minnow-Team.

Henner: Wie viele, das ist nicht ganz klar, aber es gibt einige Berichte,

Henner: denen zufolge Shogart nach und nach in den folgenden Jahren insgesamt 50 Ingenieure

Henner: von IBM zu Memorex geholt hat.

Henner: Ich fand für diese Zahl jetzt keine konkreten Belege, aber sie wird wohl recht groß gewesen sein.

Henner: Der muss sich da ordentlich unbeliebt gemacht haben bei IBM, denke ich.

Chris: Aber beliebt bei den Ingenieuren, wenn sie ihm alle gefolgt sind.

Henner: Offenbar, ja. Und obwohl einige von diesen Herren, auch von den ursprünglichen

Henner: Diskettenentwicklern, nicht mehr bei IBM sind, als IBM fertig ist und das Ganze

Henner: schließlich patentieren lässt,

Henner: stehen deren Namen trotzdem noch in der Patentschrift.

Henner: 1972 wird dieses Patent erteilt und es ist ein zweiteiliges,

Henner: es gibt einmal das Patent für die Diskette selbst, dafür verantwortlich zeichnen

Henner: Ralph Flores und Herbert Thompson, das sind Patent.

Henner: Die zwei weiteren Namen, die Schroggart anfangs genannt hat als Diskettenväter.

Henner: Und es gibt noch einige weitere Herren, die zuständig waren für das passende Laufwerk.

Henner: Warren Dalziel, Jay Nielsen und Donald Wardner.

Henner: Aber weil die eben nur das Laufwerk gebaut haben, sind also die Diskettenväter die erst genannten.

Henner: Im Patent steht allerdings wenig von der Diskette, sondern das Patent heißt

Henner: Magnetic Record Disc Cover.

Henner: Aber also eigentlich ist dieser Mantel die eigentliche Erfindung und nicht die

Henner: Scheibe selbst, denn die gibt es ja schon in Form der Festplatte.

Chris: Ja, das ist auch die wesentliche Innovation dieser Mantel.

Chris: Aber jetzt können wir uns mal angucken bei dieser Gelegenheit,

Chris: wie diese 8 Zoll Diskette, die IBM hier marktreif entwickelt,

Chris: aussieht und wie sie funktioniert.

Chris: Denn grundsätzlich ändert sich dann in den folgenden Formaten nichts mehr daran,

Chris: wie die Diskette funktioniert, auch wenn die halt schlichtweg noch größer ist.

Chris: Das ist wie gesagt ja noch eine 8 Zoll Diskette, 20,5 mal 21 Zentimeter groß,

Chris: also ungefähr so breit wie ein A4 Blatt.

Chris: Die nächst kleinere sozusagen, die die meisten von uns, zumindest wenn sie in

Chris: den 80er Jahren, frühen 90ern mit 8-Bit-Computern aufgewachsen sind,

Chris: in der Hand gehalten haben dürften, ist die 5,25 Zoll Diskette.

Chris: Diese 8 Zoll Disketten sind ungefähr ein Drittel größer nochmal als die.

Chris: Die einzigen Vorgaben, die da von IBM gemacht wurden für die Kapazität und die

Chris: Transferrate übertrifft sie sogar. 65 Kilobyte wurden ja verlangt,

Chris: die draufpassen sollen.

Chris: Es sind dann am Ende 80 geworden, ungefähr 80.

Chris: Und die Daten werden statt mit 30 Kilobit pro Sekunde sogar mit 33 gelesen.

Chris: Und dafür reichen weniger Umdrehungen als bei der Festplatte.

Chris: Du hast es vorhin ja schon gesagt, die Festplatte hat 1200, hier sind es 90.

Chris: Das ist noch sehr wenig, das wird später auch nochmal ein gutes Stück mehr werden.

Chris: Aber hier reicht das also noch aus. Und wie funktioniert so eine 8 Zoll-Diskette

Chris: jetzt? Wenn wir die aufschneiden würden, dann sieht man da drin eine dünne,

Chris: bräunliche Folienscheibe.

Chris: Die erinnert so ein bisschen an ein Magnetband, wie man das in der Kassette

Chris: hat, nur halt in Form von so einer kleinen Schallplatte.

Chris: Aber die Daten da drauf sind anders aufgebaut als bei der Schallplatte.

Chris: Auf der Schallplatte ist die Musikspur ja eine Spirale.

Chris: Man setzt den Arm mit der Nadel außen auf die Schallplatte auf und der wandert

Chris: dann langsam in die Mitte.

Chris: Bei der Diskette ist das nicht so, sondern da sind stattdessen Ringe drauf,

Chris: also geschlossene Kreise. Die heißen Tracks und davon hat diese erste Diskette genau 32 Stück.

Chris: Damit man die Daten auf so einem Ring schnell anspringen kann,

Chris: ist jeder Ring nochmal unterteilt in sogenannte Sektoren und zwar in jeweils acht Stück.

Chris: Jeder dieser Sektoren kann 2552 Bits speichern, also 319 Bits.

Chris: Und so ein Bit, das ist auf dieser magnetischen Folie eine magnetisierte Stelle.

Chris: Also da gibt es einen Schreibkopf, der erzeugt durch eine elektrische Spannungsänderung

Chris: unterschiedlich ausgerichtete Magnetfelder und die wiederum magnetisieren Eisenoxidpartikel,

Chris: die auf dieser Scheibe aufgebracht sind.

Chris: Wenn der Schreibkopf sie berührt, werden die entweder in die eine oder die andere

Chris: Richtung magnetisiert und stehen dann für 0 oder 1, also den Bitwert.

Chris: Und beim Lesevorgang erkennt der Lesekopf des Diskettenlaufwerks diese Unterschiede

Chris: in der Magnetisierungsrichtung.

Chris: Die lösen dann im Lesekopf winzige Spannungsänderungen aus, während er da die Oberfläche abtastet.

Chris: Und aus diesen kleinen Impulsen resultiert dann eine Spannungskurve in Wellenform.

Chris: Das ist also ein analoges Signal, das hier beim Lesen entsteht.

Chris: Und da braucht man dann einen Disketten-Controller, der interpretiert die dann

Chris: als Abfolge von Bits, macht da also wieder digitale Daten draus.

Chris: Nun ist das auch anders als bei der Schallplatte, dass der Lesekopf hier beim

Chris: Disketten-Laufwerk nicht auf einem Arm liegt, der sich im Bogen über die Platte

Chris: bewegen würde, also schwingen würde,

Chris: sondern der Lesekopf wird hier entlang einer Stange in gerader Linie über die

Chris: Scheibe geführt, vor und zurück.

Chris: Und bei der Gelegenheit können wir auch mal beschreiben, wie der typische Sound

Chris: von so einem Diskettenlaufwerk klingt.

Chris: Der besteht nämlich aus einem schnarrenden Geräusch und so einer Art pulsierendem

Chris: Klopfen. Das klingt dann so.

Chris: Das Beispiel, das wir gerade gehört haben, das stammt jetzt nicht von einem

Chris: 8-Zoll-Laufwerk von IBM, sondern in diesem Fall von einem viel moderneren 3,5-Zoll-Laufwerk.

Chris: Aber das Prinzip ist das gleiche.

Chris: Dieser schnarrende Ton, der klingt immer dann, wenn der Lesekopf über eine längere

Chris: Distanz bewegt wird. Also zum Beispiel zurück zum Ausgangspunkt, also bei Track 0.

Chris: Das hört man typischerweise dann, wenn eine Datei auf der Diskette gesucht wird

Chris: oder angesprungen wird und der Kopf sich dadurch ein längeres Stück über die Scheibe bewegen muss.

Chris: Und das Klopfen auf der anderen Seite ist auch wieder die Bewegung des Lesekopfs,

Chris: aber in dem Fall um genau einen Track.

Chris: Und das hört man üblicherweise beim Lesen oder Schreiben von Dateien.

Chris: Also jeder von diesen Pulsschlägen bedeutet, dass ein Track,

Chris: ein Ring der Scheibe gelesen wurde.

Henner: Ja, das ist sehr charakteristisch. Jedes Diskettenlaufwerk hat seinen eigenen Klang.

Henner: Verstärkt natürlich durch die Vibrationen, die es ans Rechnergehäuse überträgt.

Henner: Meinen alten Altari ST, den ich viele Jahre lang täglich benutzt habe,

Henner: den erkenne ich bis heute sofort am Diskettenlesegeräusch. Das klang einfach

Henner: völlig anders als der Amiga eines Freundes oder der PC meines Vaters und auch jedes Programm.

Henner: Jedes Spiel klingt ein wenig anders, je nachdem, wie die Daten auf der Diskette angeordnet sind.

Henner: Einige Spiele konnte ich allein am Diskettenladegeräusch erkennen,

Henner: noch bevor die Titelmelodie des Cracker-Intros zu hören war.

Henner: Die einen lasen die Daten in einem Staccato, die anderen eher mit langgezogenem

Henner: Knarzen und alles unterlegt vom leisen Schleifen und Surren der rotierenden Scheibe.

Henner: Ah, schöne Erinnerungen. Das

Henner: ist etwas, was die junge Generation nicht verstehen wird wahrscheinlich.

Chris: Das sind ja schon relativ rabiate Geräusche, die so ein Diskettenlaufwerk machen kann.

Chris: Und ich hatte mir früher immer naiverweise vorgestellt, naja,

Chris: da werden halt jetzt die Daten draufgeschreddert gerade auf dieser Diskette.

Chris: Die werden da reingemeißelt von dem Schreibkopf.

Chris: Anders konnte ich mir diese Geräusche nicht erklären. Aber nein,

Chris: das eigentliche Schreiben oder Lesen der Daten hört man überhaupt nicht.

Chris: Man hört da vielleicht das leichte Schaben oder Leiern, wenn die Folie an sich rotiert.

Chris: Aber die Lautengeräusche sind einfach nur die Bewegung des Schreiblesekopfs.

Henner: Das alles, was du beschrieben hast, das ist ja weitgehend die gleiche Technik

Henner: und die gleiche Logik wie bei der viel älteren Festplatte.

Henner: Und deswegen, wir haben es ja gerade schon beschrieben, geht auch die Patentschrift

Henner: für die Diskette gar nicht so sehr auf diese Speichertechnik ein,

Henner: also darauf, wie die Daten eigentlich in der Magnetschicht abgelegt und wieder ausgelesen werden,

Henner: sondern überwiegend auf die Bauweise und auch auf diesen Plastikumschlag, der das Ganze schützt.

Henner: Und da ist diese Patentschrift sogar überraschend tief und genau,

Henner: was die Beschreibung dieser Plastikhülle angeht, was die verwendeten Materialien

Henner: angeht, innen und außen,

Henner: dieses Reinigungsvlies, das ist wirklich eine der ganz zentralen Innovationen.

Henner: Eine ganz wesentliche Quelle für unsere Recherche ist eine Reihe von Interviews,

Henner: die einige der beteiligten Herren, unter anderem Dalziel und Thompson,

Henner: dem Computer History Museum im Jahr 2005 gegeben haben.

Henner: Die Interviews sind frei im Netz abrufbar und hochinteressant.

Henner: Die geben viele Einblicke in diese frühe Phase der Diskettenerfindung und die

Henner: würdigen auch dieses Vlies, also diesen weichen Stoff im Inneren des Diskettenumschlags

Henner: als eine ganz wesentliche Erfindung.

Chris: Das ist insofern erstaunlich, weil ich mir vorstellen kann,

Chris: dass die allermeisten von uns im Laufe des Lebens hunderte Disketten in der

Chris: Hand hatten, aber möglicherweise der eine oder andere nie wusste,

Chris: dass da auf der Innenseite ein Stoff aufgebracht ist in der Diskette.

Chris: Also die zentrale Innovation kann man überhaupt nicht sehen.

Henner: Ja, oft verkannt diese Leistung, ja.

Henner: In der Patentschrift wird noch etwas beschrieben, die Löcher in der Hülle.

Henner: Es ist klar, dass in der Mitte eine große Aussparung sein muss,

Henner: damit die Scheibe sich überhaupt drehen kann.

Henner: Da kommt ja die Spindel dann zum Einsatz. Aber es gibt noch eine weitere Öffnung

Henner: in diesem Plastikumschlag, ein langes elliptisches Loch.

Henner: Und das ist die Öffnung für den Lesekopf, denn der muss ja irgendwie Zugriff

Henner: erhalten auf die Magnetoberfläche. der Scheibe.

Henner: Das ist auch eine Schwachstelle dieser Diskette, denn durch diese Öffnung kann

Henner: natürlich wieder Staub eindringen, den das Vlies vielleicht auch irgendwann

Henner: nicht mehr aufsammeln kann.

Henner: Und das Problem wird ja viel später bei der 3,5 Zoll Diskette dann sehr elegant

Henner: gelöst, die übrigens ein Meisterwerk ist. Aber dazu kommen wir noch.

Henner: Und dann gibt es noch ein kleines Loch in der unteren Mitte der Diskette.

Henner: Das wandert später in die Mitte. Wofür ist das Das ist eine Öffnung für einen

Henner: Lichtsensor, eine kleine Lichtschranke.

Henner: Da scheint ein Licht durch diese Öffnung und in der Folienscheibe darunter,

Henner: also im eigentlichen Datenträger,

Henner: sind acht Löcher reingestanzt und die markieren auf diesem Magnetdatenträger,

Henner: auf dieser Oberfläche, den jeweiligen Anfang eines Sektors,

Henner: damit das Laufwerk genau weiß, wo es sich gerade befindet.

Henner: Das ist noch eine ziemlich rabiate Lösung, das wird später etwas eleganter.

Henner: Es wird ersetzt durch ein einzelnes Loch, das dann jeweils eine Umdrehung markiert.

Henner: Nun hat dieser Aufbau, genau wie die Festplatte, ja einige technische Herausforderungen.

Henner: Abgesehen mal vom Staub. Ja, ich höre jetzt auch mal auf, vom Staub zu reden.

Chris: Aber das Vlies, es ist einfach beeindruckend.

Henner: Das Vlies, ja. Das Laufwerk muss ja jederzeit wissen, wo eigentlich die Scheibe

Henner: gerade ist, an welcher Position und wo sich der Lesekopf genau befindet.

Henner: Das ist ja ganz zentral für diese Eigenschaft des direkten Datenzugriffs.

Henner: Der Kopf wird einfach beim Start dafür immer auf Track 0 gefahren,

Henner: quasi auf die Startposition.

Henner: Das rattert ziemlich laut.

Henner: Und er muss dafür aber auch extrem genau ausgerichtet sein.

Henner: Wenn er nur einen halben Millimeter zu weit rechts, links, oben oder unten sitzt,

Henner: dann liest er die Datenspur nicht mehr richtig und dann muss er neu kalibriert

Henner: werden. Das kennt man vielleicht auch noch von späteren Diskettenlaufwerken.

Chris: Ja, das kennen die Leute von uns, die frühe 1541 Laufwerke für den C64 benutzt

Chris: haben, weil eine von den kuriosen Eigenschaften von diesen Commodore-Laufwerken war,

Chris: dass das Laufwerk an sich nicht weiß, wo der Lesekopf gerade ist,

Chris: also auf welchem Track es sich befindet.

Chris: Und wenn der also zurückgesetzt werden soll auf Track 0, dann weiß das Laufwerk

Chris: nicht, muss ich den jetzt 20 Schritte zurücksetzen, muss ich den 10 Tracks zurücksetzen,

Chris: das weiß er nicht, wo er ist.

Chris: Also wird er einfach immer 40 Schritte zurückgesetzt, das Maximale.

Chris: Und wenn er aber gerade auf Track 1 war, dann rammt das Laufwerk ihn 39 Mal gegen den Stopper.

Chris: Und das zieht ihn dann auch irgendwann halt aus der korrekten Ausrichtung raus.

Chris: Deswegen sind diese 1541 Laufwerke fehleranfällig.

Henner: Ja und woher weiß das Laufwerk, wo die Scheibe gerade ist, also an welcher Stelle

Henner: sie sich gerade gedreht hat?

Henner: Dafür sind die physischen Löcher, die wir beschrieben haben,

Henner: für die einzelnen Sektoren gedacht und es gibt innerhalb dieser Sektoren natürlich

Henner: auch noch und innerhalb der Tracks eigene Header-Daten.

Henner: Also wenn die gelesen werden, dann weiß der Lesekopf, dass jetzt ein neuer Track

Henner: oder ein neuer Sektor beginnt.

Henner: Dafür muss aber auch die Rotationsgeschwindigkeit stimmen. Die darf nicht ständig

Henner: schwanken und variieren.

Henner: Hier beträgt sie noch 90 Umdrehungen pro Minute. Das ist noch recht gemächlich.

Henner: Später bei den C64 und sonstigen Diskettenlaufwerken, die wir alle benutzt haben

Henner: in den 80er Jahren, da werden dann etwa 300 bis 360 je nach Modell und nach Format zum Standard.

Henner: Festplatten, wie gesagt, drehen sich erheblich schneller. Die sind ja heute

Henner: auch bei deutlich über 7000 Umdrehungen pro Minute.

Henner: Die Lösung dafür, dass die Rotationsgeschwindigkeit wirklich exakt immer dieselbe

Henner: bleibt, ist, dass der Datentransfer und dessen Timing permanent gelesen und

Henner: angepasst wird von der Laufwerkselektronik.

Chris: Dann gibt es noch ein ganz nachvollziehbares Problem, das sich aus der Kreisform

Chris: der Platte ergibt, nämlich die inneren Ringe, also die inneren Tracks sind natürlich

Chris: kleiner als die äußeren, enthalten aber die gleiche Menge von Sektoren, jeweils acht.

Chris: Das heißt, je weiter man nach innen auf der Scheibe kommt, desto größer wird

Chris: die Datendichte, die Bits müssen näher aneinander gesetzt werden.

Chris: Wie viel man auf so eine Diskette draufschreiben kann, ohne dass es magnetische

Chris: Interferenzen zwischen den einzelnen Bits gibt, weil die irgendwann zu nah aneinander wären.

Chris: Das richtet sich also nach den kleinsten Ringen, nach den inneren.

Chris: Das ist ein Problem, das Festplatten auch haben. Und das ist zu dem Zeitpunkt,

Chris: wo die Diskette entsteht, auch schon längst gelöst.

Chris: Schon 1961 gibt es da das Konzept des Sound-Bit-Recordings.

Chris: Da werden halt einfach in den äußeren Ringen mehr Sektoren dann eingefügt als in den inneren.

Chris: Das ist ja auch einigermaßen naheliegend. Das ist auch mit einer der Gründe,

Chris: warum es später so viele Diskettenformate gibt, die oft nicht kompatibel zueinander

Chris: sind, obwohl das Medium ja das gleiche ist.

Chris: So eine 45 Zoll Diskette sieht auf dem C64 genauso aus wie auf dem PC.

Chris: Aber da sind unterschiedliche Mengen an Tracks drauf, unterschiedliche Mengen

Chris: an Sektoren und eben teilweise auch diese variablen Sektoren pro Track.

Chris: Das hat zum Beispiel der C64, das hat der Macintosh, aber Amiga oder PC haben

Chris: das nicht. Und wie viele Tracks und Sektoren auf so eine Diskettenscheibe draufkommt,

Chris: das wird dann im Laufe der Generationen auch noch steigen. Die werden immer dichter bepackt.

Chris: Also die Bit-Dichte, die Menge an Daten in einem Abschnitt steigt.

Chris: Hier bei der ersten 8 Zoll Diskette von IBM liegt die bei ungefähr 1600 Bits pro Zoll, Bits per Inch.

Chris: Diese erste Diskette enthält also 32 Tracks, das sagten wir schon,

Chris: das sind 256 Sektoren und insgesamt 81.664 Bytes.

Henner: Also knapp über 80 Kilobyte. Und um jenen, die mit derart kleinen Datenmengen

Henner: nie zu tun hatten, mal zu verdeutlichen, wie verschwindend wenig das ist,

Henner: wie klein diese Kapazität ist.

Henner: Mal eine Schätzfrage. Christian, stell dir vor, du würdest ein modernes Spiel

Henner: wie, sagen wir, Call of Duty Modern Warfare von 2019 mit seinen 270 Gigabyte

Henner: ungefähr auf solche Disketten verteilen müssen.

Henner: Wie hoch wäre der Diskettenstapel?

Chris: Wie hoch? Also du willst gar nicht wissen, wie viele Disketten.

Chris: Und wir reden jetzt von den 8 Zoll Disketten. Wie hoch wäre der Stapel?

Chris: Oh Gott, ich tendiere ja dazu, das immer zu unterschätzen. Deswegen sage ich

Chris: jetzt mal, wir reden hier von Hunderten von Metern.

Henner: Ja, sehr viele Hundert Meter. Es wäre ein Turm von fast sechs Kilometern Höhe.

Chris: Unfassbar.

Henner: 3,6 Millionen Disketten.

Chris: Okay, ja, das ist eindrucksvoll. Wer soll denn die alle auswechseln dann beim

Chris: Einlesen? Ich mache das nicht.

Henner: Ja, vor allem Nummer 3,5 Millionen ist dann ja auch immer kaputt. Man kennt das Problem.

Chris: Die letzte ist immer kaputt.

Henner: Genau. Ja, zu Spielen, die sehr viele Disketten belegen, kommen wir später noch.

Henner: Ganz so viele werden es aber nicht sein.

Chris: Ja, ganz zum Glück. Okay, jetzt haben wir beschrieben, wie die Diskette funktioniert.

Chris: Aber eine ganz wichtige Sache haben wir immer noch nicht geklärt.

Chris: Nämlich, wo kommt denn eigentlich der Name her?

Chris: Diskette, was bedeutet das? Das kommt natürlich auch von IBM und lehnt sich an, an die Kassette.

Chris: Die Kassette ist ein Kunstwort, das aus dem Französischen kommt und besteht

Chris: aus kas für das Gehäuse und et ist das französische Suffix für etwas Kleines, ein Diminuativ.

Chris: Also eine Kassette steckt in einem kleinen Gehäuse, weil sie ja auch viel kleiner

Chris: ist als ein Audioband. Und daran lehnt sich jetzt also die Diskette an.

Chris: Das ist schlichtweg eine kleine Scheibe.

Chris: Disk ist ja die Scheibe im Französischen wie im Englischen und Ed ist wieder

Chris: der Verkleinerungsfall.

Chris: Und warum? Weil sie kleiner ist als eine Festplatte.

Henner: Ah, okay. Ja, vielen Dank. Jetzt wissen wir das auch.

Chris: Ja, gerne. Da kannst du vielleicht erklären, warum sich aber relativ schnell

Chris: ein alternativer Name durchsetzt für die Diskette, nämlich Floppy. Wo kommt das denn her?

Henner: Die Floppy-Disk, genau, das setzt sich sehr schnell durch.

Henner: Ich fand erste Verwendungen dieser Bezeichnung schon im Jahr 1970 in der Literatur,

Henner: also noch bevor die Diskette auf den Markt gekommen ist.

Henner: Das geschieht erst 71. Floppy, das heißt so viel wie wabbelig oder flexibel

Henner: und das beschreibt einfach ziemlich gut das, was es ist, eine flexible Scheibe,

Henner: auch wenn sie ja nicht mehr scheibenförmig aussieht durch diesen quadratischen Umschlag.

Chris: Auch wieder in Abgrenzung zu den Festplattenscheiben, weil da haben wir ja vorhin

Chris: gehört, die sind aus Aluminium, also die sind stabil.

Henner: Ganz genau. Und das ist ein Name, Floppy Disk, den IBM damals nicht verwendet.

Henner: Also in der IBM eigenen Literatur, in den Marketingmaterialien,

Henner: in der Anleitung findet sich das nicht.

Henner: Aber trotzdem intern nutzt IBM den Namen sehr wohl.

Henner: Das hat zumindest der Laufwerksentwickler Dalsil mal im Interview gesagt.

Henner: Die Ingenieure intern, die sprechen durchaus von der Floppy Disk oder nur der Floppy.

Henner: IBM spricht selbst nur von The Diskette.

Chris: Also dann gibt es da aber ein Mysterium, denn dieses erste Diskettenlaufwerk,

Chris: das dann 71 auf den Markt kommt, das kriegt ja wieder so eine IBM-Modellnummer, in diesem Fall IBM 23FD.

Chris: Und da fragt man sich, wofür das FD steht.

Chris: Wir haben ja vorhin schon gehört bei sowas wie dem RAMAC, dass diese Abkürzungen

Chris: durchaus Akronyme sind, also für etwas stehen.

Chris: Das könnte man dann ja auch annehmen bei FD.

Chris: Und ist es nicht naheliegend anzunehmen, dass das für Floppy Disk steht?

Henner: Einerseits schon, andererseits 23 FD ist ja die Bezeichnung für das Laufwerk

Henner: und nicht für die Diskette.

Henner: Das heißt, es müsste, wenn schon, dann für Floppy Drive stehen.

Chris: Floppy Drive, okay, gut, fair enough, aber es ist ja das Spannende hier.

Henner: Ja, das ist richtig, aber das könnte auch File Drive sein oder irgendwas anderes.

Henner: Wir wissen es nicht genau, es kann auch sein, dass IBM mit der IBM-typischen

Henner: Bürokratie diesen Codenamen, diese Bezeichnung schon fünf Jahre vorher festgelegt

Henner: hat, bevor man überhaupt wusste, dass das Ganze auf Floppy Disks hinausläuft.

Henner: Also vielleicht stand das für was vollkommen anderes, wissen wir nicht.

Henner: Ich fand in der deutschen Fachliteratur der 80er Jahre übrigens noch die Übersetzung

Henner: Schlappscheibe, aber die hat sich glaube ich nicht durchgesetzt.

Henner: Also wir sprechen von der Floppy, IBM offiziell nicht, aber intern schon und

Henner: auch intern bei IBM etabliert sich das zugehörige System sehr schnell.

Henner: Das kommt ja wie gesagt 1971 auf den Markt mit den zugehörigen Disketten.

Henner: Das Laufwerk IBM 23FD, die Disketten haben noch keinen richtigen Namen,

Henner: die heißen einfach nur The Diskette, die haben keine Modellnummer bekommen zunächst.

Henner: Und das sind, wie geplant ursprünglich,

Henner: Mikrocode-Lesegeräte für einige ausgewählte System 370-Rechner.

Henner: Nicht mehr und nicht weniger. Aber als solche etablieren sie sich sehr schnell

Henner: innerhalb des Konzerns, weil die Diskette sehr günstig ist.

Henner: Das war ja auch der Grund für die Entwicklung, ein günstiges,

Henner: flexibles System zu entwickeln.

Henner: Sie ist robust, sie bietet viel mehr Platz als die Lochkarten und gegenüber

Henner: dem Magnetband hat die Diskette ja diesen Riesenvorteil des direkten,

Henner: wahlfreien Datenzugriffs.

Henner: Die Kapazität ist natürlich geringer als beim Magnetband, aber für diesen Zweck

Henner: des Mikrocode-Lesegerätes reicht das völlig aus, weil der Mikrocode in der Regel

Henner: sowieso nicht größer ist oder der Mikrocode-Speicher sowieso nicht größer ist als 64 KB.

Henner: So werden im Laufe der Jahre ungefähr 20.000 Exemplare dieses Minnow oder 23FD

Henner: Laufwerks gebaut und bei IBM und IBM Rechnern eingesetzt und jedes einzelne

Henner: kostet IBM in der Herstellung etwa 500 US-Dollar.

Henner: Das ist für IBM Verhältnisse sehr sehr günstig.

Henner: Und schon vor dem allerersten Einsatz dieser neuen Disketten-Technik wird vielen

Henner: klar, dass darin noch viel größeres Potenzial liegt.

Henner: Dass diese transportable Diskette sich nicht nur eignet, um davon Mikrocode

Henner: zu laden, einmal beim Rechnerstart und dann nie wieder, sondern das wäre doch

Henner: das ideale Medium für den Datenaustausch zwischen den Rechnern.

Henner: Der findet zu der Zeit vorwiegend noch mit Lochkarten statt,

Henner: denn dafür muss man ja die Medien

Henner: beschreiben können und das ist bei den Magnetbändern nicht so einfach.

Henner: Und wir haben es ja gehört, die Wechselplatter sind nicht unbedingt für den

Henner: Datenaustausch gedacht, dafür sind die zu groß und zu empfindlich.

Henner: Also was benutzt man, um zwischen zwei Rechnern, vielleicht auch über größere

Henner: Distanzen hinweg, Daten auszutauschen?

Henner: Das Internet in seiner heutigen Form gibt es ja noch nicht.

Henner: Dafür wäre die Diskette doch eigentlich ideal, aber dafür fehlt ihr noch eine

Henner: ganz wesentliche Eigenschaft.

Henner: Dafür müsste sie ja wieder beschreibbar sein. Nicht nur einmal in der IBM-Fabrik,

Henner: sondern jederzeit wieder von jedem Rechner aus neu mit Daten versehen.

Henner: Und das ist der nächste Entwicklungsschritt, der kommt jetzt.

Chris: Und zwar startet der im Jahr 1970, also ein Jahr bevor das IBM 23FD fertig ist und rauskommt.

Chris: Diese Planung für ein Nachfolgesystem läuft unter dem Codenamen eGAR.

Chris: Und natürlich ist das Ziel, dass die Diskette jetzt mit dem gleichen Laufwerk

Chris: auch beschrieben werden können soll.

Chris: Dazu müssen erstmal andere Abteilungen IBM intern überzeugt werden,

Chris: denn es gibt noch ein anderes internes Team, das gerade an einer Lösung auf

Chris: Basis der Kassette arbeitet.

Chris: Die ist ja auch wieder beschreibbar und auch viel günstiger als die Diskette.

Chris: Das ist auch eigentlich völlig logisch, denn alle, die uns hier zuhören und in den späten 70ern,

Chris: frühen 80ern mit den 8-Bit-Heimcomputern aufgewachsen sind im ZX-Spektrum,

Chris: im VC20, dem C64, die wissen, der Datenträger der Wahl war am Anfang die Kassette.

Chris: Dann macht IBM eine interne Vergleichsstudie und da gewinnt aber doch die neue Diskette.

Chris: Das ist dann im Jahr 1971 und das wird dann auch unternehmensweit zum neuen Standard erklärt.

Chris: Also in Zukunft soll auf die Diskette als Wechseldatenträger gesetzt werden.

Chris: Aus dem Projekt IGA geht schließlich ein Produkt hervor, das 33FD,

Chris: wieder ein Diskettenlaufwerk, jetzt der zweiten Generation, das kommt im Jahr 1973 auf den Markt.

Chris: Und nicht nur, dass die Diskette jetzt beschreibbar ist, es gibt auch noch weitere

Chris: technische Fortschritte.

Chris: Wir hatten schon gesagt, die 90 Umdrehungen pro Minute der 8-Zoll-Diskette wird

Chris: schnell obsolet. Hier sind wir jetzt bei 360 Umdrehungen.

Chris: Die Zahl der Tracks erhöht sich, die Datendichte erhöht sich.

Chris: Jetzt passen 240 Kilobyte auf so eine Diskette drauf.

Chris: Und damit ist die Entwicklung ja noch lange nicht vorbei, auch bei IBM nicht.

Chris: Als nächstes kommt das Modell 43FD.

Chris: Das bringt dann 1976 einen zweiten Schreiblesekopf, der auf der anderen Seite

Chris: der Diskette angeordnet ist.

Chris: Und damit wird sie jetzt doppelseitig nutzbar, oben und unten.

Chris: Nachfolgende Generationen erhöhen dann die Kapazität noch weiter.

Chris: 1977 zum Beispiel kommt das Modell 53 FD.

Chris: Damit wird dann die Megabyte-Grenze durchbrochen. Also auf eine 8-Zoll-Diskette

Chris: passt jetzt schon ein Megabyte an Daten drauf.

Chris: Das ist aber zu einer Zeit, als IBM schon längst die Kontrolle über ihre Erfindung verloren haben.

Chris: Es gibt sogar einen Konkurrenten, der dem Konzern inzwischen voraus ist.

Henner: Ja, und da sind wir wieder bei Memorex. Die Firma haben wir ja schon erwähnt.

Henner: Das ist ein Datenträgerspezialist.

Henner: Die bauen unter anderem Wechselplatte, aber auch viele andere Gerätschaften dieser Art.

Henner: Und Memorex erkennt sehr früh das Potenzial in der neuen Diskette noch.

Henner: Vielleicht sogar noch früher als IBM selbst.

Henner: Erkennt also, dass diese Disketten zu mehr fähig sind, als bloß Mikrocode bereitzustellen.

Henner: Es gibt einen Herren, der auch von IBM zu Memorex übergelaufen ist,

Henner: ein Ingenieur namens James Atkinson, und der hat später in einem Interview gesagt,

Henner: es war nicht bloß ein Programm-Code-Ladegerät.

Henner: Lange bevor es ausgeliefert wurde, war völlig klar, dass dies schließlich das

Henner: primäre Eingabe- und Ausgabegerät sein würde.

Henner: Also nicht nur für einen einzelnen Computer, sondern der de facto Standard für

Henner: verschiedenste Geräte.

Henner: Und damit hat er ja auch völlig recht. Das erkennt Memorex sehr früh.

Henner: Wir erinnern uns noch, wie es überhaupt dazu kam, dass Memorex in diese Geschichte reinkommt.

Henner: Al Sugart, der ist ja 1969 bei IBM ausgestiegen und bei Memorex eingestiegen

Henner: und hat dort die Geräteabteilung übernommen, also die Entwicklung neuer Geräte

Henner: und Laufwerke hat er übernommen.

Henner: Der hat dort aber nicht gleich an Disketten oder Diskettenlaufwerken gearbeitet,

Henner: sondern zunächst an einem IBM-kompatiblen Wechselplatterlaufwerk.

Henner: Aber dann kommt das Jahr 1970, IBM kündigt die erste Diskette an,

Henner: die ja dann 1971 auf den Markt kommt.

Henner: Das ist noch nicht die wiederbeschreibbare Diskette, sondern noch das Laufwerk

Henner: der ersten Generation, das 23er.

Henner: Und nach dieser Ankündigung beginnt Shuggets Abteilung sofort mit der Arbeit

Henner: an einem Nachbau. Dieser Nachbau soll allerdings kein Klon sein,

Henner: der soll das IBM-Original nicht exakt nachbilden, sondern soll ihm überlegen sein.

Henner: Es soll höhere Kapazität haben, eine höhere Datenrate und dieses Memorex-Laufwerk

Henner: soll Disketten wieder beschreiben können.

Henner: Das macht IBM ja auch, aber das IBM 33er Laufwerk, das kommt ja erst 1973 und

Henner: Memorex kommt jetzt dem Marktführer zuvor.

Henner: 1972, ein Jahr vor dem IBM Laufwerk der zweiten Generation, erscheint jetzt

Henner: das Memorex Laufwerk Modell 650, wobei das darauf folgende 651er kurze Zeit

Henner: später noch populärer wird.

Henner: Das ist sehr nah dran am Original.

Henner: Auch hier passen 8 Zoll Disketten rein. Die speichern allerdings,

Henner: anders als bei IBM, schon 180 KB bei einer Datenrate von 200 KB.

Henner: Also hier wird das Original übertroffen und das Modell 650 ist vor allem das

Henner: allererste Laufwerk auf dem Markt, das Disketten nicht nur lesen,

Henner: sondern auch beschreiben kann.

Henner: Und es ist das erste für den OEM-Markt. Denn das 23er-Laufwerk und auch später

Henner: das 33er, das sind ja IBM-Eigenentwicklungen für deren eigene Computer.

Henner: Das wird also dem großen Markt vorbehalten. Dieses hier, was Memorex entwickelt,

Henner: das ist für den OEM-Markt.

Henner: Die verkaufen ja keine eigenen Computer, wo sie das einsetzen könnten,

Henner: sondern sie bieten ihr Laufwerk jetzt auf dem freien Markt an für andere Computerhersteller.

Henner: Und die sind begeistert, die nehmen das auch gerne. Also IBMs Konkurrenten wie

Henner: etwa DEC, der Minicomputerhersteller, die lassen sich gerne von Memorex mit

Henner: diesem Laufwerk beliefern.

Henner: Und jetzt, jetzt beginnt also der große Durchbruch für die Diskette.

Henner: Jetzt steht diesem jungen Medium ein riesiges neues Anwendungsfeld offen.

Henner: Es gibt Memorex-Unterlagen, Werbetexte von damals, die beschreiben zwar immer

Henner: noch die Diskette als ein Gerät oder als ein Medium für das Control Store Loading,

Henner: also das Mikrocode Laden.

Henner: Das sehen die auch noch vor, als vorwiegenden Einsatzzweck. Aber sie erwähnen

Henner: dann auch, dass dieses Modell 650 mit den Disketten sich für alle möglichen

Henner: anderen Einsatzzwecke eignen würde.

Henner: Für die einfache Auslagerung von Dateien, für den Transport von Dateien oder

Henner: für datenträchtige Szenarien wie in der Buchhaltung zum Beispiel.

Henner: Und Memorex bleibt nicht lange der einzige unabhängige Anbieter von solchen

Henner: IBM-kompatiblen Diskettenlaufwerken.

Henner: Wir sind hier immer noch in der 8 Zoll Ära, aber auch da stellen schon 1977

Henner: allein in den USA 19 verschiedene Unternehmen solche Diskettenlaufwerke her.

Henner: Mehrere hunderttausend Exemplare werden jedes Jahr verkauft und alle möglichen

Henner: Hersteller, die sich daran beteiligen, an diesem neuen entstehenden Diskettenmarkt

Henner: teilhaben, bringen ihre eigenen Weiterentwicklungen und Innovationen ein.

Henner: Zum Beispiel 1976, da fängt ein Hersteller an, diese magnetischen Oberflächen

Henner: des Datenträgers mit Teflon zu beschichten für ein bisschen mehr Gleitfähigkeit

Henner: und Widerstandsfähigkeit. Das setzt sich dann auch durch.

Henner: Also die Diskette wird weiterentwickelt und jetzt in den späten 70er Jahren

Henner: wird sie zu einem globalen Standard. Sie scheint ausgereift zu sein, aber da geht noch was.

Henner: Sie ist bereit für noch einen Entwicklungsschritt und für einen noch größeren

Henner: Markt, der jetzt zufällig gerade entsteht zu dieser Zeit.

Chris: Es gibt einen Artikel in der US-Zeitschrift Computer Design aus dem Oktober 1976,

Chris: da heißt es, Zitat, in den letzten zwei Jahren ist die Nutzung der flexiblen

Chris: Speicherscheiben, oft Floppy Disks genannt, phänomenal gewachsen. Zitat Ende.

Chris: Und der Artikel sagt auch, diese Floppy Disks würden sich eignen für Kassensysteme,

Chris: Terminals, als Programm- und Datenspeicher für Minicomputer,

Chris: Textverarbeitungssysteme.

Chris: Aber eine ganz neue Gerätegattung fehlt dort in dieser Aufzählung, nämlich der PC.

Chris: In der Mitte der 70er Jahre, wo die Disketten ja aufkommen, da kommen die ersten

Chris: bezahlbaren Mikrocomputer für Einzelanwender auf den Markt.

Chris: Die benutzen meistens Lochstreifen oder Kassetten als Speichermedium,

Chris: aber langsam entdeckt diese neue Computerklasse ein anderes Medium für sich.

Chris: Und das zeigt sich ganz hübsch in dem ersten maschinenübergreifenden PC-Betriebssystem,

Chris: nämlich CPM von Digital Research, das 1974 auf den Markt kommt.

Chris: Und das wird ausgeliefert auf einem neuartigen Datenträger, nämlich auf einer 8-Zoll-Diskette.

Chris: Der Gründer von Digital Research, Gary Kildall, der schreibt seinen Code für

Chris: CPM auf einem Entwicklersystem von Intel, auf dem Intellect 8.

Chris: Das kann aber mit Disketten überhaupt nicht umgehen.

Chris: Das heißt, er muss sich da selbst ein Interface und einen Controller für ein

Chris: ausrangiertes Diskettenlaufwerk bauen.

Chris: Aber so ein Aufwand ist dann kurze Zeit später schon nicht mehr nötig.

Chris: Im Jahr 1975, da kommt der erste Mikrocomputer raus, den man als wirklich populären

Chris: Mikrocomputer bezeichnen kann, den Altair 8800.

Chris: Und für den ist kurz darauf dann ein Diskettenlaufwerk mit passendem Controller

Chris: auch ganz regulär im Angebot.

Chris: Es gibt noch eine andere Klasse von Computern, die in dieser frühen Mikrocomputer-Ära

Chris: populär sind, und zwar elektronische Textverarbeitungssysteme.

Chris: Die haben eine Schreibmaschinentastatur und zum Teil dann auch einen integrierten

Chris: Monitor, ähneln also schon richtigen Computern, aber sie sind in der Regel auf

Chris: einen einzigen Zweck beschränkt, nämlich Text zu schreiben.

Chris: Das ändert sich dann mit einer neuen Generation dieser Textverarbeitungssysteme,

Chris: auf Basis von Mikroprozessoren. Die lassen sich dann programmieren.

Chris: Da gibt es zum Beispiel das Modell 8000 der Firma CPT aus dem Jahr 1976.

Chris: Das kann man auch mit CPM als Betriebssystem benutzen. Und diese Geräteklasse,

Chris: die muss ihre Texte ja auch irgendwo drauf speichern.

Chris: Das hat man vorher in der Regel noch auf Band gemacht, auf Magnetband.

Chris: Aber dieses CPT 8000, das enthält schon...

Chris: Floppy-Laufwerke, 8-Zoll-Floppy-Laufwerke, plural, dann es sind gleich zwei,

Chris: die da mitgeliefert schon werden.

Chris: Also das heißt, auch diese Klasse der Textcomputer hilft dabei,

Chris: die Diskette als Medium in die Breite zu tragen.

Chris: Aber damit das neue Medium wirklich groß werden kann, sich wirklich in den Massenmarkt

Chris: verbreitern kann, muss es noch einen Verkleinerungsschritt machen.

Chris: Denn bisher sind wir ja nach wie vor bei 8-Zoll-Disketten. Und ich nehme mal

Chris: an, die meisten von euch, die hier zuhören, hatten so eine Diskette gar nie in der Hand.

Chris: Und um diesen Verkleinerungsschritt zu machen, müssen wir wieder zurück zu unserem Freund Al Shugart.

Henner: Ja, den hält es schon wieder nicht lange bei seinem Arbeitgeber.

Henner: Er ist ja schon bei IBM abgehauen, um zu Memorex zu wechseln,

Henner: aber er bleibt auch nicht lange bei Memorex.

Henner: In den frühen 70ern zieht er schon wieder weiter und gründet 1973 sein eigenes

Henner: Unternehmen, Sugart Associates.

Henner: Und da kommen auch zehn Memorex-Kollegen unter, also die Geschichte wiederholt

Henner: sich, er nimmt wieder einige liebgewonnene Kollegen mit.

Chris: Der ist magnetisch, dieser Mann. Der zieht sich alle mit sich.

Henner: Ja, allerdings. Dieses neue Unternehmen, das er da gründet, das soll sich gar

Henner: nicht primär auf Diskettenlaufwerke konzentrieren, sondern dem Schuggert schwebt

Henner: etwas anderes vor. Der will eigentlich einen Computer bauen.

Henner: Er will damit anfangen, erstmal Peripheriegeräte zu bauen, einen eigenen Drucker

Henner: oder eben auch ein Diskettenlaufwerk. Das an andere Hersteller zu verkaufen

Henner: und mit dem Geld, das dadurch reinkommt, soll schließlich ein eigenes Computersystem entwickelt werden.

Henner: Aber irgendwo muss er ja anfangen und diese junge Firma fängt eben an mit dem Diskettenlaufwerk.

Henner: Und das ist ein 8 Zoll Diskettenlaufwerk, also im etablierten von IBM ersonnenen Format.

Henner: Das ist das Laufwerk SA800 mit einem eigenen passenden Controllerinterface.

Henner: Interface und das ist sehr erfolgreich.

Henner: Das etabliert sich sehr schnell als eine Art Industriestandard.

Henner: Zumal es auch nicht nur mit eigenen Medien umgehen kann, sondern auch mit den

Henner: original IBM-Disketten.

Henner: Der jungen Firma von Sugar geht aber sehr bald das Geld aus.

Henner: Und jetzt wird es immer schwieriger, an diesem Ziel festzuhalten,

Henner: einen eigenen Computer auf den Markt zu bringen.

Henner: Aber der Sugar will das trotzdem unbedingt.

Henner: Seine Investoren, die Geldgeber, die drängen aber darauf, sich stattdessen erstmal

Henner: auf das zu fokussieren, was Geld einbringt.

Henner: Nämlich das Deskettenlaufwerk, das einzige wirklich einträgliche Produkt im Sortiment bei Sugar.

Henner: Im Streit verlässt er Sugar schon wieder sein Unternehmen.

Henner: 1974 ist ein Unruhegeist, der Mann.

Henner: Und fortan macht Sugar Associates also mit seinem Namen weiter ohne ihn und

Henner: bündelt alle Ressourcen in der Floppy-Entwicklung.

Henner: Es müssen neben Sugar selbst auch viele andere Mitarbeiter gehen.

Henner: Alle, die nicht an Diskettenlaufwerken arbeiten, das ist der große Heilsbringer.

Henner: Die Diskettenlaufwerke sollen nicht nur verkauft, sondern auch zügig weiterentwickelt werden.

Henner: Und das passiert jetzt allerdings nicht aus eigenem Antrieb,

Henner: sondern wegen des Wunsches eines wichtigen Kunden.

Henner: Denn zu den wichtigsten Abnehmern von Sugar'n und von diesen Diskettenlaufwerken,

Henner: von dem SA800, gehören die Hersteller von den Textverarbeitungssystemen,

Henner: die du gerade schon beschrieben hast.

Henner: Und der größte Kunde von allen ist der Marktführer in diesem Segment,

Henner: ist die Firma Wang Laboratories.

Henner: Deren Top-Modell, also deren Top-Textverarbeitungssystem, enthält auch,

Henner: wie das CPT-8000, das du beschrieben hast, zwei von diesen riesigen 8 Zoll Laufwerken.

Henner: Aber im Jahr 1976 arbeitet die Firma an einem kompakteren Einstiegsmodell und

Henner: dafür wären diese Laufwerke viel zu groß, zu klobig und auch zu teuer.

Henner: Die früheren Einstiegsmodelle, die haben in der Regel günstige Kassettenlaufwerke

Henner: genutzt, aber das ist sehr unhandlich, da muss man ja immer hin und her spulen.

Henner: Wang möchte gerne ein Diskettenlaufwerk für dieses neue Preiseinstiegsmodell

Henner: haben, aber eben kein 8 Zoll Laufwerk, sondern etwas kleineres und günstigeres.

Henner: Wang verlangt also von Sugar Associates ein verkleinertes Diskettenlaufwerk für nur 100 US-Dollar.

Henner: 1977 kommt dann dieses neue Gerät auch auf den Markt.

Henner: Das ist der neue Textcomputer unter dem Namen 2200PCS2 und der enthält zwei

Henner: Diskettenlaufwerke im neuen Format im 5,25 Zoll Format.

Henner: Die Diskette ist geschrumpft worden von Shogart, zumindest von der Firma Shogart,

Henner: nicht von Shogart persönlich.

Henner: Aber wie kommt es denn überhaupt zu dieser Größe? Warum jetzt ausgerechnet 5,25 Zoll?

Chris: Tja, das ist eine sehr gute Frage. Das ist ja nicht das naheliegendste Format.

Chris: Da gibt es natürlich Legenden drumherum.

Chris: Zum Beispiel hat der damalige Präsident der Firma Sugar, Donald Massaro,

Chris: erzählt, 5,25 Zoll sei einfach das kleinstmögliche Format, das nicht in eine

Chris: Tasche passe, also eine Manteltasche zum Beispiel.

Chris: Denn Disketten soll man ja so nicht transportieren, weil sie dann verbiegen würden.

Chris: Die Geschichte, die am häufigsten erzählt wird, ist die, dass der Gründer der

Chris: Wang Laboratories, Anne Wang,

Chris: während eines entscheidenden Meetings mit Shugart in einer Bar die Frage nach

Chris: der Größe, die ihm davor schwebe, beantwortet habe, indem er auf eine Serviette

Chris: gezeigt habe, die da halt zufällig gerade lag.

Chris: Und daraus wurde dann dieses Format abgeleitet.

Chris: Nun, so ein Bar-Meeting hat es in Wirklichkeit nicht gegeben.

Chris: Die wahrscheinlichste Herleitung für diese Größe stammt von einem der ehemaligen

Chris: Shugart-Ingenieure, Ein Mann namens George Solman, der hat mal erzählt,

Chris: er habe damals den Auftrag erhalten, die marktüblichen Kassettenlaufwerke zu vermessen.

Chris: Wie groß denn die seien? Denn das neue Laufwerk sollte schließlich ein Kassettenlaufwerk ersetzen.

Chris: So hat er also die Größe von Kassettenlaufwerken ermittelt und aus diesem Maß

Chris: dann das größtmögliche Diskettenformat abgeleitet, das dann noch reinpassen

Chris: würde in dieses Laufwerksgehäuse.

Chris: Und das seien dann eben die 5,25 Zoll gewesen.

Chris: Dieser Wert übrigens, der bezieht sich jetzt nicht mehr auf den Scheibendurchmesser,

Chris: wie noch bei der 8 Zoll Diskette, sondern auf die Außenlänge des Deskettenumschlags.

Chris: Der ist quadratisch und misst in beiden Dimensionen 13,3 Zentimeter, also eben 5,25 Zoll.

Chris: Ansonsten sieht diese Diskette aber praktisch identisch aus zu ihrer 8 Zoll

Chris: Vorgängerin, also wieder natürlich in der Mitte das runde Loch,

Chris: die ovale Aussparung für den Zugriff des Schreiblesekopfes und immer noch ist

Chris: sie natürlich sehr biegsam, also floppy.

Chris: Und damit sind wir jetzt in dem Bereich, den die Ersten von uns auch aus dem

Chris: Spielebereich kennen könnten, weil das ja eine Diskette ist,

Chris: die dann, ich greife ein bisschen vor, aber die dann ja auch im Spielebereich zum Einsatz kommt.

Henner: Und zu den persönlichen Erinnerungen an dieses Format oder an die Diskette im

Henner: Allgemeinen habe ich einige Veteranen aus der Branche, einige Freunde des Podcasts befragt.

Henner: Welche persönlichen Erinnerungen knüpfen sie an die Diskette?

Henner: Welche Anekdoten aus der langen Disketten-Ära können sie so erzählen?

Henner: Und ich erhielt sehr viele Wortmeldungen und einige davon können wir in dieser Folge uns anhören.

Henner: Hier ist die erste, passend zum Thema, die Diskette ist immer noch sehr floppy, sehr biegsam.

Henner: Das hier ist Patrick Becher vom Retro-Kompott-Podcast.

Henner: Der hat früher einen Spieleladen betrieben und aus dieser Zeit stammt auch diese

Henner: Anekdote zur biegsamen, vielleicht etwas zu biegsamen 5,25 Zoll Diskette.

Einspieler: Wir hatten ja im letzten Jahrtausend, hatten wir ja mal einen Spieleverleih

Einspieler: und auch eine Anfärkung von Tüterspiele und wenn in einer Anleitung steht,

Einspieler: stecken sie erst Diskette 1 und dann Diskette 2 ins Laufwerk,

Einspieler: ja, dann gibt es Kunden, die das auch machen.

Einspieler: Zwei Fünferviertel Zoll Disketten passen tatsächlich mit etwas Gewalt gleichzeitig

Einspieler: in ein Laufwerk und wenn man gerade keine dreieinhalb Zoll Disketten zur Hand

Einspieler: hat, dann kann man ja auch Diskette einfach knicken, dann passt sie in ein Laufwerk.

Henner: Ja, bitte nicht nachmachen. Die Diskette ist, wie du es schon beschrieben hast,

Henner: praktisch unverändert, einfach nur verkleinert, aber nicht wesentlich verbessert.

Henner: Sie ist also immer noch genauso empfindlich wie das Original.

Henner: Das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass Sugard Associates jetzt

Henner: nicht allzu viel Zeit hatte für die Entwicklung. Das ist ja weniger als ein Jahr.

Henner: Aber trotzdem ist das hier für viele Jahre das vorherrschende Format und das,

Henner: mit dem die meisten von uns aufgewachsen sind.

Henner: Die Kapazität dieser Diskette, die richtet sich genau wie das Format nach den

Henner: Anforderungen des Kunden, also nach den Anforderungen eines typischen Textverarbeitungssystems.

Henner: Denn der Kunde, Wang, der sagt, er wolle auf jedem Datenträger ungefähr 20 Seiten

Henner: Text speichern können. Und wenn jede Textseite ungefähr fünf Kilobyte groß ist,

Henner: dann macht das insgesamt 100 Kilobyte.

Henner: Das heißt, die müssen auf die Diskette draufpassen.

Henner: Und je nachdem, wie man die Diskette formatiert, du hast ja vorhin beschrieben,

Henner: das hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie viel drauf passt,

Henner: wird dieser Wert auch ungefähr erreicht.

Henner: Diese 5,25 Zoll Diskette wird anfangs nur einseitig beschrieben,

Henner: aber später gibt es dann auch zweiseitige Versionen, welche dann die Datenmenge verdoppeln.

Henner: Es gibt auch noch welche mit erhöhter Datendichte, also Double Density, verdoppelte Dichte,

Henner: abgekürzt DD, oder mit noch höherer Datendichte, die heißt dann einfach High

Henner: Density HD und da passen dann sogar 1,2 Megabyte drauf,

Henner: womit die Vorgängerdiskette erreicht wurde, denn die 8 Zoll Diskette hat schließlich

Henner: auch 1,2 Megabyte erreicht.

Henner: Das erste 5,25 Zoll Laufwerk von Sugar,

Henner: das kommt nicht etwa in diesem Wank-Text-Verarbeitungssystem zum Einsatz,

Henner: sondern das kommt separat schon auf den Markt im September 1976 unter dem Namen Sugar SA400.

Henner: Auch bekannt unter dem Markennamen Mini-Floppy, den Sugar sich auch schützen lässt.

Henner: Aus heutiger Sicht sind die nicht wirklich Mini, diese Floppys,

Henner: aber aus damaliger Sicht, wenn man von der 8 Zoll des Kettes kommt, dann schon.

Henner: Die sind jetzt nicht unbedingt für 100 Dollar erhältlich, so wie der Wang das

Henner: eigentlich mal bestellt hat. Die sind schon noch ein bisschen teurer.

Henner: Die Laufwerkstechnik ist ja nach wie vor sehr aufwendig.

Henner: Aber trotzdem, mit diesem neuen Format werden die neuen Laufwerke und auch die

Henner: passenden Diskette ein Riesenerfolg und ein neuer Industriestandard,

Henner: der bald die 8 Zoll Diskette ablöst.

Chris: Und sie werden dieser Erfolg natürlich nicht auf den Textverarbeitungssystemen,

Chris: die sind ja trotzdem ein Nischenmarkt, sondern bei den Heimcomputern, bei dem PC-Markt.

Chris: Shugart hat dafür das Laufwerk gar nicht gemacht. Es gibt auch ein Interview

Chris: mit dem damaligen Vertriebsleiter von Shugart, Farrell Sanders,

Chris: heißt der gute Mann. Und der sagte, wir haben überhaupt nichts davon geahnt,

Chris: dass dieses PC-Geschäft auf uns zukommt.

Chris: Aber dass wir das Laufwerk zu dem Zeitpunkt im Markt hatten,

Chris: hat perfekt gepasst zu der PC-Welle, die dann angerollt ist.

Chris: Und entsprechend seien die Verkaufszahlen durch die Decke gegangen.

Chris: Das fällt ja in die Zeit, wo jetzt die ersten bezahlbaren und in Massen gefertigten

Chris: Heimcomputer kommen. Und das geht natürlich los mit dem Apple II.

Chris: Der kommt im Juni 1977 auf den Markt, anfangs nur mit einem Kassettenlaufwerk.

Chris: Aber das ändert sich relativ schnell, denn Apple erkennt, dass Rechner nur dann

Chris: als Büromaschine ernst genommen werden.

Chris: Und da möchten sie gerne hin in diesen Markt, wenn sie die dazugehörige Software

Chris: auch beherrschen, also komplexe Buchhaltungssoftware zum Beispiel.

Chris: Und das geht mit Kassetten nicht, die sind dafür einfach zu träge.

Chris: Deswegen schaut sich der Mitgründer von Apple, Steve Wozniak,

Chris: das Design von den bestehenden Laufwerkscontrollern an für Diskettenlaufwerke

Chris: und leitet daraus sein eigenes Design ab, das mit weniger Chips auskommt,

Chris: damit auch günstiger zu produzieren ist.

Chris: Sein Kollege Steve Jobs bringt daraufhin Sugard Associates dazu,

Chris: dass sie ihnen einige ausgeschlachtete SA400-Diskettenlaufwerke liefern.

Chris: Also nur die Laufwerksmechanik ohne die Steuerplatine dazu.

Chris: Auf dieser Basis entwickelt Wozniak dann das Disc 2.

Chris: Das ist ein 45 Zoll Laufwerk für den Apple II.

Chris: Und das kommt im Juni 1978 auf den Markt. kostet, inklusive der Controller-Karte,

Chris: also Laufwerk plus Karte, die man in den Apple II reinsteckt, 600 Dollar.

Chris: Das wären zwar heute 2800 Euro umgerechnet, also klingt enorm,

Chris: ist aber wesentlich günstiger als alle anderen Laufwerksmodelle, auch das von Sugart.

Chris: Und dabei ist es auch noch besser, hat eine etwas höhere Kapazität der Disketten

Chris: und eine bessere Datenrate, die auch noch Geräte, die viel später auf den Markt

Chris: kommen, also die von Atari und Commodore, auf Jahre hinaus übertreffen wird.

Chris: Wozniak selbst sagt später auch, das sei seine beste Arbeit.

Chris: Das ermöglicht dann dem Apple II auch genau das, was die beiden damit erreichen

Chris: wollten, nämlich den Durchbruch als Büromaschine.

Chris: Maßgeblich dafür ist die Tabellenkalkulation VisiCalc, dass die auf einer Diskette erscheint.

Chris: Also man braucht dafür dieses Disk-2-Laufwerk, aber das erweist sich für Apple

Chris: also als eine Killer-Application.

Henner: Ja, dafür lohnt es sich, einen Apple II zu kaufen und das macht die jahrelange

Henner: Dominanz von Apple auf dem Büromarkt aus, bevor dann später IBM nachzieht mit dem IBM PC.

Henner: Aber wir sind im Jahr 1977, als der Apple II erst mal noch ohne das Kettenlaufwerk rauskommt.

Henner: Aber er ist ja nicht der einzige PC, der in diesem Jahr erscheint.

Henner: Denn im gleichen Jahr erscheinen ja noch zwei weitere, die zusammen dann die

Henner: oft sogenannte PC-Trinität bilden, die PC Trinity.

Henner: Tandy bringt den TRS-80 und Commodore den PET oder PET.

Henner: Und auch für diese beiden anderen Computer, die im Jahr 77 erscheinen,

Henner: kommen bald Diskettenlaufwerke raus.

Henner: Tandy im Juli 78, da bringen sie ein Sugart-basiertes Laufwerk für ihren TRS-80.

Henner: Und im Jahr darauf, also 79, zieht dann auch Commodore nach mit einem Laufwerk für den PET.

Henner: Die sind beide nicht so toll wie das Disc 2 von Apple. Das Tandy-Laufwerk ist

Henner: viel, viel langsamer und unzuverlässiger als das Apple-Modell.

Henner: Und das Commodore-Laufwerk ist auch langsamer, vor allem aber viel teurer als das Apple-Laufwerk.

Henner: Die sind also keine Meisterwerke, anders als das Disc 2, aber populär.

Henner: Trotzdem so populär, dass es für viele Jahre Lieferschwierigkeiten gibt.

Henner: Die haben alle sehr schwache Verfügbarkeit, auch das Apple-Laufwerk.

Henner: Jeder, der so einen Rechner im Büro einsetzen will, braucht so ein Diskettenlaufwerk

Henner: und Apple kommt mit der Lieferung kaum hinterher.

Henner: Trotzdem, das etabliert sich sehr schnell zum Standard, diese Mini-Floppy.

Henner: Später liefert Commodore tatsächlich noch ein 8-Zoll-Laufwerk für ihre Pad-Rechner,

Henner: aber ich weiß nicht, ob das irgendjemand gekauft hat, denn zu der Zeit ist einfach

Henner: das 5,25-Zoll-Format der neue Industriestandard.

Henner: Das sieht man dann auch sehr deutlich an den Zahlen. Im Jahr 1977 werden 44.000

Henner: von diesen 5,25 Zoll Laufwerken der verschiedenen Hersteller verkauft.

Henner: Das klingt noch nicht so berauschend, aber im nächsten Jahr,

Henner: 78, sind es dann dreimal so viele.

Henner: Und im Jahr 79 ist eine halbe Million erreicht und im Jahr 1980 sind es über 2 Millionen Laufwerke.

Henner: Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Der richtig große Erfolg steht

Henner: der Diskette noch bevor und das hat sie ihrem Erfinder zu verdanken.

Henner: Nicht dem Erfinder der 5,25 Zoll Diskette, sondern dem ursprünglichen Disketten-Erfinder IBM.

Henner: Der macht die kleine Diskette erst richtig groß.

Chris: Und damit sind wir jetzt endlich beim IBM PC. Der kommt ja 1981 auf den Markt.

Chris: Das ist das Modell 5150. Das ist vom Erfolg von Apple II inspiriert.

Chris: Dieser Rechner hat noch keine Festplatte.

Chris: Die kommt dann erst mit dem PC XT 1983.

Chris: Stattdessen lädt dieser IBM-PC sein Betriebssystem und alle Programme und Dateien

Chris: von Diskette und zwar von einer Diskette im Shugart-Format und damit unterwirft

Chris: sich IBM im Endeffekt dem Markttrend, weil das ist ja nicht ihr eigener Standard.

Chris: Das ist ja von der Firma Shugart. Dieser erste IBM-PC, der bietet zwar auch

Chris: einen Anschluss für ein Kassettenlaufwerk, aber IBM selbst bietet gar kein passendes Gerät an.

Chris: Das lohnt sich sowieso nicht, weil die meisten Kunden ordern schon diesen ersten

Chris: PC direkt mit dem 5,25 Zoll des Kettenlaufwerk und auch wieder der dazugehörigen Controller-Karte.

Chris: PC Magazine berichtet in der Ausgabe 482 über die laufende PC-Produktion bei

Chris: IBM und sagt bei der Gelegenheit, jedes einzelne Exemplar des IBM-PCs verlasse

Chris: die Fabrik mit einem integrierten Floppy-Laufwerk. Also so weit ist es da schon.

Chris: Denn ist ja klar, im Vergleich mit der Kassette ist die Diskette einfach auch wesentlich schneller.

Chris: Bei Microsofts Programmiersprache BASIC, die ja mit dabei ist bei den IBM-PCs,

Chris: da ist ja ein Beispielprogramm dabei.

Chris: Lass uns den Namen gemeinsam sagen. Es ist Donkey Bus.

Chris: Und wenn man das von Kassette lädt, dann würde das 23 Sekunden dauern.

Chris: Bei der Diskette braucht es drei Sekunden.

Chris: Also kein Wunder, dass der Nachfolger dann der PC-XT von 1983 auf diesen Kassettenanschluss

Chris: auch gleich verzichtet. Da ist es dann nur noch die Diskette.

Chris: Der IBM PC ist ein riesiger Erfolg.

Chris: Schon im ersten vollständigen Jahr, also dem Jahr 82, verkauft IBM mehr als

Chris: 200.000 Stück davon. Das ist mehr, als sie geplant hatten.

Chris: Und das ist ein weiterer Triumph für die Diskette, denn wir haben es schon gehört,

Chris: in praktisch jedem davon steckt ein Diskettenlaufwerk.

Chris: Noch ist die Kassette die billigere Variante, die im unteren Preissegment realisiert.

Chris: Aber auch das wird sich bald ändern. Die Diskette wird in Nullkommanichts von

Chris: einem Luxuszubehör, das hier am Anfang war, sind teuer, zum neuen Standard praktisch

Chris: über alle Preisregionen.

Chris: Für Ataris 8-Bit-Computer von 79, den Atari 800, da ist das Floppy-Laufwerk

Chris: dann schon zur Markteinführung verfügbar.

Chris: Also zumindest theoretisch, weil Atari hat auch immense Lieferschwierigkeiten am Anfang.

Chris: Aber in den frühen 80er Jahren, das lebt ja eine Weile dieser 800er-Plattform,

Chris: wird die Diskette dann auch da der dominante Datenträger, also vor Kassette, vor Steckmodul.

Chris: Mit ein bisschen Abstand geschieht das gleiche dann auch nochmal beim C64.

Chris: Auch da am Anfang Kassette, teilweise Module, am Ende nur noch Diskette, Diskette, Diskette.

Henner: So habe ich den C64 in den 80er Jahren auch kennengelernt bei meinem Nachbarn

Henner: Claudius. Der hatte gar kein Kassettenlaufwerk.

Henner: Ich kannte ein Dutzend Leute mit dem C64, aber keiner von denen hat noch eine Kassette verwendet.

Henner: Das war überall das Diskettenlaufwerk und eine passende Diskettenbox. Das war der Standard.

Henner: Also dank dieser Heimcomputer C64 und Co. erobert die Diskette nun also nach

Henner: den Büros, wo sie ja sich etabliert haben, Dank des Apple II und des IBM PCs

Henner: nun auch die Haushalte, die Wohnzimmer, die Schlafzimmer.

Henner: Aber hier sind die Diskettenlaufwerke meistens noch etwas günstiger und schwächer und langsamer.

Henner: Wir haben es schon gehört, die Laufwerke von Atari und Commodore sind etwas

Henner: unzuverlässig und ziemlich langsam verglichen mit dem, was IBM und Apple anbieten.

Henner: Aber da gibt es Abhilfe. Es gibt ja eine große Gemeinde von Hobby-Nutzern und

Henner: Hobby-Programmierern und die finden bald Lösungen. Denn bald kommen Schnellladeprogramme

Henner: auf, vor allem für den C64.

Henner: Sowas gibt es schon für Kassettenlaufwerke und das setzt sich jetzt fort bei

Henner: den Diskettenlaufwerken.

Henner: Zu den ersten Schnellladeprogrammen dieser Art gehört Hypraload.

Henner: Das wurde 1984 von Boris Schneider veröffentlicht in der Zeitschrift 64er.

Henner: Das ist ja ein Spielejournalismus-Veteran.

Henner: Und diese Software von ihm, die arbeitet genauso wie andere Programme,

Henner: die es von anderen Anbietern gibt, Vielen Dank.

Henner: Mit verschiedensten Tricks, um die Leserate zu erhöhen, da wird dann zum Beispiel

Henner: auf ein Timing-Signal, das verzichtbar ist, einfach verzichtet.

Henner: Das heißt, der Computer und das Laufwerk, die synchronisieren sich auf andere

Henner: Weise und dafür ist die zugehörige Leitung für dieses Timing-Signal dann frei

Henner: und kann für die Datenübertragung genutzt werden.

Henner: Und schon werden einfach mehr Daten pro Sekunde übertragen.

Henner: Und das reduziert die Ladezeiten. Später werden solche Schnellladeroutinen dann

Henner: auch direkt in die Spiele oder in die Anwendungen integriert,

Henner: sodass man nicht noch ein spezielles zusätzliches Programm laden muss und im Idealfall schaffen,

Henner: dass solche Software-Schnellladeprogramme die Übertragungsrate beim Lesen ungefähr

Henner: zu verfünffachen und das ist erheblich.

Henner: Es gibt auch Hardware-Schnelllader, das ist natürlich auch Software,

Henner: aber die steckt auf Steckmodulen, deswegen heißen die so und die erreichen sogar

Henner: noch höhere Übertragungsraten als diese Softwarelösungen.

Henner: Also das ist eine sehr populäre Lösung, um diese langsamen, diese notorisch

Henner: langsamen C64-Diskettenlaufwerke etwas auf Trab zu bringen.

Henner: Es gibt andere Tricks, die die Kapazität erhöhen, denn die Diskette hat zwar

Henner: mehr Kapazität als die alte Datasette, aber nie genug.

Henner: Und so gibt es Tricks und Methoden, um die Kapazität zu steigern.

Henner: Mit dem richtigen Laufwerk kann man eine Diskette zum Beispiel überformatieren.

Henner: Das heißt, man kauft eine günstigere, kleinere Double-Density-Diskette,

Henner: DD, und formatiert sie mit der richtigen Software und dem richtigen Laufwerk

Henner: einfach zu einer High-Density-Floppy.

Henner: Und schon ist die Kapazität verdoppelt. Das spart natürlich Geld,

Henner: so bringt man mehr Daten auf einer Diskette unter.

Henner: Das kann aber auch dazu führen, dass es fehlerhafte Sektoren und schleichenden

Henner: Datenverlust gibt, aber das haben wir alle damals gern in Kauf genommen,

Henner: wenn wir dadurch mehr Spiele auf einer Diskette unterbringen konnten.

Chris: Zumal solche Disketten ja gerade am Anfang auch gar nicht günstig waren.

Chris: Das Laufwerk ja schon teuer genug, aber dann so ein Zehnerpack Disketten ist

Chris: durchaus auch nochmal ins Geld gegangen.

Henner: Das stimmt und das Laufwerk war zuweilen so teuer wie der ganze zugehörige Rechner,

Henner: das darf man nicht unterschätzen, ja.

Henner: Aber es war unverzichtbar, der Komfortgewinn gegenüber dem Kassettenlaufwerk

Henner: ist einfach immens. Es gibt noch weitere Tricks, um die Kapazität einer Diskette

Henner: weiter zu erhöhen, zum Beispiel indem man die zweite Seite benutzt hat.

Henner: Es gab ja nach wie vor einseitige Disketten, die konnte man dann nicht umdrehen,

Henner: um einfach die zweite Seite auch noch zu bespielen,

Henner: aber es gab Tricks, um das eben doch zu tun, um die andere Seite,

Henner: die Rückseite der Diskette auch noch für Daten zu nutzen.

Henner: Denn die Hersteller, die haben einfach aus Effizienzgründen meistens beide Seiten

Henner: dieser Magnetscheibe mit dieser magnetisierbaren Schicht versehen.

Henner: Also beide Seiten oben und unten waren identisch. Theoretisch konnte man also beide Seiten nutzen.

Henner: Man konnte die Diskette also durchaus theoretisch umdrehen und die zweite Seite

Henner: verwenden, auch bei einer nominell einseitigen Diskette.

Henner: Aber da gab es ein Problem, denn diese 5,25 Zoll Disketten sind nur dann beschreibbar,

Henner: wenn das Laufwerk an einer ganz bestimmten Position am Rand,

Henner: also in diesem Plastikumschlag, eine kleine Aussparung erkennt mit einer Lichtschranke.

Henner: Und nur wenn diese Aussparung da ist, dann kann diese Diskettenseite beschrieben werden.

Henner: Wenn man die Diskette aber umdreht, dann sitzt diese Aussparung jetzt an der

Henner: falschen Seite. Das Laufwerk findet also nicht mehr diese Aussparung an der

Henner: richtigen Stelle und weigert sich, die Diskette zu beschreiben.

Henner: Aber da gibt es eine mechanische Lösung und das erzählt uns jemand anders,

Henner: der vielleicht dem einen oder anderen bekannte Gründungschefredakteur der GameStar,

Henner: der heute beim Spiele-Veteranen-Podcast zu hören ist und außerdem verantwortlich

Henner: für den deutschen Retro-Gamer Jörg Langer, erzählt uns etwas von dieser Lösung.

Einspieler: Die Floppy Disc hieß ja deswegen Wackeldisc, weil sie eine sehr dünne,

Einspieler: magnetisch beschichtete Scheibe war in einer ebenso relativ dünnen Plastikverpackung.

Einspieler: Wenn man die in der Hand hatte, konnte man sie auch als Fächer benutzen.

Einspieler: Und da sie so labbrig war, auf Schwäbisch gesagt, konnte man sie mit einem Kniff,

Einspieler: die ich jetzt enthüllen werde für alle Spätgeborenen, in der Kapazität verdoppeln.

Einspieler: Das war natürlich den Herstellern von professionellen, doppelseitigen und besonders

Einspieler: teuren Disketten, so Scotch und Maxwell und wie sie alle hießen,

Einspieler: war das ein Dorn im Auge, die versuchten einem einzureden, das wäre ja ganz

Einspieler: gefährlich von der Datensicherheit her, aber man musste tatsächlich nur an der Stelle,

Einspieler: wo eine Lichtschranke in den Laufwerken geguckt hat, ob da eine Kerbe ist,

Einspieler: ob da die Lichtschranke quasi schließt,

Einspieler: musste man ein Loch reinmachen, das war es auch schon.

Einspieler: Da gab es spezielle Diskettenstanzer dafür.

Einspieler: Ich habe das natürlich mit einer Nagelschere gemacht, einfach an der richtigen

Einspieler: Stelle großzügig reingeschnitten und später habe ich mich noch etwas professionalisiert.

Einspieler: Da habe ich einfach den Locher genommen, einen üblichen Locher zum Lochen von

Einspieler: Seiten, hat man einfach dran gehalten an die richtige Stelle.

Einspieler: Gut, wenn man die richtige Stelle nicht ganz getroffen hat auf Anhieb,

Einspieler: sah dann die eine Seite der Diskette so ein bisschen aus wie ein Käse,

Einspieler: wo eine Maus nicht genau wusste, wo sie abbeißen soll, aber hat trotzdem funktioniert.

Einspieler: Solange man halt nicht die Magnetscheibe erwischt hat mit dem Locher,

Einspieler: dann war es, glaube ich, aus.

Einspieler: Aber in all den Jahren und den vielen hundert Disketten, die ich hatte,

Einspieler: natürlich nur für Sicherheitskopien,

Einspieler: habe ich, glaube ich, ein- oder zweimal es erlebt, dass es nicht geklappt hätte,

Einspieler: aus einer einseitigen Floppy, die entsprechend günstiger war,

Einspieler: eine zweiseitige zu machen.

Henner: Ja, die Schreibschutzöffnung muss also nur an der richtigen Stelle ins Plastik

Henner: geschnitten oder gestanzt werden mit so einem Diskettenlocher oder mit einer Nagelschere.

Henner: Es ist abenteuerlich, es ist wilder Westen damals.

Chris: Das ist wirklich wilder Westen und ich bin ein bisschen traurig,

Chris: dass das an mir vorbeigegangen ist, weil ich hatte ja nie einen 8-Bit-Computer,

Chris: wir hatten nur PCs zu Hause und auf dem PC, da ging das nicht.

Chris: Also ich habe jetzt gesehen, dass es offensichtlich auch einseitige Disketten

Chris: für PCs gab, aber zumindest bei uns waren die nie Standard.

Chris: Ich hatte immer Double-Density-Disketten, also schon doppelseitige und habe

Chris: deswegen immer die C64-Freunde beneidet, die einfach ihre Kapazität verdoppeln

Chris: konnten, indem sie da ein Loch reingestanzt haben.

Chris: Und ich hätte das so gerne auch gemacht bei meinen Disketten.

Chris: Unwissend, dass die andere Seite da schon in Benutzung war.

Henner: Ich würde es heute gerne mit meiner SSD machen, aber auch das funktioniert nicht.

Chris: Ja, naja, du kannst mal ein Loch reinmachen und schauen, was passiert.

Chris: Naja, also diese Mini-Floppy, die 45 Zoll-Diskette, ist trotz des Namens ja

Chris: immer noch ein einigermaßen ausladender Datenträger, wenn man sie jetzt mit

Chris: Kassetten vergleicht oder mit Steckmodulen und ist damit auch zu groß.

Chris: Und vor allen Dingen braucht sie auch ein großes Laufwerk.

Chris: Dieses Laufwerk ist zu groß, als dass es in einen kompakten Heimcomputer integriert werden könnte.

Chris: Und die Tatsache, dass diese Disketten biegsam sind und dass diese Öffnung da

Chris: ist, wo der Lesekopf drauf zugreifen kann, das macht sie außerdem relativ anfällig,

Chris: diese 45 Zoll Disketten.

Chris: Nun macht diese ganze Technologie der Disketten trotzdem weiterhin Fortschritte,

Chris: insbesondere bei der Datendichte.

Chris: Also es ist möglich, die Bits immer enger aneinander zu packen und damit ist

Chris: natürlich eine weitere Militarisierungsstufe denkbar. Und so ergießt sich dann

Chris: in den frühen 80er Jahren auch eine richtige Flut von kleineren Formaten über den Markt.

Chris: Die kriegen jetzt den Namen Mikrofloppy.

Chris: Nach Mini kommt Mikro.

Chris: IBM zum Beispiel versucht sich an einem 4 Zoll Format, das nennen sie die Demi-Diskette,

Chris: weil sie halb so groß ist wie das 8 Zoll Format. Andere Hersteller gehen noch weiter.

Chris: Die schrumpfen ihre Medien auf 3 Zoll, 2,5, sogar 2 Zoll Disketten gibt es.

Chris: Die sind selbstverständlich alle zueinander inkompatibel.

Chris: Und es lässt sich kein klarer Favorit ausmachen, der jetzt den Markt dominieren würde.

Chris: Woher kommt denn dann das 3,5 Zoll Format, auf das wir jetzt natürlich zusteuern,

Chris: das dann die Miniaturisierungsstufe ist, die sich durchsetzen wird?

Henner: Also wie es genau zu 3,5 und nicht 3,0 oder 3,8 Zoll kommt, das weiß ich auch nicht.

Henner: Aber dieses Format geht zurück auf Sony.

Henner: Die etablieren nämlich 1981 ihr eigenes Mikrofloppy-Format. Es gibt noch nicht

Henner: genug davon auf dem Markt.

Henner: Mit eben 3,5 Zoll. Und die sehen das zunächst vor für ihre eigenen Textverarbeitungssysteme.

Henner: Da sind sie wieder. Später aber auch für ihre eigenen Computer.

Henner: Und diese 3,5 Zoll Disketten von Sony, das ist noch nicht das finale Design, das wir heute kennen.

Henner: Aber die haben schon die richtige Größe und sie sind nicht nur sehr kompakt,

Henner: sondern sie sind auch starr. Sie lassen sich nicht mehr biegen.

Henner: Die sind also keine richtigen Floppys mehr, heißen aber trotzdem weiterhin so.

Henner: Und die bringen noch eine weitere Innovation mit, denn sie verbergen jetzt endlich

Henner: diese empfindliche Öffnung für den

Henner: Lese- und Schreibkopf, der in dem alten Diskettenumschlag noch drin war.

Henner: Die verbergen diese Öffnung unter einem Verschluss, einem metallenen Verschluss,

Henner: einer Blende, die diese empfindliche Magnetschicht schützt.

Henner: Sehr clever und dieses Format erhält auch einiges an Zuspruch von anderen Herstellern.

Henner: Das wird unter anderem von HP unterstützt, also von einer großen Macht auf dem Computermarkt.

Henner: Aber das ist trotzdem noch kein Industriestandard, das ist nach wie vor eine

Henner: Insellösung, wie so viele andere auch.

Henner: Und dieser Wildwuchs an verschiedensten Mikrofloppy-Formaten von 2 bis 4 Zoll

Henner: und allerhand dazwischen, der ist natürlich schädlich für das Geschäft.

Henner: Sowohl der Laufwerkshersteller als auch der Medienhersteller,

Henner: die sich nicht auf ein Standardformat einigen und konzentrieren können.

Henner: Und so verbünden sich zwei von diesen Herstellern im Jahr 1982,

Henner: um diesem Wildwuchs ein Ende zu bereiten.

Henner: Im Frühjahr 82 verbündet sich Sugart, die Firma, nicht der Mensch,

Henner: mit dem Diskettenhersteller Dyson,

Henner: der hat schon die ersten 5,25 Zoll Disketten damals für Sugart produziert und

Henner: die bilden jetzt gemeinsam ein Komitee,

Henner: ein Industriekonsortium, um einen gemeinsamen Mikrofloppy-Standard zu etablieren

Henner: und dieses Konsortium, das heißt Microfloppy Industry Committee, M-I-C.

Henner: Die bleiben nicht alleine, bald schließen sich ihrem Komitee über 20 weitere

Henner: Hersteller an, darunter auch Apple, Atari, Philips und Memorex,

Henner: IBM nicht, aber die müssen sich später trotzdem erneut beugen.

Henner: Und im Januar 83 einigt sich dieses Konsortium jetzt auf einen gemeinsamen Standard

Henner: und der basiert auf dem Sony-Entwurf, auf dem 3,5 Zoll Format,

Henner: das Sony eingeführt hat.

Henner: Aber die übernehmen das nicht eins zu eins, sondern sie verbessern dieses Format noch.

Henner: Da sitzt ein Team bei Sugart, das genau daran arbeitet.

Henner: Das ist ein Projekt mit dem Codenamen Venture, also Wagnis.

Henner: Und das arbeitet nun daran, diesen Sony-Standard weiter zu verbessern.

Henner: Die wechseln zunächst mal zum etablierten Interface, zu dem eigenen Sugart-Interface,

Henner: das schon das 5,25 Zoll-Laufwerk verwendet hat. Das ist ja ein industrieweit

Henner: etablierter Standard. Das ist die erste Änderung.

Henner: Und dann sorgen sie dafür, dass dieses neue Diskettenformat noch ein bisschen

Henner: robuster wird und ein bisschen mobiler. Ich habe mit einem der Entwickler aus

Henner: diesem Shugart-Team sprechen können, Thuan Nguyen.

Henner: Der hat damals bei Shugart in diesem Venture-Projekt gearbeitet und der war

Henner: zuständig für die Laufwerksmechanik.

Henner: Und der sagte mir, die entscheidenden Faktoren für die Weiterentwicklung waren

Henner: geringe Größe und Schutz des Mediums. Und wie sie das erreichen,

Henner: dazu kommen wir gleich noch.

Henner: Das ist wirklich ein tolles Werk, ein kleines Meisterwerk, diese 3,5 Zoll Diskette,

Henner: die da auf den Markt kommt.

Henner: Und das passiert noch im gleichen Jahr 1983, da kommen nämlich die ersten 3,5

Henner: Zoll Laufwerke nach diesem neuen Mikrofloppy Standard auf den Markt,

Henner: also das verbesserte Sony Format.

Henner: Und der Name Floppy, wir sagten es schon, der bleibt erhalten,

Henner: auch wenn diese neuen Datenträger gar nicht mehr Floppy sind,

Henner: gar nicht mehr wabbelig, gar nicht mehr biegsam, sondern sehr starr.

Henner: Und ich las auch, dass in Südafrika diese 3,5 Zoll Diskette deswegen Stiffy

Henner: Disk genannt wird oder zumindest zeitweise genannt wurde, also Steife Disk.

Henner: Das passt auch viel besser, hat sich aber nicht durchgesetzt,

Henner: es blieb bei der Floppy. Und auch diese komische angloamerikanische Zollangabe,

Henner: die wir auch die ganze Zeit verwenden, die blieb üblich.

Henner: Also auch dort, wo man eigentlich das metrische System einsetzt,

Henner: das viel sinnvoller ist, es bleibt bei der Zollangabe, aber nicht überall.

Henner: Ich fand ein paar Microsoft-Software-Verpackungen aus dieser Zeit und aus den

Henner: 90er Jahren, da verwenden sie tatsächlich das metrische System,

Henner: um die 3,5 Zoll Diskette zu beschreiben.

Henner: Das steht auf der 3,5 Zoll Disketten-Version von Windows 95 nämlich 8,89.

Henner: Und das ist die Zentimeterumrechnung von 3,5 Zoll. Ja, hat sich auch nicht durchgesetzt.

Chris: Das ist auch nicht besser. Nicht wirklich. Du hast schon gesagt,

Chris: diese 3,5 Zoll Diskette ist jetzt

Chris: ein kleines Meisterwerk, wenn es um die Ausreifung der Diskette geht.

Chris: Ich will vorher nochmal ganz kurz zurückkommen auf diese Standardisierung der

Chris: 3,5 Zoll Diskette, die du eben schon beschrieben hast.

Chris: Du hast ja gesagt, das Sugar Interface kommt da zum Einsatz und das ist wichtig,

Chris: dass wir uns auch nochmal vor Augen rufen, dass der Datenträger nicht alleine

Chris: steht, sondern dass da ein Laufwerk dazugehört und zu dem Laufwerk auch eine Kontrolllogik.

Chris: Ein Controller und eben auch ein Interface.

Chris: Also eine Schnittstelle, denn irgendwie muss der Computer ja mit dem Laufwerk

Chris: kommunizieren können und dazu gehört dann auch ein entsprechendes Kabel.

Chris: Und ich glaube, jeder von uns kennt diese Flachbandkabel, die in den PCs drin

Chris: sind und die Komponenten miteinander verbinden.

Chris: Und dann gab es ja eine Zeit, insbesondere bei den PCs, wo es üblich war,

Chris: dass man zwei Diskettenlaufwerke drinstecken hat, nämlich ein 5,25 Zoll Laufwerk.

Chris: Das war dann in der Regel das Laufwerk B und ein 3,5 Zoll Laufwerk,

Chris: das war in der Regel das Laufwerk A.

Chris: Und die beiden Laufwerke hängen intern am gleichen Kabel.

Chris: Das ist so ein Flachbandkabel, an dem zwei Stecker dran sind.

Chris: Einer am Ende und einer ein bisschen weiter vorher.

Chris: Das geht deswegen, weil das Interface für diese beiden Laufwerke das gleiche ist.

Chris: Aber woher weiß denn der Computer dann eigentlich, welches von diesen beiden

Chris: Laufwerken A ist und welches B?

Chris: Also wie kann er über das gleiche Kabel diese zwei unterschiedlichen Laufwerke ansteuern?

Chris: Und da gibt es einen richtig cleveren Hack, der im Kabel selbst steckt.

Chris: Da ist nämlich ein Twist drin im wahrsten Sinne. des Wortes.

Chris: Zwischen diesem ersten und dem zweiten Stecker sind ein paar der Datenleitungen verdreht.

Chris: Das sieht so aus, als sei das ein Produktionsfehler, als hätte da irgendjemand

Chris: die Dinge falsch eingelötet. Das ist aber Absicht.

Chris: Dadurch ändert sich die PIN-Belegung bei den Steckern und dadurch können diese

Chris: beiden Laufwerke auseinandergehalten und individuell angesteuert werden.

Chris: Aber kommen wir zurück zu der 3,5 Zoll Diskette.

Chris: Auch hier bezieht sich das Format wieder auf die Außenmaße, aber im Gegensatz

Chris: zu ihrer Vorgängerin ist dieses Gehäuse jetzt nicht mehr quadratisch,

Chris: sondern das ist etwas rechteckig und das hat auch einen ganz pragmatischen Grund.

Chris: Das verhindert nämlich, dass man es falsch rum einschieben kann.

Chris: Diese 5,25 Zoll Diskette kannst du ja theoretisch auf vier verschiedene Arten

Chris: und Weisen in das Laufwerk einschieben, aber die Tatsache, dass sie rechteckig ist, führt dazu,

Chris: dass du sie nicht quer reinschieben kannst in das Laufwerk.

Chris: Und damit man sie jetzt auch nicht mit der Unterseite voran oder kopfüber einlegen

Chris: kann, hat die auch nochmal eine angeschrägte Ecke oben rechts und das Laufwerk

Chris: enthält dann an der gleichen Stelle einen Mechanismus, der die Diskette blockiert,

Chris: wenn man versucht sie falsch reinzulegen.

Chris: Also von den theoretisch möglichen acht Orientierungen ist nur eine tatsächlich

Chris: möglich. Und das ist einfach gutes Design.

Chris: Hat ja auch nur zwölf Jahre gedauert, bis die Diskette so weit war.

Chris: Und umdrehen muss man diese Disc sowieso nicht mehr, denn für eine doppelseitige

Chris: Nutzung braucht dieses Laufwerk jetzt zwangsläufig zwei Lese- und Schreibköpfe.

Henner: Sehr, sehr cleveres System. Ich habe einen ganz neuen Blick auf die 3,5 Zoll

Henner: Diskette gewonnen. Das ist wirklich ein kleines Meisterwerk.

Henner: Das Team hatte ja auch das große Ziel Fehlervermeidung und Schutz des Mediums

Henner: und das haben sie auch hiermit erreicht.

Henner: Nicht nur durch dieses idiotensichere Design, dass man die Diskette richtig

Henner: rum reinschieben kann, sondern auch durch die Zugriffsöffnung.

Henner: Bei der 5,25 Zoll Diskette gab es ja noch immer, wie beim Original 8 Zoll Modell,

Henner: dieses kleine Fenster im Umschlag.

Henner: Diese Öffnung, durch die der Laser- und Schreibkopf auf die Magnetoberfläche

Henner: zugreifen konnte. Aber das ist natürlich eine Schwachstelle.

Henner: Da hat bestimmt manch einer mit dem Daumen drauf gebatscht und so möglicherweise die Daten beschädigt.

Henner: Das hat Sony ja schon verhindert mit einer metallenen Abdeckblende.

Henner: Aber bei Sony musste man die vor dem Einlegen der Diskette noch manuell beiseite

Henner: schieben und nach dem Rausziehen der Diskette wieder manuell schließen,

Henner: was sicherlich der ein oder andere vergessen hat.

Henner: Und schon war der Vorteil dahin. Die Magnetoberfläche war wieder entblößt.

Henner: In diesem neuen 3,5 Zoll Format, das jetzt standardisiert wurde,

Henner: geschieht das automatisch.

Henner: Wenn man die Diskette reinlegt, dann wird diese metallene Abdeckblende automatisch

Henner: elektrisch gesteuert beiseite geschoben und beim Rausnehmen durch eine Feder

Henner: in der Diskette rein mechanisch selbsttätig wieder verschlossen. Schutz-

Henner: Fehlervermeidung, das waren ja die Ziele und die wurden auch erreicht, nicht nur damit.

Henner: Denn zusätzlich besitzen die neuen Laufwerke jetzt einen mechanischen Auswurfmechanismus,

Henner: der verhindert, dass die Diskette im laufenden Betrieb rausgezogen werden kann,

Henner: während der Lese- und Schreibkopf noch auf der Magnetoberfläche arbeitet.

Henner: Ja, das kann der Diskette nicht gut tun.

Henner: Sowas ist aber bei einigen Mini-Floppy-Laufwerken wie dem von IBM durchaus möglich.

Henner: Bei Commodore nicht. Die C64-Laufwerke haben einen mechanischen Verriegelungshebel.

Henner: Und wenn man den öffnet, um die Diskette zu entfernen, dann wird auch der Lesekopf

Henner: in Sicherheit gebracht.

Henner: Aber das ist jetzt nicht mehr nötig, denn der Auswurfmechanismus kümmert sich

Henner: um alles, auch ohne Stromzufuhr.

Henner: Rein mechanisch sorgt dafür das Unmounting der Diskette, also das Abheben des

Henner: Lesekopfes und dann die Ausgabe der Diskette.

Henner: Dadurch ändert sich auch der auditive Charakter des Laufwerks.

Henner: Zum Auffrischen der Erinnerungen hören wir jetzt mal im Vergleich das Einliege-

Henner: und Rausnehmgeräusch einer 5,25 Zoll-Diskette in ein 1541er Laufwerk für den

Henner: C64 samt Verriegelungshebel und danach denselben Vorgang beim Amiga 500 mit

Henner: der Einrastmechanik und dem Auswurfknopf.

Sound: 1.

Sound: 3. 4. 5. 6. 7.

Henner: Ah, wohlige Erinnerungen, auch wenn das beim Atari ST natürlich viel besser klang.

Henner: Vereinfacht ist auch das Schreibschutzmanagement der Diskette.

Henner: Fehlervermeidung, wir erinnern uns, ist ja die Maxime. Wie beim Vorgänger entscheidet

Henner: auch bei der Mikrofloppy so eine kleine Aussparung in der Ecke darüber,

Henner: ob die Diskette beschreibbar ist oder nicht. Wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen.

Henner: Aussparung offen bedeutet hier Schreibschutz aktiv. Schievaussparung,

Henner: geschlossen heißt, die Diskette kann beschrieben werden.

Henner: Hier lässt sich aber dieser Schreibschutz mit einem winzigen integrierten Schieber

Henner: einfach ein- und ausschalten.

Henner: Toll, das habe ich auch regelmäßig gemacht. Wenn ich meine wertvolle Pirates-Spielstand-Diskette

Henner: rausgenommen habe, dann habe ich immer den Schreibschutz aktiviert. Warum auch immer?

Henner: Könnte ja, keine Ahnung, eine übernatürliche Macht meine Spielstände löschen.

Henner: Das heißt aber, man braucht jetzt kein Klebeband mehr. Es sei denn,

Henner: man will eine vorbespielte Diskette überspielen.

Henner: Also ein Spiel, das man gekauft, aber auf das man keine Lust mehr hat.

Henner: Denn bei solchen Disketten fehlt dieser Schieber in der Regel,

Henner: um die Öffnung zu schließen.

Henner: Das muss man dann doch wieder mit Klebeband machen.

Chris: Ein wirklich schönes Ding, diese 3,5 Zoll Diskette und natürlich tritt die dann

Chris: auch den verdienten Siegeszug an.

Chris: Als sie im Jahr 1983 auf den Markt kommt, da ist das erstmal wieder eine einseitig

Chris: beschriebene Diskette mit 360

Chris: Kilobyte Speicherkapazität, aber auch das entwickelt sich schnell weiter.

Chris: Also 84 haben wir dann die ersten Modelle, die doppelseitig beschrieben sind.

Chris: 720 Kilobyte Speicherplatz.

Chris: 86 kommen in Japan zunächst mal Disketten mit höherer Datendichte auf den Markt.

Chris: Das sind dann die HD-Disketten für High Density.

Chris: Da bringt man dann schon 1,44 Megabyte drauf, wenn sie für den EBM-PC formatiert sind.

Chris: Und das bleibt auch die Kapazität, die bis zum Ende dieser 3,5 Zoll Disketten-Ära

Chris: am meisten verbreitet ist. Es gibt dann noch weitere Varianten,

Chris: zum Beispiel die sogenannten ED-Disketten.

Chris: Das E steht hier für Extended aus dem Jahr 87.

Chris: Die haben dann nochmal doppelte Kapazität, also rund 2,8 Megabyte.

Chris: Aber das setzt sich dann nicht mehr durch. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen

Chris: Computern und ihren jeweiligen Diskettenmodellen, die ergeben sich durch die

Chris: Art, wie die formatiert sind, die Disketten, welches Dateisystem verwendet wird.

Chris: Weil die Sektorierung und die Dateizuordnungsstrukturen, die brauchen mal mehr,

Chris: mal weniger Speicherplatz.

Chris: Die ersten Macintosh-Rechner zum Beispiel von 1984, die haben ein 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk.

Chris: Das sind einseitige SD-Disketten, die sind aber anders formatiert,

Chris: sodass da 400 KB statt den 360 draufpassen.

Chris: Oder die ersten Amigas, die benutzen doppelseitige SD-Disketten,

Chris: die haben in ihrer Formatierung aber 880 KB statt 720.

Chris: Da gibt es je nach System, je nach Anbieter weitere Unterschiede,

Chris: was halt dann auch dazu führt, dass die untereinander inkompatibel sind.

Chris: In seltenen Fällen gelingt es den Entwicklern dann sogar auf ein und demselben

Chris: Datenträger mehrere Dateiformate für unterschiedliche Systeme unterzubringen.

Chris: Das ist was, das gab es bei 45 Zoll Disketten auch.

Chris: Da war es sogar relativ einfach, denn der eine Vorteil, den die 45 Zoll-Diskette

Chris: noch hat, ist, die kannst du ja umdrehen.

Chris: Und da gab es dann Disketten, da war zum Beispiel auf der einen Seite das Programm

Chris: für den C64 drauf und auf der anderen Seite das gleiche Programm für den Apple II.

Chris: Bei den 3,5 Zoll-Disketten geht das nicht mehr mit dem Umdrehen.

Chris: Da muss man dann also schon Formatierungstricks anwenden.

Chris: Das funktioniert auch. Also es gab Programme, da war auf einer 3,5 Zoll-Diskette

Chris: sowohl die Amiga als auch die ST-Version von einem Spiel drauf.

Chris: Zum Beispiel Star Glider 2, das war so eines.

Chris: Oder Carrier Command, da gab es eine Version, da war auf der gleichen 3,5-Zoll-Diskette

Chris: das Spiel für den Amiga und für den PC drauf.

Chris: Da bekommt dann halt einfach jedes von diesen beiden Systemen seine eigenen

Chris: Sektoren auf dieser Diskette.

Chris: Es gibt sogar ein Spiel, 3D-Pool, so ein Billiardspiel, das hat alle drei Computerwelten

Chris: auf der gleichen Tri-Format-Diskette drauf.

Chris: Also Amiga-SD und PC-Version auf einer Diskette. Das ist schon Chapeau,

Chris: da kann man schon mal sich verneigen davor.

Chris: Aber trotz dieser oberflächlichen Unterschiede in der Datendichte und in der

Chris: Formatierung ist diese 3,5 Zoll-Diskette erstmal ein global einheitlicher Standard

Chris: und diese Standardisierung verhilft ja auch zu ihrem großen Erfolg.

Henner: Genau. Die Byte schreibt, also die US-Zeitschrift schreibt im September 83,

Henner: dieses neue 3,5 Zoll Format, das sei der führende Anwärter auf den Titel eines Industriestandards.

Henner: Und damit hat dieser Autor recht, aber der ist jetzt nicht so ganz unparteiisch,

Henner: der ist nämlich Marketingmanager bei Sugart.

Henner: Aber es ändert nichts daran, dass er recht hat und das sieht aber nicht jeder so damals.

Henner: Al Sugart, der ja nicht mehr bei seiner eigenen Firma ist, zu der Zeit...

Henner: Der hat 83 in einem Interview gesagt, die neue Mikro-Floppy werde niemals die Mini-Floppy ersetzen,

Henner: weil ja die gesamte Software auf dem Markt, die sei ja schon auf dem Mini-Floppy-Format

Henner: und umzusteigen jetzt auf ein neues System wäre viel zu aufwendig und das würde

Henner: der Markt nicht mitmachen.

Henner: Gut, da hat er nicht recht behalten.

Henner: Auch andere haben nicht recht, denn Hitachi zum Beispiel, die bewerben noch

Henner: 1984 sehr optimistisch ihr eigenes 3 Zoll Format und sagen in einer Anzeige,

Henner: es sei klar, dass die 3 Zoll Floppy der neue Standard wird. Und daraus ist auch nichts geworden.

Henner: Die haben sich hier und da durchgesetzt, die 3-Zoll-Disketten.

Henner: Für eine Weile hatten sie Erfolge bei Amstrad, hierzulande Schneider zum Beispiel.

Henner: Aber die anderen sind alle umgeschwenkt auf das neue standardisierte 3,5-Zoll-Format.

Henner: Sony selbst auch.

Henner: Apple, die wollten ihren Macintosh, der 84 rauskommt, ursprünglich mit einer

Henner: Eigenentwicklung versehen.

Henner: Dem Fireware-Laufwerk natürlich was Proprietäres, was zu sonst nichts kompatibel

Henner: ist. Aber die sind dann doch umgeschwenkt.

Henner: Steve Jobs ließ sich davon überzeugen, doch diesen Industriestandard anzunehmen von 3,5 Zoll.

Henner: Und das haben sie dann auch gemacht. Das war auch gut so.

Chris: Allerdings hat Steve Jobs ja die Bedingungen dann dran geknüpft,

Chris: dass die Diskette über das Betriebssystem ausgeworfen werden muss.

Chris: Weil das ist wieder eine von diesen Kuriositäten von diesen Apple-Produkten.

Chris: Der Macintosh hat zwar dieses 3,5 Zoll-Laufwerk, da ist aber kein Auswurfknopf dran.

Chris: Wenn du die Diskette da rausbekommen möchtest, musst du das über die Benutzeroberfläche des macOS machen.

Chris: Und wenn die Diskette mal klemmt, dann gibt es da, das kennt man ja auch wieder

Chris: von späteren Laufwerken, als so ein kleines Löchlein, wo du mit einer Büroklammer

Chris: reinpriemeln musst. Und dann kriegst du sie zur Not halt doch noch raus.

Henner: Stimmt, genau.

Henner: Im gleichen Jahr, also 1984, erscheinen auch weitere 3,5 Zoll Laufwerke für

Henner: weitere Computer, für die MSX-Heimcomputer, die vor allem in Japan populär sind,

Henner: wird dann auch auf diesen 8 Zoll Computern bald zum Standard,

Henner: zumindest in den meisten Ländern.

Henner: 85 gibt es nochmal einen großen Schub für dieses neue kleine Format.

Henner: Da setzen ja die neuen 16-Bit-Computer der Atari ST und der Commodore Amiga

Henner: ebenfalls auf das neue Format.

Henner: Die kommen also gar nicht mehr mit einer Option für 5,25 Zoll auf den Markt,

Henner: sondern die setzen von Anfang an auf das neue Microfloppy-Format.

Henner: Und 86 muss dann auch IBM sich geschlagen geben.

Henner: Die mögen das nicht, Industriestandards von anderen zu übernehmen.

Henner: Die wollen selber welche etablieren, aber das gelingt ihnen halt nicht immer.

Henner: Und so müssen sie auch hier nachziehen und mit dem PC Convertible,

Henner: das ist so ein tragbarer Computer, steigen sie dann auch um auf das neue 3,5

Henner: Zoll Format und ab 87 dann auch bei den Desktop Rechnern mit der PS2 Reihe.

Henner: Nguyen, der Mensch, mit dem ich sprechen konnte aus diesem Sugar-Entwickler-Team,

Henner: der sagte auch, als Apple und IBM das Format etabliert hatten,

Henner: verschwanden alle Alternativen vom Markt, die kleineren Formate und die größeren mit höherer Kapazität.

Henner: Denn es gab noch einige Versuche, die 5,25 Zoll-Diskette wieder zum Sieg zu

Henner: führen mit höheren Kapazitäten.

Henner: Das ist ja der eine Vorteil, den sie hat. Sie ist größer, also kann man auch

Henner: mehr Daten drauf unterbringen.

Henner: Aber das hat nicht gereicht. Die Mikrofloppy mit den 1,44 Megabyte,

Henner: mal mehr, mal weniger, hat sich durchgesetzt.

Henner: Und das sieht man wieder an den Verkaufszahlen.

Henner: 1983 werden 400.000 von diesen Laufwerken verkauft. Klingt schon beeindruckend,

Henner: ist aber noch gar kein Vergleich zum Vorgänger, denn im gleichen Jahr werden

Henner: über 10 Millionen 5,25 Zoll und 8 Zoll Diskettenlaufwerke verkauft.

Henner: Da führt also die Mini-Floppy noch deutlich, aber ab Mitte der 80er Jahre,

Henner: durch die verschiedenen Computer, die wir aufgezählt haben und später auch durch

Henner: IBM, gelingt dann dem 3,5 Zoll Format der Siegeszug.

Henner: Da gibt es zeitweise sogar eine Verdopplung der jährlichen Verkaufszahlen.

Henner: Im Jahr 85 sind es 3 Millionen Exemplare, dann sind es 6 Millionen,

Henner: dann 12 Millionen und es geht so weiter.

Henner: 1988 überholt die Mikro-Floppy das Mini-Floppy-Format und in den 90ern werden

Henner: später über 100 Millionen Exemplare erreicht.

Henner: Wohlgemerkt, wir reden von den Laufwerken, noch nicht von den Disketten.

Henner: Da sind die Zahlen noch sehr, sehr viel höher.

Henner: Damit einher geht natürlich auch ein riesiges Wachstum auf dem Softwaremarkt.

Henner: Denn dafür ist die Diskette schließlich da, für den Vertrieb von Software.

Chris: Ja, das bedingt sich alles gegenseitig bei diesem großen Erfolg.

Chris: Der Computer wird ein Massenprodukt und die Diskette wird gleichzeitig zu dem

Chris: Datenträger, der diesen Erfolg begleitet und teilweise auch erst möglich macht.

Chris: Denn die Diskette macht den Umgang mit dieser neuen Geräteklasse einfacher und

Chris: komfortabler, als es zum Beispiel die Kassettenlaufwerke vorher waren.

Chris: Da musste man ja ständig vor- und zurückspulen oder auch die Wiedergabelautstärke

Chris: fein justieren und natürlich ewig warten. Das braucht also einige Frustrationstoleranz.

Chris: Das ist bei der Diskette nun passé und damit fördert sie die PC-Revolution,

Chris: also trägt zur massenhaften Verbreitung von Mikrocomputern bei in Büros und in Haushalten.

Chris: Und gleichzeitig gelingt es ihr, die daraus erwachsende Nachfrage nach Software

Chris: zu stillen, weil vorbei sind jetzt die Zeiten, in denen Heimcomputernutzer ihre

Chris: eigenen Programme schreiben mussten, wie es ja in den 70ern noch der Standard war.

Chris: Dank der Diskette explodiert nun das kommerzielle Angebot.

Chris: Die Software kann auf etwas geliefert werden.

Henner: Ja, denn die Diskette ist nicht nur schön praktisch für uns als Nutzerinnen

Henner: und Nutzer, sondern auch für die Entwickler.

Henner: Mithilfe der Diskette können sich jetzt ganz neue Formen von Anwendungen durchsetzen,

Henner: weil ja erst jetzt mit der Diskette durch

Henner: diesen wahlfreien Zugriff das Dokumentenmanagement viel einfacher ist.

Henner: Das Dateimanagement, einzelne Dateien zu speichern, zu bearbeiten,

Henner: zu kopieren, weiterzugeben, das ist mit der Diskette viel, viel einfacher als mit der Kassette.

Henner: Und das erlaubt einfach einen längerfristigen, produktiveren Einsatz des Computers,

Henner: wenn ich also über Tage, über Monate hinweg an denselben Dateien arbeite und

Henner: sie jeden Tag verändert neu abspeichern kann.

Henner: Außerdem werden ja, wir haben es schon beschrieben, dadurch ganz neue Formen

Henner: von Anwendungen möglich, wie eben Tabellenkalkulationen oder Datenbanken,

Henner: die mit einer Kassette auch nicht machbar wären.

Henner: Wir sind ja immer noch in der Zeit, in der die meisten Computer-PCs,

Henner: aber vor allem auch Heimcomputer noch ohne Festplatte auskommen müssen.

Henner: Und da ist die Diskette die einzige Lösung, die sowas möglich macht.

Henner: Und auch der Vertrieb wird leichter.

Henner: Das freut die Entwickler und die Softwarehäuser vor allem natürlich.

Henner: Die Diskette bietet einfach mehr Platz als die meisten anderen Datenträger.

Henner: Auch für größere Programmsammlungen.

Henner: Das sieht man an den allerersten Disketten-Spielen, die so verkauft werden.

Henner: Das sind meistens Sammlungen mehrerer Programme.

Henner: Sie ist außerdem natürlich sehr günstig in großen Massen zu produzieren,

Henner: auch durch diese Standardisierung.

Henner: Sie ist vor allem viel günstiger als Steckmodule. Die gibt es ja nicht nur bei

Henner: den Konsolen, sondern auch bei den frühen Heimcomputern.

Henner: Da kann man ja noch Module reinstecken, aber da sind Chips drin,

Henner: da ist ein großes, klobiges Gehäuse drumherum. Also die sind in der Produktion

Henner: und im Transport erheblich teurer als so eine einfache Diskette.

Henner: Und die Diskette ist verglichen mit der Kassette, die ähnlich günstig ist,

Henner: viel robuster, schneller und weniger störanfällig.

Henner: Und dann gibt es noch einen Software-Vertriebsweg, der damals noch üblich ist,

Henner: der jetzt aber auch durch die Diskette nach und nach obsolet wird.

Henner: Da gibt es ja noch diese Code-Listings, also Programme als gedruckter Code in

Henner: Zeitschriften und auch in Büchern, die man abschreiben muss,

Henner: um die Software zu erhalten.

Henner: Das ist nicht sehr bequem und darauf kann man jetzt verzichten,

Henner: indem man einfach so eine schlanke Diskette einem Magazin beilegt zum Beispiel.

Henner: Und das wird auch bald gemacht.

Henner: 1983 wird Microsofts Word eröffnet.

Henner: Erste Microsoft-Textverarbeitung als Demo-Version, als Diskettenbeilage der PC World beigelegt.

Henner: Das ist die Cover-Mount-Diskette. Die wird ja später zum Standard und später

Henner: dann ja abgelöst durch die Heft-CD.

Henner: Das fängt also schon im Jahr 1983 an. Das wäre mit einer Kassette auch nicht

Henner: so ohne weiteres möglich gewesen und mit einem Modul erst recht nicht.

Chris: Also neue Vertriebsformen werden möglich, zum Beispiel auch die Shareware-Szene.

Chris: Die blüht in den frühen 80er-Jahren auf.

Chris: Vor allen Dingen auch deswegen, weil sich die Programme auf Diskette per Post

Chris: einfach verschicken lassen, muss man also nicht zwangsläufig in den Laden stellen.

Chris: Später kommen dann auch Magazine, die sich auf die beiliegende Diskette konzentrieren.

Chris: Da ist dann also die Diskette das hauptsächliche.

Chris: Das Heft wird dann schon eher zur Nebensache oder manche lassen das Heft auch ganz weg.

Chris: Es gibt dann 89 zum Beispiel die erste Ausgabe von Softdisk.

Chris: Das ist ein Apple II Magazin, das auf einer Diskette geliefert wird.

Chris: Es gab für den PC auch so ein Magazin, ein bisschen später, ab 86 erschien monatlich Big Blue Disc.

Chris: Entgegen dem Namen ist das nicht blau, also selbst das Label der Disketten ist weiß.

Chris: Und da liegt auch bald nicht nur eine 45 Zoll Diskette drin, sondern gleich zwei.

Chris: Dieses Diskettenmagazin, das gibt es bis 1991 und da zeigt sich dann auch bald

Chris: ein Problem, das sich durch diese zwei Standards ergibt, 45 Zoll und dreieinhalb

Chris: Disketten, die ja nebeneinander existieren. Nämlich die Frage,

Chris: soll man da nicht 3,5 Zoll Disketten reintun?

Chris: Am Anfang sind das, wie gesagt, 5,5 Zoll Disketten.

Chris: Das sind ja eigentlich konkurrierende Formate. Oder haben PC-Besitzer wirklich beide Laufwerke?

Chris: Am Anfang wird das gelöst, indem dann halt ein Coupon mit drin liegt,

Chris: wo man das andere Format bestellen kann.

Chris: Also wenn du eine 3,5 Zoll Disketten haben möchtest, schick uns den Coupon ein,

Chris: dann schicken wir dir das per Post.

Chris: Aber das ist natürlich ein Problem, das viele Anbieter in dieser Zeit haben,

Chris: auch viele Spielehersteller, zu denen wir dann noch kommen werden.

Chris: Und deswegen sind wir da in den späten 80ern, frühen 90ern in einer Ära,

Chris: wo es nicht unüblich ist, dass in so einer Spielepackung beide Formate drin liegen.

Chris: Also die Spiele von Sierra zum Beispiel, die haben ab Werk 45 Zoll Disketten

Chris: und 3,5 Zoll Disketten drin. Was bedeutet, du bekommst im Endeffekt das Spiel

Chris: zweimal und kannst dann auch ein Set weitergeben, was wir auch oft getan haben damals.

Chris: Ich habe die 45 Zoll Disketten behalten und dem Kumpel die 3,5 Zoll Disketten

Chris: gegeben, also eine Art legale Raubkopie sozusagen.

Henner: Ah, clever.

Chris: Aber Raubkopie ist auch das Stichwort, die Diskette hat nicht nur ihre Lichtseiten,

Chris: sondern auch Schattenseiten.

Henner: Ja, denn Disketten lassen sich ja sehr leicht und unauffällig beschreiben und kopieren.

Henner: Und das hat eine Kehrseite, denn

Henner: auf diese Weise kommt das Phänomen der Schadsoftware auf, also der Viren.

Henner: Das erste Computervirus, das nennenswert verbreitet wird, ist ein Apple-2-Virus,

Henner: der Elk-Kloner, 1982 als Gag von einem Schüler entwickelt.

Henner: Der richtet jetzt nicht viel Schaden an, der gibt nur ab und zu mal so eine

Henner: Spaßbotschaft auf dem Bildschirm aus. Aber trotzdem, das ist der Anfang einer

Henner: großen Schwämme von Viren, die dann zum Teil auch erheblich größeren Schaden anrichten.

Henner: Und dieses Programm, der Elk-Kloner, der bleibt halt im Arbeitsspeicher,

Henner: wenn er einmal geladen ist, resistent.

Henner: Und von dort aus infiziert er unbemerkt vom User weitere Disketten, die eingelegt werden.

Henner: Das passiert einfach unsichtbar, ohne dass der Nutzer das merkt oder dafür was tun müsste.

Henner: Das geht mit einem Magnetband nicht. Eine Kassette müsste man ja erstmal manuell

Henner: an die richtige Stelle spulen, damit das Virus sich da einnisten kann.

Henner: Das ist hier bei der Diskette nicht mehr nötig. Das heißt, ja,

Henner: auf diese Weise beginnt auch das Virus leider einen Siegeszug.

Henner: Aber nicht nur die Viren, sondern auch das Phänomen, du sagtest,

Henner: ist ja gerade der Schwarzkopien auch als Raubkopien bekannt.

Henner: Das ist natürlich nicht ganz neu, das gab es bei den Kassetten auch schon,

Henner: aber bei der Kassette, da gab es natürliche Limits.

Henner: Man konnte eine Kassette einfach nicht nach Belieben immer und immer wieder

Henner: kopieren, denn das Signal einer Kassette, das ist ja analog und jede einzelne

Henner: Kopie einer Kassette geht einher mit einem Qualitätsverlust.

Henner: Also das Tonsignal ist einfach nicht mehr so gut wie beim Original.

Henner: Und wenn ich eine Kopie nochmal kopiere und die noch einmal,

Henner: dann ist irgendwann das Signal nicht mehr klar genug und dann kann das nicht mehr gelesen werden.

Henner: Das heißt, jetzt ist das Ende erreicht. Man kann diese Kopie nicht mehr weitergeben.

Henner: Und diese natürliche Grenze, die wird durch die Diskette komplett aufgehoben,

Henner: denn die ist digital, da gibt es nur Nullen und Einsen und die lassen sich beliebig

Henner: oft vervielfältigen, ohne dass dabei die Qualität leidet.

Henner: Und das eröffnet den Raubkopierern jetzt ganz neue Möglichkeiten.

Henner: Es gibt einen Bericht der Zeitschrift Soft Talk, die schreibt schon im Oktober

Henner: 1980 über dieses Problem.

Henner: Mit dem Boom der PC-Industrie schreibt sie einhergehe, eine Habgier vieler Benutzer,

Henner: die die Gesundheit der Branche bedroht.

Henner: Es sei eine neue Form der Piraterie, aber die Beute besteht nicht mehr aus Diamanten

Henner: und Dublonen, sondern aus Plastik in Form von Disketten.

Chris: Sehr poetisch.

Henner: Ja, und sie hat ja auch recht, das Problem wird nicht so schnell behoben.

Henner: Das setzt sich in den 80ern fort und da gibt es ja einige Diskettenboxen bei

Henner: manchen C64-User, die nur bevölkert

Henner: sind mit Schwarzkopien und da ist kein einziges Originalspiel drin.

Henner: Die Hersteller versuchen dem entgegenzuwirken mit verschiedenen Maßnahmen.

Henner: Es gibt da Aufklärungskampagnen, zum Beispiel aus den 90er Jahren,

Henner: diese US-amerikanische Herstellervereinigung,

Henner: die das mit einem leicht fremdschämigen Song versucht.

Henner: Den hat der ein oder andere vielleicht schon mal gehört. Der heißt Don't Copy

Henner: That Floppy. Hören wir mal kurz rein.

Sound: Okay, when you buy a disc, you're saying to the team, we respect what you do

Sound: and what you're working for.

Sound: We'll keep up our support so you can make us some more. We'll do the right thing

Sound: and the future will be clear.

Sound: There will be new programs year after year. Don't copy. Don't copy that floppy.

Henner: Ja, das wird niemanden abgehalten haben davon, diese Diskette zu kopieren.

Henner: Etwas wirksamer sind da schon Kopierschutzverfahren, aber die werden auch schnell ausgehebelt.

Henner: Das sind dann zum Beispiel nicht standardgemäße Sektoren auf der Diskette,

Henner: die von einem normalen Leseralgorithmus nicht erkannt werden und ein normales

Henner: Kopierprogramm scheitert daran,

Henner: diese Diskette richtig auszulesen, kann sie also auch nicht richtig schreiben.

Henner: Und so läuft der Kopiervorgang ins Leere.

Henner: Aber auch das wird sehr schnell ausgehebelt. Es gibt dann neue Kopierprogramme

Henner: wie Locksmith auf dem Apple II oder Turbo Nibbler auf dem C64.

Henner: Die umgehen diesen Schutz. Die lesen die Disketten nicht mehr mit den Standardbefehlen

Henner: Sektor für Sektor aus, sondern einfach Bit für Bit.

Henner: Und dann wird auch der Kopierschutz mit übertragen. Es gibt natürlich viele,

Henner: viele weitere Methoden, um das Kopieren zu verhindern oder zumindest zu erschweren.

Henner: Aber naja, am Ende gewinnen immer die Cracker.

Henner: Und so kommt es dann auch, dass ich zeitweise Leerdisketten wahrscheinlich,

Henner: auch wenn ich keine Zahlen habe, um das zu belegen, deutlich besser verkaufen

Henner: als vorbespielte Disketten, weil sie einfach für die Raubkopien verwendet werden.

Henner: Und das hat noch eine ganz interessante Folge, das erzählt mir ein weiterer Veteran,

Henner: Heinrich Lenhardt, ein Branchen-Urgestein, der schon bei so ziemlich allen Magazinen

Henner: war und heute Vivjörg beim Spiele-Veteranen-Podcast, der erzählt etwas über Disketten-Labels.

Einspieler: Ach, die Diskette, ein geradezu magischer Datenträger mit einer gewissen Sinnlichkeit.

Einspieler: Und da denkt man natürlich vor allen Dingen an die 5,25 Zoll Disketten für den

Einspieler: C64 und Co., diese labbrigen Dinger.

Einspieler: Aber hier ist ein Detail, dass diese Disketten alle irgendwie gemeinsam haben,

Einspieler: wenn auch in unterschiedlicher Größe die Bedeutung.

Einspieler: Des Aufklebers. Ich habe noch im Kopf, es gab mal eine Leserumfrage im 64er

Einspieler: Magazin und da ging es um die Kriterien beim Leerdiskettenkauf,

Einspieler: denn man erinnert sich vielleicht, die ein oder andere Sicherheitskopie natürlich

Einspieler: neben den zahlreichen Hausaufgaben, die man gespeichert hat.

Einspieler: Also man hatte doch als Spieler einen gewissen Diskettenbedarf und das waren

Einspieler: gar nicht wenige Firmen, die haben auch Anzeigen geschaltet und so.

Einspieler: Deswegen sind dann über die Anzeigenabteilung, also die Gesamtergebnisse der

Einspieler: Umfrage weitergegeben worden.

Einspieler: Und was manchen Vertreter der Industrie damals völlig überrascht hat,

Einspieler: war anscheinend, dass der Aufkleber mit Abstand das wichtigste Bonus-Feature war.

Einspieler: Und zwar im Sinne von, wie viele sind denn dabei?

Einspieler: Das war ja alles wieder beschreibbar und man hat vielleicht mal was ausprobiert.

Einspieler: Und dann, neue Disketten waren nicht billig, kamen neue Ware drauf sozusagen.

Einspieler: Also wurden jene Diskettenmarken bevorzugt, wo ein paar zusätzliche Aufkleber dabei waren.

Einspieler: Also falls jemand den Erinnerungen hat, dass bei manchen Disketten im Laufe

Einspieler: der späten 80er Jahre auf einmal mehr Aufkleber mit in der Packung waren,

Einspieler: dann könnte das auch daran gelegen haben, dass der 64er da mal eine Umfrage

Einspieler: zu dem Thema gemacht hat.

Einspieler: So, ich übergebe jetzt wieder an die Sendezentrale.

Henner: Ja, das wusste ich auch noch nicht, dass die Leute in den 80er-Jahren ihre Disketten

Henner: danach gekauft haben, wie viele Labels beiliegen.

Chris: Das fand ich auch faszinierend. Damit Raubkopien attraktiv werden,

Chris: muss es natürlich erst mal Software geben, die attraktiv genug ist,

Chris: dass man sie kopieren möchte. Und das sind oft genug Spieler.

Chris: Die Diskette ist natürlich auch das Medium, auf dem dann über kurz oder lang

Chris: die meisten Spieler ausgeliefert werden. Es ist nicht ganz klar,

Chris: wann das erste Spiel auf Diskette in den Handel gegangen ist.

Chris: Wahrscheinlich rund um das Jahr 1979.

Chris: Da erscheint die Brosage benannte Adventure Disc A für den Apple II und den TRS-80.

Chris: Auf dem IBM PC, der ja 1981 rauskommt, ist die Diskette von Anfang an der Datenträger

Chris: der Wahl, also auch für Spiele.

Chris: Schon am ersten Tag gibt es von Microsoft selbst das Microsoft Adventure auf

Chris: Diskette und natürlich Donkey Bus, das ist ja bei Microsoft Basic mit dabei.

Chris: Die Diskette ist auch deswegen für Spiele relevant, weil sie durch das Nachladen

Chris: Spielinhalte erlaubt, die größer sein können als der Arbeitsspeicher des Computers.

Chris: Und damit können sie auch komplexer sein.

Chris: Also zum Beispiel Rollen- und Strategiespiele statt nur Arcade-Umsetzungen.

Chris: Es gibt solche Spiele schon auf Kassette, wo Levels nach Bedarf nachgeladen werden.

Chris: Sogenannte Multi-Load-Titel, Defender of the Crown zum Beispiel für den C64,

Chris: das kommt auf zwei doppelseitigen Kassetten. Aber das ist halt ein mühsamer Prozess.

Chris: Wenn diese Levels nicht in der festen Reihenfolge gespielt werden,

Chris: dann müssen die Spielenden regelmäßig das Band wechseln und zu einer bestimmten

Chris: Stelle spulen und von da laden.

Chris: Deswegen erscheinen viele der umfangreicheren, der komplexeren Spiele,

Chris: zum Beispiel die frühen Ultima-Spiele, ausschließlich auf Diskette und gar nicht erst auf Kassette.

Henner: Wobei bestimmt Raubkopien auf Kassette existierten, aber naja.

Henner: Von diesem größeren Speicherplatz und von dieser Möglichkeit,

Henner: jederzeit Daten nachzuladen, profitiert dann teilweise auch die Grafik eines

Henner: Spiels oder die audiovisuelle Qualität.

Henner: The Hobbit zum Beispiel, dieses Adventure von 83, das erscheint für den C64

Henner: anfangs auf Kassette mit ziemlich

Henner: schlichter Grafik, selbst für diese 8-Bit-Plattform und ohne Musik.

Henner: Aber 1985 kommt dann noch eine Neuauflage, ein HD-Remaster, würde man heute

Henner: dazu sagen, auf Diskette.

Henner: Und da ist die Grafik jetzt viel schöner und es gibt Musik dabei.

Henner: Und das wird alles möglich durch die größere Kapazität der Diskette.

Henner: Also ein Spiel auf Diskette ist in vielen Fällen besser als ein Spiel auf Kassette.

Henner: Sie können auch deswegen umfangreicher, komplexer werden, weil die Diskette

Henner: ja den Umgang mit Speicherständen erleichtert.

Henner: Wir haben es schon vorhin beschrieben, im Bürokontext dieses Dokumentenmanagement,

Henner: das Management von einzelnen Dateien, das hilft ja auch beim Spielen,

Henner: denn so kann ich ein Spiel abspeichern mit einem selbstbenannten Speicherspielstand

Henner: auf einer eigenen Spielstanddiskette und am nächsten Tag fortsetzen.

Henner: Das heißt, auf die Weise sind viel komplexere, viel abendfüllendere,

Henner: längere Spiele möglich.

Henner: Nicht nur einfache Arcade-Umsetzungen, die ich fünf Minuten lang spiele und

Henner: dann fange ich von vorne an, sondern komplexe Strategiespiele oder Rollenspiele,

Henner: die ich über Wochen, über Monate hinweg weiterspiele und dabei mit mehreren

Henner: Spielständen hantiere.

Henner: Ich hatte früher auch eigene Disketten, die nur für Spielspeicherstände bestimmter

Henner: Spiele reserviert waren.

Henner: Eine Pirates-Speicherdiskette, eine

Henner: SimCity-Städte-Speicherdiskette und so weiter. Hattest du sicher auch?

Chris: Ja, natürlich.

Henner: Also wir haben sie nicht nur für Raubkopien benutzt, die Disketten.

Henner: Wir haben auch was Sinnvolles gemacht, was Legales.

Henner: Und man konnte natürlich auf der Diskette auch eigene Kreationen hinterlegen,

Henner: eine eigene SimCity-Stadt, klar,

Henner: aber auch eigene Konfigurationsdateien, angepasste DOS-Startdisketten zum Beispiel

Henner: oder selbst erstellte Maps oder Cheat-Programme, was auch immer ich Freunden

Henner: weitergeben wollte oder Viren,

Henner: das konnte ich auf Disketten sehr einfach machen.

Henner: Das ging auf der Kassette nicht im gleichen Maße.

Henner: Wir haben gerade sehr viele Vorteile der Diskette aufgezählt.

Henner: Also so verhalf die Diskette schließlich dem Computer, insbesondere anfangs

Henner: dem Heimcomputer, als Spieleplattform zum Durchbruch.

Henner: Und der Heimcomputer hat zumindest

Henner: in Europa den Rückstand gegenüber den Konsolen so langsam aufgeholt.

Henner: Die hatten ja ihre Module und dadurch sehr, sehr kurze Ladezeiten.

Henner: Das Handling war sehr viel einfacher als bei der Kassette. Aber mit der Diskette

Henner: haben die Heimcomputer einiges an Boden gut gemacht.

Henner: Und so haben dann auch die Computer in den späten 80er Jahren ihre Modulschächte verloren.

Henner: Wir haben es ja beschrieben, die frühen 8-Bit-Computer wie der C64 oder der

Henner: Atari 800, die hatten noch eigene Modulsteckplätze. Die Nachfolgesysteme der

Henner: Atari ST, der Amiga, die haben das nicht mehr.

Henner: Die setzen jetzt voll auf die 3,5 Zoll Diskette.

Henner: Das Konsolenlager wurde neidisch auf diese neue Technik und einige Konsolen

Henner: haben im Gegenzug eigene Diskettenlaufwerke bekommen.

Henner: Aber das waren Nischenanwendungen. Das Fermicom Disk System und das N64DD,

Henner: die kamen auch nur in Japan raus.

Henner: Sprechen wir vielleicht eines Tages mal drüber in einer Stay Forever Technik

Henner: Bits Folge, aber das ist eine Randnotiz der Geschichte geblieben.

Chris: Also in den späten 80ern bis in die frühen 90er hinein sind die Disketten das

Chris: Medium der Wahl auf den Heimcomputern, aber irgendwann erreichen die auch die

Chris: Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Chris: Das sieht man auch wieder sehr gut an Spielen, denn im Laufe der Jahre werden

Chris: die Spiele immer größer und damit schrumpft dann so langsam der Vorteil der

Chris: Diskette als ein schneller Datenträger.

Chris: Man muss zwar immer noch keine Kassette spulen, aber dafür beginnt es jetzt

Chris: mit dem Diskettenwechsel.

Chris: Und je größer das Spiel, desto mehr kann das ausarten.

Chris: Berühmterweise erscheint auf

Chris: dem Amiga ja zum Beispiel Monkey Island 2 im Jahr 1992 auf elf Disketten.

Chris: Oder Beneath the Steel Sky von 1994 auf 15.

Chris: Bing 1995 in der erweiterten AGA-Version für den Amiga 1200 sogar auf 19 Disketten.

Henner: Wahnsinn.

Chris: Und je nachdem, wie gut das dazugehörige Programm programmiert ist,

Chris: muss man mehr oder weniger oft die Diskette wechseln.

Chris: Teilweise bei einem Grafikadventure zum Beispiel beim Wechsel zwischen einem Schauplatz.

Chris: Und das kann natürlich ausarten. Aber die Tatsache, dass die Spiele sich jetzt

Chris: dann auf so viele Disketten erstrecken, ist jetzt nicht nur für die Nutzer anstrengend.

Chris: Das ist auch für die Hersteller von den Spielen nicht ideal.

Chris: Denn natürlich sind mehr Disketten ein relevanter Kostenfaktor.

Chris: Und das nicht nur, weil jede Diskette bezahlt werden muss. Die muss ja auch bespielt werden.

Chris: Also die Vervielfältigungskosten steigen, der Aufwand steigt.

Chris: Und viele Disketten erhöhen auch das Gewicht der Packung.

Chris: Wer mal eine Box mit zehn oder mehr Disketten in der Hand hatte,

Chris: der weiß, dass das gut was ausmacht.

Chris: Damit steigen die Transportkosten. Die Packungen müssen das auch aufnehmen können.

Chris: Die frühen C64-Spiele, die erscheinen ja in so kleinen Plastik-Cases.

Chris: Oder Electronic Arts hat berühmterweise seine frühen Spiele in so hübschen Plattencover-Packungen

Chris: rausgebracht. Da passt so eine dünne 5,25 Zoll floppy auch easy rein.

Chris: Aber schon zwei oder drei davon beginnen das dann auszubeulen.

Chris: Und erst recht die 3,5 Zoll Disketten, da ist das irgendwann dann nicht mehr zumutbar.

Chris: Da stehen dann die sogenannten Big Boxes. Also so eine richtig ordentliche Schachtel,

Chris: die Platz hat nicht nur für ein hochwertiges Handbuch und eventuell Beigaben,

Chris: sondern halt vor allem auch für mehrere Disketten.

Chris: Also der Formfaktor der Packung passt sich da auch der Tatsache an,

Chris: dass da halt einfach immer mehr reinpassen muss.

Chris: Aber gerade bei den Computern, die ab Werk noch keine Festplatte haben,

Chris: also wie der C64 oder der Amiga 500, heißt mehr Disketten halt auch mehr Wechselarbeit

Chris: für die Person, die da vorsitzt.

Chris: Und manche Spiele machen aus der Not dann auch eine Tugend. Zum Beispiel gibt

Chris: es dann nette Aufforderungen zum Diskettenwechsel statt einer profanen Texteinblendung

Chris: mit einem hübsch gestalteten Bildschirm.

Chris: Zum Beispiel beim C64-Spiel G.I. Joe, da scheint dann so ein grimmiger Soldat

Chris: und der befiehlt dem Spieler, turn the disc over.

Chris: Oder Secret of Monkey Island, das macht er ja auch Witzchen dann drüber.

Chris: Da versucht man einen vermeintlichen Geheimraum zu betreten und dann kommt die

Chris: Einblendung, man solle Diskette 22 einlegen oder eine andere Zahl.

Chris: Ich glaube, das ist zufällig eine hohe, zufällige Zahl, die da angegeben wird.

Chris: Natürlich hat das Spiel nicht so viele Disketten.

Henner: Bei späteren Computern, insbesondere beim IBM-PC, wird dieses Problem mit dem

Henner: ständigen Diskettenwechsel ja auch gelöst.

Henner: Dadurch, dass man halt von Festplatte spielt und nicht mehr von der Diskette.

Henner: Da wird das Spiel dann immer noch auf Diskette ausgeliefert,

Henner: aber dann ist die Diskette nur noch ein Installationsmedium und kein Spiele-Lademedium mehr.

Henner: Das heißt, man braucht die Diskette eigentlich nur ein einziges Mal,

Henner: um das Spiel eben zu installieren.

Henner: Das kann natürlich auch eine Weile dauern, auch mal ein paar Stunden,

Henner: bis das Spiel dann endlich auf der Festplatte gelandet ist. Aber zumindest hat

Henner: man danach nicht mehr diesen Stress.

Henner: Und die Zahl der Disketten, die ist bei den Spielen zumindest nicht so hoch

Henner: wie bei den Anwendungen.

Henner: Da gibt es noch extremere Auswüchse. Bing hast du gerade genannt mit 19 Disketten.

Henner: Aber die Anwendungen, die seriöse Software, die übertrifft das noch.

Henner: Windows 98, das gibt es optional auf 38 Disketten.

Chris: Kass.

Henner: Und Office 97 Professional, das scheint wohl so der traurige Höhepunkt zu sein.

Henner: Das gab es optional auf 55 Disketten.

Henner: Aber ich sage optional, denn im Handel gab es das nur auf CD, vernünftigerweise.

Henner: Aber es lag da bei Office 97 ein Coupon bei anfangs.

Henner: Mit dem man bei Microsoft gegen eine kleine Gebühr eine Diskettenversion bestellen konnte.

Henner: Da musste man diesen Coupon ausfüllen und im Original an Microsoft schicken nach Irland.

Henner: Eine Kopie des Coupons galt nicht. Microsoft mag keine Kopien, das ist immer noch so.

Henner: Und dann hat man innerhalb von einer Woche angeblich so einen Diskettenstapel bekommen.

Chris: Da ist dann der große Lieferwagen vorgefahren von Microsoft.

Chris: Und auf der Palette wurde dann Office 97 ausgeladen.

Henner: Genau. Und ich wollte das mal erleben, Christian. Also habe ich es ausprobiert,

Henner: ob es dieses Angebot vielleicht noch gibt bei Microsoft.

Henner: Ich habe so einen Coupon eingeschickt, eben original.

Henner: Aber nach einer Woche habe ich nichts von Microsoft gehört. Auch nicht nach zwei Wochen.

Henner: Und naja, muss ich fairerweise ergänzen. In der Anleitung, die dazu gehört,

Henner: auf diesem Coupon steht, dieses Angebot gelte nur, solange der Vorrat reicht.

Henner: Und wahrscheinlich ist der einfach erschöpft.

Henner: Aber es gibt ein Schlupfloch, Christian. Das steht nur in der deutschen Fassung

Henner: drauf, nicht in der englischen. Also habe ich auch ein englisches Office 97 besorgt.

Henner: Da steht es nicht. Und das auch noch mal eingeschickt. Ich dachte mir,

Henner: vielleicht haben die einfach in Irland mehr von den englischen Disketten lagern

Henner: als von den deutschen. Vielleicht ist das nicht begrenzt.

Henner: Aber da kommt wieder nichts. Und dann habe ich das getan, was für so ein Fall

Henner: vorgesehen war. Das steht da nämlich auch explizit drauf.

Henner: Ich habe einen Fax an Microsoft geschickt und nachgefragt.

Henner: Aber das gab leider nur eine Fehlermeldung.

Henner: Das Zielgerät war nicht mehr erreichbar. Wahrscheinlich ist das also vor ein

Henner: paar Jahren abgeschaltet worden, dieses Faxgerät.

Henner: Dann habe ich den Microsoft Support kontaktiert.

Henner: Der konnte mir erst mal nicht helfen, weil ich die Software ja nicht im Microsoft Store gekauft habe.

Henner: Aber irgendwann hat der Mitarbeiter begriffen, dass es den Microsoft Store im Jahr 97 noch nicht gab.

Henner: Das Ende vom Lied, er konnte mir auch nicht helfen. Also ich habe bis heute

Henner: keine Diskettenversion von Office 97 Professional erhalten. Vielleicht kommt sie ja noch.

Henner: Vielleicht kommt morgen überraschenderweise doch noch dieser Lieferwagen mit

Henner: den Disketten. Aber ich rechne nicht mehr damit.

Chris: Du musst den Intel Support einschalten.

Henner: Ja, die können das. Die sind auf Zack in der Hinsicht.

Chris: Ja, vielleicht haben die gute Drähte zu Microsoft.

Henner: Vielleicht. Ich fürchte aber, dieses Fulfillment Center in Irland,

Henner: das existiert einfach nicht mehr.

Chris: Ja, wie schade.

Henner: Ja, wirklich schade. Naja, die Ära der Diskette ist nun mal bei Microsoft irgendwann

Henner: mal beendet gewesen und das gilt auch für den Rest der Branche,

Henner: denn irgendwann mal ist der technische Fortschritt erlarmt,

Henner: Disketten sind nicht mehr kleiner geworden und die Kapazität ist nicht mehr

Henner: gestiegen und dann hat die Zeit irgendwann mal die Diskette überholt.

Henner: Wie kam es denn dazu? Warum haben wir heute keine Disketten mehr?

Chris: Tja, also erstmal ist zwar mit der 3,5 Zoll Diskette der technische Fortschritt erlarmt.

Chris: Die ist ja über die 1,44 Megabyte im Massenmarkt zumindest nicht rausgekommen.

Chris: Aber die Zahl der jährlich verkauften Diskettenlaufwerke steigt noch lange weiter.

Chris: Die klubigeren Vorgängerformate, die kamen zusammen nie über 20 Millionen Stück.

Chris: Aber das 3,5 Zoll des Kettenlaufwerk, das hat seinen Höhepunkt im Jahr 1998.

Chris: 120 Millionen Mal allein in diesem Jahr verkauft.

Henner: Irrsinn, ja.

Chris: Und das ist nur das Laufwerk. Die passenden Medien, die erreichen in den späten

Chris: 90er Jahren jährliche Stückzahlen von über 5 Milliarden Stück. Das ist der Höhepunkt.

Chris: Aber dann beginnt der Abstieg.

Henner: Ja, da passt dann auch Call of Duty drauf, auf diese 5 Milliarden Disketten.

Henner: Ja, kurz vor der Jahrtausendwende in den späten 90ern kommt die Diskette so

Henner: langsam mal aus der Mode.

Henner: Das liegt vor allem natürlich an dieser begrenzten Kapazität.

Henner: Du hast es ja gerade gesagt, über die 1,44 Megabyte ist sie nie wirklich hinausgekommen.

Henner: Und das wird immer hinderlicher, denn Programme werden viel größer,

Henner: die Dateien werden immer größer. Und der PC wird ja auch vom Arbeitsgerät,

Henner: das immer nur Word-Dateien abspeichern muss und sonst nichts,

Henner: zur Multimedia-Zentrale zu dieser Zeit.

Henner: Das heißt, da läuft auch digitale Musik drauf, da laufen Videos und dafür sind

Henner: Disketten nun wirklich viel zu klein.

Henner: Das heißt, man muss immer häufiger große Dateien aufteilen für den Transport auf mehrere Disketten.

Henner: Das haben wir auch damals häufiger gemacht, wenn wir eine frisch runtergeladene

Henner: MP3-Datei im Freundeskreis teilen wollten.

Henner: Für eine E-Mail waren die zu groß, dann haben wir sie halt aufgeteilt auf mehrere Disketten.

Henner: Wie man das nicht machen sollte, das erzählt mal unser Grafikkünstler Paul in

Henner: einer eigenen Anekdote.

Einspieler: Ich habe euch heute eine eher traumatische Disketten-Geschichte mitgebracht,

Einspieler: also jedenfalls für mich traumatisch.

Einspieler: Es geht um das Spiel Doom, das muss 1995 oder 96 gewesen sein,

Einspieler: ich war da in der dritten oder vierten Klasse.

Einspieler: Und mein Kumpel Sebastian hatte einen 386er zu Hause und auf dem hatte er Doom drauf.

Einspieler: Und das wollte ich unbedingt haben, ich fand das total toll.

Einspieler: Also habe ich von zu Hause einfach jede Menge Disketten mitgebracht und wollte

Einspieler: das Ding da drauf kopieren, das kann doch nicht so schwierig sein.

Einspieler: Und das klappte nicht, denn eine Datei war zu groß.

Einspieler: Ich glaube, das war die Doom.WAD, wenn ich mich jetzt nicht irre,

Einspieler: aber das ist gefährliches Halbwissen.

Einspieler: Aber ich habe das überhaupt nicht verstanden. Das Spiel kam doch auch auf einer Diskette zu ihm.

Einspieler: Also wieso konnte ich das jetzt da nicht drauf kopieren?

Einspieler: Und ich habe alles Mögliche probiert an mehreren Tagen, die ich dann danach noch bei ihm war.

Einspieler: Wir hatten auch immer nur kurze Zeitfenster, in denen wir an den PC durften.

Einspieler: Das war wie früher üblich, so ein Familien-PC, der irgendwo im Wohnzimmer an der Ecke stand.

Einspieler: Da durften wir jetzt nicht die ganze Zeit dran rumhocken. Und ich habe sogar

Einspieler: mit dem MS-DOS-Editor versucht, diese Datei in zwei Teile irgendwie aufzuteilen,

Einspieler: damit die auf die Diskette draufpasst, aber keine Chance, das hat nicht funktioniert.

Einspieler: Gut, ich war zu dem Zeitpunkt auch erst neun Jahre alt oder so und habe erst

Einspieler: Jahre später erfahren, was Komprimierungsverfahren und Co.

Einspieler: Sind und dass eine Datei natürlich auf Diskette viel kleiner sein kann,

Einspieler: als dann im entpackten Zustand auf der Festplatte.

Einspieler: Aber das habe ich dann später selber erfahren, als ich leidgeplagt vor der Installation

Einspieler: von Star Trek Judgment Right saß und gefühlt stundenlang Disketten wechseln musste.

Einspieler: Aber gut, das ist eine andere Geschichte.

Chris: Das hat mich daran erinnert, Pauls Anekdote, dass wir ja, wie du gerade sagtest,

Chris: damals große Dateien auf mehrere Disketten aufgeteilt haben und das Zauberwort

Chris: hieß PK-Zip und PK-Unzip.

Chris: Das waren mit die wichtigsten Tools im Diskettenmanagement damals,

Chris: weil die halt nicht nur Dateien komprimieren konnten, verkleinern konnten,

Chris: sondern vor allen Dingen auf mehrere Disketten verteilen.

Henner: Das war unverzichtbar für einige Jahre zumindest. Und die ganze Branche empfand

Henner: die Diskette noch als unverzichtbar für einige Jahre, obwohl sie technisch längst überholt war.

Henner: Noch in den späten 90er Jahren enthalten praktisch alle neuen PCs,

Henner: also ich spreche von den IBM-kompatiblen PCs, diese uralten Laufwerke.

Henner: Aber dann beginnt das so langsam zu bröckeln, die Dominanz der Diskette und

Henner: die Unverzichtbarkeit.

Henner: Damals hat Microsoft jährlich gemeinsam mit Intel so eine Hardware-Empfehlung

Henner: rausgegeben, den PC Hardware Design Guide.

Henner: Der wurde für einige Jahre jährlich aktualisiert, auch abgekürzt als PC 97 oder

Henner: PC 98 je nach Jahrgang. Und im Jahr 97 steht da schon drin, der Disketten-Controller,

Henner: der Floppy-Controller, der sei nur noch optional.

Henner: Man könne ein Disketten-Laufwerk einfach bei Bedarf per USB anschließen,

Henner: wenn man denn unbedingt eins bräuchte.

Henner: Aber die Branche folgt dem noch nicht so ganz, noch enthalten halt alle PCs so ein Laufwerk.

Henner: Wer da schon einen Schritt weiter ist, ist Apple. Denn der erste iMac,

Henner: der 1998 erscheint, der kommt ohne Legacy-Technik raus, ohne all diese uralten,

Henner: überkommenen Anschlüsse und Technologien der 80er Jahre,

Henner: ohne PS2-Anschlüsse oder serielle Ports oder Parallelports und eben auch ohne Diskettenlaufwerk.

Henner: Das ist schon sehr fortschrittlich. Das ist damals auch umstritten und es gibt

Henner: dann auch Bastellösungen, wie man ein Diskettenlaufwerk nachrüsten kann.

Henner: Aber das weist den Weg in die Zukunft.

Henner: Bei den IBM-PCs dauert das trotzdem noch so ein bisschen länger.

Henner: Erst in den frühen 2000er Jahren verzichten da nach und nach einige PCs auf

Henner: das Diskettenlaufwerk Dell zum Beispiel ab dem Jahr 2003.

Henner: Und im Jahr 2007, da gibt es eine Marktuntersuchung, enthalten nur noch 2% aller

Henner: neu verkauften PCs und Laptops ein Diskettenlaufwerk.

Henner: Das heißt, da ist es nun wirklich fast zu Ende und es gibt auch eine große US-Handelskette

Henner: PC World, die in diesem Jahr 2007 verkündet, die Laufwerke nicht mehr zu verkaufen,

Henner: sobald die Lagerbestände aufgebraucht sind.

Henner: Und in der Zwischenzeit ist auch die Zahl der verkauften Disketten stark geschrumpft.

Henner: Du hast den Höhepunkt ja genannt.

Henner: Fünf Milliarden Stück waren es mal Ende der 90er Jahre. Jetzt sind es nur noch

Henner: einige hundert Millionen, die jedes Jahr verkauft werden.

Henner: Aber worauf haben wir denn dann unsere Daten gespeichert, Christian?

Henner: Gab es denn da einen Nachfolger?

Henner: Floppy 2 oder sowas?

Chris: Es gab zumindest keine Daten. Ich kann dir sagen, worauf ich meine Daten nicht

Chris: gespeichert habe, nämlich auf den Produkten der Firma Iomega.

Chris: Aber da gab es durchaus einige Menschen, die das gemacht haben.

Chris: 1982 schon haben die ein Gerät namens Bernouille-Box rausgebracht,

Chris: eine Art Hochleistungsdiskettenlaufwerk.

Chris: Das kann auch Medien mit 8 Zoll lesen, aber nicht die alten Floppy-Discs,

Chris: sondern das ist ein neues, ein eigenes Format.

Chris: Und das zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Scheibe,

Chris: die da drin liegt, viel schneller rotiert wird.

Chris: 1500 Mal pro Minute und damit bringt man dann bis zu 20 Megabyte auf so eine Scheibe.

Chris: Das ist also von der Funktionsweise wieder ganz ähnlich zur Festplatte,

Chris: aber ist halt Medium und Laufwerk getrennt und damit tragbar im Gegensatz zur

Chris: Festplatte. Und dieses System, diese Bernouille-Box, die hält sich über zehn

Chris: Jahre lang auf dem Markt.

Chris: Am Ende bringt es dieser Datenträger sogar auf 230 Megabyte.

Chris: Aber das ist was für den Profimarkt. Das kostet ganz schön viel.

Chris: Also das 20 Megabyte Modell, das kriegt man im Jahr 1984 für 3.700 Dollar.

Chris: Das wären nach heutiger Kaufkraft 11.000 Euro, die man dafür hinlegen müsste.

Chris: Nochmal deutlich mehr als ein kompletter Macintosh, was ja eh schon eine super

Chris: teure Plattform damals ist.

Chris: Aber in den 90ern nimmt iOmega dann nochmal einen neuen Anlauf,

Chris: versucht es da dann doch im Publikumsmarkt.

Chris: 1995 kommt die SIP des Graus und die könnte der eine oder andere tatsächlich noch kennen.

Chris: Das sind also auch so robustere, größere, diskettenförmige Datenträger.

Chris: Die haben eine Kapazität von anfangs 100 MB, später dann bis zu 750 MB.

Chris: Die haben nur das Problem und damit sind wir wieder bei der Bedeutung von dem

Chris: Interface der Schnittstelle.

Chris: Das sind ja externe Laufwerke, die werden über den Parallelport an den Computer angeschlossen.

Chris: Und das ist doch ziemlich langsam, denn 100 Megabyte zu übertragen wird damit

Chris: dann wieder zur Geduldsprobe, fast als würde man beim C64 wieder vom alten Floppy-Laufwerk

Chris: lesen, ohne Beschleunigung.

Chris: Und dieser alte Parallelport-Anschluss wird ja auch noch direkt durch den Hauptprozessor gesteuert.

Chris: Also in der Regel wird dann auch noch das ganze System lahmgelegt,

Chris: während ja was von der ZipTIS geladen wird.

Chris: Da gibt es später dann auch Modelle, die den USB-Port benutzen.

Chris: Die sind dann natürlich schneller.

Chris: Aber diese ZipTIS setzt sich trotzdem nicht breit durch, obwohl sie doch noch

Chris: das erfolgreichste von diesen verschiedenen Nachfolgeformaten ist.

Chris: Aber sie erreicht halt nie die kritische Masse, dass man das als Standard ansehen

Chris: könnte. Auf ihr Mega geht zum Beispiel auch noch die Superdisk zurück.

Chris: Die wird aber von denen nicht zur Marktreife gebracht, sondern dann von einer

Chris: Tochter von 3M, einer Firma namens iMation.

Chris: Und diese Superdisk, die gibt es in zwei Varianten mit 120 Megabyte oder 240

Chris: Megabyte auf wieder einem 3,5 Zoll Medium. Das Interessante daran ist,

Chris: die Laufwerke sind abwärtskompatibel.

Chris: Also da kann man sowohl Superdiscs drin lesen, als auch ganz normale 3,5 Zoll Disketten.

Chris: Man kann diese alten 3,5 Zoll Disketten sogar überformatieren in so einem Laufwerk

Chris: und bringt dann da 32 Megabyte drauf unter. Das ist schon ganz cool.

Chris: Auch die Technik ist fortschrittlicher. Der Lese-Schreibkopf,

Chris: der da drin ist, wird jetzt mit einem hochpräzisen Laser gesteuert.

Chris: Deswegen heißt dieses Prinzip auch Floptical, als Mischung aus Floppy und Optical.

Chris: Nicht der allerschönste Name.

Henner: Aber prophetisch.

Chris: Ein bisschen prophetisch, genau.

Chris: Aber das Hauptproblem von dieser Technologie ist, dass die ziemlich unzuverlässig ist.

Chris: Dementsprechend kann sich das jetzt nicht durchsetzen im Markt.

Chris: Es gibt auch noch andere Varianten, zum Beispiel Sony, die 98 einen Versuch

Chris: unternehmen mit einem Laufwerk namens Hi-FD.

Chris: Auch das wieder hat 3,5 Zoll Disketten, also ein spezielles Format davon.

Chris: Da passen 150 MB drauf, später 200. Auch das ist abwärtskompatibel,

Chris: kann man alte 3,5 Zoll Disketten reinlegen.

Chris: Aber erstens ist Sony damit ziemlich spät dran. Und zweitens sind die noch unzuverlässiger,

Chris: produzieren noch mehr Lesefehler.

Chris: Da muss Sony sogar die erste Generation dieser Laufwerke wieder zurückholen.

Chris: Was ja schon ganz schön peinlich ist. Also all diesen Nachfolgeformaten gemeinsam

Chris: ist, dass die Datenträger, die sie benutzen, nach wie vor ein magnetisches Medium

Chris: sind, nach wie vor beschichtete Scheiben.

Chris: Aber in den 90er Jahren ist schon klar, die Zukunft des Datenaustausches wird nicht magnetisch sein.

Henner: So ist es. Wobei ich das damals gedacht habe, ich hatte ein ZipDrive,

Henner: kein internes und kein USB angesteuertes, sondern so ein paralleles aus der

Henner: ersten Generation. Und ja, meine Güte, war das langsam.

Henner: Fürchterlich. Und das war dann völlig unpraktikabel, diese 100 Megabyte Kapazität

Henner: auch wirklich zu nutzen.

Henner: Das hat einfach zu lange gedauert. Und dann habe ich kurz gedacht,

Henner: ich bräuchte ein Superdisk-Laufwerk, das ist ja ein bisschen schneller und das

Henner: ist eben abwärtskompatibel und ich war mir ganz sicher, das würde sich durchsetzen.

Henner: Ja, ist auch nicht passiert. Stattdessen kam etwas anderes, die CD wurde beschreibbar.

Henner: Die CD, die gibt es ja schon als CD-ROM sehr viel länger.

Henner: Wir haben schon mal drüber gesprochen in der Folge über das Philips CDI.

Henner: Gibt es seit den 80er Jahren und als Datenträger für Software setzt sie sich

Henner: in den frühen 90er Jahren durch, vor allem dank Rebel Assault oder vielleicht

Henner: war es auch Myst bei dir oder es war Seventh Guest, eins von diesen dreien.

Chris: Bei mir war es Rebel Assault.

Henner: Ja, Rebel Assault, bei mir auch.

Henner: Und die setzt sich sehr schnell durch, zumindest was den Vertrieb von neuen Spielen angeht.

Henner: Ich habe mal verglichen, auf welchen Datenträgern Spiele rausgekommen sind für den IBM PC.

Henner: Im Jahr 93 war das in fast allen Fällen noch die Diskette.

Henner: 94 ist dann schon Gleichstand zwischen Diskette und CD. Und 95 liegt dann die CD deutlich vorne.

Henner: Und zum Jahresende 95 findest du in Preislisten von Spielemagazinen nur noch

Henner: ganz vereinzelt Diskettenversionen. Also da dominiert die CD-ROM den Spielemarkt.

Henner: Und zum Ende des Jahrzehnts hat sie sich dann komplett durchgesetzt,

Henner: auch auf dem Anwendungssoftware-Markt und bei den Betriebssystemen.

Henner: Windows 98 ist das letzte Microsoft-Betriebssystem, das man alternativ auch

Henner: auf Diskette bekommt, wenn man so einen Coupon einschickt und viel Geduld und Glück hat.

Henner: Und dann kommt noch etwas hinzu, da gibt es erstmals OEM-Versionen von Windows

Henner: 98 zumindest, die bootfähig sind von CD.

Henner: Das heißt, wenn du Windows installieren willst, musst du jetzt nicht mehr so

Henner: eine Boot-Diskette einlegen und von der dann die CD starten,

Henner: sondern du kannst direkt von der CD starten.

Henner: Das war eine Revolution, aber damit ist natürlich die Diskette immer unwichtiger geworden.

Henner: Also auch für diese Nischenanwendung war sie dann irgendwann gar nicht mehr nötig.

Henner: Aber die CD-ROM hat natürlich ein großes Problem, genau wie die allererste Diskette

Henner: damals von IBM. Sie ist gar nicht wiederbeschreibbar.

Henner: Das ist ein Read-Only-Memory-Datenträger, also ein nur lesefähiger,

Henner: nicht wiederbeschreibbarer Datenträger. Das ändert sich mit der CD-R,

Henner: die ist wiederbeschreibbar.

Henner: Da kann man spezielle CD-Rohlinge zumindest einmalig mit spezieller Software

Henner: mit Daten versehen oder auch Musik drauf spielen.

Henner: Die gibt es seit den späten 80er Jahren, aber diese Technik ist noch viel zu teuer.

Henner: Erst Mitte der 90er Jahre wird sie langsam erschwinglich und dann kommt 97 auch

Henner: die CD-RW raus, die wiederbeschreibbar ist.

Henner: Also nicht nur einmalig beschreibbar, sondern immer wieder. Oder zum Ende der

Henner: 90er Jahre sind die einzelnen CD-Rohlinge dann auch günstig genug,

Henner: dass man sie im Alltag einsetzen kann.

Henner: Aber so ein richtig optimaler Ersatz für die Diskette ist das immer noch nicht,

Henner: weil eine CD zu beschreiben immer noch ein recht aufwendiger Prozess ist.

Henner: Nicht nur, dass die einzelnen Rohlinge teurer sind als Disketten.

Henner: Das ist auch ein Prozess, für den man spezielle Software braucht.

Henner: Du musst also dafür erstmal ein Brennprogramm starten, dann die Dateien da reinziehen,

Henner: dann langsam den Brennvorgang starten und hoffen, dass das alles geht und dass

Henner: es kein Buffer-Underung-Problem oder sonstiges gibt, womit dann der Rohling

Henner: verbrannt ist und dann kannst du von vorne anfangen.

Henner: Also solche Probleme gab es noch und das Ganze ist nicht sehr handlich.

Henner: Es wird also recht bald deutlich, dass wir noch eine andere Alternative brauchen,

Henner: noch ein anderes Datenträgersystem, um die Diskette wirklich endgültig abzulösen

Henner: und das kommt dann zur Jahrtausendwende so langsam auf.

Chris: Ja, da kommt dann der wahre Erbe der Diskette. Es ist der USB-Stick.

Chris: Denn im Jahr 2000 wird der neue USB-Anschluss, der den Wildwuchs der ganzen

Chris: Anschlussformate am PC eindämmen soll, dann zur Basis für einen Datenträger,

Chris: in dem Flash-Speicherchips drinstecken.

Chris: Und das ist der USB-Stick. Das ist anfangs noch arg limitiert,

Chris: weil der USB-Port der ersten Generation, der ist ziemlich langsam.

Chris: Aber spätestens dann mit dem USB 2.0, also dem High-Speed-Modus, nimmt das Fahrt auf.

Chris: Nun haben wir eine Übertragungsrate von 480 Megabit pro Sekunde und das ist flott genug.

Chris: Der neue Anschluss findet dann ab 2002 auch große Verbreitung,

Chris: als Intel die Technik in neue Chipsätze einbaut und Microsoft auch passende

Chris: Treiber dafür in Windows XP integriert.

Chris: Jetzt wird es also auch einfach, USB-Sticks zu benutzen.

Chris: Und parallel zu der Geschwindigkeit steigt natürlich auch die Kapazität von den Sticks.

Chris: Anfangs sind das in der Regel 8 Megabyte und im Jahr 2004 sind wir dann im Standard

Chris: schon bei einem Gigabyte.

Chris: Und damit übertrifft der Stick auch die CDR.

Chris: 2001 kommen auf gleicher technischer Grundlage SD-Speicherkarten auf den Markt.

Chris: Die boomen überwiegend im Markt der Digitalkameras.

Chris: 2005 gibt es da auch eine Variante davon, das MicroSD-Format.

Chris: Und damit werden also die alten magnetbasierten Speichermedien auch aus anderen

Chris: Gerätegattungen verdrängt, nicht nur auf dem Computer.

Chris: Der gute Al Shugart, von dem wir heute ja schon häufig geredet haben,

Chris: der hat das alles im Jahr 1983 noch nicht für möglich gehalten.

Chris: Ja, wie auch, möchte man sagen. Da gab es ja dieses Interview in Computer Chronicles

Chris: und damals hat er unter anderem auch gesagt, Halbleiter-basierte Speichermedien,

Chris: wie also zum Beispiel die USB-Sticks,

Chris: die würden die Diskette und andere magnetbasierte Speichermedien niemals ersetzen,

Chris: weil die Diskette hat einfach ein unschlagbares Verhältnis zwischen Kosten und Kapazität.

Chris: Und damit hat er ja auch auf 20 Jahre hinaus Recht behalten.

Chris: Also schon okay, die Prognose. So schlecht ist das gar nicht.

Chris: Und dann haben wir natürlich auch noch den Boom der Smartphones und der Netbooks,

Chris: also kompaktere Geräteformen, die ohne jede Magnetspeichertechnik auskommen

Chris: und die ja auch mobil sind.

Chris: Also unser Handy heutzutage ist ja in gewisser Weise ein eigener Datenträger.

Henner: Das stimmt. Das passiert so ab 2007. Da kommt das iPhone raus und auch das erste

Henner: Netbook, der Asus-i-PC.

Henner: Und im Jahr 2007 passiert noch was, denn da kommen all diese Speichermedien,

Henner: die du gerade aufgezählt hast und auch die alte Diskette.

Henner: Ganz neue Konkurrenz aus einer ganz anderen Richtung, nämlich durch die Datenträgerlosigkeit,

Henner: also die Übertragung und auch die Archivierung von Dateien im Internet,

Henner: in der Cloud. Und warum 2007?

Henner: Nun, in dem Jahr gehen einige sehr populäre Cloud-Anbieter online.

Henner: Dropbox zum Beispiel oder auch von Microsoft der Konkurrenzdienst SkyDrive,

Henner: der heute OneDrive heißt.

Henner: Und dann kommt ja auch noch hinzu, dass mehr und mehr Menschen in die sozialen Netzwerke drängen.

Henner: Facebook ist 2004 gegründet.

Henner: Und auch darüber lassen sich Dateien, insbesondere Fotos, natürlich leicht verbreiten,

Henner: sodass man gar nicht mehr unbedingt einen eigenen physischen Datenträger braucht,

Henner: um Fotos an Freunde weiterzugeben.

Henner: Streaming-Dienste kommen auf. YouTube wird 2005 gegründet. Das ist noch ein

Henner: Grund, auf physische Datenträger zu verzichten.

Henner: Wenn ich Medien einfach jederzeit im Netz abrufen kann, dann brauche ich sie

Henner: auch nicht mehr zu archivieren oder zu transportieren.

Henner: Das ist die technische und die praktische Ebene. Es gibt aber darüber hinaus

Henner: auch noch eine Meta-Ebene, auf der die Cloud-Technik unseren Umgang mit Informationstechnik

Henner: und Informationen an sich verändert.

Henner: Denn mit dem physischen Datenträger wie der Diskette verschwindet auch die Bedeutung des Konzepts der Datei.

Henner: Das ist ja mit der Diskette erst richtig relevant geworden, weil sie das Dateimanagement

Henner: so sehr vereinfacht hat.

Henner: In der Cloud wird es jetzt irrelevant. Die Datei ist keine klar verortete und

Henner: messbare, greifbare Entität mehr,

Henner: die ich auf einem Datenträger verwalte und bewege, sondern es ist nur noch ein Link in einer App.

Chris: Es gibt überhaupt nach der Jahrtausendwende nur noch wenige Gelegenheiten,

Chris: wo Nutzer in der Ära von CD und ja den aufkommenden USB-Sticks noch eine Diskette in die Hand nehmen.

Chris: Aber immerhin, es gibt sie noch. Das ist ja etwas, was heutzutage auch verschwunden ist.

Chris: Zum Beispiel bei der Installation von Treibern. Da hat man schon ganz gerne

Chris: nochmal eine Treiber-Diskette benötigt, die man dann einlegen musste.

Chris: Oder vor allen Dingen bei einem BIOS-Update. Da brauchte man in der Regel noch

Chris: eine Diskette, weil das ist ja ein kritischer Vorgang.

Chris: Das konnte man damals nicht von Windows aus anstoßen oder gar über einen Internetzugang,

Chris: sondern da brauchte man dann eine eigens anzufertigende bootfähige Diskette,

Chris: wo dieses BIOS-Update drauf war.

Chris: Und das ist ja nicht so unähnlich dem Micro-Code-Ladeprozess bei einem Mainframe-Computer,

Chris: für den die Diskette 30 Jahre vorher erdacht worden ist.

Henner: Ja, ich bin auch ziemlich sicher, das war das letzte Mal, dass ich produktiv

Henner: außerhalb des Retro-Kosmos eine Diskette benutzt habe für ein BIOS-Update an einem PC.

Henner: Ja, das war noch bis weit in das neue Jahrtausend hinein noch üblich,

Henner: das von einer Diskette aus zu machen.

Henner: Hätte man auch von der CD machen können, aber man konnte dabei ja das alte BIOS

Henner: speichern als Sicherheitskopie und das geht natürlich nur auf einer Diskette.

Henner: Das ist mittlerweile alles nicht mehr nötig. Mittlerweile machen wir BIOS-Updates

Henner: dann doch von Windows aus oder direkt aus dem BIOS oder aus dem BIOS-Nachfolger EFI heraus.

Henner: Und so ist die Ära der Diskette dann doch langsam zu einem Ende gekommen.

Henner: Im Jahr 2011, also 30 Jahre nach Erfindung des 3,5 Zoll Formats und 40 Jahre

Henner: nach der Erfindung der Diskette oder nach der Einführung der ersten Diskette,

Henner: stellt Sony als vorletzter Hersteller die Produktion der Diskette ein.

Henner: Und damit gibt es nur noch einen Hersteller. Der letzte verbliebene Diskettenproduzent

Henner: zu der Zeit ist Verbatim.

Henner: Der hält auch noch für einige Jahre durch. Wie lange genau die noch Disketten

Henner: hergestellt haben, weiß ich nicht. Ich habe mal nachgefragt,

Henner: aber das haben sie mir nicht verraten.

Chris: Wissen sie vielleicht selber nicht.

Henner: Vielleicht tun sie es auch noch und schämen sich ein bisschen dafür.

Chris: Ja, irgendwo steht eine Maschine im Keller von der Fabrik, wer weiß.

Henner: Schön, wie erst denn so langsam gehen der Welt die Disketten aus.

Henner: Das fängt natürlich an mit den älteren Formaten, vor allem die 8 Zoll und mittlerweile

Henner: auch die 5 und Viertel Zoll Disketten, die sterben langsam aus.

Henner: Das zeigt sich dann zum Beispiel bei so einem Retro-Label wie Psytronic Software.

Henner: Die verkaufen neue Spiele für klassische Systeme wie den C64 auf 5,25 Zoll Diskette

Henner: in begrenzter Auflage für Retro-Fans.

Henner: Aber 2023 mussten sie dieses Angebot einstellen, weil der Nachschub an bezahlbaren,

Henner: neuen, leeren 5,25 Zoll Disketten einfach versiegt ist.

Henner: Es gibt keine mehr, niemand stellt die Dinger mehr her.

Henner: Einige der letzten Vorräte von Disketten in allen Formaten, die lagern bei einem

Henner: Händler, der betrieben wird von Tom Persky.

Henner: Das ist nämlich der Betreiber des Online-Shops floppydisc.com.

Henner: Der wurde in der Presse auch schon als Last Man Standing im Diskettengeschäft bezeichnet.

Henner: Der hat sich nämlich vor ein paar Jahren, als so die letzten Diskettenproduktionen

Henner: gerade ausliefen, Dann hat er sich die letzten Millionen Exemplare der produzierten

Henner: Disketten gesichert, sehr weitsichtig.

Henner: Der hat also einige Millionen Disketten auf Lager gehabt und er erhält auch

Henner: weiterhin noch regelmäßig Restbestände, die irgendwo in irgendeiner Kiste in

Henner: einem Lagerraum auftauchen.

Henner: Und die verkauft er bis heute.

Henner: Tom Persky ist damit die letzte Rettung für alle, die heute noch Disketten brauchen.

Henner: Ich habe mit ihm gesprochen und er sagte,

Henner: er habe noch einige hundert neue 8 Zoll Disketten und einige tausend fünfeinviertel

Henner: Zoll Disketten auf Lager und etwa hunderttausend dreieinhalb Zoll Disketten.

Henner: Bei denen ist natürlich die Nachfrage am größten klar, da kann man am meisten mit anfangen.

Henner: Die Preise sind auch noch relativ niedrig, also man kriegt bei ihm im Zehnerpack

Henner: 3,5 Zoll Disketten neu für 13 Dollar.

Henner: Die kann man auch anderswo noch kaufen bei Amazon, aber die Vorräte gehen zur

Henner: Neige. Ich habe ihn gefragt, wie lange halten die denn noch?

Henner: Und er sagt, ungefähr ein Jahr. Dann ist es Schluss. Er meint,

Henner: ja, kleinere Mengen wird es dann schon noch geben, aber die Möglichkeit,

Henner: tausend Disketten oder noch mehr neu zu kaufen, die wird verschwinden.

Henner: Und das passt ihm auch ganz gut, denn er möchte bald in den Ruhestand gehen.

Henner: Und dann kommt noch hinzu, dass Disketten natürlich nicht ewig halten.

Henner: Selbst wenn sie noch irgendwo seit 40 Jahren im Lagerraum liegen,

Henner: heißt das nicht, dass sie noch funktionieren.

Henner: Denn einige Disketten, das kommt darauf an, wie sie gelagert werden und wer

Henner: sie hergestellt hat, aber einige halten nur einige Jahre, andere einige Jahrzehnte lang.

Henner: Dann sind sie einfach unbrauchbar, ohne dass man sie benutzt hätte.

Henner: Sie können auch zerstört werden durch defekte Laufwerke, wenn der Lesekopf aus

Henner: der Spur geraten ist, wenn das Laufwerk nicht richtig kalibriert ist.

Henner: Das kann auch passieren, dass dadurch die Diskette kaputt geht.

Henner: Und die ausfallenden Laufwerke sind sogar noch ein größeres Problem als die

Henner: ausfallenden Disketten.

Henner: Richtig gute funktionierende 5,25 Zoll Laufwerke, die sind mittlerweile richtig

Henner: rar. Die sind ziemlich teuer.

Henner: So ein gut funktionstüchtiges C64-Diskettenlaufwerk, das ist zuweilen genauso

Henner: teuer wie der passende Computer.

Henner: Also nicht nur die Disketten gehen zur Neige, auch die funktionierenden Diskettenlaufwerke.

Henner: Und somit ist diese lange Disketten-Ära wirklich bald zu Ende.

Chris: Wie zuverlässig so ein Datenträger ist, zeigt sich ja in der Regel erst,

Chris: wenn er längere Zeit im Einsatz war.

Chris: Und da, finde ich, schneiden die Disketten gar nicht so schlecht ab.

Chris: Im Jahr 2016 gab es so eine Meldung bei CNN, die im Internet dann zyffisant

Chris: rumgereicht wurde, wo CNN sagte, im US-Nuklearwaffenarsenal Nuklearwaffenarsenal

Chris: werden immer noch 8 Zoll-Floppys benutzt, um die Atomraketen zu steuern.

Chris: Das ist heutzutage übrigens nicht mehr der Fall, das haben sie inzwischen abgedatet,

Chris: aber damals war das ein großes Hallo.

Chris: Und ich würde sagen, nun, wenn man irgendwelche Disketten benutzen will,

Chris: um sein Nuklearwaffenarsenal zu steuern, dann sollte man doch am besten 8 Zoll-Floppys

Chris: benutzen, denn die haben kleine Kapazität,

Chris: große Fläche, Das heißt, große Abstände zwischen den magnetischen Bits,

Chris: die sind tatsächlich am wenigsten fehleranfällig.

Chris: Die Zuverlässigkeit der Disketten sinkt ganz allgemein gesprochen mit der Menge

Chris: an Daten, die du da drauf quetscht.

Chris: Insbesondere, wenn die vielleicht ein bisschen schlecht produziert sind,

Chris: dann sind eher die kleineren, dichtgepackteren

Chris: Diskettenformate viel störungsanfälliger als die großen Daten.

Chris: Aber nichtsdestotrotz, Disketten sind vergleichsweise durchaus zuverlässige Speichermedien.

Chris: Ich habe neulich zum Beispiel zufälligerweise eine Mini-Doku gesehen über Film,

Chris: also über Kinofilme, die ja früher, als sie noch nicht digital aufgenommen wurden,

Chris: auf Celluloid-Band aufgenommen wurden und die haben eine unglaublich schlechte Haltbarkeit.

Chris: Also so ein Celluloid-Film, der zerfällt innerhalb von Jahren.

Chris: Da gibt es ganz große Probleme, das für die Nachwelt zu erhalten.

Chris: Bei den Datenträgern gibt es sehr unterschiedliche Angaben, wie die Lebenszeiten da aussehen.

Chris: Ich habe eine Metastudie von 2011 gelesen. Die hat sich die Eignung verschiedener

Chris: Datenträger für die Langzeitarchivierung von Daten angeguckt.

Chris: Da waren jetzt Disketten nicht dabei, aber Magnetbänder. Da wurde die Lebenszeit

Chris: mit 10 bis 50 Jahren angegeben.

Chris: Das, was man meistens bei Disketten liest, ist eine Lebenszeit von ungefähr

Chris: 30 Jahren für die Daten, die da drauf liegen. Aber das ist deutlich besser als

Chris: zum Beispiel beschreibbare CDs oder DVDs.

Chris: Da liegt es bei ungefähr 25 Jahren.

Chris: Flashspeicher ungefähr zwölf Jahre Lebenszeit. Am schlechtesten Festplatten.

Chris: Da wird auch eine Google-Studie zitiert, wo 38 Prozent der untersuchten Festplatten

Chris: nach fünf Jahren schon kaputt waren.

Chris: Die durchschnittliche Lebenszeit wird da mit sieben Jahren angegeben.

Chris: Gut, Festplatten sind natürlich in der Regel auch viel häufiger im Einsatz,

Chris: da wird viel mehr drauf geschrieben und gelesen als auf so einer typischen Diskette,

Chris: aber nichtsdestotrotz so im Vergleich ist die Diskette da gar nicht so schlecht dabei.

Henner: Ich kann das auch bestätigen. Ich habe jetzt extra für diese Folge mir mal im

Henner: Internet eine Diskettenbox mit Amiga 500 Disketten gekauft, um einfach mal zu

Henner: sehen, was der Besitzer damals so gespielt, gesammelt und gespeichert hat.

Henner: Das finde ich spannend, fand ich immer schon.

Henner: Die Diskettenbox war ja so eine mystische Wundertüte.

Henner: Etwas, worauf man sehr neidisch geschielt hatte, wenn der Nachbar eine 80er-Diskettenbox

Henner: hatte und man selbst hatte nur eine 40er.

Henner: Da waren jetzt sehr viele selbstbespielte, kopierte Disketten drin,

Henner: aber auch viele Originale.

Henner: Und die selbstbespielten und kopierten, die handbeschrifteten Disketten sind

Henner: fast alle nicht mehr lesbar.

Henner: Aber die Original-Disketten, die Spiele, Public-Domain-Software-Sammlungen,

Henner: die Heft-Disketten, die gekauften, die funktionierten durch die Bank alle noch.

Henner: Also eine späte Genugtuung für die Softwareindustrie. Da gibt es doch noch einen

Henner: Vorteil, wenn man eine Originaldiskette gekauft hat, statt eine Kopie anzufertigen.

Chris: Sehr gut.

Henner: Und die sind ja auch fast 30 Jahre alt. Aus den späten 80ern dürften die stammen.

Henner: Also das ist wirklich gar nicht schlecht.

Henner: Trotzdem, wenn man heute mit alten Gerätschaften zu tun hat,

Henner: seien es alte Computer oder Atomwaffenlager oder auch Synthesizer zum Beispiel oder Nähmaschinen,

Henner: die teilweise noch auf Diskettenlaufwerke setzen, Dann sollte man dieses Laufwerk

Henner: vielleicht besser ersetzen.

Henner: Es gibt ja mittlerweile sehr gute, ausgereifte Disketten-Emulatoren,

Henner: also Laufwerke, Geräte im Format eines 3,5 Zoll Laufwerks,

Henner: die ich in den gleichen Schacht einsetzen und dort an die Anschlüsse anschließen

Henner: kann, nutzen kann wie ein Diskettenlaufwerk, aber ich schiebe keine Disketten

Henner: rein, sondern SD-Karten oder USB-Sticks zum Beispiel.

Henner: Das ist natürlich erheblich bequemer und hält vermutlich auch länger,

Henner: als weiterhin auf Disketten zu setzen.

Henner: Aber einige wollen die Diskette vielleicht gar nicht ersetzen.

Henner: Ich stellte fest, dass es eine sehr lebhafte Kulturszene gibt rund um die Diskette.

Henner: Und einige der Kunden von Tom Persky, von seinem Disketten-Shop,

Henner: sind auch Künstlerinnen und Künstler, die Disketten-Kunstwerke erschaffen.

Henner: Die bauen daraus Mosaike zum Beispiel.

Henner: Oder es gibt viele Musiker, Bands, die ihre Musik auf Diskette verkaufen.

Henner: Eine erstaunlich große Musikszene sogar in dieser Floppy-Musik-Szene.

Henner: Aber das ist natürlich eine kleine Nische und hat mit dem Massenmarkt nichts mehr zu tun.

Chris: Dann lass uns mal zum Abschluss noch darüber sprechen, zusammengefasst,

Chris: was wir denn der Diskette jetzt eigentlich verdanken, welche Bedeutung sie für

Chris: den Computermarkt, für die Spiele, für uns als Gesellschaft insgesamt hat.

Chris: Und man muss erstmal festhalten, die Diskette war erstaunlich lange relevant für den PC-Markt.

Chris: Das ging los 1978, als Apple das erste Diskettenlaufwerk für den Apple II auf

Chris: den Markt gebracht hat und hielt etwa bis zum Jahr 1998, als ebenfalls im Apple,

Chris: also im iMac, auf so ein Laufwerk verzichtet wurde.

Chris: Vielleicht sogar bis in die 2000er rein, als der PC dann langsam Abschied nahm.

Chris: Also sagen wir so 20 bis 25 Jahre Relevanz.

Chris: Und das ist eine Ewigkeit auf dem schnelllebigen Computermarkt,

Chris: wenn man es insbesondere mit anderen Datenträgern vergleicht.

Chris: Datenkassetten oder die CDR zum Beispiel, die beschreibbare CD,

Chris: die haben etwa zehn Jahre durchgehalten.

Chris: Da war die Floppy-Ära doch sehr viel länger. Und was ist uns von der jetzt geblieben, Henna?

Henner: Erheblich mehr, als die Erfinder damals für möglich gehalten hatten.

Henner: So viel ist sicher. Der Miterfinder Herbert Thompson, der hat mal in einem Interview

Henner: gesagt, ich trete mich immer wieder selbst dafür, dass ich damals nicht das

Henner: Potenzial der Floppy erkannte.

Henner: Ich sah darin lediglich das, als was sie definiert wurde. Also ein Lesemedium für den Mikrocode.

Henner: Als solche war sie ja ursprünglich mal entworfen worden.

Henner: Aber die Diskette ist ja weit über das hinausgewachsen, über dieses ursprünglich

Henner: vorgesehene Nutzungsszenario.

Henner: Die Diskette hat sehr viele Qualitäten bewiesen, die haben wir ja schon ausführlich

Henner: beschrieben und damit hat sie sich sehr stark abgehoben vom Magnetband,

Henner: also sowohl von den alten Magnetbandrollen der Großrechner als auch von den

Henner: kleinen Magnetkassetten, die wir am Heimcomputer benutzt haben.

Henner: Und weil sie größere Kapazität hatte, weil sie schneller war,

Henner: weil sie den direkten Datenzugriff ermöglicht hat, weil sie praktischer war,

Henner: es gab keinen Bandsalat.

Henner: Und wegen all dieser Vorteile hat sie dem PC oder auch dem Heimcomputer,

Henner: das ist ja letztlich das Gleiche, zum Durchbruch auf dem Massenmarkt verholfen.

Henner: Also die PC-Revolution, der Aufstieg des Mikrocomputers zum Massenprodukt wäre

Henner: nicht denkbar gewesen ohne die Diskette.

Chris: Zudem hat sie eben auch dank der Festlegung auf Standardformate,

Chris: also insbesondere 5,25 Zoll und dann 3,5 Zoll,

Chris: die Entstehung des modernen Softwaremarkts mit ermöglicht und damit einhergehend

Chris: die Explosion des Angebotes an kommerzieller,

Chris: aber auch an gemeinfreier Software.

Chris: Insbesondere Anwendungen, aber auch, wie wir sagten, komplexe Spiele haben profitiert

Chris: von den Eigenschaften der Diskette.

Chris: Von der hohen Kapazität, von dem wahlfreien Datenzugriff, von der Wiederbeschreibbarkeit.

Chris: Dadurch konnte sich Software wandeln, wachsen, neue Formen annehmen und hervorbringen.

Chris: Und das noch bevor sich die Festplatten in den PCs durchgesetzt haben.

Henner: Und jetzt haben wir nur von der Diskette als Datenträger für kommerzielle Software

Henner: gesprochen, aber sie ist ja viel mehr.

Henner: Ich kann ja auch eigene Dateien drauf abspeichern.

Henner: Und so erlaubt die Diskette erstmals praktikablen Datenaustausch über das Sneakernet.

Henner: So wurde es ja auch genannt, das Tonschuh-Netzwerk.

Henner: Wenn die Computer keinen richtigen Netzanschluss hatten, weder ans Internet

Henner: noch an ein lokales Netzwerk, weil das zu teuer war, zu aufwendig oder auch

Henner: gar nicht möglich, im Falle einiger Heimcomputer, dann konnte ich auf diesem

Henner: Wege trotzdem Daten austauschen.

Henner: Ob jetzt privat oder beruflich. Das half dem Computer aus der Isolation des

Henner: Einzelplatzes auszubrechen.

Henner: So konnte er sich auf rudimentäre Weise vernetzen, auch ohne Netzwerktechnik.

Henner: Aber damit haben wir jetzt beschrieben, was die Diskette für uns wirtschaftlich

Henner: und technologisch bedeutet.

Henner: Was bedeutet sie denn für uns persönlich oder kulturell?

Chris: Das ist vielleicht sogar noch wichtiger als dieser unbestreitbare wirtschaftliche,

Chris: ökonomische Faktor. Aber die Diskette hat Software greifbar gemacht.

Chris: Das ist eine physische Manifestation von Software.

Chris: Viel mehr als andere Datenträger davor, als zum Beispiel auch die Kassette,

Chris: die ja in erster Linie immer noch im Kopf eine Audiokassette ist.

Chris: Das heißt, digitale Daten werden versinnbildlicht und stofflich und anfassbar

Chris: gemacht durch die Diskette. Denn Programmcode und elektronische Dokumente,

Chris: Dateien, die sind ihrem Wesen nach ja gestaltlos.

Chris: Das sind ja einfach nur Einsen und Nullen.

Chris: Aber die werden durch den Datenträger eben greifbar und verortbar und auch kontrollierbar.

Chris: Und klar, das gilt eben neben der Kassette auch für die CD oder die DVD.

Chris: Aber wie gesagt, die stehen primär eigentlich für andere Inhalte,

Chris: für Musik oder für Filme. Und diese Greifbarkeit ist ja auch was,

Chris: was uns heutzutage in der Cloud-Ära verloren gegangen ist.

Chris: Du hast vorhin den Tom Persky erwähnt, diesen Diskettenhändler, dem gibt das zu denken.

Chris: Der hat ja zum Beispiel gesagt, für ihn gehört die Diskette zu den letzten Werkzeugen,

Chris: die der Mensch intuitiv versteht.

Chris: Und er habe den Eindruck, dass wir im Diskettenzeitalter zum letzten Mal verstanden

Chris: haben, wo sich unsere Informationen befinden. Jetzt fließt alles einfach durch

Chris: den Äther und er findet das irgendwie beunruhigend.

Chris: Und ich kann das verstehen, dieses Gefühl.

Chris: Ich teile jetzt diese Beunruhigung nicht, aber die Diskette hat schon etwas Beruhigendes.

Chris: Sie hat sowas Manifestes. Da liegt sie und da sind meine Sachen drauf.

Henner: Und die gehören mir oder das Programm, das ich gekauft habe,

Henner: gehört mir, weil mir der Datenträger gehört. Und das gibt es ja gar nicht mehr.

Henner: Wenn ich heute ein Spiel kaufe in digitaler Form bei Steam oder anderswo,

Henner: dann erwerbe ich ja auch nur ein Nutzungsrecht.

Henner: Aber mir gehört die Software nicht.

Henner: Und das ist mit den physischen Datenträgern wie der Diskette verloren gegangen.

Henner: Aber die Diskette dient nicht nur der Verwahrung von Dateien oder dem Vertrieb

Henner: von Programmen, sie ist auch ein Symbol des persönlichen Ausdrucks.

Henner: Finde ich, weil wir selbst ihren Inhalt bestimmen können, zumindest wenn wir

Henner: sie selber beschreiben und wir sie mit unseren eigenen Dateien,

Henner: mit unseren Erinnerungen, mit unseren Spielständen, mit unseren Gedanken,

Henner: mit unseren Tagebüchern füllen können.

Henner: Sehr viele meiner alten Disketten, die im Keller in einer Diskettenbox schlummern

Henner: für den Atari ST, die sind gefüllt mit persönlichen Texten, die ich damals geschrieben habe.

Henner: Und das macht die Diskette also zu einem Symbol oder einem Werkzeug des persönlichen Ausdrucks.

Henner: Nicht nur was den Inhalt angeht, sondern auch das Äußerliche,

Henner: weil ich sie ja selber über das Label ein bisschen gestalten und beschriften oder bemalen kann.

Henner: Und das unterscheidet die Diskette doch sehr von einem Spielmodul,

Henner: das völlig unpersönlich ist, das bei jedem gleich ist, das immer die gleichen

Henner: Dateien enthält, das nichts von mir enthält, mit dem ich mich nicht ausdrücken kann.

Henner: Das geht in ähnlicher Form mit der Kassette natürlich,

Henner: insbesondere mit dem Mixtape aus den 80ern, mit dem man eigene Musik zusammengestellt

Henner: hat, aber das geht nicht mit dem Modul und das geht auch nicht mit einem Datenpaket von Steam.

Chris: Ja und zuletzt steht die Diskette in gewisser Weise auch für Datensicherheit.

Chris: Das mag ein bisschen komisch klingen, wenn man bedenkt, dass wir vorhin schon

Chris: ja gesagt haben, dass sich auch Viren verteilen über Disketten und dass ja immer

Chris: mal wieder auch eine ausgefallen ist. Aber die Diskette kennen wir zum Beispiel

Chris: auch in ihrer Form als Boot-Diskette.

Chris: Und da erlaubt sie uns die Rettung von Systemen, die Neuinstallation des Betriebssystems,

Chris: wenn das unbrauchbar geworden ist oder den Scan durch ein Antivirenprogramm.

Chris: Und sie ist ein Backup-Medium.

Chris: Ich würde sogar sagen, das erste wichtige Backup-Medium. Da bewahren wir unsere

Chris: Daten dann gut geschützt in einer abgeschlossenen Diskettenbox,

Chris: um sie dann Jahrzehnte später über Ebay an einen Wildfremden zu verkaufen,

Chris: der dann die Amiga-Disketten durchguckt, um zu schauen, was drauf ist.

Henner: Stimmt, das war immer wichtig, dass man die Diskettenboxen abschließen konnte.

Henner: Das war immer grundsätzlich so ein kleiner Schlüssel dabei.

Chris: Ja, immer ein kleiner Schlüssel.

Henner: Völliger Unsinn, wenn man da rankommen will, dann schafft man das auch,

Henner: dieses dünne Plastik zu durchbrechen. Aber es ging und wir haben es auch gemacht,

Henner: nach jeder Benutzung abgeschlossen.

Chris: Natürlich, damit der kleine Bruder nicht rankam.

Henner: Genau. Also manch einem IT-Experten stellen sich jetzt die Nackenhaare auf.

Henner: Natürlich ist die Diskette kein wirklich gutes Backup-Medium,

Henner: aber wie du schon sagst, das erste wirklich relevante und als solches praktisch

Henner: nutzbare Backup-Medium, weil ich darauf eben mehrere Dateien auch versioniert

Henner: in verschiedenen Versionen einzeln abspeichern kann.

Chris: Ja, und es ist auch ein Backup-Medium, das die Portabilität von Daten zwischen

Chris: Systemen ermöglicht und zwischen PC-Generationen.

Chris: Ich meine, bei den frühen PCs, als wir unseren XT ersetzt haben durch den 386er,

Chris: den 386er, durch den 486er, das, was mit umgezogen ist, die Daten,

Chris: die mit umgezogen sind, sind nie auf der Festplatte umgezogen.

Chris: Die ist immer im alten Gerät drin geblieben, sondern das Wichtige habe ich auf

Chris: Diskette überspielt oder hatte

Chris: es schon auf Diskette und damit ist es auf das neue System gewandert.

Henner: Also deine eigenen Texte, deine eigenen Spielstände und so weiter.

Henner: Hast du per Diskette in die nächste Generation gebracht, ja?

Chris: Ja, ganz genau.

Henner: So habe ich es auch gemacht, als ich vom Atari ST auf den PC umgestiegen bin,

Henner: in den späten 90ern, viel zu spät.

Henner: Da habe ich auch meine wichtigsten Texte vom ST auf den PC übertragen.

Henner: Man konnte die mit der bestimmten Software so formatieren, dass sie in beiden

Henner: Systemen gelesen werden konnte.

Henner: Also es war auch ein Vermittler zwischen den Welten, die Diskette, wenn man so will.

Henner: Ja, und weil die Diskette also in gewisser Weise für Datensicherheit steht mit Einschränkungen,

Henner: ist das wenig verwunderlich, dass die Diskette in dieser Form weiterlebt als

Henner: Symbol für nicht unbedingt Sicherheit, aber für das Speichern,

Henner: für das Sichern eines Dokuments.

Henner: Das gibt es ja in zahllosen Anwendungen, nicht in allen, aber zum Beispiel bei

Henner: Microsoft Office ist das nach wie vor so,

Henner: wenn ich eine Datei speichern will und sie nicht sowieso automatisch über die

Henner: Cloud gespeichert wird, wenn ich das also manuell anstoßen will,

Henner: den Speichervorgang, dann drücke ich auf ein kleines Disketten-Symbol.

Henner: Bei der Konkurrenz in LibreOffice ist es genauso.

Henner: In Paint.net, im Edge-Browser, im Foxit-Reader, in ganz vielen verschiedenen Programmen.

Henner: Ich habe mich hier mal unter Windows durchgeklickt durch meine Software-Sammlung.

Henner: In ganz vielen Programmen, in Spielen wahrscheinlich eher selten,

Henner: ist das Symbol fürs Speichern eine Diskette.

Henner: Und das mag überraschen, weil ja eigentlich dieses Symbol heute von jungen Menschen

Henner: gar nicht mehr erkannt wird, als das, was es ist.

Henner: Ich glaube, wenn ich meine Tochter davor setze, dann wird die nicht wissen.

Henner: Dass das für eine Diskette steht und was überhaupt eine Diskette sein soll.

Henner: Und wir speichern ja auch nichts mehr auf Diskette, ist ja Quatsch,

Henner: sondern wir speichern etwas auf einer SSD oder im Netz.

Henner: Aber trotzdem hat sich dieses Symbol erhalten und es hat sich mittlerweile einfach

Henner: von seiner ursprünglichen Bedeutung entkoppelt. Also man muss darin gar keine Diskette mehr sehen.

Henner: Es ist einfach nur entscheidend, dass es als solches eindeutig und wiedererkennbar ist.

Henner: Und dass das Symbol nichts mehr mit dem Original wirklich erkennbar zu tun hat,

Henner: mit dem Ursprung des Symbols, das ist ja nicht nur bei der Diskette so.

Henner: Das ist bei ganz vielen etablierten Icons so.

Henner: Beim Telefonhörer-Icon auf dem Handy zum Beispiel, da wird die junge Generation

Henner: auch nicht mehr erkennen, was das eigentlich sein soll, dieses komische, hörnchenförmige Ding.

Henner: Oder das Clipboard-Symbol zum Kopieren oder das Start- und Stopp-Symbol auf jedem Media-Player.

Henner: Was hat denn das mit dem Vorgang zu tun, was ich da mache, mit dem Starten oder Stoppen?

Henner: Da ist keine erkennbare Verbindung mehr und so ist es auch bei der Diskette

Henner: nicht mehr wirklich für die junge Generation zumindest erkennbar,

Henner: was das überhaupt sein soll, aber es hat sich nun mal etabliert und es wird

Henner: auch, glaube ich, für alle Zeit so bleiben.

Henner: Denn dieses Symbol ist einzigartig, es ist unverwechselbar, leicht zu erkennen

Henner: und das ist das Entscheidende und das führt dazu, dass wir es wahrscheinlich

Henner: auch bei Office 2100 immer noch zu sehen bekommen.

Chris: Und die Diskette steht eben auch dank ihrer Langlebigkeit für eine ganze Ära

Chris: der Computertechnologie und ist nicht zuletzt deswegen ja auch unser Stay Forever Logo.

Henner: Oh, stimmt. Und weißt du was? Ich habe mal ausgerechnet, Christian,

Henner: wir könnten theoretisch diesen Podcast oder jede andere Folge auch auf eine

Henner: Diskette vertreiben und verschicken.

Henner: Denn es gibt mittlerweile Codex, also Audio-Codex, die den Ton so stark komprimieren,

Henner: dass eine komplette 4-Stunden-Folge Stay

Henner: Forever-Technik auf eine 1,44-Megabyte-Diskette passen würde. Das geht.

Chris: Aber ist das dann noch hörenswert? Möchte man das auch? Hast du es ausprobiert?

Henner: Das ist nebensächlich. Ja, ich habe es ausprobiert. Also ich habe keine Folge

Henner: auf eine Diskette gespeichert, aber ich habe sie so stark runter komprimiert, dass sie passen würde.

Henner: Und man kann das noch erkennen, was wir da sagen.

Chris: Also wenn genügend Menschen sich melden und sagen, ich wäre bereit,

Chris: für eine solche Diskette ein paar Euro in Zeckel zu werfen, dann machen wir

Chris: vielleicht eine Special Edition Pressung, Limited Edition und bieten die über

Chris: den Retro Shirtie Shop an.

Chris: Die Diskettenfolge auf Diskette.

Henner: Schöne Idee. Ich schreibe gleich mal Tom Persky an, ob er mir vielleicht ein

Henner: paar Disketten schicken kann dafür.

Chris: Ja, 13 Euro für einen Zehnerpack brauchen wir nicht so viele,

Chris: glaube ich. Aber wenn ihr so was haben wollt, dann meldet euch.

Henner: Ja, und wenn ihr sonst noch Ideen habt, was man mit Disketten heute noch alles

Henner: anstellen kann oder wenn ihr eigene Anekdoten aus der langen Disketten-Ära teilen

Henner: möchtet mit uns, tut das gerne übers Forum oder über Discord.

Henner: Es gibt ja verschiedene Kanäle, über die ihr das tun könnt.

Chris: Genau. Dann bedanke ich mich an dieser Stelle bei euch fürs Zuhören und Henna

Chris: bei dir für die Recherche und für das angenehme Gespräch und bei all den Leuten,

Chris: die wir in den Einspielern gehört haben.

Chris: Vielen Dank an euch und natürlich auch an die Interviewpartner.

Henner: Ich danke ebenfalls.

Chris: Tschüss.

Henner: Tschüss.