Gespräche über alte Spiele
Henner: Hallo liebe Hörerinnen und Hörer, das war, leicht zu erkennen,
Henner: die Stay Forever Intro-Musik, auch bekannt als Gianna Sisters Thema,
Henner: gespielt auf einem 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk.
Henner: Der Summfrequenz des Elektromotors nachzuurteilen, würde ich sagen, ein Modell von NEC.
Henner: Oder was meinst du, Christian?
Chris: Ah, da hast du mich jetzt auf den falschen Fuß erwischt. War es Samsung, war es NEC.
Chris: Ich weiß nur, wer an den Tasten saß, nämlich Henner Thomsen.
Chris: Und wer hat den Taktstock dazu geschwungen? Christian Schmidt.
Henner: Ganz genau. Und wir zwei, ja, wir sprechen heute über die Diskette und natürlich
Henner: das zugehörige Laufwerk.
Henner: Und was so trocken erscheint und banal, das ist doch ein, wie ich festgestellt
Henner: habe, ein erstaunlich nostalgisch-emotional aufgeladenes Thema.
Henner: Viel stärker als so ein simples Plastikscheibchen das erwarten ließe.
Henner: Die Diskette, die weckt Emotionen bei allen Menschen, die man darauf anspricht.
Henner: Und mit einigen Leuten habe ich zu diesem Thema gesprochen. Das hören wir heute noch.
Henner: Die Diskette ist so eine Art Projektionsfläche für unsere Erinnerungen an all
Henner: die Spiele, die wir damals gespielt haben in den 80ern und in den 90ern.
Henner: Zumindest wenn wir am Computer gespielt haben, ja nicht auf einer Konsole.
Henner: Egal, ob das jetzt ein C64 war, ein Atari ST oder ein PC oder ein Apple II.
Henner: Alle haben mit Disketten hantiert und davon Spiele geladen, darauf eigene Spielstände
Henner: abgespeichert oder eigene Texte und andere Werke darauf abgelegt.
Henner: Und das ist ein so nostalgisch verklärtes Thema, dass ich sogar,
Henner: Christian, zwei Bücher gefunden habe mit Diskettenlyrik.
Henner: Und daraus kann ich jetzt auch in ganz kurzen Vierzeiler vortragen.
Henner: Das ist ein Auszug aus einem Gedicht aus dem Buch Tribulations of a Floppy Disc. Und das geht so.
Henner: Naja, das ist jetzt nicht Shakespeare, aber dass es dieses Gedicht überhaupt
Henner: gibt, dass zu diesem Thema so liebevolle Gedichte verfasst werden,
Henner: das spricht doch für den soziokulturellen und persönlichen Stellenwert,
Henner: den die Diskette einnimmt.
Chris: Ich habe langsam das Gefühl, es gibt zu allem irgendein Gedicht.
Chris: Das würde mich auch nicht wundern, wenn es zum Küchenmixer ein Gedichteband gäbe zum Beispiel.
Chris: Aber du hast natürlich recht, die Diskette ist insbesondere für Menschen unserer
Chris: Generation etwas emotional aufgeladen und mit Erinnerung verbunden ist.
Chris: Und ich glaube, wie soll ich sagen, die Reise, die vor uns liegt bei dieser
Chris: Folge, ist sehr unterschiedlich emotional, je nachdem, ob man mit Disketten
Chris: aufgewachsen ist oder ohne.
Chris: Also wer ein jüngeres Baujahr ist, wird hier womöglich Einblicke bekommen in
Chris: eine Ära, die so nicht wiedergebracht werden kann.
Chris: Aber dafür machen wir ja auch diese Folgen. Und für mich, Henner,
Chris: hat die Beschäftigung mit dem Thema eine Frage beantwortet,
Chris: die fundamental ist und von der ich gar nicht wusste, dass ich sie überhaupt
Chris: mir jemals stellen würde, diese Frage, nämlich, was war eigentlich zuerst da,
Chris: die Diskette oder die Festplatte?
Chris: Und wenn ich dir diese Frage vor ein paar Wochen gestellt hätte,
Chris: hättest du sie richtig beantworten können, Henner?
Henner: Ich, ja, aber vielleicht bin ich da atypisch. Ich glaube, den meisten geht es da anders.
Chris: Natürlich.
Henner: Ich denke, die meisten würden vermuten, dass die Diskette vorher da war.
Chris: Ja, absolut. Aus der Perspektive des Laien, der ich in der Hinsicht bin,
Chris: ist natürlich die Diskette das primitivere Stück Technik im Vergleich zur Festplatte.
Chris: Jetzt mal ganz salopp gesprochen und ohne der Diskette zu nahe treten zu wollen.
Chris: Und daraus folgert logischerweise, das Primitive kommt ja immer vor dem Fortschrittlichen.
Chris: Aber nein, so war es nicht. Und das werden wir jetzt ergründen.
Henner: Ja, aber das ist interessant, dass du das ansprichst. Ich wollte das nämlich
Henner: im Laufe dieses Gesprächs auch noch erwähnen, dass das für viele sicherlich
Henner: überraschend ist, dass die Diskette tatsächlich 15 Jahre jünger ist als die Festplatte.
Henner: Und du bist nicht der Einzige, den das überrascht. Denn ich habe zufällig bei
Henner: der Recherche einen Artikel gefunden aus dem amerikanischen PC Magazine von 1984.
Henner: Und in diesem Artikel heißt es, ich zitiere, die Festplatte wurde ursprünglich
Henner: entwickelt, um die Beschränkungen der Diskette aufzuheben.
Henner: Nein, wurde sie nicht. Also dieser Autor war ebenso verwirrt wie du.
Chris: Aber das eröffnet die nächste interessante Frage. Und das kann auch ein kleiner
Chris: Cliffhanger jetzt für unsere Geschichte sein.
Chris: Denn wenn die Festplatte offensichtlich zuerst da war, warum wurde dann eigentlich
Chris: die Diskette noch entwickelt? Was war denn deren Daseinsberechtigung?
Chris: Und das ist doch eine ganz spannende Frage.
Henner: Ja, genau. Genau, es ging nicht ursprünglich darum, das Kopieren von Spielen
Henner: besonders einfach zu machen. Also so viel können wir schon verraten.
Chris: Na, sag bloß. Nein?
Henner: Nein, nein, nein.
Chris: Aber damit hat sie dann ihre Berufung gefunden, die Diskette.
Henner: Eindeutig, ja. Gut, aber dann steigen wir doch mal ein in die Hintergrundgeschichte.
Henner: Wie es überhaupt dazu kam, dass die Diskette...
Henner: In den 80er Jahren so viele von uns geprägt hat. Und das ist eine mehrere Jahrzehnte
Henner: überspannende Geschichte, die beginnt in den 1960er Jahren.
Henner: Aber bevor wir da sind, müssen wir noch einen Schritt weiter zurückgehen,
Henner: nämlich zur Gründung des Unternehmens, das die Diskette hervorgebracht hat. Und das ist IBM.
Chris: Mal wieder.
Henner: Mal wieder, ja. Wie so oft zur Geschichte IBMs haben wir schon ausführlich etwas
Henner: erzählt in unserer Episode zum IBM PC. Das war Stave Reaver Technik Folge 4,
Henner: wenn mich nicht alles täuscht.
Henner: Deswegen werden wir jetzt nicht nochmal im Detail diese ganze Geschichte durchgehen.
Henner: Nur die wichtigsten Eckdaten.
Henner: Die Firma geht zurück auf das Jahr 1924. Da hat zumindest diese Firma ihren
Henner: späteren und bis heute gültigen Namen erhalten.
Henner: International Business Machines IBM.
Henner: Vorher hieß diese Firma Computing Tabulating Recording Company,
Henner: was etwas weniger griffig ist.
Henner: Und das wiederum ist ein Zusammenschluss von verschiedenen US-amerikanischen
Henner: Herstellern von Büromaschinen.
Henner: Die haben damals natürlich noch keine Computer gebaut. Die haben angefangen
Henner: mit Tabelliermaschinen und mit Stechuhren und allerlei anderen Gerätschaften,
Henner: die man so im Büro braucht.
Henner: Später kamen dann ja auch noch Schreibmaschinen dazu. Und die haben in den 1940er
Henner: Jahren dann teilweise durch Aufträge von der US-Regierung einige der weltweit
Henner: ersten Computer gebaut.
Henner: Und 1953 sind sie dann auch in die Serienfertigung von solchen Mainframe-Computern eingestiegen.
Henner: Vorher waren das meistens Einzelanfertigungen für bestimmte Organisationen,
Henner: für Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Henner: Und ab den 50er Jahren konnte man also auch als normales Unternehmen so einen
Henner: Computer kaufen oder zumindest mieten.
Henner: Die Computer gehen hervor in gewisser Weise aus den Tabelliermaschinen.
Henner: Das sind mechanische oder elektromechanische Maschinen, die genau eine Aufgabe
Henner: haben, nämlich Lochkarten auszulesen und auszuwerten.
Henner: Und diese Lochkarten, das sind einfache Pappkarten, später sind das Plastikkarten,
Henner: aber früher waren die noch aus Pappe und darin sind mehrere Reihen Löcher gestanzt
Henner: und in der Anordnung dieser Löcher, in der Abfolge Loch, kein Loch und so weiter,
Henner: sind Zeichen kodiert, alphanumerische Zeichen, also Buchstaben oder Zahlen.
Henner: Und eine typische Lochkarte dieser Zeit, die fasst auf diese Weise den Code für 80 Zeichen.
Henner: Also wenn man so will, passen da 80 Byte drauf, auch wenn man das damals natürlich
Henner: noch nicht so bezeichnet hat.
Henner: IBM ist damals aufgestiegen zum weltgrößten Hersteller von solchen Karten.
Henner: Die haben in der Mitte der 50er Jahre ein Fünftel ihres Umsatzes nur mit solchen
Henner: Karten gemacht. Die haben auch ein Format für diese Karten standardisiert,
Henner: das auch andere Hersteller verwendet haben.
Henner: Das war natürlich ein sehr einträgliches Geschäft, aber IBM hat trotzdem allerhand
Henner: unternommen, um dieses eigene Geschäft zu torpedieren, unter anderem ja auch
Henner: durch die Diskette, zu der wir noch kommen.
Henner: Die ersten Computer haben dann erstmal diese bewährten Datenträger von ihren
Henner: Vorgängern übernommen, also von den Tabelliermaschinen und auch für die Ein-
Henner: und Ausgabe von Daten Lochkarten verwendet.
Henner: Da waren dann also Lochkartenlesegeräte angeschlossen und Lochkartendrucker,
Henner: damit die Computer ihre Ergebnisse auch auf Karten ausgeben konnten.
Henner: Aber dabei blieb es nicht.
Henner: Dann kam bald schon ein etwas fortschrittlicheres Laufwerk dazu.
Chris: Und das sind die ersten Magnetbandlaufwerke. Da sind wir jetzt im Jahr 1952
Chris: und da passen natürlich wesentlich größere Datenmengen drauf als auf so eine Lochkarte.
Chris: Ein einzelnes Band kann schon mehr als ein Megabyte speichern.
Chris: Für diese Zeit ist das eine enorme Datenmenge und vor allen Dingen natürlich
Chris: auch sehr viel schneller einlesen als bei diesen Lochkarten.
Chris: 7500 Byte pro Sekunde, um genau zu sein. Diese Magnetbänder,
Chris: die sind 1,2 Zentimeter breit, die sind auf große Rollen aufgewickelt,
Chris: die basieren auf etablierter Technik, nämlich Tonbandtechnik,
Chris: also sind beschichtet mit magnetisierbaren Metallpartikeln und je nach Ausrichtung
Chris: ihrer Magnetisierung enthalten die dann unterschiedliche Informationen.
Chris: Und so ein Magnetband hat natürlich große Vorteile gegenüber einem Stapel von
Chris: Lochkarten. Damit kommt diese elektronische Revolution erst so richtig in Gang.
Chris: Es hat aber auch seine Probleme. Die gewaltigen Datenmengen auf dem Band sind
Chris: schwer zugänglich, denn logischerweise kann man so ein Band nur von vorne bis
Chris: hinten auslesen, also sequenziell.
Chris: Nun gut, du kannst theoretisch auch vorspulen zu einem beliebigen Teil des Bandes,
Chris: aber wir wissen alle, das dauert eine ganze Weile und man muss den richtigen
Chris: Einstiegspunkt dann auch erstmal finden.
Chris: Also ein direkter, ein wahlfreier Zugriff auf so einen bestimmten Datenpunkt
Chris: ist sehr, sehr aufwendig.
Chris: Diese Bänder sind hunderte Meter lang. Finde da mal den richtigen Punkt.
Chris: Anders als die Lochkarten. Ich meine, die Lochkarten kannst du beliebiger aus
Chris: dem Stapel ziehen und reinstecken in die Maschine.
Chris: Ja, da ist der wahlfreie Zugriff sehr viel leichter als beim Tonband.
Chris: Man bräuchte also irgendeine Technologie, die das Beste aus beidem vereint.
Chris: Also die die Geschwindigkeit und die Datenmengen, die Speichermengen von einem
Chris: Magnetband hat, aber gleichzeitig bessere Möglichkeit auf einzelne Daten zuzugreifen.
Henner: Ja, denn das ist wirklich ein Problem, wenn der Datenpunkt, den man braucht,
Henner: jetzt gerade in der Mitte des Bandes ist, aber das Turmband oder dieses Magnetband
Henner: ist gerade komplett aufgerollt.
Henner: Da muss man es erstmal komplett abrollen, um an die Mitte zu kommen. Das ist das Problem.
Henner: Also es wäre jetzt eine Lösung zum Beispiel, das ganze 700 Meter lange Magnetband komplett auszurollen.
Henner: Da braucht man halt eine sehr lange Halle, in der man das machen kann.
Henner: Und dann kann man auf beliebige Datenpunkte zugreifen.
Chris: Ja, Opfer müssen gebracht werden bei der neuen Technologie. Dann braucht man halt große Hallen.
Henner: Ja, das wäre eine Lösung. Du bräuchtest halt einen Lesekopf,
Henner: der sich sehr schnell bewegt von einem Ende des Bandes zum anderen,
Henner: aber so hätte man zumindest den direkten, den wahlfreien Zugriff.
Henner: Aber das ist vielleicht nicht die optimale Lösung, also entwickelt IBM etwas
Henner: anderes, eine andere Anordnung dieser Magnetfläche.
Henner: Und 1952 schon stellt IBM eine Gruppe von Ingenieuren zusammen,
Henner: die ein neues Speichermedium entwickeln soll, das, wie du sagst,
Henner: die Vorteile verschiedener Medien kombiniert, also die große Kapazität und die
Henner: Datenübertragungsgeschwindigkeit des Magnetbandes mit dem wahlfreien,
Henner: mit dem direkten Zugriff.
Henner: Und diese Gruppe von Ingenieuren, die werden angesiedelt in einem neuen kalifornischen
Henner: IBM-Forschungszentrum, das dort seinen Sitz hat, wo heute das Silicon Valley ist.
Henner: Das hat man damals allerdings noch nicht so genannt, das entstand dann erst in den 60ern.
Henner: Und die sollten eine alternative Methode der digitalen Datenspeicherung entwickeln.
Henner: Die haben dann frei experimentiert und Verschiedenes probiert,
Henner: wahrscheinlich nicht die Variante mit dem ausgerollten Band in einer langen Halle vermutlich.
Henner: Aber etwas klügere Alternativen, die haben stabförmige Datenträger ausprobiert,
Henner: streifenförmige und auch plattenförmige.
Henner: Und das hat sich bewährt. Schließlich sind die Ingenieure dann bei solchen runden
Henner: Platten oder Scheiben gelandet.
Henner: Zunächst aus Aluminium, die beschichtet waren mit magnetisierbarem Eisenoxid.
Henner: Das ist die gleiche Technik wie beim Magnetband. Aber hier ist sie eben nicht
Henner: mehr bandförmig, nicht mehr ausgerollt, sondern auf einer Scheibe aufgebracht. Rund.
Henner: So eine Scheibe, die wird auch Platter genannt. Also nicht Platte, sondern Platter.
Henner: Später bei den Festplatten, denn genau das ist die Entwicklung,
Henner: auf die wir jetzt zulaufen. Solch eine Platterscheibe, die dreht sich wie eine
Henner: klassische Schallplatte auf einer Spindel.
Henner: Also in der Mitte ist ein Loch und in dieses Loch passt die Spindel,
Henner: die motorisiert angetrieben ist und sich sehr schnell dreht.
Henner: Und so dreht sich auch die ganze Scheibe im Laufwerk.
Henner: Und wie beim Plattenspieler wandert ein Lesekopf obendrauf an einem beweglichen
Henner: Arm vor und zurück und erreicht so theoretisch alle Positionen auf der Oberfläche.
Henner: Er muss nur halt warten, bis die richtige Position unter ihm vorbeisaust,
Henner: aber wenn sich diese Platte schnell genug dreht, dann dauert das nicht lang
Henner: und so hat man sehr, sehr kurze Zugriffszeiten.
Henner: Anders als beim Plattenspieler wird allerdings die Oberfläche hier vom Tonabnehmer
Henner: sozusagen niedergelassen.
Henner: Also der Lesekopf, der schwebt mit mikroskopisch kleinem Abstand über der Oberfläche
Henner: und zwar mithilfe einer kleinen Luftdruckdüse, die dafür sorgt,
Henner: dass der Lesekopf nicht direkt aufsetzt.
Henner: Denn das würde bei den hohen Drehgeschwindigkeiten, die hier erreicht werden,
Henner: die Oberfläche beschädigen.
Henner: Trotzdem ist diese Technik ziemlich schwer zu beherrschen. Auch die Idee mit
Henner: der Luftdruckdüse, die haben die Ingenieure nicht sofort.
Henner: Das ist das Ergebnis von langen Experimentierreihen, denn in den ersten Versuchen
Henner: verformen sich diese schnell rotierenden Magnetscheiben immer noch.
Henner: Vier Jahre lang dauert es, bis die Ingenieure dieses Problem gelöst haben und
Henner: das Ergebnis ist dann die erste Festplatte der Welt, die heißt einfach IBM 350.
Henner: IBM war immer schon sehr originell bei der Namensgebung von neuen Produkten.
Henner: Für so eine Revolution, etwas unterwältigender Name.
Henner: Und diese IBM 350 wird vorgestellt im September des Jahres 1956 als Bestandteil
Henner: eines größeren Computers, eines Mainframe-Rechners, der gleichzeitig vorgestellt wird.
Henner: Das ist der IBM 305, auch bekannt als RAMAC.
Henner: Das ist ein Akronym und das heißt Random Access Memory Accounting and Control.
Henner: Und der wesentliche Bestandteil ist hier Random Access, also wahlfreier direkter Datenzugriff.
Henner: Das wird bei diesem Computer erstmals möglich, denn der hat eine Festplatte.
Chris: Wie muss man sich das vorstellen, diesen Remag? Das ist ein Schrank,
Chris: groß wie ein Kleiderschrank, der ist tonnenschwer, also der ist fast zwei Meter
Chris: hoch, der ist eineinhalb Meter breit und der enthält nicht nur eine von diesen
Chris: neuartigen Aluminiumscheiben, sondern 50 Stück.
Chris: Jede davon hat einen Durchmesser von 61 Zentimetern.
Chris: Zum Vergleich, so eine typische LP, also eine Schallplatte, hat ungefähr 30
Chris: Zentimeter Durchmesser.
Chris: Das heißt, diese Festplattenscheiben sind ungefähr doppelt so groß,
Chris: jede einzelne, wie eine normale Schallplatte. Damit die da reinpassen,
Chris: sind die in großen Zylindern gestapelt.
Chris: Und jeder dieser Stapel hat zwei Lese-Schreibarme, die nicht nur auf einer einzelnen
Chris: Platte bewegt werden, sondern auch noch hoch und runter in diesen Plattenstapel.
Chris: Also das ist eine relativ komplexe Technologie. Aber dafür können hier auch
Chris: unfassbare Mengen von Daten draufliegen, insbesondere für die Zeit,
Chris: nämlich 3,75 Megabyte an digitalen Daten.
Chris: Das sind ungefähr 5 Millionen 6-Bit-Zeichen.
Chris: 6-Bit deswegen, weil wir hier noch in der Ära sind, wo die IBM-Rechner mit 6-Bit
Chris: rechnen und noch nicht mit 8.
Chris: Das sind, wenn man das umrechnen würde in Lochkarten, der Gegenwert von 64.000
Chris: Lochkarten. Ich weiß gar nicht, was mehr Platz einnimmt, wenn man 64.000 Lochkarten
Chris: stapelt oder sich so einen IBM 305 hinstellt. Vermutlich kommt es ungefähr aufs Gleiche raus.
Chris: Und du sagtest vorhin schon, diese Platten drehen sich sehr schnell,
Chris: nämlich mit 1200 Umdrehungen pro Minute.
Chris: Das ist auch deswegen notwendig, damit die Daten dort schnell gefunden werden
Chris: können. Also die Zugriffszeit hier ist im Schnitt 0,6 Sekunden,
Chris: um den richtigen Datenpunkt zu finden in so einem Plattenstapel. Das ist schon enorm.
Chris: Es ist für die Praxis quasi ein verzögerungsfreier Zugriff, ein Echtzeitzugriff
Chris: auf beliebige Datenpunkte und ermöglicht damit auch völlig neue Anwendungen,
Chris: also zum Beispiel elektronische Datenbanken.
Chris: Dank dieser Festplatte wandelt sich der Computer von der im Endeffekt reinen
Chris: Rechenmaschine, die er vorher war, jetzt zu einer Datenverarbeitungsmaschine.
Chris: Und das wie gesagt im Jahr 1956.
Chris: Das ist also 70 Jahre her.
Henner: Aber IBM ist damit noch nicht zufrieden. Die entwickeln die Festplatte immer weiter.
Henner: Es kommen neue Generationen raus, bald auch eine mit 10 Megabyte und sie wachsen immer weiter.
Henner: Und nicht nur das, 1958 geht IBM
Henner: den nächsten Schritt, dieses System weiterzuentwickeln und zu erweitern.
Henner: Das Projekt kriegt den Codenamen Low-Cost-File und aus dem geht 1962 ein neues
Henner: Festplattenlaufwerk hervor, ein Wechselfestplatten- oder Wechselmedien-System,
Henner: das IBM 1311 Disk Storage Drive.
Henner: Hier kann man also die einzelnen Scheiben, die Platter einer Festplatte wechseln.
Henner: Die Idee dahinter ist die, wenn jetzt die Kapazität so einer riesigen Festplatte
Henner: mal nicht ausreichen sollte, kaum vorstellbar, man dachten ja immer,
Henner: die wird nie voll, aber wenn das da doch mal passiert,
Henner: dann müssen die Unternehmen oder die staatlichen Institutionen oder Forschungseinrichtungen
Henner: nicht etwa noch eine weitere Festplatte dazu kaufen oder mieten,
Henner: wie das zu der Zeit üblich ist.
Henner: Die sind ja auch riesengroß, wie du es beschrieben hast.
Henner: Die haben enorme Ansprüche, was den Raumbedarf und die Raumkühlung und die Raumstabilität
Henner: auch angeht. Die wiegt ja nun mal eine Tonne.
Henner: Dann muss man also nicht eine weitere Festplatte dazu mieten,
Henner: sondern man kann einfach nur die Platter, also die Magnetscheiben rausnehmen
Henner: und weitere hineinsetzen. Stapelweise nicht einzeln und so die Kapazität erhöhen.
Henner: Die IBM-Anleitung behauptet praktisch unbegrenzt erhöhen.
Henner: Und das stimmt ja auch, wenn man denn unbegrenzten, gut gesicherten Stauraum
Henner: hat für diese klobigen Wechselmedien.
Chris: Also damit man sich das vorstellen kann, dieses Add-on, diese IBM 1311 ist selbst
Chris: eine Maschine von der Größe von einer Waschmaschine ungefähr.
Chris: Hier nochmal der Hinweis, unsere Folgen haben immer Kapitelbilder,
Chris: auch hier, wenn ihr sehen wollt, wie die Sachen aussehen, die wir beschreiben,
Chris: dann könnt ihr das in den Kapitelbildern angucken und für mich sieht das aus
Chris: wie ein Nachtspeicherofen. Auch so eine veraltete Technologie,
Chris: die man heute vielleicht nicht mehr kennt.
Chris: Da sind also diese Platter drin, wie du gerade schon gesagt hast.
Chris: Die bestehen in diesem Fall aus sechs von diesen Festplattenscheiben.
Chris: Und da ist oben ein Henkel dran, damit man die nämlich besser rausziehen kann.
Chris: Und das von dir gerade schon erwähnte Handbuch, das es dazu gibt,
Chris: sagt, die Plattenstapel, die gerade nicht in der Benutzung sind,
Chris: die könne man ja in seinem Safe oder in einer Tresorkammer lagern.
Chris: Und das zeigt schon den Anwendungsfall, für das das vorgesehen ist.
Chris: Da sind eher keine Spiele drauf auf diesen Dingern.
Henner: Nee, und es ist auch nicht gedacht für den einfachen Datentransport.
Chris: Es wiegt auch ordentlich was, dieses Ding.
Henner: Jaja, genau. Und es ist sehr empfindlich. Also es ist nicht so gedacht,
Henner: dass man die Daten einfach von einer Firmeneinrichtung quer durchs Land zur
Henner: nächsten transportieren kann.
Henner: Das haben sicherlich einige Unternehmen auch gemacht, aber das ist nicht der
Henner: primäre Einsatzzweck gewesen.
Henner: IBM hat für diesen Fall spezielle Transportbehälter verkauft oder vermietet, das weiß ich nicht.
Henner: Die fünf Zentimeter dicke Polsterung enthielten und denen auch eine eigene Anleitung
Henner: beilag, wie man damit umzugehen hat, wie man die vorsichtig transportieren muss.
Henner: Also das ist nicht sehr robust, diese Technik.
Henner: Also das ist wirklich nur dafür gedacht, dass man die Kapazität der Festplatte
Henner: erweitert und die Dinge eben direkt neben der Festplatte möglichst lagert in
Henner: einem Schrank oder in einem Tresor, aber nicht quer durch die Welt schickt.
Henner: Diese Diskpacks, wie IBM sie nennt,
Henner: die sind mit den sechs 14 Zoll Scheiben in ihrem Schutzbehälter aus Plastik
Henner: ungefähr 40 Zentimeter breit und 10 Zentimeter dick und wiegen 4,5 Kilogramm.
Henner: Der Aufbau und die Technik, die ähneln also schon entfernt der späteren Diskette,
Henner: aber es gibt dann doch noch einige Unterschiede in Bezug auf Handlichkeit und Portabilität.
Henner: Und es ist eben noch ein recht empfindliches System, weil diese Platter für
Henner: den Einsatz aus ihrer Plastikhülle rausgenommen werden müssen.
Henner: Die Diskette später, die bleibt ja immer in ihrem Plastikumschlag,
Henner: aber diese Diskpacks nicht.
Henner: Die werden immer rausgenommen, bevor sie dann eingesetzt werden können.
Henner: Und das ist natürlich sehr empfindlich. Bei diesem Einsatzprozess kann natürlich
Henner: auch ein bisschen Staub ins Gerät gelangen,
Henner: Davor warnt auch die Anleitung von IBM und sagt, man müsse im Maschinenraum
Henner: höchste Sauberkeit bewahren und auch, die geben auch praktische Tipps,
Henner: sehr nett, täglich mit Staubsauger oder Wischmob reinigen, dann kommt kein Staub ins Laufwerk.
Henner: Nun, das klingt alles etwas unpraktisch, aber trotzdem setzt sich dieses System
Henner: für eine ganze Weile durch, nicht nur bei IBM, andere Hersteller machen das nach.
Henner: Das kennen wir ja von IBM, dass die anderen Hersteller gern das kopieren,
Henner: was der große Marktführer vorgibt. Der setzt die Standards.
Henner: Und andere Hersteller wie DEC zum Beispiel, die etablieren ähnliche Wechselplattensysteme
Henner: oder wir sollten eher sagen Wechselplattersysteme, weil nicht die ganze Festplatte
Henner: gewechselt wird, sondern nur die einzelnen Scheiben für ihre eigenen Computer.
Henner: Für die Minicomputer wie den PDP8 zum Beispiel.
Henner: Das ist der erste in Massen gefertigte Mini-Rechner der Welt.
Henner: Dann kommt der nächste Evolutionssprung, wieder ausgehend von IBM.
Henner: 1964 werden diese Wechselmedien ein bisschen kleiner und ein bisschen handlicher.
Henner: Da kommt das IBM-Modell 2310 raus und dessen Wechselmedien, die enthalten jetzt
Henner: nicht mehr sechs von diesen Scheiben, sondern nur noch eine einzelne,
Henner: eine beidseitig beschriebene Scheibe,
Henner: die auch eine etwas höhere Datendichte hat als vorher.
Henner: Und somit passt da immerhin ein Megabyte drauf.
Henner: Das ist noch etwas näher dran an der Diskette. Und auch dieses System setzt sich schnell durch.
Henner: Auch hier werden diese Medien und die Laufwerke in ähnlicher Form von anderen
Henner: Herstellern nachgebaut.
Henner: Das ist das Schicksal jedes IT-Pioniers und von IBM ganz besonders.
Henner: Jetzt sind wir der Diskette bereits recht nah.
Henner: Diese IBM 2315er Wechselplatte, die sind ja schon deutlich kompakter als die
Henner: früheren mit ihren sechs Scheiben.
Henner: Die sind jetzt nur noch dreieinhalb statt zehn Zentimeter dick.
Henner: Jetzt scheint es doch eigentlich so, Christian, als würde diese Entwicklung immer so weitergehen.
Henner: Diese Medien werden immer ein bisschen kleiner, ein bisschen handlicher und
Henner: so landen wir dann eines Tages ganz logisch bei der Floppy, bei der Diskette. Aber so ist es nicht.
Henner: Es ist kein direkter Weg von diesen Wechselplattern hin zur Diskette.
Henner: Die hat einen ganz anderen Ursprung.
Chris: Genau, das ist teilweise eine Parallelentwicklung, aber wie wir ja schon festgestellt
Chris: haben, die Festplatte war vorher dran.
Chris: Also wo geht denn der Weg der Diskette dann los? Vielleicht stellen wir uns
Chris: mal die Frage, wer ist denn eigentlich Mutter oder Vater der Diskette?
Chris: Und eine oberflächliche Suche bringt dann vor allem einen Namen hervor,
Chris: nämlich einen Japaner namens Nakamatsu Yoshiro.
Chris: Das ist ein japanischer Erfinder, ein, ich sage mal vorsichtig,
Chris: eine schillernde Persönlichkeit, der behauptet, er habe bereits 1952 ein entsprechendes Patent eingereicht.
Chris: Und wie einiges, was der Herr Yoshiro im Laufe seines Lebens behauptet hat,
Chris: ist das nicht unbedingt die ganze Wahrheit.
Chris: Er hat sich da tatsächlich was patentieren lassen.
Chris: Das ist eine Art Tonträger aus Papier, der auch biegsam ist,
Chris: der auch flach ist, aber damit hören die Gemeinsamkeiten mit der Diskette schon wieder auf.
Chris: Der taucht ja eigentlich nur deswegen auf in der Geschichte,
Chris: weil IBM dann später in den 70er Jahren tatsächlich diese Patente oder Lizenzen
Chris: zu diesen Patenten von Nakamatsu Yoshiro gekauft hat.
Chris: Sie haben selber damals gesagt, das hätte gar nichts mit der Diskette zu tun.
Chris: Aber sicherheitshalber haben sie sie trotzdem mal lizenziert,
Chris: um keinen Ärger zu bekommen. Also an der Stelle verlässt dieser Japaner unsere
Chris: Geschichte auch wieder und wir stellen uns die Frage nochmal,
Chris: wer ist denn der wahre Erfinder?
Chris: Nun hast du vorhin ja schon in einem Nebensatz fallen lassen,
Chris: IBM sei der Ort, wo die Diskette erfunden wurde.
Chris: Also hier müssen wir suchen und da gibt es viele Quellen, die nennen den Namen
Chris: Alan Shugart oder auch kurz Al Shugart, so werden wir ihn im Weiteren auch nennen.
Chris: Und der hat später in einem Interview gesagt, es gäbe seiner Einschätzung nach
Chris: vielleicht ungefähr 17 Leute, die das für sich beanspruchen,
Chris: der Vater der Diskette zu sein. Er selbst hat dann drei Namen genannt.
Chris: Sich selbst hat er bescheiden ausgeklammert. Diese drei anderen Namen sind David
Chris: Noble, Herbert Thompson und Ralph Flores.
Chris: Und ja, alle diese vier Herren spielen tatsächlich eine wichtige Rolle in dieser Geschichte.
Chris: Aber jetzt müssen wir nochmal zu dieser Frage zurückkommen. Warum überhaupt
Chris: diese Neuentwicklung? Warum wird denn jetzt hier parallel zur Festplatte noch
Chris: eine andere Entwicklung angestoßen?
Chris: Und da geht es nicht unbedingt um große Datenmengen wie bei den Differenzieren.
Chris: Taskpacks bei den Festplatten von IBM. Da geht es nicht um schnelle Zugriffszeiten.
Chris: Das haben wir ja da alles schon. Es geht um was anderes.
Chris: Ein Anwendungsfall, der mit viel kleineren Datenmengen zu tun hat.
Henner: Ganz genau. Und jetzt müssen wir nochmal einen Schritt zurückgehen in die 50er Jahre.
Henner: Wir waren schon weiter, es tut mir leid, aber also die ersten Computer aus den
Henner: 1950er Jahren und natürlich erst recht die aus den 40ern sind noch fest verdrahtete Maschinen.
Henner: Man kann sie zwar programmieren, ihnen neue Befehle erteilen und sie mit neuen
Henner: Daten füttern, aber ihre grundlegende Arbeitsweise,
Henner: die Logik, mit der sie solche Eingaben und den Programmcode verarbeiten und
Henner: am Ende ihr Ergebnis ausgeben,
Henner: so eine Art basaler Maschinensprache, ein bisschen wie das spätere BIOS,
Henner: das ist festgeschrieben in der Hardware, wurde festgelegt bei der Fertigung
Henner: durch die Verdrahtung und in Form von Logik-Gattern, also elektronischen Schaltungen.
Henner: Damit sind diese Rechner aber sehr, sehr unflexibel. Wenn man etwas ändern will
Henner: an dieser Programmausführung, an dieser grundlegenden Logik,
Henner: etwa eines IBM 1401 aus dem Jahr 1959.
Henner: Ja, dann muss man die Maschine neu verdrahten.
Henner: Das kann auch der Kunde, also der Computerbetreiber, nicht selber machen.
Henner: Dafür muss ein Ingenieur von IBM angefordert werden, der dann im Computerraum
Henner: diese Neuverdrahtung vornimmt nach den Vorgaben des Kunden.
Henner: Ja, das ist sehr aufwendig und unflexibel. Es gibt dann recht bald,
Henner: zumindest theoretisch in der Praxis erst später, aber in den 50er Jahren schon
Henner: eine Erfindung, die dieses Problem löst.
Henner: Und das ist der sogenannte Micro-Code oder Mikro-Code.
Henner: Den gibt es auch heute noch in ähnlicher Form. Dieser Micro-Code,
Henner: das ist, wie der Name schon sagt, Programm-Code, das ist Software.
Henner: Und Micro-Code verlagert jetzt diese Prozessor-Logik, also die grundlegende
Henner: Steuer-Logik eines Computers, von den fixen Schaltkreisen, von den Drähten,
Henner: in winzige kleine Programm-Code-Routinen.
Henner: Dieser Programmcode, der muss natürlich irgendwo abgelegt sein in einem speziellen
Henner: Speicher und das ist noch nicht der Arbeitsspeicher etwa oder die Festplatte,
Henner: sondern der liegt damals in einem speziellen Speicher, dem sogenannten Control
Henner: Store, so nennt IBM den zumindest.
Henner: Weil es diesen Mikrocode gibt, braucht man keine größeren Hardware-Eingriffe
Henner: mehr, um etwas am Programmablauf zu ändern.
Henner: Es reicht dann fortan ein Software-Update.
Henner: Also wie gesagt, diese Erfindung des Mikrocodes oder Mikrocodes,
Henner: die gibt es schon in den 50ern, aber sie setzt sich erst in den 60er Jahren durch.
Henner: Gebrauch von dieser neuen Technik macht zum Beispiel IBMs ganz wesentliche Großrechnerserie
Henner: System 360, die 1964 eingeführt wird.
Henner: Das ist kein einzelner Computer, das ist eine große Familie von Computern,
Henner: die über viele Jahre erweitert wird.
Henner: Und kleine Änderungen an diesem Mikrocode erlauben das jetzt,
Henner: die verschiedenen IBM System 360 Modelle anzupassen an verschiedene Anforderungen,
Henner: auch wenn die architektonisch, wenn sie technisch von der Hardware her identisch sein mögen.
Henner: Je nachdem, was der Kunde verlangt, wofür er seinen Rechner einsetzen will,
Henner: kann man also diesen Mikrocode anpassen und den Computer auf diese Weise anders programmieren.
Henner: Oder auch Abwärtskompatibilität herstellen, zum Beispiel mit früheren Computern,
Henner: mit älteren IBM Mainframes.
Henner: Abwärtskompatibilität, das ist ja später das große Erfolgsgeheimnis von IBMs
Henner: PCs. Das spielt aber hier schon eine wesentliche Rolle.
Chris: Also dieses System 360 ist so eine
Chris: Revolution, das wäre fast eine eigene Technikfolge irgendwann mal wert.
Chris: Nun hast du ja gerade schon gesagt, dieser Micro-Code liegt im Control-Store.
Chris: Was ist es denn, wenn es noch keine Festplatte ist? Was für ein Speicher ist das?
Chris: Nun, das ist eine Lochkarte. Wir sind wieder bei Lochkarten.
Chris: Allerdings funktioniert die ein bisschen anders. Die ist aus Kunststoff und
Chris: da sind Drähte eingelassen und über diese Drähte kann ausgelesen werden,
Chris: ob die Löcher jeweils für eine 1 oder eine 0 stehen, also für die Bits.
Chris: Und das ist schon ein Vorteil gegenüber einer Neuverdrahtung von dem ganzen System.
Chris: Aber wenn man den Micro-Code ändern möchte, muss trotzdem ein IBM-Ingenieur
Chris: kommen und muss neue Lochkarten einsetzen in deinen Rechner.
Chris: Das geht natürlich einfacher und ist weniger kostenanfällig.
Chris: Aber das ist immer noch nicht die Flexibilität, die man sich eigentlich wünscht.
Chris: Aber immerhin, wenn man sich so ein Bild von diesen Kunststoffkarten anguckt.
Chris: Das ist hier schon ein Datenträger und der ist auch unbestreitbar schon floppy, wenn du mich fragst.
Chris: Der ist weich und wabbelig und man kann auf ihm sogar die Daten sehen,
Chris: was ja doch ein großer Vorteil ist, weil wie gesagt, diese Löcher sind da drin
Chris: und durch die Drahtspulen kann man sogar erkennen, welches Bit eine 1 und welches eine 0 ist.
Chris: Aber im Endeffekt noch eine Lochkarte. Man bräuchte jetzt also einen Control
Chris: Store, der wiederbeschreibbar ist.
Chris: Also das heißt, wo man einen neuen Micro-Code einfach softwareseitig reinschreiben
Chris: kann, anstatt die Karten auszutauschen.
Chris: Und ein solcher wiederbeschreibbarer Control Store kommt dann 1968 in einer
Chris: anderen Variante des System 360 im Modell 25.
Chris: Und dieses Modell enthält eine Festplatte, das enthält Arbeitsspeicher und das
Chris: enthält auch 16 KB wiederbeschreibbaren Microcode-Speicher.
Chris: Die Updates dafür, die werden in diesen Control Store eingespielt,
Chris: entweder über Lochkarten oder Magnetbänder oder über Wechselplatte.
Chris: Das ist da flexibel und die Kunden können das jetzt auch selbst durchführen,
Chris: ohne dass sie vorher bei IBM anrufen müssen.
Chris: Und das erlaubt jetzt tatsächlich schnelle Bugfixes oder auch neue Funktionen freizuschalten.
Chris: Rechengenauigkeit zum Beispiel, wenn der Kunde sie bestellt.
Chris: Also wenn man so möchte, ist das eine frühe Form des On-Disk-Rolls.
Chris: DLCs, die man da von IBM bekommen kann. Aber das ist natürlich auch nur ein Zwischenschritt.
Chris: Diese Entwicklung schreitet zu der Zeit rasant voran.
Henner: Genau, denn ebenfalls 1968, da kommt ja dieses System 360 Modell 25 auf den
Henner: Markt, aber da erscheint noch ein weiteres Modell, das etwas höherwertige, das teurere Modell 85.
Henner: Und das geht technisch noch einen Schritt weiter. Das hat auch so einen wiederbeschreibbaren
Henner: Control Store, Ist also state of the art für den Mikrocode.
Henner: Aber das setzt dafür eine andere Speichertechnik ein, nämlich SRAM,
Henner: Speicherzellen auf Halbleiterbasis.
Henner: Das ist damals der neueste Schrei und das ist ja bis heute aktuell.
Henner: SRAM ist ja eine frühe Vorform von DRAM, das wir heute noch in unseren Rechnen haben.
Henner: Und diese Speicherform, die ist viel schneller als die Speichertechnik,
Henner: die vorher vorherrschend war.
Henner: Das war magnetischer Kernspeicher. Da brauchen wir nicht näher darauf einzugehen,
Henner: denn der ist bald obsolet.
Henner: Und dieser neue SRAM-Speicher, der wird auch für andere Zwecke eingesetzt.
Henner: Der gleiche Rechner, dieses System 360 Modell 85, hat auch einen neuen Cache-Zwischenspeicher,
Henner: wie man ihn heute auch noch hat, in ähnlicher Form.
Henner: Und auch die ganz neue Mainframe-Familie System 370, die ab 1970 rauskommt,
Henner: die verwendet auch im großen Maße diese SRAM-Speicherzellen.
Henner: Das ist also hier der Mikrocode-Speicher, der ist sehr, sehr schnell,
Henner: aber hat auch einen großen Nachteil gegenüber dem alten Kernspeicher,
Henner: der vorher verwendet wurde.
Henner: Der ist nämlich volatil, ganz so wie Arbeitsspeicher es heute auch noch ist.
Henner: Das heißt, der behält die Daten nicht. Sobald der Strom weg ist,
Henner: wenn die Spannung weg ist, das System abgeschaltet wurde, verschwinden alle
Henner: Daten, die in diesem Chip abgespeichert waren.
Henner: Das war beim Kernspeicher nicht der Fall, das ist auch bei der Festplatte nicht
Henner: der Fall, aber bei diesem SRAM Chips ist das nun mal so.
Henner: Das heißt aber, wenn der Rechner gestartet wird, dann muss der Mikrocode erstmal
Henner: wieder aufs Neue in diese SRAM-Speicherchips reingeladen werden,
Henner: bei jedem einzelnen Systemstart.
Henner: Sonst ist er leer und dann kann der Rechner nicht arbeiten.
Henner: Jetzt brauchen wir also ein Medium, um den Micro-Code bei jedem einzelnen Systemstart
Henner: daraus zu lesen und in den SRAM-Speicher reinzuladen.
Henner: Übrigens ist das, was wir hier beschreiben, nicht etwa veraltet,
Henner: sondern im Grunde passiert das bei modernen x86-basierten PCs immer noch.
Henner: Deren Prozessoren, die haben natürlich auch eine Form von Micro-Code und der lässt sich auch ändern.
Henner: Da gibt es ab und zu mal Patches, wenn wieder neue Sicherheitslücken bekannt
Henner: werden bei Intel oder AMD,
Henner: dann stellt der Hersteller Patches bereit, also kleine Code-Updates für den
Henner: Mikrocode und die werden übers BIOS bei jedem einzelnen Rechnerstart frisch
Henner: in diesen Mikrocodespeicher in der CPU reingeladen.
Henner: Also ganz ähnlicher Vorgang wie damals.
Henner: Also woher soll der Mikrocode kommen, der beim Rechnerstart in den Control Store
Henner: geladen wird das könnte man jetzt wieder mit einer Lochkarte machen,
Henner: Aber die hat zu wenig Kapazität. Du hast es ja gerade beschrieben,
Henner: dieses System 360 Einstiegsmodell 25,
Henner: das hat 16 Kilobyte von diesem wiederbeschreibbaren Mikrocode-Speicher.
Henner: Und der wird ja in späteren Generationen immer größer.
Henner: Also mit einer Lochkarte, die 80 Byte speichert, kommt man da nicht weit.
Chris: Dauert eine Weile.
Henner: Richtig, dann muss man sehr viel hantieren mit sehr vielen Lochkarten,
Henner: so wie wir später mit Disketten hantiert haben, aber noch ein bisschen schlimmer.
Henner: Und klassische Magnetbänder könnte man nehmen grundsätzlich,
Henner: aber das ist IBM nicht flexibel genug.
Henner: Denn, das Problem haben wir ja auch schon beschrieben, das Magnetband erlaubt
Henner: keinen direkten Datenzugriff, keinen wahlfreien Zugriff.
Henner: Den will IBM aber haben, damit nicht immer dieselben Daten gelesen werden müssen,
Henner: damit man zum Beispiel bei Bedarf Diagnoseprogramme starten kann.
Henner: Wenn also der Rechner nicht in einen normalen Arbeitsmodus versetzt werden soll,
Henner: sondern in einen Diagnosemodus, dann muss er einen anderen Code laden und dafür
Henner: ist ein wahlfreier Zugriff auf dieses Speichermedium nötig.
Henner: Das heißt, dafür ist das Magnetband ungeeignet.
Henner: Außerdem ist das natürlich ziemlich langsam und es gibt Kabelsalat und naja,
Henner: all die üblichen Magnetbandprobleme bringt das mit sich. Also startet IBM wieder
Henner: einmal, die Geschichte wiederholt sich, ein neues Forschungsprojekt.
Henner: Diesmal lautet der Auftrag, Leute, entwickelt ein neues Speichermedium,
Henner: einen alternativen Datenträger, nur für diesen einen Zweck, für das initiale
Henner: Laden des Mikrocodes in den SRAM-Speicher eines Computers.
Chris: Und dieses Forschungsprojekt startet im Jahr 1967. Beauftragt damit wird der
Chris: Elektrotechnik-Ingenieur David Noble.
Chris: Damit haben wir jetzt den ersten der vier Namen, die wir vorhin schon gehört haben.
Chris: Noble hat zuvor bereits an den Festplatten von IBM mitgearbeitet.
Chris: Das ist also ein qualifizierter Mensch.
Chris: Und jetzt lautet sein Auftrag, diesen Datenträger für den ICPL-Prozess zu entwerfen.
Chris: Initial Control Program Load, so heißt das noch etwas sperrig.
Chris: Und Noble arbeitet in einer Abteilung, deren Abteilungsleiter wiederum Al Shugart
Chris: ist. Also der Mensch, den wir vorhin auch schon gehört haben.
Chris: Dieses Projekt, das da einen Datenträger für diesen Ladevorgang erfinden soll,
Chris: erhält einen Codenamen, Minnow.
Chris: Das ist das englische Wort für die Elritze, also eine kleine Fischart.
Chris: Und außerdem eine Anforderungsliste. Dieses neue Medium soll günstig sein.
Chris: Es soll leicht austauschbar sein. robust, sodass man es auch einfach transportieren kann.
Chris: Es soll 65 KB Speicher fassen und eine Übertragungsrate von 15 bis 30 KB pro Sekunde ist angepeilt.
Chris: Die Zugriffszeit, also einen beliebigen Datenpunkt auf diesen Datenträger zu
Chris: finden und auszulesen, soll maximal fünf Sekunden betragen.
Chris: Das sind die Vorgaben. Es gibt aber auch eine Vorgabe, die explizit nicht dabei ist.
Chris: Und Wiederbeschreibbarkeit ist hier kein Kriterium. Also es reicht völlig aus,
Chris: wenn ein Medium entsteht, das man nur auslesen kann.
Chris: Dann probiert Noble da für einige Monate dran rum, probiert wie bei den Festplatten
Chris: damals auch erstmal verschiedene Lösungen, also Varianten von Starrenplatten
Chris: und Tonbändern, Schallplatten, Kassetten natürlich.
Chris: Sogar IBMs Magna Belt wird in Erwägung gezogen.
Chris: Das ist eine Art Tonband, das in einer Gürtelschleife verbunden ist.
Chris: Und das kommt in Diktiergeräten zum Einsatz.
Chris: Aber schließlich landet auch er wieder bei der Scheibe, der magnetbeschichteten Scheibe.
Chris: Und das, was er da findet, ist die Diskette.
Chris: Das ist vergleichbar mit den Blättern in einer Festplatte Und wohl auch inspiriert
Chris: durch die Speichertechnik in einem anderen Diktiergerät, nicht von IBM,
Chris: sondern aus Deutschland, von der Firma Telefunken.
Chris: Da kam nämlich 1959 ein Modell auf den Markt, das auf kleinen Scheiben Ton gespeichert
Chris: hat, ungefähr zehn Minuten pro Scheibe.
Chris: Noble erhält dann 1968 grünes Licht, um diese Idee zu einem marktfähigen Produkt
Chris: zu entwickeln und bekommt dafür weitere Ingenieure zur Seite gestellt.
Henner: Ja, und was dabei am Ende herauskommt, ich glaube, wir können es schon spoilern,
Henner: das ist halt die Diskette.
Henner: Jetzt verstehen wir auch, warum die Diskette keine direkte Weiterentwicklung
Henner: dieser Wechselplatte ist, die wir vorhin beschrieben haben.
Henner: Denn der Noble, der hat ja praktisch wieder bei Null angefangen,
Henner: hat alles mögliche ausprobiert,
Henner: hatte nicht die Vorgabe, die Wechselplatte zu verkleinern oder robuster zu machen,
Henner: sondern der hat ergebnisoffen und technologieoffen experimentiert,
Henner: ist aber am Ende wieder bei der gleichen Lösung gelandet.
Henner: Der Erkenntnis, dass solche Magnetscheiben im weitesten Sinne vielleicht die beste Lösung sind.
Henner: Aber seine Diskette, seine Entwicklung ist natürlich technisch viel einfacher
Henner: und schlichter als die Festplatte,
Henner: vor allem wegen dieser Vorgaben, dass sie ja günstig sein muss und robust und
Henner: sie muss ja auch nicht ganz so viel Kapazität halten wie eine Festplatte.
Henner: Nun, das Ergebnis ist eine 20 cm durchmessende Scheibe, also 8 Zoll Und die
Henner: steckt am Anfang noch nicht wie die spätere Diskette in einem Plastikumschlag,
Henner: sondern die ist noch lose.
Henner: Das ist also nur diese kleine schallplattenartige Platte.
Henner: Und die wird lose auf eine plattenspielerartige Apparatur geklemmt,
Henner: auf eine Spindel, die sich dreht und dort von einem Lesekopf abgetastet.
Henner: Das ist noch kein Schreib- und Lesekopf wie bei der Festplatte,
Henner: sondern ein reiner Lesekopf.
Henner: Denn du hast es ja gerade gesagt, das ist ein reines Lesemedium.
Henner: Wieder Beschreibbarkeit ist nicht geplant.
Henner: Nun verglichen mit der Festplatte ist diese Technik hier aber viel primitiver.
Henner: Das ist logisch wegen der IBM-Kostenvorgaben. Die Scheibe dreht sich viel langsamer
Henner: als die Festplattenplatte.
Henner: Die schafft ja 1200 Umdrehungen pro Minute.
Henner: Die Diskette ist ein bisschen langsamer. Und der Lesekopf, der bei den ersten
Henner: Prototypen, die die Ingenieure bauen, noch aus einem Bandlaufwerk stammt,
Henner: der schwebt nicht luftdruckgefedert knapp über der Oberfläche wie bei der Festplatte,
Henner: sondern schleift direkt darauf.
Henner: Das reduziert natürlich die Lebensdauer, das macht die Oberfläche nicht ewig
Henner: mit, dass da so ein Lesekopf drauf rumschleift.
Henner: Aber für tausendfachen Gebrauch ist die Diskette ja sowieso nicht gedacht.
Henner: Die soll ja nur einmal beim Rechnerstart den Mikrocode laden und dann hat sie
Henner: nichts mehr zu tun, bis der Rechner das nächste Mal gestartet wird. Und dafür reicht es.
Henner: Trotzdem erkennt Noble gemeinsam mit seinem Team bald, dass auch dieses System
Henner: recht anfällig ist für Staubpartikel.
Henner: Das Problem hatten die Wechselplatter ja auch schon.
Henner: Jedes Mal, wenn man so ein Medium ins Laufwerk legt, dann können da Staubpartikel
Henner: eindringen und das setzt sich fest auf der Magnetoberfläche und das stört den Lesevorgang.
Henner: Und deswegen ersinnt das Team bald einen Plastikumschlag, einen festen,
Henner: nicht entfernbaren Plastikumschlag.
Henner: Anders als bei den Wechselplattern bleibt er immer dran. Damit die Scheibe trotzdem
Henner: rotieren kann, gibt es eine kleine runde Aussparung in der Mitte und darüber
Henner: kann die Spindel den Datenträger drehen.
Henner: Außerdem gibt es innen aufgebracht innerhalb dieses kleinen Plastikumschlags
Henner: ein Gewebe, eine Art Stoffgewebe.
Henner: Dadurch wird die Scheibe gereinigt,
Henner: wenn sie sich dreht und so von Staub befreit. Sehr cleveres System.
Henner: Vorher, als die Diskette noch nicht in diesen Plastikumschlag steckte,
Henner: sondern noch lose ins Laufwerk gesteckt wurde,
Henner: da gab es im Laufwerk zwei Schaumstoffpolster, eins oben, eins unten,
Henner: das die Scheibe so ein bisschen fixiert hat, damit sie sich beim Drehen nicht
Henner: zu sehr hoch und runter bewegt und dabei auch noch gereinigt wird.
Henner: Das entfällt damit. Diese Schaumstoffpolster können wieder weg.
Henner: Dadurch verliert die Diskette jetzt aber ein bisschen Stabilität.
Henner: Das ist das gleiche Problem wie bei der Festplattenentwicklung.
Henner: Sie rotiert zu viel, das beschädigt wiederum den Lesekopf und so weiter.
Henner: Und da versucht das Team einiges, um sie stabiler zu machen,
Henner: damit sie nicht mehr so viel rumwabbelt im Laufwerk. Das ist der Fachbegriff.
Henner: Und um diese Stabilität ein bisschen zu erhöhen, da ergreifen sie verschiedene Maßnahmen.
Henner: Und eine davon ist es, die Diskette beidseitig zu beschichten mit dieser Eisenoxidschicht.
Henner: Obwohl die Diskette eigentlich nur einseitig beschrieben und gelesen wird.
Henner: Auf der Unterseite dieser Scheibe findet sich trotzdem auch diese Magnetschicht,
Henner: weil das die Stabilität ein bisschen erhöht hat.
Henner: Die wird natürlich später auch noch wichtig, denn wie wir wissen,
Henner: wird die Diskette später tatsächlich zweiseitig benutzt. Aber so weit sind wir hier noch nicht.
Henner: Im Februar 1969 ist das Team so weit, dass der Prototyp erste Tests absolvieren kann.
Henner: Ist auch praktisch schon fertig. Es sind nur noch kleinere Feintuning-Arbeiten zu erledigen.
Henner: Ein Jahr nach dem eigentlichen Projektbeginn. Das ist für IBM-Verhältnisse erstaunlich schnell.
Henner: Das ist ja so ein Konzern, der dafür bekannt ist, dass er sehr langsam agiert
Henner: wegen sehr komplexer Hierarchien und weil alles von 15 Arbeitsgruppen und Gremien
Henner: abgesegnet werden muss.
Henner: Aber hier sind sie doch sehr agil und agieren sehr schnell.
Chris: Das ist aber auch nicht so verwunderlich, finde ich, Weil strukturell und im
Chris: Aufbau ist da nicht wahnsinnig viel Neues drin in dieser Diskette,
Chris: wenn man das vergleicht mit dem, was bei den Festplatten alles schon definiert wurde.
Chris: Wir kommen gleich noch dazu, wie so eine Diskette funktioniert,
Chris: aber können das schon mal im Hinterkopf behalten.
Chris: Das ist eigentlich von der Art und Weise, wie diese Scheibe aufgebaut ist,
Chris: wie sie gedreht wird, wie sie gelesen wird, ist da jetzt nichts bahnbrechend Neues mit dabei.
Henner: Das stimmt, ja. Die grundlegende Technik ist die gleiche wie bei der Festplatte,
Henner: auch wenn sie eben nicht direkt abgeleitet wurde von der Festplatte.
Henner: Also im Februar 1969 sind sie weitgehend fertig, dann gibt es nur noch kleinere
Henner: Arbeiten zu erledigen für die Serienfertigung.
Henner: Der Noble ist mittlerweile ja schon längst nicht mehr alleine,
Henner: der hat ja ein großes Team mittlerweile um sich gescharrt, ungefähr 20 Ingenieure
Henner: arbeiten am Minnow-Projekt.
Henner: Aber dieses Team schrumpft bald auch wieder, denn der Abteilungsleiter Al Shugart,
Henner: der wechselt zur Konkurrenz.
Henner: Der geht zum Datenträgerhersteller Memorex, der gleich noch eine wichtige Rolle spielen wird.
Henner: Memorex gibt es schon länger und seit 1966 stellt Memorex auch eigene IBM-kompatible Wechselplatte her.
Henner: Und die bauen also auf auf das, was IBM erfunden hat.
Henner: Und der Shugart nimmt dabei auch ein paar Ingenieure mit aus dem Minnow-Team.
Henner: Wie viele, das ist nicht ganz klar, aber es gibt einige Berichte,
Henner: denen zufolge Shogart nach und nach in den folgenden Jahren insgesamt 50 Ingenieure
Henner: von IBM zu Memorex geholt hat.
Henner: Ich fand für diese Zahl jetzt keine konkreten Belege, aber sie wird wohl recht groß gewesen sein.
Henner: Der muss sich da ordentlich unbeliebt gemacht haben bei IBM, denke ich.
Chris: Aber beliebt bei den Ingenieuren, wenn sie ihm alle gefolgt sind.
Henner: Offenbar, ja. Und obwohl einige von diesen Herren, auch von den ursprünglichen
Henner: Diskettenentwicklern, nicht mehr bei IBM sind, als IBM fertig ist und das Ganze
Henner: schließlich patentieren lässt,
Henner: stehen deren Namen trotzdem noch in der Patentschrift.
Henner: 1972 wird dieses Patent erteilt und es ist ein zweiteiliges,
Henner: es gibt einmal das Patent für die Diskette selbst, dafür verantwortlich zeichnen
Henner: Ralph Flores und Herbert Thompson, das sind Patent.
Henner: Die zwei weiteren Namen, die Schroggart anfangs genannt hat als Diskettenväter.
Henner: Und es gibt noch einige weitere Herren, die zuständig waren für das passende Laufwerk.
Henner: Warren Dalziel, Jay Nielsen und Donald Wardner.
Henner: Aber weil die eben nur das Laufwerk gebaut haben, sind also die Diskettenväter die erst genannten.
Henner: Im Patent steht allerdings wenig von der Diskette, sondern das Patent heißt
Henner: Magnetic Record Disc Cover.
Henner: Aber also eigentlich ist dieser Mantel die eigentliche Erfindung und nicht die
Henner: Scheibe selbst, denn die gibt es ja schon in Form der Festplatte.
Chris: Ja, das ist auch die wesentliche Innovation dieser Mantel.
Chris: Aber jetzt können wir uns mal angucken bei dieser Gelegenheit,
Chris: wie diese 8 Zoll Diskette, die IBM hier marktreif entwickelt,
Chris: aussieht und wie sie funktioniert.
Chris: Denn grundsätzlich ändert sich dann in den folgenden Formaten nichts mehr daran,
Chris: wie die Diskette funktioniert, auch wenn die halt schlichtweg noch größer ist.
Chris: Das ist wie gesagt ja noch eine 8 Zoll Diskette, 20,5 mal 21 Zentimeter groß,
Chris: also ungefähr so breit wie ein A4 Blatt.
Chris: Die nächst kleinere sozusagen, die die meisten von uns, zumindest wenn sie in
Chris: den 80er Jahren, frühen 90ern mit 8-Bit-Computern aufgewachsen sind,
Chris: in der Hand gehalten haben dürften, ist die 5,25 Zoll Diskette.
Chris: Diese 8 Zoll Disketten sind ungefähr ein Drittel größer nochmal als die.
Chris: Die einzigen Vorgaben, die da von IBM gemacht wurden für die Kapazität und die
Chris: Transferrate übertrifft sie sogar. 65 Kilobyte wurden ja verlangt,
Chris: die draufpassen sollen.
Chris: Es sind dann am Ende 80 geworden, ungefähr 80.
Chris: Und die Daten werden statt mit 30 Kilobit pro Sekunde sogar mit 33 gelesen.
Chris: Und dafür reichen weniger Umdrehungen als bei der Festplatte.
Chris: Du hast es vorhin ja schon gesagt, die Festplatte hat 1200, hier sind es 90.
Chris: Das ist noch sehr wenig, das wird später auch nochmal ein gutes Stück mehr werden.
Chris: Aber hier reicht das also noch aus. Und wie funktioniert so eine 8 Zoll-Diskette
Chris: jetzt? Wenn wir die aufschneiden würden, dann sieht man da drin eine dünne,
Chris: bräunliche Folienscheibe.
Chris: Die erinnert so ein bisschen an ein Magnetband, wie man das in der Kassette
Chris: hat, nur halt in Form von so einer kleinen Schallplatte.
Chris: Aber die Daten da drauf sind anders aufgebaut als bei der Schallplatte.
Chris: Auf der Schallplatte ist die Musikspur ja eine Spirale.
Chris: Man setzt den Arm mit der Nadel außen auf die Schallplatte auf und der wandert
Chris: dann langsam in die Mitte.
Chris: Bei der Diskette ist das nicht so, sondern da sind stattdessen Ringe drauf,
Chris: also geschlossene Kreise. Die heißen Tracks und davon hat diese erste Diskette genau 32 Stück.
Chris: Damit man die Daten auf so einem Ring schnell anspringen kann,
Chris: ist jeder Ring nochmal unterteilt in sogenannte Sektoren und zwar in jeweils acht Stück.
Chris: Jeder dieser Sektoren kann 2552 Bits speichern, also 319 Bits.
Chris: Und so ein Bit, das ist auf dieser magnetischen Folie eine magnetisierte Stelle.
Chris: Also da gibt es einen Schreibkopf, der erzeugt durch eine elektrische Spannungsänderung
Chris: unterschiedlich ausgerichtete Magnetfelder und die wiederum magnetisieren Eisenoxidpartikel,
Chris: die auf dieser Scheibe aufgebracht sind.
Chris: Wenn der Schreibkopf sie berührt, werden die entweder in die eine oder die andere
Chris: Richtung magnetisiert und stehen dann für 0 oder 1, also den Bitwert.
Chris: Und beim Lesevorgang erkennt der Lesekopf des Diskettenlaufwerks diese Unterschiede
Chris: in der Magnetisierungsrichtung.
Chris: Die lösen dann im Lesekopf winzige Spannungsänderungen aus, während er da die Oberfläche abtastet.
Chris: Und aus diesen kleinen Impulsen resultiert dann eine Spannungskurve in Wellenform.
Chris: Das ist also ein analoges Signal, das hier beim Lesen entsteht.
Chris: Und da braucht man dann einen Disketten-Controller, der interpretiert die dann
Chris: als Abfolge von Bits, macht da also wieder digitale Daten draus.
Chris: Nun ist das auch anders als bei der Schallplatte, dass der Lesekopf hier beim
Chris: Disketten-Laufwerk nicht auf einem Arm liegt, der sich im Bogen über die Platte
Chris: bewegen würde, also schwingen würde,
Chris: sondern der Lesekopf wird hier entlang einer Stange in gerader Linie über die
Chris: Scheibe geführt, vor und zurück.
Chris: Und bei der Gelegenheit können wir auch mal beschreiben, wie der typische Sound
Chris: von so einem Diskettenlaufwerk klingt.
Chris: Der besteht nämlich aus einem schnarrenden Geräusch und so einer Art pulsierendem
Chris: Klopfen. Das klingt dann so.
Chris: Das Beispiel, das wir gerade gehört haben, das stammt jetzt nicht von einem
Chris: 8-Zoll-Laufwerk von IBM, sondern in diesem Fall von einem viel moderneren 3,5-Zoll-Laufwerk.
Chris: Aber das Prinzip ist das gleiche.
Chris: Dieser schnarrende Ton, der klingt immer dann, wenn der Lesekopf über eine längere
Chris: Distanz bewegt wird. Also zum Beispiel zurück zum Ausgangspunkt, also bei Track 0.
Chris: Das hört man typischerweise dann, wenn eine Datei auf der Diskette gesucht wird
Chris: oder angesprungen wird und der Kopf sich dadurch ein längeres Stück über die Scheibe bewegen muss.
Chris: Und das Klopfen auf der anderen Seite ist auch wieder die Bewegung des Lesekopfs,
Chris: aber in dem Fall um genau einen Track.
Chris: Und das hört man üblicherweise beim Lesen oder Schreiben von Dateien.
Chris: Also jeder von diesen Pulsschlägen bedeutet, dass ein Track,
Chris: ein Ring der Scheibe gelesen wurde.
Henner: Ja, das ist sehr charakteristisch. Jedes Diskettenlaufwerk hat seinen eigenen Klang.
Henner: Verstärkt natürlich durch die Vibrationen, die es ans Rechnergehäuse überträgt.
Henner: Meinen alten Altari ST, den ich viele Jahre lang täglich benutzt habe,
Henner: den erkenne ich bis heute sofort am Diskettenlesegeräusch. Das klang einfach
Henner: völlig anders als der Amiga eines Freundes oder der PC meines Vaters und auch jedes Programm.
Henner: Jedes Spiel klingt ein wenig anders, je nachdem, wie die Daten auf der Diskette angeordnet sind.
Henner: Einige Spiele konnte ich allein am Diskettenladegeräusch erkennen,
Henner: noch bevor die Titelmelodie des Cracker-Intros zu hören war.
Henner: Die einen lasen die Daten in einem Staccato, die anderen eher mit langgezogenem
Henner: Knarzen und alles unterlegt vom leisen Schleifen und Surren der rotierenden Scheibe.
Henner: Ah, schöne Erinnerungen. Das
Henner: ist etwas, was die junge Generation nicht verstehen wird wahrscheinlich.
Chris: Das sind ja schon relativ rabiate Geräusche, die so ein Diskettenlaufwerk machen kann.
Chris: Und ich hatte mir früher immer naiverweise vorgestellt, naja,
Chris: da werden halt jetzt die Daten draufgeschreddert gerade auf dieser Diskette.
Chris: Die werden da reingemeißelt von dem Schreibkopf.
Chris: Anders konnte ich mir diese Geräusche nicht erklären. Aber nein,
Chris: das eigentliche Schreiben oder Lesen der Daten hört man überhaupt nicht.
Chris: Man hört da vielleicht das leichte Schaben oder Leiern, wenn die Folie an sich rotiert.
Chris: Aber die Lautengeräusche sind einfach nur die Bewegung des Schreiblesekopfs.
Henner: Das alles, was du beschrieben hast, das ist ja weitgehend die gleiche Technik
Henner: und die gleiche Logik wie bei der viel älteren Festplatte.
Henner: Und deswegen, wir haben es ja gerade schon beschrieben, geht auch die Patentschrift
Henner: für die Diskette gar nicht so sehr auf diese Speichertechnik ein,
Henner: also darauf, wie die Daten eigentlich in der Magnetschicht abgelegt und wieder ausgelesen werden,
Henner: sondern überwiegend auf die Bauweise und auch auf diesen Plastikumschlag, der das Ganze schützt.
Henner: Und da ist diese Patentschrift sogar überraschend tief und genau,
Henner: was die Beschreibung dieser Plastikhülle angeht, was die verwendeten Materialien
Henner: angeht, innen und außen,
Henner: dieses Reinigungsvlies, das ist wirklich eine der ganz zentralen Innovationen.
Henner: Eine ganz wesentliche Quelle für unsere Recherche ist eine Reihe von Interviews,
Henner: die einige der beteiligten Herren, unter anderem Dalziel und Thompson,
Henner: dem Computer History Museum im Jahr 2005 gegeben haben.
Henner: Die Interviews sind frei im Netz abrufbar und hochinteressant.
Henner: Die geben viele Einblicke in diese frühe Phase der Diskettenerfindung und die
Henner: würdigen auch dieses Vlies, also diesen weichen Stoff im Inneren des Diskettenumschlags
Henner: als eine ganz wesentliche Erfindung.
Chris: Das ist insofern erstaunlich, weil ich mir vorstellen kann,
Chris: dass die allermeisten von uns im Laufe des Lebens hunderte Disketten in der
Chris: Hand hatten, aber möglicherweise der eine oder andere nie wusste,
Chris: dass da auf der Innenseite ein Stoff aufgebracht ist in der Diskette.
Chris: Also die zentrale Innovation kann man überhaupt nicht sehen.
Henner: Ja, oft verkannt diese Leistung, ja.
Henner: In der Patentschrift wird noch etwas beschrieben, die Löcher in der Hülle.
Henner: Es ist klar, dass in der Mitte eine große Aussparung sein muss,
Henner: damit die Scheibe sich überhaupt drehen kann.
Henner: Da kommt ja die Spindel dann zum Einsatz. Aber es gibt noch eine weitere Öffnung
Henner: in diesem Plastikumschlag, ein langes elliptisches Loch.
Henner: Und das ist die Öffnung für den Lesekopf, denn der muss ja irgendwie Zugriff
Henner: erhalten auf die Magnetoberfläche. der Scheibe.
Henner: Das ist auch eine Schwachstelle dieser Diskette, denn durch diese Öffnung kann
Henner: natürlich wieder Staub eindringen, den das Vlies vielleicht auch irgendwann
Henner: nicht mehr aufsammeln kann.
Henner: Und das Problem wird ja viel später bei der 3,5 Zoll Diskette dann sehr elegant
Henner: gelöst, die übrigens ein Meisterwerk ist. Aber dazu kommen wir noch.
Henner: Und dann gibt es noch ein kleines Loch in der unteren Mitte der Diskette.
Henner: Das wandert später in die Mitte. Wofür ist das Das ist eine Öffnung für einen
Henner: Lichtsensor, eine kleine Lichtschranke.
Henner: Da scheint ein Licht durch diese Öffnung und in der Folienscheibe darunter,
Henner: also im eigentlichen Datenträger,
Henner: sind acht Löcher reingestanzt und die markieren auf diesem Magnetdatenträger,
Henner: auf dieser Oberfläche, den jeweiligen Anfang eines Sektors,
Henner: damit das Laufwerk genau weiß, wo es sich gerade befindet.
Henner: Das ist noch eine ziemlich rabiate Lösung, das wird später etwas eleganter.
Henner: Es wird ersetzt durch ein einzelnes Loch, das dann jeweils eine Umdrehung markiert.
Henner: Nun hat dieser Aufbau, genau wie die Festplatte, ja einige technische Herausforderungen.
Henner: Abgesehen mal vom Staub. Ja, ich höre jetzt auch mal auf, vom Staub zu reden.
Chris: Aber das Vlies, es ist einfach beeindruckend.
Henner: Das Vlies, ja. Das Laufwerk muss ja jederzeit wissen, wo eigentlich die Scheibe
Henner: gerade ist, an welcher Position und wo sich der Lesekopf genau befindet.
Henner: Das ist ja ganz zentral für diese Eigenschaft des direkten Datenzugriffs.
Henner: Der Kopf wird einfach beim Start dafür immer auf Track 0 gefahren,
Henner: quasi auf die Startposition.
Henner: Das rattert ziemlich laut.
Henner: Und er muss dafür aber auch extrem genau ausgerichtet sein.
Henner: Wenn er nur einen halben Millimeter zu weit rechts, links, oben oder unten sitzt,
Henner: dann liest er die Datenspur nicht mehr richtig und dann muss er neu kalibriert
Henner: werden. Das kennt man vielleicht auch noch von späteren Diskettenlaufwerken.
Chris: Ja, das kennen die Leute von uns, die frühe 1541 Laufwerke für den C64 benutzt
Chris: haben, weil eine von den kuriosen Eigenschaften von diesen Commodore-Laufwerken war,
Chris: dass das Laufwerk an sich nicht weiß, wo der Lesekopf gerade ist,
Chris: also auf welchem Track es sich befindet.
Chris: Und wenn der also zurückgesetzt werden soll auf Track 0, dann weiß das Laufwerk
Chris: nicht, muss ich den jetzt 20 Schritte zurücksetzen, muss ich den 10 Tracks zurücksetzen,
Chris: das weiß er nicht, wo er ist.
Chris: Also wird er einfach immer 40 Schritte zurückgesetzt, das Maximale.
Chris: Und wenn er aber gerade auf Track 1 war, dann rammt das Laufwerk ihn 39 Mal gegen den Stopper.
Chris: Und das zieht ihn dann auch irgendwann halt aus der korrekten Ausrichtung raus.
Chris: Deswegen sind diese 1541 Laufwerke fehleranfällig.
Henner: Ja und woher weiß das Laufwerk, wo die Scheibe gerade ist, also an welcher Stelle
Henner: sie sich gerade gedreht hat?
Henner: Dafür sind die physischen Löcher, die wir beschrieben haben,
Henner: für die einzelnen Sektoren gedacht und es gibt innerhalb dieser Sektoren natürlich
Henner: auch noch und innerhalb der Tracks eigene Header-Daten.
Henner: Also wenn die gelesen werden, dann weiß der Lesekopf, dass jetzt ein neuer Track
Henner: oder ein neuer Sektor beginnt.
Henner: Dafür muss aber auch die Rotationsgeschwindigkeit stimmen. Die darf nicht ständig
Henner: schwanken und variieren.
Henner: Hier beträgt sie noch 90 Umdrehungen pro Minute. Das ist noch recht gemächlich.
Henner: Später bei den C64 und sonstigen Diskettenlaufwerken, die wir alle benutzt haben
Henner: in den 80er Jahren, da werden dann etwa 300 bis 360 je nach Modell und nach Format zum Standard.
Henner: Festplatten, wie gesagt, drehen sich erheblich schneller. Die sind ja heute
Henner: auch bei deutlich über 7000 Umdrehungen pro Minute.
Henner: Die Lösung dafür, dass die Rotationsgeschwindigkeit wirklich exakt immer dieselbe
Henner: bleibt, ist, dass der Datentransfer und dessen Timing permanent gelesen und
Henner: angepasst wird von der Laufwerkselektronik.
Chris: Dann gibt es noch ein ganz nachvollziehbares Problem, das sich aus der Kreisform
Chris: der Platte ergibt, nämlich die inneren Ringe, also die inneren Tracks sind natürlich
Chris: kleiner als die äußeren, enthalten aber die gleiche Menge von Sektoren, jeweils acht.
Chris: Das heißt, je weiter man nach innen auf der Scheibe kommt, desto größer wird
Chris: die Datendichte, die Bits müssen näher aneinander gesetzt werden.
Chris: Wie viel man auf so eine Diskette draufschreiben kann, ohne dass es magnetische
Chris: Interferenzen zwischen den einzelnen Bits gibt, weil die irgendwann zu nah aneinander wären.
Chris: Das richtet sich also nach den kleinsten Ringen, nach den inneren.
Chris: Das ist ein Problem, das Festplatten auch haben. Und das ist zu dem Zeitpunkt,
Chris: wo die Diskette entsteht, auch schon längst gelöst.
Chris: Schon 1961 gibt es da das Konzept des Sound-Bit-Recordings.
Chris: Da werden halt einfach in den äußeren Ringen mehr Sektoren dann eingefügt als in den inneren.
Chris: Das ist ja auch einigermaßen naheliegend. Das ist auch mit einer der Gründe,
Chris: warum es später so viele Diskettenformate gibt, die oft nicht kompatibel zueinander
Chris: sind, obwohl das Medium ja das gleiche ist.
Chris: So eine 45 Zoll Diskette sieht auf dem C64 genauso aus wie auf dem PC.
Chris: Aber da sind unterschiedliche Mengen an Tracks drauf, unterschiedliche Mengen
Chris: an Sektoren und eben teilweise auch diese variablen Sektoren pro Track.
Chris: Das hat zum Beispiel der C64, das hat der Macintosh, aber Amiga oder PC haben
Chris: das nicht. Und wie viele Tracks und Sektoren auf so eine Diskettenscheibe draufkommt,
Chris: das wird dann im Laufe der Generationen auch noch steigen. Die werden immer dichter bepackt.
Chris: Also die Bit-Dichte, die Menge an Daten in einem Abschnitt steigt.
Chris: Hier bei der ersten 8 Zoll Diskette von IBM liegt die bei ungefähr 1600 Bits pro Zoll, Bits per Inch.
Chris: Diese erste Diskette enthält also 32 Tracks, das sagten wir schon,
Chris: das sind 256 Sektoren und insgesamt 81.664 Bytes.
Henner: Also knapp über 80 Kilobyte. Und um jenen, die mit derart kleinen Datenmengen
Henner: nie zu tun hatten, mal zu verdeutlichen, wie verschwindend wenig das ist,
Henner: wie klein diese Kapazität ist.
Henner: Mal eine Schätzfrage. Christian, stell dir vor, du würdest ein modernes Spiel
Henner: wie, sagen wir, Call of Duty Modern Warfare von 2019 mit seinen 270 Gigabyte
Henner: ungefähr auf solche Disketten verteilen müssen.
Henner: Wie hoch wäre der Diskettenstapel?
Chris: Wie hoch? Also du willst gar nicht wissen, wie viele Disketten.
Chris: Und wir reden jetzt von den 8 Zoll Disketten. Wie hoch wäre der Stapel?
Chris: Oh Gott, ich tendiere ja dazu, das immer zu unterschätzen. Deswegen sage ich
Chris: jetzt mal, wir reden hier von Hunderten von Metern.
Henner: Ja, sehr viele Hundert Meter. Es wäre ein Turm von fast sechs Kilometern Höhe.
Chris: Unfassbar.
Henner: 3,6 Millionen Disketten.
Chris: Okay, ja, das ist eindrucksvoll. Wer soll denn die alle auswechseln dann beim
Chris: Einlesen? Ich mache das nicht.
Henner: Ja, vor allem Nummer 3,5 Millionen ist dann ja auch immer kaputt. Man kennt das Problem.
Chris: Die letzte ist immer kaputt.
Henner: Genau. Ja, zu Spielen, die sehr viele Disketten belegen, kommen wir später noch.
Henner: Ganz so viele werden es aber nicht sein.
Chris: Ja, ganz zum Glück. Okay, jetzt haben wir beschrieben, wie die Diskette funktioniert.
Chris: Aber eine ganz wichtige Sache haben wir immer noch nicht geklärt.
Chris: Nämlich, wo kommt denn eigentlich der Name her?
Chris: Diskette, was bedeutet das? Das kommt natürlich auch von IBM und lehnt sich an, an die Kassette.
Chris: Die Kassette ist ein Kunstwort, das aus dem Französischen kommt und besteht
Chris: aus kas für das Gehäuse und et ist das französische Suffix für etwas Kleines, ein Diminuativ.
Chris: Also eine Kassette steckt in einem kleinen Gehäuse, weil sie ja auch viel kleiner
Chris: ist als ein Audioband. Und daran lehnt sich jetzt also die Diskette an.
Chris: Das ist schlichtweg eine kleine Scheibe.
Chris: Disk ist ja die Scheibe im Französischen wie im Englischen und Ed ist wieder
Chris: der Verkleinerungsfall.
Chris: Und warum? Weil sie kleiner ist als eine Festplatte.
Henner: Ah, okay. Ja, vielen Dank. Jetzt wissen wir das auch.
Chris: Ja, gerne. Da kannst du vielleicht erklären, warum sich aber relativ schnell
Chris: ein alternativer Name durchsetzt für die Diskette, nämlich Floppy. Wo kommt das denn her?
Henner: Die Floppy-Disk, genau, das setzt sich sehr schnell durch.
Henner: Ich fand erste Verwendungen dieser Bezeichnung schon im Jahr 1970 in der Literatur,
Henner: also noch bevor die Diskette auf den Markt gekommen ist.
Henner: Das geschieht erst 71. Floppy, das heißt so viel wie wabbelig oder flexibel
Henner: und das beschreibt einfach ziemlich gut das, was es ist, eine flexible Scheibe,
Henner: auch wenn sie ja nicht mehr scheibenförmig aussieht durch diesen quadratischen Umschlag.
Chris: Auch wieder in Abgrenzung zu den Festplattenscheiben, weil da haben wir ja vorhin
Chris: gehört, die sind aus Aluminium, also die sind stabil.
Henner: Ganz genau. Und das ist ein Name, Floppy Disk, den IBM damals nicht verwendet.
Henner: Also in der IBM eigenen Literatur, in den Marketingmaterialien,
Henner: in der Anleitung findet sich das nicht.
Henner: Aber trotzdem intern nutzt IBM den Namen sehr wohl.
Henner: Das hat zumindest der Laufwerksentwickler Dalsil mal im Interview gesagt.
Henner: Die Ingenieure intern, die sprechen durchaus von der Floppy Disk oder nur der Floppy.
Henner: IBM spricht selbst nur von The Diskette.
Chris: Also dann gibt es da aber ein Mysterium, denn dieses erste Diskettenlaufwerk,
Chris: das dann 71 auf den Markt kommt, das kriegt ja wieder so eine IBM-Modellnummer, in diesem Fall IBM 23FD.
Chris: Und da fragt man sich, wofür das FD steht.
Chris: Wir haben ja vorhin schon gehört bei sowas wie dem RAMAC, dass diese Abkürzungen
Chris: durchaus Akronyme sind, also für etwas stehen.
Chris: Das könnte man dann ja auch annehmen bei FD.
Chris: Und ist es nicht naheliegend anzunehmen, dass das für Floppy Disk steht?
Henner: Einerseits schon, andererseits 23 FD ist ja die Bezeichnung für das Laufwerk
Henner: und nicht für die Diskette.
Henner: Das heißt, es müsste, wenn schon, dann für Floppy Drive stehen.
Chris: Floppy Drive, okay, gut, fair enough, aber es ist ja das Spannende hier.
Henner: Ja, das ist richtig, aber das könnte auch File Drive sein oder irgendwas anderes.
Henner: Wir wissen es nicht genau, es kann auch sein, dass IBM mit der IBM-typischen
Henner: Bürokratie diesen Codenamen, diese Bezeichnung schon fünf Jahre vorher festgelegt
Henner: hat, bevor man überhaupt wusste, dass das Ganze auf Floppy Disks hinausläuft.
Henner: Also vielleicht stand das für was vollkommen anderes, wissen wir nicht.
Henner: Ich fand in der deutschen Fachliteratur der 80er Jahre übrigens noch die Übersetzung
Henner: Schlappscheibe, aber die hat sich glaube ich nicht durchgesetzt.
Henner: Also wir sprechen von der Floppy, IBM offiziell nicht, aber intern schon und
Henner: auch intern bei IBM etabliert sich das zugehörige System sehr schnell.
Henner: Das kommt ja wie gesagt 1971 auf den Markt mit den zugehörigen Disketten.
Henner: Das Laufwerk IBM 23FD, die Disketten haben noch keinen richtigen Namen,
Henner: die heißen einfach nur The Diskette, die haben keine Modellnummer bekommen zunächst.
Henner: Und das sind, wie geplant ursprünglich,
Henner: Mikrocode-Lesegeräte für einige ausgewählte System 370-Rechner.
Henner: Nicht mehr und nicht weniger. Aber als solche etablieren sie sich sehr schnell
Henner: innerhalb des Konzerns, weil die Diskette sehr günstig ist.
Henner: Das war ja auch der Grund für die Entwicklung, ein günstiges,
Henner: flexibles System zu entwickeln.
Henner: Sie ist robust, sie bietet viel mehr Platz als die Lochkarten und gegenüber
Henner: dem Magnetband hat die Diskette ja diesen Riesenvorteil des direkten,
Henner: wahlfreien Datenzugriffs.
Henner: Die Kapazität ist natürlich geringer als beim Magnetband, aber für diesen Zweck
Henner: des Mikrocode-Lesegerätes reicht das völlig aus, weil der Mikrocode in der Regel
Henner: sowieso nicht größer ist oder der Mikrocode-Speicher sowieso nicht größer ist als 64 KB.
Henner: So werden im Laufe der Jahre ungefähr 20.000 Exemplare dieses Minnow oder 23FD
Henner: Laufwerks gebaut und bei IBM und IBM Rechnern eingesetzt und jedes einzelne
Henner: kostet IBM in der Herstellung etwa 500 US-Dollar.
Henner: Das ist für IBM Verhältnisse sehr sehr günstig.
Henner: Und schon vor dem allerersten Einsatz dieser neuen Disketten-Technik wird vielen
Henner: klar, dass darin noch viel größeres Potenzial liegt.
Henner: Dass diese transportable Diskette sich nicht nur eignet, um davon Mikrocode
Henner: zu laden, einmal beim Rechnerstart und dann nie wieder, sondern das wäre doch
Henner: das ideale Medium für den Datenaustausch zwischen den Rechnern.
Henner: Der findet zu der Zeit vorwiegend noch mit Lochkarten statt,
Henner: denn dafür muss man ja die Medien
Henner: beschreiben können und das ist bei den Magnetbändern nicht so einfach.
Henner: Und wir haben es ja gehört, die Wechselplatter sind nicht unbedingt für den
Henner: Datenaustausch gedacht, dafür sind die zu groß und zu empfindlich.
Henner: Also was benutzt man, um zwischen zwei Rechnern, vielleicht auch über größere
Henner: Distanzen hinweg, Daten auszutauschen?
Henner: Das Internet in seiner heutigen Form gibt es ja noch nicht.
Henner: Dafür wäre die Diskette doch eigentlich ideal, aber dafür fehlt ihr noch eine
Henner: ganz wesentliche Eigenschaft.
Henner: Dafür müsste sie ja wieder beschreibbar sein. Nicht nur einmal in der IBM-Fabrik,
Henner: sondern jederzeit wieder von jedem Rechner aus neu mit Daten versehen.
Henner: Und das ist der nächste Entwicklungsschritt, der kommt jetzt.
Chris: Und zwar startet der im Jahr 1970, also ein Jahr bevor das IBM 23FD fertig ist und rauskommt.
Chris: Diese Planung für ein Nachfolgesystem läuft unter dem Codenamen eGAR.
Chris: Und natürlich ist das Ziel, dass die Diskette jetzt mit dem gleichen Laufwerk
Chris: auch beschrieben werden können soll.
Chris: Dazu müssen erstmal andere Abteilungen IBM intern überzeugt werden,
Chris: denn es gibt noch ein anderes internes Team, das gerade an einer Lösung auf
Chris: Basis der Kassette arbeitet.
Chris: Die ist ja auch wieder beschreibbar und auch viel günstiger als die Diskette.
Chris: Das ist auch eigentlich völlig logisch, denn alle, die uns hier zuhören und in den späten 70ern,
Chris: frühen 80ern mit den 8-Bit-Heimcomputern aufgewachsen sind im ZX-Spektrum,
Chris: im VC20, dem C64, die wissen, der Datenträger der Wahl war am Anfang die Kassette.
Chris: Dann macht IBM eine interne Vergleichsstudie und da gewinnt aber doch die neue Diskette.
Chris: Das ist dann im Jahr 1971 und das wird dann auch unternehmensweit zum neuen Standard erklärt.
Chris: Also in Zukunft soll auf die Diskette als Wechseldatenträger gesetzt werden.
Chris: Aus dem Projekt IGA geht schließlich ein Produkt hervor, das 33FD,
Chris: wieder ein Diskettenlaufwerk, jetzt der zweiten Generation, das kommt im Jahr 1973 auf den Markt.
Chris: Und nicht nur, dass die Diskette jetzt beschreibbar ist, es gibt auch noch weitere
Chris: technische Fortschritte.
Chris: Wir hatten schon gesagt, die 90 Umdrehungen pro Minute der 8-Zoll-Diskette wird
Chris: schnell obsolet. Hier sind wir jetzt bei 360 Umdrehungen.
Chris: Die Zahl der Tracks erhöht sich, die Datendichte erhöht sich.
Chris: Jetzt passen 240 Kilobyte auf so eine Diskette drauf.
Chris: Und damit ist die Entwicklung ja noch lange nicht vorbei, auch bei IBM nicht.
Chris: Als nächstes kommt das Modell 43FD.
Chris: Das bringt dann 1976 einen zweiten Schreiblesekopf, der auf der anderen Seite
Chris: der Diskette angeordnet ist.
Chris: Und damit wird sie jetzt doppelseitig nutzbar, oben und unten.
Chris: Nachfolgende Generationen erhöhen dann die Kapazität noch weiter.
Chris: 1977 zum Beispiel kommt das Modell 53 FD.
Chris: Damit wird dann die Megabyte-Grenze durchbrochen. Also auf eine 8-Zoll-Diskette
Chris: passt jetzt schon ein Megabyte an Daten drauf.
Chris: Das ist aber zu einer Zeit, als IBM schon längst die Kontrolle über ihre Erfindung verloren haben.
Chris: Es gibt sogar einen Konkurrenten, der dem Konzern inzwischen voraus ist.
Henner: Ja, und da sind wir wieder bei Memorex. Die Firma haben wir ja schon erwähnt.
Henner: Das ist ein Datenträgerspezialist.
Henner: Die bauen unter anderem Wechselplatte, aber auch viele andere Gerätschaften dieser Art.
Henner: Und Memorex erkennt sehr früh das Potenzial in der neuen Diskette noch.
Henner: Vielleicht sogar noch früher als IBM selbst.
Henner: Erkennt also, dass diese Disketten zu mehr fähig sind, als bloß Mikrocode bereitzustellen.
Henner: Es gibt einen Herren, der auch von IBM zu Memorex übergelaufen ist,
Henner: ein Ingenieur namens James Atkinson, und der hat später in einem Interview gesagt,
Henner: es war nicht bloß ein Programm-Code-Ladegerät.
Henner: Lange bevor es ausgeliefert wurde, war völlig klar, dass dies schließlich das
Henner: primäre Eingabe- und Ausgabegerät sein würde.
Henner: Also nicht nur für einen einzelnen Computer, sondern der de facto Standard für
Henner: verschiedenste Geräte.
Henner: Und damit hat er ja auch völlig recht. Das erkennt Memorex sehr früh.
Henner: Wir erinnern uns noch, wie es überhaupt dazu kam, dass Memorex in diese Geschichte reinkommt.
Henner: Al Sugart, der ist ja 1969 bei IBM ausgestiegen und bei Memorex eingestiegen
Henner: und hat dort die Geräteabteilung übernommen, also die Entwicklung neuer Geräte
Henner: und Laufwerke hat er übernommen.
Henner: Der hat dort aber nicht gleich an Disketten oder Diskettenlaufwerken gearbeitet,
Henner: sondern zunächst an einem IBM-kompatiblen Wechselplatterlaufwerk.
Henner: Aber dann kommt das Jahr 1970, IBM kündigt die erste Diskette an,
Henner: die ja dann 1971 auf den Markt kommt.
Henner: Das ist noch nicht die wiederbeschreibbare Diskette, sondern noch das Laufwerk
Henner: der ersten Generation, das 23er.
Henner: Und nach dieser Ankündigung beginnt Shuggets Abteilung sofort mit der Arbeit
Henner: an einem Nachbau. Dieser Nachbau soll allerdings kein Klon sein,
Henner: der soll das IBM-Original nicht exakt nachbilden, sondern soll ihm überlegen sein.
Henner: Es soll höhere Kapazität haben, eine höhere Datenrate und dieses Memorex-Laufwerk
Henner: soll Disketten wieder beschreiben können.
Henner: Das macht IBM ja auch, aber das IBM 33er Laufwerk, das kommt ja erst 1973 und
Henner: Memorex kommt jetzt dem Marktführer zuvor.
Henner: 1972, ein Jahr vor dem IBM Laufwerk der zweiten Generation, erscheint jetzt
Henner: das Memorex Laufwerk Modell 650, wobei das darauf folgende 651er kurze Zeit
Henner: später noch populärer wird.
Henner: Das ist sehr nah dran am Original.
Henner: Auch hier passen 8 Zoll Disketten rein. Die speichern allerdings,
Henner: anders als bei IBM, schon 180 KB bei einer Datenrate von 200 KB.
Henner: Also hier wird das Original übertroffen und das Modell 650 ist vor allem das
Henner: allererste Laufwerk auf dem Markt, das Disketten nicht nur lesen,
Henner: sondern auch beschreiben kann.
Henner: Und es ist das erste für den OEM-Markt. Denn das 23er-Laufwerk und auch später
Henner: das 33er, das sind ja IBM-Eigenentwicklungen für deren eigene Computer.
Henner: Das wird also dem großen Markt vorbehalten. Dieses hier, was Memorex entwickelt,
Henner: das ist für den OEM-Markt.
Henner: Die verkaufen ja keine eigenen Computer, wo sie das einsetzen könnten,
Henner: sondern sie bieten ihr Laufwerk jetzt auf dem freien Markt an für andere Computerhersteller.
Henner: Und die sind begeistert, die nehmen das auch gerne. Also IBMs Konkurrenten wie
Henner: etwa DEC, der Minicomputerhersteller, die lassen sich gerne von Memorex mit
Henner: diesem Laufwerk beliefern.
Henner: Und jetzt, jetzt beginnt also der große Durchbruch für die Diskette.
Henner: Jetzt steht diesem jungen Medium ein riesiges neues Anwendungsfeld offen.
Henner: Es gibt Memorex-Unterlagen, Werbetexte von damals, die beschreiben zwar immer
Henner: noch die Diskette als ein Gerät oder als ein Medium für das Control Store Loading,
Henner: also das Mikrocode Laden.
Henner: Das sehen die auch noch vor, als vorwiegenden Einsatzzweck. Aber sie erwähnen
Henner: dann auch, dass dieses Modell 650 mit den Disketten sich für alle möglichen
Henner: anderen Einsatzzwecke eignen würde.
Henner: Für die einfache Auslagerung von Dateien, für den Transport von Dateien oder
Henner: für datenträchtige Szenarien wie in der Buchhaltung zum Beispiel.
Henner: Und Memorex bleibt nicht lange der einzige unabhängige Anbieter von solchen
Henner: IBM-kompatiblen Diskettenlaufwerken.
Henner: Wir sind hier immer noch in der 8 Zoll Ära, aber auch da stellen schon 1977
Henner: allein in den USA 19 verschiedene Unternehmen solche Diskettenlaufwerke her.
Henner: Mehrere hunderttausend Exemplare werden jedes Jahr verkauft und alle möglichen
Henner: Hersteller, die sich daran beteiligen, an diesem neuen entstehenden Diskettenmarkt
Henner: teilhaben, bringen ihre eigenen Weiterentwicklungen und Innovationen ein.
Henner: Zum Beispiel 1976, da fängt ein Hersteller an, diese magnetischen Oberflächen
Henner: des Datenträgers mit Teflon zu beschichten für ein bisschen mehr Gleitfähigkeit
Henner: und Widerstandsfähigkeit. Das setzt sich dann auch durch.
Henner: Also die Diskette wird weiterentwickelt und jetzt in den späten 70er Jahren
Henner: wird sie zu einem globalen Standard. Sie scheint ausgereift zu sein, aber da geht noch was.
Henner: Sie ist bereit für noch einen Entwicklungsschritt und für einen noch größeren
Henner: Markt, der jetzt zufällig gerade entsteht zu dieser Zeit.
Chris: Es gibt einen Artikel in der US-Zeitschrift Computer Design aus dem Oktober 1976,
Chris: da heißt es, Zitat, in den letzten zwei Jahren ist die Nutzung der flexiblen
Chris: Speicherscheiben, oft Floppy Disks genannt, phänomenal gewachsen. Zitat Ende.
Chris: Und der Artikel sagt auch, diese Floppy Disks würden sich eignen für Kassensysteme,
Chris: Terminals, als Programm- und Datenspeicher für Minicomputer,
Chris: Textverarbeitungssysteme.
Chris: Aber eine ganz neue Gerätegattung fehlt dort in dieser Aufzählung, nämlich der PC.
Chris: In der Mitte der 70er Jahre, wo die Disketten ja aufkommen, da kommen die ersten
Chris: bezahlbaren Mikrocomputer für Einzelanwender auf den Markt.
Chris: Die benutzen meistens Lochstreifen oder Kassetten als Speichermedium,
Chris: aber langsam entdeckt diese neue Computerklasse ein anderes Medium für sich.
Chris: Und das zeigt sich ganz hübsch in dem ersten maschinenübergreifenden PC-Betriebssystem,
Chris: nämlich CPM von Digital Research, das 1974 auf den Markt kommt.
Chris: Und das wird ausgeliefert auf einem neuartigen Datenträger, nämlich auf einer 8-Zoll-Diskette.
Chris: Der Gründer von Digital Research, Gary Kildall, der schreibt seinen Code für
Chris: CPM auf einem Entwicklersystem von Intel, auf dem Intellect 8.
Chris: Das kann aber mit Disketten überhaupt nicht umgehen.
Chris: Das heißt, er muss sich da selbst ein Interface und einen Controller für ein
Chris: ausrangiertes Diskettenlaufwerk bauen.
Chris: Aber so ein Aufwand ist dann kurze Zeit später schon nicht mehr nötig.
Chris: Im Jahr 1975, da kommt der erste Mikrocomputer raus, den man als wirklich populären
Chris: Mikrocomputer bezeichnen kann, den Altair 8800.
Chris: Und für den ist kurz darauf dann ein Diskettenlaufwerk mit passendem Controller
Chris: auch ganz regulär im Angebot.
Chris: Es gibt noch eine andere Klasse von Computern, die in dieser frühen Mikrocomputer-Ära
Chris: populär sind, und zwar elektronische Textverarbeitungssysteme.
Chris: Die haben eine Schreibmaschinentastatur und zum Teil dann auch einen integrierten
Chris: Monitor, ähneln also schon richtigen Computern, aber sie sind in der Regel auf
Chris: einen einzigen Zweck beschränkt, nämlich Text zu schreiben.
Chris: Das ändert sich dann mit einer neuen Generation dieser Textverarbeitungssysteme,
Chris: auf Basis von Mikroprozessoren. Die lassen sich dann programmieren.
Chris: Da gibt es zum Beispiel das Modell 8000 der Firma CPT aus dem Jahr 1976.
Chris: Das kann man auch mit CPM als Betriebssystem benutzen. Und diese Geräteklasse,
Chris: die muss ihre Texte ja auch irgendwo drauf speichern.
Chris: Das hat man vorher in der Regel noch auf Band gemacht, auf Magnetband.
Chris: Aber dieses CPT 8000, das enthält schon...
Chris: Floppy-Laufwerke, 8-Zoll-Floppy-Laufwerke, plural, dann es sind gleich zwei,
Chris: die da mitgeliefert schon werden.
Chris: Also das heißt, auch diese Klasse der Textcomputer hilft dabei,
Chris: die Diskette als Medium in die Breite zu tragen.
Chris: Aber damit das neue Medium wirklich groß werden kann, sich wirklich in den Massenmarkt
Chris: verbreitern kann, muss es noch einen Verkleinerungsschritt machen.
Chris: Denn bisher sind wir ja nach wie vor bei 8-Zoll-Disketten. Und ich nehme mal
Chris: an, die meisten von euch, die hier zuhören, hatten so eine Diskette gar nie in der Hand.
Chris: Und um diesen Verkleinerungsschritt zu machen, müssen wir wieder zurück zu unserem Freund Al Shugart.
Henner: Ja, den hält es schon wieder nicht lange bei seinem Arbeitgeber.
Henner: Er ist ja schon bei IBM abgehauen, um zu Memorex zu wechseln,
Henner: aber er bleibt auch nicht lange bei Memorex.
Henner: In den frühen 70ern zieht er schon wieder weiter und gründet 1973 sein eigenes
Henner: Unternehmen, Sugart Associates.
Henner: Und da kommen auch zehn Memorex-Kollegen unter, also die Geschichte wiederholt
Henner: sich, er nimmt wieder einige liebgewonnene Kollegen mit.
Chris: Der ist magnetisch, dieser Mann. Der zieht sich alle mit sich.
Henner: Ja, allerdings. Dieses neue Unternehmen, das er da gründet, das soll sich gar
Henner: nicht primär auf Diskettenlaufwerke konzentrieren, sondern dem Schuggert schwebt
Henner: etwas anderes vor. Der will eigentlich einen Computer bauen.
Henner: Er will damit anfangen, erstmal Peripheriegeräte zu bauen, einen eigenen Drucker
Henner: oder eben auch ein Diskettenlaufwerk. Das an andere Hersteller zu verkaufen
Henner: und mit dem Geld, das dadurch reinkommt, soll schließlich ein eigenes Computersystem entwickelt werden.
Henner: Aber irgendwo muss er ja anfangen und diese junge Firma fängt eben an mit dem Diskettenlaufwerk.
Henner: Und das ist ein 8 Zoll Diskettenlaufwerk, also im etablierten von IBM ersonnenen Format.
Henner: Das ist das Laufwerk SA800 mit einem eigenen passenden Controllerinterface.
Henner: Interface und das ist sehr erfolgreich.
Henner: Das etabliert sich sehr schnell als eine Art Industriestandard.
Henner: Zumal es auch nicht nur mit eigenen Medien umgehen kann, sondern auch mit den
Henner: original IBM-Disketten.
Henner: Der jungen Firma von Sugar geht aber sehr bald das Geld aus.
Henner: Und jetzt wird es immer schwieriger, an diesem Ziel festzuhalten,
Henner: einen eigenen Computer auf den Markt zu bringen.
Henner: Aber der Sugar will das trotzdem unbedingt.
Henner: Seine Investoren, die Geldgeber, die drängen aber darauf, sich stattdessen erstmal
Henner: auf das zu fokussieren, was Geld einbringt.
Henner: Nämlich das Deskettenlaufwerk, das einzige wirklich einträgliche Produkt im Sortiment bei Sugar.
Henner: Im Streit verlässt er Sugar schon wieder sein Unternehmen.
Henner: 1974 ist ein Unruhegeist, der Mann.
Henner: Und fortan macht Sugar Associates also mit seinem Namen weiter ohne ihn und
Henner: bündelt alle Ressourcen in der Floppy-Entwicklung.
Henner: Es müssen neben Sugar selbst auch viele andere Mitarbeiter gehen.
Henner: Alle, die nicht an Diskettenlaufwerken arbeiten, das ist der große Heilsbringer.
Henner: Die Diskettenlaufwerke sollen nicht nur verkauft, sondern auch zügig weiterentwickelt werden.
Henner: Und das passiert jetzt allerdings nicht aus eigenem Antrieb,
Henner: sondern wegen des Wunsches eines wichtigen Kunden.
Henner: Denn zu den wichtigsten Abnehmern von Sugar'n und von diesen Diskettenlaufwerken,
Henner: von dem SA800, gehören die Hersteller von den Textverarbeitungssystemen,
Henner: die du gerade schon beschrieben hast.
Henner: Und der größte Kunde von allen ist der Marktführer in diesem Segment,
Henner: ist die Firma Wang Laboratories.
Henner: Deren Top-Modell, also deren Top-Textverarbeitungssystem, enthält auch,
Henner: wie das CPT-8000, das du beschrieben hast, zwei von diesen riesigen 8 Zoll Laufwerken.
Henner: Aber im Jahr 1976 arbeitet die Firma an einem kompakteren Einstiegsmodell und
Henner: dafür wären diese Laufwerke viel zu groß, zu klobig und auch zu teuer.
Henner: Die früheren Einstiegsmodelle, die haben in der Regel günstige Kassettenlaufwerke
Henner: genutzt, aber das ist sehr unhandlich, da muss man ja immer hin und her spulen.
Henner: Wang möchte gerne ein Diskettenlaufwerk für dieses neue Preiseinstiegsmodell
Henner: haben, aber eben kein 8 Zoll Laufwerk, sondern etwas kleineres und günstigeres.
Henner: Wang verlangt also von Sugar Associates ein verkleinertes Diskettenlaufwerk für nur 100 US-Dollar.
Henner: 1977 kommt dann dieses neue Gerät auch auf den Markt.
Henner: Das ist der neue Textcomputer unter dem Namen 2200PCS2 und der enthält zwei
Henner: Diskettenlaufwerke im neuen Format im 5,25 Zoll Format.
Henner: Die Diskette ist geschrumpft worden von Shogart, zumindest von der Firma Shogart,
Henner: nicht von Shogart persönlich.
Henner: Aber wie kommt es denn überhaupt zu dieser Größe? Warum jetzt ausgerechnet 5,25 Zoll?
Chris: Tja, das ist eine sehr gute Frage. Das ist ja nicht das naheliegendste Format.
Chris: Da gibt es natürlich Legenden drumherum.
Chris: Zum Beispiel hat der damalige Präsident der Firma Sugar, Donald Massaro,
Chris: erzählt, 5,25 Zoll sei einfach das kleinstmögliche Format, das nicht in eine
Chris: Tasche passe, also eine Manteltasche zum Beispiel.
Chris: Denn Disketten soll man ja so nicht transportieren, weil sie dann verbiegen würden.
Chris: Die Geschichte, die am häufigsten erzählt wird, ist die, dass der Gründer der
Chris: Wang Laboratories, Anne Wang,
Chris: während eines entscheidenden Meetings mit Shugart in einer Bar die Frage nach
Chris: der Größe, die ihm davor schwebe, beantwortet habe, indem er auf eine Serviette
Chris: gezeigt habe, die da halt zufällig gerade lag.
Chris: Und daraus wurde dann dieses Format abgeleitet.
Chris: Nun, so ein Bar-Meeting hat es in Wirklichkeit nicht gegeben.
Chris: Die wahrscheinlichste Herleitung für diese Größe stammt von einem der ehemaligen
Chris: Shugart-Ingenieure, Ein Mann namens George Solman, der hat mal erzählt,
Chris: er habe damals den Auftrag erhalten, die marktüblichen Kassettenlaufwerke zu vermessen.
Chris: Wie groß denn die seien? Denn das neue Laufwerk sollte schließlich ein Kassettenlaufwerk ersetzen.
Chris: So hat er also die Größe von Kassettenlaufwerken ermittelt und aus diesem Maß
Chris: dann das größtmögliche Diskettenformat abgeleitet, das dann noch reinpassen
Chris: würde in dieses Laufwerksgehäuse.
Chris: Und das seien dann eben die 5,25 Zoll gewesen.
Chris: Dieser Wert übrigens, der bezieht sich jetzt nicht mehr auf den Scheibendurchmesser,
Chris: wie noch bei der 8 Zoll Diskette, sondern auf die Außenlänge des Deskettenumschlags.
Chris: Der ist quadratisch und misst in beiden Dimensionen 13,3 Zentimeter, also eben 5,25 Zoll.
Chris: Ansonsten sieht diese Diskette aber praktisch identisch aus zu ihrer 8 Zoll
Chris: Vorgängerin, also wieder natürlich in der Mitte das runde Loch,
Chris: die ovale Aussparung für den Zugriff des Schreiblesekopfes und immer noch ist
Chris: sie natürlich sehr biegsam, also floppy.
Chris: Und damit sind wir jetzt in dem Bereich, den die Ersten von uns auch aus dem
Chris: Spielebereich kennen könnten, weil das ja eine Diskette ist,
Chris: die dann, ich greife ein bisschen vor, aber die dann ja auch im Spielebereich zum Einsatz kommt.
Henner: Und zu den persönlichen Erinnerungen an dieses Format oder an die Diskette im
Henner: Allgemeinen habe ich einige Veteranen aus der Branche, einige Freunde des Podcasts befragt.
Henner: Welche persönlichen Erinnerungen knüpfen sie an die Diskette?
Henner: Welche Anekdoten aus der langen Disketten-Ära können sie so erzählen?
Henner: Und ich erhielt sehr viele Wortmeldungen und einige davon können wir in dieser Folge uns anhören.
Henner: Hier ist die erste, passend zum Thema, die Diskette ist immer noch sehr floppy, sehr biegsam.
Henner: Das hier ist Patrick Becher vom Retro-Kompott-Podcast.
Henner: Der hat früher einen Spieleladen betrieben und aus dieser Zeit stammt auch diese
Henner: Anekdote zur biegsamen, vielleicht etwas zu biegsamen 5,25 Zoll Diskette.
Einspieler: Wir hatten ja im letzten Jahrtausend, hatten wir ja mal einen Spieleverleih
Einspieler: und auch eine Anfärkung von Tüterspiele und wenn in einer Anleitung steht,
Einspieler: stecken sie erst Diskette 1 und dann Diskette 2 ins Laufwerk,
Einspieler: ja, dann gibt es Kunden, die das auch machen.
Einspieler: Zwei Fünferviertel Zoll Disketten passen tatsächlich mit etwas Gewalt gleichzeitig
Einspieler: in ein Laufwerk und wenn man gerade keine dreieinhalb Zoll Disketten zur Hand
Einspieler: hat, dann kann man ja auch Diskette einfach knicken, dann passt sie in ein Laufwerk.
Henner: Ja, bitte nicht nachmachen. Die Diskette ist, wie du es schon beschrieben hast,
Henner: praktisch unverändert, einfach nur verkleinert, aber nicht wesentlich verbessert.
Henner: Sie ist also immer noch genauso empfindlich wie das Original.
Henner: Das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass Sugard Associates jetzt
Henner: nicht allzu viel Zeit hatte für die Entwicklung. Das ist ja weniger als ein Jahr.
Henner: Aber trotzdem ist das hier für viele Jahre das vorherrschende Format und das,
Henner: mit dem die meisten von uns aufgewachsen sind.
Henner: Die Kapazität dieser Diskette, die richtet sich genau wie das Format nach den
Henner: Anforderungen des Kunden, also nach den Anforderungen eines typischen Textverarbeitungssystems.
Henner: Denn der Kunde, Wang, der sagt, er wolle auf jedem Datenträger ungefähr 20 Seiten
Henner: Text speichern können. Und wenn jede Textseite ungefähr fünf Kilobyte groß ist,
Henner: dann macht das insgesamt 100 Kilobyte.
Henner: Das heißt, die müssen auf die Diskette draufpassen.
Henner: Und je nachdem, wie man die Diskette formatiert, du hast ja vorhin beschrieben,
Henner: das hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie viel drauf passt,
Henner: wird dieser Wert auch ungefähr erreicht.
Henner: Diese 5,25 Zoll Diskette wird anfangs nur einseitig beschrieben,
Henner: aber später gibt es dann auch zweiseitige Versionen, welche dann die Datenmenge verdoppeln.
Henner: Es gibt auch noch welche mit erhöhter Datendichte, also Double Density, verdoppelte Dichte,
Henner: abgekürzt DD, oder mit noch höherer Datendichte, die heißt dann einfach High
Henner: Density HD und da passen dann sogar 1,2 Megabyte drauf,
Henner: womit die Vorgängerdiskette erreicht wurde, denn die 8 Zoll Diskette hat schließlich
Henner: auch 1,2 Megabyte erreicht.
Henner: Das erste 5,25 Zoll Laufwerk von Sugar,
Henner: das kommt nicht etwa in diesem Wank-Text-Verarbeitungssystem zum Einsatz,
Henner: sondern das kommt separat schon auf den Markt im September 1976 unter dem Namen Sugar SA400.
Henner: Auch bekannt unter dem Markennamen Mini-Floppy, den Sugar sich auch schützen lässt.
Henner: Aus heutiger Sicht sind die nicht wirklich Mini, diese Floppys,
Henner: aber aus damaliger Sicht, wenn man von der 8 Zoll des Kettes kommt, dann schon.
Henner: Die sind jetzt nicht unbedingt für 100 Dollar erhältlich, so wie der Wang das
Henner: eigentlich mal bestellt hat. Die sind schon noch ein bisschen teurer.
Henner: Die Laufwerkstechnik ist ja nach wie vor sehr aufwendig.
Henner: Aber trotzdem, mit diesem neuen Format werden die neuen Laufwerke und auch die
Henner: passenden Diskette ein Riesenerfolg und ein neuer Industriestandard,
Henner: der bald die 8 Zoll Diskette ablöst.
Chris: Und sie werden dieser Erfolg natürlich nicht auf den Textverarbeitungssystemen,
Chris: die sind ja trotzdem ein Nischenmarkt, sondern bei den Heimcomputern, bei dem PC-Markt.
Chris: Shugart hat dafür das Laufwerk gar nicht gemacht. Es gibt auch ein Interview
Chris: mit dem damaligen Vertriebsleiter von Shugart, Farrell Sanders,
Chris: heißt der gute Mann. Und der sagte, wir haben überhaupt nichts davon geahnt,
Chris: dass dieses PC-Geschäft auf uns zukommt.
Chris: Aber dass wir das Laufwerk zu dem Zeitpunkt im Markt hatten,
Chris: hat perfekt gepasst zu der PC-Welle, die dann angerollt ist.
Chris: Und entsprechend seien die Verkaufszahlen durch die Decke gegangen.
Chris: Das fällt ja in die Zeit, wo jetzt die ersten bezahlbaren und in Massen gefertigten
Chris: Heimcomputer kommen. Und das geht natürlich los mit dem Apple II.
Chris: Der kommt im Juni 1977 auf den Markt, anfangs nur mit einem Kassettenlaufwerk.
Chris: Aber das ändert sich relativ schnell, denn Apple erkennt, dass Rechner nur dann
Chris: als Büromaschine ernst genommen werden.
Chris: Und da möchten sie gerne hin in diesen Markt, wenn sie die dazugehörige Software
Chris: auch beherrschen, also komplexe Buchhaltungssoftware zum Beispiel.
Chris: Und das geht mit Kassetten nicht, die sind dafür einfach zu träge.
Chris: Deswegen schaut sich der Mitgründer von Apple, Steve Wozniak,
Chris: das Design von den bestehenden Laufwerkscontrollern an für Diskettenlaufwerke
Chris: und leitet daraus sein eigenes Design ab, das mit weniger Chips auskommt,
Chris: damit auch günstiger zu produzieren ist.
Chris: Sein Kollege Steve Jobs bringt daraufhin Sugard Associates dazu,
Chris: dass sie ihnen einige ausgeschlachtete SA400-Diskettenlaufwerke liefern.
Chris: Also nur die Laufwerksmechanik ohne die Steuerplatine dazu.
Chris: Auf dieser Basis entwickelt Wozniak dann das Disc 2.
Chris: Das ist ein 45 Zoll Laufwerk für den Apple II.
Chris: Und das kommt im Juni 1978 auf den Markt. kostet, inklusive der Controller-Karte,
Chris: also Laufwerk plus Karte, die man in den Apple II reinsteckt, 600 Dollar.
Chris: Das wären zwar heute 2800 Euro umgerechnet, also klingt enorm,
Chris: ist aber wesentlich günstiger als alle anderen Laufwerksmodelle, auch das von Sugart.
Chris: Und dabei ist es auch noch besser, hat eine etwas höhere Kapazität der Disketten
Chris: und eine bessere Datenrate, die auch noch Geräte, die viel später auf den Markt
Chris: kommen, also die von Atari und Commodore, auf Jahre hinaus übertreffen wird.
Chris: Wozniak selbst sagt später auch, das sei seine beste Arbeit.
Chris: Das ermöglicht dann dem Apple II auch genau das, was die beiden damit erreichen
Chris: wollten, nämlich den Durchbruch als Büromaschine.
Chris: Maßgeblich dafür ist die Tabellenkalkulation VisiCalc, dass die auf einer Diskette erscheint.
Chris: Also man braucht dafür dieses Disk-2-Laufwerk, aber das erweist sich für Apple
Chris: also als eine Killer-Application.
Henner: Ja, dafür lohnt es sich, einen Apple II zu kaufen und das macht die jahrelange
Henner: Dominanz von Apple auf dem Büromarkt aus, bevor dann später IBM nachzieht mit dem IBM PC.
Henner: Aber wir sind im Jahr 1977, als der Apple II erst mal noch ohne das Kettenlaufwerk rauskommt.
Henner: Aber er ist ja nicht der einzige PC, der in diesem Jahr erscheint.
Henner: Denn im gleichen Jahr erscheinen ja noch zwei weitere, die zusammen dann die
Henner: oft sogenannte PC-Trinität bilden, die PC Trinity.
Henner: Tandy bringt den TRS-80 und Commodore den PET oder PET.
Henner: Und auch für diese beiden anderen Computer, die im Jahr 77 erscheinen,
Henner: kommen bald Diskettenlaufwerke raus.
Henner: Tandy im Juli 78, da bringen sie ein Sugart-basiertes Laufwerk für ihren TRS-80.
Henner: Und im Jahr darauf, also 79, zieht dann auch Commodore nach mit einem Laufwerk für den PET.
Henner: Die sind beide nicht so toll wie das Disc 2 von Apple. Das Tandy-Laufwerk ist
Henner: viel, viel langsamer und unzuverlässiger als das Apple-Modell.
Henner: Und das Commodore-Laufwerk ist auch langsamer, vor allem aber viel teurer als das Apple-Laufwerk.
Henner: Die sind also keine Meisterwerke, anders als das Disc 2, aber populär.
Henner: Trotzdem so populär, dass es für viele Jahre Lieferschwierigkeiten gibt.
Henner: Die haben alle sehr schwache Verfügbarkeit, auch das Apple-Laufwerk.
Henner: Jeder, der so einen Rechner im Büro einsetzen will, braucht so ein Diskettenlaufwerk
Henner: und Apple kommt mit der Lieferung kaum hinterher.
Henner: Trotzdem, das etabliert sich sehr schnell zum Standard, diese Mini-Floppy.
Henner: Später liefert Commodore tatsächlich noch ein 8-Zoll-Laufwerk für ihre Pad-Rechner,
Henner: aber ich weiß nicht, ob das irgendjemand gekauft hat, denn zu der Zeit ist einfach
Henner: das 5,25-Zoll-Format der neue Industriestandard.
Henner: Das sieht man dann auch sehr deutlich an den Zahlen. Im Jahr 1977 werden 44.000
Henner: von diesen 5,25 Zoll Laufwerken der verschiedenen Hersteller verkauft.
Henner: Das klingt noch nicht so berauschend, aber im nächsten Jahr,
Henner: 78, sind es dann dreimal so viele.
Henner: Und im Jahr 79 ist eine halbe Million erreicht und im Jahr 1980 sind es über 2 Millionen Laufwerke.
Henner: Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Der richtig große Erfolg steht
Henner: der Diskette noch bevor und das hat sie ihrem Erfinder zu verdanken.
Henner: Nicht dem Erfinder der 5,25 Zoll Diskette, sondern dem ursprünglichen Disketten-Erfinder IBM.
Henner: Der macht die kleine Diskette erst richtig groß.
Chris: Und damit sind wir jetzt endlich beim IBM PC. Der kommt ja 1981 auf den Markt.
Chris: Das ist das Modell 5150. Das ist vom Erfolg von Apple II inspiriert.
Chris: Dieser Rechner hat noch keine Festplatte.
Chris: Die kommt dann erst mit dem PC XT 1983.
Chris: Stattdessen lädt dieser IBM-PC sein Betriebssystem und alle Programme und Dateien
Chris: von Diskette und zwar von einer Diskette im Shugart-Format und damit unterwirft
Chris: sich IBM im Endeffekt dem Markttrend, weil das ist ja nicht ihr eigener Standard.
Chris: Das ist ja von der Firma Shugart. Dieser erste IBM-PC, der bietet zwar auch
Chris: einen Anschluss für ein Kassettenlaufwerk, aber IBM selbst bietet gar kein passendes Gerät an.
Chris: Das lohnt sich sowieso nicht, weil die meisten Kunden ordern schon diesen ersten
Chris: PC direkt mit dem 5,25 Zoll des Kettenlaufwerk und auch wieder der dazugehörigen Controller-Karte.
Chris: PC Magazine berichtet in der Ausgabe 482 über die laufende PC-Produktion bei
Chris: IBM und sagt bei der Gelegenheit, jedes einzelne Exemplar des IBM-PCs verlasse
Chris: die Fabrik mit einem integrierten Floppy-Laufwerk. Also so weit ist es da schon.
Chris: Denn ist ja klar, im Vergleich mit der Kassette ist die Diskette einfach auch wesentlich schneller.
Chris: Bei Microsofts Programmiersprache BASIC, die ja mit dabei ist bei den IBM-PCs,
Chris: da ist ja ein Beispielprogramm dabei.
Chris: Lass uns den Namen gemeinsam sagen. Es ist Donkey Bus.
Chris: Und wenn man das von Kassette lädt, dann würde das 23 Sekunden dauern.
Chris: Bei der Diskette braucht es drei Sekunden.
Chris: Also kein Wunder, dass der Nachfolger dann der PC-XT von 1983 auf diesen Kassettenanschluss
Chris: auch gleich verzichtet. Da ist es dann nur noch die Diskette.
Chris: Der IBM PC ist ein riesiger Erfolg.
Chris: Schon im ersten vollständigen Jahr, also dem Jahr 82, verkauft IBM mehr als
Chris: 200.000 Stück davon. Das ist mehr, als sie geplant hatten.
Chris: Und das ist ein weiterer Triumph für die Diskette, denn wir haben es schon gehört,
Chris: in praktisch jedem davon steckt ein Diskettenlaufwerk.
Chris: Noch ist die Kassette die billigere Variante, die im unteren Preissegment realisiert.
Chris: Aber auch das wird sich bald ändern. Die Diskette wird in Nullkommanichts von
Chris: einem Luxuszubehör, das hier am Anfang war, sind teuer, zum neuen Standard praktisch
Chris: über alle Preisregionen.
Chris: Für Ataris 8-Bit-Computer von 79, den Atari 800, da ist das Floppy-Laufwerk
Chris: dann schon zur Markteinführung verfügbar.
Chris: Also zumindest theoretisch, weil Atari hat auch immense Lieferschwierigkeiten am Anfang.
Chris: Aber in den frühen 80er Jahren, das lebt ja eine Weile dieser 800er-Plattform,
Chris: wird die Diskette dann auch da der dominante Datenträger, also vor Kassette, vor Steckmodul.
Chris: Mit ein bisschen Abstand geschieht das gleiche dann auch nochmal beim C64.
Chris: Auch da am Anfang Kassette, teilweise Module, am Ende nur noch Diskette, Diskette, Diskette.
Henner: So habe ich den C64 in den 80er Jahren auch kennengelernt bei meinem Nachbarn
Henner: Claudius. Der hatte gar kein Kassettenlaufwerk.
Henner: Ich kannte ein Dutzend Leute mit dem C64, aber keiner von denen hat noch eine Kassette verwendet.
Henner: Das war überall das Diskettenlaufwerk und eine passende Diskettenbox. Das war der Standard.
Henner: Also dank dieser Heimcomputer C64 und Co. erobert die Diskette nun also nach
Henner: den Büros, wo sie ja sich etabliert haben, Dank des Apple II und des IBM PCs
Henner: nun auch die Haushalte, die Wohnzimmer, die Schlafzimmer.
Henner: Aber hier sind die Diskettenlaufwerke meistens noch etwas günstiger und schwächer und langsamer.
Henner: Wir haben es schon gehört, die Laufwerke von Atari und Commodore sind etwas
Henner: unzuverlässig und ziemlich langsam verglichen mit dem, was IBM und Apple anbieten.
Henner: Aber da gibt es Abhilfe. Es gibt ja eine große Gemeinde von Hobby-Nutzern und
Henner: Hobby-Programmierern und die finden bald Lösungen. Denn bald kommen Schnellladeprogramme
Henner: auf, vor allem für den C64.
Henner: Sowas gibt es schon für Kassettenlaufwerke und das setzt sich jetzt fort bei
Henner: den Diskettenlaufwerken.
Henner: Zu den ersten Schnellladeprogrammen dieser Art gehört Hypraload.
Henner: Das wurde 1984 von Boris Schneider veröffentlicht in der Zeitschrift 64er.
Henner: Das ist ja ein Spielejournalismus-Veteran.
Henner: Und diese Software von ihm, die arbeitet genauso wie andere Programme,
Henner: die es von anderen Anbietern gibt, Vielen Dank.
Henner: Mit verschiedensten Tricks, um die Leserate zu erhöhen, da wird dann zum Beispiel
Henner: auf ein Timing-Signal, das verzichtbar ist, einfach verzichtet.
Henner: Das heißt, der Computer und das Laufwerk, die synchronisieren sich auf andere
Henner: Weise und dafür ist die zugehörige Leitung für dieses Timing-Signal dann frei
Henner: und kann für die Datenübertragung genutzt werden.
Henner: Und schon werden einfach mehr Daten pro Sekunde übertragen.
Henner: Und das reduziert die Ladezeiten. Später werden solche Schnellladeroutinen dann
Henner: auch direkt in die Spiele oder in die Anwendungen integriert,
Henner: sodass man nicht noch ein spezielles zusätzliches Programm laden muss und im Idealfall schaffen,
Henner: dass solche Software-Schnellladeprogramme die Übertragungsrate beim Lesen ungefähr
Henner: zu verfünffachen und das ist erheblich.
Henner: Es gibt auch Hardware-Schnelllader, das ist natürlich auch Software,
Henner: aber die steckt auf Steckmodulen, deswegen heißen die so und die erreichen sogar
Henner: noch höhere Übertragungsraten als diese Softwarelösungen.
Henner: Also das ist eine sehr populäre Lösung, um diese langsamen, diese notorisch
Henner: langsamen C64-Diskettenlaufwerke etwas auf Trab zu bringen.
Henner: Es gibt andere Tricks, die die Kapazität erhöhen, denn die Diskette hat zwar
Henner: mehr Kapazität als die alte Datasette, aber nie genug.
Henner: Und so gibt es Tricks und Methoden, um die Kapazität zu steigern.
Henner: Mit dem richtigen Laufwerk kann man eine Diskette zum Beispiel überformatieren.
Henner: Das heißt, man kauft eine günstigere, kleinere Double-Density-Diskette,
Henner: DD, und formatiert sie mit der richtigen Software und dem richtigen Laufwerk
Henner: einfach zu einer High-Density-Floppy.
Henner: Und schon ist die Kapazität verdoppelt. Das spart natürlich Geld,
Henner: so bringt man mehr Daten auf einer Diskette unter.
Henner: Das kann aber auch dazu führen, dass es fehlerhafte Sektoren und schleichenden
Henner: Datenverlust gibt, aber das haben wir alle damals gern in Kauf genommen,
Henner: wenn wir dadurch mehr Spiele auf einer Diskette unterbringen konnten.
Chris: Zumal solche Disketten ja gerade am Anfang auch gar nicht günstig waren.
Chris: Das Laufwerk ja schon teuer genug, aber dann so ein Zehnerpack Disketten ist
Chris: durchaus auch nochmal ins Geld gegangen.
Henner: Das stimmt und das Laufwerk war zuweilen so teuer wie der ganze zugehörige Rechner,
Henner: das darf man nicht unterschätzen, ja.
Henner: Aber es war unverzichtbar, der Komfortgewinn gegenüber dem Kassettenlaufwerk
Henner: ist einfach immens. Es gibt noch weitere Tricks, um die Kapazität einer Diskette
Henner: weiter zu erhöhen, zum Beispiel indem man die zweite Seite benutzt hat.
Henner: Es gab ja nach wie vor einseitige Disketten, die konnte man dann nicht umdrehen,
Henner: um einfach die zweite Seite auch noch zu bespielen,
Henner: aber es gab Tricks, um das eben doch zu tun, um die andere Seite,
Henner: die Rückseite der Diskette auch noch für Daten zu nutzen.
Henner: Denn die Hersteller, die haben einfach aus Effizienzgründen meistens beide Seiten
Henner: dieser Magnetscheibe mit dieser magnetisierbaren Schicht versehen.
Henner: Also beide Seiten oben und unten waren identisch. Theoretisch konnte man also beide Seiten nutzen.
Henner: Man konnte die Diskette also durchaus theoretisch umdrehen und die zweite Seite
Henner: verwenden, auch bei einer nominell einseitigen Diskette.
Henner: Aber da gab es ein Problem, denn diese 5,25 Zoll Disketten sind nur dann beschreibbar,
Henner: wenn das Laufwerk an einer ganz bestimmten Position am Rand,
Henner: also in diesem Plastikumschlag, eine kleine Aussparung erkennt mit einer Lichtschranke.
Henner: Und nur wenn diese Aussparung da ist, dann kann diese Diskettenseite beschrieben werden.
Henner: Wenn man die Diskette aber umdreht, dann sitzt diese Aussparung jetzt an der
Henner: falschen Seite. Das Laufwerk findet also nicht mehr diese Aussparung an der
Henner: richtigen Stelle und weigert sich, die Diskette zu beschreiben.
Henner: Aber da gibt es eine mechanische Lösung und das erzählt uns jemand anders,
Henner: der vielleicht dem einen oder anderen bekannte Gründungschefredakteur der GameStar,
Henner: der heute beim Spiele-Veteranen-Podcast zu hören ist und außerdem verantwortlich
Henner: für den deutschen Retro-Gamer Jörg Langer, erzählt uns etwas von dieser Lösung.
Einspieler: Die Floppy Disc hieß ja deswegen Wackeldisc, weil sie eine sehr dünne,
Einspieler: magnetisch beschichtete Scheibe war in einer ebenso relativ dünnen Plastikverpackung.
Einspieler: Wenn man die in der Hand hatte, konnte man sie auch als Fächer benutzen.
Einspieler: Und da sie so labbrig war, auf Schwäbisch gesagt, konnte man sie mit einem Kniff,
Einspieler: die ich jetzt enthüllen werde für alle Spätgeborenen, in der Kapazität verdoppeln.
Einspieler: Das war natürlich den Herstellern von professionellen, doppelseitigen und besonders
Einspieler: teuren Disketten, so Scotch und Maxwell und wie sie alle hießen,
Einspieler: war das ein Dorn im Auge, die versuchten einem einzureden, das wäre ja ganz
Einspieler: gefährlich von der Datensicherheit her, aber man musste tatsächlich nur an der Stelle,
Einspieler: wo eine Lichtschranke in den Laufwerken geguckt hat, ob da eine Kerbe ist,
Einspieler: ob da die Lichtschranke quasi schließt,
Einspieler: musste man ein Loch reinmachen, das war es auch schon.
Einspieler: Da gab es spezielle Diskettenstanzer dafür.
Einspieler: Ich habe das natürlich mit einer Nagelschere gemacht, einfach an der richtigen
Einspieler: Stelle großzügig reingeschnitten und später habe ich mich noch etwas professionalisiert.
Einspieler: Da habe ich einfach den Locher genommen, einen üblichen Locher zum Lochen von
Einspieler: Seiten, hat man einfach dran gehalten an die richtige Stelle.
Einspieler: Gut, wenn man die richtige Stelle nicht ganz getroffen hat auf Anhieb,
Einspieler: sah dann die eine Seite der Diskette so ein bisschen aus wie ein Käse,
Einspieler: wo eine Maus nicht genau wusste, wo sie abbeißen soll, aber hat trotzdem funktioniert.
Einspieler: Solange man halt nicht die Magnetscheibe erwischt hat mit dem Locher,
Einspieler: dann war es, glaube ich, aus.
Einspieler: Aber in all den Jahren und den vielen hundert Disketten, die ich hatte,
Einspieler: natürlich nur für Sicherheitskopien,
Einspieler: habe ich, glaube ich, ein- oder zweimal es erlebt, dass es nicht geklappt hätte,
Einspieler: aus einer einseitigen Floppy, die entsprechend günstiger war,
Einspieler: eine zweiseitige zu machen.
Henner: Ja, die Schreibschutzöffnung muss also nur an der richtigen Stelle ins Plastik
Henner: geschnitten oder gestanzt werden mit so einem Diskettenlocher oder mit einer Nagelschere.
Henner: Es ist abenteuerlich, es ist wilder Westen damals.
Chris: Das ist wirklich wilder Westen und ich bin ein bisschen traurig,
Chris: dass das an mir vorbeigegangen ist, weil ich hatte ja nie einen 8-Bit-Computer,
Chris: wir hatten nur PCs zu Hause und auf dem PC, da ging das nicht.
Chris: Also ich habe jetzt gesehen, dass es offensichtlich auch einseitige Disketten
Chris: für PCs gab, aber zumindest bei uns waren die nie Standard.
Chris: Ich hatte immer Double-Density-Disketten, also schon doppelseitige und habe
Chris: deswegen immer die C64-Freunde beneidet, die einfach ihre Kapazität verdoppeln
Chris: konnten, indem sie da ein Loch reingestanzt haben.
Chris: Und ich hätte das so gerne auch gemacht bei meinen Disketten.
Chris: Unwissend, dass die andere Seite da schon in Benutzung war.
Henner: Ich würde es heute gerne mit meiner SSD machen, aber auch das funktioniert nicht.
Chris: Ja, naja, du kannst mal ein Loch reinmachen und schauen, was passiert.
Chris: Naja, also diese Mini-Floppy, die 45 Zoll-Diskette, ist trotz des Namens ja
Chris: immer noch ein einigermaßen ausladender Datenträger, wenn man sie jetzt mit
Chris: Kassetten vergleicht oder mit Steckmodulen und ist damit auch zu groß.
Chris: Und vor allen Dingen braucht sie auch ein großes Laufwerk.
Chris: Dieses Laufwerk ist zu groß, als dass es in einen kompakten Heimcomputer integriert werden könnte.
Chris: Und die Tatsache, dass diese Disketten biegsam sind und dass diese Öffnung da
Chris: ist, wo der Lesekopf drauf zugreifen kann, das macht sie außerdem relativ anfällig,
Chris: diese 45 Zoll Disketten.
Chris: Nun macht diese ganze Technologie der Disketten trotzdem weiterhin Fortschritte,
Chris: insbesondere bei der Datendichte.
Chris: Also es ist möglich, die Bits immer enger aneinander zu packen und damit ist
Chris: natürlich eine weitere Militarisierungsstufe denkbar. Und so ergießt sich dann
Chris: in den frühen 80er Jahren auch eine richtige Flut von kleineren Formaten über den Markt.
Chris: Die kriegen jetzt den Namen Mikrofloppy.
Chris: Nach Mini kommt Mikro.
Chris: IBM zum Beispiel versucht sich an einem 4 Zoll Format, das nennen sie die Demi-Diskette,
Chris: weil sie halb so groß ist wie das 8 Zoll Format. Andere Hersteller gehen noch weiter.
Chris: Die schrumpfen ihre Medien auf 3 Zoll, 2,5, sogar 2 Zoll Disketten gibt es.
Chris: Die sind selbstverständlich alle zueinander inkompatibel.
Chris: Und es lässt sich kein klarer Favorit ausmachen, der jetzt den Markt dominieren würde.
Chris: Woher kommt denn dann das 3,5 Zoll Format, auf das wir jetzt natürlich zusteuern,
Chris: das dann die Miniaturisierungsstufe ist, die sich durchsetzen wird?
Henner: Also wie es genau zu 3,5 und nicht 3,0 oder 3,8 Zoll kommt, das weiß ich auch nicht.
Henner: Aber dieses Format geht zurück auf Sony.
Henner: Die etablieren nämlich 1981 ihr eigenes Mikrofloppy-Format. Es gibt noch nicht
Henner: genug davon auf dem Markt.
Henner: Mit eben 3,5 Zoll. Und die sehen das zunächst vor für ihre eigenen Textverarbeitungssysteme.
Henner: Da sind sie wieder. Später aber auch für ihre eigenen Computer.
Henner: Und diese 3,5 Zoll Disketten von Sony, das ist noch nicht das finale Design, das wir heute kennen.
Henner: Aber die haben schon die richtige Größe und sie sind nicht nur sehr kompakt,
Henner: sondern sie sind auch starr. Sie lassen sich nicht mehr biegen.
Henner: Die sind also keine richtigen Floppys mehr, heißen aber trotzdem weiterhin so.
Henner: Und die bringen noch eine weitere Innovation mit, denn sie verbergen jetzt endlich
Henner: diese empfindliche Öffnung für den
Henner: Lese- und Schreibkopf, der in dem alten Diskettenumschlag noch drin war.
Henner: Die verbergen diese Öffnung unter einem Verschluss, einem metallenen Verschluss,
Henner: einer Blende, die diese empfindliche Magnetschicht schützt.
Henner: Sehr clever und dieses Format erhält auch einiges an Zuspruch von anderen Herstellern.
Henner: Das wird unter anderem von HP unterstützt, also von einer großen Macht auf dem Computermarkt.
Henner: Aber das ist trotzdem noch kein Industriestandard, das ist nach wie vor eine
Henner: Insellösung, wie so viele andere auch.
Henner: Und dieser Wildwuchs an verschiedensten Mikrofloppy-Formaten von 2 bis 4 Zoll
Henner: und allerhand dazwischen, der ist natürlich schädlich für das Geschäft.
Henner: Sowohl der Laufwerkshersteller als auch der Medienhersteller,
Henner: die sich nicht auf ein Standardformat einigen und konzentrieren können.
Henner: Und so verbünden sich zwei von diesen Herstellern im Jahr 1982,
Henner: um diesem Wildwuchs ein Ende zu bereiten.
Henner: Im Frühjahr 82 verbündet sich Sugart, die Firma, nicht der Mensch,
Henner: mit dem Diskettenhersteller Dyson,
Henner: der hat schon die ersten 5,25 Zoll Disketten damals für Sugart produziert und
Henner: die bilden jetzt gemeinsam ein Komitee,
Henner: ein Industriekonsortium, um einen gemeinsamen Mikrofloppy-Standard zu etablieren
Henner: und dieses Konsortium, das heißt Microfloppy Industry Committee, M-I-C.
Henner: Die bleiben nicht alleine, bald schließen sich ihrem Komitee über 20 weitere
Henner: Hersteller an, darunter auch Apple, Atari, Philips und Memorex,
Henner: IBM nicht, aber die müssen sich später trotzdem erneut beugen.
Henner: Und im Januar 83 einigt sich dieses Konsortium jetzt auf einen gemeinsamen Standard
Henner: und der basiert auf dem Sony-Entwurf, auf dem 3,5 Zoll Format,
Henner: das Sony eingeführt hat.
Henner: Aber die übernehmen das nicht eins zu eins, sondern sie verbessern dieses Format noch.
Henner: Da sitzt ein Team bei Sugart, das genau daran arbeitet.
Henner: Das ist ein Projekt mit dem Codenamen Venture, also Wagnis.
Henner: Und das arbeitet nun daran, diesen Sony-Standard weiter zu verbessern.
Henner: Die wechseln zunächst mal zum etablierten Interface, zu dem eigenen Sugart-Interface,
Henner: das schon das 5,25 Zoll-Laufwerk verwendet hat. Das ist ja ein industrieweit
Henner: etablierter Standard. Das ist die erste Änderung.
Henner: Und dann sorgen sie dafür, dass dieses neue Diskettenformat noch ein bisschen
Henner: robuster wird und ein bisschen mobiler. Ich habe mit einem der Entwickler aus
Henner: diesem Shugart-Team sprechen können, Thuan Nguyen.
Henner: Der hat damals bei Shugart in diesem Venture-Projekt gearbeitet und der war
Henner: zuständig für die Laufwerksmechanik.
Henner: Und der sagte mir, die entscheidenden Faktoren für die Weiterentwicklung waren
Henner: geringe Größe und Schutz des Mediums. Und wie sie das erreichen,
Henner: dazu kommen wir gleich noch.
Henner: Das ist wirklich ein tolles Werk, ein kleines Meisterwerk, diese 3,5 Zoll Diskette,
Henner: die da auf den Markt kommt.
Henner: Und das passiert noch im gleichen Jahr 1983, da kommen nämlich die ersten 3,5
Henner: Zoll Laufwerke nach diesem neuen Mikrofloppy Standard auf den Markt,
Henner: also das verbesserte Sony Format.
Henner: Und der Name Floppy, wir sagten es schon, der bleibt erhalten,
Henner: auch wenn diese neuen Datenträger gar nicht mehr Floppy sind,
Henner: gar nicht mehr wabbelig, gar nicht mehr biegsam, sondern sehr starr.
Henner: Und ich las auch, dass in Südafrika diese 3,5 Zoll Diskette deswegen Stiffy
Henner: Disk genannt wird oder zumindest zeitweise genannt wurde, also Steife Disk.
Henner: Das passt auch viel besser, hat sich aber nicht durchgesetzt,
Henner: es blieb bei der Floppy. Und auch diese komische angloamerikanische Zollangabe,
Henner: die wir auch die ganze Zeit verwenden, die blieb üblich.
Henner: Also auch dort, wo man eigentlich das metrische System einsetzt,
Henner: das viel sinnvoller ist, es bleibt bei der Zollangabe, aber nicht überall.
Henner: Ich fand ein paar Microsoft-Software-Verpackungen aus dieser Zeit und aus den
Henner: 90er Jahren, da verwenden sie tatsächlich das metrische System,
Henner: um die 3,5 Zoll Diskette zu beschreiben.
Henner: Das steht auf der 3,5 Zoll Disketten-Version von Windows 95 nämlich 8,89.
Henner: Und das ist die Zentimeterumrechnung von 3,5 Zoll. Ja, hat sich auch nicht durchgesetzt.
Chris: Das ist auch nicht besser. Nicht wirklich. Du hast schon gesagt,
Chris: diese 3,5 Zoll Diskette ist jetzt
Chris: ein kleines Meisterwerk, wenn es um die Ausreifung der Diskette geht.
Chris: Ich will vorher nochmal ganz kurz zurückkommen auf diese Standardisierung der
Chris: 3,5 Zoll Diskette, die du eben schon beschrieben hast.
Chris: Du hast ja gesagt, das Sugar Interface kommt da zum Einsatz und das ist wichtig,
Chris: dass wir uns auch nochmal vor Augen rufen, dass der Datenträger nicht alleine
Chris: steht, sondern dass da ein Laufwerk dazugehört und zu dem Laufwerk auch eine Kontrolllogik.
Chris: Ein Controller und eben auch ein Interface.
Chris: Also eine Schnittstelle, denn irgendwie muss der Computer ja mit dem Laufwerk
Chris: kommunizieren können und dazu gehört dann auch ein entsprechendes Kabel.
Chris: Und ich glaube, jeder von uns kennt diese Flachbandkabel, die in den PCs drin
Chris: sind und die Komponenten miteinander verbinden.
Chris: Und dann gab es ja eine Zeit, insbesondere bei den PCs, wo es üblich war,
Chris: dass man zwei Diskettenlaufwerke drinstecken hat, nämlich ein 5,25 Zoll Laufwerk.
Chris: Das war dann in der Regel das Laufwerk B und ein 3,5 Zoll Laufwerk,
Chris: das war in der Regel das Laufwerk A.
Chris: Und die beiden Laufwerke hängen intern am gleichen Kabel.
Chris: Das ist so ein Flachbandkabel, an dem zwei Stecker dran sind.
Chris: Einer am Ende und einer ein bisschen weiter vorher.
Chris: Das geht deswegen, weil das Interface für diese beiden Laufwerke das gleiche ist.
Chris: Aber woher weiß denn der Computer dann eigentlich, welches von diesen beiden
Chris: Laufwerken A ist und welches B?
Chris: Also wie kann er über das gleiche Kabel diese zwei unterschiedlichen Laufwerke ansteuern?
Chris: Und da gibt es einen richtig cleveren Hack, der im Kabel selbst steckt.
Chris: Da ist nämlich ein Twist drin im wahrsten Sinne. des Wortes.
Chris: Zwischen diesem ersten und dem zweiten Stecker sind ein paar der Datenleitungen verdreht.
Chris: Das sieht so aus, als sei das ein Produktionsfehler, als hätte da irgendjemand
Chris: die Dinge falsch eingelötet. Das ist aber Absicht.
Chris: Dadurch ändert sich die PIN-Belegung bei den Steckern und dadurch können diese
Chris: beiden Laufwerke auseinandergehalten und individuell angesteuert werden.
Chris: Aber kommen wir zurück zu der 3,5 Zoll Diskette.
Chris: Auch hier bezieht sich das Format wieder auf die Außenmaße, aber im Gegensatz
Chris: zu ihrer Vorgängerin ist dieses Gehäuse jetzt nicht mehr quadratisch,
Chris: sondern das ist etwas rechteckig und das hat auch einen ganz pragmatischen Grund.
Chris: Das verhindert nämlich, dass man es falsch rum einschieben kann.
Chris: Diese 5,25 Zoll Diskette kannst du ja theoretisch auf vier verschiedene Arten
Chris: und Weisen in das Laufwerk einschieben, aber die Tatsache, dass sie rechteckig ist, führt dazu,
Chris: dass du sie nicht quer reinschieben kannst in das Laufwerk.
Chris: Und damit man sie jetzt auch nicht mit der Unterseite voran oder kopfüber einlegen
Chris: kann, hat die auch nochmal eine angeschrägte Ecke oben rechts und das Laufwerk
Chris: enthält dann an der gleichen Stelle einen Mechanismus, der die Diskette blockiert,
Chris: wenn man versucht sie falsch reinzulegen.
Chris: Also von den theoretisch möglichen acht Orientierungen ist nur eine tatsächlich
Chris: möglich. Und das ist einfach gutes Design.
Chris: Hat ja auch nur zwölf Jahre gedauert, bis die Diskette so weit war.
Chris: Und umdrehen muss man diese Disc sowieso nicht mehr, denn für eine doppelseitige
Chris: Nutzung braucht dieses Laufwerk jetzt zwangsläufig zwei Lese- und Schreibköpfe.
Henner: Sehr, sehr cleveres System. Ich habe einen ganz neuen Blick auf die 3,5 Zoll
Henner: Diskette gewonnen. Das ist wirklich ein kleines Meisterwerk.
Henner: Das Team hatte ja auch das große Ziel Fehlervermeidung und Schutz des Mediums
Henner: und das haben sie auch hiermit erreicht.
Henner: Nicht nur durch dieses idiotensichere Design, dass man die Diskette richtig
Henner: rum reinschieben kann, sondern auch durch die Zugriffsöffnung.
Henner: Bei der 5,25 Zoll Diskette gab es ja noch immer, wie beim Original 8 Zoll Modell,
Henner: dieses kleine Fenster im Umschlag.
Henner: Diese Öffnung, durch die der Laser- und Schreibkopf auf die Magnetoberfläche
Henner: zugreifen konnte. Aber das ist natürlich eine Schwachstelle.
Henner: Da hat bestimmt manch einer mit dem Daumen drauf gebatscht und so möglicherweise die Daten beschädigt.
Henner: Das hat Sony ja schon verhindert mit einer metallenen Abdeckblende.
Henner: Aber bei Sony musste man die vor dem Einlegen der Diskette noch manuell beiseite
Henner: schieben und nach dem Rausziehen der Diskette wieder manuell schließen,
Henner: was sicherlich der ein oder andere vergessen hat.
Henner: Und schon war der Vorteil dahin. Die Magnetoberfläche war wieder entblößt.
Henner: In diesem neuen 3,5 Zoll Format, das jetzt standardisiert wurde,
Henner: geschieht das automatisch.
Henner: Wenn man die Diskette reinlegt, dann wird diese metallene Abdeckblende automatisch
Henner: elektrisch gesteuert beiseite geschoben und beim Rausnehmen durch eine Feder
Henner: in der Diskette rein mechanisch selbsttätig wieder verschlossen. Schutz-
Henner: Fehlervermeidung, das waren ja die Ziele und die wurden auch erreicht, nicht nur damit.
Henner: Denn zusätzlich besitzen die neuen Laufwerke jetzt einen mechanischen Auswurfmechanismus,
Henner: der verhindert, dass die Diskette im laufenden Betrieb rausgezogen werden kann,
Henner: während der Lese- und Schreibkopf noch auf der Magnetoberfläche arbeitet.
Henner: Ja, das kann der Diskette nicht gut tun.
Henner: Sowas ist aber bei einigen Mini-Floppy-Laufwerken wie dem von IBM durchaus möglich.
Henner: Bei Commodore nicht. Die C64-Laufwerke haben einen mechanischen Verriegelungshebel.
Henner: Und wenn man den öffnet, um die Diskette zu entfernen, dann wird auch der Lesekopf
Henner: in Sicherheit gebracht.
Henner: Aber das ist jetzt nicht mehr nötig, denn der Auswurfmechanismus kümmert sich
Henner: um alles, auch ohne Stromzufuhr.
Henner: Rein mechanisch sorgt dafür das Unmounting der Diskette, also das Abheben des
Henner: Lesekopfes und dann die Ausgabe der Diskette.
Henner: Dadurch ändert sich auch der auditive Charakter des Laufwerks.
Henner: Zum Auffrischen der Erinnerungen hören wir jetzt mal im Vergleich das Einliege-
Henner: und Rausnehmgeräusch einer 5,25 Zoll-Diskette in ein 1541er Laufwerk für den
Henner: C64 samt Verriegelungshebel und danach denselben Vorgang beim Amiga 500 mit
Henner: der Einrastmechanik und dem Auswurfknopf.
Sound: 1.
Sound: 3. 4. 5. 6. 7.
Henner: Ah, wohlige Erinnerungen, auch wenn das beim Atari ST natürlich viel besser klang.
Henner: Vereinfacht ist auch das Schreibschutzmanagement der Diskette.
Henner: Fehlervermeidung, wir erinnern uns, ist ja die Maxime. Wie beim Vorgänger entscheidet
Henner: auch bei der Mikrofloppy so eine kleine Aussparung in der Ecke darüber,
Henner: ob die Diskette beschreibbar ist oder nicht. Wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen.
Henner: Aussparung offen bedeutet hier Schreibschutz aktiv. Schievaussparung,
Henner: geschlossen heißt, die Diskette kann beschrieben werden.
Henner: Hier lässt sich aber dieser Schreibschutz mit einem winzigen integrierten Schieber
Henner: einfach ein- und ausschalten.
Henner: Toll, das habe ich auch regelmäßig gemacht. Wenn ich meine wertvolle Pirates-Spielstand-Diskette
Henner: rausgenommen habe, dann habe ich immer den Schreibschutz aktiviert. Warum auch immer?
Henner: Könnte ja, keine Ahnung, eine übernatürliche Macht meine Spielstände löschen.
Henner: Das heißt aber, man braucht jetzt kein Klebeband mehr. Es sei denn,
Henner: man will eine vorbespielte Diskette überspielen.
Henner: Also ein Spiel, das man gekauft, aber auf das man keine Lust mehr hat.
Henner: Denn bei solchen Disketten fehlt dieser Schieber in der Regel,
Henner: um die Öffnung zu schließen.
Henner: Das muss man dann doch wieder mit Klebeband machen.
Chris: Ein wirklich schönes Ding, diese 3,5 Zoll Diskette und natürlich tritt die dann
Chris: auch den verdienten Siegeszug an.
Chris: Als sie im Jahr 1983 auf den Markt kommt, da ist das erstmal wieder eine einseitig
Chris: beschriebene Diskette mit 360
Chris: Kilobyte Speicherkapazität, aber auch das entwickelt sich schnell weiter.
Chris: Also 84 haben wir dann die ersten Modelle, die doppelseitig beschrieben sind.
Chris: 720 Kilobyte Speicherplatz.
Chris: 86 kommen in Japan zunächst mal Disketten mit höherer Datendichte auf den Markt.
Chris: Das sind dann die HD-Disketten für High Density.
Chris: Da bringt man dann schon 1,44 Megabyte drauf, wenn sie für den EBM-PC formatiert sind.
Chris: Und das bleibt auch die Kapazität, die bis zum Ende dieser 3,5 Zoll Disketten-Ära
Chris: am meisten verbreitet ist. Es gibt dann noch weitere Varianten,
Chris: zum Beispiel die sogenannten ED-Disketten.
Chris: Das E steht hier für Extended aus dem Jahr 87.
Chris: Die haben dann nochmal doppelte Kapazität, also rund 2,8 Megabyte.
Chris: Aber das setzt sich dann nicht mehr durch. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen
Chris: Computern und ihren jeweiligen Diskettenmodellen, die ergeben sich durch die
Chris: Art, wie die formatiert sind, die Disketten, welches Dateisystem verwendet wird.
Chris: Weil die Sektorierung und die Dateizuordnungsstrukturen, die brauchen mal mehr,
Chris: mal weniger Speicherplatz.
Chris: Die ersten Macintosh-Rechner zum Beispiel von 1984, die haben ein 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk.
Chris: Das sind einseitige SD-Disketten, die sind aber anders formatiert,
Chris: sodass da 400 KB statt den 360 draufpassen.
Chris: Oder die ersten Amigas, die benutzen doppelseitige SD-Disketten,
Chris: die haben in ihrer Formatierung aber 880 KB statt 720.
Chris: Da gibt es je nach System, je nach Anbieter weitere Unterschiede,
Chris: was halt dann auch dazu führt, dass die untereinander inkompatibel sind.
Chris: In seltenen Fällen gelingt es den Entwicklern dann sogar auf ein und demselben
Chris: Datenträger mehrere Dateiformate für unterschiedliche Systeme unterzubringen.
Chris: Das ist was, das gab es bei 45 Zoll Disketten auch.
Chris: Da war es sogar relativ einfach, denn der eine Vorteil, den die 45 Zoll-Diskette
Chris: noch hat, ist, die kannst du ja umdrehen.
Chris: Und da gab es dann Disketten, da war zum Beispiel auf der einen Seite das Programm
Chris: für den C64 drauf und auf der anderen Seite das gleiche Programm für den Apple II.
Chris: Bei den 3,5 Zoll-Disketten geht das nicht mehr mit dem Umdrehen.
Chris: Da muss man dann also schon Formatierungstricks anwenden.
Chris: Das funktioniert auch. Also es gab Programme, da war auf einer 3,5 Zoll-Diskette
Chris: sowohl die Amiga als auch die ST-Version von einem Spiel drauf.
Chris: Zum Beispiel Star Glider 2, das war so eines.
Chris: Oder Carrier Command, da gab es eine Version, da war auf der gleichen 3,5-Zoll-Diskette
Chris: das Spiel für den Amiga und für den PC drauf.
Chris: Da bekommt dann halt einfach jedes von diesen beiden Systemen seine eigenen
Chris: Sektoren auf dieser Diskette.
Chris: Es gibt sogar ein Spiel, 3D-Pool, so ein Billiardspiel, das hat alle drei Computerwelten
Chris: auf der gleichen Tri-Format-Diskette drauf.
Chris: Also Amiga-SD und PC-Version auf einer Diskette. Das ist schon Chapeau,
Chris: da kann man schon mal sich verneigen davor.
Chris: Aber trotz dieser oberflächlichen Unterschiede in der Datendichte und in der
Chris: Formatierung ist diese 3,5 Zoll-Diskette erstmal ein global einheitlicher Standard
Chris: und diese Standardisierung verhilft ja auch zu ihrem großen Erfolg.
Henner: Genau. Die Byte schreibt, also die US-Zeitschrift schreibt im September 83,
Henner: dieses neue 3,5 Zoll Format, das sei der führende Anwärter auf den Titel eines Industriestandards.
Henner: Und damit hat dieser Autor recht, aber der ist jetzt nicht so ganz unparteiisch,
Henner: der ist nämlich Marketingmanager bei Sugart.
Henner: Aber es ändert nichts daran, dass er recht hat und das sieht aber nicht jeder so damals.
Henner: Al Sugart, der ja nicht mehr bei seiner eigenen Firma ist, zu der Zeit...
Henner: Der hat 83 in einem Interview gesagt, die neue Mikro-Floppy werde niemals die Mini-Floppy ersetzen,
Henner: weil ja die gesamte Software auf dem Markt, die sei ja schon auf dem Mini-Floppy-Format
Henner: und umzusteigen jetzt auf ein neues System wäre viel zu aufwendig und das würde
Henner: der Markt nicht mitmachen.
Henner: Gut, da hat er nicht recht behalten.
Henner: Auch andere haben nicht recht, denn Hitachi zum Beispiel, die bewerben noch
Henner: 1984 sehr optimistisch ihr eigenes 3 Zoll Format und sagen in einer Anzeige,
Henner: es sei klar, dass die 3 Zoll Floppy der neue Standard wird. Und daraus ist auch nichts geworden.
Henner: Die haben sich hier und da durchgesetzt, die 3-Zoll-Disketten.
Henner: Für eine Weile hatten sie Erfolge bei Amstrad, hierzulande Schneider zum Beispiel.
Henner: Aber die anderen sind alle umgeschwenkt auf das neue standardisierte 3,5-Zoll-Format.
Henner: Sony selbst auch.
Henner: Apple, die wollten ihren Macintosh, der 84 rauskommt, ursprünglich mit einer
Henner: Eigenentwicklung versehen.
Henner: Dem Fireware-Laufwerk natürlich was Proprietäres, was zu sonst nichts kompatibel
Henner: ist. Aber die sind dann doch umgeschwenkt.
Henner: Steve Jobs ließ sich davon überzeugen, doch diesen Industriestandard anzunehmen von 3,5 Zoll.
Henner: Und das haben sie dann auch gemacht. Das war auch gut so.
Chris: Allerdings hat Steve Jobs ja die Bedingungen dann dran geknüpft,
Chris: dass die Diskette über das Betriebssystem ausgeworfen werden muss.
Chris: Weil das ist wieder eine von diesen Kuriositäten von diesen Apple-Produkten.
Chris: Der Macintosh hat zwar dieses 3,5 Zoll-Laufwerk, da ist aber kein Auswurfknopf dran.
Chris: Wenn du die Diskette da rausbekommen möchtest, musst du das über die Benutzeroberfläche des macOS machen.
Chris: Und wenn die Diskette mal klemmt, dann gibt es da, das kennt man ja auch wieder
Chris: von späteren Laufwerken, als so ein kleines Löchlein, wo du mit einer Büroklammer
Chris: reinpriemeln musst. Und dann kriegst du sie zur Not halt doch noch raus.
Henner: Stimmt, genau.
Henner: Im gleichen Jahr, also 1984, erscheinen auch weitere 3,5 Zoll Laufwerke für
Henner: weitere Computer, für die MSX-Heimcomputer, die vor allem in Japan populär sind,
Henner: wird dann auch auf diesen 8 Zoll Computern bald zum Standard,
Henner: zumindest in den meisten Ländern.
Henner: 85 gibt es nochmal einen großen Schub für dieses neue kleine Format.
Henner: Da setzen ja die neuen 16-Bit-Computer der Atari ST und der Commodore Amiga
Henner: ebenfalls auf das neue Format.
Henner: Die kommen also gar nicht mehr mit einer Option für 5,25 Zoll auf den Markt,
Henner: sondern die setzen von Anfang an auf das neue Microfloppy-Format.
Henner: Und 86 muss dann auch IBM sich geschlagen geben.
Henner: Die mögen das nicht, Industriestandards von anderen zu übernehmen.
Henner: Die wollen selber welche etablieren, aber das gelingt ihnen halt nicht immer.
Henner: Und so müssen sie auch hier nachziehen und mit dem PC Convertible,
Henner: das ist so ein tragbarer Computer, steigen sie dann auch um auf das neue 3,5
Henner: Zoll Format und ab 87 dann auch bei den Desktop Rechnern mit der PS2 Reihe.
Henner: Nguyen, der Mensch, mit dem ich sprechen konnte aus diesem Sugar-Entwickler-Team,
Henner: der sagte auch, als Apple und IBM das Format etabliert hatten,
Henner: verschwanden alle Alternativen vom Markt, die kleineren Formate und die größeren mit höherer Kapazität.
Henner: Denn es gab noch einige Versuche, die 5,25 Zoll-Diskette wieder zum Sieg zu
Henner: führen mit höheren Kapazitäten.
Henner: Das ist ja der eine Vorteil, den sie hat. Sie ist größer, also kann man auch
Henner: mehr Daten drauf unterbringen.
Henner: Aber das hat nicht gereicht. Die Mikrofloppy mit den 1,44 Megabyte,
Henner: mal mehr, mal weniger, hat sich durchgesetzt.
Henner: Und das sieht man wieder an den Verkaufszahlen.
Henner: 1983 werden 400.000 von diesen Laufwerken verkauft. Klingt schon beeindruckend,
Henner: ist aber noch gar kein Vergleich zum Vorgänger, denn im gleichen Jahr werden
Henner: über 10 Millionen 5,25 Zoll und 8 Zoll Diskettenlaufwerke verkauft.
Henner: Da führt also die Mini-Floppy noch deutlich, aber ab Mitte der 80er Jahre,
Henner: durch die verschiedenen Computer, die wir aufgezählt haben und später auch durch
Henner: IBM, gelingt dann dem 3,5 Zoll Format der Siegeszug.
Henner: Da gibt es zeitweise sogar eine Verdopplung der jährlichen Verkaufszahlen.
Henner: Im Jahr 85 sind es 3 Millionen Exemplare, dann sind es 6 Millionen,
Henner: dann 12 Millionen und es geht so weiter.
Henner: 1988 überholt die Mikro-Floppy das Mini-Floppy-Format und in den 90ern werden
Henner: später über 100 Millionen Exemplare erreicht.
Henner: Wohlgemerkt, wir reden von den Laufwerken, noch nicht von den Disketten.
Henner: Da sind die Zahlen noch sehr, sehr viel höher.
Henner: Damit einher geht natürlich auch ein riesiges Wachstum auf dem Softwaremarkt.
Henner: Denn dafür ist die Diskette schließlich da, für den Vertrieb von Software.
Chris: Ja, das bedingt sich alles gegenseitig bei diesem großen Erfolg.
Chris: Der Computer wird ein Massenprodukt und die Diskette wird gleichzeitig zu dem
Chris: Datenträger, der diesen Erfolg begleitet und teilweise auch erst möglich macht.
Chris: Denn die Diskette macht den Umgang mit dieser neuen Geräteklasse einfacher und
Chris: komfortabler, als es zum Beispiel die Kassettenlaufwerke vorher waren.
Chris: Da musste man ja ständig vor- und zurückspulen oder auch die Wiedergabelautstärke
Chris: fein justieren und natürlich ewig warten. Das braucht also einige Frustrationstoleranz.
Chris: Das ist bei der Diskette nun passé und damit fördert sie die PC-Revolution,
Chris: also trägt zur massenhaften Verbreitung von Mikrocomputern bei in Büros und in Haushalten.
Chris: Und gleichzeitig gelingt es ihr, die daraus erwachsende Nachfrage nach Software
Chris: zu stillen, weil vorbei sind jetzt die Zeiten, in denen Heimcomputernutzer ihre
Chris: eigenen Programme schreiben mussten, wie es ja in den 70ern noch der Standard war.
Chris: Dank der Diskette explodiert nun das kommerzielle Angebot.
Chris: Die Software kann auf etwas geliefert werden.
Henner: Ja, denn die Diskette ist nicht nur schön praktisch für uns als Nutzerinnen
Henner: und Nutzer, sondern auch für die Entwickler.
Henner: Mithilfe der Diskette können sich jetzt ganz neue Formen von Anwendungen durchsetzen,
Henner: weil ja erst jetzt mit der Diskette durch
Henner: diesen wahlfreien Zugriff das Dokumentenmanagement viel einfacher ist.
Henner: Das Dateimanagement, einzelne Dateien zu speichern, zu bearbeiten,
Henner: zu kopieren, weiterzugeben, das ist mit der Diskette viel, viel einfacher als mit der Kassette.
Henner: Und das erlaubt einfach einen längerfristigen, produktiveren Einsatz des Computers,
Henner: wenn ich also über Tage, über Monate hinweg an denselben Dateien arbeite und
Henner: sie jeden Tag verändert neu abspeichern kann.
Henner: Außerdem werden ja, wir haben es schon beschrieben, dadurch ganz neue Formen
Henner: von Anwendungen möglich, wie eben Tabellenkalkulationen oder Datenbanken,
Henner: die mit einer Kassette auch nicht machbar wären.
Henner: Wir sind ja immer noch in der Zeit, in der die meisten Computer-PCs,
Henner: aber vor allem auch Heimcomputer noch ohne Festplatte auskommen müssen.
Henner: Und da ist die Diskette die einzige Lösung, die sowas möglich macht.
Henner: Und auch der Vertrieb wird leichter.
Henner: Das freut die Entwickler und die Softwarehäuser vor allem natürlich.
Henner: Die Diskette bietet einfach mehr Platz als die meisten anderen Datenträger.
Henner: Auch für größere Programmsammlungen.
Henner: Das sieht man an den allerersten Disketten-Spielen, die so verkauft werden.
Henner: Das sind meistens Sammlungen mehrerer Programme.
Henner: Sie ist außerdem natürlich sehr günstig in großen Massen zu produzieren,
Henner: auch durch diese Standardisierung.
Henner: Sie ist vor allem viel günstiger als Steckmodule. Die gibt es ja nicht nur bei
Henner: den Konsolen, sondern auch bei den frühen Heimcomputern.
Henner: Da kann man ja noch Module reinstecken, aber da sind Chips drin,
Henner: da ist ein großes, klobiges Gehäuse drumherum. Also die sind in der Produktion
Henner: und im Transport erheblich teurer als so eine einfache Diskette.
Henner: Und die Diskette ist verglichen mit der Kassette, die ähnlich günstig ist,
Henner: viel robuster, schneller und weniger störanfällig.
Henner: Und dann gibt es noch einen Software-Vertriebsweg, der damals noch üblich ist,
Henner: der jetzt aber auch durch die Diskette nach und nach obsolet wird.
Henner: Da gibt es ja noch diese Code-Listings, also Programme als gedruckter Code in
Henner: Zeitschriften und auch in Büchern, die man abschreiben muss,
Henner: um die Software zu erhalten.
Henner: Das ist nicht sehr bequem und darauf kann man jetzt verzichten,
Henner: indem man einfach so eine schlanke Diskette einem Magazin beilegt zum Beispiel.
Henner: Und das wird auch bald gemacht.
Henner: 1983 wird Microsofts Word eröffnet.
Henner: Erste Microsoft-Textverarbeitung als Demo-Version, als Diskettenbeilage der PC World beigelegt.
Henner: Das ist die Cover-Mount-Diskette. Die wird ja später zum Standard und später
Henner: dann ja abgelöst durch die Heft-CD.
Henner: Das fängt also schon im Jahr 1983 an. Das wäre mit einer Kassette auch nicht
Henner: so ohne weiteres möglich gewesen und mit einem Modul erst recht nicht.
Chris: Also neue Vertriebsformen werden möglich, zum Beispiel auch die Shareware-Szene.
Chris: Die blüht in den frühen 80er-Jahren auf.
Chris: Vor allen Dingen auch deswegen, weil sich die Programme auf Diskette per Post
Chris: einfach verschicken lassen, muss man also nicht zwangsläufig in den Laden stellen.
Chris: Später kommen dann auch Magazine, die sich auf die beiliegende Diskette konzentrieren.
Chris: Da ist dann also die Diskette das hauptsächliche.
Chris: Das Heft wird dann schon eher zur Nebensache oder manche lassen das Heft auch ganz weg.
Chris: Es gibt dann 89 zum Beispiel die erste Ausgabe von Softdisk.
Chris: Das ist ein Apple II Magazin, das auf einer Diskette geliefert wird.
Chris: Es gab für den PC auch so ein Magazin, ein bisschen später, ab 86 erschien monatlich Big Blue Disc.
Chris: Entgegen dem Namen ist das nicht blau, also selbst das Label der Disketten ist weiß.
Chris: Und da liegt auch bald nicht nur eine 45 Zoll Diskette drin, sondern gleich zwei.
Chris: Dieses Diskettenmagazin, das gibt es bis 1991 und da zeigt sich dann auch bald
Chris: ein Problem, das sich durch diese zwei Standards ergibt, 45 Zoll und dreieinhalb
Chris: Disketten, die ja nebeneinander existieren. Nämlich die Frage,
Chris: soll man da nicht 3,5 Zoll Disketten reintun?
Chris: Am Anfang sind das, wie gesagt, 5,5 Zoll Disketten.
Chris: Das sind ja eigentlich konkurrierende Formate. Oder haben PC-Besitzer wirklich beide Laufwerke?
Chris: Am Anfang wird das gelöst, indem dann halt ein Coupon mit drin liegt,
Chris: wo man das andere Format bestellen kann.
Chris: Also wenn du eine 3,5 Zoll Disketten haben möchtest, schick uns den Coupon ein,
Chris: dann schicken wir dir das per Post.
Chris: Aber das ist natürlich ein Problem, das viele Anbieter in dieser Zeit haben,
Chris: auch viele Spielehersteller, zu denen wir dann noch kommen werden.
Chris: Und deswegen sind wir da in den späten 80ern, frühen 90ern in einer Ära,
Chris: wo es nicht unüblich ist, dass in so einer Spielepackung beide Formate drin liegen.
Chris: Also die Spiele von Sierra zum Beispiel, die haben ab Werk 45 Zoll Disketten
Chris: und 3,5 Zoll Disketten drin. Was bedeutet, du bekommst im Endeffekt das Spiel
Chris: zweimal und kannst dann auch ein Set weitergeben, was wir auch oft getan haben damals.
Chris: Ich habe die 45 Zoll Disketten behalten und dem Kumpel die 3,5 Zoll Disketten
Chris: gegeben, also eine Art legale Raubkopie sozusagen.
Henner: Ah, clever.
Chris: Aber Raubkopie ist auch das Stichwort, die Diskette hat nicht nur ihre Lichtseiten,
Chris: sondern auch Schattenseiten.
Henner: Ja, denn Disketten lassen sich ja sehr leicht und unauffällig beschreiben und kopieren.
Henner: Und das hat eine Kehrseite, denn
Henner: auf diese Weise kommt das Phänomen der Schadsoftware auf, also der Viren.
Henner: Das erste Computervirus, das nennenswert verbreitet wird, ist ein Apple-2-Virus,
Henner: der Elk-Kloner, 1982 als Gag von einem Schüler entwickelt.
Henner: Der richtet jetzt nicht viel Schaden an, der gibt nur ab und zu mal so eine
Henner: Spaßbotschaft auf dem Bildschirm aus. Aber trotzdem, das ist der Anfang einer
Henner: großen Schwämme von Viren, die dann zum Teil auch erheblich größeren Schaden anrichten.
Henner: Und dieses Programm, der Elk-Kloner, der bleibt halt im Arbeitsspeicher,
Henner: wenn er einmal geladen ist, resistent.
Henner: Und von dort aus infiziert er unbemerkt vom User weitere Disketten, die eingelegt werden.
Henner: Das passiert einfach unsichtbar, ohne dass der Nutzer das merkt oder dafür was tun müsste.
Henner: Das geht mit einem Magnetband nicht. Eine Kassette müsste man ja erstmal manuell
Henner: an die richtige Stelle spulen, damit das Virus sich da einnisten kann.
Henner: Das ist hier bei der Diskette nicht mehr nötig. Das heißt, ja,
Henner: auf diese Weise beginnt auch das Virus leider einen Siegeszug.
Henner: Aber nicht nur die Viren, sondern auch das Phänomen, du sagtest,
Henner: ist ja gerade der Schwarzkopien auch als Raubkopien bekannt.
Henner: Das ist natürlich nicht ganz neu, das gab es bei den Kassetten auch schon,
Henner: aber bei der Kassette, da gab es natürliche Limits.
Henner: Man konnte eine Kassette einfach nicht nach Belieben immer und immer wieder
Henner: kopieren, denn das Signal einer Kassette, das ist ja analog und jede einzelne
Henner: Kopie einer Kassette geht einher mit einem Qualitätsverlust.
Henner: Also das Tonsignal ist einfach nicht mehr so gut wie beim Original.
Henner: Und wenn ich eine Kopie nochmal kopiere und die noch einmal,
Henner: dann ist irgendwann das Signal nicht mehr klar genug und dann kann das nicht mehr gelesen werden.
Henner: Das heißt, jetzt ist das Ende erreicht. Man kann diese Kopie nicht mehr weitergeben.
Henner: Und diese natürliche Grenze, die wird durch die Diskette komplett aufgehoben,
Henner: denn die ist digital, da gibt es nur Nullen und Einsen und die lassen sich beliebig
Henner: oft vervielfältigen, ohne dass dabei die Qualität leidet.
Henner: Und das eröffnet den Raubkopierern jetzt ganz neue Möglichkeiten.
Henner: Es gibt einen Bericht der Zeitschrift Soft Talk, die schreibt schon im Oktober
Henner: 1980 über dieses Problem.
Henner: Mit dem Boom der PC-Industrie schreibt sie einhergehe, eine Habgier vieler Benutzer,
Henner: die die Gesundheit der Branche bedroht.
Henner: Es sei eine neue Form der Piraterie, aber die Beute besteht nicht mehr aus Diamanten
Henner: und Dublonen, sondern aus Plastik in Form von Disketten.
Chris: Sehr poetisch.
Henner: Ja, und sie hat ja auch recht, das Problem wird nicht so schnell behoben.
Henner: Das setzt sich in den 80ern fort und da gibt es ja einige Diskettenboxen bei
Henner: manchen C64-User, die nur bevölkert
Henner: sind mit Schwarzkopien und da ist kein einziges Originalspiel drin.
Henner: Die Hersteller versuchen dem entgegenzuwirken mit verschiedenen Maßnahmen.
Henner: Es gibt da Aufklärungskampagnen, zum Beispiel aus den 90er Jahren,
Henner: diese US-amerikanische Herstellervereinigung,
Henner: die das mit einem leicht fremdschämigen Song versucht.
Henner: Den hat der ein oder andere vielleicht schon mal gehört. Der heißt Don't Copy
Henner: That Floppy. Hören wir mal kurz rein.
Sound: Okay, when you buy a disc, you're saying to the team, we respect what you do
Sound: and what you're working for.
Sound: We'll keep up our support so you can make us some more. We'll do the right thing
Sound: and the future will be clear.
Sound: There will be new programs year after year. Don't copy. Don't copy that floppy.
Henner: Ja, das wird niemanden abgehalten haben davon, diese Diskette zu kopieren.
Henner: Etwas wirksamer sind da schon Kopierschutzverfahren, aber die werden auch schnell ausgehebelt.
Henner: Das sind dann zum Beispiel nicht standardgemäße Sektoren auf der Diskette,
Henner: die von einem normalen Leseralgorithmus nicht erkannt werden und ein normales
Henner: Kopierprogramm scheitert daran,
Henner: diese Diskette richtig auszulesen, kann sie also auch nicht richtig schreiben.
Henner: Und so läuft der Kopiervorgang ins Leere.
Henner: Aber auch das wird sehr schnell ausgehebelt. Es gibt dann neue Kopierprogramme
Henner: wie Locksmith auf dem Apple II oder Turbo Nibbler auf dem C64.
Henner: Die umgehen diesen Schutz. Die lesen die Disketten nicht mehr mit den Standardbefehlen
Henner: Sektor für Sektor aus, sondern einfach Bit für Bit.
Henner: Und dann wird auch der Kopierschutz mit übertragen. Es gibt natürlich viele,
Henner: viele weitere Methoden, um das Kopieren zu verhindern oder zumindest zu erschweren.
Henner: Aber naja, am Ende gewinnen immer die Cracker.
Henner: Und so kommt es dann auch, dass ich zeitweise Leerdisketten wahrscheinlich,
Henner: auch wenn ich keine Zahlen habe, um das zu belegen, deutlich besser verkaufen
Henner: als vorbespielte Disketten, weil sie einfach für die Raubkopien verwendet werden.
Henner: Und das hat noch eine ganz interessante Folge, das erzählt mir ein weiterer Veteran,
Henner: Heinrich Lenhardt, ein Branchen-Urgestein, der schon bei so ziemlich allen Magazinen
Henner: war und heute Vivjörg beim Spiele-Veteranen-Podcast, der erzählt etwas über Disketten-Labels.
Einspieler: Ach, die Diskette, ein geradezu magischer Datenträger mit einer gewissen Sinnlichkeit.
Einspieler: Und da denkt man natürlich vor allen Dingen an die 5,25 Zoll Disketten für den
Einspieler: C64 und Co., diese labbrigen Dinger.
Einspieler: Aber hier ist ein Detail, dass diese Disketten alle irgendwie gemeinsam haben,
Einspieler: wenn auch in unterschiedlicher Größe die Bedeutung.
Einspieler: Des Aufklebers. Ich habe noch im Kopf, es gab mal eine Leserumfrage im 64er
Einspieler: Magazin und da ging es um die Kriterien beim Leerdiskettenkauf,
Einspieler: denn man erinnert sich vielleicht, die ein oder andere Sicherheitskopie natürlich
Einspieler: neben den zahlreichen Hausaufgaben, die man gespeichert hat.
Einspieler: Also man hatte doch als Spieler einen gewissen Diskettenbedarf und das waren
Einspieler: gar nicht wenige Firmen, die haben auch Anzeigen geschaltet und so.
Einspieler: Deswegen sind dann über die Anzeigenabteilung, also die Gesamtergebnisse der
Einspieler: Umfrage weitergegeben worden.
Einspieler: Und was manchen Vertreter der Industrie damals völlig überrascht hat,
Einspieler: war anscheinend, dass der Aufkleber mit Abstand das wichtigste Bonus-Feature war.
Einspieler: Und zwar im Sinne von, wie viele sind denn dabei?
Einspieler: Das war ja alles wieder beschreibbar und man hat vielleicht mal was ausprobiert.
Einspieler: Und dann, neue Disketten waren nicht billig, kamen neue Ware drauf sozusagen.
Einspieler: Also wurden jene Diskettenmarken bevorzugt, wo ein paar zusätzliche Aufkleber dabei waren.
Einspieler: Also falls jemand den Erinnerungen hat, dass bei manchen Disketten im Laufe
Einspieler: der späten 80er Jahre auf einmal mehr Aufkleber mit in der Packung waren,
Einspieler: dann könnte das auch daran gelegen haben, dass der 64er da mal eine Umfrage
Einspieler: zu dem Thema gemacht hat.
Einspieler: So, ich übergebe jetzt wieder an die Sendezentrale.
Henner: Ja, das wusste ich auch noch nicht, dass die Leute in den 80er-Jahren ihre Disketten
Henner: danach gekauft haben, wie viele Labels beiliegen.
Chris: Das fand ich auch faszinierend. Damit Raubkopien attraktiv werden,
Chris: muss es natürlich erst mal Software geben, die attraktiv genug ist,
Chris: dass man sie kopieren möchte. Und das sind oft genug Spieler.
Chris: Die Diskette ist natürlich auch das Medium, auf dem dann über kurz oder lang
Chris: die meisten Spieler ausgeliefert werden. Es ist nicht ganz klar,
Chris: wann das erste Spiel auf Diskette in den Handel gegangen ist.
Chris: Wahrscheinlich rund um das Jahr 1979.
Chris: Da erscheint die Brosage benannte Adventure Disc A für den Apple II und den TRS-80.
Chris: Auf dem IBM PC, der ja 1981 rauskommt, ist die Diskette von Anfang an der Datenträger
Chris: der Wahl, also auch für Spiele.
Chris: Schon am ersten Tag gibt es von Microsoft selbst das Microsoft Adventure auf
Chris: Diskette und natürlich Donkey Bus, das ist ja bei Microsoft Basic mit dabei.
Chris: Die Diskette ist auch deswegen für Spiele relevant, weil sie durch das Nachladen
Chris: Spielinhalte erlaubt, die größer sein können als der Arbeitsspeicher des Computers.
Chris: Und damit können sie auch komplexer sein.
Chris: Also zum Beispiel Rollen- und Strategiespiele statt nur Arcade-Umsetzungen.
Chris: Es gibt solche Spiele schon auf Kassette, wo Levels nach Bedarf nachgeladen werden.
Chris: Sogenannte Multi-Load-Titel, Defender of the Crown zum Beispiel für den C64,
Chris: das kommt auf zwei doppelseitigen Kassetten. Aber das ist halt ein mühsamer Prozess.
Chris: Wenn diese Levels nicht in der festen Reihenfolge gespielt werden,
Chris: dann müssen die Spielenden regelmäßig das Band wechseln und zu einer bestimmten
Chris: Stelle spulen und von da laden.
Chris: Deswegen erscheinen viele der umfangreicheren, der komplexeren Spiele,
Chris: zum Beispiel die frühen Ultima-Spiele, ausschließlich auf Diskette und gar nicht erst auf Kassette.
Henner: Wobei bestimmt Raubkopien auf Kassette existierten, aber naja.
Henner: Von diesem größeren Speicherplatz und von dieser Möglichkeit,
Henner: jederzeit Daten nachzuladen, profitiert dann teilweise auch die Grafik eines
Henner: Spiels oder die audiovisuelle Qualität.
Henner: The Hobbit zum Beispiel, dieses Adventure von 83, das erscheint für den C64
Henner: anfangs auf Kassette mit ziemlich
Henner: schlichter Grafik, selbst für diese 8-Bit-Plattform und ohne Musik.
Henner: Aber 1985 kommt dann noch eine Neuauflage, ein HD-Remaster, würde man heute
Henner: dazu sagen, auf Diskette.
Henner: Und da ist die Grafik jetzt viel schöner und es gibt Musik dabei.
Henner: Und das wird alles möglich durch die größere Kapazität der Diskette.
Henner: Also ein Spiel auf Diskette ist in vielen Fällen besser als ein Spiel auf Kassette.
Henner: Sie können auch deswegen umfangreicher, komplexer werden, weil die Diskette
Henner: ja den Umgang mit Speicherständen erleichtert.
Henner: Wir haben es schon vorhin beschrieben, im Bürokontext dieses Dokumentenmanagement,
Henner: das Management von einzelnen Dateien, das hilft ja auch beim Spielen,
Henner: denn so kann ich ein Spiel abspeichern mit einem selbstbenannten Speicherspielstand
Henner: auf einer eigenen Spielstanddiskette und am nächsten Tag fortsetzen.
Henner: Das heißt, auf die Weise sind viel komplexere, viel abendfüllendere,
Henner: längere Spiele möglich.
Henner: Nicht nur einfache Arcade-Umsetzungen, die ich fünf Minuten lang spiele und
Henner: dann fange ich von vorne an, sondern komplexe Strategiespiele oder Rollenspiele,
Henner: die ich über Wochen, über Monate hinweg weiterspiele und dabei mit mehreren
Henner: Spielständen hantiere.
Henner: Ich hatte früher auch eigene Disketten, die nur für Spielspeicherstände bestimmter
Henner: Spiele reserviert waren.
Henner: Eine Pirates-Speicherdiskette, eine
Henner: SimCity-Städte-Speicherdiskette und so weiter. Hattest du sicher auch?
Chris: Ja, natürlich.
Henner: Also wir haben sie nicht nur für Raubkopien benutzt, die Disketten.
Henner: Wir haben auch was Sinnvolles gemacht, was Legales.
Henner: Und man konnte natürlich auf der Diskette auch eigene Kreationen hinterlegen,
Henner: eine eigene SimCity-Stadt, klar,
Henner: aber auch eigene Konfigurationsdateien, angepasste DOS-Startdisketten zum Beispiel
Henner: oder selbst erstellte Maps oder Cheat-Programme, was auch immer ich Freunden
Henner: weitergeben wollte oder Viren,
Henner: das konnte ich auf Disketten sehr einfach machen.
Henner: Das ging auf der Kassette nicht im gleichen Maße.
Henner: Wir haben gerade sehr viele Vorteile der Diskette aufgezählt.
Henner: Also so verhalf die Diskette schließlich dem Computer, insbesondere anfangs
Henner: dem Heimcomputer, als Spieleplattform zum Durchbruch.
Henner: Und der Heimcomputer hat zumindest
Henner: in Europa den Rückstand gegenüber den Konsolen so langsam aufgeholt.
Henner: Die hatten ja ihre Module und dadurch sehr, sehr kurze Ladezeiten.
Henner: Das Handling war sehr viel einfacher als bei der Kassette. Aber mit der Diskette
Henner: haben die Heimcomputer einiges an Boden gut gemacht.
Henner: Und so haben dann auch die Computer in den späten 80er Jahren ihre Modulschächte verloren.
Henner: Wir haben es ja beschrieben, die frühen 8-Bit-Computer wie der C64 oder der
Henner: Atari 800, die hatten noch eigene Modulsteckplätze. Die Nachfolgesysteme der
Henner: Atari ST, der Amiga, die haben das nicht mehr.
Henner: Die setzen jetzt voll auf die 3,5 Zoll Diskette.
Henner: Das Konsolenlager wurde neidisch auf diese neue Technik und einige Konsolen
Henner: haben im Gegenzug eigene Diskettenlaufwerke bekommen.
Henner: Aber das waren Nischenanwendungen. Das Fermicom Disk System und das N64DD,
Henner: die kamen auch nur in Japan raus.
Henner: Sprechen wir vielleicht eines Tages mal drüber in einer Stay Forever Technik
Henner: Bits Folge, aber das ist eine Randnotiz der Geschichte geblieben.
Chris: Also in den späten 80ern bis in die frühen 90er hinein sind die Disketten das
Chris: Medium der Wahl auf den Heimcomputern, aber irgendwann erreichen die auch die
Chris: Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.
Chris: Das sieht man auch wieder sehr gut an Spielen, denn im Laufe der Jahre werden
Chris: die Spiele immer größer und damit schrumpft dann so langsam der Vorteil der
Chris: Diskette als ein schneller Datenträger.
Chris: Man muss zwar immer noch keine Kassette spulen, aber dafür beginnt es jetzt
Chris: mit dem Diskettenwechsel.
Chris: Und je größer das Spiel, desto mehr kann das ausarten.
Chris: Berühmterweise erscheint auf
Chris: dem Amiga ja zum Beispiel Monkey Island 2 im Jahr 1992 auf elf Disketten.
Chris: Oder Beneath the Steel Sky von 1994 auf 15.
Chris: Bing 1995 in der erweiterten AGA-Version für den Amiga 1200 sogar auf 19 Disketten.
Henner: Wahnsinn.
Chris: Und je nachdem, wie gut das dazugehörige Programm programmiert ist,
Chris: muss man mehr oder weniger oft die Diskette wechseln.
Chris: Teilweise bei einem Grafikadventure zum Beispiel beim Wechsel zwischen einem Schauplatz.
Chris: Und das kann natürlich ausarten. Aber die Tatsache, dass die Spiele sich jetzt
Chris: dann auf so viele Disketten erstrecken, ist jetzt nicht nur für die Nutzer anstrengend.
Chris: Das ist auch für die Hersteller von den Spielen nicht ideal.
Chris: Denn natürlich sind mehr Disketten ein relevanter Kostenfaktor.
Chris: Und das nicht nur, weil jede Diskette bezahlt werden muss. Die muss ja auch bespielt werden.
Chris: Also die Vervielfältigungskosten steigen, der Aufwand steigt.
Chris: Und viele Disketten erhöhen auch das Gewicht der Packung.
Chris: Wer mal eine Box mit zehn oder mehr Disketten in der Hand hatte,
Chris: der weiß, dass das gut was ausmacht.
Chris: Damit steigen die Transportkosten. Die Packungen müssen das auch aufnehmen können.
Chris: Die frühen C64-Spiele, die erscheinen ja in so kleinen Plastik-Cases.
Chris: Oder Electronic Arts hat berühmterweise seine frühen Spiele in so hübschen Plattencover-Packungen
Chris: rausgebracht. Da passt so eine dünne 5,25 Zoll floppy auch easy rein.
Chris: Aber schon zwei oder drei davon beginnen das dann auszubeulen.
Chris: Und erst recht die 3,5 Zoll Disketten, da ist das irgendwann dann nicht mehr zumutbar.
Chris: Da stehen dann die sogenannten Big Boxes. Also so eine richtig ordentliche Schachtel,
Chris: die Platz hat nicht nur für ein hochwertiges Handbuch und eventuell Beigaben,
Chris: sondern halt vor allem auch für mehrere Disketten.
Chris: Also der Formfaktor der Packung passt sich da auch der Tatsache an,
Chris: dass da halt einfach immer mehr reinpassen muss.
Chris: Aber gerade bei den Computern, die ab Werk noch keine Festplatte haben,
Chris: also wie der C64 oder der Amiga 500, heißt mehr Disketten halt auch mehr Wechselarbeit
Chris: für die Person, die da vorsitzt.
Chris: Und manche Spiele machen aus der Not dann auch eine Tugend. Zum Beispiel gibt
Chris: es dann nette Aufforderungen zum Diskettenwechsel statt einer profanen Texteinblendung
Chris: mit einem hübsch gestalteten Bildschirm.
Chris: Zum Beispiel beim C64-Spiel G.I. Joe, da scheint dann so ein grimmiger Soldat
Chris: und der befiehlt dem Spieler, turn the disc over.
Chris: Oder Secret of Monkey Island, das macht er ja auch Witzchen dann drüber.
Chris: Da versucht man einen vermeintlichen Geheimraum zu betreten und dann kommt die
Chris: Einblendung, man solle Diskette 22 einlegen oder eine andere Zahl.
Chris: Ich glaube, das ist zufällig eine hohe, zufällige Zahl, die da angegeben wird.
Chris: Natürlich hat das Spiel nicht so viele Disketten.
Henner: Bei späteren Computern, insbesondere beim IBM-PC, wird dieses Problem mit dem
Henner: ständigen Diskettenwechsel ja auch gelöst.
Henner: Dadurch, dass man halt von Festplatte spielt und nicht mehr von der Diskette.
Henner: Da wird das Spiel dann immer noch auf Diskette ausgeliefert,
Henner: aber dann ist die Diskette nur noch ein Installationsmedium und kein Spiele-Lademedium mehr.
Henner: Das heißt, man braucht die Diskette eigentlich nur ein einziges Mal,
Henner: um das Spiel eben zu installieren.
Henner: Das kann natürlich auch eine Weile dauern, auch mal ein paar Stunden,
Henner: bis das Spiel dann endlich auf der Festplatte gelandet ist. Aber zumindest hat
Henner: man danach nicht mehr diesen Stress.
Henner: Und die Zahl der Disketten, die ist bei den Spielen zumindest nicht so hoch
Henner: wie bei den Anwendungen.
Henner: Da gibt es noch extremere Auswüchse. Bing hast du gerade genannt mit 19 Disketten.
Henner: Aber die Anwendungen, die seriöse Software, die übertrifft das noch.
Henner: Windows 98, das gibt es optional auf 38 Disketten.
Chris: Kass.
Henner: Und Office 97 Professional, das scheint wohl so der traurige Höhepunkt zu sein.
Henner: Das gab es optional auf 55 Disketten.
Henner: Aber ich sage optional, denn im Handel gab es das nur auf CD, vernünftigerweise.
Henner: Aber es lag da bei Office 97 ein Coupon bei anfangs.
Henner: Mit dem man bei Microsoft gegen eine kleine Gebühr eine Diskettenversion bestellen konnte.
Henner: Da musste man diesen Coupon ausfüllen und im Original an Microsoft schicken nach Irland.
Henner: Eine Kopie des Coupons galt nicht. Microsoft mag keine Kopien, das ist immer noch so.
Henner: Und dann hat man innerhalb von einer Woche angeblich so einen Diskettenstapel bekommen.
Chris: Da ist dann der große Lieferwagen vorgefahren von Microsoft.
Chris: Und auf der Palette wurde dann Office 97 ausgeladen.
Henner: Genau. Und ich wollte das mal erleben, Christian. Also habe ich es ausprobiert,
Henner: ob es dieses Angebot vielleicht noch gibt bei Microsoft.
Henner: Ich habe so einen Coupon eingeschickt, eben original.
Henner: Aber nach einer Woche habe ich nichts von Microsoft gehört. Auch nicht nach zwei Wochen.
Henner: Und naja, muss ich fairerweise ergänzen. In der Anleitung, die dazu gehört,
Henner: auf diesem Coupon steht, dieses Angebot gelte nur, solange der Vorrat reicht.
Henner: Und wahrscheinlich ist der einfach erschöpft.
Henner: Aber es gibt ein Schlupfloch, Christian. Das steht nur in der deutschen Fassung
Henner: drauf, nicht in der englischen. Also habe ich auch ein englisches Office 97 besorgt.
Henner: Da steht es nicht. Und das auch noch mal eingeschickt. Ich dachte mir,
Henner: vielleicht haben die einfach in Irland mehr von den englischen Disketten lagern
Henner: als von den deutschen. Vielleicht ist das nicht begrenzt.
Henner: Aber da kommt wieder nichts. Und dann habe ich das getan, was für so ein Fall
Henner: vorgesehen war. Das steht da nämlich auch explizit drauf.
Henner: Ich habe einen Fax an Microsoft geschickt und nachgefragt.
Henner: Aber das gab leider nur eine Fehlermeldung.
Henner: Das Zielgerät war nicht mehr erreichbar. Wahrscheinlich ist das also vor ein
Henner: paar Jahren abgeschaltet worden, dieses Faxgerät.
Henner: Dann habe ich den Microsoft Support kontaktiert.
Henner: Der konnte mir erst mal nicht helfen, weil ich die Software ja nicht im Microsoft Store gekauft habe.
Henner: Aber irgendwann hat der Mitarbeiter begriffen, dass es den Microsoft Store im Jahr 97 noch nicht gab.
Henner: Das Ende vom Lied, er konnte mir auch nicht helfen. Also ich habe bis heute
Henner: keine Diskettenversion von Office 97 Professional erhalten. Vielleicht kommt sie ja noch.
Henner: Vielleicht kommt morgen überraschenderweise doch noch dieser Lieferwagen mit
Henner: den Disketten. Aber ich rechne nicht mehr damit.
Chris: Du musst den Intel Support einschalten.
Henner: Ja, die können das. Die sind auf Zack in der Hinsicht.
Chris: Ja, vielleicht haben die gute Drähte zu Microsoft.
Henner: Vielleicht. Ich fürchte aber, dieses Fulfillment Center in Irland,
Henner: das existiert einfach nicht mehr.
Chris: Ja, wie schade.
Henner: Ja, wirklich schade. Naja, die Ära der Diskette ist nun mal bei Microsoft irgendwann
Henner: mal beendet gewesen und das gilt auch für den Rest der Branche,
Henner: denn irgendwann mal ist der technische Fortschritt erlarmt,
Henner: Disketten sind nicht mehr kleiner geworden und die Kapazität ist nicht mehr
Henner: gestiegen und dann hat die Zeit irgendwann mal die Diskette überholt.
Henner: Wie kam es denn dazu? Warum haben wir heute keine Disketten mehr?
Chris: Tja, also erstmal ist zwar mit der 3,5 Zoll Diskette der technische Fortschritt erlarmt.
Chris: Die ist ja über die 1,44 Megabyte im Massenmarkt zumindest nicht rausgekommen.
Chris: Aber die Zahl der jährlich verkauften Diskettenlaufwerke steigt noch lange weiter.
Chris: Die klubigeren Vorgängerformate, die kamen zusammen nie über 20 Millionen Stück.
Chris: Aber das 3,5 Zoll des Kettenlaufwerk, das hat seinen Höhepunkt im Jahr 1998.
Chris: 120 Millionen Mal allein in diesem Jahr verkauft.
Henner: Irrsinn, ja.
Chris: Und das ist nur das Laufwerk. Die passenden Medien, die erreichen in den späten
Chris: 90er Jahren jährliche Stückzahlen von über 5 Milliarden Stück. Das ist der Höhepunkt.
Chris: Aber dann beginnt der Abstieg.
Henner: Ja, da passt dann auch Call of Duty drauf, auf diese 5 Milliarden Disketten.
Henner: Ja, kurz vor der Jahrtausendwende in den späten 90ern kommt die Diskette so
Henner: langsam mal aus der Mode.
Henner: Das liegt vor allem natürlich an dieser begrenzten Kapazität.
Henner: Du hast es ja gerade gesagt, über die 1,44 Megabyte ist sie nie wirklich hinausgekommen.
Henner: Und das wird immer hinderlicher, denn Programme werden viel größer,
Henner: die Dateien werden immer größer. Und der PC wird ja auch vom Arbeitsgerät,
Henner: das immer nur Word-Dateien abspeichern muss und sonst nichts,
Henner: zur Multimedia-Zentrale zu dieser Zeit.
Henner: Das heißt, da läuft auch digitale Musik drauf, da laufen Videos und dafür sind
Henner: Disketten nun wirklich viel zu klein.
Henner: Das heißt, man muss immer häufiger große Dateien aufteilen für den Transport auf mehrere Disketten.
Henner: Das haben wir auch damals häufiger gemacht, wenn wir eine frisch runtergeladene
Henner: MP3-Datei im Freundeskreis teilen wollten.
Henner: Für eine E-Mail waren die zu groß, dann haben wir sie halt aufgeteilt auf mehrere Disketten.
Henner: Wie man das nicht machen sollte, das erzählt mal unser Grafikkünstler Paul in
Henner: einer eigenen Anekdote.
Einspieler: Ich habe euch heute eine eher traumatische Disketten-Geschichte mitgebracht,
Einspieler: also jedenfalls für mich traumatisch.
Einspieler: Es geht um das Spiel Doom, das muss 1995 oder 96 gewesen sein,
Einspieler: ich war da in der dritten oder vierten Klasse.
Einspieler: Und mein Kumpel Sebastian hatte einen 386er zu Hause und auf dem hatte er Doom drauf.
Einspieler: Und das wollte ich unbedingt haben, ich fand das total toll.
Einspieler: Also habe ich von zu Hause einfach jede Menge Disketten mitgebracht und wollte
Einspieler: das Ding da drauf kopieren, das kann doch nicht so schwierig sein.
Einspieler: Und das klappte nicht, denn eine Datei war zu groß.
Einspieler: Ich glaube, das war die Doom.WAD, wenn ich mich jetzt nicht irre,
Einspieler: aber das ist gefährliches Halbwissen.
Einspieler: Aber ich habe das überhaupt nicht verstanden. Das Spiel kam doch auch auf einer Diskette zu ihm.
Einspieler: Also wieso konnte ich das jetzt da nicht drauf kopieren?
Einspieler: Und ich habe alles Mögliche probiert an mehreren Tagen, die ich dann danach noch bei ihm war.
Einspieler: Wir hatten auch immer nur kurze Zeitfenster, in denen wir an den PC durften.
Einspieler: Das war wie früher üblich, so ein Familien-PC, der irgendwo im Wohnzimmer an der Ecke stand.
Einspieler: Da durften wir jetzt nicht die ganze Zeit dran rumhocken. Und ich habe sogar
Einspieler: mit dem MS-DOS-Editor versucht, diese Datei in zwei Teile irgendwie aufzuteilen,
Einspieler: damit die auf die Diskette draufpasst, aber keine Chance, das hat nicht funktioniert.
Einspieler: Gut, ich war zu dem Zeitpunkt auch erst neun Jahre alt oder so und habe erst
Einspieler: Jahre später erfahren, was Komprimierungsverfahren und Co.
Einspieler: Sind und dass eine Datei natürlich auf Diskette viel kleiner sein kann,
Einspieler: als dann im entpackten Zustand auf der Festplatte.
Einspieler: Aber das habe ich dann später selber erfahren, als ich leidgeplagt vor der Installation
Einspieler: von Star Trek Judgment Right saß und gefühlt stundenlang Disketten wechseln musste.
Einspieler: Aber gut, das ist eine andere Geschichte.
Chris: Das hat mich daran erinnert, Pauls Anekdote, dass wir ja, wie du gerade sagtest,
Chris: damals große Dateien auf mehrere Disketten aufgeteilt haben und das Zauberwort
Chris: hieß PK-Zip und PK-Unzip.
Chris: Das waren mit die wichtigsten Tools im Diskettenmanagement damals,
Chris: weil die halt nicht nur Dateien komprimieren konnten, verkleinern konnten,
Chris: sondern vor allen Dingen auf mehrere Disketten verteilen.
Henner: Das war unverzichtbar für einige Jahre zumindest. Und die ganze Branche empfand
Henner: die Diskette noch als unverzichtbar für einige Jahre, obwohl sie technisch längst überholt war.
Henner: Noch in den späten 90er Jahren enthalten praktisch alle neuen PCs,
Henner: also ich spreche von den IBM-kompatiblen PCs, diese uralten Laufwerke.
Henner: Aber dann beginnt das so langsam zu bröckeln, die Dominanz der Diskette und
Henner: die Unverzichtbarkeit.
Henner: Damals hat Microsoft jährlich gemeinsam mit Intel so eine Hardware-Empfehlung
Henner: rausgegeben, den PC Hardware Design Guide.
Henner: Der wurde für einige Jahre jährlich aktualisiert, auch abgekürzt als PC 97 oder
Henner: PC 98 je nach Jahrgang. Und im Jahr 97 steht da schon drin, der Disketten-Controller,
Henner: der Floppy-Controller, der sei nur noch optional.
Henner: Man könne ein Disketten-Laufwerk einfach bei Bedarf per USB anschließen,
Henner: wenn man denn unbedingt eins bräuchte.
Henner: Aber die Branche folgt dem noch nicht so ganz, noch enthalten halt alle PCs so ein Laufwerk.
Henner: Wer da schon einen Schritt weiter ist, ist Apple. Denn der erste iMac,
Henner: der 1998 erscheint, der kommt ohne Legacy-Technik raus, ohne all diese uralten,
Henner: überkommenen Anschlüsse und Technologien der 80er Jahre,
Henner: ohne PS2-Anschlüsse oder serielle Ports oder Parallelports und eben auch ohne Diskettenlaufwerk.
Henner: Das ist schon sehr fortschrittlich. Das ist damals auch umstritten und es gibt
Henner: dann auch Bastellösungen, wie man ein Diskettenlaufwerk nachrüsten kann.
Henner: Aber das weist den Weg in die Zukunft.
Henner: Bei den IBM-PCs dauert das trotzdem noch so ein bisschen länger.
Henner: Erst in den frühen 2000er Jahren verzichten da nach und nach einige PCs auf
Henner: das Diskettenlaufwerk Dell zum Beispiel ab dem Jahr 2003.
Henner: Und im Jahr 2007, da gibt es eine Marktuntersuchung, enthalten nur noch 2% aller
Henner: neu verkauften PCs und Laptops ein Diskettenlaufwerk.
Henner: Das heißt, da ist es nun wirklich fast zu Ende und es gibt auch eine große US-Handelskette
Henner: PC World, die in diesem Jahr 2007 verkündet, die Laufwerke nicht mehr zu verkaufen,
Henner: sobald die Lagerbestände aufgebraucht sind.
Henner: Und in der Zwischenzeit ist auch die Zahl der verkauften Disketten stark geschrumpft.
Henner: Du hast den Höhepunkt ja genannt.
Henner: Fünf Milliarden Stück waren es mal Ende der 90er Jahre. Jetzt sind es nur noch
Henner: einige hundert Millionen, die jedes Jahr verkauft werden.
Henner: Aber worauf haben wir denn dann unsere Daten gespeichert, Christian?
Henner: Gab es denn da einen Nachfolger?
Henner: Floppy 2 oder sowas?
Chris: Es gab zumindest keine Daten. Ich kann dir sagen, worauf ich meine Daten nicht
Chris: gespeichert habe, nämlich auf den Produkten der Firma Iomega.
Chris: Aber da gab es durchaus einige Menschen, die das gemacht haben.
Chris: 1982 schon haben die ein Gerät namens Bernouille-Box rausgebracht,
Chris: eine Art Hochleistungsdiskettenlaufwerk.
Chris: Das kann auch Medien mit 8 Zoll lesen, aber nicht die alten Floppy-Discs,
Chris: sondern das ist ein neues, ein eigenes Format.
Chris: Und das zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Scheibe,
Chris: die da drin liegt, viel schneller rotiert wird.
Chris: 1500 Mal pro Minute und damit bringt man dann bis zu 20 Megabyte auf so eine Scheibe.
Chris: Das ist also von der Funktionsweise wieder ganz ähnlich zur Festplatte,
Chris: aber ist halt Medium und Laufwerk getrennt und damit tragbar im Gegensatz zur
Chris: Festplatte. Und dieses System, diese Bernouille-Box, die hält sich über zehn
Chris: Jahre lang auf dem Markt.
Chris: Am Ende bringt es dieser Datenträger sogar auf 230 Megabyte.
Chris: Aber das ist was für den Profimarkt. Das kostet ganz schön viel.
Chris: Also das 20 Megabyte Modell, das kriegt man im Jahr 1984 für 3.700 Dollar.
Chris: Das wären nach heutiger Kaufkraft 11.000 Euro, die man dafür hinlegen müsste.
Chris: Nochmal deutlich mehr als ein kompletter Macintosh, was ja eh schon eine super
Chris: teure Plattform damals ist.
Chris: Aber in den 90ern nimmt iOmega dann nochmal einen neuen Anlauf,
Chris: versucht es da dann doch im Publikumsmarkt.
Chris: 1995 kommt die SIP des Graus und die könnte der eine oder andere tatsächlich noch kennen.
Chris: Das sind also auch so robustere, größere, diskettenförmige Datenträger.
Chris: Die haben eine Kapazität von anfangs 100 MB, später dann bis zu 750 MB.
Chris: Die haben nur das Problem und damit sind wir wieder bei der Bedeutung von dem
Chris: Interface der Schnittstelle.
Chris: Das sind ja externe Laufwerke, die werden über den Parallelport an den Computer angeschlossen.
Chris: Und das ist doch ziemlich langsam, denn 100 Megabyte zu übertragen wird damit
Chris: dann wieder zur Geduldsprobe, fast als würde man beim C64 wieder vom alten Floppy-Laufwerk
Chris: lesen, ohne Beschleunigung.
Chris: Und dieser alte Parallelport-Anschluss wird ja auch noch direkt durch den Hauptprozessor gesteuert.
Chris: Also in der Regel wird dann auch noch das ganze System lahmgelegt,
Chris: während ja was von der ZipTIS geladen wird.
Chris: Da gibt es später dann auch Modelle, die den USB-Port benutzen.
Chris: Die sind dann natürlich schneller.
Chris: Aber diese ZipTIS setzt sich trotzdem nicht breit durch, obwohl sie doch noch
Chris: das erfolgreichste von diesen verschiedenen Nachfolgeformaten ist.
Chris: Aber sie erreicht halt nie die kritische Masse, dass man das als Standard ansehen
Chris: könnte. Auf ihr Mega geht zum Beispiel auch noch die Superdisk zurück.
Chris: Die wird aber von denen nicht zur Marktreife gebracht, sondern dann von einer
Chris: Tochter von 3M, einer Firma namens iMation.
Chris: Und diese Superdisk, die gibt es in zwei Varianten mit 120 Megabyte oder 240
Chris: Megabyte auf wieder einem 3,5 Zoll Medium. Das Interessante daran ist,
Chris: die Laufwerke sind abwärtskompatibel.
Chris: Also da kann man sowohl Superdiscs drin lesen, als auch ganz normale 3,5 Zoll Disketten.
Chris: Man kann diese alten 3,5 Zoll Disketten sogar überformatieren in so einem Laufwerk
Chris: und bringt dann da 32 Megabyte drauf unter. Das ist schon ganz cool.
Chris: Auch die Technik ist fortschrittlicher. Der Lese-Schreibkopf,
Chris: der da drin ist, wird jetzt mit einem hochpräzisen Laser gesteuert.
Chris: Deswegen heißt dieses Prinzip auch Floptical, als Mischung aus Floppy und Optical.
Chris: Nicht der allerschönste Name.
Henner: Aber prophetisch.
Chris: Ein bisschen prophetisch, genau.
Chris: Aber das Hauptproblem von dieser Technologie ist, dass die ziemlich unzuverlässig ist.
Chris: Dementsprechend kann sich das jetzt nicht durchsetzen im Markt.
Chris: Es gibt auch noch andere Varianten, zum Beispiel Sony, die 98 einen Versuch
Chris: unternehmen mit einem Laufwerk namens Hi-FD.
Chris: Auch das wieder hat 3,5 Zoll Disketten, also ein spezielles Format davon.
Chris: Da passen 150 MB drauf, später 200. Auch das ist abwärtskompatibel,
Chris: kann man alte 3,5 Zoll Disketten reinlegen.
Chris: Aber erstens ist Sony damit ziemlich spät dran. Und zweitens sind die noch unzuverlässiger,
Chris: produzieren noch mehr Lesefehler.
Chris: Da muss Sony sogar die erste Generation dieser Laufwerke wieder zurückholen.
Chris: Was ja schon ganz schön peinlich ist. Also all diesen Nachfolgeformaten gemeinsam
Chris: ist, dass die Datenträger, die sie benutzen, nach wie vor ein magnetisches Medium
Chris: sind, nach wie vor beschichtete Scheiben.
Chris: Aber in den 90er Jahren ist schon klar, die Zukunft des Datenaustausches wird nicht magnetisch sein.
Henner: So ist es. Wobei ich das damals gedacht habe, ich hatte ein ZipDrive,
Henner: kein internes und kein USB angesteuertes, sondern so ein paralleles aus der
Henner: ersten Generation. Und ja, meine Güte, war das langsam.
Henner: Fürchterlich. Und das war dann völlig unpraktikabel, diese 100 Megabyte Kapazität
Henner: auch wirklich zu nutzen.
Henner: Das hat einfach zu lange gedauert. Und dann habe ich kurz gedacht,
Henner: ich bräuchte ein Superdisk-Laufwerk, das ist ja ein bisschen schneller und das
Henner: ist eben abwärtskompatibel und ich war mir ganz sicher, das würde sich durchsetzen.
Henner: Ja, ist auch nicht passiert. Stattdessen kam etwas anderes, die CD wurde beschreibbar.
Henner: Die CD, die gibt es ja schon als CD-ROM sehr viel länger.
Henner: Wir haben schon mal drüber gesprochen in der Folge über das Philips CDI.
Henner: Gibt es seit den 80er Jahren und als Datenträger für Software setzt sie sich
Henner: in den frühen 90er Jahren durch, vor allem dank Rebel Assault oder vielleicht
Henner: war es auch Myst bei dir oder es war Seventh Guest, eins von diesen dreien.
Chris: Bei mir war es Rebel Assault.
Henner: Ja, Rebel Assault, bei mir auch.
Henner: Und die setzt sich sehr schnell durch, zumindest was den Vertrieb von neuen Spielen angeht.
Henner: Ich habe mal verglichen, auf welchen Datenträgern Spiele rausgekommen sind für den IBM PC.
Henner: Im Jahr 93 war das in fast allen Fällen noch die Diskette.
Henner: 94 ist dann schon Gleichstand zwischen Diskette und CD. Und 95 liegt dann die CD deutlich vorne.
Henner: Und zum Jahresende 95 findest du in Preislisten von Spielemagazinen nur noch
Henner: ganz vereinzelt Diskettenversionen. Also da dominiert die CD-ROM den Spielemarkt.
Henner: Und zum Ende des Jahrzehnts hat sie sich dann komplett durchgesetzt,
Henner: auch auf dem Anwendungssoftware-Markt und bei den Betriebssystemen.
Henner: Windows 98 ist das letzte Microsoft-Betriebssystem, das man alternativ auch
Henner: auf Diskette bekommt, wenn man so einen Coupon einschickt und viel Geduld und Glück hat.
Henner: Und dann kommt noch etwas hinzu, da gibt es erstmals OEM-Versionen von Windows
Henner: 98 zumindest, die bootfähig sind von CD.
Henner: Das heißt, wenn du Windows installieren willst, musst du jetzt nicht mehr so
Henner: eine Boot-Diskette einlegen und von der dann die CD starten,
Henner: sondern du kannst direkt von der CD starten.
Henner: Das war eine Revolution, aber damit ist natürlich die Diskette immer unwichtiger geworden.
Henner: Also auch für diese Nischenanwendung war sie dann irgendwann gar nicht mehr nötig.
Henner: Aber die CD-ROM hat natürlich ein großes Problem, genau wie die allererste Diskette
Henner: damals von IBM. Sie ist gar nicht wiederbeschreibbar.
Henner: Das ist ein Read-Only-Memory-Datenträger, also ein nur lesefähiger,
Henner: nicht wiederbeschreibbarer Datenträger. Das ändert sich mit der CD-R,
Henner: die ist wiederbeschreibbar.
Henner: Da kann man spezielle CD-Rohlinge zumindest einmalig mit spezieller Software
Henner: mit Daten versehen oder auch Musik drauf spielen.
Henner: Die gibt es seit den späten 80er Jahren, aber diese Technik ist noch viel zu teuer.
Henner: Erst Mitte der 90er Jahre wird sie langsam erschwinglich und dann kommt 97 auch
Henner: die CD-RW raus, die wiederbeschreibbar ist.
Henner: Also nicht nur einmalig beschreibbar, sondern immer wieder. Oder zum Ende der
Henner: 90er Jahre sind die einzelnen CD-Rohlinge dann auch günstig genug,
Henner: dass man sie im Alltag einsetzen kann.
Henner: Aber so ein richtig optimaler Ersatz für die Diskette ist das immer noch nicht,
Henner: weil eine CD zu beschreiben immer noch ein recht aufwendiger Prozess ist.
Henner: Nicht nur, dass die einzelnen Rohlinge teurer sind als Disketten.
Henner: Das ist auch ein Prozess, für den man spezielle Software braucht.
Henner: Du musst also dafür erstmal ein Brennprogramm starten, dann die Dateien da reinziehen,
Henner: dann langsam den Brennvorgang starten und hoffen, dass das alles geht und dass
Henner: es kein Buffer-Underung-Problem oder sonstiges gibt, womit dann der Rohling
Henner: verbrannt ist und dann kannst du von vorne anfangen.
Henner: Also solche Probleme gab es noch und das Ganze ist nicht sehr handlich.
Henner: Es wird also recht bald deutlich, dass wir noch eine andere Alternative brauchen,
Henner: noch ein anderes Datenträgersystem, um die Diskette wirklich endgültig abzulösen
Henner: und das kommt dann zur Jahrtausendwende so langsam auf.
Chris: Ja, da kommt dann der wahre Erbe der Diskette. Es ist der USB-Stick.
Chris: Denn im Jahr 2000 wird der neue USB-Anschluss, der den Wildwuchs der ganzen
Chris: Anschlussformate am PC eindämmen soll, dann zur Basis für einen Datenträger,
Chris: in dem Flash-Speicherchips drinstecken.
Chris: Und das ist der USB-Stick. Das ist anfangs noch arg limitiert,
Chris: weil der USB-Port der ersten Generation, der ist ziemlich langsam.
Chris: Aber spätestens dann mit dem USB 2.0, also dem High-Speed-Modus, nimmt das Fahrt auf.
Chris: Nun haben wir eine Übertragungsrate von 480 Megabit pro Sekunde und das ist flott genug.
Chris: Der neue Anschluss findet dann ab 2002 auch große Verbreitung,
Chris: als Intel die Technik in neue Chipsätze einbaut und Microsoft auch passende
Chris: Treiber dafür in Windows XP integriert.
Chris: Jetzt wird es also auch einfach, USB-Sticks zu benutzen.
Chris: Und parallel zu der Geschwindigkeit steigt natürlich auch die Kapazität von den Sticks.
Chris: Anfangs sind das in der Regel 8 Megabyte und im Jahr 2004 sind wir dann im Standard
Chris: schon bei einem Gigabyte.
Chris: Und damit übertrifft der Stick auch die CDR.
Chris: 2001 kommen auf gleicher technischer Grundlage SD-Speicherkarten auf den Markt.
Chris: Die boomen überwiegend im Markt der Digitalkameras.
Chris: 2005 gibt es da auch eine Variante davon, das MicroSD-Format.
Chris: Und damit werden also die alten magnetbasierten Speichermedien auch aus anderen
Chris: Gerätegattungen verdrängt, nicht nur auf dem Computer.
Chris: Der gute Al Shugart, von dem wir heute ja schon häufig geredet haben,
Chris: der hat das alles im Jahr 1983 noch nicht für möglich gehalten.
Chris: Ja, wie auch, möchte man sagen. Da gab es ja dieses Interview in Computer Chronicles
Chris: und damals hat er unter anderem auch gesagt, Halbleiter-basierte Speichermedien,
Chris: wie also zum Beispiel die USB-Sticks,
Chris: die würden die Diskette und andere magnetbasierte Speichermedien niemals ersetzen,
Chris: weil die Diskette hat einfach ein unschlagbares Verhältnis zwischen Kosten und Kapazität.
Chris: Und damit hat er ja auch auf 20 Jahre hinaus Recht behalten.
Chris: Also schon okay, die Prognose. So schlecht ist das gar nicht.
Chris: Und dann haben wir natürlich auch noch den Boom der Smartphones und der Netbooks,
Chris: also kompaktere Geräteformen, die ohne jede Magnetspeichertechnik auskommen
Chris: und die ja auch mobil sind.
Chris: Also unser Handy heutzutage ist ja in gewisser Weise ein eigener Datenträger.
Henner: Das stimmt. Das passiert so ab 2007. Da kommt das iPhone raus und auch das erste
Henner: Netbook, der Asus-i-PC.
Henner: Und im Jahr 2007 passiert noch was, denn da kommen all diese Speichermedien,
Henner: die du gerade aufgezählt hast und auch die alte Diskette.
Henner: Ganz neue Konkurrenz aus einer ganz anderen Richtung, nämlich durch die Datenträgerlosigkeit,
Henner: also die Übertragung und auch die Archivierung von Dateien im Internet,
Henner: in der Cloud. Und warum 2007?
Henner: Nun, in dem Jahr gehen einige sehr populäre Cloud-Anbieter online.
Henner: Dropbox zum Beispiel oder auch von Microsoft der Konkurrenzdienst SkyDrive,
Henner: der heute OneDrive heißt.
Henner: Und dann kommt ja auch noch hinzu, dass mehr und mehr Menschen in die sozialen Netzwerke drängen.
Henner: Facebook ist 2004 gegründet.
Henner: Und auch darüber lassen sich Dateien, insbesondere Fotos, natürlich leicht verbreiten,
Henner: sodass man gar nicht mehr unbedingt einen eigenen physischen Datenträger braucht,
Henner: um Fotos an Freunde weiterzugeben.
Henner: Streaming-Dienste kommen auf. YouTube wird 2005 gegründet. Das ist noch ein
Henner: Grund, auf physische Datenträger zu verzichten.
Henner: Wenn ich Medien einfach jederzeit im Netz abrufen kann, dann brauche ich sie
Henner: auch nicht mehr zu archivieren oder zu transportieren.
Henner: Das ist die technische und die praktische Ebene. Es gibt aber darüber hinaus
Henner: auch noch eine Meta-Ebene, auf der die Cloud-Technik unseren Umgang mit Informationstechnik
Henner: und Informationen an sich verändert.
Henner: Denn mit dem physischen Datenträger wie der Diskette verschwindet auch die Bedeutung des Konzepts der Datei.
Henner: Das ist ja mit der Diskette erst richtig relevant geworden, weil sie das Dateimanagement
Henner: so sehr vereinfacht hat.
Henner: In der Cloud wird es jetzt irrelevant. Die Datei ist keine klar verortete und
Henner: messbare, greifbare Entität mehr,
Henner: die ich auf einem Datenträger verwalte und bewege, sondern es ist nur noch ein Link in einer App.
Chris: Es gibt überhaupt nach der Jahrtausendwende nur noch wenige Gelegenheiten,
Chris: wo Nutzer in der Ära von CD und ja den aufkommenden USB-Sticks noch eine Diskette in die Hand nehmen.
Chris: Aber immerhin, es gibt sie noch. Das ist ja etwas, was heutzutage auch verschwunden ist.
Chris: Zum Beispiel bei der Installation von Treibern. Da hat man schon ganz gerne
Chris: nochmal eine Treiber-Diskette benötigt, die man dann einlegen musste.
Chris: Oder vor allen Dingen bei einem BIOS-Update. Da brauchte man in der Regel noch
Chris: eine Diskette, weil das ist ja ein kritischer Vorgang.
Chris: Das konnte man damals nicht von Windows aus anstoßen oder gar über einen Internetzugang,
Chris: sondern da brauchte man dann eine eigens anzufertigende bootfähige Diskette,
Chris: wo dieses BIOS-Update drauf war.
Chris: Und das ist ja nicht so unähnlich dem Micro-Code-Ladeprozess bei einem Mainframe-Computer,
Chris: für den die Diskette 30 Jahre vorher erdacht worden ist.
Henner: Ja, ich bin auch ziemlich sicher, das war das letzte Mal, dass ich produktiv
Henner: außerhalb des Retro-Kosmos eine Diskette benutzt habe für ein BIOS-Update an einem PC.
Henner: Ja, das war noch bis weit in das neue Jahrtausend hinein noch üblich,
Henner: das von einer Diskette aus zu machen.
Henner: Hätte man auch von der CD machen können, aber man konnte dabei ja das alte BIOS
Henner: speichern als Sicherheitskopie und das geht natürlich nur auf einer Diskette.
Henner: Das ist mittlerweile alles nicht mehr nötig. Mittlerweile machen wir BIOS-Updates
Henner: dann doch von Windows aus oder direkt aus dem BIOS oder aus dem BIOS-Nachfolger EFI heraus.
Henner: Und so ist die Ära der Diskette dann doch langsam zu einem Ende gekommen.
Henner: Im Jahr 2011, also 30 Jahre nach Erfindung des 3,5 Zoll Formats und 40 Jahre
Henner: nach der Erfindung der Diskette oder nach der Einführung der ersten Diskette,
Henner: stellt Sony als vorletzter Hersteller die Produktion der Diskette ein.
Henner: Und damit gibt es nur noch einen Hersteller. Der letzte verbliebene Diskettenproduzent
Henner: zu der Zeit ist Verbatim.
Henner: Der hält auch noch für einige Jahre durch. Wie lange genau die noch Disketten
Henner: hergestellt haben, weiß ich nicht. Ich habe mal nachgefragt,
Henner: aber das haben sie mir nicht verraten.
Chris: Wissen sie vielleicht selber nicht.
Henner: Vielleicht tun sie es auch noch und schämen sich ein bisschen dafür.
Chris: Ja, irgendwo steht eine Maschine im Keller von der Fabrik, wer weiß.
Henner: Schön, wie erst denn so langsam gehen der Welt die Disketten aus.
Henner: Das fängt natürlich an mit den älteren Formaten, vor allem die 8 Zoll und mittlerweile
Henner: auch die 5 und Viertel Zoll Disketten, die sterben langsam aus.
Henner: Das zeigt sich dann zum Beispiel bei so einem Retro-Label wie Psytronic Software.
Henner: Die verkaufen neue Spiele für klassische Systeme wie den C64 auf 5,25 Zoll Diskette
Henner: in begrenzter Auflage für Retro-Fans.
Henner: Aber 2023 mussten sie dieses Angebot einstellen, weil der Nachschub an bezahlbaren,
Henner: neuen, leeren 5,25 Zoll Disketten einfach versiegt ist.
Henner: Es gibt keine mehr, niemand stellt die Dinger mehr her.
Henner: Einige der letzten Vorräte von Disketten in allen Formaten, die lagern bei einem
Henner: Händler, der betrieben wird von Tom Persky.
Henner: Das ist nämlich der Betreiber des Online-Shops floppydisc.com.
Henner: Der wurde in der Presse auch schon als Last Man Standing im Diskettengeschäft bezeichnet.
Henner: Der hat sich nämlich vor ein paar Jahren, als so die letzten Diskettenproduktionen
Henner: gerade ausliefen, Dann hat er sich die letzten Millionen Exemplare der produzierten
Henner: Disketten gesichert, sehr weitsichtig.
Henner: Der hat also einige Millionen Disketten auf Lager gehabt und er erhält auch
Henner: weiterhin noch regelmäßig Restbestände, die irgendwo in irgendeiner Kiste in
Henner: einem Lagerraum auftauchen.
Henner: Und die verkauft er bis heute.
Henner: Tom Persky ist damit die letzte Rettung für alle, die heute noch Disketten brauchen.
Henner: Ich habe mit ihm gesprochen und er sagte,
Henner: er habe noch einige hundert neue 8 Zoll Disketten und einige tausend fünfeinviertel
Henner: Zoll Disketten auf Lager und etwa hunderttausend dreieinhalb Zoll Disketten.
Henner: Bei denen ist natürlich die Nachfrage am größten klar, da kann man am meisten mit anfangen.
Henner: Die Preise sind auch noch relativ niedrig, also man kriegt bei ihm im Zehnerpack
Henner: 3,5 Zoll Disketten neu für 13 Dollar.
Henner: Die kann man auch anderswo noch kaufen bei Amazon, aber die Vorräte gehen zur
Henner: Neige. Ich habe ihn gefragt, wie lange halten die denn noch?
Henner: Und er sagt, ungefähr ein Jahr. Dann ist es Schluss. Er meint,
Henner: ja, kleinere Mengen wird es dann schon noch geben, aber die Möglichkeit,
Henner: tausend Disketten oder noch mehr neu zu kaufen, die wird verschwinden.
Henner: Und das passt ihm auch ganz gut, denn er möchte bald in den Ruhestand gehen.
Henner: Und dann kommt noch hinzu, dass Disketten natürlich nicht ewig halten.
Henner: Selbst wenn sie noch irgendwo seit 40 Jahren im Lagerraum liegen,
Henner: heißt das nicht, dass sie noch funktionieren.
Henner: Denn einige Disketten, das kommt darauf an, wie sie gelagert werden und wer
Henner: sie hergestellt hat, aber einige halten nur einige Jahre, andere einige Jahrzehnte lang.
Henner: Dann sind sie einfach unbrauchbar, ohne dass man sie benutzt hätte.
Henner: Sie können auch zerstört werden durch defekte Laufwerke, wenn der Lesekopf aus
Henner: der Spur geraten ist, wenn das Laufwerk nicht richtig kalibriert ist.
Henner: Das kann auch passieren, dass dadurch die Diskette kaputt geht.
Henner: Und die ausfallenden Laufwerke sind sogar noch ein größeres Problem als die
Henner: ausfallenden Disketten.
Henner: Richtig gute funktionierende 5,25 Zoll Laufwerke, die sind mittlerweile richtig
Henner: rar. Die sind ziemlich teuer.
Henner: So ein gut funktionstüchtiges C64-Diskettenlaufwerk, das ist zuweilen genauso
Henner: teuer wie der passende Computer.
Henner: Also nicht nur die Disketten gehen zur Neige, auch die funktionierenden Diskettenlaufwerke.
Henner: Und somit ist diese lange Disketten-Ära wirklich bald zu Ende.
Chris: Wie zuverlässig so ein Datenträger ist, zeigt sich ja in der Regel erst,
Chris: wenn er längere Zeit im Einsatz war.
Chris: Und da, finde ich, schneiden die Disketten gar nicht so schlecht ab.
Chris: Im Jahr 2016 gab es so eine Meldung bei CNN, die im Internet dann zyffisant
Chris: rumgereicht wurde, wo CNN sagte, im US-Nuklearwaffenarsenal Nuklearwaffenarsenal
Chris: werden immer noch 8 Zoll-Floppys benutzt, um die Atomraketen zu steuern.
Chris: Das ist heutzutage übrigens nicht mehr der Fall, das haben sie inzwischen abgedatet,
Chris: aber damals war das ein großes Hallo.
Chris: Und ich würde sagen, nun, wenn man irgendwelche Disketten benutzen will,
Chris: um sein Nuklearwaffenarsenal zu steuern, dann sollte man doch am besten 8 Zoll-Floppys
Chris: benutzen, denn die haben kleine Kapazität,
Chris: große Fläche, Das heißt, große Abstände zwischen den magnetischen Bits,
Chris: die sind tatsächlich am wenigsten fehleranfällig.
Chris: Die Zuverlässigkeit der Disketten sinkt ganz allgemein gesprochen mit der Menge
Chris: an Daten, die du da drauf quetscht.
Chris: Insbesondere, wenn die vielleicht ein bisschen schlecht produziert sind,
Chris: dann sind eher die kleineren, dichtgepackteren
Chris: Diskettenformate viel störungsanfälliger als die großen Daten.
Chris: Aber nichtsdestotrotz, Disketten sind vergleichsweise durchaus zuverlässige Speichermedien.
Chris: Ich habe neulich zum Beispiel zufälligerweise eine Mini-Doku gesehen über Film,
Chris: also über Kinofilme, die ja früher, als sie noch nicht digital aufgenommen wurden,
Chris: auf Celluloid-Band aufgenommen wurden und die haben eine unglaublich schlechte Haltbarkeit.
Chris: Also so ein Celluloid-Film, der zerfällt innerhalb von Jahren.
Chris: Da gibt es ganz große Probleme, das für die Nachwelt zu erhalten.
Chris: Bei den Datenträgern gibt es sehr unterschiedliche Angaben, wie die Lebenszeiten da aussehen.
Chris: Ich habe eine Metastudie von 2011 gelesen. Die hat sich die Eignung verschiedener
Chris: Datenträger für die Langzeitarchivierung von Daten angeguckt.
Chris: Da waren jetzt Disketten nicht dabei, aber Magnetbänder. Da wurde die Lebenszeit
Chris: mit 10 bis 50 Jahren angegeben.
Chris: Das, was man meistens bei Disketten liest, ist eine Lebenszeit von ungefähr
Chris: 30 Jahren für die Daten, die da drauf liegen. Aber das ist deutlich besser als
Chris: zum Beispiel beschreibbare CDs oder DVDs.
Chris: Da liegt es bei ungefähr 25 Jahren.
Chris: Flashspeicher ungefähr zwölf Jahre Lebenszeit. Am schlechtesten Festplatten.
Chris: Da wird auch eine Google-Studie zitiert, wo 38 Prozent der untersuchten Festplatten
Chris: nach fünf Jahren schon kaputt waren.
Chris: Die durchschnittliche Lebenszeit wird da mit sieben Jahren angegeben.
Chris: Gut, Festplatten sind natürlich in der Regel auch viel häufiger im Einsatz,
Chris: da wird viel mehr drauf geschrieben und gelesen als auf so einer typischen Diskette,
Chris: aber nichtsdestotrotz so im Vergleich ist die Diskette da gar nicht so schlecht dabei.
Henner: Ich kann das auch bestätigen. Ich habe jetzt extra für diese Folge mir mal im
Henner: Internet eine Diskettenbox mit Amiga 500 Disketten gekauft, um einfach mal zu
Henner: sehen, was der Besitzer damals so gespielt, gesammelt und gespeichert hat.
Henner: Das finde ich spannend, fand ich immer schon.
Henner: Die Diskettenbox war ja so eine mystische Wundertüte.
Henner: Etwas, worauf man sehr neidisch geschielt hatte, wenn der Nachbar eine 80er-Diskettenbox
Henner: hatte und man selbst hatte nur eine 40er.
Henner: Da waren jetzt sehr viele selbstbespielte, kopierte Disketten drin,
Henner: aber auch viele Originale.
Henner: Und die selbstbespielten und kopierten, die handbeschrifteten Disketten sind
Henner: fast alle nicht mehr lesbar.
Henner: Aber die Original-Disketten, die Spiele, Public-Domain-Software-Sammlungen,
Henner: die Heft-Disketten, die gekauften, die funktionierten durch die Bank alle noch.
Henner: Also eine späte Genugtuung für die Softwareindustrie. Da gibt es doch noch einen
Henner: Vorteil, wenn man eine Originaldiskette gekauft hat, statt eine Kopie anzufertigen.
Chris: Sehr gut.
Henner: Und die sind ja auch fast 30 Jahre alt. Aus den späten 80ern dürften die stammen.
Henner: Also das ist wirklich gar nicht schlecht.
Henner: Trotzdem, wenn man heute mit alten Gerätschaften zu tun hat,
Henner: seien es alte Computer oder Atomwaffenlager oder auch Synthesizer zum Beispiel oder Nähmaschinen,
Henner: die teilweise noch auf Diskettenlaufwerke setzen, Dann sollte man dieses Laufwerk
Henner: vielleicht besser ersetzen.
Henner: Es gibt ja mittlerweile sehr gute, ausgereifte Disketten-Emulatoren,
Henner: also Laufwerke, Geräte im Format eines 3,5 Zoll Laufwerks,
Henner: die ich in den gleichen Schacht einsetzen und dort an die Anschlüsse anschließen
Henner: kann, nutzen kann wie ein Diskettenlaufwerk, aber ich schiebe keine Disketten
Henner: rein, sondern SD-Karten oder USB-Sticks zum Beispiel.
Henner: Das ist natürlich erheblich bequemer und hält vermutlich auch länger,
Henner: als weiterhin auf Disketten zu setzen.
Henner: Aber einige wollen die Diskette vielleicht gar nicht ersetzen.
Henner: Ich stellte fest, dass es eine sehr lebhafte Kulturszene gibt rund um die Diskette.
Henner: Und einige der Kunden von Tom Persky, von seinem Disketten-Shop,
Henner: sind auch Künstlerinnen und Künstler, die Disketten-Kunstwerke erschaffen.
Henner: Die bauen daraus Mosaike zum Beispiel.
Henner: Oder es gibt viele Musiker, Bands, die ihre Musik auf Diskette verkaufen.
Henner: Eine erstaunlich große Musikszene sogar in dieser Floppy-Musik-Szene.
Henner: Aber das ist natürlich eine kleine Nische und hat mit dem Massenmarkt nichts mehr zu tun.
Chris: Dann lass uns mal zum Abschluss noch darüber sprechen, zusammengefasst,
Chris: was wir denn der Diskette jetzt eigentlich verdanken, welche Bedeutung sie für
Chris: den Computermarkt, für die Spiele, für uns als Gesellschaft insgesamt hat.
Chris: Und man muss erstmal festhalten, die Diskette war erstaunlich lange relevant für den PC-Markt.
Chris: Das ging los 1978, als Apple das erste Diskettenlaufwerk für den Apple II auf
Chris: den Markt gebracht hat und hielt etwa bis zum Jahr 1998, als ebenfalls im Apple,
Chris: also im iMac, auf so ein Laufwerk verzichtet wurde.
Chris: Vielleicht sogar bis in die 2000er rein, als der PC dann langsam Abschied nahm.
Chris: Also sagen wir so 20 bis 25 Jahre Relevanz.
Chris: Und das ist eine Ewigkeit auf dem schnelllebigen Computermarkt,
Chris: wenn man es insbesondere mit anderen Datenträgern vergleicht.
Chris: Datenkassetten oder die CDR zum Beispiel, die beschreibbare CD,
Chris: die haben etwa zehn Jahre durchgehalten.
Chris: Da war die Floppy-Ära doch sehr viel länger. Und was ist uns von der jetzt geblieben, Henna?
Henner: Erheblich mehr, als die Erfinder damals für möglich gehalten hatten.
Henner: So viel ist sicher. Der Miterfinder Herbert Thompson, der hat mal in einem Interview
Henner: gesagt, ich trete mich immer wieder selbst dafür, dass ich damals nicht das
Henner: Potenzial der Floppy erkannte.
Henner: Ich sah darin lediglich das, als was sie definiert wurde. Also ein Lesemedium für den Mikrocode.
Henner: Als solche war sie ja ursprünglich mal entworfen worden.
Henner: Aber die Diskette ist ja weit über das hinausgewachsen, über dieses ursprünglich
Henner: vorgesehene Nutzungsszenario.
Henner: Die Diskette hat sehr viele Qualitäten bewiesen, die haben wir ja schon ausführlich
Henner: beschrieben und damit hat sie sich sehr stark abgehoben vom Magnetband,
Henner: also sowohl von den alten Magnetbandrollen der Großrechner als auch von den
Henner: kleinen Magnetkassetten, die wir am Heimcomputer benutzt haben.
Henner: Und weil sie größere Kapazität hatte, weil sie schneller war,
Henner: weil sie den direkten Datenzugriff ermöglicht hat, weil sie praktischer war,
Henner: es gab keinen Bandsalat.
Henner: Und wegen all dieser Vorteile hat sie dem PC oder auch dem Heimcomputer,
Henner: das ist ja letztlich das Gleiche, zum Durchbruch auf dem Massenmarkt verholfen.
Henner: Also die PC-Revolution, der Aufstieg des Mikrocomputers zum Massenprodukt wäre
Henner: nicht denkbar gewesen ohne die Diskette.
Chris: Zudem hat sie eben auch dank der Festlegung auf Standardformate,
Chris: also insbesondere 5,25 Zoll und dann 3,5 Zoll,
Chris: die Entstehung des modernen Softwaremarkts mit ermöglicht und damit einhergehend
Chris: die Explosion des Angebotes an kommerzieller,
Chris: aber auch an gemeinfreier Software.
Chris: Insbesondere Anwendungen, aber auch, wie wir sagten, komplexe Spiele haben profitiert
Chris: von den Eigenschaften der Diskette.
Chris: Von der hohen Kapazität, von dem wahlfreien Datenzugriff, von der Wiederbeschreibbarkeit.
Chris: Dadurch konnte sich Software wandeln, wachsen, neue Formen annehmen und hervorbringen.
Chris: Und das noch bevor sich die Festplatten in den PCs durchgesetzt haben.
Henner: Und jetzt haben wir nur von der Diskette als Datenträger für kommerzielle Software
Henner: gesprochen, aber sie ist ja viel mehr.
Henner: Ich kann ja auch eigene Dateien drauf abspeichern.
Henner: Und so erlaubt die Diskette erstmals praktikablen Datenaustausch über das Sneakernet.
Henner: So wurde es ja auch genannt, das Tonschuh-Netzwerk.
Henner: Wenn die Computer keinen richtigen Netzanschluss hatten, weder ans Internet
Henner: noch an ein lokales Netzwerk, weil das zu teuer war, zu aufwendig oder auch
Henner: gar nicht möglich, im Falle einiger Heimcomputer, dann konnte ich auf diesem
Henner: Wege trotzdem Daten austauschen.
Henner: Ob jetzt privat oder beruflich. Das half dem Computer aus der Isolation des
Henner: Einzelplatzes auszubrechen.
Henner: So konnte er sich auf rudimentäre Weise vernetzen, auch ohne Netzwerktechnik.
Henner: Aber damit haben wir jetzt beschrieben, was die Diskette für uns wirtschaftlich
Henner: und technologisch bedeutet.
Henner: Was bedeutet sie denn für uns persönlich oder kulturell?
Chris: Das ist vielleicht sogar noch wichtiger als dieser unbestreitbare wirtschaftliche,
Chris: ökonomische Faktor. Aber die Diskette hat Software greifbar gemacht.
Chris: Das ist eine physische Manifestation von Software.
Chris: Viel mehr als andere Datenträger davor, als zum Beispiel auch die Kassette,
Chris: die ja in erster Linie immer noch im Kopf eine Audiokassette ist.
Chris: Das heißt, digitale Daten werden versinnbildlicht und stofflich und anfassbar
Chris: gemacht durch die Diskette. Denn Programmcode und elektronische Dokumente,
Chris: Dateien, die sind ihrem Wesen nach ja gestaltlos.
Chris: Das sind ja einfach nur Einsen und Nullen.
Chris: Aber die werden durch den Datenträger eben greifbar und verortbar und auch kontrollierbar.
Chris: Und klar, das gilt eben neben der Kassette auch für die CD oder die DVD.
Chris: Aber wie gesagt, die stehen primär eigentlich für andere Inhalte,
Chris: für Musik oder für Filme. Und diese Greifbarkeit ist ja auch was,
Chris: was uns heutzutage in der Cloud-Ära verloren gegangen ist.
Chris: Du hast vorhin den Tom Persky erwähnt, diesen Diskettenhändler, dem gibt das zu denken.
Chris: Der hat ja zum Beispiel gesagt, für ihn gehört die Diskette zu den letzten Werkzeugen,
Chris: die der Mensch intuitiv versteht.
Chris: Und er habe den Eindruck, dass wir im Diskettenzeitalter zum letzten Mal verstanden
Chris: haben, wo sich unsere Informationen befinden. Jetzt fließt alles einfach durch
Chris: den Äther und er findet das irgendwie beunruhigend.
Chris: Und ich kann das verstehen, dieses Gefühl.
Chris: Ich teile jetzt diese Beunruhigung nicht, aber die Diskette hat schon etwas Beruhigendes.
Chris: Sie hat sowas Manifestes. Da liegt sie und da sind meine Sachen drauf.
Henner: Und die gehören mir oder das Programm, das ich gekauft habe,
Henner: gehört mir, weil mir der Datenträger gehört. Und das gibt es ja gar nicht mehr.
Henner: Wenn ich heute ein Spiel kaufe in digitaler Form bei Steam oder anderswo,
Henner: dann erwerbe ich ja auch nur ein Nutzungsrecht.
Henner: Aber mir gehört die Software nicht.
Henner: Und das ist mit den physischen Datenträgern wie der Diskette verloren gegangen.
Henner: Aber die Diskette dient nicht nur der Verwahrung von Dateien oder dem Vertrieb
Henner: von Programmen, sie ist auch ein Symbol des persönlichen Ausdrucks.
Henner: Finde ich, weil wir selbst ihren Inhalt bestimmen können, zumindest wenn wir
Henner: sie selber beschreiben und wir sie mit unseren eigenen Dateien,
Henner: mit unseren Erinnerungen, mit unseren Spielständen, mit unseren Gedanken,
Henner: mit unseren Tagebüchern füllen können.
Henner: Sehr viele meiner alten Disketten, die im Keller in einer Diskettenbox schlummern
Henner: für den Atari ST, die sind gefüllt mit persönlichen Texten, die ich damals geschrieben habe.
Henner: Und das macht die Diskette also zu einem Symbol oder einem Werkzeug des persönlichen Ausdrucks.
Henner: Nicht nur was den Inhalt angeht, sondern auch das Äußerliche,
Henner: weil ich sie ja selber über das Label ein bisschen gestalten und beschriften oder bemalen kann.
Henner: Und das unterscheidet die Diskette doch sehr von einem Spielmodul,
Henner: das völlig unpersönlich ist, das bei jedem gleich ist, das immer die gleichen
Henner: Dateien enthält, das nichts von mir enthält, mit dem ich mich nicht ausdrücken kann.
Henner: Das geht in ähnlicher Form mit der Kassette natürlich,
Henner: insbesondere mit dem Mixtape aus den 80ern, mit dem man eigene Musik zusammengestellt
Henner: hat, aber das geht nicht mit dem Modul und das geht auch nicht mit einem Datenpaket von Steam.
Chris: Ja und zuletzt steht die Diskette in gewisser Weise auch für Datensicherheit.
Chris: Das mag ein bisschen komisch klingen, wenn man bedenkt, dass wir vorhin schon
Chris: ja gesagt haben, dass sich auch Viren verteilen über Disketten und dass ja immer
Chris: mal wieder auch eine ausgefallen ist. Aber die Diskette kennen wir zum Beispiel
Chris: auch in ihrer Form als Boot-Diskette.
Chris: Und da erlaubt sie uns die Rettung von Systemen, die Neuinstallation des Betriebssystems,
Chris: wenn das unbrauchbar geworden ist oder den Scan durch ein Antivirenprogramm.
Chris: Und sie ist ein Backup-Medium.
Chris: Ich würde sogar sagen, das erste wichtige Backup-Medium. Da bewahren wir unsere
Chris: Daten dann gut geschützt in einer abgeschlossenen Diskettenbox,
Chris: um sie dann Jahrzehnte später über Ebay an einen Wildfremden zu verkaufen,
Chris: der dann die Amiga-Disketten durchguckt, um zu schauen, was drauf ist.
Henner: Stimmt, das war immer wichtig, dass man die Diskettenboxen abschließen konnte.
Henner: Das war immer grundsätzlich so ein kleiner Schlüssel dabei.
Chris: Ja, immer ein kleiner Schlüssel.
Henner: Völliger Unsinn, wenn man da rankommen will, dann schafft man das auch,
Henner: dieses dünne Plastik zu durchbrechen. Aber es ging und wir haben es auch gemacht,
Henner: nach jeder Benutzung abgeschlossen.
Chris: Natürlich, damit der kleine Bruder nicht rankam.
Henner: Genau. Also manch einem IT-Experten stellen sich jetzt die Nackenhaare auf.
Henner: Natürlich ist die Diskette kein wirklich gutes Backup-Medium,
Henner: aber wie du schon sagst, das erste wirklich relevante und als solches praktisch
Henner: nutzbare Backup-Medium, weil ich darauf eben mehrere Dateien auch versioniert
Henner: in verschiedenen Versionen einzeln abspeichern kann.
Chris: Ja, und es ist auch ein Backup-Medium, das die Portabilität von Daten zwischen
Chris: Systemen ermöglicht und zwischen PC-Generationen.
Chris: Ich meine, bei den frühen PCs, als wir unseren XT ersetzt haben durch den 386er,
Chris: den 386er, durch den 486er, das, was mit umgezogen ist, die Daten,
Chris: die mit umgezogen sind, sind nie auf der Festplatte umgezogen.
Chris: Die ist immer im alten Gerät drin geblieben, sondern das Wichtige habe ich auf
Chris: Diskette überspielt oder hatte
Chris: es schon auf Diskette und damit ist es auf das neue System gewandert.
Henner: Also deine eigenen Texte, deine eigenen Spielstände und so weiter.
Henner: Hast du per Diskette in die nächste Generation gebracht, ja?
Chris: Ja, ganz genau.
Henner: So habe ich es auch gemacht, als ich vom Atari ST auf den PC umgestiegen bin,
Henner: in den späten 90ern, viel zu spät.
Henner: Da habe ich auch meine wichtigsten Texte vom ST auf den PC übertragen.
Henner: Man konnte die mit der bestimmten Software so formatieren, dass sie in beiden
Henner: Systemen gelesen werden konnte.
Henner: Also es war auch ein Vermittler zwischen den Welten, die Diskette, wenn man so will.
Henner: Ja, und weil die Diskette also in gewisser Weise für Datensicherheit steht mit Einschränkungen,
Henner: ist das wenig verwunderlich, dass die Diskette in dieser Form weiterlebt als
Henner: Symbol für nicht unbedingt Sicherheit, aber für das Speichern,
Henner: für das Sichern eines Dokuments.
Henner: Das gibt es ja in zahllosen Anwendungen, nicht in allen, aber zum Beispiel bei
Henner: Microsoft Office ist das nach wie vor so,
Henner: wenn ich eine Datei speichern will und sie nicht sowieso automatisch über die
Henner: Cloud gespeichert wird, wenn ich das also manuell anstoßen will,
Henner: den Speichervorgang, dann drücke ich auf ein kleines Disketten-Symbol.
Henner: Bei der Konkurrenz in LibreOffice ist es genauso.
Henner: In Paint.net, im Edge-Browser, im Foxit-Reader, in ganz vielen verschiedenen Programmen.
Henner: Ich habe mich hier mal unter Windows durchgeklickt durch meine Software-Sammlung.
Henner: In ganz vielen Programmen, in Spielen wahrscheinlich eher selten,
Henner: ist das Symbol fürs Speichern eine Diskette.
Henner: Und das mag überraschen, weil ja eigentlich dieses Symbol heute von jungen Menschen
Henner: gar nicht mehr erkannt wird, als das, was es ist.
Henner: Ich glaube, wenn ich meine Tochter davor setze, dann wird die nicht wissen.
Henner: Dass das für eine Diskette steht und was überhaupt eine Diskette sein soll.
Henner: Und wir speichern ja auch nichts mehr auf Diskette, ist ja Quatsch,
Henner: sondern wir speichern etwas auf einer SSD oder im Netz.
Henner: Aber trotzdem hat sich dieses Symbol erhalten und es hat sich mittlerweile einfach
Henner: von seiner ursprünglichen Bedeutung entkoppelt. Also man muss darin gar keine Diskette mehr sehen.
Henner: Es ist einfach nur entscheidend, dass es als solches eindeutig und wiedererkennbar ist.
Henner: Und dass das Symbol nichts mehr mit dem Original wirklich erkennbar zu tun hat,
Henner: mit dem Ursprung des Symbols, das ist ja nicht nur bei der Diskette so.
Henner: Das ist bei ganz vielen etablierten Icons so.
Henner: Beim Telefonhörer-Icon auf dem Handy zum Beispiel, da wird die junge Generation
Henner: auch nicht mehr erkennen, was das eigentlich sein soll, dieses komische, hörnchenförmige Ding.
Henner: Oder das Clipboard-Symbol zum Kopieren oder das Start- und Stopp-Symbol auf jedem Media-Player.
Henner: Was hat denn das mit dem Vorgang zu tun, was ich da mache, mit dem Starten oder Stoppen?
Henner: Da ist keine erkennbare Verbindung mehr und so ist es auch bei der Diskette
Henner: nicht mehr wirklich für die junge Generation zumindest erkennbar,
Henner: was das überhaupt sein soll, aber es hat sich nun mal etabliert und es wird
Henner: auch, glaube ich, für alle Zeit so bleiben.
Henner: Denn dieses Symbol ist einzigartig, es ist unverwechselbar, leicht zu erkennen
Henner: und das ist das Entscheidende und das führt dazu, dass wir es wahrscheinlich
Henner: auch bei Office 2100 immer noch zu sehen bekommen.
Chris: Und die Diskette steht eben auch dank ihrer Langlebigkeit für eine ganze Ära
Chris: der Computertechnologie und ist nicht zuletzt deswegen ja auch unser Stay Forever Logo.
Henner: Oh, stimmt. Und weißt du was? Ich habe mal ausgerechnet, Christian,
Henner: wir könnten theoretisch diesen Podcast oder jede andere Folge auch auf eine
Henner: Diskette vertreiben und verschicken.
Henner: Denn es gibt mittlerweile Codex, also Audio-Codex, die den Ton so stark komprimieren,
Henner: dass eine komplette 4-Stunden-Folge Stay
Henner: Forever-Technik auf eine 1,44-Megabyte-Diskette passen würde. Das geht.
Chris: Aber ist das dann noch hörenswert? Möchte man das auch? Hast du es ausprobiert?
Henner: Das ist nebensächlich. Ja, ich habe es ausprobiert. Also ich habe keine Folge
Henner: auf eine Diskette gespeichert, aber ich habe sie so stark runter komprimiert, dass sie passen würde.
Henner: Und man kann das noch erkennen, was wir da sagen.
Chris: Also wenn genügend Menschen sich melden und sagen, ich wäre bereit,
Chris: für eine solche Diskette ein paar Euro in Zeckel zu werfen, dann machen wir
Chris: vielleicht eine Special Edition Pressung, Limited Edition und bieten die über
Chris: den Retro Shirtie Shop an.
Chris: Die Diskettenfolge auf Diskette.
Henner: Schöne Idee. Ich schreibe gleich mal Tom Persky an, ob er mir vielleicht ein
Henner: paar Disketten schicken kann dafür.
Chris: Ja, 13 Euro für einen Zehnerpack brauchen wir nicht so viele,
Chris: glaube ich. Aber wenn ihr so was haben wollt, dann meldet euch.
Henner: Ja, und wenn ihr sonst noch Ideen habt, was man mit Disketten heute noch alles
Henner: anstellen kann oder wenn ihr eigene Anekdoten aus der langen Disketten-Ära teilen
Henner: möchtet mit uns, tut das gerne übers Forum oder über Discord.
Henner: Es gibt ja verschiedene Kanäle, über die ihr das tun könnt.
Chris: Genau. Dann bedanke ich mich an dieser Stelle bei euch fürs Zuhören und Henna
Chris: bei dir für die Recherche und für das angenehme Gespräch und bei all den Leuten,
Chris: die wir in den Einspielern gehört haben.
Chris: Vielen Dank an euch und natürlich auch an die Interviewpartner.
Henner: Ich danke ebenfalls.
Chris: Tschüss.
Henner: Tschüss.